Fünf Wochen Ferien

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon zweierpack » Mo 16. Mär 2020, 18:39

Hallo,

ich denke aber, dass es nicht reicht, wenn nur die Personen mit besonders gefährdeten Angehörigen aufpassen. Wir sind ein Gesamtsystem an Kontakten und jeder trägt Verantwortung. Ich kümmere mich um meinen 90 jährigen Schwiegervater. Natürlich nehme ich meine Kinder nicht mehr zu Besuche mit (wir beschränken es seit dieser Woche auch auf die nötigen Einkaufsbesuche). Wenn meine Kinder aber mit anderen Kindern spielen, deren Eltern es egal ist und die viele Kontakte haben, landet das Virus eventuell bei meinem Kindern und über mich doch bei meinem Schwiegervater.
Niemand ist eine Insel - deshalb müssen alle verstärkt aufpassen, egal ob direkte Angehörige betroffen sein könnten oder man sich frei von Bedrohung wähnt. Und das finde ich keine Panikmache, sondern einfach rational. Ebenso rational wie die Erkenntnis, dass es nicht nur um die "besonders Schutzbedürftigen" geht. Die Sterblichkeit steigt ab 50 langsam an - und das sind Leute, die meistens mitten im Beruf und Leben stehen, und auch darunter ist die Rate deutlich geringer aber eben auch nicht gleich Null.

Du hast recht, Panik ist ein schlechter Ratgeber. Aber ich hoffe, dass Information zwar beunruhigen kann aber keine Panik auslöst. Panik löst bei mir persönlich vielmehr das Gefühl einer unbekannten Bedrohung aus, nicht die Bedrohung, für die ich zumindest einige Hinweise zum Handeln bekommen kann.
Ich finde Fakenews (Supermärkte, die nur noch 2 Stunden offen haben sollen, Ibuprofen verschlimmert die Erkrankung etc.) und die Untergangszenarien, die in einigen Kommentarfunktionen von Zeitungen verbreitet werden viel schlimmer als sachlich richtige Informationen (und seien es die berühmten 60-70% Infizierten für die Herdenimmunität).
Viele Grüße
zweierpack
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 16. Mär 2020, 19:05

https://edition.cnn.com/2020/03/16/heal ... index.html

Ich schickte mein Kind heute extra in eine Apotheke um Paracetamol zu kaufen. Ich will nicht pockern.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon charlotte12 » Mo 16. Mär 2020, 19:43

Genau das denke ich auch, wenn ich gestern in Gruppen flanierende Jugendliche gesehen habe (irgendwo verstehe ich sie ja auch), Nachbarn in freundlichen Grüppchen beieinander im Gespräch mit dem Pulk Kinder drum herum und eine Freundin, die mir was von "Hysterie" und homöopathischen Immunboostern erzählt, grrhhh….

Mein Mann arbeitet in einem kleineren Krankenhaus (Dependance eines größeren) auf der Inneren. Jeden Tag bekomme ich mit, was für Vorkehrungen getroffen und Überlegungen gemacht werden, welche Szenarien durchgespielt werden, wie man versucht, an noch mehr Schutzmaterialien zu kommen (übrigens werden nicht nur Desinfektionsmittel teilweise geklaut, sondern auch Klopapier :shock:) und ich merke, dass auch Ärzte und Pflegende eine Scheißangst vor der kommenden Situation haben (nein, auch als Mensch im Gesundheitsberuf ist man nicht automatisch zum Helden geboren...). Dann könnte ich manchmal bei der Nonchalance einiger Menschen kotzen (meine Immunbooster-Freundin möchte ich definitiv nicht in nächster Zeit sehen).

Da kann ich nur zustimmen. Ich habe auch zunehmend Probleme, bei einer bestimmten Form von Ignoranz freundlich zu bleiben. Wenn mir z.B. wiederholt erzählt wird, dass die ganze Virus"hysterie" nur eine Erfindung vom bösen, bösen Staat sei, der damit die Macht an sich reißen wolle. Es gibt zwei Gruppen von Menschen, die ich schwierig finde - eine ziemlich große Gruppe von Jungen und Gesunden, nicht wirklich persönlich Gefährdeten, die sich über alles lustig machen, und nicht genügend Empathie besitzen, um sich vorzustellen, dass es so ganz eventuell auch unpraktisch sein könnte, wenn "nur" die Alten und/oder Kranken massenweise sterben. Und die in meinem Umfeld deutlich kleinere Gruppe der Über-Panischen. Wobei mir ehrlich gesagt die Über-Panischen wesentlich lieber sind als die Super-Coolen.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Bliss » Mo 16. Mär 2020, 19:58

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Wer schutzbedürftige Angehörige hat, der passt schon jetzt auf.

Meiner Erfahrung nach hat die schutzbedürftige Gruppe zu großen Teilen noch gar nicht kapiert, dass sie schutzbbedürftig ist. Heute noch mal zum Seniorenstammtisch, bevor alles zu gemacht wird halten viele auch mit 85+ für eine gute Idee. Dass viele davon zu der gefährdetesten Gruppe mit Vorerkrankungen gehören wollen oder können sie nicht wahrhaben. Ich kann es ja auch verstehen, dass die Isolation besonders schimm ist, wenn man auch ganz ohne Covid19 eine überschaue Lebensspanne hat. Aber trotzdem sehr kontraproduktiv.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Mo 16. Mär 2020, 20:36

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:https://edition.cnn.com/2020/03/16/health/coronavirus-ibuprofen-french-health-minister-scn-intl-scli/index.html

Ich schickte mein Kind heute extra in eine Apotheke um Paracetamol zu kaufen. Ich will nicht pockern.



Ich habe, nach dieser WhatsApp Nachricht auch im
Internet nachgeschaut und gelesen, dass diese Nachricht „Fake“
Sein soll, aber die Franzosen ins selbe Horn blasen....
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Mo 16. Mär 2020, 22:05

Die meisten Menschen glauben was sie sehen oder selbst erleben. Wenn ich jetzt mal von mir ausgehe: ich kenne niemanden der von Corona direkt betroffen ist (noch!). Daher ist das Virus irgendwie eine abstrakte Größe, die zwar sehr bedrohlich scheint und doch irgendwie noch „weit weg“ wirkt Ich vermute, es geht momentan noch vielen Menschen hier (!) so, dass sie nicht direkt mit Coroana-infizierten bekannt oder verwandt sind. Daher ist eine gewisse Ungläubigkeit, es könne einen bald selbst treffen, nachvollziehbar. Diese Ungläubigkeit wird aber schnell Entsetzen weichen, wenn der erste Infizierte in der Bekanntschaft oder Verwandtschaft auftaucht oder man gar selbst betroffen ist.

Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind, haben einen komplett anderen Einblick und Zugang zu den aktuellen Geschehnissen. Für sie ist das nicht abstrakt oder etwas, was einfach irgendwelche anderen betrifft. Sie stehen dem Virus tagtäglich direkt gegenüber und sehen die Auswirkungen.

Ich selbst habe noch oft das Gefühl von „Unwirklichkeit“ in den letzten Tagen. Das öffentliche Leben wirkt skurril. Es wird stark eingeschränkt durch etwas, was einen noch nicht (zum Glück) persönlich betrifft, was aber momentan in ALLER Köpfe sehr präsent ist und das spürt man sobald man die Tür verlässt. Auch bei den „Supercoolen“, die sich drüber lustig machen. Das sind meiner Meinung nach Menschen, die entweder völlig gedankenlos und „dumm“/ unerfahren sind oder aber Menschen, die so reagieren, da ihnen die Situation sehr wohl Angst macht, sie sich aber bewusst (oder unbewusst) von den hysterischen, hamsterkaufenden, Verschwörungstheoretikern und Panikmachern abgrenzen wollen.

Meine persönliche Meinung ist, dass Menschen in solch einer Situation oft zu Extremen neigen, weil es eine extreme Situation IST. Entweder sie sehen alles in den düstersten Farben, wittern hinter jeder Rotznase einen Infizierten und drehen durch oder sie geben sich eben der Illusion hin, dass „ schon nichts passieren wird“, weil es eben noch nicht nah genug an ihnen dran ist und sie es nicht wahrhaben wollen/können.

Keiner von uns weiß, wie man sich in so einer Situation am besten verhält. Theoretisch ja, aber praktisch?!

Selbst die Experten raten einerseits dazu Ruhe zu bewahren und nicht über zu reagieren (Stichwort Hamsterköufe oder bestehen auf Testung auf das Virus ohne „berechtigte“ Gründe o.ä.) gleichzeitig ist aber Alarmstufe rot und es wird immer wieder beteuert wie ernst die Lage sei. Ich verstehe auch wie sie das meinen. Und ich gebe mein Bestes „unpanisch“ vorausschauend und umsichtig zu handeln, denke an meine alte kranke Tante, lang bevor sie selbst es tut, halte mich an die Vorgaben und informiere mich so gut es geht, versuche dabei aber gleichzeitig nicht ZU ängstlich zu werden, vor allem gegenüber meinen Kindern Ruhe und Zuversicht auszustrahlen, aber ganz ehrlich: ich habe auch Verständnis für diejenigen, bei denen es noch nicht angekommen ist oder bei denen, die komplett am Rad drehen...

Und meiner Meinung nach ist es nunmal so, dass zu spät gehandelt wurde in vielen Ländern, auch in Deutschland. Damit meine ich mitnichten (!!), dass nun alles völlig egal ist und man nichts tun muss oder soll, wie es hier anscheinend verstanden wurde ! Sondern dass man hätte früher reagieren KÖNNEN und MÜSSEN. Es wird oft in den Medien so dargestellt, als hätten die Deutschen ja so früh gehandelt. Ich sehe das anders. Meiner Meinung nach wäre ein frühes schließen der Grenzen sehr sinnig gewesen oder aber, jetzt wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, die Flucht nach vorn (Durchseuchung natürlich zulassen).

Mir leuchtet natürlich ein, warum die Verzögerungstaktik gefahren wird (Kapazitäten im
Gesundheitswesen), gleichzeitig ärgere ich mich aber speziell in Deutschland über das dezentrale und teilweise inkonsequente handeln und dass es überhaupt so weit kommen musste. Und mir scheint in Bezug auf das Gemeinwohl unter den gegeben Umständen besser ein Ende mit Schrecken (britischer Ansatz) als ein Schrecken ohne Ende (Verzögerungstaktik). Und ja: das würde ich sicherlich anders sehen müsste ich Entscheidungen treffen, wer ans Beatmungsgerät darf oder wäre jemand aus meiner Familie betroffen. Das ist mir bewusst, dass das Menschen sind um
die es hier geht. Auch habe ich natürlich Mitgefühl und Mitleid und ich möchte im Moment nicht tauschen mit Ärzten, Psychologen und Pflegepersonal, den Opfern oder den Angehörigen. Sie verdienen größte Anteilnahme und Respekt. Und ich hoffe, dass niemand den ich kenne, betroffen sein wird. Ich weiß aber, dass genau DAS illusorisch ist, wenn das Virus sich so verhält, wie es derzeit vermutet wird. Wir werden alle betroffen sein. Entweder weil wir selbst erkranken oder Freunde/Familie. Eventuell verlieren wir auch einen geliebten Menschen.

Aber global, wirtschaftlich und aufs Gesamtwohl bezogen, finde ich eine schnell erreichte immunität bei einem
Großteil der Bevölkerung sinnvoller als eine langsam erreichte Immunität und damit verbundene langwierige Maßnahmen, die das Leben aller für eine lange Zeit (teilweise auch für immer, wenn das Geschäft pleite geht bspw.) stark beeinträchtigt. Dabei geht Armut nicht um meinen kleinen Kosmos. Es geht mir hier um das grosse Ganze.

Ich denke nicht, dass nach 5 Wochen alles „wieder gut“ ist. Vielleicht bin ich Pessimist, vielleicht sehe ich zu schwarz, mag sein. Dafür habe ich auch meine ganz persönlichen Gründe.

Und jetzt werde ich sicher gesteinigt....
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon charlotte12 » Mo 16. Mär 2020, 22:12

Das Ibuprofen-Problem besteht aus zwei Teilen. 1.) Es gab eine Falschnachricht, in der so weit ich weiß eine Isabell behauptet, dass an der Uni Wien vor Ibuprofen gewarnt wird. Das dementierte die Uni Wien postwendend.
2.) Im Lancet erschien eine Veröffentlichung, in der beobachtet wurde, dass Menschen, die an COVID-19 gestorben waren, häufig Vorerkrankungen gehabt hatten, die oft mit ACE-Hemmern behandelt werden. Dann wurde die Hypothese aufgestellt, ob Medikamente, die dazu führen, dass vermehrt ACE2-Rezeptoren exprimiert werden (v.a. ACE-Hemmer, aber eben auch Ibuprofen) dazu führen könnten, dass das Virus besser in die Zelle eindringen kann, weil das Virus ACE2-Rezeptoren zum Eindringen nutzt. Und ob dieser Effekt einen tödlichen Verlauf begünstigt. Bisher nur eine Hypothese, zwar hochinteressant, aber bisher weit weg von einem "Beweis". Klar ist nicht mal, ob ACE-Hemmer ein Problem darstellen, geschweige denn, ob mit Ibuprofen mehr oder weniger oder gleich viele Patienten sterben als mit Paracetamol. ACE-Hemmer sollen wohl im Lungenversagen positive Effekte haben, so dass es dort sogar sein kann, dass sie unterm Strich trotz vermehrt exprimierten ACE2-Rezeptoren den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen - weiß man alles noch nicht so genau.
Hauptquelle ;) :
https://www.thelancet.com/journals/lanr ... 13-2600(20)30116-8/fulltext
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon zweierpack » Mo 16. Mär 2020, 22:51

Meine3 hat geschrieben:
Aber global, wirtschaftlich und aufs Gesamtwohl bezogen, finde ich eine schnell erreichte immunität bei einem
Großteil der Bevölkerung sinnvoller als eine langsam erreichte Immunität und damit verbundene langwierige Maßnahmen, die das Leben aller für eine lange Zeit (teilweise auch für immer, wenn das Geschäft pleite geht bspw.) stark beeinträchtigt. Dabei geht Armut nicht um meinen kleinen Kosmos. Es geht mir hier um das grosse Ganze.
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Die erreicht Immunität ist allerdings auch nur eine Theorie. Ob es bei Corona wirklich eine Immunität gibt, vermutet man, wissen tut man es nicht. Genauso wie die Frage noch offen ist, wie lange die Immunität anhält - oder ob es wie bei der Grippe jede Saison eine etwas andere Variante ist. Vor dem Hintergrund so vieles nicht zu wissen, möchte ich kein bewusstes Massenexperiment mit 80 Millionen erleben. Außerdem weiss ich nicht, wie es eine Gesellschaft verkraftet, so viele Menschen mehr oder weniger bewusst von Anfang an auf die "Verlustliste" zu setzen. Will ich in so einer Gesellschaft leben???
Also hoffe ich auf Zeitgewinn, auch Zeitgewinn für mögliche Behandlungsoptionen und evtl. Impfungen in weiterer Ferne.

Aber dass es in 5 Wochen besser ist, glaube ich auch nicht...
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Meine3 » Mo 16. Mär 2020, 23:38

Du hast Recht. Ich möchte eigentlich auch nicht in so einer Gesellschaft leben. Aber das eine ist illusorisches Wunschdenken und das andere die Realität.

Natürlich habe ich auch immer genau deswegen immer wieder auch die Gedanken, dass die Verzögerungstrategie das einzige ist, was man grade tun kann. Aber immer wieder komme ich dann zu zwei Punkten zurück:

1) Wie soll man dieses Virus eindämmen, bzw. In den Griff kriegen, wenn man nicht alles versucht, die Infizierten, vor allem die mit mildem oder stillem Verlauf aufzudecken? Wie kann ich etwas bekämpfen, dass ich nicht „sehe“? In Südkorea fährt man genau diese Schiene: so viel Testen wie möglich, um Infizierte möglichst schnell zu ermitteln. In Deutschland wird nur getestet, wer im Risikogebiet war oder mit nachweislich (!) Infizierten in Kontakt stand UND symptome zeigt. Die ohne Symptome sollen (nicht müssen) sich 2 Wochen selbst isolieren... Mir ist klar, dass es auch hier wieder darum geht keine Engpässe bei der Testung zu bekommen und Zeit zu gewinnen, mehr Menschen adäquat behandeln zu können. Aber es geht mir dennoch nicht in den Kopf, dass man nicht versucht, die Ansteckung nicht nur zu verzögern, sondern zu minimieren, indem man mehr Virusträger aufdeckt? Es WIRD die Durchseuchung geben, wenn weiterhin ein Großteil der Infizierten garnicht ermittelt wird, weil Corona in 80% der Fälle mild verläuft und von daher wie eine starke Erkältung oder die Grippe daher kommen kann, was hier ja ohne Verdachtsmoment NICHT zu einer Testung führt... Aber DAS wird billigend in Kauf genommen, damit es nicht zur temporären Überlastung des Gesundheitswesens kommt.

Wahrscheinlich bin ich einfach zu doof, das zu verstehen... Ich habe seit unserem Aufenthalt in Madrid eine Erkältung. Die begann mit starken Halsschmerzen, schnell gefolgt von einem echt ekligen trockenen Reizhusten inklusive Kurzatmigkeit. Meine Freundin und Gastgeberin hatte das gleiche zur selben Zeit und ist zum Arzt. Sie hat eine Krankschrwibung für einen Tag bekommen und musste als Lehrerin am nächsten Tag wieder arbeiten. Mein Kind hatte zur selben Zeit sehr hohes Fieber und sie war unheimlich schlapp. Wir waren in einer Gemeinschaftsarzt-Praxis mit ihr. Es wurde eine virale Halsentzündung nach einer halbherzigen Untersuchung diagnostiziert und das war’s. Die Kinderärztin hatte nämlich eigentlich schon seit einer halben Stunde Feierabend, wie uns eingangs erklärt wurde Bevor wir zum Arzt sind, habe ich fest damit gerechnet, dass wir auf Corona getestet werden und uns schon im Hausarrest in einem fremden Land gesehen. Wir wurden heimgeschickt, keiner hat das auch nur kurz „hinterfragt“. Jetzt ist Madrid seit d Wochenende Risikogebiet. Wir sind seit Ende Februar zurück. Die zwei Wochen sind also GRADE rum... Nachfrage beim Hausarzt hat ergeben, dass die Ansteckung ja noch in Deutschland erfolgt hätte werden müssen und zu diesem Zeitpunkt (Mittw Februar) hätte es hier noch keine Fälle gegeben. Ich bin nun auch unschlüssig ob ich jetzt zu den unnötig panischen Gehöre, ABER: Wenn wir es doch gehabt hätten, wieviele hätten wir wohl in der Zeit angesteckt?!

2. warum wurde nicht früher gehandelt und dann oft auch erst zögerlich?! Warum tun wir (Deutschland) das jetzt auch? Warum wird nicht konsequenter und härter gehandelt? Jetzt, seit klar ist, dass es eine Pandemie ist, was die Krankheit „bedeutet“? Ist es nicht irgendwie irre, das selbe zu tun wie die Länder, die so stark betroffen waren/sind und einen anderen Ausgang zu erwarten?
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Re: Fünf Wochen Ferien

Beitragvon Rabaukenmama » Di 17. Mär 2020, 16:21

Meine3 hat geschrieben:Und meiner Meinung nach ist es nunmal so, dass zu spät gehandelt wurde in vielen Ländern, auch in Deutschland. Damit meine ich mitnichten (!!), dass nun alles völlig egal ist und man nichts tun muss oder soll, wie es hier anscheinend verstanden wurde ! Sondern dass man hätte früher reagieren KÖNNEN und MÜSSEN. Es wird oft in den Medien so dargestellt, als hätten die Deutschen ja so früh gehandelt. Ich sehe das anders. Meiner Meinung nach wäre ein frühes schließen der Grenzen sehr sinnig gewesen oder aber, jetzt wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, die Flucht nach vorn (Durchseuchung natürlich zulassen).


Meine3 hat geschrieben:Aber global, wirtschaftlich und aufs Gesamtwohl bezogen, finde ich eine schnell erreichte immunität bei einem
Großteil der Bevölkerung sinnvoller als eine langsam erreichte Immunität und damit verbundene langwierige Maßnahmen, die das Leben aller für eine lange Zeit (teilweise auch für immer, wenn das Geschäft pleite geht bspw.) stark beeinträchtigt. Dabei geht Armut nicht um meinen kleinen Kosmos. Es geht mir hier um das grosse Ganze.



Du siehst das ganze ziemlich einseitig. Es geht nicht NUR darum, ob vielleicht ein paar hundert alte Leute, großteils mit Vorerkrankungen, sterben oder nicht (bzw. erst bei der nächsten "normalen" Infektion). Es geht um das Vertrauen in den Staat, die Versorgungssicherheit, das Gesundheitssystem, usw. Es geht auch ganz viel um Ängste und Traumatisierung. Ich denke nicht, dass diejenigen, die sich zur Zeit in Spittälern in Norditalien aufhalten, ihre Eindrücke dort niemals vergessen werden können. Dort liegen in den Gängen die Säcke mit den Leichen rum und Ärzte müssen entscheiden, ob das schwer asthmakranke Kind oder der 70jährige Kollege beatmet werden soll.

Jetzt sehen es die meisten so, dass "zu spät" gehandelt wurde bzw. wird. Tatsächlich hätte man vor 4 Wochen zumindest in Österreich (wo damals noch kein einziger Corona-Fall bekannt war) ein schnelles Handeln als Willkürakt der Regierung gesehen und es hätte sich ohnehin niemand an Gesetze und Einschränkungen gehalten. Mittlerweile scheint zumindest dem Großteil der Bevölkerung klar geworden zu sein, dass wir uns wirklich in einer sehr ernsten Situation befinden. Aber vor 4 Wochen hätte ich vermutlich selbst noch gesagt "Hey, was soll der Quatsch! Wir haben BSE, Vogelgrippe, Schweinegrippe und SARS ohne irgendwelche Einschränkungen überstanden, was soll an diesem Virus jetzt so schlimm sein?".

Rückblickend ist immer leichter zu behaupten, man HÄTTE ja schon viel früher handeln können und müssen. Das zeigt für mich auch das Beispiel deines Madrid-Urlaubes. Als du selbst und mit deinem Kind zum Arzt gegangen bist, war zwar schon bekannt, dass es da in China ein neuartiges Virus geben soll, und dass dieses VIELLEICHT auch mal nach Deutschland kommen könnte, aber niemand hat so wirklich daran geglaubt.

Ja, vielleicht wurde zu spät gehandelt, vielleicht ist auch alles, was jetzt geschieht, schon zu spät. Aber es ist ja auch längst nicht erwiesen, dass man überhaupt eine Immunität gegen das Virus aufbauen kann, also ist die "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"- Version auch nichts gesichertes.

Meine3 hat geschrieben:Ich denke nicht, dass nach 5 Wochen alles „wieder gut“ ist. Vielleicht bin ich Pessimist, vielleicht sehe ich zu schwarz, mag sein. Dafür habe ich auch meine ganz persönlichen Gründe.

Und jetzt werde ich sicher gesteinigt....


Wer glaubt hier, das in 5 Wochen alles "wieder gut" ist? Das wird es nicht sein, völlig unabhängig davon, ob und welche Beschränkungen den Ländern von den einzelnen Regierungen angeraten bzw. aufgezwungen werden. Es geht darum, den Weg des kleineren Übels zu wählen (welches so oder so noch groß genug sein wird :( ). Und der erscheint dir einfach anders als z.B. mir. Das ist kein Grund, dich zu steinigen, das ist Meinungsfreiheit und die herrscht Gott sei Dank immer noch :fahne: .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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