Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Do 10. Okt 2019, 10:49

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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Edainwen » Do 10. Okt 2019, 11:59

Hier (BaWü) durfte die weiterführende Schule das Grundschulzeugnis oder auch die Empfehlung bei meiner Tochter gar nicht verlangen. Ob sich dabei etwas geändert hatte, bis der Sohn auf die weiterführenden Schule kam, weiß ich nicht. Er musste für seine Hb-Klasse einen IQ-Test machen, dazu noch Probeunterricht und ein Gespräch. Das Zeugnis wollte daher auch bei ihm niemand sehen. Da er trotzdem stolz davon erzählt hat, haben sie ihn nur vorgewarnt, dass die Noten am Gymnasium eventuell nicht so gut bleiben würden ;)
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Rabaukenmama » Do 10. Okt 2019, 13:29

Keksle hat geschrieben:Und zuletzt: hat jemand von euch schon mal eine Therapie gemacht? Wie und wo findet man da jemand Guten? Ich bin bereit alles für.meine Kinder zu machen.


Mein Mann und ich hatten regelmäßig Termine bei einer Familientherapeutin. Ich habe 2x jeweils ca. 9 Monate Psychotherapie gemacht (1 x wöchentlich, 1x alle 2 Wochen). Mein Mann macht seit 10 Monaten 1x wöchentlich Psychotherapie, noch laufend. Dabei geht es zum Teil auch um unseren Umgang mit unseren Kindern und unsere Einstellung. Bei der Familientherapeutin ging es nur darum.

Wichtig ist beim anfangen einer Therapie, mal grundsätzlich zu wissen, wo die eigenen Probleme liegen. In deinem Fall kann das z.B. der falsche Glaubenssatz "Es ist ganz fürchterlich, schlechte Leistungen zu bringen oder wo "durchzufallen!".

Dabei geht es nicht um die grundsätzliche Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von Noten (je nach persönlichen Zielen können sie in MACHEN Zeugnissen durchaus wichtig sein), sondern um Streß, den man sich selbst erzeugt ;) .
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Do 10. Okt 2019, 14:12

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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon sinus » Do 10. Okt 2019, 16:58

alibaba hat geschrieben:Interessant ….. ist das normal?

Ich ging davon aus, dass man sich eben mit der Grundschul-Empfehlung "bewirbt" und die entsteht ja aus den Noten entsprechend Durchschnitt Klasse 4 bis zum Halbjahr plus ein bisschen "Geschaue" was davor in den Zeugnissen stand. Meine beiden Kinder haben keinen Aufnahmetest gemacht.


Hm, die Schule meiner Tochter ist ja nicht ganz "normal"
Soweit ich weiß, legt man im Normalfall (also an den anderen Gymnasien hier) die Gymnasialempfehlung vor und will man sein Kind ohne Empfehlung an dieser Schulform haben, kann das Kind stattdessen eine Eignungsprüfung machen. (Glaube ich. Evtl gehts sogar ohne...)

Die Schule meiner Tochter ist ja eine Schule speziell für "Kinder mit einer besonderen Begabung im Bereich Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften".
Sie gilt hier so im bisschen als die Schule für die höher Begabten, aber einen bestimmten IQ geschweige denn einen IQ-Test braucht man nicht und ich denke, dass die wirklich Hochbegabten da vielleicht im Vergleich zu anderen Gymnasien überrepräsentiert sind, aber nicht unbedingt alle sind gleich hochbegabt. Zumal es dort ja eh vor allem um die Begabung im Bereich Mathematik geht.

Die Schule wirbt damit, dass sie genau NICHT nur auf Noten schauen, sondern auch Kindern eine Chance geben, die in der Grundschule Probleme hatten, womöglich Underarchiever sind.
Es gibt an der Schule wohl (vm Hören-Sagen her) auch mehr Kinder mit ASS, als an anderen Gymnasien.
Da die Klassen kleiner sind (21 statt 28+ wie an den anderen Gymnasien hier), sind sie sicher da auch besser aufgehoben.
Die Schule behauptet von sich auch, sich intensiver ums einzelne Kind zu kümmern.
Ob das alles so stimmt, weiß ich nicht. Was Fakt ist ist, dass die Lehrer überdurchschnittlich engagiert sind (meine Tochter findet bisher auch durch die Bank weg alle auch besonders nett) und die Schule recht hohe Anforderungen an die Kinder stellt. (Was Tochter von Mathe erzählt, klingt auch recht anspruchsvoll... vor allem gehts nicht nach Buch, was uns ja grad erst ganz schön ins Schwitzen gebracht hat, weil Tochter nur Mitschriften vom Tafelbild zum lernen hatte und die irgendwie nicht ausreichten. Auch googeln half nicht direkt, da es so viele verschiedene Begrifflichkeiten für ein und dieselbe Sache gibt...)

Außerdem arbeitet die Schule eng mit wissenschaftlichen Institutionen zusammen und die Kinder treten früh mit Hochschulen etc in Kontakt, es werden gemeinsame Projekte durchgeführt/Forschungsaufgaben. Die Schüler der Schule sind wohl auch national und international an vielen Wettbewerben beteiligt und dabei recht erfolgreich.
Aber es gibt wohl auch recht viel Schwund, nur ca. die Hälfte bleibt durchschnittlich bis zum Abi dort.
(Viele wechseln für die Klassen 11/12 an andere Gymnasien, weil sie dort dann ein entspannteres Abi mit besseren Noten erwarten)
Es kommt auch immer wieder mal vor, dass unterforderte Schüler in späteren Klassen an die Schule wechseln. Auch da zählen übrigens nicht die Noten, sondern es gibt eine umfängliche Aufnahmeprüfung.
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Auguste » Do 10. Okt 2019, 21:09

alibaba hat geschrieben:Interessant ….. ist das normal?

Ich ging davon aus, dass man sich eben mit der Grundschul-Empfehlung "bewirbt" und die entsteht ja aus den Noten entsprechend Durchschnitt Klasse 4 bis zum Halbjahr plus ein bisschen "Geschaue" was davor in den Zeugnissen stand. Meine beiden Kinder haben keinen Aufnahmetest gemacht.


Bei uns (Brandenburg) geht die Grundschule bis zur 6. Klasse. Die Kinder wechseln also üblicherweise erst zu Kl. 7 in die weiterführenden Schulen. Einzige Ausnahme sind die Leistungs- und Begabungsklassen an ausgewählten Gymnasien im Land. In diese Klassen wird bereits nach der 4. Klasse gewechselt.

Für die Leistungs- und Begabungsklasse brauchst du eine Notensumme von maximal 5 in den Fächerkombinationen Deutsch + Mathe + Englisch oder Deutsch + Mathe + Sachkunde im Halbjahres-Zeugnis der 4. Klasse. Außerdem ist ein Eignungstest zu absolvieren und ein Gespräch zu führen (nur das Kind). Eine Empfehlung der Grundschule braucht man auch noch. Also ziemlich große Hürden und absolut auf Hochleister zugeschnitten. Unter gewissen Voraussetzungen können auch Schüler mit schlechteren Noten aufgenommen werden (ca. 10 % der aufzunehmenden Schüler - macht dann max. 2-3 Kinder pro Klasse). Da entscheidet aber die aufnehmende Schule, ob die Voraussetzungen für eine Ausnahme vorliegen oder nicht.

Ab Kl. 7 brauchst Du dann nur noch die Notensumme 7 in den Fächern Deutsch + Mathe + Englisch und die Empfehlung der Grundschule. Wer eines von beidem nicht hat, muss verpflichtend 2 Mal Probeunterricht absolvieren. Danach wird entschieden, ob das Kind aufs Gymnasium darf oder nicht. Wer die passenden Noten und die Empfehlung hat, bewirbt sich mit dem Halbjahreszeugnis der 6. Klasse auf seinem Wunschgymnasium und wird entweder angenommen oder eben nicht. Man muss noch einen Zweitwunsch angeben und wenn man dort auch abgelehnt wird, entscheidet das Schulamt, auf welche Schule das Kind geht.

Grundsätzlich egal sind die Noten für den weiteren Schulweg bei uns nicht - zumindest wenn man aufs Gymnasium will. Wichtig sind hier aber nur die Halbjahreszeugnisse der 6. Klasse und halt die Abschlusszeugnisse 10. und 12./13. Klasse - wegen der Bewerbung für Ausbildung oder Studium. Das Halbjahreszeugnis der 4. Klasse ist nur wichtig, wenn man in die Leistungs- und Begabungsklasse will. Wer aufs Gymnasium kommt und dort die Versetzung in die nächste Klasse nicht schafft, der muss das Gymnasium verlassen.

Ich baue bei meinen Kindern trotzdem keinen Notendruck auf. Entweder schaffen und wollen sie von allein gute Noten oder sie müssen mit schlechten Noten und den daraus folgenden Konsequenzen leben. Ich signalisiere, dass ich immer bereit bin, ihnen bei den Hausaufgaben oder beim Lernen zu helfen - Hilfe einfordern müssen sie aber von selbst. Ich dränge mich nicht auf. Mit 10 und 12 Jahren sind sie alt genug, das zu begreifen - und dumm sind sie ja beide nicht ;)

Gruß
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Fr 11. Okt 2019, 08:22

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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Keksle » Fr 11. Okt 2019, 09:08

Jetzt habe ich nochmal versucht mich zu sortieren.
Eigentlich ist mir klar, dass Druck schädlich ist, ich war auch der Meinung, dass ich versuche keinen Auszuüben.

Jetzt ist mir klar geworden, dass mein "ich mache mir Sorgen (um die Zukunft)" ja auch schon Druck ausübt. Ich glaube diese Sorge kommt bei meiner Großen an, sie ist ja sehr sensibel und nimmt auch viel unterschwelliges wahr, was sie auch oft verunsichert. Weshalb ich mir dann wieder Sorgen mache.... Ich denke, das ist unser Teufelskreis.
Ich würde mir gerne Hilfe holen, damit ich mich mit meinem "Sorgen machen" auseinandersetzen kann. Da spielt bestimmt auch etwas aus meiner Biographie mit. Gleichzeitig möchte ich, dass meine Kinder sich nicht verantwortlich dafür fühlen, dass sie alles machen müssen damit ich mir keine Sorgen mache. Versteht man das oder bin ich gerade zu wirr.
Versuche es gerade aufzuschreiben um mich selber zu sortieren.
Kurz gesagt läuft es darauf raus, dass ich Vertrauen in das Kind habe, dass es seinen Weg gehen wird, dadurch versuche ich weniger Sorgen zu haben, setzt damit mein Kind nicht unter Druck, dass es mir keine Sorgen machen möchte, ist der Druck weg, fühlt sich das Kind besser.
Ich würde gerne noch hinzufügen, dass sie dadurch dann ihr Potential besser entfalten kann (Hoffnung stirbt zuletzt) aber ich glaube, davon muss ich mich lösen, sonst passt das erste Glied der Kette schon nicht: Vertrauen in das Kind, egal mit welchem Ausgang. Für.mich der schwierigste Part. Bei dem ich wahrscheinlich Hilfe brauche...

Uff, entschuldigt das "Auskotzen" ich les es mir gleich selbst nochmal durch. Dann werde ich erst sehen ob es Sinn macht....
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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon alibaba » Fr 11. Okt 2019, 09:31

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Re: Umgang mit Fehlern, Leistungsdruck

Beitragvon Auguste » Fr 11. Okt 2019, 11:57

alibaba hat geschrieben:
Ich glaube, dass es sich einfacher schreiben lässt "ich baue keinen Druck auf" wenn die Noten der Kinder eben stimmen.


Was mich dabei am meisten wormt ist eben genau die Erkenntnis, dass das Kind nicht dumm ist. Das die Leistung die es eben nicht erbringt nur darauf zurück zu führen ist, weil man denkt nur nach Lust und Laune arbeiten zu wollen. Da muss ich sagen, kann ich sehr oft nicht über meinen eigenen Schatten springen und akzeptieren die Kinder eben einfach machen zu lassen.


Die Noten meiner Kinder stimmen auch nicht immer. Die Große schreibt in Mathe regelmäßig 3er und 4er. In Physik hat sie neulich eine 5 Heim gebracht (Ursache ist klar: sie war krank und ihr fehlte Stoff). Die Große ist aber selbst genug frustriert über schlechte Noten - die braucht keinen Druck, um noch frustrierter zu sein. Die pubertären Launen halten sich bei ihr zum Glück in Grenzen und beeinflussen die schulischen Leistungen (noch ;)) nicht. Wir haben gemerkt, dass man bei ihr am weitesten kommt, wenn man sie nicht zu sehr einschränkt und "einfach machen" lässt. Bauen wir Druck auf, macht sie dicht.

Der Kleine hat den Übergang auf die Leistungs- und Begabungsklasse nicht geschafft - unter anderem, weil seine Noten zu schlecht waren. Diese Lektion hat er also schon gelernt ;). Der Sohnemann hat durch das Scheitern bei der Begabungsklasse begriffen, dass er gute Noten braucht, wenn er aufs Gymnasium will. Und wenn er nicht will, dann geht er eben nicht aufs Gymnasium. Potential hin oder her. Es gibt auch hochbegabte Kfz-Mechatroniker, die glücklich sind ;)

Ich bin immer bereit, zu helfen und das wissen meine Kinder. Ich frage auch, wie es in der Schule läuft, wir besprechen die Arbeiten (egal, welche Note ;)) und machen auch gemeinsam Hausaufgaben, wenn sie um Hilfe bitten. Aber ich zettele zu Hause keinen "Hausaufgaben- oder Übungskrieg" an, wenn die Kinder nicht wollen. Ich zwinge niemanden zum Lernen, der nicht will. Dafür sind mir meine Nerven zu schade.

Wenn jetzt tatsächlich die Noten abrutschen und eine(r) ein Jahr wiederholen müsste (oder das Gymnasium verlassen und auf die Gesamtschule wechseln), dann ist es eben so. Sie sind beide sehr jung eingeschult worden (beide als Muss-Kinder). Ein Jahr extra in der Schule wäre für beide "entwicklungstechnisch" eher gut. Dann hätten sie ein Jahr länger Zeit, sich zu überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Ich halte es nämlich nicht zwingend für einen Vorteil, noch vor dem 18. Geburtstag das Abi in der Tasche zu haben. Vielleicht kann ich das Ganze deswegen einfach entspannter angehen.

Gruß
Auguste
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