Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Moonchild » Fr 15. Feb 2019, 00:36

Hallo,
ich habe uns schon im Vorstellungsthread vorgestellt. Nun zu meinen Gedanken bezüglich Einschulung.
Meine Tochter (5) schreibt und liest wie wir. Sie spielt und spricht nicht gerne mit Kindern. Sie versteht Kinder regelrecht nicht - das war schon mit 3 so, dass sie fragte "warum machen die das?" - als die Kinder Löwe spielten, über den Boden krabbelten und brüllten.

Sie geht einen Vormittag zu einem Vorschulkurs außerhalb des Kindergartens, hauptsächlich weil ich sehen wollte, wie es in einer Gruppe mit fremden Kindern läuft, um ein Gefühl für die Schulsituation zu bekommen. Sie kommt zum Glück als Einzelgängerin gut klar, aber verliert jetzt - nach ein paar Monaten - die Lust. Sie beginnt sich zu langweilen. Die Kinder sind ihr zu laut, und sie hat keine Motivation: "Nächstes Mal machen wir die Zahlen von 1-10, das kann ich doch längst."

Lange Rede, kurzer Sinn: Was soll ich im Hinblick auf die Schule beachten? Sie wird eine gemeindliche Schule besuchen, wenn es genehmigt wird, dann eine in der Nachbarschaft, die sehr klein ist, da sie Lärm und Gewimmel stressen. Die zuständige Schule, in der ihre Kindergartenkollegen angemeldet sind, ist sehr groß. Und unflexibel. Dort wird alles so gemacht, "wie es schon immer gemacht wurde". Die kleine Schule signalisiert z.B. Bereitschaft, sie im Deutschunterricht der höheren Klasse mitmachen zu lassen, falls man merkt, dass es sinnvoll ist. Bisher gab es das dort noch nicht. Beide Schulen haben keine Erfahrung mit Hochbegabung (falls hier überhaupt eine vorliegt).

Gibt es weitere Kriterien, worauf man bei der Schulwahl/Einschulung achten/Wert legen sollte? An erster Stelle steht für mich, dass sich meine Tochter wohl fühlt, dann der Unterricht, wobei mir natürlich klar ist, dass es zum Wohlfühlen dazugehört, auch im Unterricht Erfüllung zu finden.
Was war euch wichtig, als ihr euer Kind eingeschult habt? Was musste stimmen?
Was hat sich nach der Einschulung bewahrheitet oder als Problem herausgestellt, was ihr vorher nicht gesehen habt?
Habt ihr Tipps/Ratschläge? Ich finde den Spagat so schwierig, die Interessen des Kindes zu vertreten, aber den Lehrern nicht auf die Nerven zu gehen...
Und ja, ich weiß, dass ich das Ganze eigentlich nur auf mich zukommen lassen kann, aber man hofft ja doch, dass man auch schon vorab die "richtigen" Entscheidungen trifft, weil man sich für das Kind wünscht, dass es Spaß an Schule hat...
Liebe Grüße,
Moonchild
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Maca » Fr 15. Feb 2019, 10:10

Hallo,

Gibt es in eurer erreichbaren Nähe Grunschulen mit speziellen Hochbegabtenklassen?

Ich bin zwar nicht der Meinung, dass Separation für sehr begabte Kinder grundsätzlich der bessere Weg ist,
Hochbegabung ( in eurem Fall liegt mit Sicherheit eine Höchstbegabung vor) in Verbindung mit Asperger-Tendenzen jedoch, lässt sich im Regelschulsystem kaum angemessen beschulen.

Solche Kinder brauchen unbedingt Altersgenossen, die ähnlich wahrnehmen und die Wahrscheinlichkeit auf solche zu treffen, ist in Hochbegabtenschulen sehr viel größer.

Was soll deine Tochter denn in der 2. Klasse im Deutschunterricht?
Das wird sie dort NIEMALS befriedigen.
Bei dieser exorbitanten Diskrepanz zum Durchschnitt ihrer Altersgenossen, kann eine Unterforderung im Regelschulen nicht verhindert werden.
Meiner Erfahrung nach, kommen Asperger mit dem Frust, den fehlende kognitive Auslastung verursachen kann, sehr viel schlechter zurecht als neurotypisch Hochbegabte.

Falls ihr diesen Weg nicht einschlagen könnt, würde ich vor der Schule unbedingt eine Diagnostik in einer KJP anleiern, damit ihr (wenn ihr denn wollt) in der Schule konkret etwas vorweisen könnt.
Eine Begabungsdiagnostik gehört immer dazu, ihr hättet dann eine eindeutige Grundlage, auf der man weitere Handlungen planen kann und könntet Forderungen stellen (eventuell auch bezogen auf Autismus).

LG
Maca
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 15. Feb 2019, 12:50

Habe gerade im Vorstellungsthread geantwortet. Was Schulbegleitung betrifft, so geht das ohnehin nur mit gesicherter Diagnose. Daher würde ich erst mal in der Richtung weitermachen, unabhängig davon, ob dann tatsächlich eine Schulbegleitung beansprucht wird, oder nicht. Aber wenn eucht erst dann, wenn die Probleme schon massiv sind, um die Diagnose bemühen müsst, geht viel Zeit verloren und das geht auf Kosten des Kindes.

Auch mit Autismus Diagnose muss eine Schulbegleitung gar nicht notwendig sein. Es kommt mehr darauf an, wo die spezifischen Probleme des Kindes liegen. Wie gut ist es (im Vergleich zu Gleichaltrigen) in Sachen Selbstorganisation, in Sachen Frusttoleranz, in Sachen Anpassung an andere Umstände. So blöd das klingen mag, am Anfang hat meinen Sohn schon der Wechsel von der Klasse in der Turnsaal überfordert. Dabei hätte ihm aber eine Schulbegleitung auch nicht geholfen.

Im Fall meines Sohnes wissen auch die Lehrerinnen von seinen Diagnosen. Das ist mir wichtig, weil sie dann besser damit umgehen können. In seiner I-Klasse gilt mein Sohn nach wie vor als Regelschulkind. In seiner Klasse sind aber trotzdem 2 Lehrerinnen, davon eine Sonderpädagogin, die sehr gut mit ihm umgehen kann. Nach einem schwierigen ersten halben Jahr (wo wir noch keine Diagnose hatten) klappt es mittlerweile in der Schule recht gut. Ich habe auch keine Extra-Gespräche mehr im Beisein der Frau Direktor mehr, wenn Elternsprechtag ist, sondern die ganz normalen 10 Minuten wie die anderen Eltern auch :) .
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Moonchild » Fr 15. Feb 2019, 23:22

Hallo,
danke für das schnelle Feedback! Ich merke, dass ich manche Angaben doch präzisieren muss, und es tut mir leid, dass zum Teil vielleicht ein zu extremer Eindruck entstanden ist, was die Asperger-Komponente angeht. Das ist der Vereinfachung geschuldet - wenn ich hier alle Facetten des Verhaltens meiner Tochter schildere, sitze ich morgen noch hier. Ich versuche, nochmal die sozialen Probleme genauer zu beschreiben:
Meine Tochter läuft nicht stumm durch den Kindergarten und ignoriert die Kinder. Sie sagt Hallo, fragt auch mal ein Kind nach dem Namen und schreibt manchen Kindern zu deren Bildern den von ihnen gewünschten Text. Sie hat sich letztens sogar gefreut, als sie ein Kind aus ihrem Kindergarten auf dem Spielplatz antraf und hat ein Gespräch versucht. Es gibt also ein wenig Interaktion und Kommunikation. Sie hat aber bisher kein Kind gefunden, das mit ihr auf einer Ebene ist, was sich vermutlich durch die anzunehmende Hochbegabung erklären lässt. Ihre Interessen sind komplett andere, ihre Fragen oder Gesprächsanfänge verpuffen, weil sie sich z.B. für Queen Elizabeth interessiert, die Kinder aber für Star Wars und Eiskönigin. Sie weiß nichts mit den Kindern anzufangen, daher fehlt ihr aber auch die Übung, mit Kindern umzugehen. Sie hat nicht viel Selbstvertrauen und kann sich sehr schlecht behaupten.

Die Asperger-Thematik kam auf, weil sie es nicht gut aushält, wenn sich z.B. in Räumen etwas verändert (Regal wird umgestellt etc). Damit hat sie zuerst Probleme, wenn man das Ganze als Spiel "verkauft" oder eine lustige Komponente darin entdeckt, ist es für sie schnell ok. Sie ist wie gesagt geräuschempfindlich, hält enge Kleidung auf der Haut nicht aus und hat motorische und taktile Schwächen. Ich war bereits im Autismusberatungszentrum und habe mit der Beraterin einen langen Fragebogen durchgearbeitet, dessen Ergebnis zwar Asperger-Züge, aber keine eindeutige Autismus-Spektrum-Störung auswies. Ich weiß, dass das alleine nicht ausreicht, um Asperger auszuschließen, aber ich bin auch nicht überzeugt von den Verfahren der Autismus-Diagnostik. Diese erscheinen mir auch nicht eindeutig bzw. unstrittig, daher habe ich mich zunächst gegen eine Diagnostik entschieden. Die Erzieherin meiner Tochter teilt diese Einstellung. Es ist auch nicht so, dass ich mich hier querstelle, weil ich etwas nicht wahrhaben will. Ich käme damit klar, wenn sie Asperger hätte und würde/werde auch eine Diagnostik in die Wege leiten, sobald ich sehe, dass es massiv wird.

Ich gehe momentan davon aus, dass meine Tochter den Schulalltag im Grunde - auch ohne Schulbegleiter - meistern kann, was die Abläufe angeht; und nach einer gewissen Vorinformation der zuständigen Lehrer - da bin ich halt etwas unsicher, wie schnell man wie die überbesorgte Mutter oder die ehrgeizige "Eislaufmutti" rüberkommt. Wie habt ihr das gemacht? Habt ihr euer Kind bei der Schule vorab vorgestellt?
Es ist eine wirklich sehr kleine, ländliche Schule (für die wir die Einschulung beantragt haben), Klassenstärke 15 Kinder. Dennoch sehe ich Schwierigkeiten auf uns zukommen, was den Unterricht angeht, weil ich nicht sehe, wo sie reinpasst.

@Maca
In der näheren Umgebung gibt es eine private Schule mit Hochbegabungszertifikat. Ehrlich gesagt habe ich nicht den Eindruck, dass das sonderlich viel aussagt. Ich habe mir die Schule angeguckt und einige Gespräche dort geführt - klar, dort ist alles hochmodern, und es gibt bilingualen und jahrgangsübergreifenden Unterricht, aber die Hochbegabungsbeauftragte ist seit zwei Jahren im Mutterschutz, und niemand wurde als Vertretung eingesetzt. Ich habe also keine kompetente Beratung erhalten, außer der Zusage, dass meine Tochter Extramaterial bekommen wird.
Was mich dort noch sehr stört, ist der tägliche, bis in den Nachmittag reichende Unterricht. Das ist meiner Tochter zuviel, sie geht auch nur vormittags in den Kindergarten, weil sie Zeit für sich braucht. Sie ist kein Herdentier, und ich glaube, dass sie einen sanften Übergang vom Kindergarten zur Grundschule braucht.

Vielleicht liege ich mit meinem Bauchgefühl auch völlig falsch, und sie benötigt einen Schulbegleiter, eine andere Schule oder eine andere Klasse. Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich sie doch auf Hochbegabung testen lassen - aber ändert das etwas? Die Schulen sind doch so oder so kaum darauf eingestellt, da hilft auch kein Test, oder?

Wie lief das denn bei euch ab vor der Einschulung? Habt ihr bei der Schuluntersuchung erwähnt, dass eure Kinder "mehr" können? Habt ihr gefragt, welche Möglichkeiten es für euer Kind an der Schule gibt?

@Koschka und Rabaukenmama
Mir ist bewusst, dass ich Zeit verlieren könnte, wenn ich nicht sofort die Diagnostik angehe. Ich habe das bedacht und mich daher schon letztes Jahr mit der Thematik auseinandergesetzt, bin aber wie oben schon gesagt, nach vielen Gesprächen mit Autismus- und Hochbegabungsberatungsstellen zu dem Entschluss gekommen, es "so" zu versuchen. Mich beschäftigt hauptsächlich, wie Schulen mit Hochbegabung umgehen oder darauf eingehen können. Was darf man erwarten/verlangen, was muss man hinnehmen. Was wäre eurer Meinung nach für meine Tochter in der Schule notwendig und möglich, wenn man "nur" die Lese- und Schreibfähigkeiten und die zu erwartende Unterforderung bedenkt? Jedenfalls danke für eure Einschätzungen!

Liebe Grüße,
Moonchild
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Twins123 » Sa 16. Feb 2019, 00:14

Hallo, mein Sohn verhielt sich im Kindergarten ähnlich, auch er konnte mit den anderen Kindern nicht viel anfangen, die Interessen und das Verhalten Gleichaltriger blieben für ihn ein Rätsel. Auch bei uns stand kurze Zeit Asperger und soziale Defizite im Raum. Beobachtet man aber das Kind im Umgang mit deutlich älteren Kindern bzw den Kids in seiner HB-Klasse ist von sozialen Defiziten und Asperger-Tendenzen nichts mehr zu erkennen! Im Gegenteil, er zeigt sehr ausgereiftes Sozialverhalten, welches seine Altersstufe weit übersteigt. Es fällt lt Lehrern überhaupt nicht auf, dass er 2 Jahre jünger als seine Klassenkameraden ist :)

Wie es dazu kam? Auch er fing mit 3.5 Jahren an zu lesen und versuchte, den ungeliebten Kindergarten irgendwie zu umgehen. Im Kiga stand er rum, hielt sich an die Erzieher und beobachtete die anderen Kinder genau...erst vor kurzem sagte er noch, wie fremd er sich dort fühlte. Schließlich wurde er mit 5 Jahren eingeschult in die örtliche Grundschule. Obwohl der Direktor und auch die Klassenlehrerin über eine bestätigte HB seines großen Bruders und den Verdacht auf HB bei ihm informiert war, sollte er sich in den 1.Klasseunterricht einfügen, eine Differenzierung fand kaum statt. Unser Kind veränderte sich total, zog sich zurück und verweigerte jegliches Ausfüllen der Zettel (Ausnahme Tests und Arbeiten). Die Lehrkraft wusste nicht, wie sie ihn motivieren sollte und konnte sich auch nicht vorstellen, wie weit er eigentlich schon war. Erst ein bestätigter HB-Test beim Schulpsychologen veränderte die Lage und führte zum Sprung!
Was ich damit sagen will, manche Schulen reagieren erst auf den eindeutigen Beweis der HB und nehmen uns Eltern vorher einfach nicht ernst...
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Feb 2019, 09:57

Moonchild hat geschrieben:Hallo,
danke für das schnelle Feedback! Ich merke, dass ich manche Angaben doch präzisieren muss, und es tut mir leid, dass zum Teil vielleicht ein zu extremer Eindruck entstanden ist, was die Asperger-Komponente angeht. Das ist der Vereinfachung geschuldet - wenn ich hier alle Facetten des Verhaltens meiner Tochter schildere, sitze ich morgen noch hier. Ich versuche, nochmal die sozialen Probleme genauer zu beschreiben:
Meine Tochter läuft nicht stumm durch den Kindergarten und ignoriert die Kinder. Sie sagt Hallo, fragt auch mal ein Kind nach dem Namen und schreibt manchen Kindern zu deren Bildern den von ihnen gewünschten Text. Sie hat sich letztens sogar gefreut, als sie ein Kind aus ihrem Kindergarten auf dem Spielplatz antraf und hat ein Gespräch versucht. Es gibt also ein wenig Interaktion und Kommunikation.


Zumindest ICH kennen nur einen einzigen Asperger Autisten, der stumm herumläuft, und die Kinder ignoriert. Das ist mein jüngerer Sohn und das stumm-herumlaufen ist seiner Gehörlosigkeit geschuldet. Ansonsten habe ich mittlerweile etliche Asperger Autisten kennengelernt, davon durchaus auch einige mit fixen Freunden. Ich weiß nicht, welches Bild du von Autismus hast, aber gerade bei Asperger ist es längst nicht so extrem und auffällig, wie du vielleicht vermutest. Die Störung liegt nicht im Verhalten (des Kindes) sondern im denken und verstehen. Das ist oft schwer festzustellen, vor allem bei Kindern, die beim logisch-analytischen Denken sehr klug sind.

Moonchild hat geschrieben:Die Asperger-Thematik kam auf, weil sie es nicht gut aushält, wenn sich z.B. in Räumen etwas verändert (Regal wird umgestellt etc). Damit hat sie zuerst Probleme, wenn man das Ganze als Spiel "verkauft" oder eine lustige Komponente darin entdeckt, ist es für sie schnell ok. Sie ist wie gesagt geräuschempfindlich, hält enge Kleidung auf der Haut nicht aus und hat motorische und taktile Schwächen. Ich war bereits im Autismusberatungszentrum und habe mit der Beraterin einen langen Fragebogen durchgearbeitet, dessen Ergebnis zwar Asperger-Züge, aber keine eindeutige Autismus-Spektrum-Störung auswies. Ich weiß, dass das alleine nicht ausreicht, um Asperger auszuschließen, aber ich bin auch nicht überzeugt von den Verfahren der Autismus-Diagnostik. Diese erscheinen mir auch nicht eindeutig bzw. unstrittig, daher habe ich mich zunächst gegen eine Diagnostik entschieden. Die Erzieherin meiner Tochter teilt diese Einstellung. Es ist auch nicht so, dass ich mich hier querstelle, weil ich etwas nicht wahrhaben will. Ich käme damit klar, wenn sie Asperger hätte und würde/werde auch eine Diagnostik in die Wege leiten, sobald ich sehe, dass es massiv wird.


Bei der Asperger Diagnostik gibt es einen klaren cut-off, also einen Punkt, ab wann man von "ASS" (Autistmus-Spektrums-Störung) spricht, und bis wann es "nur" autistische Züge sind. Da können durchaus Fragebogen und tatsächlich gezeigtes Verhalten unterschiedliche Ergebnisse bringen, also kann ein Kind, welches laut Fragebogen klar "im Spektrum" ist, verhaltensmäßig durchaus im Normbereich sein - oder umgekehrt. Bei der Diagnostik wird beides berücksichtigt.

Leider haben die meisten Menschen ein ziemlich klar umrissenes Klischee-Bild eines "Autisten" im Kopf, dem aber mindestens 95% der Betroffenen nicht entsprechen. Tatsächlich wird viel zu selten gefragt, was ein Kind BRAUCHT, sondern viel mehr, wie sehr es AUFFÄLLT. Solange es nicht allzu sehr auffällt, glauben viele, ist alles OK. Bei meinem älteren Sohn ist es so, dass er autismusbedingt GANZ NORMALE soziale Situationen sehr oft mißversteht. Er glaubt z.B., das andere Kind im Hort würde ihn "provozieren", weil es ihm gesagt hat, dass es zum Mittagessen Spaghetti gibt. Denn "Warum sagt mir der xxx das? Es steht doch eh auf dem Speiseplan?" - dass das andere Kind einfach Konversation machen will, dass es sich auf die Spaghetti freut, und diese Freude teilen will, dass es einen Gesprächseinstieg sucht - all das versteht mein Sohn nicht (obwohl er sich selbst oft gar nicht anders verhält).

Um beim auffälligen Verhalten zu bleiben. Wenn mein Sohn die Aussage "Heute gibt es Spaghetti" missversteht, ist seine Reaktion, das andere Kind anzuknurren "Lass mich in Ruhe!". Das ist zwar keine nette oder angemessene Reaktion, aber auch nicht extrem auffällig. Hat halt (leider) die Nebenwirkung, dass andere Kinder meinem Sohn häufiger aus dem Weg gehen, weil er so unfreundlich ist. Auffällig wäre es, würde er das andere Kind wegen seiner Aussage schlagen oder wüst beschimpfen. Unauffällig wäre wiederum, wenn ein Kind so eine Aussage zwar als persönlichen Angriff nimmt, aber gar nicht reagiert. Das, was sich IM KIND abspielt ist immer dasselbe. Aber der Außenstehende sieht nur die tatsächlich gezeigte Reaktion. Im Fall meines Sohnes glaubt man, das Kind sei unfreundlich, im Fall des schlagenden Kindes hält man es für grundlos aggressiv, im Fall des nicht-reagierenden Kindes für desinteressiert. Und immer steckt dieselbe Störung dahinter. Oft weiß man als Eltern (oder Erzieher) nicht mal, was im Kopf des Kindes wirklich vor sich geht.

Das schlagende Kind wird viel eher eine Diagnose und eventuell auch Hilfe (Autismus-Therapie, Sozialverhalten-Gruppe, ev. auch Medikamente) bekommen als Kinder mit derselben Störung, die weniger auffälliges Verhalten zeigen. Dabei BRAUCHT jedes dieser Kinder Hilfe! Was nichts darüber sagt, wie man (als Eltern) mit der Diagnose umgeht. Man ist nicht verpflichtet, mit wem-auch-immer darüber zu sprechen. Aber manchmal kann es durchaus hilfreich sein.

Moonchild hat geschrieben:Ich gehe momentan davon aus, dass meine Tochter den Schulalltag im Grunde - auch ohne Schulbegleiter - meistern kann, was die Abläufe angeht; und nach einer gewissen Vorinformation der zuständigen Lehrer - da bin ich halt etwas unsicher, wie schnell man wie die überbesorgte Mutter oder die ehrgeizige "Eislaufmutti" rüberkommt. Wie habt ihr das gemacht? Habt ihr euer Kind bei der Schule vorab vorgestellt?
Es ist eine wirklich sehr kleine, ländliche Schule (für die wir die Einschulung beantragt haben), Klassenstärke 15 Kinder. Dennoch sehe ich Schwierigkeiten auf uns zukommen, was den Unterricht angeht, weil ich nicht sehe, wo sie reinpasst.


Du kannst die Schule einfach mal auf euch zukommen lassen. Ein "mißfit", also wenn es für deine Tochter nicht passen sollte (egal, wie angepasst sie sich vielleicht tatsächlich verhält) bemerkst du ohnehin sehr schnell. Dann kannst du immer noch entscheiden, wie offen du mit den Eigenheiten deiner Tochter umgehst. Was die Angst, als "Eislaufmutti" dazustehen betrifft, wirst du vielleicht die Entscheidung treffen müssen, was Dir wichtiger ist: dein Ego oder dein Kind.

Das mag jetzt hart klingen :fahne: , aber es läuft bei so Störungen, die man nicht gleich sieht, leider oft darauf hinaus. Das ist im Prinzip genauso, wie wenn man ein Kind hat, welches Gleichaltrigen in vielen Bereichen weit voraus ist: einige stehen dem offen und wohlwollend gegenüber, einigen ist es egal, und dann gibt es immer ein paar Mitmenschen, die glauben, man würde den ganzen Tag zu Hause mit dem Kind irgendwas "üben" :roll: . Ich gehe mit dem Asperger Syndrom meines Jungs offen um, zumindest im Umgang mit Menschen, die häufiger mit ihm zu tun haben (Lehrer, Hortbetreuer, Kursleiter beim Programmierkurs oder Schikurs,...) Beim jüngeren Sohn wird mir meistens auf Anhieb geglaubt, weil der einfach mehr dem Klischee entspricht. Beim älteren Sohn gibt es durchaus Personen, die der fixen Überzeugung sind, er sei ohnehin "ganz normal" und die Mama steigert sich da in was rein. Ok, damit habe ich leben gelernt, ich muss nicht die ganze Welt aufklären. Und gerade dort, wo ich mich (früher, als mir das noch wichtiger war) sehr bemüht habe, die Leute für die Eigenheiten meines Sohnes zu sensibilisieren, wurde mir am wenigsten geglaubt. Die Energie spare ich mir heute lieber und stecke sie in meine Kinder ;) .

Moonchild hat geschrieben:Vielleicht liege ich mit meinem Bauchgefühl auch völlig falsch, und sie benötigt einen Schulbegleiter, eine andere Schule oder eine andere Klasse. Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich sie doch auf Hochbegabung testen lassen - aber ändert das etwas? Die Schulen sind doch so oder so kaum darauf eingestellt, da hilft auch kein Test, oder?

Wie lief das denn bei euch ab vor der Einschulung? Habt ihr bei der Schuluntersuchung erwähnt, dass eure Kinder "mehr" können? Habt ihr gefragt, welche Möglichkeiten es für euer Kind an der Schule gibt?


Was die Schule betrifft steht und fällt alles mit der Lehrperson. Egal, ob mit einem Zettel in der Hand winkst, wo fett HOCHBEGABT draufsteht, oder nicht, egal, ob auf der Schule "Montessori" oder "stätisch" draufsteht, egal was im Konzept auf der Schul-Homepage steht. Wenn die Lehrperson differenzieren kann wird es deiner Tochter deutlich besser gehen, als wenn sie stur ein "Programm" abspult.

Nicht die SCHULE bietet spezielle Möglichkeiten für kluge Kinder, es sind die Lehrer, die diese anbieten können - oder auch nicht! Manche haben Extra-Aufgaben für besonders kluge, flotte Kinder. Nur werden diese dann oft gar nicht mehr angeschaut, was manchen Kindern schnell die Lust darauf verdirbt. Andere setzen kluge Kinder geschickt ein, um schwächeren Kinder durch sie etwas erklären zu lassen. Wenn man einen Lehrer findet, der für so was ein Händchen hat, entstehen WIN-WIN Situationen für alle Beteiligten.

Dein Kind kann in einer Klasse todunglücklich sein und in der Parallelklasse derselben Schule aufblühen, einfach weil dort ein Lehrer ist, der bereit ist, sich auf die Besonderheiten jedes Kindes einzulassen.

Beim Einschulungstest habe ich überhaupt nichts gesagt. Dass mein Sohn kognitiv extrem fit ist und schon super lesen, schreiben und rechnen kann, haben die dort selbst in nullkommanix gemerkt.

Moonchild hat geschrieben:@Koschka und Rabaukenmama
Mir ist bewusst, dass ich Zeit verlieren könnte, wenn ich nicht sofort die Diagnostik angehe. Ich habe das bedacht und mich daher schon letztes Jahr mit der Thematik auseinandergesetzt, bin aber wie oben schon gesagt, nach vielen Gesprächen mit Autismus- und Hochbegabungsberatungsstellen zu dem Entschluss gekommen, es "so" zu versuchen. Mich beschäftigt hauptsächlich, wie Schulen mit Hochbegabung umgehen oder darauf eingehen können. Was darf man erwarten/verlangen, was muss man hinnehmen. Was wäre eurer Meinung nach für meine Tochter in der Schule notwendig und möglich, wenn man "nur" die Lese- und Schreibfähigkeiten und die zu erwartende Unterforderung bedenkt? Jedenfalls danke für eure Einschätzungen!

Liebe Grüße,
Moonchild


Je nach Lehrer muss bei der Lese- und Schreibfähigkeit deiner Tochter gar keine Unterforderung auffällig werden. In der Schule meines Sohnes durfte der vom ersten Tag an lesen, was die Schulbibliothek hergegeben hat, während die anderen Kinder Buchstaben gemalt haben. Nicht die Schulen stellen sich auf Hochbegabung ein, sondern die Lehrer - oder eben nicht! Wenn du ohnehin schon weisst, in welche Klasse deine Tochter kommen wird, würde ich einfach mal Kontakt mit dem zukünftigen Lehrer aufnehmen. Vielleicht gibt es auch eine Möglichkeit, bei ihm/ihr mal zu hospizieren. Vermutlich hat er/sie jetzt eine 4. Klasse und wenn du einfach mal im Unterricht dabei sitzen darfst, und siehst, wie der Unterricht abläuft, kannst du dir schon mehr vorstellen. In Wien gibt es für diese Möglichkeit den "Tag der Wiener Schulen" und verschiedene Tage der offenen Tür. Im ländlichen Bereich wirst du eher mal mit der Direktion reden müssen und fragen, ob die Möglichkeit des hospizierens besteht.

Wegen "was kann man erwarten, was muss man hinnehmen" gibt es keine klaren Vorgaben. Das richtet sich ganz danach, wie es deiner Tochter dann im Unterricht tatsächlich geht. Das lässt sich nicht vorhersehen. Da kannst du dich dann kratzen, wenn es juckt ;) .
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 16. Feb 2019, 17:03

Koschka hat geschrieben:Die Probleme, die ich erwarten würden, liegen nicht so an der Unterforderung, sondern an der Gesamtsitutation. Solche Themen, die einem erst total Nebensächlich erscheiden, können zu einem großen Leidensdruck führen. Kann deine Tochter den Gerangel beim Sport mitmachen? Kann sie in einer neuen Umgebung auf die Toilette gehen? Wie verhält sie sich, wenn sie direkt von anderen Kindern körperlich oder verbal angegriffen wird? Was soll sie in den Pausen machen, wenn sie nicht viel mit den anderen anfangen kann? Wie kommt sie damit zurecht, dass sie nicht immer antworten darf, wenn sie was weiß, sondern eher selten dran genommen wird?


Das stimmt! Mein Sohn hat z.B. immer noch massive Probleme beim Sportunterricht, und zwar überall dort, wo Teams und Zusammenhalt gefragt sind. Zum Beispiel ist ihm "Völkerball" ein Graus! Seine Lehrerinnen (es sind bei ihm zwei in der Klasse, eine Grundschullehrerin und eine Sonderpädagogin) haben in Absprache mit mir nie ein Drama draus gemacht sondern ihm solche Spiele einfach (in Absprache mit mir) erspart. Er durfte in der Zeit lesen. Das war Glück, denn es gibt durchaus Lehrer, die dann drauf beharren, dass das Kind mitmacht.

Auch Musikunterricht ist nicht sein Ding. Obwohl er zu Hause gern und auch halbwegs gut singt, ist er absolut nicht bereit, das in der Gruppe zu tun. Das wird von den Lehrerinnen ebenfalls cool angenommen.

Das meine ich mit "man hat auf nichts ein Recht". Wenn ein Lehrer permanent beharrt, dass das Kind bei Aktivitäten mitmachen muss, die ihm widerstreben, sind Frust und noch mehr Verweigerung vorprogrammiert. Und im Fall des Turnunterrichts macht sich das unwillige Kind auch noch bei "seinem" Team unbeliebt. Das macht dann die soziale Komponente nochmal schwieriger. Bei meinem Sohn wurde nie unnötig Druck gemacht, das ist auch einer der Gründe, warum er überhaupt widerstandslos (wenn auch nicht gern) in die Schule geht. In den Pausen liest er allein Comics.

Im Halbjahreszeugnis hatte er deshalb in Musik und Turnen eine 2 - damit kann er leben und ich auch :mrgreen: .
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon Maca » Sa 16. Feb 2019, 17:45

Koschka hat geschrieben:
- dein Kind spielt nicht und versteht den Sinn des Spielens nicht. Das fehlende Symbolcharakter des Spiels ist ein typisches Zeichen für Autismus


Viele Autisten verstehen den Sinn des Spielens durchaus aber da sie massive Probleme haben, soziale Interaktion intuitiv zu interpretieren, ist das Spielen in der Gemeinschaft sehr anstrengend oder (bei fehlenden Kompensationsmöglichkeiten) nicht möglich.
Alleine zu spielen fällt auch vielen neurotypischen Kindern schwer oder wird als langweillig empfunden.
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon charlotte12 » So 17. Feb 2019, 11:07

Hallo Moonchild,

ich sehe einige Parallelen zu meiner Tochter in dem Alter, sie war auch sehr früh dran mit lesen/schreiben. Im Kindergarten "beobachtete" sie nur, sprach nicht, befolgte keine Anweisungen, wurde als so auffällig beschrieben, dass ein anderer Kindergarten sie nur als Integrationskind aufnehmen wollte. Wir konnten sie nach längerem Kampf und mit viel Glück früheinschulen. Im ersten Zeugnis wurde sie dann als sozial sehr kompetentes Kind beschrieben. Es gab und gibt Höhen und Tiefen. In Mathe war sie nicht ganz so weit wie in Deutsch, wurde aber gar nicht differenziert, was zur Totalverweigerung führte. Mitterweile interessiert sie sich wieder für Mathe (andere Lehrerin), hat in kürzester Zeit den Rückstand aufgeholt und klagt seit neuestem darüber, dass es so langsam vorwärts geht. In Deutsch war es lächerlich, weil sie wie deine Tochter las/liest wie eine Große und auch Rechtschreibung/Zeichensetzung einfach kann, woher auch immer. Dummerweise nimmt dieser Lernprozess die komplette Grundschulzeit ein, dh. auch ein Sprung in Klasse 2 hätte das Problem nicht gelöst. Meine Tochter bekam immer wieder Extrahefte, z.T. durfte sie selbst Hefte aussuchen. Sie half viel einem anderen Kind mit Lernbehinderung, das machte ihr großen Spaß. Von der Unterforderung her wird es jetzt in Klasse 3 besser, weil andere Fächer wie Sachkunde, Englisch, Musik usw. eine größere Rolle spielen. In Deutsch hatten wir aber trotz alledem vor kurzem wieder eine größere Krise. Wir haben es bei neuen Lehrern immer so gehandhabt, dass wir ca. zwei Monate zugewartet haben, damit der Lehrer das Kind kennenlernen kann. Wobei nur ein einziges Mal dem Lehrer selbst in dieser Zeit aufgefallen war, wie weit meine Tochter eigentlich ist. In diesen zwei Monaten ist fast jedes Mal die Situation dekompensiert. Gespräche haben dann bei den meisten Lehrern die Sache deutlich gebessert (Extrablätter, Einsatz des Kindes als "Nachhilfelehrer").
Was mir bei meiner Tochter immer wieder auffällt ist, dass es in Deutsch eine obere Grenze bzgl. Altersangaben gibt. Sie interessiert sich nicht für Stoff, der zu wenig kindgerecht dargestellt ist. Bücher sind ihr leicht zu gruselig bzw. sobald es auch nur ansatzweise um Verliebtheit geht, ist es doof. Das macht es schwierig, man kann ihr nicht einfach beliebig Stoff für Ältere zum Kompensieren von langweiligen Deutschstunden mitgeben. Für sie wäre es am besten, sie vom Deutschunterricht einfach komplett zu befreien, aber das geht ja nicht.

Viele Grüße
Charlotte
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Re: Was war euch bei der Schulwahl/Einschulung wichtig?

Beitragvon sinus » So 17. Feb 2019, 18:24

Ich kann leider wenig Positives berichten von unserer Grundschule.
Wir haben Ende Klasse 3 den IQ-Test gemacht, u.a. weil das Kind unter starker Schulunlust litt und ich habe zu Beginn Klasse vier mit der Klassenlehrerin über das Ergebnis geredet.

Zum Test gab es eine ausführliche Beratung inklusive Tipps (schriftlich) gezielt an die Lehrer. (z.B. "Keine Extra- sondern ANSTATT-Aufgaben")
Außerdem das Angebot, dass die Lehrer sich an eben jener Stelle auch persönlich beraten lassen könnten.

Die Klassenlehrerin sagte, dass sie sich mit dieser Art Extraförderung überhaupt nicht auskenne, sich aber gern mal kundig machen werde. Ließ sich immerhin die Telefonnummer von der Beratungsstelle geben und am nächsten Tag gab es fürs Kind erstmal als Zeichen guten Willens einen neuen Extrahefter sowohl in Deutsch, als auch in Mathe. Zum darin arbeiten, wenn sie eher fertig ist.
Sowas gab aber für die leistungsstarken Kinder schon vorher... nur durfte das Kind diesmal mitentscheiden, welcher Art Aufgaben sie darin gern hätte.
Eine Woche lang war das Kind motiviert und berichtete zunächst auch von einer Verbesserung.
Aber eigentlich blieb alles beim Alten. Leider. Also es gab auch keine ANSTATT-Aufgaben, obwohl das immer wieder betont wurde, dass ZUSATZaufgaben eher wenig bringen.
Die Lehrerin hat sich auch nicht weiter kundig gemacht bei der Beratungsstelle. (Auf Nachfrage sagte sie, sie habe es 1,2x probiert, aber noch niemanden erreicht.)
Sie hat nach wie vor keine Ahnung, wie sie mit dem Kind umgehen könnte und klagte erst kürzlich, dass sie ihr "im Unterricht komplett entgleite" und zunehmend weniger Motivation zeigt. Das Kind hatte die letzten Wochen auch eine richtige "Null Bock Phase".

Als dem Kind kürzlich wegen einer ziemlich schlechten Note für eine "nicht-auswendig-gelernt-Arbeit" auf dem Halbjahres-Zeugnis eine schlechtere Note als bisher drohte und sie (meine Tochter) das nicht hinnehmen wollte und darum um Zusatzaufgaben zur Verbesserung der Note bat, teilte die Lehrerin ihr zwei Extraaufgaben für zu Hause zu, die mal wirklich fordernd waren. Eine davon hat sich das Kind selbst gewünscht - einen Werbespot erstellen, den sie mit Scratch dann programmierte - und die andere Aufgabe war ein Kurzvortrag, was dem Kind einiges an Überwindung abforderte, da sie an sich ungern vor anderen spricht.
Und - Überraschung! - das Kind blühte bei den aufgaben regelrecht auf, engagierte sich intensiv und lieferte zwei mal eine tolle Leistung ab.
Und - Überraschung! - das Kind hatte endlich mal wieder Spaß an einer Sache für die Schule und wirkte ein paar Tage lang fröhlich und energiegeladen wie nie.

Es KÖNNTE also womöglich mit anderen Aufgaben klappen, das mit der Motivation für die Schule, wenn man es richtig anpackt. (Abgesehen davon, dass es dem Selbstbewusstsein des Kindes gut tut, gefordert zu sein)
Aber es fehlt offensichtlich an Wissen wie und der Offenheit für anderes Vorgehen als "Schema F" und vielleicht auch an Zeit seitens der Lehrer für so viel "Extrawurst".

Es verbesserte sich jedenfalls nach dem Gespräch Anfang 4. Klasse nur sehr kurzfristig was an der Situation und danach war alle beim Alten.
Wobei - nicht ganz. Ich habe ehrlich gesagt sogar ein bisschen den Eindruck, dass der Blick aufs Kind seitdem weniger positiv ist. :?
Vielleicht ist sie ja jetzt als "Kind mit Extraansprüchen" so ein wenig ein "Störfaktor" und man hat es uns übel genommen, dass von Langweile im Unterricht die Rede war...?! (Welcher Lehrer hört schon gern, dass sein Unterricht langweilig sei...)

Also ich weiß nicht, was ich dir raten soll. Ich kann nur sagen, dass ich vor von diversen Leuten gehört habe, dass das Wort "Hochbegabung" bei Lehrern eher negativ aufgenommen wird, es schwierig ist, den Kindern passende Extraförderung zukommen zu lassen und es wenn, dann eher selten dauerhaft durchgezogen wird. Ich dachte - kann sein, muss nicht sein. Vielleicht ist es bei uns anders.
Wars aber leider nicht.

Wir warten nun sehnsüchtig auf die weiterführende Schule und hoffen dafür das Beste.
Tochter wird auf eine Schule mit Aufnahmeprüfung und spezieller Begabtenförderung wechseln.
Zuletzt geändert von sinus am So 17. Feb 2019, 21:58, insgesamt 3-mal geändert.
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
sinus
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