Schulöffnung

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Fr 8. Mai 2020, 14:16

@Katze-keine-Ahnung: Ich finde die Stelle nicht mehr, aber du hattest doch mal gemeitn gehabt, dich würde interessieren, wie viele Lebensjahre tatsächlich durch Covid verloren gehen. Hier habe ich eine Antwort gefunden: https://www.tagesschau.de/investigativ/ ... g-101.html
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 8. Mai 2020, 15:40

Danke! Habe ich tatsächlich gefragt. Was mich allerdingt in diesen Zahlen überrascht, ist der Einfluss der Vorerkrankung. Wenn ich die erste Spalte richtig verstehe, ist das der Unterschied zu einer mittleren Lebenserwartung. Wenn all die Vorerkrankungen die Lebenserwartung nur um 1 Jahr reduzieren, habe ich Probleme mit der Glaubwürdigkeit des mathematischen Modells.

"Our analysis is novel in that it adjusts YLL for the number and type of underlying LTCs. This is important as people with underlying multimorbidity are recognised to be more vulnerable to COVID-19. However, although we had data for eleven common and important LTCs, we did not have markers of underlying disease severity among those who died. Severity of the underlying LTC has considerable impact on life expectancy"

https://wellcomeopenresearch.org/articles/5-75

So wie ich das vessehe, wurden im Laufe der Studie Patienten mit einem Register verglichen. Wenn beide im Register Herzkrankrankheit haben, dann haben sie statistisch gesehen die gleiche Lebenserwartung. Was in Wirklichkeit nicht immer der Fall ist.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Fr 8. Mai 2020, 22:05

Ich verstehe gerade nicht ganz, auf welche Tabelle du dich mit der ersten Spalte beziehst, aber ich hatte das auch so verstanden, dass mit einem Register verglichen wurde. Ich habe erst gezögert, den Link zu posten, weil mich das Ganze auch nicht völlig überzeugt hatte. Andererseits stimmen die zehn verlorenen Lebensjahre wesentlich besser mit meinem Bauchgefühl überein als Palmers halbes Jahr, wobei mein Bauchgefühl natürlich komplett unrepräsentativ ist :) Dass so gut wie nirgends berücksichtigt wird, dass es eine riesige Bandbreite im Schweregrad von Vorerkrankungen gibt, das nervt mich schon von Anfang an bei Berichten zu Vorerkrankungen. Mich würde auch sehr interessieren, ob das Risiko, an Covid zu sterben nicht schlicht stark mit der Belastbarkeit im Alltag korreliert, also ob jemand Marathon läuft oder beim Gehen auf der Ebenen mit Rollator alle paar Schritte nach Luft japsend stehenbleiben muss. Wobei ein spezifisches Problem bei Bluthochdruck/KHK/pAVK usw ja offenbar ist, dass die Gefäße dabei häufig sowieso schon vorgeschädigt sind und Covid dann nochmals in diese Kerbe reinhaut.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 9. Mai 2020, 10:24

charlotte12 hat geschrieben: Mich würde auch sehr interessieren, ob das Risiko, an Covid zu sterben nicht schlicht stark mit der Belastbarkeit im Alltag korreliert, also ob jemand Marathon läuft oder beim Gehen auf der Ebenen mit Rollator alle paar Schritte nach Luft japsend stehenbleiben muss. Wobei ein spezifisches Problem bei Bluthochdruck/KHK/pAVK usw ja offenbar ist, dass die Gefäße dabei häufig sowieso schon vorgeschädigt sind und Covid dann nochmals in diese Kerbe reinhaut.


Genau das ist meine Vermutung. Dass die eigentliche Hochrisikogruppen nicht einfach Menschen mit Diabetes und Herzproblemen sind, sondern diejenigen mit dekompensierten Formen. Darüber hinaus gibt es bei Viren immer VEREINZELT sehr schewere, manchmal tödliche oder zu einer bleibenden Behinderung führenden Verläufe. Wenn nach Einschätzung der Heinsberstudie schon etwa 2 Mio Menschen erkrankt waren und die Sterblichkeit im April etwa 20% höher war als in einem durchschnittlichen Jahr, kann es nicht sein, dass es so viele Risikopatienten gibt, wie es offziell angenommen wird. Das geht mathematisch nicht auf.

Ich habe jetzt den Plan für die Schulöffnung am Montag bekommen. Das ist keine Schule, dass ist ein Gefängnis. Drei Stunden in kleinen Gruppen, an einem Tag nur ein Fach, ohne Partnerarbeit, ohne Gruppenarbeit. Ausleihen von Lernmaterial ist verboten. Pausen draußen sind verboten. Bewegung im Schulhaus nur mit Maske. Die Kinder werden im ernst ermaht das Gesicht nicht anzufassen und die Hände 30 Sekunden zu waschen, mehrmals während des 3 stündigen Schultags? Wer von Erwachsenen schafft das? Masken ist die Sorge des Elternhauses. Führt dazu, dass jedes Kind eine Maske genäht bekommt und sie eine Woche lang ungewaschen trägt. Der Schulspielplatz ist gesperrt. Dafür sitzten alle nach Kontakten ausgehungerten Kinder in einem kleinen Sandkasten auf dem Gemeindespielplatzt. Diejenigen, die stundenlang im Sandkasten zusammenbuddeln, müssen ab Montag 1,5 Meter weit voneinander sitzen und dürfen nicht einen Radiergummi leihen.

Die Kinder brauchen nach der wochenlangen Isolation ausgerechnet Sportunterricht und Partnerarbeit. Frontalunterricht hätte auf meiner Prioritätliste Nummer 33. Ich stelle mir blidlich vor, was für Phobien und Ängste bei etwas ägstlicheren Kindern sich unter solchen Bedingungen entwickeln können. Wie gefährlich soll die Situation für die Kindern erscheinen, wenn man nicht mal ein Radiergummi ausleihen kann, ohne das Risiko sich dabei anzustecken?

PS Auf Wunsch meiner Großen haben wir den Film "Outbreak" die Woche angeschaut. Ich liebe Morgan Freeman und Dustin Hoffman, sie spielen die beiden Hauprollen.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Sa 9. Mai 2020, 12:42

Ich habe jetzt den Plan für die Schulöffnung am Montag bekommen. Das ist keine Schule, dass ist ein Gefängnis. ... Ich stelle mir blidlich vor, was für Phobien und Ängste bei etwas ägstlicheren Kindern sich unter solchen Bedingungen entwickeln können.

Genau das meine ich auch! Meine Tochter freut sich mittlerweile sehr auf die Schule - hake ich genauer nach, erfahre ich, dass sie sich konkret auf genau eine Sache freut, nämlich darauf, mit ihren beiden besten Freundinnen wieder auf dem Pausenhof zu spielen :? In der öffentlichen Diskussion wird immer betont, dass die Schulen geöffnet werden sollen, damit die Kinder die für eine gesunde Entwicklung dringend benötigten sozialen Kontakte wieder haben. Und, was passiert? Genau diese Kontakte bekommen sie nicht, im Gegenteil, ihnen wird ein unnatürliches Verhalten antrainiert. Meine Tochter durfte am Anfang der Krise mal ihre beste Freundin aus zwei Metern Abstand sehen (nicht meine Idee, sondern Idee der Mutter der Freundin...). Sie war hinterher völlig niedergeschlagen, das war für sie viel schlimmer gewesen als die Freundin gar nicht zu sehen. Ich hätte mit den Schulöffnungen so lange abgewartet, bis die Fallzahlen wirklich in dem Landkreis praktisch auf ein paar vereinzelte gut nachverfolgbare Fälle gefallen wären (weit davon entfernt sind wir ja gar nicht mehr), hätte die Klasse dann nach Freundschaften in Kleingruppen gesplittet, diese Gruppen dann aber ohne weitere Auflagen einfach ganz normal unterrichtet und miteinander spielen lassen. Unter diesen strengen Hygienebedingungen habe ich auch starke Bedenken, dass die Schule Kinder eher traumatisiert als dass es ihnen gut tut. Es ist ein Kompromiss nach allen Seiten - Schulen werden geöffnet, weil man ja nicht als kinderfeindlich dastehen möchte, die Kinder werden aber auseinandergehalten, weil man ja nicht verantworten möchte, dass die Fallzahlen wieder ansteigen.
Dass die eigentliche Hochrisikogruppen nicht einfach Menschen mit Diabetes und Herzproblemen sind, sondern diejenigen mit dekompensierten Formen.

Wie viele über 60-jährige OHNE irgendeine Vorerkrankung gibt es eigentlich? Gefühlt fast keinen, bzw. diejenigen, die sagen, dass sie keine Vorerkrankung haben, waren schlicht seit Jahrzehnten nicht beim Arzt und wissen nur nichts von ihrem hohen Blutdruck o.ä.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Auguste » Sa 9. Mai 2020, 14:06

charlotte12 hat geschrieben:
Ich habe jetzt den Plan für die Schulöffnung am Montag bekommen. Das ist keine Schule, dass ist ein Gefängnis. ... Ich stelle mir blidlich vor, was für Phobien und Ängste bei etwas ägstlicheren Kindern sich unter solchen Bedingungen entwickeln können.

Genau das meine ich auch! Meine Tochter freut sich mittlerweile sehr auf die Schule - hake ich genauer nach, erfahre ich, dass sie sich konkret auf genau eine Sache freut, nämlich darauf, mit ihren beiden besten Freundinnen wieder auf dem Pausenhof zu spielen :? In der öffentlichen Diskussion wird immer betont, dass die Schulen geöffnet werden sollen, damit die Kinder die für eine gesunde Entwicklung dringend benötigten sozialen Kontakte wieder haben. Und, was passiert? Genau diese Kontakte bekommen sie nicht, im Gegenteil, ihnen wird ein unnatürliches Verhalten antrainiert. Meine Tochter durfte am Anfang der Krise mal ihre beste Freundin aus zwei Metern Abstand sehen (nicht meine Idee, sondern Idee der Mutter der Freundin...). Sie war hinterher völlig niedergeschlagen, das war für sie viel schlimmer gewesen als die Freundin gar nicht zu sehen. Ich hätte mit den Schulöffnungen so lange abgewartet, bis die Fallzahlen wirklich in dem Landkreis praktisch auf ein paar vereinzelte gut nachverfolgbare Fälle gefallen wären (weit davon entfernt sind wir ja gar nicht mehr), hätte die Klasse dann nach Freundschaften in Kleingruppen gesplittet, diese Gruppen dann aber ohne weitere Auflagen einfach ganz normal unterrichtet und miteinander spielen lassen. Unter diesen strengen Hygienebedingungen habe ich auch starke Bedenken, dass die Schule Kinder eher traumatisiert als dass es ihnen gut tut. Es ist ein Kompromiss nach allen Seiten - Schulen werden geöffnet, weil man ja nicht als kinderfeindlich dastehen möchte, die Kinder werden aber auseinandergehalten, weil man ja nicht verantworten möchte, dass die Fallzahlen wieder ansteigen.
Dass die eigentliche Hochrisikogruppen nicht einfach Menschen mit Diabetes und Herzproblemen sind, sondern diejenigen mit dekompensierten Formen.

Wie viele über 60-jährige OHNE irgendeine Vorerkrankung gibt es eigentlich? Gefühlt fast keinen, bzw. diejenigen, die sagen, dass sie keine Vorerkrankung haben, waren schlicht seit Jahrzehnten nicht beim Arzt und wissen nur nichts von ihrem hohen Blutdruck o.ä.


Mein Sohn hat auch gleich den Kopf hängen lassen, als ich ihm erklären musste dass er am Montag nicht mit seinen Klassenkameraden auf dem Schulhof herumtoben kann, sondern stattdessen im zugewiesenen Bereich mit Abstand und direkter Aufsicht des zugewiesenen Lehrers wasauchimmer machen darf. Die Kinder dürfen nicht mal Spielzeug mitbringen. Ist ausdrücklich untersagt. Ich sehe die Kinder schon im 1,5 m Abstand 15 Minuten im Kreis latschen bis die Pause zu Ende ist. Da kommen auch eher Bilder von Gefängnishöfen in mir hoch als von Schulhöfen. Mal sehen was der Sohn am Montag erzählt. :(

Wenn es ihn noch weiter runterzieht als das allein zu Hause sein, dann lasse ich ihn des Rest des Schuljahres zu Hause. Da hat er wenigstens seine Schwester, die er auch anfassen kann und mit der er toben und kuscheln darf. Die Schwester darf nämlich noch nicht in die Schule und bisher haben wir für sie noch keinen Plan, ob sie überhaupt noch mal gehen darf.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 9. Mai 2020, 15:25

Ich bin gespannt, wann in der Politik ankommt, dass man eine derartige Infektion nicht vollkommen eindämmen kann... Auch dann nicht, wenn man jedem einen Pestanzug gönnt.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Sa 9. Mai 2020, 16:12

Die Kunst wird sein, mit den Beschränkungen so zu "spielen", dass einerseits die Fallzahlen nicht explodieren, andererseits aber die Bevölkerung nicht psychisch und wirtschaftlich dekompensiert. Ich habe gerade eine englischsprachige Seite entdeckt, auf der man alle möglichen Kombinationen von Maßnahmen samt Effekten simulieren kann. Hat mir so richtig gut gefallen :) https://ncase.me/covid-19/
Dort ist z.B. auch erklärt, warum es ausreicht, etwa 60% der Übertragungen zu verhindern (damit sinkt dann schon R unter 1 und die Kurve fällt in sich zusammen).
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Re: Schulöffnung

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 9. Mai 2020, 17:33

@charlotte

Interessant fand ich den Ausbruch in der Fleischindustrie. Wenn mich das Gedächtnis nicht täuscht, gab es einen ziemlich ähnlichen Fall in den USA. Was einen auf zwei Ideen bringt: entweder gibt es schon jetzt so viele Fälle, dass man in einem X-belibigen Betrieb durch Austesten eine Menge aktive und überstandenen Infektionen nachweisen kann, ohne das die Leute wissen, dass sie krank sind (waren), oder es könnte einen Zusammenhang zwischen Tieren und Menschen geben bei der Übertragung.
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Re: Schulöffnung

Beitragvon charlotte12 » Sa 9. Mai 2020, 17:54

Interessante Überlegungen. Wie hoch insgesamt die Rate an unbemerkten Infektionen ist, wollte doch eigentlich das RKI irgendwann im Mai/Juni in einer Studie testen, wenn ich mich recht erinnere. Hier:
https://www.rki.de/DE/Content/Service/P ... _2020.html

Mein erster Gedanke beim Ausbruch in der Fleischindustrie war - Singapur. Da gab es ja auch nach guter Eindämmung einen massiven Ausbruch unter den Gastarbeitern, die unter schlechten Bedingungen in beengten Verhältnissen lebten, und ich Schaf dachte noch, in Deutschland gibt es solche Zustände zum Glück nicht :oops:

Zumindest deckt diese Coronakrise so einiges an Missständen auf, die sonst unbemerkt vor sich hinschwelen.
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