Schulwahlfrage Grundschule

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon sinus » Fr 24. Jan 2020, 14:37

...das kommt mir alles nur zu bekannt vor und es scheinen die "üblichen" Probleme und Reaktionen Hochbegabter in der Schule zu sein.
Ich drücke euch echt von Herzen die Daumen, aber meine Erfahrung und was man u.a. auch hier so liest, zeigt aber eher, dass da nicht allzuviel zu erwarten ist. :?
Die Lehrerin meiner Großen war grundsätzlich auch aufgeschlossen und uns äußerst zugewandt, trotzdem wurde sogut wie nichts langfristig und sinnvoll umgesetzt. 2-3x im 4. Schuljahr bekam meine Tochter in Deutsch/Sachkunde eine ihr angemessene Aufgabe. Eines davon war ein Vortrag, eins davon eine Hausaufgabe, wo sie einen Werbesport animieren/programmieren durfte, statt eines Plakates, wie die anderen. Das Ergebnis war ein wirklich deutlicher Motivationsschwung - also man merkte, wie gut es ihr tat und endlich machte sie sich mal wieder engagiert an eine Sache ran.
Aber mehr als das war im gesamten 4.Schuljahr für sie nicht drin.
In Mathe gab es in einer Arbeit mal testweise schwerere Aufgaben für einige ausgewählte Schüler.
Das blieb das einzige Mal, ansonsten besorgte die Lehrerin (ungefragt und auf meine Kosten) ein Förderheft "Mathematik für Hochbegabte" mit kniffeligen Logikaufgaben, in das mein Kind dann aber nie Zeit hatte, in Ruhe reinzuschauen und sich einzudecken, weil zunächst reichlich langweilige Pflichtaufgaben im Unterricht zu lösen waren.
Mathematik war und ist übrigens ihr absolutes Hassfach. Und das, wo sie ihr Peak im logischen Schlussfolgern hat und man meinen sollte, dass ihr Mathematik da an sich doch liegen sollte.
Das einzige, was nach dem Gespräch langfristig "funktioniert" hat war, dass sie hinfort im Unterricht unbehelligt malen durfte. Bei der Klassenlehrerin.
In Mathe war es verboten. Da war selbst versonnen aus dem Fenster Schauen verboten.
Von manchen Eltern unterforderter Kinder habe ich schon gehört/gelesen, dass diese im Unterricht nebenbei lesen durften.
Sowas durfte meine Tochter nicht.
O-Ton: "Dann wollen das hier alle anderen bald auch, wo kommen wir denn da hin?"
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 24. Jan 2020, 17:16

Leider muss ich eure Erfahrungen bestätigen. Für meinen Sohn war in der Schule mit Begabungsförderung spätestens ab Klasse 3 Schluss mit Aufgaben auf seinem Niveau in Deutsch und Sachunterricht. Da es eine Mehrstufenklasse ist, war es in Klasse 1 und 2 noch kaum ein Problem, er bekam einfach die Aufgaben der Dritt- und Viertklässer. Wobei das auch nicht immer geklappt hat. Ich erinnere mich an seine Verzweiflung, wo er, als der Buchstabe Ä gelernt wurde, schriftlich etliche Mehrzahl-Wörter damit bilden musste: der Schwan - die Schwäne, das Haus - die Häuser,... sicher 30 Wörter! Für ihn war es Frust pur, denn das hatte er mit 5 Jahren bereits gekonnt! Vermutlich ging es ihm dabei, wie einem Erwachsenen, dem man ein paar Duplo-Steine hinlegt und sagt "Na, spiel mal schön!" :P . Aber diese Dinge ließen sich mit Gesprächen mit den grundsätzlich kooperativen Lehrerinnen minimieren.

Ab Klasse 3 wurde es schwieriger mit angepasstem Lernstoff, weil er in Deutsch und Sachunterricht bereits so weit war, dass ihn auch Viertklässler-Stoff gelangweilt hat. Ich weiß noch, dass es bei Schuleinstieg auf mein Nachfragen geheißen hat, wenn der Grundschulstoff nicht mehr ausreicht kann das Kind auch in der 4. Klasse Gymnasium-Material bekommen. Nun, mein Sohn ist jetzt in der vierten Klasse, aber von Gymnasium-Material habe ich noch absolut nichts bei ihm gesehen. Er wiederholt in seinen Deutsch-Grammtik-Heften zum x-ten Mal Dinge, die er großteils schon vor Schuleintritt wusste. Das einzige, was er im vierten Schuljahr doch noch gelernt hat, ist Schreibschrift. Das hatte er vorher ja lange verweigert und alles in Druckschrift geschrieben.

Aber die Lehrerin, die damals zugesagt hat, auch Gymnasiumstoff zu geben, ist ja auch längst nicht mehr in seiner Klasse. Ihre Nachfolgerin auch nicht...naja....

Wobei ich mich - wenn ich eure Geschichten lese - insgesamt absolut nicht beschweren will. Ich bin froh und dankbar, dass aus den immer noch vorkommenden Verhaltensauffälligkeiten meines Sohnes kein Drama gemacht wird, dass er ohne offiziellen Nachteilsausgleich im Turnunterricht nicht am Teamsport teilnehmen muss und dass die Lehrerinnen nach individuellen Lösungen suchen, wenn sie merken, dass mein Sohn von einer erwarteten Aktivität autismusbedingt überfordert ist. Vor allem aber darf er im Unterricht seine geliebten Comics lesen, wenn er seine Arbeiten erledigt hat. Das ist nicht mal eine "Extrawurst", denn das dürfen alle flotteren Kinder, die ihre Aufgaben erledigt haben :) . Ohne diese Option hätte sich der Unterricht mit meinem Sohn sicher noch um einiges schwieriger gestaltet. Denn wenn ihm sehr langweilig ist, macht er Blödsinn! Und die Aussicht, nur noch schnell die paar Lernwörter abschreiben zu müssen, und dann die Auswahl aus einem ganzen Schrank "lustige Taschenbücher" zu haben, hat ihn doch immer wieder bei der Stange gehalten.

Ich frage mich echt, was so schlimm oder demoralisierend sein soll, wenn ein Kind, das mit seinen Aufgaben fertig ist, im Unterricht leise liest? Auch bei uns gibt es Klassen, wo das nicht erlaubt ist, mir erschließt sich nur die Sinnhaftigkeit nicht. Auch das Argument "das wollen sonst alle" verstehe ich nicht - dann sollen es doch ALLE dürfen - sobald sie mit ihren Arbeiten fertig sind und unter der Bedingung, dass sie sich dabei leise verhalten! Ich kann mir vorstellen, dass malen oder lesen zu dürfen auch bei langsameren Kindern ein positiver Anreiz sein kann. Und es ist ja nur dann erlaubt, wenn das Kind seine "Pflichten" bereits erfüllt hat.

@Meine3: Dein Sohn ist laut Klassenlehrerin das einzige Kind, welches nicht die Fleiß-Hausaufgaben macht? Dann ist nicht er extra faul, sondern die anderen Eltern sind vermutlich extra ehrgeizig. Ich erinnere mich an den Streit eines Schulkollegen meines Sohnes mit seiner Mutter, weil er eben die Fleiß-Hausaufgaben NICHT machen wollte, die Mutter aber darauf bestanden hat, weil das ein "besseres Bild" macht. Zumindest von einem Mädchen weiß ich auch, dass die erledigten Fleiß-Hausaufgaben dem Zwang durch die Mutter geschuldet sind.

Mein Sohn hat nie auch nur eine einzige Fleiß-Hausaufgabe gemacht, obwohl ich manchmal versucht habe, sie ihm schmackhaft zu machen. Aber ich hätte ihn nie dazu gezwungen, was aber bei einigen anderen Eltern gängige Praxis sein dürfe. Das geben diese aber natürlich nicht zu, und der Lehrperson, die das nicht weiß, erscheint es, als wären alle diese Kinder fleißige Bienchen die mit Freunde zu Hause Extra-Arbeiten erledigen. Und wenn nur wenige Kinder diese Aufgaben NICHT abgeben, erscheinen diese natürlich als "faul".

Klassenlehrer haben offensichtlich auch eine seltsame Vorstellung von "differenziertem Unterricht" - demnach müssen die klugen Kinder zuerst mal alle langweiligen Sachen, die sie ohnehin längst beherrschen, "abarbeiten" um DANN VIELLEICHT Extra-Aufgaben zu bekommen, die, wenn sie erledigt sind, meistens nicht mal angeschaut werden. Und wenn sie das nicht begeistert tun, wird über fehlende Motivation und "Faulheit" geklagt :evil: .
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Meine3 » Fr 24. Jan 2020, 23:18

Das ist ja schon nur beim lesen alles so frustrierend. Ihr desillusioniert mich alle :fahne:...

Ich will garnicht wissen, wie’s unseren Kindern geht :?...

Ach halt, stopp! Ich weiß es ja, ich war ja auch mal eins 8-) .

Ich bin knapp über 40. Trostlos, dass das Schulsystem seither weiter vor sich hin modert und gleichzeitig gezetert und gehadert wird, weil die Deutschen in der PISA-Studie schlecht abschneiden.

Auf der anderen Seite: mei, ich hab’s auch überlebt... Grade so! :schwitz:

Sorry, wenn ich gefrustet bin, schalte ich in Galgen-Humor-Modus.


Und Rabaukenmama: den Verdacht, dass hinter den Fleissaufgaben die Eltern stecken, habe ich auch... Fragt sich nun nur: bin ich dadurch eine besonders gute oder besonders schlechte Mutti 8-)...

Sinus: zum nicht lesen dürfen: paradoxer geht es ja eigentlich nicht mehr. Das Kind geht unter anderem in die Schule, um lesen zu lernen, oft wird betont wie wichtig es sei, den Kindern Freude am lesen zu vermitteln und dann ist es verboten nach erledigen der Pflicht-Aufgaben zu lesen, weil dies sonst vielleicht alle wollen?! Gott bewahre, wo kommen wir denn da hin, wenn Kinder plötzlich alle gern lesen?? Sodom und Gomorra!! :twisted:
Gute Nacht euch
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Rabaukenmama » So 26. Jan 2020, 12:52

Meine3 hat geschrieben:Sinus: zum nicht lesen dürfen: paradoxer geht es ja eigentlich nicht mehr. Das Kind geht unter anderem in die Schule, um lesen zu lernen, oft wird betont wie wichtig es sei, den Kindern Freude am lesen zu vermitteln und dann ist es verboten nach erledigen der Pflicht-Aufgaben zu lesen, weil dies sonst vielleicht alle wollen?! Gott bewahre, wo kommen wir denn da hin, wenn Kinder plötzlich alle gern lesen?? Sodom und Gomorra!! :twisted:
Gute Nacht euch


Ich denke dass sich an dieser Einstellung schon was ändert, aber eben nur sehr langsam. Der Großteil der Kinder, die ich heute kenne, darf im Unterricht lesen, die Klassen, wo es noch verboten ist, sind schon in der Unterzahl. Wobei ich da die Beobachtung mache, dass zumindest Wien (vom Rest Österreichs weiß ich es nicht) in der Hinsicht deutlich fortschrittlicher ist als viele deutsche Städte.

Ich habe neulich in einer Radiosendung gehört, dass Schülern an Gymnasien vor 100 Jahren NICHT erlaubt war, den Professoren Fragen (den Unterrichtsstoff betreffend!) zu stellen! Das ist heute absolut unvorstellbar. So gesehen gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass zumindest in unserer Enkel-Generation Schulkinder auch während des Unterrichts lesen dürfen, wenn sie ihre Pflichtaufgaben erledigt haben.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon charlotte12 » So 26. Jan 2020, 13:19

Meine Tochter ist mittlerweile in der 4. Klasse, komplett demotiviert und ich habe es aufgegeben, um Differenzierung zu bitten. Es funktioniert nie längerfristig, egal bei welchem Lehrer. Es gab nie Feedback zu den Aufgaben, oft blieben die Aufgaben in der Schule, so dass auch ich kein Feedback geben konnte. "Highlight" waren systematisch über mehrere Stunden falsch gelöste Mathe-Aufgaben und einige damals noch liebevoll geschriebene Aufsätze, die von der Lehrkraft ungelesen einfach weggeworfen wurden. Dann lieber keine Differenzierung. Die Differenzierungsaufgaben waren auch häufig um Welten zu leicht. Und wenn sie schwierig genug waren, dann blieb mein Kind dummerweise auch mal hängen - was das Aus war, weil Fragen zum Extra-Stoff selbstverständlich nie erlaubt waren, würde ja den Unterrichtsfluss stören. Bei einer Lehrerin darf mein Kind machen, was es will, so lange es entfernt mit dem Fach zu tun hat. Mein Kind sucht sich nichts Schwieriges mehr aus sondern Dinge, die möglichst wenig Arbeit machen. Was aber immer noch von allen von mir erlebten Varianten der "Differenzierung" mit Abstand am besten ist, sorgt zumindest nicht für weitere Demotivation. Ich ärgere mich v.a., dass ich mich von den leeren Versprechungen zu differenzieren zu den Zeiten von einem Sprung abhalten lassen habe, zu denen mein Kind noch motiviert gewesen wäre. Wir hoffen auf neue Motivation im Gymnasium, sind ja nur noch wenige Monate.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 26. Jan 2020, 14:59

@charlotte

Genau dasselbe denke ich auch. Man verspricht einer Mutter Differenzierung, aber für ein 7,5 jähriges Kind mit IQ in dem Bereich, ist es schlicht und einfach unmöglich... Alles was das Kind alleine machen kann ist zu leicht, für die schweren Aufgaben in Eigenregie fehlt die Reife, und Begleitung gibt es nicht. Es sei denn, sie ist von den Eltern bezahlt, und die Schule ist so großzügig das Modell zuzulassen.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Auguste » So 26. Jan 2020, 15:41

Differenzierung in der Grundschule ist möglich. Auch so, dass sich (hoch)begabte Kinder nicht nur langweilen. Der Lehrer muss es nur wollen und können.

Ich habe es bei meinen Kindern erlebt:

Bei meiner Tochter in der Klasse konnten von 27 Kindern mindestens 3 Kinder bereits lesen und teilweise rechnen als sie eingeschult wurden. Alle Kinder haben sich in dieser Klasse und mit dieser Lehrerin sehr wohl gefühlt. Die Lehrerin hat differenziert. Da musste niemand die Pflichtaufgaben machen, wenn er sie schon konnte und sie ihn zu Tode gelangweilt haben. Es gab Extra-Aufgaben, die auch von der Lehrerin kontrolliert wurden.

Wer lesen konnte, durfte jederzeit eines seiner Bücher mitbringen, dieses der Klasse vorstellen und daraus vorlesen. Die Lehrerin hat dafür immer Zeit im Unterricht "freigeschaufelt". Die Kinder haben bereits in der 2. und 3. Klasse Vorträge ausgearbeitet und vor der Klasse gehalten. Die Lehrerein hat sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Kinder erkannt und gezielt gefördert und gefordert. Und es gab nicht nur begabte Kinder. Da waren auch Kinder mit ADHS, LRS und Dyskalkulie in der Klasse.

Beim Sohn hatten wir dann das genaue Gegenteil. Eine Lehrerin, die Differenzierung nur für lernschwache Schüler gewährt. Die klugen Kinder müssen Hochleister sein (also immer als erste fertig) und wenn nicht, dann sind sie faul und bekommen keine Zusatzaufgaben. Die Zusatzaufgaben sind nur noch mehr von dem langweiligen Kram. Extrawürste in Form von anspruchsvolleren Aufgaben als Ersatzaufgaben für kluge Kinder gibt es bei dieser Lehrerin nicht.

Da haben wir uns als Eltern den Mund in diversen Gesprächen fusselig geredet - vor und nach den Tests. Es war der Lehrerin schlicht egal. Dass unser Sohn sich im Unterricht zu Tode langweilt und auf dem besten Weg zum Schulverweigerer war, lag nach Meinung dieser Lehrerin nur an ihm und an uns als Eltern. Wir hätten gefälligst dafür zu sorgen, dass unser Sohn in der Schule schön fleißig und artig macht, was Frau Lehrerin will. :evil:

Es ist die selbe Schule - nur unterschiedliche Lehrerinnen. Hätte mein Sohn die Lehrerin der Tochter gehabt, wäre es wohl nie zur Diagnostik bei ihm gekommen.

Und dass es beim Sohn nur an der Lehrerin lag, merken wir jetzt. Neue Klasse, neue Lehrerin und der Sohn hat überhaupt keine Probleme mehr in der Schule. Er macht seine Hausaufgaben, macht im Unterricht mit und geht wieder gern in die Schule. Kein Vergleich zu vorher.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Rabaukenmama » So 26. Jan 2020, 16:21

@Auguste: An der Grundschule meines älteren Sohnes ist es exakt dasselbe - es steht und fällt alles mit den Lehrpersonen. Bezüglich Differenzierung des Lernstoffes bin ich schon länger nicht sehr zufrieden. Wenn ich dann mal am Elternsprechtag darauf aufmerksam mache ist es für ein, zwei Wochen besser, dann ist wieder der alte Trott. Dafür bin ich mit dem grundsätzlichem Umgang mit den Kindern zufrieden. Also damit, dass wirklich hingeschaut wird, was ein Kind z.B. überfordert, und dass dann individuelle Lösungswege gesucht werden. Auch das ist eine Form von Differenzierung, wenn auch nicht im Unterricht.

Es gibt an ein- und derselben Schule Klassen, wo weit mehr oder weniger erlaubt ist als in der Klasse meines Sohnes. Die Lehrer haben an dieser Schule meiner Beobachtung nach viel Freiheiten, die Klassen nach ihren Wünschen zu "führen". Und es gibt in jeder Klasse 2 LehrerInnen und jeweils 2 Klassen sind zu einem zusammenarbeitenden Team zusammengeschlossen. Wenn z.B. ein Kind absolut nicht beim Ausflug mitkommen will dann reden sich die LehrerInnen zusammen und es darf in der Paralallklasse bleiben. Das geht natürlich nur bei Aktivitäten, die nur von einer der beiden Klassen unternommen werden. Aber z.B. eislaufen gehen beide Klassen zusammen - also 4 Lehrer, rund 45 Schüler und ein paar Eltern, die Tagesfreizeit haben. Da MÜSSEN dann wirklich alle mitkommen.

Wegen lesen-dürfen habe ich übrigens auch Eltern erlebt, die mMn etwas unverschämte Erwartungen hatten. Eine Mutter hat sich ernsthaft beklagt, dass es in der Klasse keinen Lesestoff gibt, der den Interessen ihres Sohnes entspricht. Auf die Entgegnung der Lehrerin, sie dürfe ihrem Sohn gerne Bücher mit in die Schule geben, meinte diese Mutter tatsächlich, es sei doch Sache der Schule, was zu lesen zu finden, was ihr Kind interessiert! So was finde ich doch ziemlich unverfroren! Gut, ich habe zufällig Glück, weil die Comics, die mein Sohn mag, zu Hauf im Klassen-Bücherschrank stehen. Aber z.B. im Hort meines Sohnes gab es lange Zeit gar keine Comics - bis ich dann selbst einen Stapel hingebracht habe. Und sofern mein Sohn am Gymnasium weiterhin lesen darf, wenn er mit seinen Aufgaben fertig ist, und es dort KEINE Comics gibt, werde ich sicher nicht die Schule dafür verantwortlich machen :P , sondern einfach welche mitgeben!
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 26. Jan 2020, 16:30

Wenn man einem Kind erlaubt ein selbst mitgebrachtes Buch zu lesen - es ist keine Differenzierung sondern Duldung. Vorträge vor der Klasse zu halten hat meine Kinder nie interessiert. Den Zweck dieser Aktion haben sie nie verstanden. Ja, Differenzierung ist grundsätzlich möglch, aber nur innerhalb einer bestimmte Spanne, und sie ist nicht unendlich groß. Mein Kleiner ist mit Grundschulmathe durch. Er ist 6 und besucht die 2. Klasse. Was soll denn seine Lehrerin theoretisch machen? Er kann in 1000er Raum im Kopf rechnen und mit Dezimalsystem umgehen, er versteht Maße, Zeit und Co, kann Karten lesen, im Kopf Quader drehen. Es würde gerne mehr mit negativen Zahlen und Brüchen rechnen. Den Sinn dahinter hat er auch schon verstanden. Welche Art Aufgaben, die er alleine lösen kann, soll ihm seine Mathelehreirn anbieten? Für unendlich langes Try und Error hat er keine Reife. Fragen darf er nicht. Der Spagat ist einfach unmöglich.

Meine Großen hatten in den ersten zwei Jahren auch eine Lehrerin, die genauso war, wie Auguste sie beschreibt. Sie hat aber "bescheiden" selber zugegeben, dass sie die eizige im Landkreis ist, die das kann und sie hat selber hochbegabte Kinder. Sie ist mittlerweile Rektorin an einer anderen Schule. Aber selbst sie hätte es nicht geschaft meinen Kleinen mit 7 Jahren in der 1. Klasse wirklich mit dem Fach zu beschäftigen.
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Re: Schulwahlfrage Grundschule

Beitragvon alibaba » Mo 27. Jan 2020, 10:53

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