Nachhilfe in Mathe?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon Auguste » Fr 27. Dez 2019, 20:20

Hallo zusammen!

Es geht um meine Tochter. 12 Jahre alt, jetzt 7. Klasse Gymnasium. Nicht getestet, begabt im vor Allem im sprachlichen und künstlerischen Bereich. Lesen hat sie sich mit 5 Jahren selbst beigebracht, rechnen bis 20 hat sie im gleichen Alter nebenbei aufgeschnappt bzw. selbst erschlossen.

In der ersten Klasse haben sie dann in Mathe Murmeln ausmalen und Finger zählen gelernt. Und damit fingen die Probleme an. Tochter hatte kein Mengenverständnis mehr und rechnet seitdem mit den Fingern :roll: Der Zehnerübergang war plötzlich ein Riesenproblem - obwohl sie das im Vorschulalter problemlos rechnen konnte.

Hilfe bei den Hausaufgaben brauchte sie nur in Mathe. Und das läuft immer gleich ab: Wir fragen nach der Aufgabe, sie sagt, dass sie nicht weiß wie sie das rechnen soll. Wir fangen an zu erklären - Tochter flippt aus ("Das hat der Lehrer gaaaanz anders erklärt, das ist falsch!!!"). Wir flippen genervt mit :oops: Dann ist eine Stunde Pause (Hund Gassi führen, das beruhigt) und anschließend kann man ihr vernünftig was erklären, was sie dann auch versteht. Aufgabe wird gemacht und ist auch richtig.

Wir sind inzwischen schon genervt, wenn es nur heißt "Ich brauch mal Hilfe bei Mathe". :schwitz: Inzwischen sind die Aufgaben auch so, dass wir das auch nicht mehr aus den Stehgreif erklären können und erst mal nachlesen/nachdenken müssen, bevor wir etwas erklären können. Davon ist das Kind wiederum genervt und glaubt unsere Erklärungen dann nicht mehr.

Eine Tante vom Kind ist Mathe-Lehrerin. Leider zu weit weg und nur telefonisch erreichbar. Sie hilft gelegentlich trotzdem aus (per Telefon und WhatsApp). Meinung der Tante: Das Kind kann es. Sie ist nur sehr unsicher und denkt zu kompliziert.

Bei den Mathe-Noten ist zwischen 2 und 5 alles dabei. Mittlerweile wirkt sich das Mathe-Problem auch auf Physik aus - wenn es darum geht, irgendwas zu berechnen.

Eigentlich braucht das Kind nur mehr Sicherheit und müsste inzwischen auch einige Lücken schließen, die in den letzten Jahren aufgrund der Mathe-Unlust entstanden sind. Sie würde sicher auch ohne Nachhilfe "durchkommen", hat aber durchaus den Anspruch, auf dem Zeugnis mindestens eine 3 in Mathe zu haben - lieber wäre ihr eine 2.

Wir denken also drüber nach, eine Mathe-Nachhilfe zu organisieren - Sicherheit bekommen, Lücken schließen und häuslichen Stress vermeiden ;). Das Kind wäre bereit dazu.

Was denkt ihr darüber? Ist das jetzt wirklich sinnvoll? Hat jemand noch andere Ideen?

Danke!
Auguste
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » Sa 28. Dez 2019, 01:53

Puh, ich habe eben ausführlich geantwortet und dann wars weg. Neuer Versuch. Etwas kürzer sicher jetzt.

Wir haben das selbe Problem hier. (5. Klasse MINT-Gymnasium)
Dabei ist Tochter getestet und im Bereich Logik bei einem Prozentrang >99 gelandet.
Im Kängurutest (logiklastig) war sie auch immer gut, bei der Matheolympiade kam sie nie über die Vorrunde hinaus.
Gemocht hat sie Mathe auch nie.
Ich dachte nach dem Test, es müsse an kollossaler Unterforderung beim Grundschulmathe liegen.
Jetzt ist sie aber in einem MINT-Gymnasium mit anspruchsvollem Matheunterricht und sie kommt immer öfters heim und sagt: "Ich verstehe gar nichts!"
Mathe ist übrigens das einzige Fach, in dem sie solche Probleme hat, bei allen anderen Fächern fliegt ihr nach wie vor alles zu und sie verbringt die Schulstunden immer noch mit Malen und bekommt trotzdem mehrheitlich gute Noten.
Bei Mathe bekommt sie derzeit maximal 3en. Obwohl sie, wie sie sagt, aufpasst und versucht, mitzukommen.

Meist versteht sie die Herangehensweise an die Aufgaben schon nicht. Leider unterrichtet der Lehrer nicht nach Buch, sondern nach eigenem Plan und es gibt jeweils nur Tafelbilder zu den Aufgaben. Die helfen nicht viel weiter. Auch mir nicht.
Dann sitzen wir hier gemeinsam und googeln oder schauen YouTube zum gefragten Problem an.
Danach sind wir schlauer und meist ist es auch gar kein "Hexenwerk", sondern dröges Abarbeiten von Rechenregeln ist gefragt.
Da kommt dann aber direkt Fallstrick Nr. 2 nach:
Kind verhaspelt sich. Nicht nur, dass sie schlecht kopfrechnet, sie verwechselt auch 1er, 10er und 100er mitunter.
Und sie geht im Kopf "Nebenwege", auf die ich selbst nie kommen würde. Manchmal sind die in der Tat sehr schlau und sinnvoll, oft aber verliert sie "unterwegs" das Hauptziel aus den Augen und weiss dann nicht mehr, wo sie gerade war und welchen nötigen Zwischenschritt sie damit abgearbeitet hat.
Sie denkt oft sehr viel zu kompliziert, wo eigentlich nur dröges Abarbeiten von Regeln gefragt wäre.
Hat man sie dann schließlich soweit, dass sie sich (sicherheitshalber) ausschließlich auf dieses Abarbeiten einlässt, vergisst sie den Rechenweg aber auch schnell wieder, verwechselt Plus und Mal, weiß nicht mehr, was man in welcher Reihenfolge machen musste etc.pp. und hat garantiert spätestens nach 2 Tagen den kompletten Rechenweg wieder vergessen.
Also muss es unbedingt noch automatisiert werden, d.h. ich muss ihr zahlreiche Übungsaufgaben raussuchen - vom Lehrer gibts sowas nicht und da er sich nicht nach dem Buch richtet, hilft das da auch nicht weiter.
Man kann sich sicher gut vorstellen, wie gern Tochter solche Übungsaufgaben macht... zumal, wenn sie von mir, statt vom Lehrer aufgegeben werden.

Ich glaube, es liegt ihr auch einfach nicht, sich auf vorgegebene Wege einzulassen (wohl nicht untypisch für Hochbegabte) und sie denkt zu sehr "verquer". Sie kann womöglich im Kopf schlecht strukturieren - vielleicht weil sie das bisher nicht gelernt hat, weil sie es nie musste.
Und weil sie in viel zu viele Richtungen gleichzeitig denkt.

Was ich mit diesen Erkenntnissen aber jetzt anfange, weiß ich auch noch nicht.
Ich selbst hab weder Lust, noch Zeit noch Nerven, hier die Mathenachhilfe zu machen. Zumal es dabei auch immer kracht, wie du es ja auch beschreibst.
Ich denke auch, dass bei ihrem Verstand und einem guten Lehrer doch möglich sein müsste, dass es auch so geht.
Tochter mag den Lehrer (wie alle anderen Lehrer an der Schule!) übrigens sehr gern.
Und sie sagt, alle anderen scheinen es zu verstehen, nur sie kapiert wohl immer nix.
(Ok, ganz so wird's nicht sein, aber ich glaube ihr schon, dass sie es da evtl besonders schwer hat)

Ich warte derzeit noch ab, habe aber auch Sorge, dass sie den Anschluss verpasst, wenn sie bestimmte Sachen nicht richtig verinnerlicht hat. (Wie das Kopfrechnen bspw, die Rechenwege bei mathematischen Grundlagenproblemen)
Ihr Freund - gleiche Klasse - hat übrigens keinerlei Probleme mit Mathe. Aber sie würde sich nie von ihm helfen lassen wollen.

Wenn das so weitergeht, werde ich als erstes das Gespräch mit dem Lehrer suchen.
(Habt ihr das schon getan?)
Wie ich das genau angehe, weiß ich aber noch nicht so recht, denn auf das Testergebnis möchte ich mich lieber nicht berufen. Aber irgendwie finde ich es anderseits auch nicht unwichtig zu vermitteln, dass es nicht an fehlender Intelligenz liegen kann... und dass es wirklich an zu komplexem Denken liegen könnte. :roll:

Wenn Nachhilfe nötig wäre (was ich allein aus Kostengründen gern vermeiden mag), wäre es mir wichtig, dass es wirklich ein motivierter Fachmann macht, der bereit ist, sich auf ihre Denkweise einzulassen und nicht nur auf Einhaltung von "Schema F" pocht.
Dann sehe ich nämlich genau die Gefahr, wie du es von Beginn des Grundschulmathe bei deinem Kind beschreibst - dass die Fähigkeit (und die Motivation) verloren geht, sich wirklich auf das eigentliche mathematische Problem einzulassen und mögliche Lösungsansätze tatsächlich zu ergründen, statt nur Algorithmen abzuarbeiten, ohne mitzudenken.
Wie man so jemanden aber findet, weiß ich leider auch nicht.
Mein Bruder hat Mathematik studiert und konnte mir früher mitunter gut helfen, wenn ich was nicht verstand.
Aber der kommt aus Zeitgründen und wegen des räumlichen Abstands auch nicht in Frage.
Und es müsste hier bei dem Mathepensum dieser Schule ja mindestens 2x wöchentlich nachgearbeitet werden...

Also insofern: ich bin da grad auch etwas ratlos.
Erster Schritt wäre bzw wird sein der Gang zum Lehrer und die Hoffnung, dass es sich evtl noch"zurechtruckelt".
(mit einer Mathe 4 über 4 Halbjahre muss man die Schule übrigens verlassen.. also total entspannt zurücklehnen mag ich mich da auch nicht.)

PS: Ein anderes Kind im Bekanntenkreis - sehr wahrscheinlich auch hochbegabt - schwankt in Mathe und Physik leistungsmäßig übrigens auch seit Jahren zwischen 1 und 5. Also das Problem scheint nicht ganz ungewöhnlich zu sein.
sinus
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » Sa 28. Dez 2019, 13:22

PS2: Ohne den Test hätte ich beim Kind auch eher hohe Werte im Bereich Sprache und Gedächtnis erwartet und eher nicht so hohe bei der Logik bzw dem Wert, den man als Laie mit Mathe in Verbindung bringt. Ausgerechnet beim "fluiden Schlussfolgern" hatte sie dann aber die höchsten Werte - reichlich 10 Punkte mehr als bei Sprache und Gedächtnis.
Womöglich tritt dann ja genau das ein, was man immer mal liest - je weiter die Abweichung von der Norm, umso abweichender auch das Denken in diesem Bereich und umso mehr Probleme sind da zu erwarten bei "Regelbeschulung".
Die sensiblen Mädchen halten sich dann vielleicht auch selbst schnell für "dumm", weil sie ja merken, dass ihr Denken nicht zu dem der anderen bzw den Erwartungen der Schule/des Lehrers passt und es ihnen dann scheint, als wenn alle anderen es verstehen, nur sie nicht...
Und dann behindern sie sich schnell auch selbst mit ihrer Angst zu versagen und der eigenen Überzeugung, es ja doch nicht zu verstehen.
Sollte es bei deinem Kind zunehmend zu Problemen kommen, würde ich doch mal über einen Test nachdenken, um dem evtl auf die Spur zu kommen. Vielleicht ist es ja bei ihr ebenfalls sogar so, dass sie gerade in dem Bereich sehr stark nach oben von der Norm abweicht...
Es wäre ja schade, wenn sie jetzt dauerhaft zu dem Schluss kommt, dass sie "mathedumm" sei...
Wie sieht es denn aus mit Programmieren? Das hat meine Tochter bspw superschnell begriffen.
sinus
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon Auguste » So 29. Dez 2019, 00:43

Danke Sinus :)

Unsere Mädels scheinen ein bisschen ähnlich zu "ticken".

Ein Problem meiner Tochter war in der Grundschule das fehlende bzw. falsche Feedback der Lehrer. Sie hatte durchaus eigene Wege, um die Matheaufgaben zu lösen. Fragte auch beim Lehrer nach, ob sie das so rechnen kann, wie sie das macht. Und bekam als Antwort nur: "Wir rechnen das aber so.". Damit wusste sie noch immer nicht, ob ihr Weg auch richtig ist - den vom Lehrer hat sie aber nicht verstanden bzw. erschien er ihr nicht logisch.

Sie hält sich bereits für "matheblöd" und auch der Satz "Warum verstehen die anderen das und ich nicht?" fällt häufiger.

Mit YouTube-Videos arbeitet sie auch die Aufgaben nach und es ist wie bei Euch - sie versteht, macht sogar einige Übungsaufgaben (wir haben inzwischen unzählige Arbeitsblätter und Übungshefte zu allen Mathe-Themen hier, dank der "Mathe-Tante") und zwei Tage später ist alles wieder weg. Auch meine Tochter "verläuft sich" beim Rechnen und weiß irgendwann gar nicht mehr, warum sie welchen Schritt eigentlich macht und wo sie hin will.

An Regeln hat sich das Kind noch nie gern gehalten. Bei sämtlichen Spielen wollte und will sie nach der ersten Runde die Regeln ändern, weil es ihr sonst zu langweilig wird. Ist für Mathe jetzt nicht wirklich die beste Strategie :roll:

Wie begabt meine Tochter im logisch/mathematischen Bereich ist, kann ich tatsächlich nicht wirklich einschätzen. Sie kann durchaus logisch schlussfolgern, hat aber z.B. ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen. Sie kann Figuren exakt zeichnen (auch in 3D und frei aus dem Kopf) - aber sie kann keine Figur "im Kopf drehen". Mit Körpernetzen kommt sie auch nicht klar. Sie kann die Figuren nicht "im Kopf falten". Sohn schaut kurz hin und weiß sofort, ob das ein Würfel, ein Quader oder eine Pyramide wird - Tochter grübelt ewig vor sich hin, möchte es nachzeichnen, ausschneiden und zusammenfalten, weil sie das 2D-Bild im Kopf nicht zu einem 3D-Bild zusammenbekommt.

Am PC schreibt Töchterchen Geschichten (die aktuelle könnte auch ein Roman werden...) und nutzt ihn für die Schule (Recherchen). Außerdem hat sie das digitale Zeichnen für sich entdeckt - dafür lag unterm Weihnachtsbaum einen Laptop mit Touchscreen. Da lernt sie auch rasend schnell (autodidaktisch), mit dem Programm umzugehen und liefert (für uns) erstaunliche Ergebnisse nach nur wenigen Tagen. Derzeit arbeitet sie noch mit einem kostenlosen Programm. Wenn sie aber in dem Tempo weitermacht, dann wird ihr das bald nicht mehr reichen :schwitz:

Ein Test wäre vermutlich sehr aufschlussreich bezüglich ihres Begabungsprofils. Töchterchen möchte jetzt aber keinen machen. Sie hat Angst, dass sie "schlechter ist" als ihr Bruder. Einen Einzeltest beim Kinder-Psychiater, -Psychologen oder in einem Institut will sie nicht machen. Da ist der Leidensdruck wohl (noch) nicht hoch genug. Wir haben ihr angeboten, dass sie mit 14 Jahren einen Test bei Mensa machen kann, wenn sie möchte. Der ist "anonym" (weil Gruppentest) und wir müssen das Ergebnis keinem verraten (nicht mal ihr selbst, wenn sie es dann doch nicht wissen will ;)). Sie will drüber nachdenken.

Mit dem Mathe-Lehrer haben wir bisher nicht über ihr Problem gesprochen. Sie ist ja erst seit August an der Schule und wir wollten erst Mal sehen, wie es läuft. Eigentlich möchte sie auch nicht, dass wir mit dem Lehrer sprechen. Es ist ihr peinlich. Sie mag den Lehrer und will nicht, dass er denkt, sie sei blöd :schwitz: Tochter sagt, dass der Lehrer zwar nett ist, aber nicht gut erklären kann - jedenfalls nicht so, dass sie es versteht. Sie fragt aber auch nicht nach - das ist peinlich... Wir wollen halt auch nichts gegen ihren Willen machen. So etwas geht bei ihr gern nach hinten los.

Bei uns in der Nähe gibt es eine "Nachhilfe-Schule". Die geben Einzel- und auch Gruppen-Unterricht (mit 3-5 Kindern), machen Ferienkurse, Prüfungsvorbereitung usw. Da arbeiten mehrere Nachhilfelehrer/innen, die man auch wechseln kann, wenn es mal nicht "passt". Man kann sich kostenlos beraten lassen und das Kind kann an einer kostenlosen Schnupperstunde teilnehmen. Dazu wäre Tochter bereit, so lange wir niemandem davon erzählen - auch dem Bruder nicht. Was der "Spaß" kostet, wissen wir noch nicht. Aber wir sind inzwischen an dem Punkt angekommen, dass wir lieber Geld ausgeben, um die Lösung der Mathe-Probleme erfolgreich anderen zu überlassen, als uns den Stress hier zu Hause weiter anzutun ;). Es geht der ganzen Familie nicht gut dabei. Ich denke, wir werden uns dort mal beraten lassen und dann weitersehen.

Gruß
Auguste
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » So 29. Dez 2019, 02:15

Jaaa, das klingt nach sehr ähnlichen Kindern.

Das räumliche Vorstellungsvermögen mit dem des Bruders zu vergleichen, ist wohl vorn vornherein unfair.
Das ist einer der wenigen Dinge, wo es nachweislich Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt bzw haben da die Hormone einen wesentlichen Einfluss. (So weit, dass sich die Leistungen bei entsprechenden Tests im Verlaufe des weiblichen Zyklus merklich verändern!)

Wie es bei räumlichen Figuren bei Tochter ist, weiß ich grad nicht, aber zumindest hat sie den gleichen schlechten Orientierungssinn wie ich und die Oma.
Mein Vater dagegen muss nur einmal an einem Ort gewesen sein und findet sich noch Jahre später und bei veränderten Verhältnissen (z.B. einem abgeholzten Wald, neuen Gebäuden) spontan dort wieder zurecht.
Ich finde mich mitunter selbst an Orte nicht einfach so zurück, wo ich schon mehrmals war. Es sei denn, ich habe mir bewusst gewisse "Raummarker" eingeprägt.
Bei Tochter habe ich das auch schon beobachtet, dass sie bspw spontan in die falsche Richtung läuft u.ä.
Dafür hat sie ein glänzendes Gedächtnis für Details am Wegrand, die die schlechte räumliche Orientierung wieder wett machen...

Also lass dich von sowas nicht irritieren und du solltest deiner Tochter auch sagen, dass das ein "Männertalent" ist und es nichts über sonstige Intelligenz (z.B. gegenüber der des Bruders) aussagt.

https://www.spektrum.de/magazin/geschle ... gen/824195
Zuletzt geändert von sinus am So 29. Dez 2019, 11:08, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » So 29. Dez 2019, 02:23

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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » So 29. Dez 2019, 02:27

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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » So 29. Dez 2019, 02:28

...berichte bitte weiter, was die Nachhilfe betrifft und ob und wie es deiner Tochter hilft!
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon charlotte12 » So 29. Dez 2019, 14:32

Bei meiner Tochter beobachte ich auch ähnliches, ich hatte an anderer Stelle vor längerem schon etwas dazu geschrieben. Vor der Einschulung klappte der Zehnerübergang, danach nicht mehr und sie begann, sich ans Abzählen zu klammern, was wir mühsamst im Verlauf von Klasse 3 einigermaßen in den Griff bekamen. Aber sie hat bis heute keinen Standardweg für die Grundrechenarten, vergisst die Standardwege wieder, verweigert sie, kann mir nicht sagen, wie sie auf Ergebnisse kommt, hat zwischendurch super-tolle Lösungsansätze, auf die ICH nie gekommen wäre, die sie dann aber auch wieder vergisst. Hasst Mathe, findet das Fach unnötig und besteht seit neuestem auch darauf, dass Mathe eben ein Jungsfach ist - was mich so richtig wütend macht, mich würde interessieren, wer dem Kind das beigebracht hat :evil: Sie schreibt bisher ordentliche Noten, daher ist Nachhilfe kein Thema. Ich finde ja, es würde ihr gut tun, die Grundrechenarten öfters einfach zu trainieren, schaffe es aber nur vor Arbeiten oder bei seltenen Anwandlungen von Spaß an der Sache (in der Regel zur Bettgehzeit :roll: ), das dann auch wirklich mit ihr zu üben.

Aber so wie du das bei euch schilderst, Auguste, würde ich sofort dieses Nachhilfe-Institut in Anspruch nehmen, schon um des lieben Friedens willen. Problematisch finde ich bei euch, dass diese Fingerzählerei immer noch nicht weg ist und das Mengenverständnis nicht gut ist - da wäre ein Fachmann gut, der genau da einhaken kann, nicht irgendein Mathe-Student. Kopfrechnen wird in den oberen Klassen immer unwichtiger, ich kenne ein ehemaliges "Zählkind", das immer mühsam rechnete und jetzt in der Oberstufe zum Mathe-Crack mutiert ist - das Kind ist meiner Meinung nach mathematisch so richtig begabt, hat sich nur das Rechnen-Lernen mit dieser ewigen Zählerei selbst geblockt. Was mir auch Sorgen machen würde, ist das, was sinus berichtet - wenn die 1er, 10er und 100er vertauscht werden. Kann es sein, dass das Dezimalsystem nicht richtig verstanden wurde? Dann muss man genau da einhaken, auch wenn das Kind schon in Klasse x ist und das eigentlich Stoff von Klasse 1 oder 2 war. Es gibt ja auch hochbegabte Kinder mit Dyskalkulie, aber oft ist es wohl einfach so, dass bei den Grundlagen ein Detail nicht oder falsch verstanden wurde und deshalb der ganze Aufbau nicht stimmt - so war es auch bei meiner Tochter mit dieser Fingerabzählerei. Das Abzählen klappte, daher hat sie die ganzen folgenden Rechentricks nicht verinnerlicht sondern alle Aufgaben mit ihrer Abzählerei gelöst, die anstrengend, langsam und rundum ätzend war und nicht gerade die Freude an Mathe förderte. Die Fähigkeit, schnell und sicher im Kopf zu rechnen, und die Fähigkeit, in höheren Klassen bzw. im Studium, komplexe mathematische Probleme zu lösen, haben wohl auch erstaunlich wenig miteinander zu tun, es gibt brilliante Mathematiker, die im Kopfrechnen ziemlich mäßig sind. Und auch innerhalb der Mathematik selbst gibt es verschiedene Begabungen, den einen liegt eher Geometrie, den anderen Analysis usw.
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Re: Nachhilfe in Mathe?

Beitragvon sinus » So 29. Dez 2019, 14:58

@Charlotte: Nee, das mit den Verwechslungen ist einfach Unkonzentriertheit und mangelnde Übung beim Kopfrechnen. Das Kopfrechnen im Tausenderraum und drüber strengt sie so an, dass sie dann eben auch mal versehentlich die Zehner wie Hunderter behandelt u.ä.
(Oder bspw von 16 x 16 nur die 6 x 6 rechnet und dann nur 36 einsetzt, statt 256)
Sowas passiert mir selbst aber auch manchmal. :?

Sie rechnet übrigens bspw bei x 5 immer erst x 10 und dann durch zwei, weil das meist einfacher ist.
Oder addiert wie der kleine Gauß von außen nach innen. (addiert 1+2+3+4+5+6 nicht von 1 bis zur 6 auf, sondern rechnet 3x7 aus (1+6) + (2+5) + (3+4))
Solche Ideen hat sie öfters mal, also ihre Denkansätze sind schon richtig gut. Aber an der Umsetzung hapert es dann halt oft.
UND - GERADE durch ihre vereinfachten Rechenwege "hintenrum" kann sie dann - glaube ich - anders als "Normalrechner" vieles nicht auswendig, was diese nach eine Weile dann einfach WISSEN und darum erst gar nicht mehr rechnen müssen.
Bspw dass 25 x 5 = 125 ist. Das WEISS ich (und andere Kinder in dem Alter wohl auch) einfach aus Erfahrung, sie muss das immer noch erst ausrechen. Sie würde 25 x 10 = 250 durch 2 = 125 rechen und ist dann natürlich frustriert, dass ich/andere das Ergebnis viel schneller haben. Weil sie eben bei sowas gar nicht mehr erst losrechnen müssen...
Für sie fühlt es sich dann natürlich so an, als sei sie sehr viel langsamer als alle anderen und ihr Rechenweg der dümmere.

Und gegen das Abarbeiten vorgegebener Lösungswege scheint sie richtig eine innere Abwehr zu haben. Ich denke, darum vergisst sie das auch immer wieder so schnell. Weil es eben nicht "ihres" ist.
(Ist bei anderen Dingen auch so - man darf ihr auf keinen Fall bei irgendeiner kniffligen Aufgabe, bspw bei einem Spielzug helfen... dann macht sie es gerade anders, selbst um den Preis, dass es dann schlechter klappt, als wenn sie den guten Rat angenommen hätte)
Denn an sich hat sie ja ein wirklich phänomenales Gedächtnis. Nur für Rechenwege irgendwie scheints nicht :P

Mein Bruder und mein Vater haben übrigens beide Mathematik studiert und es ist hier der running Gag, dass ausgerechnet die studierten Mathematiker mit Abstand am schlechtesten (Kopf-)Rechnen können.
Leider muss Kind ja jetzt noch gut 2 Jahre ohne Taschenrechner auskommen...
Ich denke und hoffe übrigens auch, dass es danach für sie vielleicht besser wird, weil der Taschenrechner so schön schnell ist und sie ihren Kopf, der sich selbst immer schon vorauseilt, dann nicht für die Kopfrechnerei immer wieder "drosseln" muss... denn genau da passieren ihr dann die Fehler bzw verliert sie den Hauptweg aus den Augen.

Bei der Kleinen werde ich jetzt drauf achten, dass sie das Kopfrechnen und die Malfolgen in der Grundschule ausreichend übt. Da die Große ja nie für irgendwas üben musste und quasi alles von allein ging, hab ich da auch nicht drauf bestanden, dass sie da mehr als unbedingt nötig macht. (in Kasse vier wurden die Mathearbeiten bei ihr dann erstmalig schlechter, öfters mal 2, als 1. Aber für mich war das damals noch kein Grund, einzugreifen )
Aber ich habe jetzt draus gelernt, dass das Automatisieren von Rechenaufgaben doch sehr wichtig ist und das eben nur über viele Wiederholungen klappt.
Vielleicht gibts ja auch irgendeine spannende/spielerische Software, mit der man sowas trainieren kann...
Für die Große ist das wohl zu spät, aber bei der Kleinen werd ich das bissle genauer im Auge behalten.
sinus
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