Fünf Wochen Ferien

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Di 17. Mär 2020, 18:54

Bliss hat geschrieben:
Meine3 hat geschrieben:
Ich denke, man muss sich einfach "entscheiden". Entweder man fährt die Schiene der bewussten Durchseuchung ODER aber eben der Verhinderung der weiteren Ausbreitung. WENN man sich für zweiteres entscheidet, was Deutschland ja tut, DANN muss man konsequenter und härter und vor allem SCHNELLER reagieren.



Was spricht für dich gegen diesen Weg?


Es geht nicht um die Strategie an sich, sondern vielmehr um den Zeitpunkt des Handelns. Man hätte diese Maßnahmen ein paar Wochen früher einführen müssen, bzw. Einreise-Ausreiseverbot erteilen müssen. Die Grenzen schließen.

Jetzt ist das Virus da und es fühlt sich wohl hier. Da man auch immer noch sehr zögerlich und sparsam testet, steigt die Ansteckung, wie sagt es die Regierung so schön? "sehr dynamisch". Klar, bis gestern sind ja noch 1000ende stille Träger und Infizierte, die NOCH keine Symptome zeigen "frei" herum gelaufen und haben wiederum 1000ende angesteckt. Es gibt ja auch einen Grund, dass nun die Maßnahmen nochmal verschärft wurden, obwohl man vorgestern noch meinte, man müsse jetzt ca. 10 Tage "abwarten" ob die Maßnahmen greifen. Ich frage mich, warum ich eine der wenigen hier zu sein scheine, die das bisherige Vorgehen kritisiert.

Das klingt vielleicht blöd, aber alles was ich hier zum Thema Grenzen schließen, lock-down etc. geschrieben hatte und als zu drastisch empfunden wurde, wird JETZT in Deutschland umgesetzt und meiner Meinung nach haben wir bald die selbe Situation wie in Italien. Das ist wie in die Zukunft schauen, nur will keiner hinsehen.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 17. Mär 2020, 18:57

Der Zeitpunkt alles am Anfang zu stoppen war spätens nach Ischgl vorbei. Das war Anfang März. Spätestens nachdem ganz Europa dort Skifahren war, ist der Zug der Frühprävenzion und lokaler Abgrenzung abgefahren.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Bliss » Di 17. Mär 2020, 18:59

Hättest du bei Ebola, SARS MERS etc dann auch die Grenzen dicht gemacht? Und das dann solange, bis es einen Impfstoff oder ein Medikament gibt?
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Di 17. Mär 2020, 20:23

Bliss hat geschrieben:Hättest du bei Ebola, SARS MERS etc dann auch die Grenzen dicht gemacht? Und das dann solange, bis es einen Impfstoff oder ein Medikament gibt?



Die von dir genannten Krankheiten waren (sind jeweils) Epidemien, keine Pandemien. Von daher sehe ich hier nicht unbedingt einen sinnigen Vergleich? Wobei ich zugeben muss, dass mir MERS nicht geläufig ist.

Wie gesagt: jetzt sind die Maßnahmen m.E. zu spät. Es geht um den Zeitpunkt. Ich habe das schon mehrmals geschrieben: für mich war klar, dass hier eine weltweite Bedrohung vorliegt, als in Italien ganze Dörfer in Quarantäne gingen. Und ich denke die Politiker waren nochmal früher „im Bilde“. Dennoch habe ich zuerst auf die Expertise von oben „vertraut“. Aber sorry, das ist jetzt einfach nicht mehr so.

Die Grenzen blieben noch wochenlang offen, nachdem das Virus in Europa angekommen war.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Bliss » Di 17. Mär 2020, 22:17

Meine3 hat geschrieben:

Die von dir genannten Krankheiten waren (sind jeweils) Epidemien, keine Pandemien. Von daher sehe ich hier nicht unbedingt einen sinnigen Vergleich? Wobei ich zugeben muss, dass mir MERS nicht geläufig ist.

Wie gesagt: jetzt sind die Maßnahmen m.E. zu spät. Es geht um den Zeitpunkt. Ich habe das schon mehrmals geschrieben: für mich war klar, dass hier eine weltweite Bedrohung vorliegt, als in Italien ganze Dörfer in Quarantäne gingen. Und ich denke die Politiker waren nochmal früher „im Bilde“. Dennoch habe ich zuerst auf die Expertise von oben „vertraut“. Aber sorry, das ist jetzt einfach nicht mehr so.

Die Grenzen blieben noch wochenlang offen, nachdem das Virus in Europa angekommen war.


Ich verstehe dein Anliegen immer weniger. Ebola mag keine Pandemie gewesen sein, aber in Europa angekommen ist sie trotzdem und die Todesrate war damals nahe 100%. Auch SARS hatte lokale Infektionsketten in Europa mit Todesopfern und die Todesrate liegt meines Wissens nach bei 10%.

Die Schweinegrippe war eine Pandemie mit Todesopfern, hat man da deiner Meinung nach Grenzschließungen versäumt?

Was ist mit HIV? Warum wurden da die Grenzen nicht geschlossen? Da gab es schon Millionen von Toten weltweit und man wußte lange nicht mal wie genau es übertragen wird.

Covid 19 wurde am 11.3 zur Pandemie erklärt. Wochenlange Versäumisse? Wir hatten bis 22 Februrar in Deutschland mehr gemeldete Fälle als Italien und andere europäische Staaten, warum hätten wir da die Grenzen schließen sollen?

Grenzschließungen und die anderen Maßnahmen vernichten Millionen von wirtschafliche Existenzen. Das sollte nicht leichtfertig gemacht werden, denn wie die Beispiele zeigen: irgendwas ist immer. Dass jetzt gehandelt werden muss, um italienische Verhältnisse zu verhindern sehe ich auch so.Aber wo die Versäumnisse liegen sehe ich nicht, bzw bliebe die Frage, warum hier bei einer an sich für fast alle harmlosen Erkrankung, aber nicht bei anderen, viel gefährlicheren Viren gehandelt werden sollte. Quarantäne, Schulschließungen etc gab es ja lokal wie in Heinsberg sowieso sobald der erste Fall bekannt wurde.


Aber an sich ist Covid 19 ist immer noch für die meisten Infizierten harmlos und verläuft oft sogar unbemerkt. Und wenn die Überlastung des Gesundheitssystems vermieden werden kann wird die Todesrate durch Covid 19 statistisch im Vergleich zum Gesamtjahr kaum auszumachen sein.


Also wenn du so früh drastische Maßnahmen forderst, wie lange sollten die deiner Meinung nach durchgezogen werden?
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 17. Mär 2020, 22:18

Nicht die Politiker sind Schuld, sondern in vielerlei Hinsicht das Geld. Erstmal waren es die Italiener, die das chinesische Geld nicht verlieren wollten. Sie ließen sie weiterhin in Mailand einkaufen und Venedig bewundern. Dann kamen in die schon verseuchte, kurz vor Schließung stehenden Gebiete die Touristen auf den letzten Drucker, in der Hoffnung kurz vor der Schließung noch reinzukommen. Sonst wäre der gebuchte Urlaub weg gewesen. Dann waren das die Skiorte, die die Krankheiten verschleirt haben, um nicht geschlossen zu werden. Der Winter war eher nicht so toll... Ich höre mich um, was in Russland passiert. Die Schulen sind offen, die Kitas, sie lachen die hamsternden Europäer aus und glauben, ihnen passiert nie was.

Ich habe mir die Karte angeschaut. Ich habe mir die britische Prognose angeschaut. Das ist wie es ist. Es ist zu spät für was wäre wenn. Jeder soll zuhause sitzen und hoffen, dass wir von der exponentiellen Kurve abspringen. Der Preis für ein bisschen mehr Geld von ein paar WIrten, Designer und Hoteliers ist wahnsinnig.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Mi 18. Mär 2020, 19:14

Bliss hat geschrieben:Also wenn du so früh drastische Maßnahmen forderst, wie lange sollten die deiner Meinung nach durchgezogen werden?



Die Argumentation ob und wie gefährlich das Virus ist, hatten wir am Anfang. Dazu halte ich mich jetzt bedeckt. Bei der gesamten "nachfolgenden" Diskussion ging es um die grundsätzliche Handhabe mit solch einem Virus und den Maßnahmen vom Staat.

Zu deiner Frage: Was heißt: so früh? Ich hätte einfach beim Ausbruch in Italien als erstes die Ein- und Ausreise stark eingegrenzt.
, parallel zu den medizinischen Vorbereitungen, die im Hintergrund schon die ganze Zeit liefen. Die ganzen drastischen Maßnahmen KOMMEN, sie kommen nur zeitverzögert. Bei der Verbreitung des Virus zählt jeder Tag. Wenn nur etwa immer, sagen wir mal, 1 Woche früher "gehandelt" worden wäre auf die selbe Art und Weise wie jetzt gehandelt wird, so wäre sehr vielen geholfen gewesen.

Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem sich das Virus RASENDschnell verbreitet, vor 1-2 Wochen hätten die jetzigen Maßnahmen VIEL MEHR bewirken können. Ich denke, der Zeitraum wie lang eine solche Sperre dann aufrecht erhalten bleiben muss, kommt vor allen Dingen auch darauf an, wie sich die Ausbreitung DANN entwickelt. Wie soll ich als Nicht-Experte das also beantworten? Das können ja nicht mal die Experten mit den jetzigen Maßnahmen.

Aber ich befürchte auf diese Frage bekommen wir bald eine Antwort "live und direkt". Denn die Menschen halten sich bislang nicht wirklich gut an den eingeschlagenen "Mittelweg" und deswegen, genau deswegen funktionieren meiner Meinung nach in solchen Extremsituationen auch nur extreme Maßnahmen. Nicht, weil ICH mich nicht dran halte (ich persönlich tue es ja), sondern weil es zu viele nicht tun.

Natürlich habt ihr Recht, wenn ihr sagt, wenn die Maßnahmen früher verhängt worden wären, hätte sich erst recht keiner dran gehalten. Und da kommt man wieder zu dem Punkt, dass nur extreme Maßnahmen greifen (entweder KEINE Kontrolle oder eben totale Kontrolle), die ich ganz zu Beginn der Diskussion als für mich realistische Optionen genannt habe.

Ich frage mich auch, das habe ich ja schon mehrfach versucht zu erklären, ob diese Maßnahmen nicht einfach zu spät kommen, ob nicht ein Punkt im Verlauf der Ausbreitung erlangt ist, an dem es ohnehin nicht mehr zu stoppen ist und die Maßnahmen nicht mehr in dem Maße greifen können, wie es nötig wäre um keine Überlastung der Krankenhäuser und eine Durchseuchung zu erhalten. Das ist mein Gedanke dazu. Daher auch die andere Überlegung mit der Flucht nach vorn... Das heißt ja nicht, dass ich mich nicht an die Maßnahmen, die verhängt werden halte oder dass ich sie für grundsätzlich FALSCH halte. Es funktioniert nur nicht, da vorausgesetzt wird, dass sich alle dran halten und das ist nicht der Fall.

In meinem Umfeld bin ich eine von denen, die im Gegenteil besonders darauf bedacht ist, sich daran zu halten, was schon zu einigen Auseinandersetzungen mit meinem Mann geführt hat, der eher schnell "revoltiert". Ich gehe mit meinen Kids nicht mehr auf den Spielplatz (außer dem im Wald, wo auch unter normalen Umständen sich kaum eine Familie hin verirrt), andere treffen sich noch fröhlich in großen Gruppen zu Spieleverabredungen. Ich bin "brav" und halte mich an die Regeln, aber ich hinterfrage, zweifle, denke SELBST nach und glaube nicht blind alles, was in den Medien, insbesondere von den Politikern kommt und das Geld, wie Katze sagt, ist ein wesentlicher Faktor, warum mit den Maßnahmen gezögert wurde (überall auf der Welt), aber auch das wird letztendlich durch die Politik und die großen Wirtschaftsunternehmen gesteuert, nicht von dem kleinen Gastronom, der verzweifelt versucht finanziell zu überleben.

Die deutschen Fachleute betonten immer wieder, dass eine Ausgangssperre nicht angedacht ist, mit jedem Tag wird diese Aussage mehr relativiert. Heute heißt es "noch" nicht, gleichzeitig werden Mobilhandys getracked um die Mobilität zu überwachen. Finde wirklich nur ICH das seltsam?... Morgen oder in den nächsten Tagen wird vielleicht die Sperre verhängt. Meine gesamten Überlegungen zu den Maßnahmen wurden umgesetzt, nur immer ein paar Tage (oder Wochen) später. SO falsch liege ich dann wohl nicht mit meinen Thesen.

Ich verstehe nicht, was an dieser Haltung, bzw. diesen Gedanken SO verwerflich oder nicht nachvollziehbar ist? Es gibt genügend Experten, die JETZT für eine Ausgangssperre plädieren, andere wieder halten genau das für contraproduktiv und sind eher dafür das ganze mehr oder weniger "laufen zu lassen". Ein Thema verschiedene Meinungen. Ist das nicht zulässig? Es erhitzt all unsere Gemüter. Ich bin kein schlechter Mensch, nur weil ich nicht alles "runterschlucke" ohne zu kritisieren/hinterfragen.

Ich denke, ich habe jetzt zu Genüge meinen Standpunkt, bzw. meine Gedanken dazu geäußert, wenn du sie immer noch nicht nachvollziehen kannst, dann ist das eben so.

Ich wünsche uns allen starke Nerven.

:fahne:
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Bliss » Do 19. Mär 2020, 19:38

Meine3 hat geschrieben:
Ich verstehe nicht, was an dieser Haltung, bzw. diesen Gedanken SO verwerflich oder nicht nachvollziehbar ist? Es gibt genügend Experten, die JETZT für eine Ausgangssperre plädieren, andere wieder halten genau das für contraproduktiv und sind eher dafür das ganze mehr oder weniger "laufen zu lassen". Ein Thema verschiedene Meinungen. Ist das nicht zulässig? Es erhitzt all unsere Gemüter. Ich bin kein schlechter Mensch, nur weil ich nicht alles "runterschlucke" ohne zu kritisieren/hinterfragen.

Ich denke, ich habe jetzt zu Genüge meinen Standpunkt, bzw. meine Gedanken dazu geäußert, wenn du sie immer noch nicht nachvollziehen kannst, dann ist das eben so.



Mir geht es eben darum: jede Maßnahme hat auch ihre Nebenwirkungen. Wenn es jetzt nur um die Eindämmung des Virus geht kann man leicht sagen: drastischen Maßnahmen so früh und lang wie möglich. Ist was das Ziel Viruseindämmung angeht immer richtig. Hat aber wie man gerade sieht auch heftige unerwünschte Folgen, die uns noch lange Beschäftigen werden.

Nach deinen Kriterien hättest du bei der Schweinegrippe ja vermutlich ebenfalls zu einem frühen harten Vorgehen plädieren müssen. Da war ja von Todesrate von 10% die Rede und die Verbreitung war ähnlich schnell wie jetzt. Im Nachhinein weiss man aber, dass die Sterblichkeit aufs Jahr gesehen gar nicht höher war, als in anderen Jahren. Im Nachhinein weiss man also, dass die damals getroffenen (weitaus gemäßigteren) Maßnahmen vollkommen ausreichten.

Auch bei Covid 19 werden wir erst mit zeitlichem Abstand mehr wissen, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichend sind, zu spät oder zu früh kamen. Und wir werden die negativen Auswirkungen gegenrechnen müssen, die die Maßnahmen mitsichbringen.

Meine3 hat geschrieben:Die deutschen Fachleute betonten immer wieder, dass eine Ausgangssperre nicht angedacht ist, mit jedem Tag wird diese Aussage mehr relativiert. Heute heißt es "noch" nicht, gleichzeitig werden Mobilhandys getracked um die Mobilität zu überwachen. Finde wirklich nur ICH das seltsam?


Was ist daran seltsam? Mit jedem Tag wissen wir mehr, mit jedem Tag muss die Situation neu bewertet werden. Es kommt ja nicht nur auf die Maßnahme an sich an, sondern auch auf den richtigen Zeitpunkt sie zu setzen.


... Morgen oder in den nächsten Tagen wird vielleicht die Sperre verhängt. Meine gesamten Überlegungen zu den Maßnahmen wurden umgesetzt, nur immer ein paar Tage (oder Wochen) später. SO falsch liege ich dann wohl nicht mit meinen Thesen.


Hab ich ja auch nicht gesagt. Ich glaube nur, dass einfach noch niemand genau weiss, wann was am besten gewesen wäre. Das wird man erst im Nachhinein sagen können, da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Also ich halte es gar nicht für ausgeschlossen, dass man bei nachträglicher Beurteilung (und damit meine ich nicht in den nächsten Tagen, sondern vielleicht erst in ein paar Jahren) tatsächlich zu dem Entschluß kommt, dass man zu lange gewartet hat. Aber um das jetzt schon zu sagen, sind die Auswirkungen einfach zu komplex.



Ich verstehe nicht, was an dieser Haltung, bzw. diesen Gedanken SO verwerflich oder nicht nachvollziehbar ist? Es gibt genügend Experten, die JETZT für eine Ausgangssperre plädieren, andere wieder halten genau das für contraproduktiv und sind eher dafür das ganze mehr oder weniger "laufen zu lassen". Ein Thema verschiedene Meinungen. Ist das nicht zulässig? Es erhitzt all unsere Gemüter. Ich bin kein schlechter Mensch, nur weil ich nicht alles "runterschlucke" ohne zu kritisieren/hinterfragen.



Schlechter Mensch? Verwerflich? Was von dem was ich geschrieben habe interpretierst du so?

Ich verstehe nur nicht, wie du dir so sicher sein kannst, dass für die Gesamtsituation eine Schließung der Grenzen vor Wochen richtig gewesen wäre. Eben Beispiel Schweinegrippe. Da hätten bei schärfere Maßnahmen wie wir in der Rückschau sagen können die negativen Auswirkungen die positven doch bei weitem übertroffen, oder siehst du das anders?
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Karen » Fr 20. Mär 2020, 01:20

In der Schweiz gab es heute + 1000 Fälle nur in 24 Stunden. Und es ist fast unmöglich ist sich testen zu lassen ohne zu Risikogruppe zu gehören oder in Gesundheitswesen zu arbeiten. Wer als erstes verschlafen hat, sind es definitiv wir. Hier waren noch Schulen und Grenzen offen, und Züge aus Milan und Rom unterwegs wenn schon alle anderen rings um begriffen haben. Leider begreifen viele Menschen es immer noch nicht, darunter überdurchschnittlich viel ältere.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 20. Mär 2020, 09:58

Ich denke die ganzen "Es ist für alles sowieso schon zu spät"-Szenarien können warten bis wir das Ganze überstanden haben. Und zwar nicht tatenlos, sondern unter Einhaltung der zur Zeit geltenden Bestimmungen und unter bestmöglicher, persönlicher Berücksichtigung der Empfehlungen.

Außer Italien und Spanien gibt es in Europa NOCH kein Land mit vielen Todesfällen durch das Virus. Klar kann sich das schon in den nächsten Tagen ändern. Es KANN sich ändern, aber es MUSS nicht. Ob die Maßnahmen trotz etwaiger Verzögerungen bei der Umsetzung ausreichen, unsere Gesundheitssysteme (in Österreich, Deutschland und der Schweiz) NICHT an die Belastungsgrenze zu bringen, wird sich zeigen.

In Österreich halten laut Umfragen übrigens 74% der Bevölkerung die Maßnahmen für zeitgerecht und angemessen. 7% sind der Meinung, dass übertrieben gehandelt wird und 14% sind der Meinung, dass die Maßnahmen zu spät bzw. nicht ausreichend getroffen wurden. Dabei gab und gibt es auch hier einige Widersprüche. So hat z.B. der Wiener Bürgermeister gemeint, dass die Wiener durchaus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Stadtrand fahren können, um dort Ausflüge in der Natur zu machen. Die Bundesregierung hingegen ist der Ansicht, dass die öffentlichen Verkehrsmittel ausschließlich für unbedingt notwendige Fahren (in die Arbeit, auf der Fahrt zum einkaufen von Lebensmitteln oder Medikamenten oder zur Betreuung Angehöriger) genutzt werden sollten, und nicht für "Freizeitfahrten".

Was Spielplätze und Parks betrifft hieß es noch vorgestern, die Benutzung sei verboten. Entsprechend waren die versperrbaren Spielplätze und Parks auch geschlossen und bei den anderen gab es Absperrbänder und Hinweisschilder. Gestern wurde diese Bestimmung aber wieder zurückgenommen und man darf nun doch auf Spielplätze und in Parks, wenn der mindestens 1-metrige Sicherheitabstand eingehalten wird. Das ist eines der ersten Male, wo ich es mit meinen beiden Autisten LEICHTER habe als Eltern von neurotypischen Kindern. Ich brauche keine Bedenken zu haben, dass meine Kinder die Abstandregeln nicht einhalten,weil sie mit Freunden spielen wollen :P .

Selbst halte ich es so, dass ich mindestens 1x täglich mit den Kindern rausgehe. Meistens machen wir dann eine kurze Radtour (5-10km) mit einer Pause bei einer Wiese, wo wir eine Jause essen. Vorgestern war ich bei der Gelegenheit bei einer großen Wiese, wo normalerweise ein sehr bevölkerter Grillplatz ist. Wir waren die einzigen Personen dort, was mich sehr gewundert hat. Denn gerade die Leute, die sich normalerweise dort treffen, hätte ich mal spontan nicht für so einsichtig gehalten, das sein zu lassen. Bald war mir auch klar, warum keiner dort war, es ist nämlich ein Polizeiauto über die Wiese gefahren. Wir waren ohnehin gerade bei Aufbruch, wurden aber auch nicht angesprochen, weil vermutlich offensichtlich war, dass wir (ich und die Jungs) in einem Familienverband leben. Und gemeinsames rausgehen ist ja im Familienverband nicht verboten.

Gestern waren wir bei unserer Radtour bei einem Spielplatz, der mit rot-weißem Band abgesperrt war. Dabei war einige Stunden vorher ja verkündet worden, dass man da doch hindarf und meine Jungs waren weit und breit die einzigen Kinder dort (ein älteres Paar saß noch auf einer weiter entfernten Bank).

Richtig gespenstisch wurde es aber gestern abends. Wir hatten nur noch 3 Höschenwindeln für meinen älteren Sohn, der ja Bettnässer ist. Und genau DIESE Windelgröße (für 8-15 Jahre) gibt es nicht in normalen Supermärkten und kleineren Drogeriemärkten. Daher bin ich am Abend, als mein Mann schon von der Arbeit zu Hause war und die Kinder beaufsichtigen konnte, mit dem Rad in die nahe Shopping City Süd (SCS) gefahren, das größte Einkaufszentrum Österreichs und die am nächsten liegende Gelegenheit, diese Windeln zu bekommen. Mein Fahrrad-Navi führte mich auf einer Strecke hin, die bei normalem Autoverkehr einem Selbstmordkommando gleichgekommen wäre. Aber es waren praktisch keine Autos auf den Straßen und auch der Parkplatz war fast leer, obwohl einige Nahversorger-Märkte für Lebensmittel auch dort sind. Nach mehreren Versuchen fand ich einen nicht versperrten Eingang. Drinnen war alles dunkel und gespenstisch mit ein paar Leuchtreklamen. Der Markt, der die Windeln hatte, war als einziger geöffnet und ich habe sie dort auch bekommen. Ich war die einzige Kundin. Mir wurde gesagt, dass das der letzte offene Tag sei. Draußen standen ein paar Polizisten rum, aber ich wurde nicht angesprochen. Dann bin ich wieder heimgefahren. Allein bei Sonnenuntergang mit dem Rad ca. 3km auf einer 3-5spurigen Autostraße - so was habe ich noch nie erlebt! Den letzten Abschnitt hat mich mein Navi auf eine normalerweise sehr stark befahrende Bundesstraße geschickt. Hier waren zumindest einige Autos, aber mindestens 80% weniger als sonst.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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