Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 4. Mär 2020, 16:26

@Meine3:

So, wie du deinen Sohn und auch sein Sozialverhalten (inkl. Freundschaften) beschreibst, sehe ich eher wenige Hinweise auf Autismus. Meine Jungs sind vermutlich nicht das Paradebeispiel von Autisten, aber beide haben gewaltige Probleme mit sozialen Kontakten "auf Augenhöhe". Das, was die Rektorin und die Lehrerin der Hospitations-Klasse gesehen haben, war vermutlich ein sehr einseitiges Bild und noch dazu in vielerlei Weise falsch. So ähnlich, wie die TesterInnen der Begabungsklasse meinen Sohn sehr einseitig gesehen haben. Bei dem ist mir das Verhalten, welches er dort gezeigt hat, aber nicht unbekannt (wie das bei Dir der Fall ist), sondern wir (ich, mein Mann, die Lehrerinnen) hatte es überwunden geglaubt, weil eben so verzweifelte Auszucker in Normalsituationen schon längst nicht mehr vorkommen. Und wenn mal ein Ansatz dafür da ist kann sich mein Sohn mittlerweile schon gut selbst "wieder runterholen".

Aber mal völlig unabhängig von ADHS, Autismus und allen im Raum schwebenden Verdachtsdiagnosen - WIE willst du am Sozialverhalten von deinem Sohn "arbeiten"? Ich frage das nicht etwa ironisch sondern als Mutter, die in dieser Hinsicht wirklich schon vieles erfolglos ausprobiert hat. Ich bin immer wieder an meine Grenzen gestoßen und musste erkennen, dass Gras eben nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Wir hatten und haben sehr viele Gespräche bezüglich Sozialverhalten, Verständnis, Erwartungshaltung, usw. und mein Sohn zeigt sich in diesen Gesprächen praktisch immer reflektiert und einsichtig und er weiß auch genau, was in welcher Situation "richtig" wäre.

Die Kinderpsychologin hat das in ihrem Befund mit folgenden Worten beschrieben "Die ansonsten festgestellten Defizite im verbalen Reflektieren von sozialen Alltagssituationen zeigt M..... in der Testsituation nicht. Er verfügt in der Theorie über weit überdurchschnittliche Fähigkeiten im sozialen Verständnis."

Dieser Satz spiegelt deutlich unser Dilemma: mein Sohn WEISS sehr wohl was richtig und falsch, angebracht und fehl am Platz, passend und "zu viel" oder "zu wenig" ist. Das ändert aber nichts daran, dass er auf dieses Wissen in für ihn belastenden sozialen Situationen nicht zugreifen kann und instinktiv falsch reagiert. Da hilft auch nicht noch so viel reden. Wir sprechen trotzdem im Nachhinein über alles, weil ich einerseits kein Tabu draus machen will und es andererseits nicht schaden kann, was im Nachhinein zu reflektieren. Auch glaube ich dass meinem Sohn mein Verständnis für manches gut tut, weil er sich selbst oft sehr ärgert, wenn er wieder falsch reagiert hat. Mein Verständnis ist nicht gespielt, sondern echt. Ich hatte als Kind exakt dieselben Schwierigkeiten und erinnere mich noch gut, wie sehr ich selbst darunter gelitten haben. Da noch zusätzlich Vorwürfe zu machen oder besserwisserische Vorträge zu halten liegt mir daher fern. Ich weiß, dass mein Sohn sein Verhalten selbst sehr gern ändern würde - wenn er es könnte!

Was meinem Sohn zeitweise etwas hilft ist, ihm manche Situationen, von denen ich weiß, dass sie für ihn viel Stress darstellen, einfach zu ersparen. Der Teamsport im Turnunterricht ist so ein Beispiel. Es ist vereinbart, dass er dabei nicht mitmachen muss, aber dafür eine 2 im Zeugnis bekommt. Auch so Dinge wie Schülerdemo (tausende fremde Kinder in fremder Umgebung und ohne Rückzugsmöglichkeit) erspare ich ihm, wenn möglich. Andere Dinge, die zwar auch etwas stressig sind, wo ich aber weiß, dass er sie einerseits schaffen KANN und dass sie ihm andererseits auch Freude bereiten, traue ich ihm hingegen sehr wohl zu. Dazu gehören z.B. auch die Projekttage seiner Klasse.

Daher frage ich mich immer, wenn ich von anderen Eltern höre (oder lese) "Wir wollen am Sozialverhalten unseres Kindes arbeiten", was damit gemeint ist. Was kann man noch machen? Gut, es gibt so Sozialkompetenz-Gruppen, aber zumindest hier (in Wien) sind die sehr teuer (45 Euro für 45min IN DER GRUPPE) und außerdem haben sie schulunfreundliche Zeiten (ab 13h45 wenn bis 13h Schule ist), schaffen wir also nicht.

Wir haben Einzelstunden bei einer Kinderpsychologin genommen, die speziell an Sozialkompetenz und Frusttoleranz gearbeitet hat. Wir haben auch medikamentöse Einstellung (in Absprache mit dem KJP) ausprobiert. Nichts davon hat was gebracht. Am ehesten vermute ich noch, dass das Neurofeedback einen Effekt hatte, aber das ist ohnehin zu teuer, um es längerfristig regelmäßig (wöchentlich) zu machen. Daher meine Frage, wie ihr das machen wollt. Habt ihr einen konkreten Plan? Habt ihr professionelle Unterstützung? Was wollt ihr zukünftig anders machen als bisher?

Sorry wenn Dir meine Fragerei auf die Nerven geht, aber es interessiert mich wirklich sehr! Sonst wünsche ich euch natürlich alles Gute und dass ihr einen Weg findet, wo sich dein Sohn bestmöglich wohl fühlen und vor allem er selbst sein kann ;) .
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 4. Mär 2020, 17:19

Ich unterschreibe voll und ganz. Man kann das Sozialverhalten innerhalb eines bestimmten Rahmens nur bei den Kindern ändern, die auf Belohnungssysteme ansprechen. Meine Kinder sind es nicht. Daher nehme ich Abstand von allen Pädagogen und Theorien, die meine Kinder defizitär auffassen und versuchen wollen an den vermuttlichen Defziten herumzubasteln. Wie die Erfahrung zeigt, ändern sich solche Größen wie Teamfähigkeit und Toleranz je nach Umgebung erhelblich. Die Mathelehrerin meines Kleinen will allen Kindern das ordentliche Arbeitsweise antrainerien. Alle müssen die gleichen Aufgaben von A bis Z erledigen. Der Kleine hatte heute eine Liste aus vier Seiten, die er hätte nachholen müssen. Das Ergebnis ist eine extrem schludrige Arbeit, ein unzufriedenes Kind. Außer Enthropie im Universum hat keiner was gewonnen. Dabei wollte die Vertretungslehrerin (seine Klassenlehrerin ist krank) das er ubedingt noch die verpasste Deutschstunde nachhollt. Ich habe ihr nur einen kurze Mitteilung geschrieben, dass mein Unviersum in Absprache mit der Klassenlehrerin anders funktioniert... und ratet mal, wer die Vertretungslehrerin ist? Die Schulpsychologin, mit der ich hätte abstimmen sollen, wie man den Kleinen richtig beschäftigt!
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Mi 4. Mär 2020, 19:11

Hallo ihr beiden,

Ich wollte erst einmal rausfinden, was genau dem Jungen „fehlt“. Sprich jetzt Ergo suchen und starten, ggf. nochmal eine Beratungsstelle aufsuchen, etc.

Laut unserem Rektor ist die Pauschsllösung für fast alles ja: SPORT :mrgreen: 8-).

Vielleicht schauen, dass ich Sohnemann in einem Schachclub unterbringe, zum geistigen Ausgleich und Kontakte knüpfen.

Und, ja: die Rektorin hat was von einer sozialen Integrationsgruppe für Kinder erzählt. Da mal schauen...
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 4. Mär 2020, 19:41

Ja, SPORT statt Schule wäre eine gute Lösung :lol:
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 10:19

Rabaukenmama hat geschrieben:@Meine3:Sorry wenn Dir meine Fragerei auf die Nerven geht, aber es interessiert mich wirklich sehr! Sonst wünsche ich euch natürlich alles Gute und dass ihr einen Weg findet, wo sich dein Sohn bestmöglich wohl fühlen und vor allem er selbst sein kann ;) .


Ach, du nervst doch gar nicht. Ich werte das eher als Interesse an unserer Situation, wahrscheinlich, weil dein Großer und mein Großer in manchen Bereichen ähnlich zu ticken scheinen, was doch nichts negatives ist. Kritisch hinterfragen ist in einem Forum ja erwünscht und erlaubt :fahne:.

Aber um das klar zu stellen: Ich versuche nicht mein Kind "zu ändern". Der ist okay wie er ist und ich liebe ihn auch genau so. Nichts desto trotz trägt er mich oft über meine Grenzen, nicht nur mich, auch meinen Mann. Hier brauchen wir Hilfe. Und besonders für meinen Mann scheint das schwierig zu sein, zu akzeptieren, da wir eigentlich sehr kompetente Eltern sind ;). Sich dann einzugestehen, dass der Umgang mit dem eigenen Kind die Kompetenzen dann doch teilweise übersteigt und man nicht mit allem allein fertig werden MUSS, ist nicht so einfach. Da braucht vor allem mein Mann noch ein wenig Zeit. Ich bin soweit 8-).

Ich möchte ihm und UNS helfen mit gewissen Dingen so umzugehen, dass es für ihn und somit für uns leichter ist den Alltag entspannter zu erleben und sich in der Gesellschaft besser zurecht zu finden. Das bedeutet gar nicht unbedingt konkrete Maßnahmen, außer eben die, dass ich am Ball bleibe, was die Ursache seiner "Probleme" angeht, in dem ich schon vorher genannte Punkte in Angriff nehme. Desweiteren rufe ich mich selbst mal wieder 8-) zu mehr Geduld und Umsicht auf. Er ist wie er ist, er hat große Stärken (auch im sozialen Bereich), aber auch deutliche Defizite. Ob sich das noch "rauswächst" und er einfach mehr Zeit braucht, sprich in diesem Bereich einfach eine verzögerte Entwicklung durchläuft, die asynchron zu seiner kognitiven Entwicklung stattfindet und das auch seine Unausgeglichenheit erklärt oder ob er tatsächlich eine psychische Störung hat, das wird sich hoffentlich bald herausfinden lassen.

Generell wird für mich immer deutlicher, dass er mit Anpassung an neue Situationen einfach ein Problem hat. Das gilt für große Umstellungen (Umzug, Kitawechsel, Schulbeginn) ebenso wie für die kleinen Dinge (Urlaub, Beginn des Abendrituals, Ende eines Spiels und Übergang zur nächsten Aktion, Stichwort Sport, etcpp.). Zur Zeit treibt es mich zur Weißglut, dass er gefühlt IMMER eine zweite, dritte oder gar vierte Aufforderung braucht, etwas zu beginnen, weil er grade liest (z.B. Zeit zum Essen, anziehen oder Zähneputzen). Dann kommt immer erstmal keine Reaktion und dann ein:" nur noch kurz fertig lesen." DAS kann aber dann manchmal dauern :roll: :lol: ...

Er KANN sich anpassen an neue Situationen braucht dafür aber oft länger als viele andere Kinder seines Alters. Das ist schon ein Muster, dass sich so durchzieht und eine Anpassungsstörung wurde bei ihm nach dem Kitawechsel ja auch diagnostiziert. Allerdings gibt es auch Ausnahmen in diesem Muster, wo er ganz schnell und normal von einer Aktion, von einem Ereignis zum nächsten "wechseln" kann ohne Probleme...

Es ist nicht so, dass etwas grundsätzlich FEHLT (soziale Kompetenz, Wahrnehmung von Gefühlen anderer o.ä.), sondern dass bspw. Dinge wie Erkenntnis, dass er grade andere "nervt" oder dass es jetzt Zeit ist mit Quatsch machen aufzuhören, oder dass man bestimmte Regeln befolgen MUSS, damit ein Miteinander funktionieren kann, einfach nicht ganz so schnell "ankommen" wie beim Durchschnitt. Und das im Vergleich zu seiner sonst so enorm schnellen Auffassungsgabe wirkt paradox und wird besonders von Pädagogen und Erziehern dann eben auch als "mutwillig" ausgelegt, was nicht der Fall ist.

Sein Jähzorn, der phasenweise sehr ausgeprägt ist, aber am amderen Tagen ist er wieder überaus verständig, kooperativ und einsichtig, ist auch eine Sache, wo wir Strategien entwickeln müssen, die ihm helfen das besser zu regulieren. Wie genau? Keine Ahnung. Ich denke das wichtigste ist: Geduld und sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass man ihn bei solchen Dingen nicht überfordern oder zu viel von ihm erwarten darf, nur weil er in vielen Dingen wie ein kleiner Erwachsener wirkt. Auch merke ich, dass er sehr auf die Schwingungen von uns Eltern "reagiert". Sind wir im Lot und ausgeglichen, so fällt ihm das grundsätzlich sehr viel leichter, sich in Punkto Ungeduld und Jähzorn zu regulieren. Somit müssen grade auch wir Eltern hier noch dran "arbeiten"...
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 10:30

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Dabei wollte die Vertretungslehrerin (seine Klassenlehrerin ist krank) das er ubedingt noch die verpasste Deutschstunde nachhollt. Ich habe ihr nur einen kurze Mitteilung geschrieben, dass mein Unviersum in Absprache mit der Klassenlehrerin anders funktioniert... und ratet mal, wer die Vertretungslehrerin ist? Die Schulpsychologin, mit der ich hätte abstimmen sollen, wie man den Kleinen richtig beschäftigt!


:?

...Das ist der wieder: Agent Smith...
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 10:34

Und zu guter Letzt eine weitere Zwischenmeldung von der jetzigen Schule:

Gestern war die Schulanmeldung der Mittleren. Bei dieser Gelegenheit sprach ich am Ende des Anmeldegespräches noch den "Nicht-Wechsel" des Großen an. Der Rektor war zuvor schon sehr offen und freundlich auf uns zugegangen (zuckersüß ;) ), die INteraktion zwischen meine Tochter und ihm war gerade zu herzig. Die scheinen sich um einiges besser zu verstehen, als mein Sohn und der Rektor 8-). Klar. Sie ist ja auch mega-angepasst, höflich und eher abwartend.

Er sagte zur Situation mit Sohnemann von sich aus:" Wir bekommen schon ein gutes Setting für XXX hin. Gerne können wir nach ihrem Gespräch mit Frau XXX (der KL) über entsprechende Maßnahmen sprechen, wie den probeweise Sprung oder ähnliches."

Erstaunlicherweise stehen uns hier also alle Türen offen, THEORETISCH. Ich gehe zwar davon aus, dass das auch wieder nur heiße Luft ist, aber damit kann man ja arbeiten 8-). Eventuell hat es was geholfen, dass ich der KL kurz vor der Hospitation per Mail zwischendurch den Verlauf des Gespräches mit dem Rektor rück meldete. Ich könnte mir vorstellen, dass die KL und der Rektor sich dann nochmal unterhalten haben und die KL dem Rektor Informationen über Sohnemann Potenzial preis gegeben hat, die ihm vorher nicht bekannt waren (da er ihn nur durch den Sportunterricht kannte)...

Das bedeutet, ich werde auf jeden Fall den Vorschlag mit dem Sprung nochmal aufgreifen und da ganz genau nachfühlen (wer wäre die neue KL, wie genau würde der "probeweise Sprung" von statten gehen, was wird vom Sohn genau "erwartet, etcpp.).

Ich melde mich wieder...

Gruß Meine3
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 12:32

@Meine3

Warum hast du aus der Erfahrung mit der alten Schule deine Mittlere nicht gleich auf der Schule mit dem besseren Konzept angemeldet? So wie du es beschrieben hast, klingt die andere Schule nach einem perfekten Ort für sie.
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 13:00

@Katze_keine_Ahnung

das hat mehrere Gründe:

1. logistische Gründe. Für mich ist es ziemlich schwierig zwei Kinder zur selben Zeit an verschiedenen Orten abzuliefern. Auch finde ich es anderweitig recht kompliziert für die einzelnen Kinder verschiedene Schulen auszusuchen. Die ganzen Elternabende, Ausflüge, unterschiedlicher Lehrkörper etcpp. Da müssten die Vorteile schon ganz klar überwiegen, was sie nicht tun.

2. und wichtigster Grund: Für meine Tochter ist derzeit das allerwichtigste, dass sie richtig Anschluss mit gleichaltrigen Mädchen findet, idealerweise am Ort. Sie fühlt sich hier einsam und isoliert. Das ist grade ihr größtes Problem. Sie ist ähnlich gestrickt wie Sinus Tochter und braucht vor allem eine Seelenverwandte. Ihre Kindergartenfreunde sind "Notfreunde", die eigentlich nicht gut passen (ein Kind davon wird in der anderen Schule eingeschult, aber meine Tochter war von Anfang an nicht sonderlich wild drauf, mit ihm eingeschult zu werden. Sie nimmt grade immer mehr Abstand zu diesem Kind, da er sehr manipulativ ist). Die Kinder, die sie hier am Ort wirklich mag, sind bereits 1.Klässler (Parallelklasse vom sohn) an der hiesigen Schule. Sie wird sie dort wiedersehen.Für sie hätte ich es also ohnehin günstiger gefunden, die Schule am Ort zu haben, rein aus sozialer Sicht. Ich bin sicher, dass sie auch an der anderen Schule ganz schnell Anschluss finden würde, aber wie gesagt: für meine Tochter ist grade oberste Priorität passende Freunde zu finden und es ist praktisch, wenn diese im selben Ort leben.

3. Nach der Aktion mit meinem Sohn habe ich so ziemlich das Vertrauen in die soziale Kompetenz des Lehrkörpers an dieser Schule verloren und hätte kein gutes Gefühl dabei. Es war eine kurze Überlegung, aber wirklich nur GANZ kurz. Das pädagogische Konzept ist wirklich sehr gelungen und wird vor allem auch aktiv gelebt und wäre für alle meine Kinder passender. Aber mir werden da Kinder, die von der Norm abweichen zu schnell in Schubladen gesteckt und Entscheidungen getroffen ohne die Hintergründe ihres Handelns zu hinterfragen. Das hätte ich nach den Angaben, die zuvor gemacht wurden, ganz anders erwartet. Zwar wird meine Tochter nicht die selben Probleme machen wie mein Sohn (dafür eventuell andere?!), aber sowohl die Rektorin als auch die KL haben sich ja recht schnell "ein Bild" von meinem Sohn gemacht und ihn (vor allem als Person) abgelehnt. Ich hätte Sorge, dass sie meine Tochter auch aufgrund ihres Bruders dann nicht unbefangen kennen lernen können oder wollen und sie somit "vorbelastet" in die Situation geht.

An der hiesigen Schule wird auch sie sich langweilen, aber sie kann sich einfach viel besser selbst und ruhig beschäftigen als mein Sohn. Ist ihr langweilig, malt sie und das füllt sie auch aus. Das wird sie in der Schule dann auch tun (habe ich auch getan). Ich denke, bei ihr wird der Leidensdruck aufgrund von Leerlauf nicht so groß wie bei meinem Sohn.
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Re: Schulwechsel: konträres Verhalten während der Hospitation

Beitragvon Meine3 » Mi 11. Mär 2020, 12:54

Hallo,

heute hatte ich das Gespräch mit der KL unseres Sohnes. Es war sehr positiv und wohlwollend von beiden Seiten und deswegen auch produktiv.

Hier habe ich auch nochmal explizit nachgefragt ob sie Sohnemanns Sozialverhalten ähnlich einschätzt wie die Pädagogen an der Hospitationsschule (nämlich: sozial komplett desinteressiert, teamunfähig, etcpp). Sie verneinte dies ganz deutlich.

Team, bzw. Gruppenarbeiten sind für Sohnemann manchmal schwierig, weil er gerne den Ton angibt oder Kindern "zu viel" erklärt, ohne dass sie es wissen wollen. Aber in Hinsicht auf:" er hat kein Interesse an Menschen und ist nicht in der Lage in Gruppen zu arbeiten", könne sie den Lehrern dort nicht Recht geben. Im Großen und Ganzen bereichere mein Sohn den Unterricht mit seinen Beiträgen und teile sein Wissen gern und sei hilfs- und kompromissbereit.

Sie berichtete mir, dass Sohnemann sich grade sehr positiv entwickelt. In Sachen Feinmotorik sei der Knoten geplatzt, hier mache er große Fortschritte und auch in der Arbeitshaltung und Motivation sehe sie eine deutliche Besserung. Da er nun nicht mehr so damit beschäftigt sei, sich über seine graphomotorischen Fähigkeiten zu ärgern (das deckt sich mit den Aussagen der Hospitationsschule: übergroßer Perfektionismus :roll: ), könne er nun auch noch mehr zeigen, was er alles kann und weiß und sie staune jeden Tag aufs Neue darüber, über welches Wissen er verfüge. Der Besuch beim Zahnarzt war auch für den Zahnarzt wohl eine Überraschung, da Sohnemann sehr fachmännisch den Aufbau des Zahnes und die Entstehung von Karies erklärt habe :lol:.

In Mathe haben wir weiterhin das Problem, dass es Sohnemann zu langsam vorwärts geht, aber der Frust hält sich hier momentan in Grenzen. Und mit Hausaufgaben gibt es aktuell KEINE Probleme. Im Gegenteil: er setzt sich von sich aus an den Tisch und erledigt von SICH aus zuerst die unliebsamen Mathehausaufgaben. Hier hat der sehr geregelte und immer gleiche Ablauf doch geholfen.

Also es "läuft" grade alles in der Schule. Seinen sozialen "Rucksack" hat er immer noch mit dabei, aber wie gesagt eher in Richtung "Grenzen der anderen respektieren" und Impulskontrolle. Es sei nicht alarmierend, aber eben eine Baustelle.

Was die kognitive "Forderung" unseres Kindes angeht: er wurde nun von der KL bei den Hector Akademien vorgeschlagen. In der Schule sind sie weiterhin auf dem Trichter, dass sie nicht großartig differenzieren KÖNNEN :|. Eventuell werde ich in den nächsten Wochen hierüber noch mal ein Gespräch mit der Mathelehrerin führen, da ja das Problem der Unterforderung insbesondere in Mathe bestand und Sohnemann im Sach- und Deutschunterricht immer gern und gut mitmacht und nicht gelangweilt scheint.

Der Klassensprung in die zweite Klasse wurde nun von der KL als realistischer und machbar eingestuft (weil die Feinmotorik nun besser passt), allerdings kam im Gespräch bei uns beiden die Frage auf, wie sinnig das grade jetzt im Moment ist, da es momentan gut klappt in der Schule und auch Sohnemann zu Hause viel ausgeglichener ist. Der Sprung ist eine Option, die wir gemeinsam im Auge behalten, sollten sich in den nächsten Wochen wieder die früheren Motivations- und Frustrationsprobleme einstellen. Aber hier arbeiten wir nun auch nach der Devise: never change a running system.

Ich werde jetzt regelmäßig schriftlich über Sohnes "Verhalten" informiert (er wird darüber auch in Kenntnis gesetzt und es läuft über ein Belohnungssystem: Stempel für gutes Verhalten, kein Stempel und eventuell kurzer Vermerk an mich, wenn es nicht so gut läuft), so dass ich hier auch zeitnah Bescheid weiß, wenn was wirklich im Argen liegt (und nicht erst ein halbes Jahr später).

Für Sohnemann ist es grade wichtig, dass sich alles ein wenig "normalisiert" und Ruhe einkehrt, von daher rühren wir jetzt erstmal nichts weiter an der momenten Situation. Alles in allem schätze ich die Situation derzeit wie folgt ein: mein Sohn hat einfach ein gutes halbes Jahr gebraucht, um im System "Schule" anzukommen und hat sich nun dort eingerichtet. Er hat gelernt, dass manche Dinge gemacht werden "müssen" und zieht da auch grade gut mit. Wenn es so weitergeht wie JETZT, haben wir keine Probleme. Allerdings sehe ich insbesondere in Mathe in naher Zukunft wieder Probleme auf uns zukommen.


Grüße

Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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