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Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 13:13
von alibaba
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@alibaba

Von meinen Kindern wurden für die Aufnahme in den HB-Zug individuelle Tests anerkannt. Es gibt zwei offizieller Stellen, deren Tests vor unseren Schule anerkannt werden. Obwohl sie fünf mal mehr Bewerbungen für die 5. haben als die Plätze. Ich finde, die Diskussion geht in die falsche Richtung. Was heißt hier "solches Kind?!" Daniel Tammet war in seiner Kindheit viel auffälliger, und trotzdem ist er seinen Weg gegangen. Selbst einen Austauschjahr hat er gemacht.

Dieses Kind hat eine exeptionale Sprachbegabung. Laut Statistik könnte er in Wien und ganz Österreich der begabteste in seiner Altersgruppe sein. Reicht es für Gymnasium oder muss man mehr haben?


Du willst mich glaube ich gerade nicht verstehen!

Noch einmal! Es geht nicht um Wünsche oder was ich Rabaukenmama gerne von Herzen gönne ……. oder was ich gerne hätte ………. hätte, hätte Fahrradkette. Ich hätte auch gerne viel, ich würde mir das auch wünschen - aber ich habe es nicht. Ich kann mir ganz viel erträumen und noch mehr wünschen - muss aber mit der Realität vor Ort klar kommen.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 13:16
von alibaba
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@alibaba

Ich bin nicht sinus, und ich lese in deinen Messages ein ganz klares: "ein Kind mit Behinderung gehört nicht aufs Gymnasium, geht zur Hauptschule! ... und meine befreundeten Lehrer sagen es auch!" Habe ich mich falsch verstanden?


Ich? Zum wiederholten Male -Du liest falsch! Ich schreibe hier vom Sinn und Zweck des Schulsystems und von der Realität und nicht darüber was ich gerne hätte!

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 13:34
von Rabaukenmama
alibaba hat geschrieben:Ich denke jetzt mal laut.

Wenn dein Sohn schon jetzt beim bloßen Setting (sitzen, arbeiten und das in Ruhe) bereits "kapituliert", wie wird das weiter gehen? In einer Schulklasse sitzen 30 Kinder. Da rülpsen die einen, die anderen lachen, wieder andere wollen arbeiten, die Lehrerin erklärt, ein Kind spielt den Kasper und andere Kinder müssen auf Toilette. So eine 5.Klasse kann wahnsinnig frisch, aber auch anstrengend sein. Hier am Gymnasium kommen da auch nicht alle Lehrer in Betracht, denen man die "Frischlinge" anvertraut, weil eben nicht jeder Lehrer das "kann".


Mein Sohn besucht auch jetzt schon eine Schulklasse mit aktuell 25 Kindern. Da ist insgesamt ein eher hoher Lärmpegel und ich vermute mal, dass auch an der Grundschule gelacht, gerülpst, Kasper gespielt und auf die Toilette gemusst wird. Und mein Sohn kommt in der Klasse seit mittlerweile über 2 Jahren SEHR GUT mit dem allen zurecht.

alibaba hat geschrieben:Jetzt stelle ich mir deinen Sohn vor.

Ehrlich ……… :schwitz: ich glaube, Ihr werdet noch mehr Probleme bekommen als Ihr erahnen könnt. Egal wo euer Großer hingeht. Ich schrieb es hier bereits mehrmals - ein Gymnasium mag kognitiv den höchsten Anspruch haben aber es ist kein sozial verständnisvoller Ort. Hier ist jeder sich selbst am nächsten.

Für euch als Familie würde ich mir "Ruhe" wünschen, mal durchatmen, mal was abschließen können - sodele …..geschafft. Allein glaube ich aber das Euch das "echte" Schulleben erst noch bevor steht. Unbekannterweise würde ich Dich/Euch gerne mal drücken.


Ok, vielleicht war alles, was ich kenne, kein "echtes" Schulleben - dann frage ich mich aber schon, was der Unterschied ist :gruebel: . Dass wir mit Klasse und Lehrerinnen Glück haben war und ist mit bewusst. Mir ist nur nicht bewusst, dass ein Kind nicht mal die CHANCE auf einen Gymnasiumplatz bekommen soll, nur weil ihm zu viel ist, mit 20 anderen, fremden Kindern und zwei fremden Betreuungspersonen in einem unbekannten, sehr kleinen Raum ohne Rückzugsmöglichkeit (auch nicht in der Pause) eine intensive Prüfung durchzustehen.

Ich gehe davon aus, dass mein Sohn IN DEN ERSTEN WOCHEN an jeder Schule (AHS, NMS, Hauptschule, Realschule, Sonderschule, was-auch-immer) Probleme haben und machen wird. Das Ausmaß der Umstellung ist für ihn behinderungsbedingt einfach schwerer zu ertragen als für neurotypische Kinder.

Auch an der Grundschule waren die ersten Wochen anstrengend für alle Beteiligten. Aber im Laufe des ersten Schuljahres wurde es permanent besser und von der 2. bis zur 4. Klasse gab es KEINE EINZIGE Angelegenheit mehr, für die ich hätte in die Schule kommen müssen.

Wenn mein Sohn einen "Overload" hat, weil ihm die neuen Eindrücke zu viel sind, ist er verzweifelt, weint, schreit, kreischt! Das ist schon seit Jahren so. Ich hatte gehofft, dass er das Setting beim Aufnahmetest mittlerweile schaffen kann, weil das kreischen in normalen Alltagssituationen schon sehr selten geworden ist und auch nur noch kurz dauert (nach 1-2 Minuten ist es wieder vorbei). Laut Lehrerinnen kreischt er in der Schule nur noch "sehr selten", von der Hortbetreuerin habe ich erst vor einigen Wochen das feedback bekommen, dass er dort schon seit Monaten keinen Kreischanfall mehr hatte.

Dass die Testsituation für ihn trotzdem "zu viel" war, habe ich nicht vorhersehen können. Ist aber so. Ich gehe trotzdem NICHT davon aus, dass mein Sohn an welcher Schule auch immer dauerhaft den Unterricht stören bzw. unmöglich machen würde. Wenn sich an einer Schule herausstellen würde, dass mein Sohn wirklich dauerhaft stört, würde ich ihn natürlich herausnehmen und was anderes suchen. Aber ich sehe nicht ein, dass es für meinen Sohn keine Schule geben soll, weil das Test-Setting für ihn zu stressig ist.

Am Montag habe ich noch einen kurzen Gesprächstermin an dieser Schule und werde fragen, warum mein Sohn durch dieses mißfit nicht mal einen Platz in einer normalen Gymnasiumklasse dort bekommt (so habe ich es nämlich verstanden). Denn wenn er gar nicht zu dem Test angetreten wäre, hätte er diesen Platz ziemlich sicher bekommen. Hier sehe ich sehr wohl einen Punkt, wo ich ansetzen kann.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 14:26
von Rabaukenmama
alibaba hat geschrieben: Vom Gymnasium zur Realschule fällt es sich ganz leicht - ohne Schutz, von der Realschule zur Hauptschule wird bereits ein dünnes Netz gespannt, von der Hauptschule zur Förderschule besteht das Netz aus dicken Seilen (da muss man schon arg hopsen) und auf der Förderschule wechselt man dann nur noch, wenn überhaupt, innerhalb des Systems - der Boden ist erreicht. DAS wissen die Schulen und so verhalten sie sich.

Ein Gymnasium besteht für die Bildung einer Elite. Alle vorwärts! Rücksicht - auf wen? Unter mir sind noch 3 Schularten!


In Wien gibt es so gut wie keine Realschulen. Und hier MUSS man auch ein Gymnasialempfehlung haben um überhaupt auf irgendein Gymnasium zu dürfen. Nach Gymnasium kommt hier NMS (Pendant der Hauptschule), WMS (Wiener Mittelschule - Hauptschule mit Augenmerk auf lernschwache Kinder) und eben Sonderschulen.

Während im ländlichen Bereich eine NMS (dort werden diese Schulen manchmal auch noch Hauptschule genannt) eine ganz normale Schulform ist, ist diese Schulform in so ziemlich allen Bezirken Wiens eben DIE Schulform, die ALLE Kinder nehmen MUSS. Die Klassen dort sind groß, der Lernstoff orientiert sich an den schwachen Schülern, auch wenn NATÜRLICH immer wieder betont wird, dass "guten" Schülern auch dort alle Möglichekeiten (z.B. nach 4 Jahren Wechsel an einen höhere Schule mit Maturaabschluss) möglich ist. Vor allem aber herrscht hier an vielen Hauptschulen eine Art negativer Konkurrenzkampf. Derjenige, der die schlechtesten Noten schreibt und am wenigsten für die Schule tut, ist hier oft der Coolste. Das ist ein Lernumfeld, das für meinen ohnehin schon faulen Sohn Gift bedeutet!

Darum sind auch die Gymnasien hier in Wien so überrannt. Keine normal gebildeten Eltern, deren Kind eine Gymnasialempfehlung hat, geben hier ihr Kind freiwillig in eine NMS oder WMS! Ab Klasse 3 wird hier viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, um die Gymnasialempfehlung zu bekommen. Und Gymnasien suchen die Kinder nach verschiedenen Kriterien aus: Geschwisterkind an derselben Schule, Wohnortnähe, Notendurchschnitt,...

Ich habe mich bewusst entschieden, die Behinderungen meines Sohnes nicht zu verschweigen, weil ich weiß, dass es ihm langfristig schaden würde. Ich will auch nicht selbst das Gefühl haben, als würde ich einer Schule mein Kind als Kuckucksei "unterjubeln" wollen.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 15:19
von Bliss
Vermutlich hat er deshalb im Englischtest auch nicht sein wahres Können gezeigt.

Gibt es denn keine übergeordnete Stelle, die dafür zuständig ist auch Schüler mit Behinderungen eine faire Chance zu geben? Schulamt oder so was?

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 20:47
von Rabaukenmama
Bliss hat geschrieben:Vermutlich hat er deshalb im Englischtest auch nicht sein wahres Können gezeigt.

Gibt es denn keine übergeordnete Stelle, die dafür zuständig ist auch Schüler mit Behinderungen eine faire Chance zu geben? Schulamt oder so was?


Auf die Antwort des Stadtschulrates (heißt jetzt "Bildungsdirektion") auf meine dringende Anfrage warte ich jetzt seit 3 Wochen :evil: -

Beim Englischtest gab es ziemlich sicher kein Drama. Da waren nur 4 Kinder und ein Lehrer, die Atmosphäre war entspannt und ich bin (gemeinsam mit den anderen Eltern) direkt vor der Tür gesessen. Hätte mein Sohn dort einen Auszucker gehabt hätte ich das mitbekommen. Es gab nur am Schluss, nach der Testung, einen wirklich KURZEN Frustanfall (ca. 10 Sekunden), weil mein Sohn es so verstanden hat, dass der Lehrer "versprochen" hat, er dürfe noch was an die Tafel zeichnen, dann aber keine Zeit mehr war.

Mein Sohn hat auch nach der Englisch-Testung sehr detailliert den Ablauf beschrieben: er habe sich dort wohl gefühlt, zuerst hat der Lehrer die Kinder der Reihe nach nach Familie und Hobbys befragt und dann hat immer ein Kind ein Bild bekommen und musste den anderen (die das Bild nicht gesehen haben) auf englisch beschreiben, was da zu sehen ist. Die anderen sollten nach dieser Beschreibung erraten, welcher Ort (Bad, Zoo, Museum,...) auf dem Bild gezeigt wird. Das haben sie dann abwechselnd gemacht. Die anderen Kinder hat mein Sohn als nett beschrieben und er hat gemeint, die würden auch alle gut englisch können.

Das gesamte Setting war bei der Englisch-Testung deutlich besser als beim kognitiven Eignungstest gestern. Darum bin ich (blöderweise) auch davon ausgegangen, dass mein Sohn dort sehr gute Chancen hat. War aber nicht so. Und ich weiß mittlerweile auch von einer Mutter, deren Sohn die Englisch-Klasse in der 3. besucht, dass da längst nicht nur muttersprachige Kinder sind, sondern wirklich "quer durch den Gemüsegarten" und nicht alle schon von Anfang an sehr gut Englisch können.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Do 13. Feb 2020, 21:25
von Katze_keine_Ahnung
@Rabaukenmama

ich weiß nicht, wie das bei euch genau geht. Du muss deine Bitte ans Amt schriftlich einreichern und registrieren lassen. Sonst kann man immer sagen, ups ist alles verloren gegangen.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Fr 14. Feb 2020, 12:49
von Rabaukenmama
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Rabaukenmama

ich weiß nicht, wie das bei euch genau geht. Du muss deine Bitte ans Amt schriftlich einreichern und registrieren lassen. Sonst kann man immer sagen, ups ist alles verloren gegangen.


Nein, kann man nicht sagen. Ich habe Antwort vom Leiter der Bildungsdirektion bekommen dass er meine Anfrage an den Leiter des Behindertenressorts weitergeleitet hat. Nur von da kommt nichts. Natürlich werde ich dran bleiben (habe bereits urgiert), aber ich habe schon einige solche Anfragen hinter mir und fürchte aus Erfahrung, dass die Einschreibemöglichkeiten vorbei sein werden, bis ich eine Antwort bekomme.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Mo 17. Feb 2020, 18:31
von Rabaukenmama
Hallo, war heute zum Gespräch am Gymnasium in NÖ wo mein Sohn vorige Woche für die Modulklasse getestet wurde. Ich habe das Gehörte richtig in Erinnerung: die wollen ihn jetzt auch nicht in einer normalen Gymnasiumklasse dort :( . Er ist zwar irgendwie noch auf einer Liste dafür, aber ob er dort genommen wird erfahren wir erst Ende März, wenn alle anderen Möglichkeiten ohnehin nicht mehr verfügbar sind.

Immerhin hat sich heute endlich mal wer von der Behindertenstelle der Bildungsdirektion gemeldet und ich habe mit der Dame am Donnerstag ein Gespräch.

Re: Schulentscheidung

BeitragVerfasst: Di 18. Feb 2020, 08:38
von Edainwen
Ich drücke euch die Daumen für das Gespräch am Donnerstag.

Puh, das ist bei euch ja wirklich sehr schwierig! Bei uns in der Gemeinde ist es so, dass das einzige Gymnasium ein privates ist, das aber von der Stadt Gelder bekommt - dafür haben sie sich verpflichtet, alle Kinder aus der Gemeinde aufzunehmen. Wenn dann noch Plätze frei sind, kommen die Kinder von außerhalb dran.

Mein Sohn hatte mal zwei Freunde mit Asperger-Autismus. Einer davon ist mittlerweile nach Österreich umgezogen und Freilerner, der andere geht auf eben dieses Gymnasium. Von der Mutter weiß ich, dass die dort sehr zuvorkommend waren. Haben extra auch Kurse zu Asperger-Autismus besucht u.ä. Das klappt dort wohl super. So viel Kontakt haben ich leider nicht mehr zu der Familie, da sich die Freundschaft zwischen den Jungs nach dem Schulwechsel des anderen Jungen und wohl auch aufgrund des großen Altersunterschieds (4 Jahre) doch verlaufen hat.

Umzug in unsere Gegend ist für euch wohl keine Option ...?

Ich denke, dass euer Sohn bei uns auch im HB-Zug eine Chance hätte, da er dort wahrscheinlich einen Einzeltest machen dürfte ...

Bei uns in der Gegend gibt es anscheinend auch eine Schule extra für (Asperger?-) Autisten - so die Mutter des einen Jungen - , die allerdings auch nur bis zur 10. Klasse geht.

Das kann doch nicht sein, dass es bei uns im ländlichen Raum so viele Möglichkeiten gäbe und bei euch in der Großstadt nichts :schwitz: