Deutschunterricht

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Deutschunterricht

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 26. Jun 2019, 15:07

alibaba hat geschrieben: Und dennoch muss ich mich mit meinen Noten bewerben - für alles! Für das Juniorstudium meines Sohnes wurden Noten der letzten 3 Jahre verlangt - kein Vergleichstest oder ein Vorsprechen. Noten! Nix Anderes! Und selbst in Bayern bekommt man die Förderung auch nur durch gute Noten, ganz egal ob nun auf dem Testergebnis hochbegabt steht. Wurst!

Für mich ist eine Note nicht wichtig. Ich bin aber auch sensibilisiert. Aber 90% der Entscheider nicht.


Ganz ehrlich - ich habe am Arbeitsmarkt wirklich noch nie ein Schulzeugnis gebraucht. Meine Lehrstelle habe ich rein auf Grund eines Eignungstestergebnisses bekommen. Es wurden von 50 Bewerbern die besten 3 rausgesucht. Egal, wo ich mich beworben habe, die Schulzeugnisse wollte nicht mal wer sehen. Statt dessen hieß es "Komm mal einen Tag zur Probe arbeiten" oder "Mach einen Eignungstest". War auch gut so, weder mein Hauptschulzeugnis (mit 14 "befriedigend" von 16 Noten) noch mein Halbjahreszeugnis der höheren Schule (mit 4 "nicht genügend") wäre für eine Bewerbung geeignet gewesen :P .

Wobei es vereinzelt sehr wohl Firmen gab, die auf einem bestimmten Notendurchschnitt bestanden haben. Das waren in meinem Fall eher 10% als 90% der Entscheider und dort habe ich micht halt einfach nicht beworben. Aber auch das war grotesk, denn die meisten haben keinen Unterschied zwischen einem Hauptschul- oder Gymnasiumzeugnis gemacht :roll: .

Später, als ich nach abgeschlossener Lehre mehrmals Arbeitsplatz gewechselt habe (insgesamt 6x innerhalb von 12 Jahren), wollte auch niemand die Zeugnisse von der Berufsschule sehen (obwohl ich da im Abschlusszeugnis einen Vorzug hatte). Auch die Auszeichnung bei der Lehrabschlussprüfung hat niemanden interessiert. Da wurde ausschließlich auf die Arbeitszeugnisse geschaut bzw. eben eine Probezeit vereinbart, wo man in der Praxis sehen konnte, was ich leiste.

Als ich mich mit über 30 entschlossen habe, noch zu studieren, habe ich mich einfach zur Studienberechtigungsprüfung für mein Wunschfach (Molekularbiologie) angemeldet, nacheinander die 5 Teilprüfungen gemacht (Physik habe ich erst beim zweiten Anlauf bestanden) und dann hatte ich meine Studienberechtigung. Nach Schulzeugnissen wurde nie gefragt.

Zumindest in meiner persönlichen Geschichte sehe ich keinerlei Einfluss der Schulnoten auf den beruflichen Werdegang.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Mi 26. Jun 2019, 16:01

Als ich mich - vor gefühlten 100 Jahren - mal beworben habe, sagte der Personaler zu mir, aber in Mathe müssen sie noch besser werden.
Mein Mann sieht immer Zuerst auf die Noten, auch wenn die, letzten Endes nicht die Entscheidung treffen, ob es zur Einstellung kommt oder nicht.

Ich persönlich habe noch nie einen Eignungstest- oder Einstellungstest gemacht.

Aktuell sehe ich gerade, wie Zeit rum gebracht werden muss, damit man das Gewünschte studieren kann, eben weil es nicht zum passenden Durchschnitt reichte und man dann vielleicht doch an der Uni zuhause studieren möchte.

Mütter unterhalten sich nur über den Schnitt ihrer Kinder ..... ich sag dann immer, Schule ist Thema meiner Kinder. Das liegt aber auch daran, weil ich da nie mithalten kann, wenn aufgetrumpft wird. Immerhin kam heute mein Kind und erklärte mir stolz, er müsse jetzt nicht ausgleichen, Deutsch sei geschafft. :?

Ich gebe Dir natürlich insofern recht, dass aktuell bei dem erlernen eines Berufes nicht soooo sehr auf Noten geschaut wird. Hier herrscht Mangel bei den Azubis. Aber das war auch schon mal anders.

Auf jeden Fall hatte mein Kind bei seiner Bewerbung die Zeugnisse der letzten 3 Jahre vorzulegen. Die verlangt man ja nicht für umsonst. In Bayern bedarf es eines Notenschnittes um an Fördermaßnahmen teilnehmen zu können. Es scheint daher so, dass Noten eine zentrale Rolle spielen. Und wenn man mal so quer liest, was es da an interessanten Förderungen und Angeboten gibt, ist immer wieder der Vermerk auf die Noten zu finden.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Do 27. Jun 2019, 08:11

Koschka hat geschrieben: Deswegen finde ich es nicht wirklich toll, dass eure Schule egal aus welchen Gründen, den Kindern schlechtere Noten gibt als sonstwo.


Das möchte ich so nicht gerne stehen lassen. Ob es hier nun schlechtere Noten gibt als in anderen Schulen ….. Fakt ist ….. der Anspruch ist oft (nicht überall) wahnsinnig hoch. Das bemerkt man dann an den Noten. Unabhängig davon, finde ich die mündliche Mitarbeitsbenotung weder transparent noch fair - so erzählte mir mein Kind, dass es sich 20 mal pro 45 Minuten melde, im Deutschunterricht, und auch durchaus sinnvolle Beiträge dazu leisten kann. Kind meldet sich alleine, muss nicht aufgefordert werden. Der Mühe Lohn ist eine 4+. Setze ich das jetzt mal ins Verhältnis zum erhaltenen Empfehlungsschreiben, weiß ich nicht mehr, was ich denn nun glauben soll. Okay - die Deutschlehrerin hat das ja nicht verfasst.

In Mathe hat Kind es nie über eine mündliche 2-3 hinaus geschafft. Der wusste schon gar nicht mehr, was er machen soll, um da besser zu werden. Erst mit der letzten Benotung kam Kind auf eine 1-. Hier hat er aber ein viertel Jahr im Unterricht Hilfslehrer gespielt ….. er zwei Reihen, der Lehrer zwei Reihen. Warum ist das keine 1? Genau dieser Lehrer hat u.a. das Empfehlungssschreiben unterzeichnet. Ich frage mich, was man hier machen muss um eine 1 zu bekommen? Natürlich ist das jetzt ein Luxusproblem, aber es verdeutlicht doch sehr gut, dass hier keine 1 machbar ist.

Oder die ganzen Aktivitäten in der Schule. An anderen Schulen bekommt man dafür Bonuspunkte, ein Zertifikat für sein Portfolio ….. hier steht nur ganz lapidar im Zeugnis - teilgenommen. :o Man beachte, dass die Kinder diese Dinge freiwillig machen. Die opfern ganz viel Freizeit, ganz oft Wochenenden, repräsentieren Schule und dann bekommt das Kind nur ein dummes: teilgenommen.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon charlotte12 » Do 27. Jun 2019, 12:02

Der Mühe Lohn ist eine 4+. Setze ich das jetzt mal ins Verhältnis zum erhaltenen Empfehlungsschreiben, weiß ich nicht mehr, was ich denn nun glauben soll. Okay - die Deutschlehrerin hat das ja nicht verfasst.

Lässt sich diese riesige Diskrepanz zwischen Beschreibung und Note nicht beim Elterngespräch ansprechen? Nicht vorwurfsvoll sondern als hilfesuchende Mutter, die ihrem Kind gerne eine bessere mündliche Note ermöglichen würde und nun Rat von der Pädagogin sucht, an welchen Punkten noch zu arbeiten ist. Eine 4+ ist schlicht keine gute Note, da sollten der Lehrerin Punkte einfallen, bei denen Verbesserungspotential besteht.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Do 27. Jun 2019, 12:17

@charlotte12

Mein Kind/Kinder möchte(n) das nicht, das wir kommen und mit dem Lehrer - "über so etwas Unnützes" -reden.

Unabhängig mal davon ….. wir saßen letztes Jahr schon mal beim Lehrer. Selbes Fach, anderer Lehrer - ungerechte Benotung. Sei "Ermessungsspielraum des Lehrers". Bekommst Du knallhart aufgetischt. Außerdem seien die Antworten eben schlecht, es gehe um die Qualität und nicht um die Quantität.

Also, wie will man das denn nachprüfen? Vielleicht denkt ja das Kind nur seine Antworten seien passend? Ich sitze da eindeutig am kürzeren Hebel. Man ist einem Lehrer hilflos ausgeliefert.

Beste Mitarbeitsnote in Englisch war eine 3. Das war auch die beste Note der Klasse, die bekam mein Kind. Er ging darauf zur Lehrerin um das zu hinterfragen. Antwort: Seine Antworten seien nicht immer grammatikalisch korrekt und im übrigen spreche er zu schnell. :o

Ich frage mich echt, wo an dieser Schule das Problem ist?!

@koschka

Jeder kämpft für sich alleine. Von daher - zurück zum Thema - Vieles ist nur schöner Schein.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Bliss » Do 27. Jun 2019, 13:04

alibaba, dann kannst du deine Erfahrung aber wirklich nicht auf andere Schulen übertragen, sowas kenne ich z.B überhaupt nicht. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob Mitarbeit bei uns überhaupt standardmäßig benotet wird, aber zumindest über nicht nachvollziehbare Noten hat sich hier noch keiner beschwert.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Do 27. Jun 2019, 15:31

Bliss ... die zwei Schulen in denen meine Kinder bisher waren/ sind unterschieden sich nicht in ihrer Schaumschlägerei.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Bliss » Do 27. Jun 2019, 16:28

Wenn deine Kinder für irgendwas einen bestimmten Notenschnitt brauchen würde ich mich trotzdem mal umhören, ob sich da nicht was besseres findet. Edainwen berichtet ja, dass das nicht in ganz BW üblich ist. Also bei anderen Eltern, die Kinder an anderen Schulen haben. Am besten an verschiedenen Gymnasien, die können am ehesten einschätzen, was an der Schule und was am Kind liegt. Viel zu verlieren habt ihr ja wohl nicht.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon Maca » Fr 28. Jun 2019, 10:54

@koschka
leider kann sich die Sehstärke bei Heranwachsenden schneller verändern als man Kontrolltermine bekommt;

Eine guter Augenarzt ist gold wert.

Der Freund meines Sohnes, mit dem er in eine Klasse geht, ist mittelstark kurzsichtig und das wurde, trotz der frühen obligatorischen Augenuntersuchungen, erst in Klasse 2 oder 3 bemerkt.
Er liest und schreibt bis heute nicht so gerne, ist eindeutig auditiv geprägt und bevorzugt diesen Kanal immer noch.
Seine Höchstbegabung entfaltet sich mittlerweile trotzdem in adäquate Leistung, er hat genug Ressourcen zur Kompensation, ist im gleichen Matheförderprojekt wie mein Sohn und macht äußerst erfolgreich und intrinsisch motiviert bei Wettbewerben mit.
Seine Defizite in der Rechtschreibung (oder seine mangelnde Bereitschaft die Konzentration auf diesen ungeliebten Bereich zu fokussieren), können die schriftlichen Noten zwar in allen Fächern bis zu zwei Notenpunkte runterziehen, damit ist er aber insgesamt immer noch im sehr guten Bereich.
Ich empfinde solche kleinen Defizite langfristig als wichtigen Motivator.

Die Grundschule wollte dieses über alle Maßen begabte Kind damals auf die Stadtteilschule schicken.
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Re: Deutschunterricht

Beitragvon alibaba » Fr 28. Jun 2019, 14:56

Also das bei einer Kurzsichtigkeit Lesen nicht so das Ding ist, das kann ich nicht verstehen. Eigentlich behindert das dass scharfe erkennen von Dingen in der Ferne. Ich konnte, trotz früher, auch nicht rechtzeitig erkannter, Kurzsichtigkeit super in der Nähe lesen ( und tat das auch gerne), nur den Tafelaufschrieb sah ich eher spärlich. ;)

Auch eine minimale Weitsichtigkeit, gerade bei Kindern, ist für mich mit einer so massiven Leseunwilligkeit nicht erklärbar. Zumal die sich ja mit zunehmenden Alter korrigiert. Interessant finde ich, dass nichts auffiel. Mein Kindklein hatte die nämlich auch, das fiel mir und den Kigadamen doch recht zeitnah auf.

@maca

Was mich interessieren würde .... da ich es nicht verstehe .... wie kann man insgesamt im sehr guten Bereich liegen, wenn die schriftliche Leistung in allen Fächern zwei Noten schlechter ist? Wie geht das rechnerisch?

Wenn ich eine 3 schreibe, eine 1 in Mitarbeit erhalte, dann ist das hier eine 2,33. Im schlimmsten Fall, je nach Fach-Potpourri, habe ich da eine 3.
alibaba
 

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