Hilfe! Überanpassung...

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon alibaba » Mo 11. Feb 2019, 13:07

sinus hat geschrieben:Ich glaube, es schadet dem Selbstwertgefühl ganz besonders, wenn man FÜHLT dass man anders ist, aber einem GESAGT/GEZEIGT wird, es sei nicht so oder SOLLTE nicht so sein.
Das zwingt den Menschen doch, einen Bereich seines Selbst zu verstecken oder zu negieren. Das kann doch nicht gut sein.


Aber das macht doch keiner und empfiehlt hier auch keiner. Das Mädchen geht mit 12 Jahren in eine 8.Klasse. Dachtest du, dass @koschka hier etwas dem Kind vorenthält? Ich glaube, @Sinus wir reden aneinander vorbei. Ich glaube, dass auch schon ganz viele Gespräche mit dem Kind statt gefunden haben. Die Kinder wurden mit 4 Jahren eingeschult und da spricht man nicht über Protentiale? :gruebel: Weiter geht der Zwilling eine Klasse tiefer, obwohl hb.

Bitte erzähl mir nicht, dass Begabungen innerhalb der Familie nicht thematisiert werden. DAS glaube ich nicht.

Und jetzt würde mich auch interessieren, welche Lösung du denn im konkreten Fall, vorschlagen kannst, außer reden und hoffen. Ich denke nämlich, dass reden hier oft passiert und die Kinder sich durchaus ihrer Situation bewusst sind. Und daher vermute ich, unter Annahme der vielen Aspekte über die Jahre gesehen, dass hier die HB nicht der alleinige oder hauptursächliche Grund der Symptomatik ist.

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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Koschka » Mo 11. Feb 2019, 13:10

auch wenn ich den Vegleich nicht wirklich treffend finde, da Übergewicht durchaus ein medizinisches Problem darstellen kann... Es gibt Kulturen, wo Übergewicht positive Eigenschaft ist. Da sind Dünne und Dürre im Nachteil. Es gibt auch in unserer Kultur Menschen, die mit ihrem Gewicht selbstbewusst und glücklich leben und es gibt eine ganze Menge von Menschen, die ihr Gewicht trotz der Veranlagung mit dem Druck der Umgebung und der Verbissenheit in eine Slimfitjeans, die drei Nummer zu klein ist reinzwingen wollen.
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 11. Feb 2019, 13:17

@Alibaba:

Ehrlich gesagt kommt mir eher vor, dass sich koschka mit der Problematik der Überanpassung ihrer Tochter HIER teilweise nicht verstanden fühlt. Ich glaube nicht, dass sie hier von jemand perfekte Lösungen erwartet. Aber vielleicht Anregungen oder andere Sichtweisen...

Das von sinus angesprochene Gefühl "anders" zu sein, haben viele Jugendliche, bei jenen, die tatsächlich anders SIND (sei es durch Hochbegabung oder was-auch-immer) ist es aber noch deutlich ausgeprägter. Und da ist eben schwer, das richtige Maß zwischen Anpassung und Authentität zu finden. Da können Eltern auch nicht mehr viel helfen, so sehr sie es auch wollen. Einerseits ist die Entscheidung, wie man sich der Umwelt gegenüber präsentiert, extrem individuell. Der Mama erscheint es vielleicht zu viel Anpassung, dem Kind zu wenig. Oder umgekehrt. Wie auch immer, die peergroup wird mit jedem Tag wichtiger und VON DORT kommt der (gefühlte oder reale) Druck zur Anpassung - nicht vom Elternhaus!
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Koschka » Mo 11. Feb 2019, 14:42

@Rabaukenmama

Ich glaube einiges ist doch vom Elternhaus abhängig. Wenn ich und mein Mann offen für unsere Andersartigkeit stehen, dann kann das Kind das von uns gelebte wenn nicht als Beispiel, dann wenigstens zur Kentnis nehmen. Wir haben in der Zeit ohne Messung und Wertung die Begabung nicht wirklich thematisiert, es gab dazu auch keinen Grund. Wir versuchen unser Kind auf seinem Weg zu unterstützen und zu ermutigen das eigene ICH zu leben und den eigenen Weg zu gehen.
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon alibaba » Mo 11. Feb 2019, 15:30

Rabaukenmama hat geschrieben:@Alibaba:

Ehrlich gesagt kommt mir eher vor, dass sich koschka mit der Problematik der Überanpassung ihrer Tochter HIER teilweise nicht verstanden fühlt. Ich glaube nicht, dass sie hier von jemand perfekte Lösungen erwartet. Aber vielleicht Anregungen oder andere Sichtweisen...

Das von sinus angesprochene Gefühl "anders" zu sein, haben viele Jugendliche, bei jenen, die tatsächlich anders SIND (sei es durch Hochbegabung oder was-auch-immer) ist es aber noch deutlich ausgeprägter. Und da ist eben schwer, das richtige Maß zwischen Anpassung und Authentität zu finden. Da können Eltern auch nicht mehr viel helfen, so sehr sie es auch wollen. Einerseits ist die Entscheidung, wie man sich der Umwelt gegenüber präsentiert, extrem individuell. Der Mama erscheint es vielleicht zu viel Anpassung, dem Kind zu wenig. Oder umgekehrt. Wie auch immer, die peergroup wird mit jedem Tag wichtiger und VON DORT kommt der (gefühlte oder reale) Druck zur Anpassung - nicht vom Elternhaus!


Eine perfekte Lösung gibt es nie - glaube ich zumindest. Das sich kluge Kinder überanpassen, kann man überall nachlesen. Da könnte ich die Liste lang werden lassen. Natürlich ist das so. Kann vorkommen, wie hunderte andere Merkmale auch, die auf kluge Kinder zutreffen. ABER was tun, wenn man es nicht ändern kann? Ich kann ganz lang über eine Überanpassung reden. Jedoch passiert aber nichts, wenn wir alle hier erzählen, ja, kenne ich. Interessant ist doch eine mögliche Lösung. Da gibt es einige Möglichkeiten, aber keine für @koschkas machbare oder umsetzbare.

Unabhängig mal davon, glaube ich sowieso, dass sich jeder Mensch anders fühlt. Aufpassen muss man aber zwischen dem ich denke mein Kind fühlt sich so und so und dem was ein Kind sagt wie es sich fühlt. Man kann auch viel hinein interpretieren. Mir fehlt da ein bisschen die Kommunikation zwischen Mutter und Tochter, was denkt das Kind genau. Vor allem, was will denn das Kind? Will ich jetzt gerade eine Lösung haben? Gefühle in dem Alter sind eh ganz schwierig. Ich frage mich, warum die Tochter nichts findet was ihr Spaß macht, wo sie Anerkennung findet.

Ich vermute daher, dass ganz viel ins eigentliche Problemfeld mit hinein spielt. Mit 12 Jahren in einer 8.Klasse, keine adäquaten Forderungen im Hobby, Freunde die einen verstehen (das ist so mega wichtig), langweiliger Unterricht, das starre pressen ins System (Kind kannte ja die Freiheit der Bildung) …….. all das wird einen kleinen Beitrag zum großen Unwohlsein zusteuern. Und manchmal braucht es auch inneren Antrieb. Wie mein Sohn, der mir heute erklärte, er habe sich im Unterricht mal so richtig gemeldet, mindestens 30-40 Mal pro Stunde. Ich darauf hin: Warum heute? Er: ach ich weiß auch nicht, ich hatte heute einfach Lust. :o

Ich sehe eigentlich nur 2 Lösungen. Akzeptieren oder ändern. Aber da ist unter anderem auch die Tochter in Eigenenergie gefragt. Und koschka muss sich fragen, ob sie nicht doch an einer Schraube anfangen kann zu drehen. Ansonsten sage ich als Praktiker: aufhören zu jammern. Mir fehlt jetzt der Kuss-Smiley, denn ich meine es auf keinen Fall böse.

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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Koschka » Mo 11. Feb 2019, 15:52

@alibaba

Diese Situation hat mit Hobbies nichts zu tun. Es geht um die Grundfrage, wie gehe ich mit meiner Andersartigkeit um. Ziehe ich den Kopf ein und versuche nicht aufzufallen, trage ich den Kopf so hoch, dass ich die Anderen ignoriere, oder finde ich einen anderen Weg. Es gehört eine gute Portion Mut dazu, den Kopf zu heben und seine Meinung auszudrücken. Diesen Mut kann man sich m.E. nicht durch die Flucht in die Hobbies erwerben.

Was ist bei den Onlinetests von deinem Sohn rausgekommen?
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Maca » Mo 11. Feb 2019, 18:17

Die tiefangelegte Aversion gegen den
Herdentrieb (auch wenn man mit Anpassung dagegen ankämpft) wird frühkindlich geprägt.
Ein guter Intellekt befähigt das Individuum sich des Widerspruches ( Widerstreit zwischen dem angelegten Freigeist und dem Bedürfnis navh sozialer Akzeptanz) permanent bewusst zu sein.
Das bedeutet nicht zwingend einen Leidensdruck aber wenn er besteht, ist das eine persönliche Katastrophe.

Es ist wichtig das thematisieren zu dürfen.
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon sinus » Mo 11. Feb 2019, 19:54

@alibaba: Meine Posts waren ja zum Teil auch gar nicht unbedingt als Ratschläge an Koschka gedacht, sondern auch einfach meine Gedanken zum Thema, die sich natürlich in erster Linie um unsere Situation und mein Kind drehen.

Ich hänge mal ein Bild an, was meine Tochter im Alter von ca. 7 Jahren beim DIXIT-Spiel entdeckt hat und gezielt herausgriff. Dazu flüsterte sie mir ins Ohr:
"Mama, guck mal, so fühle ich mich!"

Bild

(Das kann übrigens u.a. auch mit ihrem anderem Aussehen als "Mischling" zusammenhängen.)

Ich habe es kürzlich mal wieder angesehen und sie gefragt, wie die weiße Blume es denn eigentlich gern hätte.
Erst meinte sie, sie wäre vielleicht auch gern rot, damit sie nicht so auffällt. Nach kurzem Nachdenken aber sagte sie, nein, eigentlich wäre sie gern so grün wie das Gras, sodass sie ÜBERHAUPT nicht zu sehen ist.

Ich überlege gerade, ob der Wunsch, unsichtbar zu sein besser oder schlechter ist, als der, so wie alle zu sein. :?
Mein Wunsch als Mutter ist es auf jeden Fall, dass sie gern eine weiße Mohnblume ist und ihre Besonderheiten positiv wahrnimmt. Ich finde die weiße Blume ja wunderschön, so zwischen all den roten...
Eine Freundin meinte zu dem Thema mal, das "anders Sein" könnte sich im Jugendalter durchaus noch mal positiv darstellen - dann, wenn Individualität "cool" ist. Naja.

Im Buch "Die Rätselhaften" stand, dass Hbs tenendtiell sehr hohe Ansprüche an sich haben und dann zu allem Überfluss auch ihren Mitmenschen unterstellten, dass diese ebenfalls so hohe Ansprüche an sie selbst haben... Was es natürlich schwer macht, mit sich zufrieden zu sein.
Und dass es Hbs meist schwer fällt, sich zu loben.
Der Tipp lautete, man solle sich öfters mal selbst loben. Und wenn einem das schwer fällt, solle man sich gleich nochmal dafür loben, dass man den Mut hatte, sich zu loben. :D Klingt bisschen simpel, aber vielleicht hilft es ja dem Kind ein bisschen, das Selbstbild aufzupolieren.
Zuletzt geändert von sinus am Mo 11. Feb 2019, 23:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Koschka » Mo 11. Feb 2019, 22:08

@Maca

Ja, das ist es. Man will zu jeder Party eingeladen werden, aber bei der Party angekommen weiß man schon einer einer viertelstunde nicht, ob man sich besaufen oder lieber doch gehen soll. Menschen, die eher keine Lust haben dazu zu gehören, haben es definitiv viel einfacher.
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Re: Hilfe! Überanpassung...

Beitragvon Edainwen » Di 12. Feb 2019, 08:14

sinus hat geschrieben:Eine Freundin meinte zu dem Thema mal, das "anders Sein" könnte sich im Jugendalter durchaus noch mal positiv darstellen - dann, wenn Individualität "cool" ist. Naja.


Ich war auch immer "anders". Ds zeigte sich rein äußerlich dadurch, dass ich in einer Zeit, in der kurze Haare cool waren, lange Haare trug, und statt Karottenjeans Afghanikleider. (Dass ich auch anders dachte als die anderen, fiel denen sicher nicht besonders auf, denn um uns zu unterhalten hatten wir eigentlich keine gemeinsame Basis.) In meiner Klasse am Gymnasium hatte ich ein paar wenige Freunde, dann einige, die ständig versucht haben, mich zu ärgern, und dann gab es natürlich einen großen Haufen Jungs, denen die Mädchen generell total egal waren ;)

Irgendwann ab der 11. Klasse fing es dann tatsächlich an, dass ich plötzlich "in" war. Also, ich war natürlich nicht der Mittelpunkt des Universums, dazu war ich viel zu schüchtern, aber ich wurde nicht mehr geärgert, wurde zu Parties eingeladen und sah auch gar nicht mehr so anders aus: Plötzlich ließen auch die anderen ihre Haare wieder wachsen, liefen mit Schlagjeans rum und ich gehörte dazu.

Viele Jahre später hatte ich mal ein Mädchen aus einer tieferen Klasse getroffen, die mich dann ansprach: sie fand mich immer so toll und cool, hatte sich aber nie getraut, mich anzusprechen ...
Oder ein Junge aus meiner Grundschulklasse erzählte dann schon als erwachsener Mann seiner Frau, dass wenn meine Tochter (, die mit seiner Tochter befreundet ist,) so schlau ist wie ich damals, ...

Was ich damit sagen will: es gab damals irgendwie recht viele Leute, die mich irgendwie toll oder cool oder schlau oder was auch immer fanden - wobei ich mich selber nie als cool oder schlau empfand, sondern einfach nur als "anders" und "schüchtern" und ich dachte, dass mich alle doof finden, weil ich so unsportlich war (das Non-plus-Ultra war es nämlich, sportlich zu sein) ... manchmal nimmt man sich selbst halt ganz anders wahr, as einen die anderen sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die weiße Mohnblume wahrscheinlich viele Kinder hat, die gerne ihre Freundinnen wären, die sich aber gar nicht trauen, sie anzusprechen.
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