Update Entscheidung Schulwechsel

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 16. Feb 2020, 09:11

@Meine3

Ich glaube das ich keine Frust. Ich mache mein Ding, so wie es mir passt und höre gar nicht mehr auf leere Versprechungen. Die Psychologin hat das Kind nur kurz gesehen bei der Hospitation in der Klasse wegen eines anderen Kindes. Ich rufe sie an, sage, dass dem 6-jährigen in der 3. Klasse Mathe wieder zu tief ist. Das Gespräch geht dann in die Richtung, Schwächen zu suchen... Solche "Hilfe" kann man sich mit gutem Gewissen sparen.

Das Problem des Schulsystem ist das fehlende Geld und die fehlende Bildung. Da kann man reden so lange man will, so schöne ministerialseiten erstellen, aber de facto ist das Schulsystem genauso ausgerichtet wie in den preusischen Zeiten. Fleiß und Gehorsam werden am meisten belohnt. Hinterfragen wird nicht gern gesehen. Die Kinder sitzen in der 2. Klasse und schreiben mit der Feder Schreibschriftkringel. Wen interessiert es? Sie werden es nie brauchen... 3. Klasse rechnet in Mathe tonnenweise dreistelligen Zahlen in Kopf? Wer braucht das heute, wenn in der Hosentasche immer ein Taschenrechner steckt? Man hätte so viel machen können, wenn man den Mut hätten, das ganze alte Zeug abzuschüttlen. Stattdessen wird alles nur kompaktiert, und es wird reichlich neues reingestopft.

Die Welt hat sich in den letzten 15 Jahren extrem geändert. Viele Berufe, die moderne Kinder im Kopf als Wunsch haben, werden bis sie berufstätig sind, gar nicht mehr existieren. Keiner beschäftigt sich damit, den Kindern neue Berufe schmackhaft zu machen, selbst in der Oberstufe nicht. Der Kampf gegen die Informationsflut wird auch nur am Rande geführt. Gestern habe ich eine Doku gesehen, in der ein Weißer vorkam, das aus Rasismus in einer schwarzen Kirche neun Menschen umgebracht hat. Seine Begründung zu der Tat: er habe im Internet auf respektablen Seiten gelesen, dass die Schwarzen bevorzug Weiße umbringen.
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon charlotte12 » So 16. Feb 2020, 13:45

Den Effekt, dass die Lehrer bei Unterforderung nach Schwächen suchen, hatten wir auch schon mehrfach. Verschlimmert das Problem. Kind kann zwar den Stoff seit Jahren, aber das Heft wirkt leicht chaotisch? Kein Problem, dann soll das Kind zur angemessenen Förderung einfach das komplette Heft mit viel zu leichtem Inhalt nochmals in Schönschrift abschreiben. Bei diese Lehrperson habe ich danach nie wieder das Problem angesprochen, daher war aus Lehrersicht das Problem gelöst...
Die Sache mit dem verhassten Kopfrechnen habe ich noch nie aus diesem Blickwinkel gesehen, danke fürs Augenöffnen :)
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Meine3 » So 16. Feb 2020, 14:21

@Katze_keine_Ahnung

Ich sehe ebenso wie du die Ursache im gesamten, maroden Schulsystem. Wenn man Glück hat, gerät man an eine gute Lehrerin, die den Spagat hin bekommt, aber das ist eben GLÜCKSACHE. Ich bin da also deiner Meinung. Dennoch höre ich bei dir grade Frust heraus, was auch nachvollziehbar ist. Es nervt einfach, immer wieder gegen Agent Smith kämpfen zu müssen. Das ist sinnlos, ermüdend und völlige Zeit- und Ressourcenverschwendung.


@Charlotte

Dass die Lehrkräfte und Co. dann "Fehler" am Kind suchen, um zu rechtfertigen, warum nicht differenziert wird, habe ich hier ja auch schon direkt nach einem Halbjahr reguläre Grundschule erlebt.

Bei meinem Sohn ist es das "langsam und unkonzentriert arbeiten bei leichten Aufgaben" und die Feinmotorik warum die KL den Sprung nicht sieht oder nicht differenziert. Der Rektor wiederum bemängelte fortlaufend Sohnemanns "Defizite" in Sachen Impulskontrolle. Auf das Thema Unterforderung ist hier niemand wirklich eingegangen, außer halbherzig einen Sprung in Klasse 2 vorzuschlagen und im selben Atemzug zu betonen, dass nur 1 Kind in 10 Jahren tatsächlich gesprungen sei und dieses sei auch "echt" hochbegabt" gewesen, wohl bemerkt ohne Zahlenwerte meines Kindes zu kennen. Ein Glück erkennt man Hochbegabung ja an der Nasenspitze oder dem Verhalten und den "Leistungen" des Kindes :roll:.

Mein 7-jähriges 1.Klässler-Kind ist im Schnitt laut Testung kognitiv auf dem Stand eines 11 jährigen Kindes (sprachlich auf dem Stand eines 15,5-jährigen Kindes). Aber das reicht offensichtlich nicht, um zu springen oder das Kind schneller arbeiten zu lassen.

Ich sehe hier auch nicht viel Sinn, in die "Bearbeitung" der Lehrkräfte enorm viel Energie reinzustecken, wenn am Ende NICHTS bei raus kommt. Daher streben wir ja auch eher den Wechsel an eine Schule an, wo von Anfang an, bedingt durch das pädagogische Konzept automatisch mehr differenziert wird. Und es hat sich auch in den Schnuppertagen bestätigt. Zumindest mein Sohn hat vom Unterricht NUR positives erzählt und war ganz happy. Es war hier kein Problem zu sagen:" das kann ich schon." Die Lehrerin hat es abgenickt und er durfte sich anderweitig beschäftigen (mit Knobelheften, schwereren Aufgaben auf dem IPad, Spielen, die im Zimmer ausliegen). Und das reicht meinem Kind ja auch. Er erwartet ja nicht mal, ständig mit neuem "Futter" versorgt zu werden (was natürlich optimal wäre). Es sind marginale Veränderungen, die nötig wären, um für fitte Kinder ein befriedigenderes Umfeld zu schaffen.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Auguste » So 16. Feb 2020, 14:54

Ja, dass die Lehrer gern die Schwächen des Kindes hervorheben, wenn man um Differenzierung bittet, das kennen wir auch. Die Antwort auf die Bitte nach anspruchsvolleren Aufgaben war auch, dass das Kind ja insbesondere beim verstehenden Zuhören ganz schlecht sei und doch bitte das erst mal verbessern soll, bevor er in anderen Bereichen "bessere" Aufgaben bekommt.

Ähm ja, das Kind hat eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. Die ist weder heilbar noch therapierbar. Das ist so. Das bleibt so. Da hilft auch üben nichts. Das wird nicht besser. Das hat die Schule auch schriftlich vom Arzt - inclusive Anregungen, wie man dem Kind das Zuhören im Klassenraum auch ohne Technik erleichtern kann.

Aber wir bemühen uns auch gern um eine FM-Anlage, damit unser Sohn den Lehrer besser verstehen kann. Dann brauchen sich die Lehrer nur in jeder Unterrichtsstunde mit meinem Sohn ein Mikro um den Hals zu hängen und nicht vergessen, es auszuschalten, wenn sie mal aufs Klo gehen oder Sachen vor sich hin brabbeln, die er besser nicht hören sollte. Das wollten sie dann komischerweise doch nicht und dann war es auch gar nicht mehr so schlimm mit dem Zuhören :evil: Bessere Aufgaben bekam das Kind trotzdem nicht.

Wir sind so froh, dass wir diese Lehrerin los sind und die neue Lehrerin nicht auf seinen Schwächen herumreitet, sondern unseren Sohn einfach akzeptiert wie er ist und trotzdem differenziert. Bei der neuen Lehrerin ist es kein Problem, dass unser Sohn für manche Sachen länger braucht oder öfter nachfragen muss, weil er etwas akustisch nicht verstanden hat. Er darf trotzdem die schwierigen Aufgaben machen und muss sich nicht mit dem "Babykram" beschäftigen.
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 16. Feb 2020, 16:57

@Meine3

Ich würde das eher Zynismus nennen. Ich glaube kein Wort den Märchen, die mir erzählt werden. Die äußere Beratungsstelle für die HB hat mir vorgeschlagen, den Kleinen im nächsten Jahr ins Gymnasium für Mathe zu schicken. Ich habe ihnen dann gleich gesagt, ich mache das gerne mit, räumlich alles kein Thema, alles befindet sich auf einem Gelände. Aber sie organisieren das. Damit war die Geschichte dann wieder aus. Wenn ich schon weiß, dass dieses Gymnasium mit dem Großen nicht zurecht kam, dann brauche ich gar nicht mit ihnen über den 7-jährigen reden.

Diejenigen, die gute Ideen geben, haben keine exekutive Kraft. LMU hat mir damals auch tolle Ideen für die Großen gegeben, als sie in der Schule waren. Z.b. gegen Frust ihnen Player mit den Audiosachbüchern zu geben. Sag es einer Lehrerin...
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon sinus » So 16. Feb 2020, 21:58

Oh, wunderbar. Bei meiner Tochter ging keine Extraförderung, weil sie ja gar keine Zusatzaufgaben wollte. Man hatte ja Zusatzhefter angeboten, die von eingen anderen Kindern (den "fleißigen Mädchen") auch dankbar angenommen worden waren. Nur mein Kind wollte nicht/nutzte das Angebot nicht. Was solle man da denn tun... da müsse schon auch was vom Kind selbst kommen. (meine Tochter sagte - später, rückblickend - dazu, dass diese Aufgaben nur Zusatzarbeit, nicht Zusatzherausforderung boten)

Ein anderer Junge im Bekanntenkreis, der in Klasse 1 als "Kasper" auffiel und den Unterricht regelmäßig störte (der Klassiker also!), hochbegabt getestet wurde und nach diversen erfolglosen Versuchen der Eltern, für ihn etwas an Differenzierung zu erreichen die Schule wechselte (von meiner Variante A zu meiner Variante B übrigens), sollte sich "erstmal benehmen lernen, ehe man über Extraaufgaben für ihn reden könne".
Dass sein Benehmen unmittelbar mit der Langweile/Unterforderung zusammenhing, wollte wohl keiner der Lehrkräfte als Möglichkeit sehen.
Es ist echt ein Trauerspiel...
Ich bin ja jetzt Mitglied der DghK und war jetzt schon auf 2 Elternabenden rund um das Thema "Hochbegabte in der Grundschule" und die Berichte hören sich alle echt "Lehrbuchmäßig" an. Es ist immer wieder dasselbe und mir tut jedes mal das Herz weh, wenn ich diese Stories höre.
Bis hin zu Totalverweigerung schon im Grundschulalter. Ein Mädchen im Alter meiner Tochter ist aktuell in einer Tagesklinik.
Klar sind das Extreme, aber trotzdem. Wie kann es bloß soweit kommen...?
All diese tollen Kinder, voller Potential und Motivation, ausgebremst, abgestellt, als unbequeme Störenfriede abgeschrieben...
Und man kann letzten Endes so wenig dagegen tun.
Manchmal denke ich, dass es Lehrern wohl mitunter schlicht auch selbst an Intellekt fehlt, um sich in solche Kinder einzudecken. Ich versteh das irgendwie nicht - wenn man so einen Beruf hat, sollte man sich doch glücklich schätzen, solche "ungeschliffenen Juwelen" in der Klasse zu haben und mit ihnen arbeiten zu können. :roll:
Zuletzt geändert von sinus am Mo 17. Feb 2020, 16:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 17. Feb 2020, 09:14

sinus hat geschrieben:
Ein anderer Junge im Bekanntenkreis, der in Klasse 1 als "Kasper" auffiel und den Unterricht regelmäßig störte (der Klassiker also!), hochbegabt getestet wurde und nach diversen erfolglosen Versuchen der Eltern, für ihn etwas an Differenzierung zu erreichen die Schule wechselte (von meiner Variante A zu meiner Variante B übrigens), sollte sich "erstmal benehmen lernen, ehe man über Extraaufgaben für ihn reden könne".
Dass sein Benehmen unmittelbar mit der Langweile/Unterforderung zusammenhing, wollte wohl keiner der Lehrkräfte als Möglichkeit sehen.


Bei meinem Mann war es auch so, nur hat sich für ihn niemand für einen Schulwechsel stark gemacht. Er hat halt rumgekasperlt, weil ihm fad war. Die Direktorin hat den IQ-Test bei ihm nur bei der Schulpsychologin in Auftrag gegeben, um eine Rechtfertigung zu haben, meinen Mann in die Sonderschule abzuschieben (das war in der 2. Klasse Grundschule). Blöderweise zeigte der IQ-Test ein deutlich überdurchschnittliches Ergebnis (knapp unter HB), so dass daraus nichts wurde. Differenziert wurde natürlich trotzdem nicht...
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 17. Feb 2020, 09:58

Das Problem ist die Sicht auf die Gerechtigkeit. Das erlebe ich jetzt in der puren Form mit der aktuellen Mathelehrerin des Kleines. Sie ist ein sehr gerechter und konsequenter Mensch. Gerechtigkeit bedeutet für sie das gleiche für alle. Nun kommt einer, der schon von Natur aus mehr beschenkt worden ist, als die Meisten. Dann hat er noch eine Familie, die sich um ihn überdurchschnittlich viel kümmert. Dann will man auch noch, dass man ihm die Arbeit erspart oder mehr Aufmerksamkeit schnenkt? Das erscheint der Lehrerin als vollkommen ungerecht. Dabei ist sie in ihrem Gerechtigkeitssinn nicht gestört, wenn sie von einem 6-jährigen die gleiche Prazision fordert wie von einem 9-jährigen. "Wenn er schon da ist, dann muss er alle Anforderungen erfüllen!".

Hinzu kommt noch, dass die letzten freien Kapazitäten darauf verwendet werden, die wackeligen Gymnasialkandidaten durch überdurchschnittlich viel Üben dazu zu bringen, dass ihr Zeugnis fürs Gymnasium reicht. Die Eltern klatschen.

Dabei beschwert sich keine über die Ungerechtigkeit angesichts der Existenz diversen Privatschulen mit exorbitanten Kosten.

https://www.birklehof.de/der-birklehof/

Das ist dann sozial gerecht, und Extrawürste in Form von anspruchsvollen Aufgaben nicht?
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon alibaba » Mo 17. Feb 2020, 14:49

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Zuletzt geändert von alibaba am Mi 4. Mär 2020, 09:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Update Entscheidung Schulwechsel

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 17. Feb 2020, 15:22

Ein Kind mit einem Sprachverständnis von einem 15 jährigen und lebenserfahrung und Emotionen von einem 7-jährigen sitzt zwischen zwei Stühlen. Genau deswegen braucht es andere Aufgaben als die 15-jährigen, und die 7-jährigen. Denn eine Abhandlung kann es in der Tat nicht schreiben, aber bei der Bücher für 7-jährigen gähnt es vor der Langeweile.
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