Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Fr 12. Jun 2020, 07:49

Danke euch für euer Anregungen und "Geschichten".
Meine Tochter weiß in Filmen auch immer gut bescheid, wer mit wem was hatte, wer Dreck am Strecken hat, wer in wen heimlich verliebt ist... Und das immer sehr früh.
Sie merkte in der Grundschule auch, wenn jemand kurz davor war, zu weinen, weil er bspw geärgert wurde oder sich ärgerte. (Nur handelt sie dann nicht, tröstet oder so, sondern beobachtet das mit Abstand, währenddessen die kleine Schwester wohl für den Betroffenen irgendwie aktiv würde. Die Große ist von Emotionen - auch denen anderer - oft überfordert. Typisch für Hochsensibilität.)

Ich habe mit der Großen gerade gestern die Serie "Little Fires everywhere" geschaut, wo es um Lügen und Geheimnisse und unterschwellige Vorurteile und verleugnete und unterdrückte Gefühle zweier Familien geht. Hat ihr so gefallen, dass sie weitere Folgen sehen wollte (an sich wollte ich die Serie schauen, sie kam nur dazu) und sie war sehr gut darin, die Motive der einzelnen Personen zu erkennen.
Auf der anderen Seite ist die Kleine im Alltag oft sehr viel empathischer, sie weiß genau, wann es angemessen ist, jemandem aus dem Weg zu gehen, wann man sich über Hilfe freut, wann es besser ist den Mund zu halten, statt auf einem Thema weiter rumzureiten. Darin ist die Große nicht ganz so geschickt. Und das hat nichts mit dem aktuellen Altersunterschied zu tun, denn ich vergleiche hier die Kleine mit der Großen im gleichen Alter.
Und wenn ich (nur zur Orientierung) Asperger-Tests im Internet mache, landet die Große tatsächlich auch meist im Grenzbereich, so dass dann steht, man könne es nicht eindeutig sagen.

Wo ich ihr den Lehrer betreffend übrigens Recht gebe:
wenn ich im Nachgang das Gespräch noch mal repetiere, dann ist recht klar, dass er den mathematisch besonders Begabten, Schnellen in der Klasse innerlich den Vorzug gibt. Ich erzählte bspw, dass meine Tochter zu Stressreaktionen neigt, wenn sie ihre Leistungsgrenze erreicht, wie das auch im Testgutachten steht. Er sprach dann davon, dass das natürlich für sie in seinem Unterricht sehr ungünstig wäre, da er in Klasse 5 und 6 sehr viel und sehr komprimierten Stoff vermittelt und die Kinder damit ständig an ihre Leistungsgrenze bringt, und dass er das vor allem auch für die 5,6 besonders starken Schüler mache, denen er ja auch was bieten müsse.
Was ja auch ein sehr deutlich formuliertes Ziel der Schule ist, also die Begabtenförderung für den MINT-Bereich.

Sicherlich (und verständlicherweise) hat er persönlich ganz besonders viel Freude daran, mit diesen leistungsstarken Kindern zu arbeiten. Da kann ich mir schon vorstellen, dass er unbewusst den "anderen" mitunter etwas weniger begeistert gegenübertritt und vielleicht dann auch manchmal unabsichtlich ungeschickt abwertende Bemerkungen und Witze macht oder entsprechende Mimik zeigt.
Und wo er meine Tochter da im Leistungsspektrum einordnet, hat er ja am Anfang des Gespräches recht deutlich gesagt. ;)
Vermutlich hat meine Tochter genau das gespürt.
(Trotzdem bleibe ich dabei, dass es ein netter und guter Lehrer ist, denn er hat wie ich ja schrieb auch sehr verständnisvoll auf meine Beschreibung meiner Tochter und ihrer Probleme reagiert)

Ein häufigesThema für meine Große ist ja auch, dass sie sich nicht ernst genug genommen fühlt, bspw als Mädchen.
(U.a. so begründete sie ja damals auch, dass sie wie ein Junge aussehen wollte Anfang der Grundschule).
Ging mir als Kind übrigens auch so und geht mir bis heute noch so. Ich reagiere sehr grantig, wenn man mich für dümmer hält, als ich bin. Gerade auch deswegen, weil ich mir viele Gedanken mache und wenn ich eine Meinung zu etwas äußere, diese eigentlich immer auf langem Reflektieren und Analysen und ausführlichen Überlegungen und gesammelten Informationen beruht und nicht einfach so dahingesagt ist.
Und wenn dann jemand das "mit einem Wisch" vom Tisch fegt oder nicht ernst nimmt, oder selbst eine völlig unreflektierte Meinung dazu vertritt, ärgert mich das sehr.
Ich denke also, dass ihr Eindruck, dass der Lehrer meine Tochter fälschlicherweise für "dumm" hält (überspitzt ausgedrückt), eine großen Anteil ihrer Abneigung bzw Kritik an ihm ausmacht.

Ich habe mit ihr da gestern Abend noch mal genau darüber gesprochen, sie erinnert, wie sie mal in meinem Malkurs jüngeren Kindern gezeigt hat, wie man aus geometrischen Grundformen einen tollen Drachen malt, was bei weitem nicht jedes Grundschulkind direkt so gut umsetzen kann. Und dass es ihr doch auch besonders Freude gemacht hat bei den Kindern, die das, was sie Ihnen gezeigt hat, gleich gut umgesetzt bekommen und eine tolles Ergebnis erzielt haben.
Dass es dem Lehrer sicher auch so geht und es ihm dann evtl manchmal schwerfällt, das pädagogisch geschickt zu managen. (Es war mir wichtig, ihr nicht zu vermitteln, dass ihre eigene Wahrnehmung falsch sei, nur weil ich den Lehrer so nett und sympathisch fand.)
Sie meinte dann direkt dazu, dass sie sich so einen Lehrer in der Grundschule gewünscht hätte. Also einer, der sich um die Leistungsstarken kümmert und dass es schade sei, dass sie aktuell in Mathe nichts davon hat.

Ich habe den Eindruck, dass solcherlei Reflexionen ihr durchaus helfen, sich und anderer Leute Motive zu verstehen und das auf emotionaler Ebene dann besser zu verarbeiten.

(genauso, wie wir schon oft über die Motive von Kindern zusammen nachgedacht haben, die andere ärgern. Dass es eigentlich weniger an den Opfern als in den Tätern steckt, wer und wann jemand Opfer und wer Täter ist. Dass die Opfer nicht schuld sind dran sind, wenn ihnen etwas passiert, sondern eigentlich der Täter gerade ein Problem hat, was er mit seiner Tat nach außen trägt. Dass man sich darum als Opfer nicht schuldig fühlen muss... Denn natürlich kommt sowas im Schulalltag immer mal wieder vor und passiert auch ihr und sie nimmt das dann auch immer ziemlich schwer. Wobei ich da deutliche Fortschritte sehe - so kam sie neulich heim und schimpfte herzhaft, aber selbstbewusst, weil die Jungs die Mädchen in Sport "gedisst" hatten, die Mädchen wären ja eh unfähig mit einem Ball umzugehen etc. Früher hätte sie darauf ganz anders reagiert. Nicht so expressiv.)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 12. Jun 2020, 09:41

@sinus

Die Klasse meiner Tochter hat ein Mädchen, dass auf dem Zeugnis nur 1er hat (alle Noten, nicht nur Jahres und HJ-Noten), jede Matheolympiade gewinnt, Sport auf Leistungsniveu treibt, und was weiß ich wo sie noch um die Welten besser als der Durchschnitt ist. Genauso hat die Klasse des Sohnes einen Mathegenie, der außer Konkurenz steht. Damit muss man leben. Meinen Kindern, die bis diesen Klassen überall die schnellsten waren, ist nicht in den Sinn gekommen, ihre Fähigkeiten anzuzweifeln, weil es plötzlich jemanden gibt, der besser ist.

Die Leistunggesellschaft misst immer, und dazu noch nicht immer fair. Es gibt schon Möglichkeiten aus diesem Kampf auszusteigen. Ich kenne einige Kinder, die an die explizit christliche Schulen gehen (nicht nur Träger), und da ist die Atmosphere ganz anders. Auch andere alternative Schulen können mehr Freiheit und Akzeptanz bieten. In einem normalen Gymnasium, und wenn ich richtig verstehe noch auf dem ehemaligem Gebiet der DDR, wird man es nicht finden können. Ich weiß nicht, ob Schulwechsel was bringt. Wenn das eine Kunstschule wird, dann taucht da jemand auf, der viel besser zeichnet, und die Diskussion geht von vorne los.

Das Interesse deiner Tochter an die Kriminalgeschichten zeigt m.E. den Versuch der Kompensation. Sie versucht Menschen möglichst genau autodidaktisch zu studieren. Was ihr fehlt, ist aber der Teil, wie man sich selber in dieses Konzept einbaut.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 12. Jun 2020, 13:18

Ich denke auch dass ein Schulwechsel nicht viel bringen würde. Das Problem sind die Selbstzweifel deiner Tochter und ihre hohe Erwartungshaltung an sich selbst. Es ist nicht, weil Mathe für sie per se "zu schwer" ist und es ist auch kein böser, ungerechter Lehrer da, der ständig auf ihr rumhackt. Ähnliche Konstellationen wie sie aktuell bestehen (was nicht gleich begreifen, wer anderer kann was besser, kleinere Hänseleien durch Mitschüler und/oder Lehrer, kleinere Ungerechtigkeiten) wird es an jeder Schule geben. Wenn also Schulwechsel, dann wirklich wo hin, wo eine deutliche Verbesserung gegenüber dem IST-Zustand wahrscheinlich ist. Pro Woche zwei Stunden weniger Mathe und dafür mehr Kunst ist keine solche Verbesserung.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Sa 13. Jun 2020, 16:03

Rabaukenmama hat geschrieben:Ich denke auch dass ein Schulwechsel nicht viel bringen würde. Das Problem sind die Selbstzweifel deiner Tochter und ihre hohe Erwartungshaltung an sich selbst. Es ist nicht, weil Mathe für sie per se "zu schwer" ist und es ist auch kein böser, ungerechter Lehrer da, der ständig auf ihr rumhackt. Ähnliche Konstellationen wie sie aktuell bestehen (was nicht gleich begreifen, wer anderer kann was besser, kleinere Hänseleien durch Mitschüler und/oder Lehrer, kleinere Ungerechtigkeiten) wird es an jeder Schule geben. Wenn also Schulwechsel, dann wirklich wo hin, wo eine deutliche Verbesserung gegenüber dem IST-Zustand wahrscheinlich ist. Pro Woche zwei Stunden weniger Mathe und dafür mehr Kunst ist keine solche Verbesserung.


Grundsätzlich sehe ich das auch so, allerdings ist die aktuelle Schule schon besonders matheintesiv. Und Mathe wird da auch ungewöhnlich hoch angesetzt.
Der Stoff Mathe Klasse 5+6 wird bspw in einem Jahr gemach, Abiturstoff Mathe kommt schon in Klasse 10 vor und auch die anderen Naturwissenschaften werden vertieft und mit mehr Stunden unterrichtet.
Später sind drei statt zwei Leistungskurse verpflichtend, einer davon muss Mathe sein, der andere eine weitere Naturwissenschaft, der dritte ist eine Art "Projektkurs", wo zusammen mit einer selbst zu finden Firma oder Forschungseinrichtung an einem naturwissenschaftlichen Projekt gearbeitet wird. (Das geht also schon sehr Richtung Studium) .
Wenn man es da dann vom Interesse und der Begabung her eigentlich eher mit den Geisteswissenschaften oder Sprachen hat, passt das dann halt nicht.
Ca. 1/3 aller ursprünglichen Schüler verlassen diese Schule auch im Lauf der Jahre bis zum Abitur, weil es eben nicht passt oder es zu viel wird oder die Leistungen in den Naturwissenschaften nicht stimmen.
(da muss man sogar seitens der Schule die Schule verlassen.)
Also es sind nicht einfach nur 2 Stunden pro Woche mehr, es dreht sich alles schon seeehr um Mathe & Co.
(Diese Schulform gibt es übrigens nicht deutschlandweit, das ist eine Besonderheit, die aus den DDR-"Spezialschulen" hervorgegangen ist. Kinds Schule war früher ein "Mathe-Spezialschule")
Kind hat sich vor allem aufgrund ihres Interesses für Biologie für diese Schule entschieden.

Aber jetzt schon die Schule wechseln wäre verfrüht und es wäre der zweite Schritt vor dem ersten.
Trotzdem werden wir das weiter beobachten und ggf handeln, wenn es langfristig so gar nicht passt mit dem Profil.
(Wir sind von vornherein so rangegangen, dass das Kind notfalls ab Klasse 8 in ein Gymnasium mit einem Kunstprofil wechseln kann, wenn es nicht passt. Das in Frage kommende Gymnasium hatte leider für Klasse 5 keine freien Plötze, aber als "Quereinsteiger" in Klasse 8 hat man dann wohl eher Chancen)

Bis dahin müssen wir daran arbeiten, dass das Kind sich nicht so stressen lässt bzw sich nicht selbst so stresst.
Schade ist halt, dass ich gehofft hatte, dass die neue, forderndere Schule und eine passendere Peergroup das Kind stärkt und nicht neue Problemfelder öffnet bzw vorhandene Probleme verstärkt.
Was die Peergroup betrifft ging es soweit auf, würde ich sagen. Da hat sie ja jetzt bspw endlich Freundinnen gefunden, die passen. (War ja in der Grundschule zumindest unter den Mädchen nie der Fall, obwohl Kind sich das ausdrücklich gewünscht hat)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Meine3 » So 14. Jun 2020, 00:56

Es gibt einfach Kinder/Erwachsene, die nie wirklich sorglos und zufrieden sind.

Ich weiß daher nicht, ob es viel Sinn macht, soviel am Chsrskter des Kindes „herum doktorn“ zu wollen. Damit meine ich nicht, dass es unsinnig ist am Dekbstwertgefühl und an der Kritikfähigkeit zu arbeiten. Das ist auf jeden Fall wichtig und von Nöten. Ich meine damit eher, dass ich von Anfang an, das Gefühl hatte, dass das mit deiner Tochter und dieser Schule nicht lange so toll laufen wird wie es am Anfang den Anschein hatte, und das hat was damit zu tun, dass ich wie schon erwähnt viele Parallelen zwischen deiner Tochter und mir erkennen und ich weiß, dass ich auf einer mathelastigen Schule auf Dauer völlig fehl am Platz gewesen wäre. Kann man natürlich „durchziehen“, damit das Kind lernt, dass man mit Hürden, unliebsamen Dingen und so weiter klar kommen muss, aber ich frage mich wieso...

Natürlich wäre es überstürzt, sie nun direkt abzumelden und die Schule zu wechseln, aber ja: im Hinterkopf würde ich diese Option auf jeden Fall behalten.

Wenn ich mir überlege wie es mir am Gymnasium (Richtige Schulform und damit Möglichkeit direkt zu studieren, etc.pp.) statt auf der Realschule (Falsche Schulformen, aber dort war ich bis klasse 10) ergangen wäre, dann werde ich richtig missmutig wegen der verpassten möglichen Chancen (sowohl psychisch als auch beruflich!). Deswegen denke ich lieber, dass ich ja trotz (!) der ganzen Umwege mehr oder weniger dort gelandet bin wo ich hin sollte.

Ich werde meine Kinder auf jeden Fall ihren „Neigungen“ nach beschulen lassen. Mein Sohn ist ja nun mathematisch auch nicht blöde, aber er mag es nunmal einfach nicht (mehr). Wenn das bis zur 4. so bleibt, werde ich ihn sicherlich nicht auf ein MINT- Gymnasium stecken, auch wenn das einen HB-Zug hat und das Gymnasium mit den 4 Fremdsprachen nicht. Das soll keine Kritik an dich sein, sondern eine Erklärung, warum ich die Überlegung die Schule zu wechseln nachvollziehen kann und auch gut finde. Ich denke, man handelt eben doch auch oft nach seinen Erfahrungen und meine schulischen Erfahrungen (falsche Schulform, x Umwege, Ausbildung, abgebrochenes Studium und dann doch da landen wo das Herz schon immer war...) möchte ich meinen Kindern ersparen.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 09:43

MINT-Zweig eines normalen Gymnasiums hat genauso viel Mathe wie ein anderer Zweig. Bei uns unterscheidet jetzt glaube ich nur die Zahl der praktischen Stunden in Physik und Informatik, und Abwesenheit/Anwesenheit von Chemie. In Bayern greift die Teilung in die Zweige erst ab der 8. Die Schule von sinus ist schon ein Sonderfall. Ich war in der UdSSR an solcher Schule und ich weiß, dass dort Kinder, die in Mathe nicht so gut sind, für die NW-Lehrer Menschen zweiter Klasse sind. Die Kinder dagegen gigen damit locker um und bildetet Freundschaften eher nach Gefühl als nach Leistungsstand. Mit den Jahren hat der Anteil der starken Kindern zugenommen. Im Nachhinein sehe ich selbt für die Starken keinen Sinn in dem Konzept. Die Schule soll in den Kinderjahren eine umfassende Bildung anbieten.

Ich würde mir eine Liste der erreichbaren Schulen machen, inklusive alle privat bezahlbaren Alternativen und mir anschauen, was in Frage kommen könnte.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » So 14. Jun 2020, 10:46

@Katze: Ja, das ist nicht einfach nur ein MINT-Gymansium, sondern eine spezielle Schulform, die es so nur in unserem BL bzw eingen der neuen Bundesländer gibt.
Die dürfen bswp auch einen eigenen Lehrplan machen.

@Meine3: Das Problem ist, dass meine Tochter viele Begabungen und Neigungen hat, so dass einfach nicht erkennbar war und ist, wo sie am besten aufgehobenen sein würde.
Anscheinend ist das ein nicht so seltenes Phänomen hochbegabter Mädchen.

Das einzige, was sich von den ersten Lebensjahren an durchzog, sind ihr Interesse am Malen und Interesse für Tiere und Natur.
Schon ihre ersten Worte und Sätze drehten sich um sowas. So fragte sie die Oma mit nichtmal 2 Jahren "Wo Akelei hin?", weil ihr aufgefallen war, dass die im Garten verschwunden schienen.
Als Kindergartenkind sammelte sie begeistert Tierkadaver - ihre legendäre "tote-Tiere-Sammlung", da waren u.a. sogar eingelegte Vogelbabys und Eidechsen dabei - und schaute Tierdokus, wo andere Disney-Filme guckten. Statt Kinder von Bullerbü musste ich "Unten am Fluss" und "Als die Tiere den Wald verlieren" vorlesen etc
In Klasse drei programmierte sie plötzlich.
Und schrieb - allerdings angeregt von einem Schulprojekt - wunderschöne Kurzgeschichten.
Und sagte nach dem Kängurutest, das sei einer der schönsten Schultage bisher gewesen.

Biologie, Programmieren, Känguru - das passt sehr gut zu einer MINT-Schule, nicht? Das Biokabinett und GTAs wie "Verhaltensbiologie" war ja dann auch der ausschlaggebende Punkt für meine Tochter.
Nach einer Schule mit viel Kunst haben wir natürlich auch geschaut. Gab es nicht, bzw eine sogenannte "Kreativitätsschule", die gut scheint, ist viel zu weit weg und kostet monatlich Geld, was ich nicht bezahlen kann.
Die andere hab ich schon erwähnt, sie beginnt erst in Klasse 8 mit der Vertiefung und hätte uns wegen voller Klassen für Klasse 5 noch nicht genommen.
Außerdem hab ich in meinem Malkurs immer wieder beobachtet, dass meine Tochter sich gegen jede Art Einmischung, und sei es in Form einer konkreten Aufgabenstellung, vehement wehrt. Sie war selten bereit, sich auf vorgegebene Themen einzulassen. (wie gesagt waren und sind "Katzen" ihr Thema. Und egal welches Thema vorgegeben war: sie setzte es entweder so um, dass sie eine Katze malen konnte, oder sie malte vollkommen lustlos, was man den Bildern dann auch ansah. Ich denke, das hat sicher auch mit fehlender Reife zu tun, aber zu dem Zeitpunkt war ich unsicher (bin es ich immernoch), ob es nicht sogar die Freude am Malen nehmen würde, wenn es zur Pflicht werden würde und sie dafür bewertet werden würde.
Aktuell hat sie plötzlich riesige Freude an Englisch und scheinbar auch eine Begabung dafür. Das war so vor einem Jahr noch nicht abzusehen.
Wäre sie jetzt in Klasse 4, würden wir evtl sogar auch nach eine Schule mit sprachlicher/geisteswissenschaftlicher Ausrichtung gucken.

Nun sage mir, Meine3, welche Schule die Richtige ist ihren Neigungen nach?
Es gibt sie vielleicht nicht. Womöglich wäre ein 0-8-15 Gymnasium am besten gewesen, was keine/wenig Spezialisierung macht.
Das am Ort wäre so eines gewesen, kam aber aus diversen Gründen nicht in Tage.
(wir kennen da bspw viele, die die Schule wieder verlassen haben, weil das Miteinander und vor allem auch die Schüler-Lehrer-Beziehungen nicht gut sind. Es ist so bisschen ein Gymnasium, wie Alibaba es mal sehr krass beschrieb)

UND:
Ees kommt ja auch nicht nur auf Neigungen und Begabungen an, sondern auch auf die passenden Peergroup, das soziale Miteinander.
Und auf die Arbeitsweise. (Zielstrebig/ehrgeizig, mit Lust am Lernen & Leisten oder eher kreativ-chaotisch, freiheitsliebend bspw)

Meine momentane Einschätzung ist, dass sie am besten arbeiten kann, wenn sie viel Freiheit hat, kein Druck aufgebaut wird und sie schöpferisch tätig sein kann.
Also vielleicht wäre eine Schule gut, in der sie ohne Bewertung und frei arbeiten darf und kann. Die gibts aber so nicht, außer vielleicht bei Waldorf und deren Meinung zu Hochbegabung ist bekannt. Eine andere freie Schule ist zu weit weg.

Im Großen und Ganzen finde ich die Schule, wo sie jetzt ist eigentlich immernoch ziemlich passend, die Peergroup scheint zu passen, das Miteinander Lehrer-Schüler scheint mir überdurchschnittlich gut bzw enger als üblich. (Schon wegen der kleinere Klassengröße.)
Wenn sie nicht das Matheproblem in der aktuellen Ausprägung hätte, hätte ich gar keine solchen Zweifel.
Und leider wissen wir auch noch nicht, wie sie mit Physik und Chemie zurechtkommen wird. Da wird sich innerhalb der nächsten 2 Jahre erst eine Tendenz zeigen...
Jedenfalls sehe ich es auch so, dass momentan (!) ein Schulwechsel Quatsch wäre.
Aber ich möchte es auch nicht ausschließen, und vor allem auch meiner Tochter nicht vermitteln, dass sie alles einfach aushalten muss, wie sie es in der Grundschule ja leider erlebt und evtl. verinnerlich hat.
Aber Problemen gleich am Anfang schon aus dem Weg gehen ist evtl auch nicht immer der richtige Weg.

Ende des Monats haben wir ja jetzt auch erstmal einen Termin bei einer Schulpsychologin. Ich hoffe, sie hat die Erfahrung, um uns da die richtigen Impulse zu geben.
Sowohl was das Kind und seine "Spezialitäten" betrifft, als auch passende Schulen.
Zuletzt geändert von sinus am So 14. Jun 2020, 11:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 11:23

Gibt es bei euch nichts wirklich alternatives zum Mainstream? Montessori, Waldorf, Christlich, freie Schule? Einige Privatschulen bieten Stipendien oder Schulgeldermäßigung an. Ich empfehle es selten, aber die ehermalige Freundin meiner Tochter wechselte aus der 6. Klasse Gymnasium an eine Waldorfschule. Somit war der Druck weg. An dieser Waldorfschule kann man auch ein externes Abitur machen. Wir haben auch eine Montessorischule mit viel Kunst am Nachmittag, und sie gehen auch ehre behutsam um mit dem Aufbürden von externen Vorschriften. Auch da kann man ein externes Abitur machen, und ich weiß dass es manche Kinder tatsächlich durchziehen.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » So 14. Jun 2020, 11:28

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Gibt es bei euch nichts wirklich alternatives zum Mainstream? Montessori, Waldorf, Christlich, freie Schule? Einige Privatschulen bieten Stipendien oder Schulgeldermäßigung an. Ich empfehle es selten, aber die ehermalige Freundin meiner Tochter wechselte aus der 6. Klasse Gymnasium an eine Waldorfschule. Somit war der Druck weg. An dieser Waldorfschule kann man auch ein externes Abitur machen. Wir haben auch eine Montessorischule mit viel Kunst am Nachmittag, und sie gehen auch ehre behutsam um mit dem Aufbürden von externen Vorschriften. Auch da kann man ein externes Abitur machen, und ich weiß dass es manche Kinder tatsächlich durchziehen.


Auch das wird eine Fragestellung an die Schulpsychologin.

Ich schau mich da schon um, habe auch ein paar Bekannte, die ihre Kinder auf solchen Schulen hatten.
Bis jetzt hab ich niemanden gefunden, der richtig glücklich damit war... (eine Freundin ging gegen die ehemalige Montessorischule des Sohnes sogar vor Gericht :? Sehr hässliche Geschichte war das )
Waldorf gibts, sogar mit Abiturmöglichkeit. Da kenne ich leider niemanden, den ich privat mal befragen kann.
Eine andere freie Schule ist zu weit weg bzw sehr umständlich nur erreichbar von uns aus.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 14. Jun 2020, 11:38

All die alternativen Schulen ohne Druck bieten sehr viel Konfliktpotential an. Manchen Eltern fällt irgendwann ein, dass die Kinder doch was abliefern müssen. Dann wird die Schule beschuldigt, es nicht geleistet zu haben. Daher sind hässliche Geschichten mit vorsicht zu genießen.
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