Deutschunterricht

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

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Beitragvon Koschka » Mi 22. Mai 2019, 08:35

Mein Kleiner, 5 Jahre, 1. Klasse ist das erste halbe Jahr sehr glücklich in der Schule gewesen. Vieles war für ihn neu, unter anderem die große Gruppe. Er hat alles gut gemeistert, hatte nach dem HJ ein tadelloses Zeugnis. Die Probleme fingen vor den Ostserferien an, als der Unterricht sehr durftig wurde: da Ramadama, hier das Klassenfrüstück... Seit dieser Zeit klagt er über die Bauchschmerzen in der Schule, geht eher ungerne hin, versucht Ausreden zu finden, warum er heute nicht gehen soll.

Ich habe vor einigen Tagen mit der Mathelehrerin gesprochen. Sie hat volles Verständnis, kennt sich aus. Sie gab dem Sohn ein Blatt mit Aufgaben mit Zehnerübergang in 100er Raum, die hat er dann gleich fehlerfrei und ohne Erklärung gelöst. Er hat auch ein Forderheft, das er schon mehr als zur Hälfte ausgeführt hat. Er liebt diese Lehrerin und ist auch sehr gerne bei ihr. Das Problem: sie ist nur Mathelehrerin und nur für 1 Stunde 4 Tage in der Woche 2. Den Rest macht die zweite Lehrerin.

Mit der zweiten Lehrerin habe ich gestern gesprochen. Sie weiß über IQ-Bescheid. Aber sie sieht beim Sohn im Deutsch keinen Vorsprung. Weil für sie der Vorsprung perfekte Rechtschreibung, saubere Schrift und hohe Lesegeschwindigkeit sind. Das hat er alles tatsächlich nicht. Dafür kann er sich sehr gewählt und präzise ausdrücken, inklusive Konjunktiv 1. Er kann Informationen sehr detailreich abspreichern und eine 45-min lange Kindersendung so gut wie 1:1, aber auch reflektiert, nacherzählen. Er macht sich Gedanken über den Urknall und die Quarks, verkündigte neulich, dass es keinen Gott geben kann, weil es auch nichts nichts entstehen kann. Dann soll er sich in der Schule hinsetzen und zwei große Amsel ausmalen: eine in Braun und eine in Schwarz... Die Lehrerin versteht nicht, dass er nicht malen muss, um merken zu können, welche Farbe die Vögel haben. Sie versteht nicht, dass durch die Geige die Feinmotorik eher genug gefördert und gefordert ist und er überhaupt nicht malen braucht. Erstlesebücher interessieren ihn nicht, weil sie für ihn zu doof sind. Die richtigen Bücher schrecken ihn ab: es ist zu mühsam. Er dreht sich im Kreis. Er kann nicht lesen auf dem Niveau, dass das Lesen Spaß macht. Aber er liest auch kaum, weil es eben kein Spaß macht, und so wird es nicht besser. Langsam aber sicher entwickelt er richtigen Hass auf den Deutsch und Sachunterricht. Was mache ich jetzt damit? Lesenübungsheftchen wie "Lies mal" hasst er wie die Pest.

Er kommt mir auch vor, wie ein Englischanfänger, der vor dem "Herr der Ringe " sitz und zwar weiß, dass das Buch sehr spannend ist, und es eigentlich gerne lesen würde, aber sobald er es tatsächlich versucht, lässt die Frust nicht auf sich warten.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 09:18

Hier in Sachsen gibt es direkt übergeordnete Ansprechpartner, die beraten zum Thema Hochbegabte in der Grundschule.

https://www3.sachsen.schule/bzb/begabte ... n-sachsen/

Ich denke mal, dass auch testende Psychologen in entsprechenden Beratungsstellen passende Ideen und Tipps haben. Bei uns wurde recht detailliert erklärt, wie man diese Kinder fördert und wie man auf "typische" Probleme reagiert.

Ansonsten kann ich die Lehrerin schon auch verstehen. Es braucht sicher ein bisschen "Tüftelei" um herauszufinden, wie man dein Kind "packt". Dafür hat sie sicher schlicht nicht die Zeit.

Bei meiner Tochter hat es mit dem Lesen auch etwas gedauert, weil sie die Erstlesebücher nicht sonderlich spannend fand, sich an anderes aber wegen der Menge noch nicht rantraute.
Den Durchbruch gab es in Klasse zwei mit einem Buch was bei Antolin unter "4.Klasse" lief, wo das Thema sie so packte, dass sie das Buch in kürzester Zeit weggelesen hatte. (Thema war "Werwölfe")
Da war sie dann selbst erstaunt, dass das so flutschte.

Wie wärs mit Sachbüchern für Kinder? Da ist mitunter die Textmenge etwas übersichtlicher bzw mehr strukturiert durch Infokästen etc.
Geh doch mit ihm mal in eine Buchhandlung/Bibliothek, dass er sich selbst was raussuchen kann, was ihn "packt".
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Mi 22. Mai 2019, 09:26

Hallo sinus,

die Schulpsychologin wollte den Kerl (nachdem er schon eingeschult war! in den Kindergarten schicken. Mit der Begründung er solle dort spielen. Also ist der Weg eher ein no-go. Die ganze WWW Reihe von Ravensburger hat er sich in dem ersten HJ vorlesen lassen. Sein Sachwissen ist so umfangreich, dass er kauma aus einem Buch, das er selber erlesen kann, was Neues lernen kann. Darauf kommt es bei ihm an: wenn ich eher nichts lerne, dann lohnt sich eher die Mühe nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass das ganze kindliche drum herum, die unzählige Bilder in den Lehrbüchern, die platten Kinderwitze wie in Lies mal Heften ihn nur ärgert und ablenkt. Er will sich mit diesem Babykramm nicht beschäftigen. Zu Matheaufgaben in 100er Raum hat er mir gesagt: "Ich habe sie gelöst, kann ich jetzt ein Blatt für 1000er Raum haben?".
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 10:16

Koschka hat geschrieben:Hallo sinus,

die Schulpsychologin wollte den Kerl (nachdem er schon eingeschult war! in den Kindergarten schicken. Mit der Begründung er solle dort spielen. Also ist der Weg eher ein no-go. Die ganze WWW Reihe von Ravensburger hat er sich in dem ersten HJ vorlesen lassen. Sein Sachwissen ist so umfangreich, dass er kauma aus einem Buch, das er selber erlesen kann, was Neues lernen kann. Darauf kommt es bei ihm an: wenn ich eher nichts lerne, dann lohnt sich eher die Mühe nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass das ganze kindliche drum herum, die unzählige Bilder in den Lehrbüchern, die platten Kinderwitze wie in Lies mal Heften ihn nur ärgert und ablenkt. Er will sich mit diesem Babykramm nicht beschäftigen. Zu Matheaufgaben in 100er Raum hat er mir gesagt: "Ich habe sie gelöst, kann ich jetzt ein Blatt für 1000er Raum haben?".


Die Ansprechpartner, die ich dir verlinkt habe, sind keine einzelnen Schulen zugeordneten Schulpsychologen, sondern Fachleute, die sich gezielt mit dem Thema Hochbegabung/Begabtenförderung auskennen!
Ich hab da wegen meiner Kleinen zum Thema Früheinschulung angerufen und man hat uns sehr gut beraten. Ich fühlte mich auf jeden Fall ernst genommen!

Wenn er www schon alle kennt, schaut halt nach anderen Büchern. Für ältere. Da gibts doch echt jede Menge!
Das KANN er nicht alles wissen... da finde auch ich immer noch Interessantes.
Ich dachte gar nicht mal so an Kinderbücher mit Witzchen & Co, sondern wirklich an gut strukturierte Sachbücher für ältere Kinder/Erwachsene.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 22. Mai 2019, 10:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 10:29

Der Hit in diesem Jahr beim meiner Tochter war das Buch:

https://www.amazon.de/superschlaue-Ding ... _mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&keywords=321&qid=1558513706&s=gateway&sr=8-2

Aber das ist für nen 5jährgen Leseanfänger sicher vorerst nichts zum selbst lesen...
Geh halt mit ihm in Bibliothek oder Buchhandel und lass ihn selbst was raussuchen.

Vielleicht könnt ihr auch einen Deal machen: Jeden Monat ein neues Buch seiner Wahl, wenn er das vorige ausgelesen hat.

Eine Freundin und Grundschullehrern hat in der Phase eine "Leseraupe" mit ihrem Kind geklebt. Bei jedem selbst gelesenen Kapitel kam ein Glied der Raupe dazu und bei fertiger Raupe gabs eine Belohnung. Pizza essen gehen, ein Geschenk usw.

Ansonsten kann man spannende Bücher ja anfangs vorlesen und dann einfach aufhören. Wenn das Kind "gepackt" ist, liest es dann aus Neugier sicherlich selbst weiter. Dafür müsstest du halt ein passendes Buch finden, was ihn von der Geschichte her interessiert UND seinem Leseniveau entspricht.
Aber auch da denke ich, lässt sich aus der Unmenge von Büchern auf dem deutschen Buchmarkt was finden, wenn man bissle sucht.
Zuletzt geändert von sinus am Mi 22. Mai 2019, 10:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon charlotte12 » Mi 22. Mai 2019, 10:45

Hallo Koschka,

meine Tochter machte ihre ersten Schritte im Lesen mit "normalen" Kinderbüchern für Ältere, die sie nicht gedruckt sondern auf dem Ebook las. Dort konnte sie die Schrift riesengroß einstellen, der Text war aber nicht so albern wie bei den klassischen Erstlesebüchern. Bei ihr war lange die Schriftgröße ausschlaggebend dafür, ob sie einen Text las oder nicht. Das schmale Ebook schreckte im Gegensatz zu dickeren Büchern nicht ab und übte überhaupt eine magische Anziehungskraft auf mein Kind ab. Zum sechsten Geburtstag bekam sie dann ein eigenes, weil ich auch mal wieder in meinem Ebook lesen wollte :schwitz: Es gibt übrigens Schutzfolien für Ebooks als Schutz gegen klebende Kinderhände. Wie wäre es z.B. mit dem "magischen Baumhaus" als Ebook? Der zweite Ebook-Renner bei uns war "Sternenschweif", was aber nicht unbedingt jungs-tauglich ist. Oder - DAS Lieblingsbuch meiner Tochter, als sie im Alter von deinem Sohn war - "Michel aus Lönneberga", gibt es seit neuestem auch als Ebook, das hätte ich mir vor drei oder vier Jahren gewünscht..
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Mi 22. Mai 2019, 10:59

Zum Interesse an Büchern: ich war gestern in einem gut sortierten Bücherladen mit ihm. Er hat sich eine CD ausgesucht :-) Nachdem er gehört hat, dass ich keine CDs kaufen möchte hat er sie ruhig aufgeräumt und friedlich auf dem Minispielplatz im Laden weiter gespiet. In der Bücherei leiht er sich entweder Sachbücher aus die ich ihm vorlesen soll oder Hörspiele für längere Autofahrten. Bilanz letzter Woche: zwei Abenteuer und Wissen Hörbücher, eines von Snöfred (was ich persönlich schrecklich langweilig fand). Wenn ich die Büchereibücher nicht vorlese, ist es auch kein Drama. Dann liegen sie einfach rum, bis ich sie vorlese oder zurückgebe. Ich habe fast das Gefühl, dass mein Kleiner ein absolut auditiv-kommunikativer Typ ist, der nicht auf Bildmaterial angewiesen ist.

@Sinus

Danke für die Tipps. Das 321 Buch sieht toll aus. Aber ich glaube auch nicht, dass er das alleine lesen wird. Trotzdem habe ich das in meinen Einkaufskorb gelegt :-)
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Mi 22. Mai 2019, 11:33

Koschka hat geschrieben:Hallo sinus,

die Schulpsychologin wollte den Kerl (nachdem er schon eingeschult war! in den Kindergarten schicken. Mit der Begründung er solle dort spielen.


Sie scheint ja, eine gewissen Riecher zu haben, die Schulpsychologin.

Was möchtest du denn an Antworten hören? Wie motiviere ich mein Kind? Schwierig, schwierig ……. würde ich da sagen. Wenn Du nicht dein Kind die Erfahrung spüren lässt, die seine Verweigerung mit sich bringt, wird das nichts mit entwickeln des eigenen Wollens. Du liest ihm alle Bücher vor, bis er alles weiß und kann? Da kann ich nur sagen, dass Du aber viel Zeit hast. Was lernt denn dein Sohn dabei?

Wo ist denn das Problem, dass er nicht liest? Weil es seines IQ's unwürdig ist?

Meine Erwartungen wären ganz klar. Ich bin ein Schulkind und benehme mich wie ein Schulkind. Er benimmt sich wie ein Kindergartenkind. Das wäre okay, aber er ist nicht mehr dort.

Musst du irgend Jemanden irgend etwas beweisen? In einer 1.Klasse? Lass ihn doch selber die Konsequenz seines Handelns spüren - durch den Lehrer nicht durch dich.

Ich würde konsequent dem Kind folgen. Will es nicht lesen - dann macht es das nicht, Ende und aus. Die Konsequenz folgt definitiv.

In der Bibliothek habe ich mich grundsätzlich hingesetzt und gewartet. Ausgesucht habe ich noch nie in meinem Leben! Wenn jemand dann nur mit einer CD zurück kam, habe ich das auch akzeptiert. Ich habe durchaus lange vorgelesen . Mit Beginn der Schule hörte ich mit dem vorlesen zur Wissensvermittlung auf. Ab da war es nur noch Ritual, nie mehr zwischendurch für Faule, die nur darauf warten bis Muddern sich vor den Karren spannen lässt.

Eigentlich habe ich ja etwas Mitleid mit deinem Jüngsten. Verweigerst ihm die CD, damit er akzeptiert, dass er lesen muss. Mhhhhhhh …. Ihr dürft natürlich machen was Ihr wollt. Unbenommen! Nur meine Methoden wären das definitiv nicht.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Mi 22. Mai 2019, 11:45

@alibaba

lies doch durch, bevor du Mitleid hast :-) Ich habe die CD nicht gekauft, nicht nicht geliehen. Ausleihen kann er sie so viel er will, hat ja einen Ausweis ist zwei Büchereien und in eine davon geht er komplett eigenständig. Wie viel er die Woche als Hörspiel gehört hat, habe ich extra geschrieben. Alleine Stöfred ist etwa 4 Stunden lang. Ich habe mit mir auch Mitleid. Ich bin beim Autofahren vor Langweile bei diesem linguistisch verschnörkelten aber inhaltlch absolut leerem Erguss beinahe umgekippt.

Zu dem Inhaltlichen: mein Kleiner ist ein willenstarker Typ. Er macht die Sachen, die ihm nicht passen nicht mit. Ganz egal in welchem Alter und mit wie viel Druck. Er hat es mit 2 nicht gemacht, er macht das mit 5 nicht und erst recht wird er sie mit 15 nicht machen. Im Gegensatz dazu sind meine Großen noch ganz brav und folgsam. Über die Meinung, er soll in die Schule gehen, weil es so im Gesetz steht, kann ich nur bitte lachen. Da sagt mein Kind: "Ist mir egal" Es wird ihm in 3 Monaten, als er so zu sagen offiziell schulpflichtig wird, genauso egal sein.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon sinus » Mi 22. Mai 2019, 12:00

@alibaba: Du liest dich ziemlich "aggressiv". Auch wenn ich dir inhaltlich durchaus folgen kann.
Ich denke, dass hier deine Abneigung gegen früheres Einschulen mal wieder recht deutlich herauskommt.
Ich frage mich, warum dich das Thema immer wieder so herausfordert... Du suchst scheinbar immer wieder nach Punkten, die beweisen, wie falsch das ist... So kommt es mir jedenfalls immer wieder vor.

Ich behaupte ja mal, dass das eher keine Altersfrage ist, sondern auch andere, normal eingeschulte Kinder mit den gleichen Problemen zu tun haben und man sie dann entsprechend fördern/unterstützen wollen würde.

Noch was zum Thema "vorschnell" und übereifrig fürs Kind einspringen: schriebst nicht gerade du vorhin erst, dass du sogar Hausaufgaben fürs Kind machen würdest, wenn du sie für unzumutbar eintönig/leicht hältst??? :fahne:
(Sowas würd ich z.B. niemals machen... aber dafür angreifen würde ich andere jetzt auch nicht. Soll jeder machen, wie es für ihn richtig scheint.)
Zuletzt geändert von sinus am Mi 22. Mai 2019, 12:11, insgesamt 1-mal geändert.
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