Privatschule?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Privatschule?

Beitragvon Melina23 » Mo 6. Apr 2020, 12:00

Hallo alle zusammen,

ich brauch mal euren Rat bzw. eure Meinung als Eltern, denen es ähnlich ging oder gehen kann..
Meine Tochter ist 11 und wünscht sich, auf ein Privatgymnasium zu wechseln. Sie hat von ihrer Grundschulfreundin gehört, wie anders der Schulalltag dort ist und findet nun alles an ihrer jetzigen Schule "doof".

Natürlich weiß ich, dass eine Privatschule vielleicht besser auf ihre Bedürfnisse eingehen kann und sich die Lehrer dort schlicht mehr Zeit nehmen können. Aber was, wenn ich mir das einfach nicht leisten kann? Die Schule würde 400€ im Monat kosten.. Das ist momentan einfach nicht realisierbar.

Ich wollte mal bei euch rumfragen, ob ihr Privatschulen für HB-Kinder vorteilhaft findet und ob es eventuell Förderungen gibt, von denen ihr wisst? Wenn man nachweist, dass sein Kind hb ist?

Danke schonmal..
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Re: Privatschule?

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 6. Apr 2020, 16:51

Hallo Melina!

Auf Grund eines HB-Nachweises gibt es keine Möglichkeit für Finanzierung einer Privatschule (ebensowenig wie z.B. bei Nachweis geistiger Behinderung). Von den Privatschulen, die ich kenne, haben jedoch die meisten Möglichkeiten, das Schulgeld für Kinder, deren Eltern sich den vollen Betrag nachweislich nicht leisten können, zu reduzieren. Manchmal ist das auch über den Elternverein möglich. Ob das bei euch der Fall wäre kannst du nur direkt bei der Schule erfragen.

Ich an deiner Stelle würde mir das trotzdem gut überlegen. Denn wenn schon Euro 400,- für euch schon MOMENTAN nicht realisierbar sind, wie willst du dann die nächsten 7 Jahre mit allem, was bei Privatschulen noch zusätzlich anfällt, wuppen? Damit meine ich Lehrmittelbeiträge, Ausflugsgeld, Kosten für Projekttage, Sprachwochen, etc. Das wird mit zunehmenden Alter der Kinder immer mehr. Dazu kommt, dass die Klientel an Privatschulen hauptsächlich aus Kindern begüterter Eltern besteht, die reichlich Taschengeld bekommen und auch was Kleidung und Technik (Handy, Laptop,...) betrifft, am Puls der Zeit sind. Da KANN (muss natürlich nicht) sein, dass deiner Tochter dieser Unterschied immer wieder schmerzlich bewusst wird.

Gibt es noch mehr Gründe, die für einen Schulwechsel sprechen, als die für diese Schule schwärmende Freundin deiner Tochter? Dass sich die Lehrer mehr Zeit nehmen können ist sicher ein Kriterium, aber ist es wirklich so, dass "mehr Zeit" das ist, was deine Tochter benötigt?

Vor dem Treffen so einer Entscheidung würde ich zuerst einmal schauen, was genau es ist, was deine Tochter an der momentanen Schule als belastend empfindet. Dann kann man überlegen, ob und wie man das ohne Schulwechsel ändern könnte oder wie man eine nicht veränderbare Situation erträglicher machen kann.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich will nicht generell gegen einen Schulwechsel sprechen. Auch ich habe bei meinem älteren Sohn überlegt, eine Privatschule zu nehmen (bei Wechsel ins Gymnasium), diesen Gedanken aber dann wieder fallen gelassen. Denn die Dinge, wo er Probleme hat und macht, sind NICHT lerntechnischer Natur. Wie gut oder schlecht er an einer Schule zurecht kommt bzw. wie gut sie ihm gefällt, hängt viel mehr von Zufallsfaktoren (Lehrer, Klassenkonstellation,...) ab, als davon ob die Schule öffentlich-rechtlich oder privat geführt wird.
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Re: Privatschule?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 6. Apr 2020, 21:54

Objektiv gesehen, landen in den Privatgymnasien mehr Kinder von unterem Leistungsniveau als vom oberen. Es wird viel mehr auf die Schwächen eingegangen. Auch wenn das Gras auf dem Nachbarsgrundstück grüner erscheint, wird der Wechsel für ein begabtes Kind kaum Förderung bringen. Das Thema Neid in beide Richtungen (Begabung vs Wohlstand) wäre auch nicht zu unterschätzen.
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Re: Privatschule?

Beitragvon Pinky » Di 7. Apr 2020, 08:15

Rabaukenmama hat es ja schon angedeutet: Privat- und staatliche Schulen sind nicht unbedingt unterscheidbar auf Grund der Menge an hochbegabten Kindern, die die Schulen besuchen, sondern vielmehr auf Grund des Einkommensstatus der Eltern.. Der Leistungsdruck ist enorm, da die sogenannten Helikoptereltern hier viel präsenter sind. Sobald das Kind eine schlechte Note nach Hause bringt kommt die Moralkeule, á la "Ich bezahle so viel Geld jeden Monat, wie kann das sein?"

Ich bin schlicht kein Freund davon. Meine Schwester hat ihren Sohn in einer Privatschule untergebracht. Der Junge kommt dort überhaupt nicht klar, als Kind von Eltern aus der oberen Mittelschicht!
Um sich die Schule finanzieren zu können haben sie einen Kredit aufgenommen.

.. Hab das von Anfang an skeptisch betrachtet. Immerhin gibt es auch sehr gute Schulen, die nichts kosten und wo ebenfalls eine Reihe von guten Absolventen abgehen! Und eh man sich da 7 Jahre lang verschuldet ... Und das Kind am Ende auf einer staatlichen Schule genauso gut gefordert wäre?

Wir haben uns bewusst dagegen entschieden.
Zuletzt geändert von Pinky am Fr 24. Apr 2020, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Privatschule?

Beitragvon Auguste » Di 7. Apr 2020, 10:50

Melina23 hat geschrieben:Hallo alle zusammen,

ich brauch mal euren Rat bzw. eure Meinung als Eltern, denen es ähnlich ging oder gehen kann..
Meine Tochter ist 11 und wünscht sich, auf ein Privatgymnasium zu wechseln. Sie hat von ihrer Grundschulfreundin gehört, wie anders der Schulalltag dort ist und findet nun alles an ihrer jetzigen Schule "doof".

Natürlich weiß ich, dass eine Privatschule vielleicht besser auf ihre Bedürfnisse eingehen kann und sich die Lehrer dort schlicht mehr Zeit nehmen können. Aber was, wenn ich mir das einfach nicht leisten kann? Die Schule würde 400€ im Monat kosten.. Das ist momentan einfach nicht realisierbar.

Ich wollte mal bei euch rumfragen, ob ihr Privatschulen für HB-Kinder vorteilhaft findet und ob es eventuell Förderungen gibt, von denen ihr wisst? Wenn man nachweist, dass sein Kind hb ist?

Danke schonmal..


An manchen Privat-Schulen gibt es Stipendien. Dafür muss das Kind aber echt ein Überflieger sein, um da dran zu kommen. Außerdem muss das Kind dann auch Überflieger bleiben, um das Stipendium zu behalten. Sacken die Leistungen ab, wird das Stipendium gestrichen. Ob es an dieser Schule so etwas gibt, kannst du sicher dort erfragen.

Es gibt oft auch "Förderprogramme" für Schüler, die es sich nicht leisten können - wurde ja schon gesagt. Auch da wäre die Schule der Ansprechpartner.

Wir haben uns von Anfang an gegen Privat-Schulen entschieden und stehen auch zu unserer Entscheidung. Privat-Schulen wollen keine "Problem-Kinder" - zumindest nicht die bei uns. Der Sohn einer Bekannten (hat ADHS, ist aber ein ganz lieber, nur etwas zappelig, schlecht konzentriert und hat eine sehr niedrige Frustrationstoleranz) wurde von Schülern und Lehrern regelrecht aus der Privatschule rausgemobbt - auf übelste Weise. Der Bruder des Jungen war angepasst und artig - der hatte keine Probleme - weder mit den Schülern noch mit den Lehrern. Der "Problem-Junge" geht jetzt auf eine staatliche Schule, fühlt sich dort wohl und wird von Schülern und Lehrern so akzeptiert wie er ist.

Wie auch schon gesagt wurde, bleibt es nicht bei den 400,- € Schulgeld im Monat. Da wird dann exklusives Schulmaterial benötigt, was die Eltern zusätzlich zu zahlen haben, die Ausflüge, Projekte, Klassenfahrten sind den Geldbeuteln der üblicherweise gut betuchten Eltern angepasst. Wenn du das Geld eigentlich nicht hast, dann musst Du jedes Mal rudern, damit Dein Kind nicht außen vor bleibt.

Auch die Abschlüsse von Privat-Schulen sind nicht unbedingt überall gern gesehen. Da hört man zuweilen schon Sachen wie "Ach, auf der Privat-Schule das Abi gekauft?" und es wird lieber der Bewerber genommen, der auf der staatlichen Schule war. Zumindest dann, wenn die Privat-Schule keine bekannte "Elite-Schule" ist.

Ich würde meine Kinder nicht auf eine Privat-Schule wechseln lassen, nur weil irgendeine Grundschulfreundin schwärmt wie cool doch ihre Schule ist. Ihr habt Euch doch beim Wechsel auch etwas gedacht, warum Euer Kind auf die Schule gehen soll, auf der es jetzt ist. Dann steht zu der Entscheidung und vermittelt das auch Eurem Kind.

So lange es auf der jetzigen Schule keine größeren Probleme gibt, kann das Kind da genauso gut einen Abschluss machen wie auf einer Privat-Schule. Und von dem Geld, was ihr dann spart, kann sie mit 18 locker den Führerschein machen, was eben nicht drin wäre, wenn das Geld für die Privat-Schule draufgeht ;)
Zuletzt geändert von Auguste am Mi 8. Apr 2020, 20:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Privatschule?

Beitragvon alibaba » Mi 8. Apr 2020, 17:53

Weil deine Tochter sich das wünscht, springt Muddern? Meine Tochter wünscht sich auch immer viel. ;)

Bevor wir Wünsche erfüllen, die wir nicht kennen, recherchieren wir. Ich schlage Die daher vor, recherchiere. Nimm dein Kind dazu - es ist ja Ihr Wunsch. Hinterfragt warum es aktuell „doof“ ist. Vielleicht kann man da zuerst ansetzen.

Es ist nie alles Gold was glänzt, egal ob staatliche Schule oder private.

Ihr solltet vergleichen und Euch die betreffenden Schulen anschauen. Probeunterricht! Allerdings, wenn Du das Schulgeld eh nicht stemmen kannst, braucht Ihr das auch nicht tun.


Für mich hört sich deine Frage absolut unausgegoren an. Wie hingeworfen kommt mir das vor. Da frag ich mal ob das so okay sein könnte. :gruebel:

Von daher - informiert Euch erst einmal gründlich selbst. Schaut was aktuell in der jetzigen Schule geklärt werden kann. Und dann fasse alles zusammen und frag hier noch mal. :friedlich:
alibaba
 

Re: Privatschule?

Beitragvon koala27 » So 31. Mai 2020, 19:29

Moin,
unsere Tochter ist 12 und seit knapp 2 Jahren auf einen privaten Gymnasium.
Hier in NDS. ist es so, dass die Kids sich das Gymnasium nicht aussuchen können, sondern auf das Gymnasium gehen müssen, was dem Einzugsgebit zugeordent ist, wo man wohnt.
Also bliebt hier nur das normale öffentliche Gymnasium mit 1200 Schülern und 7 zügig ( in Klasse 5). Oder das private Gymnasium in 10 km Entfernung.
Sie hat sich beide angesehen und für das private entschieden. Dort sind ca. 800 Schüler, es ist 3 zügig pro Jahrgang und gerade jetzt in der Coronazeit merkt man die Unterschiede zum staatlichen Gym sehr deutlich--in bezug auf Homeschooling, Rückmeldungen, Vorbereitungen für die schrittweise Öffnung usw.
HB Zug oder ähnliches gibt es hier gar nicht, von daher ist es ein ganz normales Gym, was sich aber die Kids die kommen wollen aussuchen kann- auch wenn es Geld kostet, es wird eben nicht jeder genommen-wenn der Schnitt zu schlecht ist bspw. oder die Kopfnoten nicht so toll sind.
Wir sind sehr zufrieden mit dem privaten Gym ( staatlich anerkannt in freier Trägerschaft) und die Kosten sind überschaubar.
Im Monat ca. 140 Euro Schulgeld zuzüglich Bus ( der ist das teuerste daran 700 Euro für 11 Monate und nur für Hin und Rückfahrt für 10 km).
Unterricht ist jeden Tag 6 stündig, sollte ein Lehrer fehlen wird IMMER vertreten, entweder genau das Fach oder zumindest ein Lehrer der die Klase sonst auch hat und dann eben eine Zusatzstunde gibt. Sie hat in den 2 Jahren dort noch nicht 1 Freistunde gehabt :)

Wir wissen aber eben auch, wie es hier am örtlichen Gym abgeht--da werden ja alle Kids genommen ( in NDS: gilt der Elternwille) und es ist im Grunde so, dass pro Schuljahr einen komplette Klasse ausgesiebt wird--also aus 7 zügig in Klasse 5 wird dann 6 zügig in Klasse 6 etc. ist weder für die Kids noch für die Klassen super.
UNterrichtsausfall ist hier an der Tagesordung, auch bspw. Stundenkürzungen. In Klasse 5 sind bspw. 29 Stunden pro Woche Pflicht und vorgeschrieben--dort werden dann aber eben mangels Lehrern nur 27 Stunden unterrichtet...macht ja nur 80 Stunden im Schuljahr weniger.. und wie die aufzuholen sind ist auch klar--später mit massig Aufgaben zu Hause.

Für uns ist die Privatschuel eine super Alternative gewesen und wir finden es sehr schade, dass es dort nicht auch eine Grundschule gibt, die hätten wir nämlich gerne für unseren Kurzen.
koala27
 
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