Deutschunterricht

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Di 11. Jun 2019, 21:33

charlotte12 hat geschrieben: Und wenn ich dann höre, dass sogar in Klasse 8 in Deutsch noch gelbe Kästchen abgeschrieben werden...


die Kids sollten im Deusch Referate über Hobbys halten. Meine Tochter bekam eine 5, sie hat nur 5 Minuten geredet, statt vorgeschriebende 10. Der Lehrer weiß, dass sie eigentlich sprachlich ganz fit ist, wundert sich, wie es dazu kommen könnte: "Sie mussten doch nicht über Göthe oder Schiller erzählen..." Wahrscheinlich bin ich für den Kommentar: "...wäre doch vielleicht besser gewesen" genauso beliebt wie meine Tochter. Meine Tochter versand nicht, wie man als Hobby Raumfahrt, Lamborgini oder I-Sport haben kann, und wenn doch, was man der Klasse darüber berichten sollte.

Mit meiner Großen sollte man keinen verbalen Krieg anfangen. Als ich mit meinem Mann die Situation bespreche, äußert er den Vorschlag, sie hätte auch einen Vortrag über das Thema "Wie reite ich ein kleines Pony" halten. Draufhin meine Tochter ohne halbe Sekunde zu überlegen: "Beine einziehen, und los reiten!"

Der Große hat sich neulch ein Buch bestellt: "50 tägliche Übungen für die Geige". Die Tochter hört zu und kommentiert: "So wie du übst, sind die 50-tägliche Übungen für dich genau das Richtige!"
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon charlotte12 » Mi 12. Jun 2019, 12:55

Der Lehrer weiß, dass sie eigentlich sprachlich ganz fit ist, wundert sich, wie es dazu kommen könnte: "Sie mussten doch nicht über Göthe oder Schiller erzählen..." Wahrscheinlich bin ich für den Kommentar: "...wäre doch vielleicht besser gewesen" genauso beliebt wie meine Tochter. Meine Tochter versand nicht, wie man als Hobby Raumfahrt, Lamborgini oder I-Sport haben kann, und wenn doch, was man der Klasse darüber berichten sollte.

Eine für alle vertretbare Kompromiss-Lösung wäre vermutlich gewesen, wenn deine Tochter einfach Goethe oder Schiller als ihr Hobby angegeben hätte :)
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Julie M. » Mi 12. Jun 2019, 13:01

Liebe Koschka,
zum Thema "Lesen und Bücher"
Wir hatten dem lesenden 5-jährigen ein eigenes Bücherregal eingerichtet, und es jede Woche mit über 20 neuen Büchern gefüllt - der großen Stadtbücherei bzw. der Kinderbücherei sei Dank. Und zwar mit eher kürzeren, bebilderten Büchern und mit Wissensbüchern.
Denn das Kind war sehr neugierig, hatte aber wenig Ausdauer beim Lesen. Da waren solche Bücher ideal, an denen man nicht lange herumgelesen hat. Wenn ein Buch einmal gelesen war, war es dann auch uninteressant. Aber wegen der Kürze der Bücher konnte das Kind auch "zwischendurch" mal ein Buch lesen.
Wir hatte die "Memo Wissen" Reihe daheim, und viel zum Schmökern: viele Bücher von Cornelia Funke, viele Serien: "Drache Kokosnuss", "Die Olchies", "Coolman", "Tafiti", "Eliot und Isabella".... Es gibt soo viele kürzere Geschichten mit großgedrucktem Text und schönen Bildern! Das ist ein riesiger Markt, deshalb ist die Auswahl riesig. Oder halt die "Magisches Baumhaus" Geschichten - ohne Bilder aber in leichter Sprache. Aber nichts, was zu dick ist, zu lange dauert oder zu kleine Buchstaben hat.
Du darfst halt nur nicht viel von den Büchern erwarten - weder sprachlich noch inhaltlich. Aber darum geht es jetzt nicht, sondern nur an Spass am Lesen.

Vielleicht funktionieren ja auch die "Erst ich ein Stück, dann du" Bücher bei euch?
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Julie M. » Mi 12. Jun 2019, 13:14

Liebe Koschka,
zum Thema "Deutschunterricht"
Unser Kind hat während ersten zwei Schuljahre (2. und 3. Klasse in diesem Fall - die erste hatte es übersprungen) eigentlich überhaupt keine extra Förderung gehabt- ebenfalls mit der Begründung, es habe keine gute Handschrift ... kein gutes Schriftbild,... keine saubere Heftführung... keine perfekte Rechtschreibung... kein perfektes Sozialverhalten... keine perfekten Kopfrechenkünste.....
Das scheinen die "normalen" Antworten auf die Frage nach Binnendifferenzierung zu sein.

gruß,
Julie M.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Mi 12. Jun 2019, 14:06

Hallo Julie,

ja, die allen von dir aufgefürten Mängel treffen voll und ganz auf meine Großen zu. Die Hefte sind gewöhnungsbedürtig, die Schrift eine unleserliche Variante des Druckschrifts, Rechtschrebung ist Gott sei dank am Anfang der 7. besser geworden, aber Comatas werden immer noch nach alten lateinischen Regeln benutzt. Sobald die Kinder aus der Unterstufe raus sind, interessiert das alles, wohl außer Rechtschreibung keinen mehr.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Rabaukenmama » Do 13. Jun 2019, 08:52

charlotte12 hat geschrieben:
Der Lehrer weiß, dass sie eigentlich sprachlich ganz fit ist, wundert sich, wie es dazu kommen könnte: "Sie mussten doch nicht über Göthe oder Schiller erzählen..." Wahrscheinlich bin ich für den Kommentar: "...wäre doch vielleicht besser gewesen" genauso beliebt wie meine Tochter. Meine Tochter versand nicht, wie man als Hobby Raumfahrt, Lamborgini oder I-Sport haben kann, und wenn doch, was man der Klasse darüber berichten sollte.

Eine für alle vertretbare Kompromiss-Lösung wäre vermutlich gewesen, wenn deine Tochter einfach Goethe oder Schiller als ihr Hobby angegeben hätte :)


Naja, in meiner Hauptschulzeit WAREN tatsächlich auch Goethe und Schiller ein Hobby von mir und ich bin offen dazu gestanden. Vor den Lehrern war es ganz cool, bei den Mitschülern war ich mit "so was auch noch freiwillig" unten durch. Damals waren mir soziale Erwartungshaltungen noch suspekt, heute würde ich (als Schülerin) tunlichst verschweigen, freiwillig Gedichte auswendig zu lernen.

Ich lese z.B. (jetzt, als Erwachsene) sehr viele wissenschaftliche Bücher und Zeitschriften, über Astrophysik, Genetik, Neurobiologie, Biochemie, Psychologie,... würde das aber NIE am Arbeitsplatz oder im Großteil meines Freundeskreises erwähnen. Nicht, weil ich mich dafür schäme, sondern weil es ohnehin niemand versteht.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Rabaukenmama » Do 13. Jun 2019, 09:05

Mein älterer Sohn musste z.B. bei Deutsch-Referaten erst draufkommen, welche Themen erwünscht sind und welche nicht. Die Wesen in der Welt von Minecraft und die Verwandtschaftsverhältnisse in Entenhausen sind für ihn gleichwertig mit Klimaschutzthemen oder dem Mittelalter. Es interessiert ihn und er würde gern davon erzählen. Mittlerweile weiß er schon, dass Themen wie "Meilensteine des Neolithikums" bei den Lehrern wesentlich besser ankommen als z.B. "Wie kann ich Enderdrachen am besten upraden?"
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Do 13. Jun 2019, 09:27

Ja, auf den Trichter, dass man so Manches besser verschweigt, ist meine Tochter schon im Kindergarten gekommen. Daher halte ich für sie den Schulwechsel noch nötiger als für den Sohn. Ich finde das System der Referate gewöhnungsbedürftig. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Kids einfach sich selber überlassen wurden: "hier hinstellen, 10 Minuten reden, dabei das Publicum anschauen". Ich finde wenig im amerikanischen Schulsystem bedeidenswert, aber das Fach "Speech" ist eine Ausnahme. Manche sind vielleicht geborene Redner, die meisten müssen erstmal lernen so zu reden, dass man gerne den Vorträgen zuhört.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon charlotte12 » Sa 15. Jun 2019, 20:55

War dann das Problem eigentlich gar nicht direkt Unterforderung, sondern dass durch das Thema "Hobby" deine Tochter gezwungen wurde, sich entweder mit uncoolen Hobbies zu outen oder sich zu verstellen? In meiner Schulzeit habe ich mich mal mit einer ähnlichen Aufgabe in die Nesseln gesetzt. Es ging um Lieblingssongs und ich kannte keinen angesagten Song. Ich hätte ungelogen eine zweistündige Klassenarbeit dieser Art von "Belohnung" vorgezogen... Diese ganzen Aktionen, in denen sich Lehrer an die Interessenswelt der Schüler anpassen wollen, sind doof für Kinder und v.a. Jugendliche, die nicht ins Schema passen. Weil dadurch der Scheinwerfer auf das Anderssein gehalten wird.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Koschka » Mo 17. Jun 2019, 09:07

@charlotte

es fängt schon damit an, dass es meinem Kind nicht passt, was Perönliches der ganzen Klasse berichten zu müssen. Dann geht es weiter damit, dass wir alle hier kein Hobby im herkömmlichen Sinne machen. Wir machen gerade das was uns brennend interessiert, aber sobald der Reiz der Neues weg ist, dann ist es auch vorbei. Wir sind lang genug gesegelt, ohne passionierte Segler zu sein, weil es ein Mittel zum Zweck war. Eine Art neue Länder zu sehen aus der weniger touristischen Perspektive. Der letzte Tupfen auf dem i ist die Vortellung, dass man in der 8. Klasse Gymnasiums so ein profanes Thema behandeln muss, dass sich eher für ein Smalltalk eignet als für Deuschunterricht. Ich weiß es nicht, ob es überall so ist, ich finde das Deutschunterricht bei uns nicht wirklich gymnasialtauglich. Eher kommt er als krampfhafter Versuch, Kinder die nichts mit den Feinheiten der Sprache zu haben wollen, wenigstens ein bisschen zu motivieren ins Buch reinzugucken. Als Lektüre werden z.B. nicht orignal deutsche Bücher gelesen. Von Göthe und Schiller rede ich ja gar nicht, aber die aus englischem übersetzte moderne leichte Literatur erscheint mir persönlich fehl am Platz im Deutschunterricht als Lektüre.
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