Schulprobleme durch Unterforderung?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon Mares2425 » Di 21. Mai 2019, 16:01

Hallo keksi,
solche Gespräche kenne ich auch!
Auch unsere Tochter wusste immer sehr genau, was sie brauchen würde und was sie wollte, das konnte man in den bereitwilligen, immer sehr schnell vorübergehenden Willigkeitsphasen ihrer Grundschullehrerin, wenn die "Wünsche"unsere Tochter mal umgesetzt wurden, sehr gut sehen!
Legasthenie wurde bei ihr auch mal vermutet(hat sie aber nicht!), weil ihr das Schreiben eher auch immer noch egal ist..... kostet sie inzwischen auch immer die Punkte, die ihr zu einer besseren Note in Englisch und Französisch fehlen, wenn man eben Endungen, Strichlein und zwischendrinnen Buchstaben nicht schreibt/macht! Können kann sie es, definitiv! Aber sie redet lieber und kann nicht so schnell schreiben, wie sie denkt! Sagt sie selbst!
Einmaleins kann sie auch immer noch nicht wirklich- sie findet eher und lieber andere Lösungen als die anderen in Mathe.... jetzt in der 7.! Aber dafür wird ihr Schriftbild langam ordentlicher, sie findet es grade interessant neue Schriften auszuprobieren :lol:!
Du siehst die Parallelen der Kinder und wie sie sich weiterentwickeln (können/könnten....)
Ich wünsche Euch aber vor allem, dass die Lehrerinnen jetzt angemessener mit Eurer Tochter umgehen und auf sie eingehen!
Wir mussten übrigens gar nicht sooo lange auf einen psychotherapeutischen Termin warten!
LG
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon Rabaukenmama » Di 21. Mai 2019, 19:48

Hallo keksi,

das erinnert mich ein wenig an mein letztes Elternsprechtags-Gespräch. Da meinte die Lehrerin über meinen älteren Sohn "Wenn Schule so wäre, dass er nur hie und da mal zeigen muss, dass er ohnehin alles kann, dann hätten wir keinerlei Probleme. Aber sobald er aufs Gymnasium wechselt MUSS er eine gewisse Arbeitshaltung erlangt haben, sonst geht er dort unter!". Tja, da hat sie natürlich recht! Mein Sohn ist sehr schlau und hat ein gutes logisches denken. Er liebt auch Knobelrätsel und kann extrem schnell sinnerfassend lesen - deutlich schneller als ich selbst (und ich lese auch relativ schnell). Aber er hasst Hausübungen, weil sie "so langweilig" sind und arbeitet auch in der Schule wirklich nur das Allernötigste mit. Die Lehrerinnen ködern ihn damit, dass er, wenn er eine bestimmte Aufgabe erfüllt hat, Comics lesen darf. So stört er wenigstens nicht den Unterricht :mrgreen: .

Bezüglich Rechtschreibung hat er keinerlei Probleme, er hat ein ausgezeichnetes Wortbildgedächtnis und schreibt sogar Wörter wie "analysieren" spontan richtig. Aber ich kenne einige kluge Kinder, die (wie deine Tochter) in der Grundschule viele Fehler hatten und die erst später und dann ganz rasch eine korrekte Rechtschreibung "intus" hatten. Ein Onkel von mir ist übrigens schwerer Legastheniker und war deshalb (vor etlichen Jahren) trotz hoher Intelligenz sogar in der Sonderschule. Dort hat er dann mal ein Referat über Wernher von Braun gehalten, nachdem er vorher eine ca. 400seitige Biografie (für Erwachsene) gelesen hat. Er hat immer schon sehr viel gelesen, trotzdem musste er halbwegs korrekte Rechtschreibung sehr, sehr mühsam (wirklich Wort für Wort) lernen, und macht heute noch immer wieder Rechtschreibfehler (nicht mehr 40 pro A4-Seite sondern nur 5-8).

Kleines Einmaleins: witzig, da hatte mein Sohn auch seine Probleme, obwohl er sonst gut in Mathe ist! Ich vermute, dass es bei ihm daran lag, dass er bis dahin nie was wirklich auswendig hat lernen müssen. Er hat sich einfach alles logisch erschlossen. Er konnte das Einmaleins auch HALBWEGS, brauchte aber bei jeder Aufgabe viel Zeit zum nachdenken und hatte auch immer wieder mal Fehler dabei. Nachdem sich das monatelang ohne deutliche Veränderung hingezogen hat, habe ich die Sache in die Hand genommen. Ich habe mir für diese Aktion eine Uhr gestellt, die einfach jeden Abend 5x gepiepst und mich erinnert hat. Dann habe ich meinem Sohn einen Zettel mit dem Einmaleins in die Hand gedrückt und er musste 5x am Tag jeweils 10 Aufgaben beantworten - NUR RUNTERLESEN! Nach 3 Tagen ging das schon ziemlich flott. Dann hat er den Zettel nicht mehr bekommen und musste 5x am Tag je 10 Aufgaben selbst mündlich beantworten. Nach einer weiteren Woche war alles fix im Kopf verankert und kam wie aus der Pistole geschossen raus :) . Denn mit "Komm, wir setzen uns jetzt gemeinsam hin und üben das Einmaleins" hätte ich bei meinem Sohn auf Granit gebissen :P . Jetzt ist er bei der schriftlichen Division Klassenbester, was ihn sehr freut.

Lass Dich von dem Gespräch nicht entmutigen. Zumindest ist es mal gesagt, das ist schon etwas! Auf das Angebot der Sonderpädagogin, mit deiner Tochter einen Intelligenztest zu machen, würde ich eingehen. Wie koschka schon beschrieben hat kann man da nicht wirklich viel falsch machen. Und es wäre für deine Tochter vielleicht auch entspannter, den Test in der Schule zu machen, bei einer Lehrerin, die sie schon kennt, als an einem fremden Ort und mit einer unbekannten Person.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon sinus » Di 21. Mai 2019, 20:09

Dass mathematisch begabte Menschen oft nicht gut (Kopf-)rechnen können, ist ein Allgemeinplatz, für den ich persönlich schon einige Bestätigung gefunden habe.
In Tochter Klasse (4. Klasse) der mathematisch begabteste Junge (immer recht erfolgreich bei Mathewettbewerben) wurde laut meiner Tochter gerade kürzlich erst dafür getadelt, dass er die Malreihen nicht kann.
Meine Tochter hat sie zwar ansatzweise auswendig gelernt, weil ich ihr sehr deutlich gemacht habe, dass sie es schwerer haben würde später, wenn die nicht sitzen. Das war aber auch ein Krampf. Ich hab sie dann dafür an den Computer gesetzt und sie per Spielsoftware abfragen lassen. (Aber auch da hat sie geflucht und gezetert)
Sie hat so auch nicht alle gelernt und errechnet sich immer noch viele der Ergebnisse über Umwege. (6x8 ist bei ihr dann 6x10 minus 6x2 u.ä. Und ehrlich gesagt - so mache ich das bei gut einem Drittel der Malreihenaufgaben bis heute selbst auch ;-))
Sie findet Mathe todlangweilig und schimpft und flucht regelmäßig über die Aufgaben.
Bloßes Abarbeiten von Regeln ist halt langweilig für begabte Kinder. (und Erwachsene)
Das fordert nicht genug...
Rätseln und Denksportaufgabe dagegen liebt sie. (Der IQ-Test hat ihr sehr viel Spaß gemacht!)

Rechtschreibung ist bei meiner Tochter allerdings von Anfang an gar kein Problem gewesen.
Aber da hieß es bei einem Elternabend mal, dass die Entwicklung erst mit 12 abgeschlossen ist und bis dahin es noch normal sei, dass es Probleme bereitet.
Auch da könnte ich mir aber vorstellen, dass es ein Langeweileproblem sein könnte und dein Kind im Kopf darum schlicht nicht ganz bei der Sache ist.

Unleserliche/schlechte Schrift ist ebenfalls ein "typisches" Problem bei (hoch)begabten. Das liest man immermal wieder in dem Zusammenhang. (Der Kopf ist so viel schneller, als die Motorik, das frustriert)

Einen recht guten Text zum Thema Probleme Hochbegabter habe ich grad gestern im Netz gelesen, da kommt das u.a. auch mit zur Sprache:

https://www.kinder.de/themen/schulkind/ ... te-kinder/

Da steht unter vielen anderen sehr passenden und interessanten Dingen über hochbegabte Kinder:
Das Erlernen der Schrift ist im Allgemeinen das Einzige, was diesen dynamischen, lebhaften, aktiven und sprachlich brillanten Kindern nicht so leicht von der Hand geht.
Angesichts dieser Schwierigkeit reagiert das Kind mitunter durch eine verstärkte Kontrolle, einem ängstlichen Beherrschen-Wollen, was zu einer Verkrampfung und einem zu starken Aufdrücken führt, zu zittriger, unregelmäßiger Schrift.



Ansonsten hast du bzw. deine Tochter mein Mitgefühl. Fast alles, was du von deiner Tochter schreibst, kenne ich so vom Kind auch. (Hochsensibel ist sie definitiv auch.)
Wir kämpfen seit Jahren mit ähnlichen Sorgen - Wutausbrüche zu Hause (meist beim Instrument üben) und schreckliche Langweile in der Schule. Mit allen negativen Folgen. (Geringes Selbstwertgefühl, Symptome von Depressionen, häufige schlechte Laune, sich anders/"fremd" und "dumm" gegenüber den anderen Kindern fühlen...)
Der Test (Ende Klasse 3) und drauf folgend Gespräche in der Schule sogar mit konkreten Hinweisen von der Beratungsstelle, was man gegen die Unterforderung machen kann sowie dem Angebot, die Lehrer auch persönlich zu beraten, haben trotz grundsätzlich aufgeschlossener, zugewandter Lehrerin nichts wirklich verändert.

Aktuell geht es hier nur noch ums Aus- und Durchhalten, bis die Grundschule endlich vorbei ist und Tochter in die (von ihr selbst gewählte) weiterführende Schule mit Begabtenförderung wechseln kann.
Gerade heute flehte sie mich an (nach einem Kranktag gestern wegen Übelkeit), da bitte, bitte nicht hinzumüssen, es sei so todlangweilig. (Ihre Klasse ist aber nett, sie hat da mehrere Freunde, sie hasst wirklich vor allem den Unterricht)

Also ich glaube, sehr viel ist im Normalfall nicht zu erwarten seitens der Schule, obwohl ich für euch hoffe, dass es bei euch anders sein möge.
Die Lehrer hier waren nicht bereit bzw hatten nicht die Zeit, sich wirklich ins Thema einzuarbeiten und haben ähnlich argumentiert, wie du es beschreibst.
Mein "Lieblingsargument": Das Kind WILL doch gar keine Zusatzaufgaben, was sollen wir denn da machen?
Keiner scheint wirklich tiefergehend Bescheid zu wissen. (z.B. dass es keine Zusatz- sondern Ersatzaufgaben sein sollten, das hatte ich eigentlich auch so weitergegeben... umsonst)
In Deutsch darf meine Tochter wenigstens malen, wenn es langweilig ist, in Mathe darf sie das nicht. Darum ist Mathe ihr absolutes Hassfach. (obwohl sie laut Test da ja ihre Stärke hat! Nach dem ersten Mathekängurutest in Klasse 3 kam sie heim und meinte, das sei der schönste Schultag seit langem gewesen...)
Zitat vom Kind grad von heute: "Das Beste vom Schultag war, dass ich heute in Mathe eine Arbeit nachschreiben musste, da musste ich wenigstens nicht im Unterricht mitmachen."

Darum überlege ich z.B. grad für Nr. zwei eine andere Grundschule zu wählen, obwohl die der Großen an sich schöner ist, heimeliger, netter. Nut zweizügig, schöner Hort, freundliche, junge Lehrer, ausgewähltes, leistungsstarkes Klientel. (In Kinds Klasse hat ein Drittel der Kinder mindesten einen Arzt als Eltern...)
Aber offensichtlich reicht das nicht.
Die alternative Schule ist vierzügig und hat einen für Hochbegabung geschulten Lehrer und ein Konzept zur Forderung besonders begabter Schüler.
Sollte der Test der Kleinen (fand diese Woche grad statt, Auswertung nächste Woche) ähnliche Werte ergeben, wie die der Großen, werden wir sie vermutlich an dieser Schule anmelden. (Und vielleicht sogar noch dieses Jahr mit 5;5 einschulen.)

Vielleicht solltet ihr auch mal über einen Klassensprung nachdenken. So kann die Grundschulzeit wenigstens etwas verkürzt werden. Zumindest für meine Große war die Grundschulzeit trotz sehr netter, beliebter Lehrerin und netter, leistungsstarker Klasse eine unschöne Zeit.
Ich denke manchmal, ich hätte sehr viel eher aktiv werden müssen, das hätte ihr vielleicht Einiges erspart.
Aber sie war halt immer brav und angepasst und hat sich nicht allzu heftig beschert. Ein bisschen Klagen über die Schule und die Langeweile hielt ich für normal.
Aber es gibt letzen Endes auf Kosten ihrer Psyche, dass sie sich kaum beschwert hat und stattdessen versucht hat, sich anzupassen und nur nicht aufzufallen.

Ansonsten würde ich einen Test lieber von eine Fachstelle machen lassen, da kriegst du - soweit ich das weiß bzw erlebt habe - viel ausführlichere Tests, eine detailliertere Auswertung und sogar eine Beratung dazu.
Beim CFT hat meine Tochter übrigens unter Hochbegabtenwert abgeschnitten, beim WISC IV war sie über der 130 und ausgerechnet im logischen Bereich (der beim CFT ja gefordert ist) war ihr Wert am höchsten (140).
Also bei einem Test nur mit CFT wäre sie nicht als hochbegabt eingestuft worden...

Viel Glück euch!
Zuletzt geändert von sinus am Mi 22. Mai 2019, 09:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon Nimoe » Di 21. Mai 2019, 22:07

Nur kurz zum Einmaleins: Meine Tochter konnte das am besten mit einer ganz einfachen App auf dem Handy lernen, jeden Tag drei kurze Durchgänge. Es zeigt in einer Statistik sehr anschaulich die Fortschritte, oder Rückschritte :lol: , an. Das hat sie sehr motiviert. Auch jetzt "spielt" sie es noch gelegentlich mal.
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon mamma42 » Di 21. Mai 2019, 23:20

Schrift:
Kind 1 (Klasse 6): superschön in der 1. Klasse geschrieben, nach ca 4-5 Monaten Unterforderung schlagartig schlechter geworden und hat sich nicht grundlegend verbessert (nur zwischendrin- da schrieb er wieder Druckschrift ;-)).
Kind 2 (Klasse 3): Linkshänder, Erstklasslehrerin hat Schrift nie bemängelt obwohl nie toll (eben wegen Linkshänderin), mit Tintenroller wieder besser (motiviert), jetzt Mitte 3. Klasse wieder schlechter, da unmotiviert/tw. unterfordert

Rechtschreibung:
Kind 1: wenn es nicht drauf ankommt, vereinzelt haarsträubende Fehler; in der GS wenns drauf ankam immer alles richtig
Kind 2: wenn es nicht drauf ankommt, viele haarsträubende Fehler (auch Kommentar: ist doch egal), wenn´s drauf ankommt: 0-1 Fehler...

1*1:
Kind 1 hat noch mit sich üben lassen (wir haben aber die sturen Reihen von anfang an kaum gemacht und sind recht schnell ins Durcheinander gegangen, Wettbewerbe haben funktioniert, aber Kind hatte auch motivierende Lehrerin in Klasse 3 und 4)
Kind 2 hat sich komplett geweigert, bisher war es mit Neuausrechnen noch schnell genug auch in den Proben; halbschrifliches dividieren hatten sie noch nicht

Ich glaube, es liegt hauptsächlich an der Motivation...

Das andere Problem ist, falls das (fehlende Motivation aufgrund Unterforderung) die Ursache ist: wenn das Kind sich erst bei vermeintlichen Schwächen verbessern soll, damit es etwas anderes machen darf, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es wirklich versucht, zu zeigen, dass es schon das betreffende kann (man kann es aber versuchen). Viel besser wäre es, erst etwas motivierendes anzubieten, und dann danach (oder dabei) auch das andere fordern...

Lass es erst mal ein wenig bei der Lehrerin sacken und ansonsten würde ich mich an Deiner Stelle an die zweite Lehrein halten, die hat wohl mehr Verständnis.
Der CFT fällt bei Hb-Kindern wohl häufig schlechter aus, v.a. der 2. Teil. Mein Sohn hatte auch plötzlich 12-19IQ Punkte weniger... Der CFT ist nur für ein grobes Screening aber nicht zur genauen Diagnose geeignet. Für eine bessere Aussage würde ich woanders einen differenzierten Test machen. Andererseits - vielleicht kann Euch die 2. Lehrerin besser vor Ort helfen...da würde ich an Eurer Stelle mit Ihr und dem Kind auf jeden Fall einen gesonderten Termin machen.
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 09:30

keksi hat geschrieben:@Rabaukenmama: Versteh mich bitte nicht falsch. Mir geht es ganz und garnicht um mein Ego und darum was andere von mir denken. Es geht mir nur um die Konsequenzen die aufgrund des Gedankens ich sei eine Eislaufmutter entstehen könnten. Die wären, dass man unser Problem nicht ernst nehmen könnte und somit evtl. ausbleibende Hilfe. Natürlich finde ich das nur heraus indem ich das Gespräch suche und das habe ich definitiv vor.
@Mares2425: Gibt es evtl. eine Liste mit solchen spezialisierten Psychotherapeuten?


Wo wohnt ihr eigentlich?
In Sachsen-Anahlt und in Sachsen könnte ich dir je eine Stelle empfehlen, wo du sehr zeitnah (und auch noch kostengünstig/kostenfrei) deine Tochter testen lassen kannst.
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon alibaba » Mi 22. Mai 2019, 09:30

Hallo Keksi,

vorweg - Lehrer sind so, wie du sie beschreibst. Da werden Dir noch ganz viele in deinem/euren Leben begegnen. Das ist mega frustrierend. Und ja, auch bei einem IQ von 120 kann es zu massiveren Auffälligkeiten kommen. Der wert von 130 wurde ja willkürlich festgelegt. Wenn man sich mal intensiver mit Begabungen beschäftigt, liest man sehr oft, dass alle Kinder ab einem IQ von 120 in Förderprogramme aufgenommen werden oder in HB-Züge und sie der selben Förder/und Forderung unterliegen sollten, wie die, die einen höheren Wert haben.

Für eine Testung empfehle ich Euch einen Profi. Keinen Schulpsychologen, erst recht nicht einen Beratungslehrer und der CFT ist nicht gut geeignet zur Feststellung einer HB. Er ist sehr logiklastig, so wie der HAWIK sehr sprachlastig ist. Das kann und wird IQ-Profile verfälschen. Irrtümlich zu hoch oder irrtümlich zu niedrig. Der CFT sollte nie alleine angewandt werden und nur in Verwendung eines zweiten Testes. Weiter ist der CFT nicht so gut für gefrustete Kinder geeignet. Das ist kein adaptives Verfahren. Weiter kann man damit keine LRS diagnostizieren. Noch viel wichtig, finde ich persönlich, nicht die Zahl, sondern das Gespräch, die Beobachtung und die daraus resultierende schriftliche Bewertung. Es nützt Dir doch gar nicht, wenn Du nun eine Zahl hast, aber diese so stur da steht, ohne das aus dem verhalten des Kindes gelesen wurde. Gerade bei so kleinen Verweigerern oder gefrusteten Kindern ist das mega wichtig.

Der AID3 ist ein adaptiver Test. Da kann man auch gleich mit schwereren Aufgaben einsteigen. Gut für die Kinder, die dumme Aufgaben nicht lösen wollen. Dieser Test darf auch nur von einem Diplom-Psychologen benutzt werden. Weiter kann er eine LRS gut erkennen. Und er scannt eine Reihe von vielen Punkten der Intelligenz ab. Außerdem kann man eine Range bestimmen. Gerade bei Kindern die so knapp an der 130 liegen, sehr hilfreich. vor allem für Lehrer die gerne Zahlen sehen. Hier ergibt sich nämlich aus der Range die Empfehlung und nicht aus dem reinen IQ-Wert.

Zur Verweigerung der HA. Lass sie die doch verweigern. Warum belastet Ihr hier eure Eltern/Kind-Beziehung für Hausaufgaben? Wie lange willst du das denn aushalten? Ich schlage vor, einige Dich mit deinem Kind. Langweilige Aufgaben übernimmst Du, etwas schwerere übernimmt das Kind. Und natürlich die, wo es noch Bedarf gibt die HA zu machen. Ich lasse mich für Schule schon lange nicht mehr vor den Karren spannen. Ja, es braucht ein bisschen Mut. Der hängt auch davon ab, wie Ihr die Lehrer braucht - eben für die Empfehlung.

Zum IQ-Test. Ich weiß nicht, ob man mit 9 Jahren schon sein volles Potential zeigen kann. Ob man versteht um was es geht. So ein Test bedeutet volle Konzentration. Einen richtigen Test macht man nicht zwischen Tür und Angel.

Weiter empfehle ich euch zu schauen was Ihr für euer Kind nachmittäglich tun könnt. Wenn die Schule nicht fördert müsst ihr das tun. Alleine schon wegen der Erfolgserlebnisse. Kommen die, kann man mit Frust besser umgehen.

Euch wünsche ich allgemein gute Nerven. Es wird euch "Begabung" ein ganzes Schulleben lang begleiten, es wird anders, aber nicht einfacher. Da heißt es abzuwägen wofür es sich lohnt innerfamiliär zu zoffen.

VG
alibaba
 

Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 09:46

@alibaba: Volle Zustimmung!
(Wobei ich die Aufgaben wohl nicht fürs Kind machen würde, sondern sie bestärken und gegenüber der Schule unterstützen würde, auch mal HAs nicht zu machen oder um andere Aufgaben zu bitten)

Auf das Arbeitsverhalten wurde bei uns bei der Auswertung auch eingegangen, es gab Tipps, wie wir mit dem physisch erkennbaren Stress umgehen könnten, den das Kind zeigte, wenn die Aufgaben an ihrer Leistungsgrenze lagen, es gab Tipps und konkrete Hinweise zu Förderprogrammen in der Freizeit, gute Literaturtipps...

Zusätzlich zum IQ Test gab es bei uns dort auch Fragebögen zur Schul-/Lernmotivation, dem Wohlfühlen im Klassenverband und das Verhältnis zu den Lehrern.
Die Ergebnisse waren seeehr aufschlussreich und überdeutlich (Wohlfühlen in der Klasse ja, Lernmotivation und Hoffnung, in der Schule Neues zu lernen ganz, ganz weit unten. 3. Perzentile wars glaub ich)
Darauf wurde im Gutachten dann auch eingegangen und das war dann eigentlich auch Hauptansatzpunkt im Lehrergespräch. (Wo man zwar guten Willen zeigte und es kurzzeitig auch besser wurde, letzten Endes war dann aber bald alles wieder beim alten und es hat sich leider langfristig nichts zum Guten verbessert...)

Ich fand das Ganze aber für uns trotzdem äußerst hilfreich.
(Wir waren übrigens bei einer Beratungsstelle der Uni, an der Doktoranden im Bereich Psychologie sich mit dem Thema Hochbegabung beschäftigen)
Ich habe bei später aufkommenden Fragen mich auch nochmal recht ausführlich per Telefon beraten lassen können.
Und das alles nur auf Spendenbasis und Termine gabs superschnell.

Noch was zum CFT: Der ist auch zeitlich begrenzt, was mein Kind z.B. sehr unter Druck setzte. Sie hasst Zeitdruck.
Es gab zwei Durchgänge, bei ihr war der erste im Normalbereich, der zweite 20 Punkte höher.
Sie hat beim ersten Mal wohl einfach zu ausführlich überlegt, ehe sie antwortete, weil sie keine Fehler machen wollte.
Er wurde, wie Alibaba schrieb, auch nur als Zusatztest gemacht. (Bzw. hat Kind den zuerst gemacht, danach den WISC, der ihr auch sehr viel mehr Freude machte.)

Ohne die detaillierten Ergebnisse aus dem WISC, mit Peak beim logischen Denken, hätten wir bei der Entscheidung zur weiterführenden Schule (eine mit MINT Schwerpunk und viel Mathe/Informatik) die Schule, an die Kind nun jetzt wechseln wird, gar nicht in Betracht gezogen, da Tochter ja immer wieder meinte, sie hasse das Fach Mathematik.
Tochter hat sich aber letzten Endes selbst für diese Schule entschieden (in Kenntnis ihrer Testergebnisse), weil sie sich für Informatik und Biologie interessiert und uns klar wurde, das Grundschulmathe nicht allzuviel mit mathematischem Denken zu tun hat und es in der neuen Schule in Mathe sicher anders laufen wird.
Dort wird ab Klasse 7 übrigens auch in Mathe am Notebook gearbeitet.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 22. Mai 2019, 10:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 10:06

Koschka hat geschrieben:Das Problem ist: das Kind braucht Hilfe und Unterstützung jetzt. Wenn man monatelang auf optimale Beratung wartet, vergeht die Zeit. Und es gibt leider noch ein Problem: wenn nicht der Schulpsychologe testet, können Ergebnisse angezweifelt werden. Wenn ich von Bekannten schon höre, dass ihre Psychologin WISC in zwei Teile mit einer Woche Abstand getrennt hat, dann verstehe ich schon, dass die Zweifel nicht unbegründet sein könnten. UNI-Beratungsstelle und Schulspychologen sind die Einzigen, deren Ergebnisse per Definition vom Schulsystem nicht angezweifelt werden können.



Ja, darum würde ich auch Uni empfehlen oder in Sachsen ist bspw auch die Beratungsstelle in Meißen (St. Afra) anerkannt. (Über die hab ich von mehreren Stellen auch viel Gutes gehört!)
Ansonsten sind es nur noch wenige Wochen bis zu den Sommerferien - vielleicht lassen sich passende Termine im Sommer finden.
Aber ich finde es auch wichtig, ZEITNAH aktiv zu werden. Auch als Signal fürs Kind.

Hier kann man auch nachschauen:
https://www.fachportal-hochbegabung.de/ ... gsstellen/

Ich hab für unsere Beratungsstelle gut 1,5 Stunden Weg (Zugfahrt) in Kauf genommen.
Das wars defektiv wert... 3x mussten wir hin. (Das erste Mal war ich mit Kind, beim zweiten Mal haben die Großeltern das Kind hingebracht und den restlichen Tag noch für einen netten Ausflug dort genutzt und zur Auswertung war ich allein dort)
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Re: Schulprobleme durch Unterforderung?

Beitragvon keksi » Mi 22. Mai 2019, 11:44

Hallo
Vielen, lieben Dank erneut für eure Beiträge und Informationen. Ihr glaubt garnicht, wie sehr mir das gerade hilft, dass ich mich hier so toll austauschen kann und dass ihr bereit seid so viel von euch preiszugeben und die ganzen Erfahrungen für mich aufzuschreiben. Das ist das erste mal, dass ich in einem Internetforum wirklich sinnvolle, empathische und informative Antworten bekomme.
Ich bin gerade etwas beruhigt, dass es offensichtlich tatsächlich öfter vorkommt, dass trotz vorhandener Begabung Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung und dem Einmaleins bestehen. Ich habe gestern Abend noch mit meiner Tochter geredet. Ich hab ihr vom Gespräch berichtet und die beiden Baustellen angesprochen und welche meinungen die Lehrer dazu haben. Ihre Reaktion war sehr verhalten. Sie ist sich dessen durchaus schon bewusst gewesen, hat aber einfach wenig Motivation daran etwas zu ändern, weil sie es einfach nicht als wichtig betrachtet. Zur Zeit besucht sie eine AG in der Schule (die mein Mann ehrenamtlich gibt) in der gelernt wird kleine Computer zu programmieren (dieser hier ist das https://calliope.cc/). Sie ist dort mit Abstand die schnellste und begreift alles sofort und setzt es um. Oft sogar baut sie sich zusätzlich noch besondere Kniffe ein, um die Funktion noch umfangreicher zu gestalten. Wahrscheinlich denken die Lehrer, sie übt das mit meinem Mann zu Hause ausgiebig. Aber dem ist nicht so. Jetzt möchte sie damit einen Einmaleins-Trainer programmieren. Die Idee finde ich großrtig! Sie hatte vorher schon in der Schule vorgeschlagen den Klassen einen von ihr programmierten Kopfrechentrainer zur verfügung zu stellen. Ich hoffe die Lehrer erkennen ihr Engagement in dieser Richtung an und sie bekommt Lob und darf ihre Idee umsetzen. Ich beobachte bei solchen Dingen immer eine kurze große Motivation, die aber schnell wieder abflauen kann, wenn die entsprechende Rückmeldung fehlt. Sowieso ist sie gerade so zurückgezogen, möchte sich am liebsten in Computerspielwelten verstecken. Es ist gerade sehr anstrengend sie für andere Dinge zu motivieren. Eigentlich bin ich permanent damit beschäftigt. Ihr fehlen ja auch die sozialen Kontakte zu Freunden. Ich bin dann oft ihr einziger Ersatz und gebe dann alles, bin aber oft Zielscheibe für Frust und Ärger. Eine Zeil lang haben wir mit Vorliebe viele Gesellschaftsspiele gespielt. Aber selbst da ist sie jetzt lustlos.
Die Lehrer wollen heute das Gespräch mit ihr suchen. Sie möchten ihr sagen, dass sie bei Frust und Ärger jederzeit zu ihnen kommen kann. Wenn sie das nicht persönlich schafft, weil sie sich nicht traut, darf sie gerne kleine Zettel oder Briefe schreiben, die sie ihnen zusteckt. Das finde ich eine schöne Idee. Ob sie das umsetzt wird sich zeigen. Und erst recht ob die Lehrer in der Lage sind etwas umzusetzen muss sich zeigen. Was ich vergessen hatte zu erwähnen war, dass die zweite Lehrerin gestern zu mir sagte, dass ich im Hinblick auf die Hausaufgaben ruhig mit weniger Zwang ansetzen dürfte. Sie würde nicht bis ins letzte darauf beharren, dass sie sie erledigt. Wenn es zu viel Frust und Ärger gäbe, dürften sie eben mal ausfallen. Generell ein Schritt von ihr in die richtige Richtung. Ich denke aber, dass das meiner Tochter zu viel Macht gäbe und sie das wirklich spüren und ausnutzen würde. Es ist normalerweise so geregelt, dass die Kinder 45 min hausaufgaben bearbeiten sollen und in der Zeit das erledigen, was sie schaffen können. ich werde den Spieß jetzt umdrehen und ihr sagen, dass sie beispielsweise zwei Seiten ordentlich erledigen soll, ob das 5, 10 oder 20 min dauert ist mir egal. So hat sie die Aussicht, dass es schneller vorbei ist, wenn sie sich Mühe gibt und merkt trotzdem dass man nicht um alle unangenehmen Pflichten herum kommt. Ich denke das ist erstmal ein guter Kompromiss. Ich werde sehen, wie es sich damit entwickelt.
Wir wohnen übrigens in NRW. Auf der Liste mit Beratungsstellen habe ich mich schon umgesehen. Auch haben wir eine Kinderpsychiaterin mit einigen Psychologen im Team in der Nähe. Auf ihrer Seite ist ausführlich beschrieben, welche Gebiete sie behandelt. Dass sie IQ-Testungen durchführt ist dort auch aufgeführt. Kontaktieren werde ich sie mal. Und je nach Wartezeit sicher auch die eine oder andere Stelle der Liste. Ich hoffe wir haben schnell Glück. In die Thematik um die einzelnen Tests und die unterschiedlichen Abdeckungsgebiete in der Intelligenz muss ich mich noch genau einlesen. Mir war bisher nicht bewusst, dass die Unterschiede doch so groß sein können.
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