Schulentscheidung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulentscheidung

Beitragvon Twins123 » Do 26. Sep 2019, 12:44

Bei uns hier in BW wird während des Aufnahmeverfahrens ebenfalls ein Gruppentest zur IQ Feststellung durchgeführt. Dennoch ist es auch möglich, einen bei der schulpsychogischen Beratungsstelle (und nur von dort!) durchgeführten Individualtest vorzulegen, der allerdings maximal 2 Jahre alt sein darf. Dieser Weg wird auch empfohlen für Kinder, die sich z.B. in Gruppen nur schwer konzentrieren können etc.
@Rabaukenmama
Es könnte sich daher lohnen, nochmals explizit in der HB-Schule nachzufragen, da es so detailliert oft nicht auf der Homepage steht und dennoch so gehandhabt wird.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon alibaba » Do 26. Sep 2019, 13:32

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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 26. Sep 2019, 15:21

alibaba hat geschrieben:
Twins123 hat geschrieben: Es könnte sich daher lohnen, nochmals explizit in der HB-Schule nachzufragen, da es so detailliert oft nicht auf der Homepage steht und dennoch so gehandhabt wird.


Die Probleme beim Kind von @rabaukenmama sind ja so individuell, dass ich die Fokussierung überhaupt nicht auf die Schule mit HB-Zweig legen würde. Wenn ein Kind massive soziale Beeinträchtigungen hat (die selbst, wenn es drei Jahre die GS wiederholen würde nicht aufzuholen wären - ich hoffe, ich habe diese Aussage noch richtig im Kopf) dass sich rein intuitiv bei mir nicht vordergründig die HB-Schule aufdrängt.


Hallo Alibaba! Nein, ganz richtig hast du es nicht ganz im Kopf. Ich meinte nur, dass EIN zusätzliches Grundschuljahr (wie es mir von den Lehrerinnen angeboten wurde) nichts bringen würde, weil mein Sohn vermutlich mindestens 3 Jahre brauchen würde, um sozial-emotional den Stand eines 10jährigen (Eintrittsalter ins Gymnasium) zu erreichen. Das ist aber nur meine subjektive Einschätzung als Mutter, keine gesichterte Diagnose.

Für mich ist es aber schwer, mein Kind in der Richtung korrekt einzuschätzen. Es gibt Situationen, wo er ganz normal und altersgemäß agiert, und dann wieder Phasen, wo man glaubt, einen 3jährigen vor sich zu haben. Ich selbst war ein Einzelkind, mein Mann ebenso. Der mittlerweile 20jährige Sohn meines Mannes aus erster Ehe hatte als Kind auch gewaltige Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich (ein vielfaches krasser als mein Sohn), aber bei dem haben sich alle Probleme mit dem Eintritt ins Berufsleben nach und nach aufgelöst. Er lebt gemeinsam mit seiner Freundin in einer eigenen Wohnung, hat ein Auto, eine abgeschlossene Ausbildung und geht arbeiten.

Was ich aber sagen will: wir haben keinen Vergleich, weil wir einfach keinen neurotypischen Kindern "aus der Nähe" kennen. Alle Kontakte bisher waren oberflächlich. Beide Jungs sind sehr speziell, Freunde hatten sie nie. Mein jüngerer Sohn hat in seiner Klasse immerhin einen älteren Buben, mit dem er sich versteht, und der für ihn Vorbildfunktion hat. Aber der ist auch gehörlos und autistisch. Ich habe keine Ahnung, wie es in normalen Familien abläuft und weiß auch nicht wirklich, was normale Kinder im Alter meiner Kinder können und was nicht. Im Urlaub habe ich 3 neurotypische Kindern zwischen 3 und 6 Jahre erlebt. Das, was da an Interaktion und wechselseitigen Gesprächen stattgefunden hat, habe ich bei meinen Kindern noch nie erlebt, trotz nachgewiesener sprachlicher Höchstbegabung meines älteren Sohnes.

In der Grundschule selbst macht mein Sohn übrigens schon die letzten 2 Jahre keine gröberen Probleme mehr. Im ersten Jahr wurde ich mehrmals zu Gesprächen gebeten und am ersten Elternsprechtag hieß es "Neeeein, die 10 Minuten, wie sie die anderen Eltern haben, sind für Sie vieeeel zu wenig! Wir müssen uns mindestens eine halbe Stunde, besser eine ganze, zusammensetzen! Und außerdem will auch die Frau Direktor beim Gespräch anwesend sein." Im zweiten und dritten Schuljahr hatte ich meine 10 Minuten, wie alle anderen Eltern :) .

Im übrigen hat sich mein Sohn in der Schule mit den "Problemkindern", also anderen Kindern mit Wahrnehmungsstörungen und Problemen mit der Emotionskontrolle (quasi sein "Spiegel") immer gut verstanden. Man sollte meinen, wenn zwei Kinder mit geringer Frustrationsschwelle zusammen sind, ergeben sich schnell Konflikte. Das Gegenteil war der Fall, auch wenn es für dauerhafte Freundschaften nie gereicht hat. Das Freunde finden und Freundschaften pflegen überfordert meinen Sohn nach wie vor, auch wenn er manchmal meint, er wünsche sich einen "echten Freund".

Die Tatsache, dass es in der Schule ziemlich problemlos läuft, ist aber dem Konfliktmanagement der Lehrerinnen geschuldet. Sie wissen, was meinen Sohn streßt, sie wissen, wie man ihn lerntechnisch halbwegs bei der Stange hält und vor allem mögen sie ihn so, wie er ist. Diese Situation wird sich mit dem Schulwechsel grundlegend ändern, egal für welche Schulform und Schule wir uns entscheiden.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Twins123 » Do 26. Sep 2019, 16:06

Ich würde HB-Schule etc nicht per se ausschließen aufgrund der sozial-emotionalen Probleme. Ich denke, wenn es zumindest intellektuell ein passendes Umfeld gibt, könnte es auch sozial besser funktionieren. Bei uns in den Hb-Klassen gibt es auch spezielle Kinder (mit Adhs, mit Asperger etc.) und es funktioniert trotzdem. .. klar sind die Klassen lauter, aber die Lehrer scheinen genauso damit umgehen zu können wie mit den enormen Altersunterschieden von bis zu 3 Jahren. Und die Kinder verstehen sich irgendwie untereinander. Ich würde es zumindest probieren und mit der Schule Kontakt aufnehmen.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon charlotte12 » Do 26. Sep 2019, 16:33

Wir waren letztes Jahr bei einer Info-Veranstaltung von einem HB-Zug, auf der erzählt wurde, dass auf soziale Auffälligkeiten MEHR Rücksicht genommen wird als in den normalen Klassen und auch der Anteil an auffälligen Kindern deutlich höher sei. Einfach weil v.a. Eltern von Kindern mit Problemen den weiten Fahrtweg in Kauf nahmen. Es gab dort wohl ein Kind, das immer wieder um seinen Stuhl rannte, weil es so besser denken konnte. Was die Klasse samt Lehrer wusste und akzeptierte, das war dann eben einfach so. Die HB-Klasse sei eigentlich immer zwar die kleinste aber auch die lauteste Klasse von allen... Das Kind einer Bekannten mit HB und ADHS kam im normalen Gymnasium nicht zurecht und blühte in der HB-Klasse auf. Ich sehe es wie Twins123 - nachfragen kostet nichts.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon alibaba » Fr 27. Sep 2019, 08:19

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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 28. Sep 2019, 10:30

Hallo alibaba!

Dass es ein erster Linie von den Lehrpersonen abhängt, ist mir schon klar. In der Grundschule, wo ein- und derselbe Lehrer (oder ein- und dasselbe Lehrerteam) im Idelfall die Klasse 4 Jahre lang leitet, was das aber noch wesentlich einfacher. Man konnte in der 4. Klasse der Wunschschule hospizieren, mit den Lehrern, die im nächsten Jahr eine erste Klasse übernehmen sollten, persönlich sprechen und DANN die Entscheidung treffen.

Nur kann man sich eben am Gymnasium (ebenso wie an der NMS oder WMS oder in einer Hochbegabtenklasse) nicht aussuchen, welche Lehrer das Kind bekommt. Die für meinen Sohn zur Auswahl stehenden Schulen haben jeweils 40-120 Lehrer - da sind garantiert sowohl einige sehr gute als auch einige sehr schlechte dabei. Und am Tag der offenen Tür kann ich mir unmöglich alle Lehrer in allen Schulen anschauen, wie soll das denn gehen :schwitz: .

Also bleibt nichts übrig, als das Schulprofil anzuschauen, mit Eltern, deren Kinder diese Schule schon besuchen, zu sprechen, sich am Tag der offenen Tür selbst mal ein (lückenhaftes) Bild zu machen, und dann eben auf gut Glück zu entscheiden. Wobei nicht mal die Gespräche von Eltern, deren Kinder diese Schule bereits besuchen, repräsentativ sein müssen. Denn wenn der Nils am Gymnasium gut zurecht kommt und der Großteil seiner Lehrer engagiert ist und differenziert, heißt das noch lange nicht, dass mein Sohn, wenn er zwei Klassen "unterhalb" anfängt, dasselbe Glück hat. Es kann schon in der Paralellklasse auf Grund von anderen Lehrern, Klassenkonstellation, usw. komplett andere Voraussetzungen geben. Wie auch immer, es muß eine Entscheidung getroffen werden.

Wegen 3 Fremdsprachen - keine Ahnung, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass mein Sohn damit kein Problem hat. Aktuell kann er ja nur 2 (Englisch und österreichische Gebärdensprache), aber vorausgesetzt der Lehrer passt, wird es für ihn vermutlich kein Problem sein, auch noch Italienisch, Spanisch und/oder Latein zu lernen. Dabei gilt das "vorausgesetzt der Lehrer passt" auch für den angedachten naturwissenschaftlichen Zweig. Ich hatte selbst in der Hauptschule ja einen Schulwechsel. Obwohl Geschichte mein Lieblingsgegenstand war, hatte ich in den ersten 2 Jahren in dem Fach einen Lehrer, der den Unterricht so langweilig und abstoßend gestaltet hat, dass ich dieses Fach schließlich gar nicht mehr mochte. Nach dem Schulwechsel waren plötzlich etliche Kinder in meiner Klasse, deren erklärter Lieblingsgegenstand Geschichte war. Grund war eine sehr engagierte Lehrerin mit großer Liebe zu ihrem Fach, die den damals üblichen Frontalunterricht so spannend gestaltet hat, dass die ganze Klasse gebannt an ihren Lippen hing :) .

Ich denke meinem Sohn wird es ähnlich ergehen wie mir: wenn Unterricht so statt findet, dass er für ihn interessant ist, dann ist gar nicht so extrem wichtig, ob es jetzt in dem einen oder anderen Gegenständen "vertieften" Unterricht gibt, und wie viele Fremdsprachen auf dem Stundenplan stehen. Und wenn der Unterricht NICHT interessant gestaltet wird, dann kann es (leider) noch so ein tolles, interessantes Fach sein, dann wird mein Sohn (wenn überhaupt) nur das Allernotwendigste tun.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon alibaba » Di 1. Okt 2019, 08:52

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Re: Schulentscheidung

Beitragvon alibaba » Di 1. Okt 2019, 12:48

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass man als Hochbegabter den Rest der Fächer wissen sollte und deswegen Latein und Altgriechisch wählt, weil man noch nichts weiß und hier ein Hauch einer Chance besteht sich nicht zu langweilen? :gruebel:

Gut ……. das lass ich jetzt mal so stehen...…. mein Kind kann durchaus etwas aus einem guten Unterricht in Biologie, Physik, Mathe und Englisch mitnehmen. Okay, er hat keinen IQ von 160 - das mag dann daran liegen.
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Re: Schulentscheidung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 1. Okt 2019, 13:09

Hallo Koschka,

auch wenn ich deinen Tipp gut nachvollziehen kann habe ich gerade gegen Altgriechisch eine innere Abneigung weil irgendwie alles in mir schreit "Das braucht man doch im Leben NIE!". Dann noch eher eine Sprache lernen, die man auch brauchen kann, wenn man NICHT Phililogie, Philosophie oder Geschichte (abendländiche Kultur) studieren will...von mir aus auch gerne Ungarisch, Suaheli oder Chinesisch ;) . :fahne:

Und ich denke mal, jede Sprache ist neu für jemanden, der bis dahin nur Deutsch, Englisch und Gebärdensprache kennt. Von der Warte sehe ich Altgriechisch auch nicht als interessanter an als z.B. Französisch oder Portugiesisch...aber ich habe zugegeben von keiner dieser Sprachen viel Ahnung :oops: - bin selbst ja nicht gerade ein Fremdsprachentalent.

Bei Latein schaut es schon anders aus, das braucht man sowohl für Medizin als auch für Jura und beides sind keine soooo seltenen Studienrichtungen. Wobei ich - ehrlich gesagt - keinerlei Ahnung habe, wo der (Bildungs)Weg meinen Sohn hinführen wird.
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