Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Keksle » Di 8. Okt 2019, 16:38

Hallo zusammen,

Bei meiner Großen 8 stand ja die Überlegung im Raum ADS oder gar Dyskalkulie wegen ihres sehr, sehr langsamen Arbeitstempo vor allem im Kopfrechnen.
Wir hatten nochmal einen Termin beim Schulpsychologen.
Kurzfassung: ohne dass die beiden Dinge ausgeschlossen werden können (müssten in Extraterminen getestet werden) geht er davon aus, dass die Große vor allem in Mathe so unter Druck steht, dass sie blockiert ist.
Einerseits macht sie sich selbst diesen Druck, will auf keinen Fall einen Fehler machen. Andererseits spürt sie auch von mir/ uns Eltern die Erwartungshaltung.
Sein Rat: Druck rausnehmen, Fehler und schlechte Noten zulassen und aushalten.
Meinen Umgang mit Fehlern/Leistung/Erwartungen reflektieren.

Ich gebe zu: gute Noten waren mir früher wichtig, mein Glück war, dass ich nie viel dafür machen musste. Ich bin ehrlich noch nie, nie irgendwo durchgefallen oder habe gar schlecht abgeschnitten. Mit Misserfolgen musste ich noch nie umgehen, ja, ich weiß gar nicht wie ich darauf reagieren würde. Luxusproblem? Oder ist genau das das Problem für mein Kind? Dass ich Angst vor Misserfolg habe, keine Strategie dafür habe und das direkt auf sie übertrage?
Sie selber zeigt übrigens das gleiche Muster, bevor man Fehler macht lieber gar nichts machen...
Gelaufen ist sie bspw erst mit 14 Monaten, dann gleich sehr sicher ohne Hinzufallen. Kann ich an einer Hand abzählen wie oft das passiert ist. Theoretisch hätte sie schon mit 12 Monaten laufen können, hat sich aber nicht getraut, bzw. immer nur mit Laufwagen, Hand usw.

Jetzt umschwenken auf "Leistung spielt erstmal keine Rolle" fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht. Auch wenn ich weiß, dass genau das meine Tochter jetzt braucht. Evtl werden wir beide professionelle Hilfe brauchen.

Mich würde mal interessieren wie es euch bei diesem Thema geht? ISt euch Leistung wichtig? Warum? Oder warum nicht? Kännt ihr Fehler machen oder fühlt ihr euch auch schlecht? Hat jemand einen guten Tipp, wie man gelassener mit dem Thema umgehen kann?

Bin für jede Rückmeldung und Denkanstoß dankbar :)
Keksle
 
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Keksle » Di 8. Okt 2019, 16:40

Die Rechtschreibfehler lass ich jetzt mal so stehen, so als Übung für mich.....
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Rabaukenmama » Di 8. Okt 2019, 20:34

Keksle hat geschrieben:Die Rechtschreibfehler lass ich jetzt mal so stehen, so als Übung für mich.....


Dann ist ja mal ein Anfang gemacht ;) !

Wegen Leistungsdruck: immerhin habe ich (trotz Hochbegabung) ein selbst ein paar Erfahrungen sammeln können, wo ich versagt habe bzw. meine Leistung nicht gepasst hat. Ich bin z.B. mit 4 "Nicht genügend" im ersten Halbjahr aus der höheren Schule ausgetreten. Ich habe meine praktische Fahrprüfung beim ersten Antreten versemmelt und musste noch einmal hin, um den Führerschein zu bekommen. Und ich habe auch im Studium (welches ich erst mit 35 begonnen habe) mal eine Prüfung nicht auf Anhieb bestanden. Die Erfahrung, das davon nicht die Welt untergeht, hat mir sehr geholfen. Ich bin ehrlich gesagt froh, diese Mißerfolge erlebt zu haben, weil ich sonst vermutlich noch perfektionistischer wäre, als ich ohnehin schon bin ;) .

Bisher musste ich mit schulischen Mißerfolgen meiner Kinder noch nicht umgehen. Mit der 2 in Musikerziehung und Turnen im Zeugnis meinem Großen kann ich durchaus leben :mrgreen: . Aber nächstes Jahr steht der Wechsel auf ein Gymnasium an und da bin ich mir sicher, dass auch er seine ersten schulischen Mißerfolge erleben muss. Denn kann er nicht den gesamte Schulstoff ohnehin locker-lässig von vorne herein :P .

Mein jüngerer Sohn hat auf Grund seiner mehrfachen Behinderungen trotz normaler Intelligenz allgemeinen Sonderschullehrplan. Aber im Gegensatz zu seinem Bruder ist er sehr ehrgeizig, was sich auch in einem Lauter-Einser-Zeugnis der ersten Klasse gezeigt hat :) .

Was ich bei meinen Jungs deutlich bemerke ist der total unterschiedliche Umgang mit Niederlagen und Mißerfolgen.

Mein kluger älterer Sohn schafft es kaum, damit zu leben, mal was NICHT auf Anhieb zu können. Er haßt z.B. Sport, nicht weil er so schlecht drin wäre, sondern weil es andere gibt, die besser sind als er. Er ist grobmotorisch im Mittelfeld, also durchaus nicht unsportlich, aber eben kein Überflieger. Und sobald es nur EIN Kind gibt, welches besser einen Ball fangen oder schneller laufen kann als er, ist das für ihn ein Drama. Seit kurzem geht er in Judo, was ihm an sich sehr gefällt und wo er auch ein gewisses Talent mitbringt. Aber heute war er im Training fix und fertig, weil er eine Technik, die der Trainer vorgezeigt hat, nicht auf Anhieb nachmachen konnte. In seiner Klasse war bis vor einem Jahr ein mathematisch höchstbegabter Junge. Und obwohl mein Sohn einwandfrei gut in Mathe ist (lauter 1er) meinte er oft zu mir, Mathe nicht zu "können" weil der xxx ja viiiiiel besser ist als er. Sobald was nicht auf Anhieb klappt schimpft sich mein Sohn selbst einen "Idioten" und gibt frustriert auf, ohne es noch einmal zu versuchen.

Mein jüngerer Sohn ist auf Grund diverser Defizite (gehörlos, autistisch, kurzsichtig, Senk-Spreiz-Knickfüße) allein von der Veranlagung her grobmotorisch deutlich schlechter als sein Bruder. Aber er ist extrem ehrgeizig und läßt sich von seinen (immer selbst gesteckten) Zielen nicht abbringen. Ich erinnere mich an eine Kleinkinder-Kletterwand im Kinderhotel, die man raufklettern musste, um zur Rutsche zu gelangen. Mein jüngerer Sohn war damals 2 1/2 Jahre alt. Diese Kletterwand wurde von 1 1/2jährigen Kindern ohne üben mühelos bewältigt, mein Sohn hat sie aber nicht geschafft. Am ersten Tag musste ich ihn von hinten stützen und bei jedem einzelnen Schritt helfen, indem ich seine Füße geführt habe. Wir waren eine Woche in dem Hotel und mein Sohn hat jeden Tag geübt. Nach einigen Tagen konnte er die ersten beiden Tritte allein. Und am allerletzten Tag war er dann so weit, dass er es wirklich GANZ ALLEIN geschafft hat, diese Kletterwand zu erklimmen! Ich erinnere mich noch, wie froh und stolz er war :D .

Vergangenen Winter hatte er sich vorgenommen, schwimmen zu lernen. Wir waren wieder im Kinderhotel und hatten Privatstunden bei einer Schwimmlehrerin. Mein Sohn hat eine Woche lang täglich intensiv geübt, auch als seine Schwimmstunde schon vorbei war. Und am vorletzten Tag konnte er tatsächlich völlig ohne Hilfe eine Länge (= 10 Meter) in dem kleinen Hallenbad schwimmen! Und er ist wieder und wieder diese Länge geschwommen, mindestens 10x. Die Schwimmlehrerin war fasziniert und meinte, sie (die sonst nur gesunden Kindern das schwimmen lernt) habe noch überhaupt nie so ein ehrgeiziges Kind kennengelernt.

An meinen Jungs sehe ich, dass der Umgang mit Fehlern und Mißerfolgen großteils Veranlagung sein dürfte. Denn ich habe bei meinem jüngeren Sohn sicher nichts "richtig" gemacht, was ich bei meinem älteren Sohn vorher "falsch" gemacht hätte. Ich versuche immer wieder, meinem älteren Sohn zu vermitteln, dass Fehler nicht so schlimm sind und dass man etwas, was beim ersten Versuch nicht gelungen ist, einfach wieder versuchen kann. Und obwohl er es vom Kopf her versteht ist es für ihn schrecklich, was falsch zu machen.

Ich schreibe das unter anderem, um dir die Schuldgefühle zu nehmen, durch deine Defizite im Umgang mit Mißerfolgen Druck auf deine Tochter auszuüben. Aber an DEINER Wahrnehmung kannst nur DU arbeiten. Dazu ist erst mal wichtig, herauszufinden, was DEINE falschen Glaubenssätze sind. Du schreibst von deiner Angst vor Mißerfolgen, obwohl du auch schreibst, dass du nie welche hattest. Was ist deiner Meinung nach so schlimm an Mißerfolgen? Warum ist es schlimm, eine schlechte Note zu bekommen oder eine Schularbeit zu versemmeln? Warum ist es schlimm, eine Prüfung, wo man problemlos ein 2. oder 3. Mal antreteten kann, nicht auf Anhieb zu bestehen? Was sind die Ängste DAHINTER? Glaubst du, andere zu enttäuschen, nicht (so viel) geliebt zu werden oder fürchtest du Tratsch und Schadenfreude?

Wenn du ohne Hilfe nicht dahinter kommst, was bei dir konkret solche Ängste vor Mißerfolgen hervorruft, kannst du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Langfristig ist das vermutlich der bessere Weg, als einerseits unter den eigenen Ängsten zu leiden und andererseits zusehen zu müssen, wie sich die Tochter durch selbst erzeugten Leistungsdruck lähmt. Denn auch wenn der Perfektionsmus Veranlagung ist kannst du mit deiner eigenen (entspannten oder verkrampften) Haltung einiges beeinflussen.

Erst wenn du mit Dir selbst und Deiner Einstellung zu Fehlern und Mißerfoglen im Reinen bist macht es Sinn, das Gespräch mit deiner Tochter zu suchen. Du kannst z.B. sagen "Natürlich wäre es mir recht, wenn du immer lauter 1er schreiben würdest. Aber so wichtig ist es auch wieder nicht. Wichtiger ist, dass du einfach VERSUCHST, es so gut, wie du es eben hinbekommst, zu machen.". Das ist jetzt nur ein Beispiel, tatsächlich sollte es mit deinen eigenen Worten formuliert und authentisch sein.

Außerdem würde ich durch aktives zuhören versuchen, die falschen Glaubenssätze, die deine Tochter offensichtlich FÜR SICH aufgestellt hat, herauszufinden. Das kann z.B. sein "Ich bin ohnehin viel zu blöd für Mathe!" oder "Wenn die anderen draufkommen, dass ich das noch nicht kann, halten sich mich für dumm" oder auch "Mama ist enttäuscht wenn ich eine schlechte Note heimbringe, aber ich kann es einfach nicht!" Dann wiederholst du sinngemäß was Dir deine Tochter gesagt hat, zum Beispiel "Du befürchtest von deinen Mitschülern für blöd geahlten zu werden, wenn du keine guten Noten schreibst!" um zu warten, ob noch was nachkommt.

...wenn dieser Glaubenssatz mal von deiner Tochter ausgesprochen (und nicht nur gedacht) wurde, uns sie sich von Dir verstanden fühlt, dann verändert sich schon was. Du brauchst gar nicht viel Energie zum widerlegen aufwenden, sondern nur aufmerksam zuhören. Wenn es dir wichtig ist kannst du natürlich sagen "Weißt du, deine Noten sind mir gar nicht so wichtig" (wenn das dann auch stimmt ;) ). Es ist aber nicht nötig, gleich 10 Argumente vorzubringen, warum die Selbstwahrnehmung deiner Tochter falsch ist.
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon sinus » Di 8. Okt 2019, 20:58

Haha - ich sitze grade jetzt eben hier mit einer fluchenden, heulenden Tochter (10, 5. Klasse) vor Mathe.
Sie hat genau dasselbe Problem. Sie blockiert sich selbst, weil sie immer direkt denkt, sie sie zu blöd, wenn was nicht sofort klar ist. Und sie kann schlecht Kopfrechnen.
Sie soll hier gerade dreistellige Zahlen in ihre Primfaktoren zerlegen, alle Teiler und die Teilermenge bestimmen.

Was sie gerade dabei sehr behindert ist genau das: dass sie so schlecht Kopfrechnen kann. So muss sie immer und immer wieder zwischendurch nachrechnen, verliert sich dann in den Teilaufgaben und ist dann irgendwann mit der übergeordneten Aufgabe überfordert.

Darum würde ich sagen: Druck ist vielleicht ungünstig, aber UNBEDINGT würde ich am Kopfrechnen, insbesondere den Malfolgen dranbleiben, weil wenn das nicht sitzt, alles Nachfolgende sehr viel schwieriger wird, wenn man immer wieder die Teilaufgaben erst nachrechnen muss. Also noch mehr Frust.

Hab ich übrigens nicht gemacht - also ich hab das Kind machen lassen, es ging ja immer irgendwie auch so, die zensieren stimmten. Fällt ihr aber jetzt, wo es anspruchsvollere Aufgaben sind, auf die Füße!
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Auguste » Di 8. Okt 2019, 22:31

Ich habe ja auch so ein Mädchen hier, was denkt, es wäre Mathe-blöd. :schwitz: Sie schreibt in Mathe auch 3er und 4er - ich habe mich dran gewöhnt ;)

Wir versuchen auch möglichst keinen Druck auszuüben - es scheint zu klappen. Die erste 4 in Mathe hat sie uns tagelang verschwiegen - weil sie Angst hatte, wir schimpfen. Erst an dem Morgen, wo sie die Unterschrift der Eltern beim Lehrer vorzeigen musste, hat sie die Arbeit morgens kurz vor dem Losgehen rausgerückt "Du musst noch was unterschreiben...".

Tja, geschimpft habe ich - weil sie die Arbeit nicht früher rausgerückt hat - nicht wegen der 4 ;)

Wir haben noch mal klar gestellt, dass sie uns JEDE Note zeigen kann und keinen Ärger bekommen wird. Wir überlegen nur gemeinsam, warum es keine bessere Note ist und berichtigen zusammen die Fehler. Vor jeder Arbeit fragen wir, ob sie Hilfe braucht, noch etwas üben möchte oder nicht. Wir vertrauen unserem Kind und verlangen nicht, dass es üben soll, wenn es der Meinung ist, es kann alles. Wenn das Kind dann eine schlechte Note einfährt, dann ist das so. Selbsterfahrung fürs Kind: Nicht gelernt/nicht geübt = schlechte Note.

Ich kann das gut - ich bin auch so durch meine Schulzeit gegangen. Ich habe schlechte Noten einfach einkalkuliert, wenn ich keinen Bock hatte :oops: Da gab es schon mal eine 5, weil ich den 800-Seiten-Wälzer einfach nicht lesen wollte oder keine Lust hatte, ein Gedicht auswendig zu lernen (und blöderweise als erstes drankam). Die Lehrerin war damals etwas sprachlos, als sie mich fragte, warum die Arbeit zum Buch so mies war und ich einfach zugab, dass ich es nicht gelesen habe. :lol:

Selbst beim Examen im Studium habe ich eine Klausur bewusst in den Sand gesetzt, weil ich wusste, dass ich alle anderen bestehen werde und somit trotzdem zur mündlichen Prüfung zugelassen werde. War ein blödes Fach, ich hatte keine Lust zum Lernen. Ich habe einfach ein leeres Blatt mit meinem Namen abgegeben und mir nen schönen Tag gemacht, während die anderen die Klausur geschrieben haben. :ugeek: Meinen Abschluss habe ich trotzdem in der Tasche.

Ich war halt nie wirklich ehrgeizig. In allen meinen Zeugnissen steht drinnen, dass ich mehr könnte, wenn ich nur wollte. Ich wollte aber nicht. Mir hat eine zwei ohne Lernen gereicht. Ich brauchte keine 1 um glücklich zu sein. Und genau so sehe ich das bei meinen Kindern. Wenn die eine 2 schreiben ist alles o.k. Bei 3 abwärts, wird nach den Ursachen geforscht - denn ich weiß, dass sie es besser können - und sie wissen es auch.

Das Töchterchen ist im Moment jedoch glücklich, wenn es in Mathe eine 3 schreibt. O.k., dann ist das ihr Ziel. Das muss ich nicht ändern, nur weil ich weiß, sie könnte mehr. Mit einer 3 in Mathe kann man auch Abitur machen - und selbst mit 4 ist man nicht durchgefallen. Sieht halt blöd aus auf dem Zeugnis - aber es ist nicht mein Zeugnis. Es ist das Zeugnis meiner Tochter und sie muss damit klar kommen.

Ich denke, es ist durchaus wichtig, dass die Kinder auch mal schlechte Noten bekommen, einfach um zu lernen, damit umzugehen. Wer nur Einser bekommt, der weiß halt nicht wie es sich anfühlt eine 5 oder 6 nach Hause zu tragen - und dass davon tatsächlich nicht die Welt untergeht ;) Mein Sohn hat vor den Ferien auch seine erste 5 bekommen - weil er vor der Arbeit nicht gelernt (und den Stoff ausnahmsweise mal nicht einfach so drauf) hatte. Fand er nicht lustig. Mal sehen, was er draus macht. :gruebel:

Zusammengefasst ist mir persönlich Leistung nicht wirklich wichtig - vor Allem nicht in Form von Schul-Noten. Mir ist wichtiger, dass die Kinder glücklich sind und den Stoff verstehen, damit sie ihren Schulabschluss schaffen. Welcher das sein wird und wie gut oder schlecht, das werden wir sehen, wenn es so weit ist.

Dass Du selbst nicht weißt, wie man mit Misserfolgen umgeht, weil Du nie welche hattest, macht es für Dich natürlich nicht einfacher - aber weiß das denn Dein Kind? Du kannst dem Kind doch trotzdem vermitteln, dass es zwar unbefriedigend und ein schlechtes Gefühl ist, eine schlechte Note zu bekommen, aber dass davon trotzdem nicht die Welt untergeht und das Leben weitergeht. Man kann die schlechte Sache abhaken und sich auf neue Ziele konzentrieren. Wenn du das allein nicht schaffst, ist es sicherlich nicht verkehrt, sich dafür Hilfe zu holen. Ich wünsche Euch viel Erfolg!

Gruß
Auguste
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon sinus » Mi 9. Okt 2019, 08:06

...so, jetzt hab ich nochmal Zeit, richtig zu antworten. Gestern, wie geschrieben, saß ich neben dem fluchenden Kind. :? Sie schreibt heute einen Mathetest und hatte die Vorgehensweise des Lehrer komplett nicht verstanden. Also es fehlte ihr erstmal einfach an einem bestimmten Punkt das Wissen, um alles weitere lösen zu können. Und dann das mit dem Kopfrechenaufgaben, die unnötige Zeit beanspruchten und sie aus dem "Aufgabenfluss" immer wieder raus brachten.

Genauso habe ich ihr das auch erklärt:
"Du bist nicht dumm - dir fehlte einfach nur Information (um die Aufgabe zu verstehen) und Übung (um das Wissen anzuwenden)."
Außerderm hab ich ihr gesagt, dass es wie mit einem Musikinstrument sei. Man kann äußerst musikalisch sein, das heißt noch lange nicht, dass man sich ans Klavier (oder irgendein anderes Instrument) setzt und es spielen kann. Man muss wissen, wie man es spielt, die Techniken gezeigt bekommen/erlernen und sich darin üben.
Genauso ist das mit Mathe auch.
Und dass hohe Begabung NICHT heißt, alles zu wissen und zu können, sondern nur, dass es heißt, dass man besser/schneller in der Lage ist, sich etwas anzueignen.
Und dass man sich dabei unnötig behindert, wenn man von vornherein sagt: das kann ich nicht, das schaff ich nicht.
Und allein das könne die Ursache sein, wenn sie was nicht versteht.
Sie selbst hat also Einfluss darauf, ob sie etwas lernen kann oder nicht. Und zwar nicht durch ihre angeborene Intelligenz (oder Dummheit), sondern durch das, wie sie damit geht.

Ich habe mir übrigens als Kind Mathe oft von meinem mathematisch sehr begabten Bruder erklären lassen. Und er schaffte das wirklich auch bei komplizierten Themen immer so, dass ich es verstand. Daraus lernte ich, dass es nicht an MIR liegt, wenn ich sowas mal nicht kapierte, sondern vor allem erstmal auch an der Art der Vermittlung. Und nicht jede Art der Vermittlung passt gleichermaßen zu jedem Menschen. So kann es sein, dass der eine es sofort versteht, der andere nicht. Das heißt nicht, das einer der beiden klüger/dümmer als der andere ist, sondern nur, dass es für die Denkweise des einen gepasst hat und bei dem anderen nicht so gut. Und dass GERADE kluge Kinder oft um die Ecke denken und dann einfache Dinge erstmal nicht verstehen. (und sie sich dann leider dumm fühlen :? )
Auch das habe ich meiner Tochter erzählt und erklärt.

Beim IQ-Test damals beobachtete die Psychologin übrigens auch, dass meine Tochter sich an ihrer Leistungsgrenze sehr unter Druck setzte, sie atmete schneller und musste mit den Tränen kämpfen.
Das fand sie auffällig und sie meinte, da könnte mal eine Prüfungsangst daraus werden.
Bisher hatten wir das Problem noch nicht, da sie ja bisher immer alles gut konnte.
Nun ist sie an einer MINT Schule mit viel und anspruchsvollerer Mathematik (was sie nicht sonderlich mag) und wie beschrieben fällt ihr aktuell auch auf die Füße, dass sie gewisse Rechentechniken nicht in- und auswendig anwenden kann.
Also wie gestern schon geschrieben: da solltet ihr (anders als ich es getan habe) auf jeden Fall dran bleiben, um spätere Problemen vorzubeugen.

Ansonsten würde ich an deiner Stelle an meinen Ansprüchen arbeiten und diese immer wieder hinterfragen.
Da meine Tochter am Anfang auch nur 1er brachte und auch sonst oft herausragte (auch sportlich, künstlerisch und in der Musik als jüngstes Kind am Saxophon, was sonst eher ältere spielen), habe ich mich auch schon dabei ertappt, enttäuscht zu sein, wenn sie mal einen Misserfolg hatte. (Ich war als Kind übrigens auch erfolgsverwöhnt)

Ich hab mich selbst im Zusammenhang mit meiner Tochter immer wieder reflektiert und zur Ordnung gerufen. Zumal ihr selbst das Herausragen immer irgendwie peinlich war und sie am Liebsten in der Masse untergeht.
Ich glaube, inzwischen bin ich da sehr viel entspannter. Durch den Test weiß ich, was sie für ein Potential, insbesondere in Mathe hat und das beruhigt mich irgendwie. Im Sinne von: "Sie ist nachweislich theoretisch in der Lage, da besser zu sein. Die Note (bisher war das allerdings maximal eine 3) zeugt also nur von schlechter Vorbereitung/dass sie müde war/Faselfehler gemacht hat/Pech hatte...

Ich denke, sowohl dir, als auch deiner Tochter werden entsprechende Erlebnisse und Erfahrungen noch helfen, gelassener zu werden. Bei Kind zwei bin ich definitiv auch schon anders, als bei der Großen damals.
(die "musste" anfangs bspw noch in allen Bereichen in der Freizeit gefördert werden - künstlerisch, sportlich, musikalisch, kognitiv... bei Kind zwei schaff ich das schonmal gar nicht mehr.)
Also deine Selbstreflektion ist auf jeden Fall wichtig und der erste Schritt zur Besserung. :P

Die Tipps der Psychologin vom Test zum Thema sich selbst unter Druck setzen/Perfektionismus waren übrigens:

1) Entspannungstechniken/Atemtechniken gegen die Stressymptome lernen
2) Loben eher für Anstrengung/Anstrengungsbereitschaft/Durchhaltevermögen, als für Erfolge ("Toll, du hast dich durchgebissen, obwohl du die Aufgabe XY nicht lösen konntest und hast die Arbeit trotzdem zu Ende geführt. Das find ich klasse! Die Punkte, die dir hier bei der Aufgabe, die dir schwer fiel, fehlen und die die Note verschlechtert haben, finde gar nicht so wichtig...")
3) Gründe für Gelingen immer erstmal sich selbst zuschreiben, Gründe für Scheitern mit dem Kind gemeinsam auch außerhalb suchen (der Lehrer hat es schlecht erklärt oder du warst sicher müde, weil es gestern Abend so spät war bspw...)

Im diesem Buch steht übrigens auch Einges dazu:
https://www.amazon.de/Hochbegabte-Kinde ... 771&sr=8-1

Da sind überhaupt viele konkrete Techniken und Methoden drin, die bei "typischen" Problemen kluger Kinder helfen.
Ich fand es jedenfalls gut und hilfreich.

Ach und nie vergessen (mein Mantra): Noten zeigen NICHT wie gut/klug ein Kind ist, sondern nur, welche Leistung es an dem Tag/in dem Moment geliefert hat. Nicht mehr und nicht weniger.

PS: Was ich meinem Kind auch immer wieder erklärt habe: Noten sind keine Bewertung der Person (!!!), es geht darum, eine Rückmeldung zu geben, was kann ich schon richtig gut und was nicht. Ich fürchte (und sehe darum Benotung auch kritisch), dass Grundschulkinder das noch nicht so richtig verstehen und sich als Person bewertet wahrnehmen... sie glauben wohl eher, sie mussten irgendwem beweisen, dass sie gut sind und sehen sich darin gescheitert, wenn die Note schlecht ist. Aber nein, sie müssen gar niemandem etwas beweisen, sie sollen doch an sich nur wissen, was sie schon richtig gut können und wo noch dran gearbeitet werden kann.
Das sag ich meiner Tochter auch immer: Ich finde die Zensur nicht wichtig, ich finde es wichtig, dass du es grundsätzlich verstanden hast, wie XYZ geht und ggf dran bleibst, wenn nicht. Dabei HILFT eine schlechte Note sogar, weil sie sofort zeigt, wo es noch "hakt".
Zuletzt geändert von sinus am Mi 9. Okt 2019, 09:22, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Mi 9. Okt 2019, 08:15

Auguste hat geschrieben: Sie schreibt in Mathe auch 3er und 4er - ich habe mich dran gewöhnt ;)


Ich auch. :mrgreen:

Ich gebe offen zu, auch ich habe damit lange gehadert und es war nicht innerhalb von 2,3 Tagen auf Knopfdruck umgestellt.

Ich war verwöhnt von der GS und rümpfte innerlich die Nase, wenn ich sah, was andere Kinder so an Noten mit heim brachten. Ich gebe zu, Hochmut kommt vor dem Fall. Wie gut, dass keiner meine Gedanken lesen konnte.

Ab Klasse 5 und weiterführender Schule kamen hier andere Noten. Sie kommen immer noch. Ich hatte jetzt allerdings 5 Jahre Zeit das zu akzeptieren und viel gelassener im Umgang damit zu werden. Geholfen hat mir da mein Mann, der weiter von den Kindern weg ist - nicht so nah dran wie Muddern - der sah das schon immer relaxter. Unsere Vorgabe ist - weiterkommen. Eine 4 ist ausreichend, damit kommt das Kind weiter. Es gibt zwei wichtige Punkte - einmal das Übertrittszeugnis in Klasse 4 und einmal die Klasse 10. Da bleiben Noten stehen und die sollten mindestens eine 2 für den Übertritt oder dann für Klasse 10 eine 3 sein. Alle Noten und Zeugnisse davor will keiner sehen. Und wenn doch, so unsere Erfahrung, zählt auch ein großes Portfolio und gleich so manche Note aus.

Mittlerweile ist es in der Tat auch (manchmal) so, wie @Auguste beschreibt. Mein Großkind kalkuliert und rechnet, was er tun muss, damit er ein Minimum erreicht und lässt gewisse Dinge weg. Ich habe mich aber komplett aus Schule heraus genommen, so dass ich darüber nicht urteile.

Was ich nicht mehr mache, mich - wie in der GS-Zeit - neben meine Kinder zu setzen und Nachhilfslehrer zu spielen. Das haben wir in der Tat ausgelagert. Ich wollte den Krieg nicht mehr. Ich werde nicht wegen Schule meine Eltern/Kind/Beziehung auf's Spiel setzen. Ich frage auch nach keinen Noten. Ermahne meine Kinder aber regelmäßig den Finger im Unterricht zu heben, ob öde, doof oder langweilig. Grundsätzlich versuche ich mich aus Schule weitestgehend heraus zu halten. Meine Kinder gehen in die Schule nicht ich. Meinen Kindern gab ich eine Basis, jetzt müssen sie selber laufen. Da wird es Unfälle geben (gab es auch schon) - so ist das. Das darf man, wenn man wieder aufsteht.

Mittlerweile bin ich ja keine 30 mehr. Und ab einem gewissen Alter ;) wird mir immer mehr bewusst, was mir wichtig ist. Da um mich herum erste Altersgleiche anfangen gesundheitlich zu schwächeln - bin ich froh und dankbar - die unbeschwerte gesunde Zeit zu haben - wer weiß wie lange. Da sind nämlich Noten ganz schnell kein Problem mehr. Ich versuche die glücklichen Tage - die ich ja habe - mehr bewusst zu erleben. Die Bewertung einer Note hat das eigentlich keinen Platz. Ich bin auch zu alt um mich über nicht gemachte Hausaufgaben zu streiten. :?
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Mi 9. Okt 2019, 09:40

sinus hat geschrieben:… Das sag ich meiner Tochter auch immer: Ich finde die Zensur nicht wichtig, ich finde es wichtig, dass du es grundsätzlich verstanden hast, wie XYZ geht und ggf dran bleibst, wenn nicht. Dabei HILFT eine schlechte Note sogar, weil sie sofort zeigt, wo es noch "hakt".



Ich sage meinen Kindern immer, das Noten wichtig sind. Noten sind leider Gottes wichtig. Ich kann sie persönlich unwichtig finden, wie ich will - das ist nicht das Problem. Aber derjenige der die Noten sehen will, dem sind sie eben wichtig. Jeder möchte die Noten sehen und jeder fragt sie ab. Selbst bei ganz banalen Dingen muss man die vorzeigen.

Das eine schlechte Note hilft, kann ich so nicht stehen lassen. ;) Schlechte Noten sind demütigend und demotivierend. Eine schlechte Note steht - felsenfest im Klassenbuch. Manchmal liegt es eben an dieser einen Note. Und manchmal kann man sie nicht mal ausgleichen. Dann nämlich, wenn nur eine (1) Arbeit im SJ geschrieben wird. Und ganz dumm finde ich, dass man NIE beweisen kann, dass man es verbessert hat. Selbst wenn ich eben die Aufgabe nicht konnte, sie mir dann nochmals genauer ansehe und korrigiere und selbst wenn der Aha-Effekt eingetreten ist - DAS prüft ja keiner mehr nach und kein Kind kann sich dann nochmals beweisen. Es beginnt ein neues Thema und die "Angst" beginnt von Neuem.

Diese "Versagensangst'" ist bei meinen Kindern ausgeprägt. aber nicht, weil ich eine gute Note fordere, sondern weil sie ganz genau wissen, was für einen Wert eine Note hat. Die Kinder unterhalten sich ja darüber. Der Notenspiegel wird an die Tafel geschrieben, gute Noten mit Jubelschreien begrüßt, schlechte Noten mit Tränen offen im Klassenzimmer. Man kann noch so engagiert in der Schule sein, noch so brav oder freiwillige Dienste übernehmen - wenn die Noten nicht stimmen geht man mit allen Konsequenzen. Und das Gelabere der Lehrer dass das alles nicht soooo schlimm sei, da das Kind so herzensgut ist - alle Wege ja offen stehen - das kann ich nicht mehr hören.
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Meine3 » Mi 9. Okt 2019, 12:12

Mich würde mal interessieren wie es euch bei diesem Thema geht? ISt euch Leistung wichtig? Warum? Oder warum nicht? Kännt ihr Fehler machen oder fühlt ihr euch auch schlecht? Hat jemand einen guten Tipp, wie man gelassener mit dem Thema umgehen kann?

Bin für jede Rückmeldung und Denkanstoß dankbar :)


Hallo Keksle,

mein Sohn wird nun bald 7 und wurde grade eingeschult. Bei ihm steht ADHS im Raum, gepaart mit Hochbegabung, beide "Tests" waren nicht eindeutig, bzw. war die KJP anscheinend nicht in der Lage eindeutige Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.

Ich muss kurz ausholen, um deine Fragen zu beantworten:

Ich bin als unentdecktes, hochbegabtes Mädchen einer total überforderten und alleinerziehenden Mutter groß geworden. Meine Grundschulzeit war ein Desaster, die Realschulzeit war auch nicht so prickelnd, als ich mich dann im jungen Erwachsenenalter dazu entshcloss das Abitur nachzumachen, lief es aber hervorragend. Meine Mutter hat nie Wert auf gute Noten gelegt und überhaupt keinen Druck ausgeübt. So wenig "Druck", dass es mir oft so vorkam, als sei ich ihr egal. Es kam gleichgültig rüber. Es gab auch die ein oder andere Situation, wo ich auch jetzt noch sage: da hat sie als Mutter versäumt zu handeln. Beispielsweise als ich in der 4. Klasse lange wegen Krankheit nicht in der Schule war (danach war ich noch in Kur) und sie nicht einmal mit mir den Schulstoff angeschaut hat, sie hat das komplett mir überlassen. Fazit: ich kann heute noch nicht dividieren :roll:... Oder als es darum ging, dass ich nach der 5. Klasse problemlos aufs Gymnasium hätte wechseln können, die Lehrer ihr das auch geraten haben, sie das aber nicht in die Wege geleitet habe, weil ich sagte, ich hätte eine Freundin gefunden und nicht wollte...

Im Gegensatz zu dir bin ich mehrfach gescheitert in meinem Leben (meist wenn es um praktische Prüfungen ging, bei denen ich nicht absehen konnte, was auf mich zukommt, wie z.B. die praktische Fahrschulprüfung oder die mündliche Prüfung in der Realschule oder bei der Ausbildung. Ich habe Prüfungsangst bei praktischen Prüfungen und versage hier regelmäßig. Wenn es um ein Referat oder einen Vortrag geht, den ich in Ruhe zu Hause vorbereiten und "üben" kann, so ist die Prüfungsangst um einiges geringer. Was ich lernen musste: Scheitern ist nichts schlimmes. Es kann dich sogar in gewisser Weise weiterbringen. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht, sich nicht unterkriegen lässt, es noch einmal probiert (sofern das geht). Die Haltung, dass Versagen mich nicht umbringt, musste ich mir hart erarbeiten, da ich von Natur aus ein Perfektionist bin und ich es absolut nicht mag, zu versagen und das auch an meinem Selbstbewusstsein nagt, wenn ich nicht brilliere :lol: ... Ich kann es mir kaum vorstellen, aber es soll Leute geben, denen ist es relativ egal, wenn sie Misserfolge haben...

Deswegen ist mein Standpunkt dazu: zu viel Druck ist sicherlich kontraproduktiv, kein Druck ( in Situationen, wo es einfach mal sein muss, dass man seine Kinder an die Kandarre nimmt) ist auch nicht gut. Mir ist Leistung wichtig, da ich weiß, dass meine Kinder sonst voraussichtlich später nicht das tun können, was sie wirklich wollen, denn leider leben wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Sie haben eine eingeschränkte Auswahl, wenn ihre Leistungen nicht mit ihren eigentlichen Fähigkeiten kongruieren. Ich sehe aber auch, dass ein kluges Kind in der Regel seinen Weg macht (Abitur auf dem zweiten Bildungsweg in etwa ;) ), eventuell über Umwege, sofern nicht grundlegend etwas schief lief in der Erziehung. Nur möchte ich das für meine Kinder? Den Umweg? Eigentlich nicht. Wenn ich jedoch wie ein Feldwevel agieren müsste, damit sie den direkten Weg "ans Ziel" gehen, würde ich in Kauf nehmen, dass sie die ein oder andere Abzweigung oder Extrarunde gehen. Ein gesundes Maß ist hier, wie in vielen Bereichen das A und O. Soviel zur Theorie ;)...

Wie mache ich das mit meinem oft nicht so topmotivierten Sohn (bei Grundlagen tut er sich sehr schwer, er ist zu ungeduldig und ihm fehlt hier oft die Sinnhaftigkeit): ich spreche mit ihm darüber, warum diese Grundlagen so wichtig sind, ich übe sanften Druck aus, wenn es darum aus, dass er seine Hausaufgaben macht, ich schaue mir diese auch an, kritisiere oder korrigiere aber nicht (was mir ehrlich gesagt, oft schwer fällt), sondern freue mich mit ihm, dass er die Aufgabe erledigt hat. NOCH geht es ja bei meinem Sohn nicht darum, dass er etwas vom Unterrichtsstoff nicht versteht, es ist vielmehr die totale Langeweile und Unterforderung, die uns grade zu schaffen macht. Ich könnte mir gut vorstellen, wenn ich ganz ehrlich bin, dass in den höheren Klassen, ich schon auch dazu tendieren würde, eher "strenger" zu sein, einfach weil meine Mutter das eben so gar nicht getan hat und es mir in manchen Situationen aber sehr geholfen hätte, ihre Unterstützung zu erfahren, auch mal einen Rüffel zu bekommen und die klare Ansage, dass das jetzt gemacht wird und basta. Es hätte mir das Gefühl gegeben, dass sie sich um mich kümmert und sich sorgt.

Ich habe keinen konkreten Tipp in Bezug auf den Umgang mit deiner Tochter, da ich diesbezüglich zu wenig weiß. Ich würde dir jedoch den Tipp geben, daran zu arbeiten ein "scheitern" oder einen Misserfolg nicht also totale, unwiderrufbare und welterschütternde Niederlage zu sehen. Sondern zu lernen, das auch kluge und perfektionistische Menschen Fehler machen dürfen, sollen und manchmal sogar müssen (um zu lernen)...

Gruß, Meine3
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Meine3 » Mi 9. Okt 2019, 12:13

Mich würde mal interessieren wie es euch bei diesem Thema geht? ISt euch Leistung wichtig? Warum? Oder warum nicht? Kännt ihr Fehler machen oder fühlt ihr euch auch schlecht? Hat jemand einen guten Tipp, wie man gelassener mit dem Thema umgehen kann?

Bin für jede Rückmeldung und Denkanstoß dankbar :)


Hallo Keksle,

mein Sohn wird nun bald 7 und wurde grade eingeschult. Bei ihm steht ADHS im Raum, gepaart mit Hochbegabung, beide "Tests" waren nicht eindeutig, bzw. war die KJP anscheinend nicht in der Lage eindeutige Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.

Ich muss kurz ausholen, um deine Fragen zu beantworten:

Ich bin als unentdecktes, hochbegabtes Mädchen einer total überforderten und alleinerziehenden Mutter groß geworden. Meine Grundschulzeit war ein Desaster, die Realschulzeit war auch nicht so prickelnd, als ich mich dann im jungen Erwachsenenalter dazu entshcloss das Abitur nachzumachen, lief es aber hervorragend. Meine Mutter hat nie Wert auf gute Noten gelegt und überhaupt keinen Druck ausgeübt. So wenig "Druck", dass es mir oft so vorkam, als sei ich ihr egal. Es kam gleichgültig rüber. Es gab auch die ein oder andere Situation, wo ich auch jetzt noch sage: da hat sie als Mutter versäumt zu handeln. Beispielsweise als ich in der 4. Klasse lange wegen Krankheit nicht in der Schule war (danach war ich noch in Kur) und sie nicht einmal mit mir den Schulstoff angeschaut hat, sie hat das komplett mir überlassen. Fazit: ich kann heute noch nicht dividieren :roll:, habe die Orientierungsarbeiten verhauen und wurde für die Realschule empfohlen... Dann musste ich zum Eignungstest, habe diesen sehr gut gemeistert, aber ein paar Fragen gestellt (ich fand die Aufgaben teilweise so leicht, dass ich unsicher war, ob ich sie richtig verstanden hatte :oops: ) und die Prüferin sah das als Anlass, mich trotz des sehr guten Ergebnisses für die Realschule zu empfehlen, weil ich "blöde Fragen" stelle.. Hier hätte meine Mutter meiner Meinung nach, darauf bestehen sollen, dass der Eignungstest als Grundlage für die Empfehlung genommen wird und nicht die persönliche Meinung der Prüferin. Oder als es darum ging, dass ich nach der 5. Klasse problemlos aufs Gymnasium hätte wechseln können, die Lehrer ihr das auch geraten haben, sie das aber nicht in die Wege geleitet hatte, weil ich sagte, ich hätte eine Freundin gefunden und nicht wollte...

Im Gegensatz zu dir bin ich mehrfach gescheitert in meinem Leben (meist wenn es um praktische Prüfungen ging, bei denen ich nicht absehen konnte, was auf mich zukommt, wie z.B. die praktische Fahrschulprüfung oder die mündliche Prüfung in der Realschule oder bei der Ausbildung. Ich habe Prüfungsangst bei praktischen Prüfungen und versage hier regelmäßig. Wenn es um ein Referat oder einen Vortrag geht, den ich in Ruhe zu Hause vorbereiten und "üben" kann, so ist die Prüfungsangst um einiges geringer. Was ich lernen musste: Scheitern ist nichts schlimmes. Es kann dich sogar in gewisser Weise weiterbringen. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht, sich nicht unterkriegen lässt, es noch einmal probiert (sofern das geht). Die Haltung, dass Versagen mich nicht umbringt, musste ich mir hart erarbeiten, da ich von Natur aus ein Perfektionist bin und ich es absolut nicht mag, zu versagen und das auch an meinem Selbstbewusstsein nagt, wenn ich nicht brilliere :lol: ... Ich kann es mir kaum vorstellen, aber es soll Leute geben, denen ist es relativ egal, wenn sie Misserfolge haben 8-).

Deswegen ist mein Standpunkt dazu: zu viel Druck ist sicherlich kontraproduktiv, kein Druck ( in Situationen, wo es einfach mal sein muss, dass man seine Kinder an die Kandarre nimmt) ist auch nicht gut. Druck "rausnehmen" bedeutet für mich nicht, komplett alle Viere grade sein zu lassen.

Mir ist Leistung wichtig, da ich weiß, dass meine Kinder sonst voraussichtlich später nicht das tun können, was sie wirklich wollen, denn leider leben wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft. Sie haben eine eingeschränkte Auswahl, wenn ihre Leistungen nicht mit ihren eigentlichen Fähigkeiten kongruieren. Ich sehe aber auch, dass ein kluges Kind in der Regel früher oder später seinen Weg macht (Abitur auf dem zweiten Bildungsweg in etwa ;) ), eventuell über Umwege, sofern nicht grundlegend etwas schief lief in der Kindheit und Jugend.

Nur möchte ich das für meine Kinder? Den Umweg? Eigentlich nicht. Wenn ich jedoch wie ein Feldwevel agieren müsste, damit sie den direkten Weg "ans Ziel" gehen, würde ich in Kauf nehmen, dass sie die ein oder andere Abzweigung oder Extrarunde gehen. Ein gesundes Maß ist hier, wie in vielen Bereichen das A und O. Soviel zur Theorie ;)...

Wie mache ich das mit meinem oft nicht so topmotivierten Sohn (bei Grundlagen tut er sich sehr schwer, er ist zu ungeduldig und ihm fehlt hier oft die Sinnhaftigkeit): ich spreche mit ihm darüber, warum diese Grundlagen so wichtig sind, ich übe sanften Druck aus, wenn es darum aus, dass er seine Hausaufgaben macht, ich schaue mir diese auch an, kritisiere oder korrigiere aber nicht (was mir ehrlich gesagt, oft schwer fällt), sondern freue mich mit ihm, dass er die Aufgabe erledigt hat. NOCH geht es ja bei meinem Sohn nicht darum, dass er etwas vom Unterrichtsstoff nicht versteht, es ist vielmehr die totale Langeweile und Unterforderung, die uns grade zu schaffen macht. Ich könnte mir gut vorstellen, wenn ich ganz ehrlich bin, dass in den höheren Klassen, ich schon auch dazu tendieren würde, eher "strenger" zu sein, wenn ich merke, er ist sehr faul und die Leistungen nicht passen würden, einfach weil meine Mutter das eben so gar nicht getan hat und es mir in manchen Situationen aber sehr geholfen hätte, ihre Unterstützung zu erfahren, auch mal einen Rüffel zu bekommen und die klare Ansage, dass das jetzt gemacht wird und basta. Es hätte mir das Gefühl gegeben, dass sie sich um mich kümmert und sich sorgt und es hätte mir den ein oder anderen Umweg erspart.

Ich habe keinen konkreten Tipp in Bezug auf den Umgang mit deiner Tochter, da ich diesbezüglich zu wenig weiß. Ich würde dir jedoch den Tipp geben, daran zu arbeiten ein "scheitern" oder einen Misserfolg nicht also totale und welterschütternde Niederlage zu sehen. Sondern zu lernen, das auch kluge und perfektionistische Menschen Fehler machen dürfen, sollen und manchmal sogar müssen (um zu lernen) und dass der Umgang mit dem scheitern das entscheidende ist...

Gruß, Meine3
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