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Schulöffnung

BeitragVerfasst: Sa 18. Apr 2020, 17:20
von zweierpack
Hallo,

ich muss mein "Bauchweh" und meine Bedenken angesichts der geplanten Schulöffnung für die 4.Klassen einmal loswerden.
Meine Kinder sollen ab 27.04. beginnen, die Sanitäranlagen ihrer Schule sind im (in D) üblichen ekligen Zustand und ich kann mir keine 4-5 Stunden Schule mit Maske für 9-10 Jährige vorstellen (die sind schon nach 30-60 Minuten richtig schön durchgefeuchtet und nerven), keine Kontakte unter 1,5 Metern mit Schulfreunden, kein Spielen auf dem Schulhof etc.

Der allgemeine Tenor ist ja, dass die Kinder endlich wieder unter ihresgleichen zur Schule können und wieder Sozialkontakte haben. Aber wenn ich mir die verkrampfte Situation mit 1,5 bis 2 m Abstand, einer Lehrerin mit Schutzvisier etc. vorstelle, finde ich das eher bedrückend. Meine Kinder haben sich erst gefreut, Freunde wieder zu sehen, als ihnen klar wurde, dass es keine Schule wie vorher sein wird, wurden sie ganz still.

Und mir stellt sich auch die inhaltliche Frage, was für weltbewegende Inhalte noch in den letzten 8 Wochen des 4. Schuljahres im Präsenzunterrricht laufen müssen, die sie für das Gymnasium brauchen... In den Wochen vor Ostern habe ich nochmals gemerkt, wie ewig wiederholend der Unterricht vor allem in Deutsch/Mathe ist, wenn alle Bonusfächer (Kunst, Sport, Reli. etc.) wegfallen. Die umfangreichen Arbeitsblattpakete der Lehrerin waren Mitte der Woche durch und gut wars...Ich gebe zu, es gab ziemliche Hochs und Tiefs, vor allem in der ersten Woche (Vereinbarkeit, wenn ich etwas arbeiten muss(etc.), inzwischen haben wir uns ziemlich gut aufeinander "eingegroovt" - auch wenns immer mal wieder kracht ;) .

Ehrlich gesagt wäre mir Homeschooling bis zu den Ferien recht und dann ein sehr gut vorbereiteter und geplanter Unterricht nach den Erfahrungen der älteren Schüler und mit weiteren gesicherten Erkenntnissen über Kinder als Überträger, Entwicklung der Pandemie etc.
Wie seht Ihr das? Wie fühlen sich Eure Kinder
Liebe Grüße

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: Sa 18. Apr 2020, 18:50
von charlotte12
Bei meiner Tochter war es identisch - Schule wäre nur wegen einem Wiedersehen mit ihren Freunden schön, Schule mit Mindestabstand und Mundschutz findet sie gruselig und will das nicht. Lieber die Freunde gar nicht sehen als mit Abstand. Ich habe mich auch schon die ganze Zeit gefragt, warum ausgerechnet die 4. Klasse so entscheidend sein soll - am Anfang von Klasse 5 wird doch sowieso wiederholt, um alle auf denselben Stand zu bringen. Außerdem haben ja alle ähnliche Voraussetzungen, dann wird eben einen Tick länger als üblich wiederholt. Ich wäre dafür, dass die Prüfungsjahrgänge ab sofort mit Abstand in die Schule gehen, dann vielleicht noch der Jahrgang, der im nächsten Jahr Prüfung macht, und dann sieht man weiter. Wobei wir ehrlich gesagt gerade ohne Schule bestens klar kommen :mrgreen: Meine Tochter sagt, sie kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass das mit dem Abstand und dem Mundschutz bei ihren chaotischen Mitschülern funktioniert. Ich könnte mir auch vorstellen, dass gezielt die Kinder aus sozialen Problemfeldern in die Schule kommen, habe aber keine Idee, wie man die herausfiltern will, ohne dass es diskriminierend und stigmatisierend wirkt.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: Sa 18. Apr 2020, 19:16
von Katze_keine_Ahnung
Die 4. Klässler sind die ältesten und somit die besten Kandidaten die Hygiene wenigstens ein bisschen zu beachten. Es geht gar nicht ums Lernen, sondern um eine langsame Rückkehr zur Normalität. Schön ist das nicht, aber quatschen mit der Freundin kann man immer noch. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder aus problematischen Familien wieder aus dem Haus rauskommen. Je länger sie zuhause sitzen, desto gefährderter sind sie. Ich würde dem Plan nur Freiwilligkeit zufügen. Meine Großen würden alle Bedingungen akzeptieren, nur um wieder in die Schule zu kommen. Leider ist die Mittelstufe die letzte in der Schlange.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: Sa 18. Apr 2020, 23:07
von Rabaukenmama
Bei uns gibt es noch gar keine Anzeichen für eine Schulöffnung. Wobei es mir lieber wäre, die Jungs könnten wiede4 hin. Nicht so wegen dem Schulstoff sondern aus rein egoistischen Gründen. Ich war in den letzten 4 Wochen rund um die Uhr mit ihnen zusammen und wäre echt froh, wieder zumindest ein bißchen entlastet zu werden. Dabei musste ich nicht mal daneben Homeoffice machen sondern nur den Haushalt, der ja im Normalbetrieb auch gemacht werden muss.

Beim jüngeren Sohn sind zwar nur 5 Kinder und zwei Lehrer in der Klasse, aber das mit dem Abstand ist dort praktisch unmöglich. Wenn mein Sohn z.B. an der Tafel ist arbeitet er dort so lange, bis ihm der Lehrer auf die Schulter klopft, womit er weiß, dass der nächste drankommt. Auch um die Aufmerksamkeit eines gehörlosen, autistischen Kindes zu bekommen, muss man es berühren. Und natürlich auch zum Windeln wechseln,...denn sauber iSt mein jüngerer Sohn leidet immer noch nicht.

Beim älteren Sohn mache ich mir weniger Gedanken, obwohl in seiner Klasse 25 Kinder sind. Aber er ist ohnehin ein Einzelgänger und hat keine Freunde in der Klasse. Trotzdem wird das mit dem Mindestabstand rein organisatorisch schwer werden. Aber da wir ohnehin keine Risikopatienten zu Hause haben ist selbst die Gefahr einer tatsächlichen Covid-Infektion gering.

Bei Kleinsohn im Internat wäre das hingegen brandgefährlich. Und Großsohn könnte ja Kleinsohn auch mit einer Infektion anstecken und der trägt diese dann in seine Internatsgruppe mit schwerst mehrfach behinderten Kindern, die definitiv oberste Risikogruppe sind!

Daher vermute ich mal, dass uns noch eine lange Zeit zu Hause bevorstehen wird. Vor allem aber sehe ich die Chance auf eine Ferienbetreuung im Sommer schwinden und da ich davon ausgehe, dann wieder normal arbeiten zu müssen, weiß ich nicht, wo ich Kleinsohn für 9 Wochen unterbringen kann :schwitz: . Insgesamt empfinde ich es als ziemlich belastend, so gar nichts planen zu können.

Die Lehrer meiner Kinder würden übrigens unisono eine rasche Wiederöffnung der Schulen begrüßen. Und ich könnte in dem Fall (so lange ich noch in Kurzarbeit bin) auch in der Firma was tun und dann wäre es einfacher, im Sommer auf ein Entgegenkommen mit freien Tagen zu hoffen, als wenn ich JETZT 90% der Zeit zu Hause bin.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 11:00
von charlotte12
Die 4. Klässler sind die ältesten und somit die besten Kandidaten die Hygiene wenigstens ein bisschen zu beachten. Es geht gar nicht ums Lernen

Wenn es gar nicht ums Lernen geht, dann verstehe ich es aber noch viel weniger. Die Viertklässler sind nur in den reinen Grundschulen die Ältesten. Mit dem Argument, dass wegen der Hygiene zuerst die Ältesten drankommen sollen, müssten die Fünft- bis Zwölfklässler vor den Grundschülern dran sein, auch vor den Viertklässlern. Mit dem Argument der problematischen Familien wäre es umgekehrt für die ganz Kleinen am wichtigsten, weil die sich am wenigsten selbst schützen können. Außerdem verläuft die Infektion bei den Unter-Zehnjährigen am wenigsten dramatisch, die Viertklässler sind schon knapp darüber. Mit dem Argument der Normalität wäre es egal, welche Klassen zuerst drankommen. Ich würde es auch ganz gut finden, wenn man das Ganze erst mal auf freiwillige Basis stellen würde. Wobei eine befreundete Lehrerin meinte, dass in ihren Klassen dann garantiert ausgerechnet die Kinder aus problematischen Verhältnissen nicht kommen würden. Und meine Tochter meint zu dem Thema, dass sie den braven Erstklässlern das Abstandhalten viel eher zutraut als ihren Mitschülern :?

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 11:18
von Katze_keine_Ahnung
@charlotte

es gibt sehr viele Grundschulen, die reine Grundschulen sind, oder zumindest deutlich von dem Rest des Betriebs abgegrenzt sind. Klar, ist die Regelung relativ willkürlich, genaso wie die Öffnung der Läden nur unter 800 m2 Grenze, aber irgendwo muss man die Linie ziehen. Egal wie man entscheidet, es wird immer die Benachteiligten geben. Aber alles auf einmal wieder auzumachen wäre eine ziemlich riskante Sache.

Die Infektion verläuft bei den Kindern leicht. Aber so lange man die Frage nicht geklärt hat, inwieweit sie sich überhaupt infizieren und inwieweit sie dann ansteckend sind, kann man sie nicht ohne Schutz wild miteinander vermischen. Sonst läuft man die Gefahr, dass sie die Infektion dann in großen Wellen verteilen. Mir ist es auch nicht klar, wie die Regelung mit gefährderten Kindern funktioniert. Oder was ist mit den Kindern, dessen Eltern zu den Risikogruppen gehören. Deren Schutz finde ich viel wichtiger als die Entscheidung, wer zuerst kommt, die 1. Klasse oder die 4.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 12:32
von charlotte12
Mir ist es auch nicht klar, wie die Regelung mit gefährderten Kindern funktioniert. Oder was ist mit den Kindern, dessen Eltern zu den Risikogruppen gehören. Deren Schutz finde ich viel wichtiger als die Entscheidung, wer zuerst kommt, die 1. Klasse oder die 4.

Genau deshalb würde ich Freiwilligkeit gut finden. Ich gehöre laut RKI selbst zur Risikogruppe, mein Mann definitiv zur Hochrisikogruppe. Ich arbeite in einem Bereich mit hohem Infektionsrisiko. Interessiert keinen, da systemrelevant. Von da aus denke ich auch nicht, dass jemanden solche Nebensächlichkeiten wie ein gefährdetes Kind oder gar gefährdete Eltern interessiert.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 13:26
von zweierpack
Freiwilligkeit fände ich ideal - diese Hoplahopp-Aktion finde ich dagegen schlicht unklug und schlecht geplant. Klar beschweren sich jetzt alle möglichen Lobby-Gruppen über die Entscheidungen, aber das bedeutet ja nicht, dass sie nicht zu verbessern wären.

In unserem Bundesland fangen wir noch eine Woche früher an als im deutschen Schnitt geplant. Warum lässt man sich nicht Zeit für durchdachte Überlegungen und Öffnungen, denn wir werden noch länger mit diesem Zustand leben müssen?

Ein Zurück zur "Normalität" wird es sowieso nicht geben können, bis es eine adäquate Behandlung bzw. Impfung gibt - Covid verschwindet nicht wie durch Zauberhand und die idiotische Idee der Herdenimmunität braucht entweder lange Zeit oder kostet viele Opfer (auch unter Jüngeren).

Manchmal befürchte ich, man möchte einfach Normalität simulieren, um dem wachsenden Druck auszuweichen...

Meine Kinder als "Versuchspersonen" finde ich dabei einfach unangenehm, vor allem da ich immer wieder von Pädagogen/Lehrern lese, dass sich 10 Jährige eben nicht gut an die Abstandsregeln halten können und die inhaltliche Begründung der "Abschlussklasse" Pillepalle ist (bei uns hätte es noch Projektwochen, Fahrradführerschein, diverse Ausflüge etc. gegeben, die es jetzt natürlich nicht mehr gibt - genau darauf freuen sich aber meine Kinder).

Bei uns sind 20 Stunden pro Woche angedacht, also fast volles Programm. Das bedeutet aber auch 4 Stunden mit Maske. Mein Mann erzählt mir immer, wie froh er ist, wenn er nach 1-2 Stunden mal die Maske (meist einfache chirurgische Maske, ab und zu ffp2/ffFp3) absetzen kann, wenn er alleine ist.

@charlotte12
Bei dem Risikoprofil können wir uns wohl die Hand reichen: mein Mann und ich beide mit Vorerkrankungen (nichts dramatisches, aber man fällt ja wohl schon mit eingestelltem Bluthochdruck und Asthma darunter); ich betreue daneben noch meinen Schwiegervater (90), der Kontakt lässt sich nicht vermeiden.

Vielleicht sehe ich aufgrund des Risikoprofils die Sache nicht so entspannt, mein Mann ist schon unser potentieller "Seuchenherd", da er im Krankenhaus (auch Covid-Kontakt) arbeitet. Seinen ersten (negativen) Test bei einer Erkältung hat er schon hinter sich und ich brauche einfach gefühlsmäßig nicht noch mehr unklaren Außenkontakt, dessen Sinn ich nicht so richtig einsehe und der den Kindern eben nicht Normalität (Spielen mit Freunden, Herumalbern etc.) bringt.



Liebe Grüße
P.S.: Ich verstehe alle, die durch Homeoffice und Kinderbetreuung extrem genervt und angespannt sind und sich wieder irgendeine Form von Entlastung wünschen, aber bitte besser geplant als der Schnellschuss jetzt (bzgl. Freiwilligkeit, Testungen, wirkliche Kleingruppen und Verzahnung von Präsenzunterreicht, eigenem Lernen und gutem digitalem Angebot)

P.P.S.: Noch ein Buchtipp Laura Spinney:1918 Die Welt im Fieber.
Ein extrem spannendes Sachbuch über die "Spanische Grippe" 1918, zum Teil mit interessanten Parallelen zu heute.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 14:59
von charlotte12
Ich verstehe auch nicht, warum man mit solchen Experimenten nicht einem Bundesland mit niedrigen Fallzahlen beginnt und dann zwei Wochen lang die Wirkung abwartet.

Re: Schulöffnung

BeitragVerfasst: So 19. Apr 2020, 16:16
von Katze_keine_Ahnung
Weil alle um Wette laufen, um die Wirtschaft möglichst schnell hoch zu fahren. Vielen Unternehmen droht die Insolvenz. Nicht nur den kleinen Firmen, sondern auch den richtig großen Traditionsunternehmen. Der Staat hat nicht die Resourcen den Ausgleich in voller Höhe durchzuführen. Sollte der Shutdown länger dauern, werden Unternehmen reihenweise bankrott gehen. Damien gehen die Arbeitsplätze verloren. Die Unternehmen, die schon vor der Krise sich in der Schieflage befanden, bekommen akutell keine Hilfe. Der Shutdown ist somit so gut wie ihr Todesurteil.

Man wägt die Risiken ab in dem Wissen, dass man keine Zeit habe, um auf eine Nummer sicher zu gehen. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern um viele bedrohte Existenzen. Ich wäre dafür, dass man mehr erlaubt. Wir haben Sommer. Man kann den Wirten erlauben die Tische draußen aufzustellen. Man kann den Hotels erlauben wenigstens 10% der Gäste zu haben. Wo ist das Problem die größen Einkaufzentren zu öffnen, wenn man die Zahl der Kunden pro Tag limitiert. Damit sie wie Wirte wengstens 10% ihres Umsatz hätten, um die laufenden Kosten zu decken.


... und jeder zieht so gut wie es nur geht, in seine eigene Richtung. Die Debatte über die Gottesdienste regt mich auf.