Schwerige Situation in der Klasse

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 18:04

@Karen

Ich habe heute schon versucht die Psychologin während ihrer Sprechstunde anzurufen, aber keinen erreicht. Die nächste ist in einer Woche. Ich habe meine Zweifel ob sie gegen den Willen der Eltern was ausrichten kann. In meinen Augen ist das einzige was sie machen kann, nach meinen Beschwerden in der Klasse zu hospitieren. Sie kommt für 1-2 Stunden rein, sieht ein charmantes, hilfsbereites Musterkind und versteht dann nicht, warum sie gerufen wurde. Das Kind ist hochinteligent und würde unter Beobachtung nichts anstellen.

Ob man die Anzeige bei der Polizei gegen einen 7-jährigen erstatten kann, weiß ich gar nicht... Aber sollte es noch einen Angriff mit Zeugen geben, überlege ich mir diese Option. Noch eine Option wäre den Antrag auf den Sprung zu stellen, und den Kleinen ganz in die 3. zu schicken. Dann käme er aber in ein paar Monaten in den ganzen Stress der 4. Klasse und würde auch sein ganzes soziales Umfeld verlieren.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Meine3 » Do 5. Mär 2020, 18:42

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Meine3

Ich weiß nicht, wie viel passieren muss, damit die Schule richtigen Druck machen kann. Wir sind nicht bei Minority report, und solange keiner der Lehrer was Schlimmes gesehen hat, wird alles wie gewohnt laufen. Die Eltern kommen mit der Situation nicht klar, aber so lange nichts wirklich unumkehrbares passiert, darf sich keiner einmischen. Der Vater hat dem Kind auch erklärt, dass er minderjährig ist, und vor Polizei keine Angst haben soll. Sie können ihn nicht bestrafen bis er 14 ist.


Ich bin da nicht ganz bei dir. Wenn der Großteil der Eltern in der Klasse sich über dieses Kind beschweren würde, weil die Kinder sich beschweren, DANN müsste die Schule darauf reagieren. 'Das könnte und dürfte die KL nicht "ignorieren". Ein Sozialarbeiter oder ähnliches würde in diesem Fall mit Sicherheit hinzu geschalten werden. Wenn es bislang "nur" 2-3 Eltern von der gesamten Klasse sind, dann ist das zu wenig um, denn Fall so laut werden zu lassen, dass ohne eyewitness was getan werden kann.

Bei Vernachlässigung kann man wenigstens mit dem Jugendamt drohen.


Solang das Kind "nur" emotional vernachlässigt wird, ist das aber ähnlich wie bei euch. Das ist nicht "schlimm" genug". Und auch hier nur Verdacht auf emotionale Vernachlässigung (vieler Eltern), aber keine "Beweise". Bis auf die offensichtlichen (dass das Kind von früh bis spät fremd versorgt ist) und dafür kommt das Jugendamt nicht. Da müsste man jede alleinerziehende, arbeitende Mutter mit dem Jugendamt belästigen.

Um die Fälle, wo Kinder von früh bis spät trainieren, um große Ziele zu erreichen, kümmert sich keiner. Während der 1. Klasse haben die zwei Jungs jede Woche sich besucht, und obwohl mir retrospektiv einige Ungereimheiten auch für jene Zeit einfallen, gab es dort keine ausgeprägte Agression oder Neid. Die größten Probleme kamen nach den Sommerferien, als der Junge für einen Wettbewerb angemeldet wurde und seitdem gar keine Zeit mehr zum spielen hatte. Ich weiß nicht, ob man Soziopathie umkehren kann, aber ich habe schon das Gefühl, das in diesem konkreten Fall die Erziheung eine nicht unwesentliche Rolle spielt.


Das spricht mir gegen die Soziopathen-Theorie. Die Veranlagung ist in der Regel schon immer da. Es könnte dennoch sein, dass das Kind vorher die Veranlagung zwar schon hatte, aber nicht zum tragen kam, da das familiäre Umfeld (noch) und seine Freizeit nicht so anstrengend für ihn war... Wenn das Kind in einem guten Umfeld groß wird, kann "dagegen" noch etwas getan werden, also die Symptomatik gemildert werden. Wenn es unerkannt und unbehandelt bleibt, so ist da schwer noch was zu machen. Dem Kind sollte geholfen werden und zwar bald.

Das deutsche System ist sehr tolerant und sieht nicht vor, dass der Junge "weg" kommt.


Ein Kind, das eine Gefahr für sich und andere darstellt aus psychischen Gründen, muss, ebenso wie ein Erwachsener in psychiatrische Behandlung. In einem Extremfall würde das bedeuten: Psychiatrie. Oder zumindest bräuchte er einen Schulbegleiter und ambulante Therapie oder whatever...

Also müssen wir alle lernen miteinander auszukommen. Das einzige was ich dabei blöd finde, ist das aktuell sich nur die Eltern der von Angriffen leidenden Kindern sich ums Problem kümmern, die Freiheit ihrer Kinder einschränken, sie einweisen, in der Pause immer aufzupassen, nicht irgendwo mit dem Kind alleine zu bleiben. Die andere Seite lebt wie gewohnt, lässt ihr agressives, schlagendes Kind ohne Aufsicht zum Spielplatz gehen. Warum die Mühe? Vor dem Gesetzt ist er ja unschuldig. Die Grundschule zu verlassen kann ihn auch keiner zwingen. ... und dann kommt mein Ritter Großes Herz und sagt: "Mama, ich glaube ich lade doch den XY zu meinem Geburtstag ein. Es tut mir leid, dass er jetzt immer so alleine ist".


Dein Bub ist sehr mitfühlend. Aber er muss an sich selbst denken. Wenn er das noch nicht kann, kann er ja froh sein, dass du die Lage erkennst und ihn schützt. Ich sehe hier eine Bedrohung von Leib und Leben. Das klingt jetzt drastisch. Aber wenn der Junge wirklich so gefährlich ist, wie du annimmst, dann könnte es gut sein, dass er früher oder später jemanden ernsthaft verletzt oder schlimmer. In diesem Fall muss niemand mit ihm "auskommen". Es ist nur nötig, dass dieser Fall mehr Wind macht. 2-3 Elternteile, die meckern, das reicht nicht für die Schule um gegen den Willen der Eltern, ohne "Zeugen" (Kinder können auch als Zeugen zählen!! Irgendwer muss das doch mitbekommen haben, sonst wüsstest du doch auch nicht von diesen Attacken) aktiv zu werden. Von daher sehe ich die einzige momentane Möglichkeit die Elternschaft der Klasse zu mobilisieren.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Rabaukenmama » Do 5. Mär 2020, 18:51

Hallo Katze!

Wegen des Mitschülers würde ich keinen Sprung anstreben. Ich bin da eher bei zweierpack und würde versuchen, gemeinsam mit anderen Eltern die Tatsachen immer wieder anzusprechen. Mir ist auch klar, dass wegen einer oder auch zwei Beschwerden über ein Kind, die nicht einmal ein Erwachsener gesehen hat, nicht gleich ein Schulausschlussverfahren eingeleitet wird.

Ich kenne aus meiner Erfahrung beide Varianten: wo Zwischenfälle viel zu dramatisch dargestellt werden und wo echte Gewaltaktionen als normale kindliche Rangeleien verharmlost werden. Von der Beschreibung von Eltern und Mitschülern kann ein Lehrer, Schulpsychologe oder auch Rektor noch lange nicht wissen, wo er eine ihm geschilderte "Tat" einzuordnen hat. Daher bleibt jetzt erst mal nur abzuwarten, aber bei JEDEM Vorfall "Meldung" zu erstatten und zwar an alle, die es was angeht (Eltern des Buben, Klassenlehrerin, Rektor). Entweder die Situation entschärft sich von selbst wieder oder der Druck auf die Verantwortlichen in der Schule wird größer. Dann nach dem 10. Vorfall berichtet vom 5. Elternteil eines anderen Kindes wird es schon sehr, sehr schwer, das ganze als harmlose Kleinigkeiten abzutun.

Vor allem ist aber wichtig, den Eltern des Buben wissen zu lassen, was ihr Sohn tut. Und zwar AUCH und BESONDERS dann, wenn diese es bagatellisieren! Wenn man da nichts mehr sagt sind die nämlich der Meinung, es habe sich ohnehin alles in Wohlgefallen aufgelöst und die vergangenen Geschichten wären - dem eigenen Weltbild entsprechend - tatsächlich nur harmlose Rangeleien und Jungs gewesen.

Ich beobachte bei Eltern von Kindern mit auffälligem Verhalten immer wieder, dass die Mütter schon längst wissen, dass das Verhalten nicht "normal" ist, die Väter aber viel Kraft und Energie dafür verwenden, der Welt (und sich selbst) zu beweisen, dass das eigene Kind völlig normal ist und die anderen Eltern nur hysterisch sind und sich nicht mehr erinnern könne, wie sich "echte Jungs" eben so benehmen. Dieses väterliche Verhalten ist unabhängig von der Ursache der Auffälligkeiten.

Vermutlich wirst du noch einige Zeit des Bodyguard deines Sohnes sein müssen. Aber dann sollen die Eltern des gewalttägigen Jungen das auch wissen, ob es ihnen nun ins Weltbild passt, oder nicht! Und auch, wenn die Situation (was wir alle nicht hoffen) mal eskalieren sollte, ist das nicht "aus heiterem Himmel" geschehen sondern es muss - wenn die Vorzeichen bekannt waren - schnell gehandelt werden.

Als ich in der Schule gemobbt und körperlich angegriffen wurde (da war ich aber schon 12) war ICH diejenige, die die Klasse verlassen hat, und meine Peiniger sind geblieben (und haben sich das nächste Opfer ausgesucht). Ich hoffe sehr dass meine Kinder NIENIENIE in eine ähnliche Situation geraten. Dich drücke Dir jedenfalls die Daumen und wünsche euch viel Kraft für die nächste Zeit!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 5. Mär 2020, 19:47

@Rabaukenmama

ich habe vesucht schon mit der Mutter zu reden, dass ihr Sohn auch darunter leidet, dass er jetzt ausschlossen wird. Sie meinte nur, das sei in Ordnung. Er solle selber rausfinden, dass er dort nicht mehr willkommen ist. Der Frage, ob er versteht, warum er abgelehnt wird, ist sie ausgewichen. Kurz und knapp heißt das, die Kinder sollen es alleine regeln.

Ich habe das erst heute kapiert, dass beide Eltern eher daran interissiert sind die Kontakte des Kindes auf Null zu fahren. Dann hat er kene Ablenkung.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon zweierpack » Do 5. Mär 2020, 20:13

@ Katze_keine_Ahnung

Dieses Argument liebe ich...und ich bin keine Mutter, die glaubt, jeden Mist für ihre Kinder klären zu müssen.
Den Eltern ist offenbar die Art der Grenzverletzung nicht klar oder sie wollen es nicht wahrnehmen.
Meiner Erfahrung nach hilft wirklich nur permanenter Elterndruck (und zwar deutlich mehr als zwei!) in angemessener Form, immer wieder und immer wieder, damit das Problem als Problem gesehen wird. Unsere Schule neigt auch zum "Aussitzen" und da hilft nur permanenter Druck von Eltern/Elternvertreter etc.

Bei uns hat es bis Anfang des 3. Schuljahres gedauert bis der Fokus des Mädchens von meiner Tochter weg war (also ca. 1,5 Schuljahre) und auch offenbar eine psychologische Intervention stattgefunden hat. Jetzt gibt es auch noch mal Konflikte aber nicht mehr das körperliche Angehen. Meine Kinder hatten dann auch stabile Freundschaften, mit denen sie bestimmte Ansätze des Mädels von komische Geschichten über sie erzählen/"Dissen", Schlechtmachen etc. relativ locker wegsteckten.

Viele Grüße!
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 6. Mär 2020, 09:52

Die Situation macht mich traurig. Nicht nur wegen Sorgen um mein Kind. Der Junge tut mir furchtbar leid. Er ist begabt, klug, sportlich. Er spielt klasse Fußball, schwimmt im Ferein, spielt Tischtennis, obwohl er kaum höher als die Platte ist. Er ist 7 und hat beim Wettbewerb eine Invention von Bach gespielt, volle Punktzahl. Das Kind ist brilliant, man könnte sich zurücklehnen und genießen. Stattdessen steht der Junge ganz allen am Rande des Abgrunds. Er will nach der Schule nicht nach Hause. Er braucht ewig, bis er alles einpackt und sich anzieht. Er schleppt sich nach Hause wie ein alter Mann. Einige Monate lang ist er mindestens 2 Mal pro Woche nach der Schule zu uns gekommen statt nach Hause. Ich musste jedes Mal seinen Vater anrufen, und nie hat er ihm ein Erlaubnis erteilt bei uns 1-2 Stunden zu bleiben. Der Junge versteckte sich unter dem Bett meines Sohnes und wollte nicht abgeholt werden. Das war das 1. HJ der 2. Klasse. Ab Januar ging die Agression los.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon Meine3 » Fr 6. Mär 2020, 13:39

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Die Situation macht mich traurig. Nicht nur wegen Sorgen um mein Kind. Der Junge tut mir furchtbar leid. Er ist begabt, klug, sportlich. Er spielt klasse Fußball, schwimmt im Ferein, spielt Tischtennis, obwohl er kaum höher als die Platte ist. Er ist 7 und hat beim Wettbewerb eine Invention von Bach gespielt, volle Punktzahl. Das Kind ist brilliant, man könnte sich zurücklehnen und genießen. Stattdessen steht der Junge ganz allen am Rande des Abgrunds. Er will nach der Schule nicht nach Hause. Er braucht ewig, bis er alles einpackt und sich anzieht. Er schleppt sich nach Hause wie ein alter Mann. Einige Monate lang ist er mindestens 2 Mal pro Woche nach der Schule zu uns gekommen statt nach Hause. Ich musste jedes Mal seinen Vater anrufen, und nie hat er ihm ein Erlaubnis erteilt bei uns 1-2 Stunden zu bleiben. Der Junge versteckte sich unter dem Bett meines Sohnes und wollte nicht abgeholt werden. Das war das 1. HJ der 2. Klasse. Ab Januar ging die Agression los.



Es ist auch traurig. Er braucht dringend Hilfe. UND die anderen Kinder brauchen Schutz.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon alibaba » Mo 9. Mär 2020, 10:59

Ich würde trennen wollen. Einmal die Probleme die dein Kind persönlich hat und auf der anderen Seite, die Probleme die das andere Kind hat und somit die Gemeinschaft.

Wird dein Kind gewürgt - wäre mein erster Gang zur KL, dann zur Rektorin. Würgen geht gar nicht. Beim zweiten Mal wäre ich wieder zur KL, zur Rektorin und hätte die Eltern angerufen. Um Unterlassung gebeten und um Angabe, dass eine Anzeige bei der Polizei erfolgt oder eben eine Meldung beim Jugendamt. Hilfreich ist hier der Beweis der Würgung von einem Arzt. Allzuschnell sonst würde Dir der Ball zurück geschoben.

Das hätte ich für die Sicherheit meines Kindes getan. Beim dritten Mal würde ich dann konkret, wie angekündigt, handeln.

Das Andere ist das Kind in der Gemeinschaft. DAS ist ein Problem der KL. Hier kann man nur immer wieder intervenieren, am besten mit mehreren Eltern. Ob da zwei Eltern reichen …. keine Ahnung. Wir hatten hier eine ähnliche, wenn auch anders gelagerte Situation. Da hilft nur die geballte Elternschaft - vor allem, wenn es die Lehrer so nicht sehen können oder wollen. Hier wäre auch die Elternvertretung gefragt.
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Re: Schwerige Situation in der Klasse

Beitragvon sinus » Mo 9. Mär 2020, 12:25

...das klingt nach einer sehr verfahrenen Situation. Ich kenne hier so schwierige Kinder eigentlich nur aus dem örtlichen Kinderdorf.
Ich schließe mich hier inhaltlich alibabas letztem Post an.
Ansonsten tut mir das andere Kind leid und ich denke, es wird so lange "Mist bauen", bis es endlich "gesehen" wird.
Dann kann man nur hoffen, dass es für niemanden wirklich schlimm ausgeht und vor allem, dass die Eltern die richtigen Schlüsse ziehen.
Für deinen Sohn hoffe ich, dass er es schafft, sich abzugrenzen.
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