Schwerige Situation in der Klasse

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 13:10

Meiner Einschätzung nach hat die Grundschulklasse des Kleinen ein Kind, das sich zwar vor den Erwachsenen perfekt benimmt, aber sobald sie wegschauen, die Kinder ärgert und drangsaliert. Als Beispel - meinen Kind hat er während zwei Wochen zwei mal mit beiden Händen am Hals gewürgt. Ein anderes Kind hat er versucht bei einem Schulausflug durch ein Loch im Zaun auf die Gleise zu schubsen. Ich habe am Wochenende einen Wutanfall gesehen, das Kind, mittelweile fast 8 Jahre alt, schlug wie verrückt auf seinen viel älteren Bruder, mit Gebrüller und Gekreische, mit Kopf, Händen und Füßen. Der Große hattte seine Mühe ihm auszuweichen. Mein Großer hat versucht zu schlichten, aber selbst zu zwei bekam zwei 13jährige die Situation nicht in Griff.

Der Junge empfindet keine Reue und keine Gewissensbisse, klebt an meinem Kleinen trotz aller Angriffe wie eine Klette und schleicht ihm nach. Er will neben ihm sitzen, mit ihm spielen, was mein Kleiner wehenment ablehnt. Das wird aber nicht akzeptiert und die Intensität der Annäherung nimmt zu. Ich kann es mir vorstellen, welche Frust man ansammelt, wenn man ständig abgelehnt wird. Mein Kleiner ist kein schwaches Kind und den Mut hat er auch, aber gegen würgen von hinten ist er ziemlich hilflos. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Angreife eine Persönlichkeitsstörung hat, ich habe auch eine Ahnung welche. Die Eltern reagieren nicht und halten alle für kleine Jungenneckereien.

Das Problem ist, sobald ein Erwachsener zuschaut, ist es ein Musterkind. Die Schule kann nichts tun, weil sie nichts gesehen haben. Für den ersten Würgeangriff gibt es einen Zeugen, der es extrem schlimm fand. Aber die Schule kann nicht bestrafen, weil es kein Lehrer gesehen hat. Obwohl der Angriff vor der Schultür erfolgte. Kann man in so einer Situation was machen? Der Angreifer tut mir auch leid. Er ist auch hochbegabt und im letzten Jahr haben sich die Jungs gut verstanden. Mein Kleiner hielt ihn für seinen Freund, bis er rausgefunden hat, dass "der Freund" überhaupt den Begriff von Freundschaft nicht kennt. Was mache ich jetzt damit? Mir ist bis jetzt nichts besseres eingefallen, als meinen Kleinen jeden Tag wieder abzuholen und nicht alleine zum Spielplatz zu schicken. Aber so kann man doch nicht die ganze Grundschulzeit leben... und dann gibt es noch Pausen in der Schule und Ecken, die von Lehrern nicht wirklich überblickt werden.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 14:15

Wie steht die Klassenlehrerin, bzw. der Lehrkörper dazu? Wird dieses Kind verstärkt „beobachtet“?!

Mein Sohn ist genau umgekehrt, der baut oft Mist (zum
Glück nicht andere würgen(!), sondern in der Regel rumkaspern oder sich kappen oder wie im Falle der Situation auf dem Schulhof während der Situation: zuhauen, weil er „nicht weiter weiß“) wenn grade ein Erwachsener hinschaut oder daneben steht. Da ist er sehr „ungeschickt“.

Das Verhalten dieses Jungen hingegen ist verschlagenen, zeugt von einer sozialen Intelligenz und Raffinesse, da er genau WEIß, wann er sich wie zu benehmen hat! Ein Kind mit einer Wahrnehmungsstörung wäre dazu eventuell weniger in der Lage (Siehe mein Sohn). Ein Kind mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung und entsprechendem Intellekt allerdings schon. Gehst du gedanklich in diese Richtung? Wenn ja: vermutlich ist das schon getan, aber ich würde an deiner Stelle dringend mit der KL darüber ins Gespräch gehen. Du weißt ja auch nicht, wann dieses Kind aus Frust, dass dein Sohn sich distanziert, gewalttätig wird :? . Eventuell kann die KL mit den Eltern des Kindes Kontakt aufnehmen und ins Gespräch gehen.

In Falle einer dissozialen Persönlichkeizsstörung ist das Kind unberechenbar und muss von den anderen Kindern „weg“. Es kann auch einfach „nur“ großer Frust sein, oder das spiegeln von häuslicher Gewalt.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 14:57

@Meine3

Die Klassenlehrerin macht sich größe Sorgen. Sie schläft schon nachts nicht. Aber keiner schent zu wissen, was praktisch zu tun wäre. Genau in die Richtung dissozialen Störung denke ich. Die Lehrerin hat formuliert, dass das Kind zwischen Freund und Feind nicht unterscheiden kann und das extrem heimtückisch ist. Ich füge noch fehlendes Gewissen, keine Reue und schwierige häusliche Situation hinzu.

Die Lehrerin ist aber krank, vemuttlich für Wochen. Die Klasse wird Vertretungslehrern überlassen. Ich war gesten beim Rektor und habe ihn gewarnt, dass das Kind extreme Wutanfälle hat, und dann wie von Sinnen um sich schlägt. Der Rektor nahm es ernst, ging zu der Vertretung, wies sie an, das Kind im Auge zu behalten. Aber ich weiß, dass dieses Kind eine abgeschottete Ecke suchen wird, falls er den nächsten Angriff plannt.

Die Eltern haben keine Einsicht. Im Gegenteil, sie haben nach dem ersten Würgeanfall die Lehrerin bedroht, sie werden sie verklagen. Sie ist dem Kind nicht gerecht und sieht alles zu einseitig. Der Junge klebt nicht nur an meinem Kind, sondern noch einem Zweitklässler, der von der Körpergrößer zwar ein großer Bär ist, dabei aber arglos und gutherzig. Die Pause sieht so aus. Zwei Kinder spielen Karten, der Dritte will mitspielen, wird aber weggeschickt. Am nächsten Tag versuchen die zwei sich zu verabreden, wohin sie in der Pause gehen. Der dritte steht in der Nähe und lauscht, damit er weiß wohin sie gehen.

Ich empfinde das Kind als eine tickende Zeitbombe. Aber keiner kann was tun. Oder zumindest habe ich keinen praktischen Weg gefunden.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 15:41

Hallo Katze_keine_Ahnung,

das hört sich schlimm an. Ich weiß natürlich auch keine Lösung. Wir haben einen ähnlichen Fall in der Klasse von Sohnemann. Sohnemann hat bez. dieses Kindes schon geäußert (in den Ferien): wenn XXX nicht wäre, dann wäre es in der Klasse total friedlich und es wäre nicht so anstrengend.

Dieses Kind ist aber nicht so hinterlistig. Es ist gewaltätig, stört MASSIV den Unterricht und alle anderen Gruppenaktivitätetn, beschimpft andere Kinder mit wirklich wüsten Ausdrücken (die mein Sohn garnicht kennt und auch nie in den Mund nehmen würde!) und stachelt andere Jungs auf, andere zu verprügeln (auch schon mehrfach meinen Sohn). Er ist aber "bekannt", da er nicht immer ein ruhiges Plätzchen für seine Attacken auswählt.

Bei ihm ist es recht sicher Vernachlässigung. Nachdem was mir andere Eltern von dem Kind erzählt haben, ist es schon immer (auch als Kleinstkind) das erste Kind im Kindergarten gewesen und als letztes abgeholt worden, bzw. wohl auch oft "vergessen" worden. Es ist auch in der Schule in der Ganztagsbetreuung bis 17:00, jeden Tag. Ich habe den Vater kennen gelernt, so ein Businesstyp. Er war eigentlich "ganz nett", ist gut gebildet, etc. Aber vor lauter Business, scheinen die Eltern ihr Kind zu vergessen.

Kinkret zu eurem Fall fällt mir als Notmaßnahme nur eines ein: andere Eltern mobilisieren, sich auch zu "beschweren", gemeinsam auf die Barrikaden gehen, Druck ausüben, dass was passiert, die Massen mobilisieren. Die Eltern des Kindes eventuell direkt ansprechen, was natürlich sehr heikel ist. Aber in der NOT würde ich es tun.
Zuletzt geändert von Meine3 am Do 5. Mär 2020, 16:10, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 15:57

In unserem Fall ist das das Gegegenteil von Vernachlässigung. Der Junge muss viel machen, alles gewinnen und hält dem Druck des Elternhauses nicht stand. Ich habe schon versucht die Eltern zu kontaktieren. Zu aller letzt habe ich sie offen gebeten, ihrem Sohn zu erklären, dass mein Kleiner nicht mit ihm spielen möchte, weil er den Verrat nicht verzeihen kann. Sie reagieren nicht, das Kind fragt schenbar arglos meinen Kleinen, ob er mit ihm am Nachmittag schnitzen möchte. Ich habe mich wieder erschreckt. Hat der Typ auch ein Messer? Der große Bruder geht übrigens schießen. Damit ist die Geschichte komplett.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon zweierpack » Do 5. Mär 2020, 16:06

Hallo,
ich verstehe das Problem sehr gut, wir hatten dies teilweise auch mit einem Kind in der 1.+2. Klasse, das unbedingt mit meiner Tochter befreundet sein wollte, gleichzeitig aber ihr/oder meinem Sohn ansatzlos mit voller Wucht ins Gesicht treten konnte im Vorbeilaufen oder sie hat sich mehrfach mit voller Wucht auf meine schon am Boden liegende Tochter geworfen, bis die keine Luft mehr bekam usw.
Meine Tochter wollte nicht mehr befreundet sein, und ich habe jeden außerschulischen Kontakt unterbunden. Meine Tochter konnte trotzdem das Mädchen in der Schule lange Zeit nicht "abschütteln" durch nein sagen.
Auch ich vermutete bei dem Kind eine irgendwie geartete Persönlichkeitsstörung, denn solche Verhaltensweisen hatte ich bisher noch nicht erlebt, teilweise aggressiv, teilweise manipulativ, jedenfalls irgendwie erkennbar "anders"- wobei das Mädchen auch seine durchaus charmante Seite gegenüber Erwachsenen haben konnte.

Die Schule hat dann massiven Druck auf die Eltern ausgeübt, wir haben auch eine Schulsozialarbeiterin, die ebenfalls eingebunden war. Das geschah jedoch erst nachdem sich mehrere Eltern in Dauerschleife beschwert haben. Ich glaube nur über eine gewisse kritische Masse der Beschwerden von mehreren Eltern dringt man durch und wird ernst genommen.
Ich kenne keine Details, jedoch hat sich die Aggressionskomponente offenbar jetzt in der 4. Klasse deutlich gebessert, die erkennbar manipulative Persönlichkeit ist jedoch geblieben (d.h. ich traue dem Mädchen immer noch nicht über den Weg - auch wenn das schlimm klingt, so etwas über ein Kind zu sagen)
Ich war über längere Zeit auch der "Bodyguard", habe meine Kinder gebracht und geholt und ihnen eingeschärft, immer mit mehreren in den Pausen zu spielen und alles an die Pausenaufsicht sofort weiter zu geben.
ich glaube, es geht nur mit massivem, ernstgemeinten Druck der Schule, des Rektors, der Sozialarbeiter(in) etc., damit dauernde Grenzverletzungen klar gemacht werden und die Eltern sich und dem Kind Hilfe suchen. In diesem Sinne, suche dir möglichst viele Verbündete!
Viele Grüße
zweierpack
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 16:11

@zweierpack

Danke! Wir sind schon zwei Familien, die sich massiv beschweren. Auf der anderen Seiten steht der Vater des Kindes, der alles verharmlost und sagt, sein Junge wird ungerecht behandelt, und überhaupt Gewalt unter Jungen ist normal. Wie lange hat es bei euch gedauert, bis das Kind interesse an deinen Kindern nach ständigen Absagen verloren hat?
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Do 5. Mär 2020, 16:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 16:25

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@zweierpack
..und überhaupt Gewalt unter Jungen ist normal.


Ähm. Ja. Stimmt leider. Ich bin immer wieder überrascht, welchen Spaß Jungs am raufen haben können.

Aber offensichtlich hat der Mann keine Ahnung vom AUSMAß und der "Couleur" der Gewalt oder er tickt selbst ähnlich ODER er verschließt schlicht die Augen vor der Realität, weil er nicht wüsste, wie damit umgehen, wenn sein Kind ein Soziopath ist.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 16:44

@Meine3

Ich glaube, dass alle von dir genannten Gründe zutreffen. Auf jeden Fall bringt die direkte Kommunikation nichts. Ich weiß nicht, wie viel passieren muss, damit die Schule richtigen Druck machen kann. Wir sind nicht bei Minority report, und solange keiner der Lehrer was Schlimmes gesehen hat, wird alles wie gewohnt laufen. Die Eltern kommen mit der Situation nicht klar, aber so lange nichts wirklich unumkehrbares passiert, darf sich keiner einmischen. Der Vater hat dem Kind auch erklärt, dass er minderjährig ist, und vor Polizei keine Angst haben soll. Sie können ihn nicht bestrafen bis er 14 ist.

Bei Vernachlässigung kann man wenigstens mit dem Jugendamt drohen. Um die Fälle, wo Kinder von früh bis spät trainieren, um große Ziele zu erreichen, kümmert sich keiner. Während der 1. Klasse haben die zwei Jungs jede Woche sich besucht, und obwohl mir retrospektiv einige Ungereimheiten auch für jene Zeit einfallen, gab es dort keine ausgeprägte Agression oder Neid. Die größten Probleme kamen nach den Sommerferien, als der Junge für einen Wettbewerb angemeldet wurde und seitdem gar keine Zeit mehr zum spielen hatte. Ich weiß nicht, ob man Soziopathie umkehren kann, aber ich habe schon das Gefühl, das in diesem konkreten Fall die Erziheung eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Das deutsche System ist sehr tolerant und sieht nicht vor, dass der Junge "weg" kommt. Also müssen wir alle lernen miteinander auszukommen. Das einzige was ich dabei blöd finde, ist das aktuell sich nur die Eltern der von Angriffen leidenden Kindern sich ums Problem kümmern, die Freiheit ihrer Kinder einschränken, sie einweisen, in der Pause immer aufzupassen, nicht irgendwo mit dem Kind alleine zu bleiben. Die andere Seite lebt wie gewohnt, lässt ihr agressives, schlagendes Kind ohne Aufsicht zum Spielplatz gehen. Warum die Mühe? Vor dem Gesetzt ist er ja unschuldig. Die Grundschule zu verlassen kann ihn auch keiner zwingen. ... und dann kommt mein Ritter Großes Herz und sagt: "Mama, ich glaube ich lade doch den XY zu meinem Geburtstag ein. Es tut mir leid, dass er jetzt immer so alleine ist".
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Karen » Do 5. Mär 2020, 17:46

Bei uns wurde die Schule sehr schnell reagieren und Schulpsychologe einschalten. In anderen Schulen die nicht so sensibilisiert sind wie unsere, bei zwei solchen Angriffen, und wenn Schule es nicht ernst nimmt, würden viele eine Anzeige bei Polizei machen. Dann müssen die Schule und die Kinder und Erwachseneschutz Behörde reagieren. Meine Kollegin hatte so ein ähnliches Situation bei ihrer Tochter. Die Kinder sind aber älter.
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