Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Di 16. Jun 2020, 11:19

sinus hat geschrieben:...der Lehrer hat übrigens inzwischen sehr nett und recht ausführlich auf die Mail gestern mit der Frage zu den Themen der nächsten Arbeit geantwortet.
Ihr also die Themen recht ausführlich genannt und gesagt, er hoffe, es helfe ihr bei der Vorbereitung.


Freut mich. Ein guter Anfang für die Deeskalation der Blockade in Bezug auf die Lehrerproblematik.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Auguste » Di 16. Jun 2020, 11:57

sinus hat geschrieben:
Ob eine Therapie o.ä. jetzt speziell für das Matheproblem weiterhelfen würde, mochte sie natürlich so aus der Ferne nicht sagen, man bräuchte auf jeden Fall die Mitarbeit des Lehrers/der Lehrer, um so eine Blockade abzubauen.
(Ich werde das Thema Psychologe so oder so weiterverfolgen. Meine Tochter sagte ja selbst, sie wünscht sich manchmal jemanden zum Reden.)
Auch Karens eigene Geschichte passt ja so ein wenig dazu und deutet auch auf eine bestehende Blockade hin. Und Charlottes Erfahrungen dito.
Also eine kompetente Nachhilfe kann da ggf tatsächlich zumindest auch mithelfen.
(Da frage ich mich nur, wo ich die richtige Person dafür finde, denn das müsste jemand mit viel Fingerspitzengefühl sein bzw jemand, der sich in ihre vielleicht tw etwas ungewöhnliche Herangehens- und Denkweise eindenken kann, ohne ihr dann gleich zu sagen, sie würde "falsch denken". Aber vielleicht kann mir die Beratungslehrerin der Schule ja da jemanden sagen, siehe unten)



Auf der Suche nach genau so einem Nachhilfe-Lehrer sind wir bei einer eher kleinen Nachhilfeschule gelandet (nicht Studienkreis, Schülerhilfe und Co.). Beim Informationsgespräch habe ich direkt angesprochen, dass es uns nicht um die Verbesserung der Note geht, sondern vorrangig darum, Verständnisprobleme in Mathe zu klären, ggf. vorhanden Lücken zu schließen und das Vertrauen des Kindes in die eigenen Fähigkeiten zu stärken bzw. wiederzufinden.

Die Nachhilfe-Lehrerin der Tochter ist Lehramtsstudentin, hat viel Geduld, versucht immer gemeinsam mit dem Kind Lösungswege zu erarbeiten, lässt sich die oft kreativen Lösungswege meiner Tochter erklären und erklärt dann meiner Tochter, wie der Mathe-Lehrer in der Schule die Aufgaben gelöst hat. In der Corona-Auszeit lief die Nachhilfe per Skype, da konnte ich teilweise mithören und fand das echt klasse, wie die junge Frau das gemacht hat ;) Für Mathe Klasse 5/6 lässt sich da bestimmt jemand finden, der die entsprechende Geduld und das Fingerspitzengefühl hat, um Deiner Tochter zu helfen. An unserer Nachhilfe-Schule kann man auch problemlos den Nachhilfe-Lehrer wechseln, wenn es nicht "passt".
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Di 16. Jun 2020, 12:13

Auguste hat geschrieben: In der Corona-Auszeit lief die Nachhilfe per Skype, da konnte ich teilweise mithören und fand das echt klasse, wie die junge Frau das gemacht hat ;)


Da möchte ich nachhaken. Interessiert mich.

in Corona-Zeiten lief hier Nachhilfe auch per Skype. Statt eben 5 Kinder in einem Raum mit einem "Lehrer" 90 Minuten, jetzt 60 Minuten Einzelunterricht. DAS ist aber nicht die Realität im Normalzustand - bei uns nicht. Bei Euch? Aktuell sitzen 2 Kinder in einem Raum mit einem Lehrer. Aber auch das wird sich sicherlich bald wieder ändern, rein schon aus wirtschaftlichen Gründen.

Nächstes Problem. Bei der Nachhilfe verstehe ich das Problem und kann es anwenden, es ist mir klar und logisch, muss aber wieder - am nächsten Tag - in die Schulrealität zurück und stehe beim nächsten Unterricht wieder vor dem selben Problem. Dem Lehrerproblem.

Das ist jetzt kein Plädoyer gegen Nachhilfe. Aber, aus meiner Erfahrung, ist es manchmal eben nicht so einfach, wenn das ursächliche Problem ganz woanders liegt. Das ist dann wie in einem Hamsterrad.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 16. Jun 2020, 12:37

Kinder lassen sich mitunter von anderen Kindern besser helfen als von hochqualifizierten diplomierten Erwachsenen. Die Klasse der Tochter hat ein Kind, dass den Mitschülern alles in 5 Minuten erklären kann, was sie in den letzten drei Fachstunden nicht verstanden haben. Und dieses Kind gibt auch Nachhilfe im Rahmen des Projekts "Schüler helfen Schülern", kostet 12 Euro die Stude im Eizelunterricht. Wenn man ein Paar Stunden zur Probe nimmt, ist nicht viel kaputt.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Auguste » Di 16. Jun 2020, 12:52

alibaba hat geschrieben:
Auguste hat geschrieben: In der Corona-Auszeit lief die Nachhilfe per Skype, da konnte ich teilweise mithören und fand das echt klasse, wie die junge Frau das gemacht hat ;)


Da möchte ich nachhaken. Interessiert mich.

in Corona-Zeiten lief hier Nachhilfe auch per Skype. Statt eben 5 Kinder in einem Raum mit einem "Lehrer" 90 Minuten, jetzt 60 Minuten Einzelunterricht. DAS ist aber nicht die Realität im Normalzustand - bei uns nicht. Bei Euch? Aktuell sitzen 2 Kinder in einem Raum mit einem Lehrer. Aber auch das wird sich sicherlich bald wieder ändern, rein schon aus wirtschaftlichen Gründen.

Nächstes Problem. Bei der Nachhilfe verstehe ich das Problem und kann es anwenden, es ist mir klar und logisch, muss aber wieder - am nächsten Tag - in die Schulrealität zurück und stehe beim nächsten Unterricht wieder vor dem selben Problem. Dem Lehrerproblem.

Das ist jetzt kein Plädoyer gegen Nachhilfe. Aber, aus meiner Erfahrung, ist es manchmal eben nicht so einfach, wenn das ursächliche Problem ganz woanders liegt. Das ist dann wie in einem Hamsterrad.


90 Minuten Nachhilfe per Skype, die Nachhilfelehrerin und 2 Schülerinnen (so wie auch bei der Vor-Ort-Nachhilfe). Teilweise auch Einzel-Unterricht, wenn eines der beiden Mädels zur üblichen Zeit nicht konnte. Termine sind problemlos in Absprache mit der Nachhilfelehrerin verschiebbar. Derzeit läuft die Nachhilfe bei uns noch per Skype, "Präsenznachhilfe" gibt es erst wieder mit Beginn der Sommerferien nächste Woche.

Die maximale Gruppenstärke ist 4 Schüler/1 Nachhilfelehrer. So viele waren es aber noch nie. Ein oder zwei Mal waren sie zu dritt + Lehrer, sonst immer nur zu zweit. Meine Tochter profitiert davon, dass sie überwiegend mit 1-2 Jahre älteren Schülern in der Gruppe ist. Die agieren durchaus auch miteinander und meine Tochter hat schon die Mathe-Probleme von den 8. und 9.-Klässlern gelöst, während sie an ihren eigenen Aufgaben verzweifelt ist ;)

Das Hauptproblem bei meiner Tochter war das fehlende Verständnis der Lehrer für ihre (mitunter kreativen) Lösungswege. Sie dachte immer, sie macht alles falsch, weil die Lehrer ihr dieses Gefühl gegeben haben, obwohl sie das richtige Ergebnis hatte und nur auf einem anderem Weg dahin gekommen ist.

Jetzt auf der weiterführenden Schule ist der Lehrer zwar offen für kreative Ideen, aber meine Tochter hat seine Erklärungen nicht verstanden - wahrscheinlich auch, weil inzwischen Basiswissen fehlte. Letztens kam das Kind aber stolz aus der Schule und meinte, dass sie zum ersten Mal Mathe im Unterricht verstanden hätte :D Ob das auch so bleibt, werden wir sehen ;)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Meine3 » Mo 22. Jun 2020, 17:33

sinus hat geschrieben:@Meine3: Das Problem ist, dass meine Tochter viele Begabungen und Neigungen hat, so dass einfach nicht erkennbar war und ist, wo sie am besten aufgehobenen sein würde.
Anscheinend ist das ein nicht so seltenes Phänomen hochbegabter Mädchen.

Das einzige, was sich von den ersten Lebensjahren an durchzog, sind ihr Interesse am Malen und Interesse für Tiere und Natur.
....

Nun sage mir, Meine3, welche Schule die Richtige ist ihren Neigungen nach?
Es gibt sie vielleicht nicht. Womöglich wäre ein 0-8-15 Gymnasium am besten gewesen, was keine/wenig Spezialisierung macht.
Das am Ort wäre so eines gewesen, kam aber aus diversen Gründen nicht in Tage.
(wir kennen da bspw viele, die die Schule wieder verlassen haben, weil das Miteinander und vor allem auch die Schüler-Lehrer-Beziehungen nicht gut sind. Es ist so bisschen ein Gymnasium, wie Alibaba es mal sehr krass beschrieb)

UND:
Ees kommt ja auch nicht nur auf Neigungen und Begabungen an, sondern auch auf die passenden Peergroup, das soziale Miteinander.
Und auf die Arbeitsweise. (Zielstrebig/ehrgeizig, mit Lust am Lernen & Leisten oder eher kreativ-chaotisch, freiheitsliebend bspw)


Im Großen und Ganzen finde ich die Schule, wo sie jetzt ist eigentlich immernoch ziemlich passend, die Peergroup scheint zu passen, das Miteinander Lehrer-Schüler scheint mir überdurchschnittlich gut bzw enger als üblich. (Schon wegen der kleinere Klassengröße.)
Wenn sie nicht das Matheproblem in der aktuellen Ausprägung hätte, hätte ich gar keine solchen Zweifel.


Ende des Monats haben wir ja jetzt auch erstmal einen Termin bei einer Schulpsychologin. Ich hoffe, sie hat die Erfahrung, um uns da die richtigen Impulse zu geben.
Sowohl was das Kind und seine "Spezialitäten" betrifft, als auch passende Schulen.


Hallo liebe Sinus,

ich wollte dir nicht an den Karren fahren, deine damalige Entscheidung anzweifeln. Ich denke, das hast du, obwohl ich das auch schon in dem 1. Beitrag betonte, in den falschen Hals bekommen. Dass du diese, zusammen mit deiner Tochter, die ja auf diese Schule WOLLTE, getroffen hast, ist nachvollziehbar. Auch, dass du jetzt nicht hopplahopp alle Zelte abbrichst, ist sinnig. Das habe ich auch die ganze Zeit gesagt. Darüber NACHDENKEN, die Schule zu wechseln, WENN es sich nicht bessert, finde ich hingegen schon sehr sinnig.

Ich gehe da nur von MIR aus. Bei sehr vielem was du erzählst über deine Tochter, erkenne ich mich wieder als Kind. Ich war in sozialen Bereichen nicht so "extrem" in viele Richtungen, aber was die Neigungen und Interessen angeht, sind wir uns wohl SEHR ähnlich. Auch meine große Leidenschaft war immer das malen und die Natur. Ich habe gemalt, BEVOR ich gesprochen habe! Ich habe mit 8 oder 9 einen Umweltclub gegründet und Flugblätter selbst entworfen und in der Nachbarschaft verteilt in Sachen Recycling und co. Ich hatte intensive Beziehungen zu meiner Katze und anderen Katzen in der NAchbarschaft und habe sie als meine Freunde betrachtet. Allgemein Tiere waren mir immer ein großes Anliegen. ABER ich habe auch immer schon ein großes technisches Interesse gehabt: Fischertechnik habe ich geliebt. PC gabs keinen bei uns zu Hause damals. Aber eine elektrische Schreibmaschine, die ich recht früh intensiv genutzt habe. Und als ich auszog und mir einen PC besorgte, habe ich mich da auch erst einmal richtig reingewühlt (Programme, Spiele, etc.) und ich habe ihn selbst zusammengebaut (mit 18). Auch ging ich mit Anfang 20 in die Internetbranche, arbeitet mich innerhalb von wenigen Wochen so gut ein, dass ich in eine Sonderabteilung kam, wo nur die kniffligen Fälle bearbeitet wurden. Und das, obwohl ich vorher den Unterschied zwischen Email und Internetadresse nicht wusste :mrgreen:. Dort habe ich auch ein wenig programmieren gelernt (HTML), das hat sonst aus meiner Abteilung niemand gemacht. Mir hat es aber Spaß gemacht, auch in die anderen Bereiche des Unternehmens zu schnuppern. Ich hatte Bio als Kernkompetenzfach und durchgehend sehr gute Noten von Klasse 5 bis 13 (egal ob Realschule oder Gymnasium), Chemie war in der Realschule die total Katastrophe (lehrerabhängig) und Physik mochte ich, war aber nie besonders gut drin bis zur Oberstufe. Aber in Mathe nicht. Nur weil man Bio mag, heißt das nicht, dass man Mathe auch mögen muss.

Meine große Leidenschaft, dass was mich erfüllt, ausmacht, worüber ich mich am besten ausdrücken und total versinken kann war immer die gestalterische Kunst, neben all den anderen Dingen, die ich auch interessant fand ;) . ABER Mathe mochte ich nie :fahne:.

Ich höre immer wieder von dir, dass sie Mathe nie sonderlich mochte (seit Schulbeginn), früh Probleme in Bereichen bekam, die sie eigentlich können "müsste", sie Dinge wieder verlernt hat, sie Blockaden aufgebaut hat, etc. Ja, das stimmt alles. Es hat nachgewiesen nichts mit ihren kognitiven Fähigkeiten zu tun. Das hast du schwarz auf weiß.

Mathe (Schulmathe) scheint ihr schlicht und ergreifen einfach nicht zu liegen. Das KANN sich ändern, wenn der Teil, in dem kopfrechnen so einen großen Stellenwert hat, vorbei ist. Fakt ist aber, dass sie, wenn die Grundlagen nicht sitzen, sie auch Schwierigkeiten mit dem späteren Stoff haben wird.

Es wundert mich einfach nicht sonderlich, dass ihr das (jetzt schon) Schwierigkeiten bereitet. Hätte sie nun eine tolle Lehrerin, die sie emotional anspricht, so könnte sie ihre Matheblockade eventuell lösen, aber mit dem Lehrer, von dem sie sich nicht ernst genommen und "ausgelacht" fühlt, vor dem sie Angst hat? Sorry, das sehe ich einfach nicht. Ich hatte übrigens auch Prüfungsangst, aber NUR und ausschließlich in mündlichen Prüfungen. So passierte es auch mir sehr häufig, dass ich, wenn ich mich unter Druck gesetzt fühlte im Unterricht, "versagte", obwohl ich es konnte. Auch ich hatte "Angst" vor meinem Mathelehrer. Das geht soweit, dass ich auf die dümmste Scherzfrage falsch antworte, wenn mich mehrere Leute gespannt anschauen, was ich jetzt wohl antworten werde... :gruebel:

Ich kritisiere weder deine Vorgehensweise noch dein Denken. Ich denke lediglich, dass es letztendlich darauf ankommt, was diene Tochter glücklich macht. Und Mathe ist das nicht.


Aber es ist DEIN Kind, wir können nur auf das reagieren, was wir hier von dir erzählt bekommen und das habe ich getan.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Meine3 » Mo 22. Jun 2020, 17:38

sinus hat geschrieben:@Meine3: Das Problem ist, dass meine Tochter viele Begabungen und Neigungen hat, so dass einfach nicht erkennbar war und ist, wo sie am besten aufgehobenen sein würde.
Anscheinend ist das ein nicht so seltenes Phänomen hochbegabter Mädchen.

Das einzige, was sich von den ersten Lebensjahren an durchzog, sind ihr Interesse am Malen und Interesse für Tiere und Natur.
....

Nun sage mir, Meine3, welche Schule die Richtige ist ihren Neigungen nach?
Es gibt sie vielleicht nicht. Womöglich wäre ein 0-8-15 Gymnasium am besten gewesen, was keine/wenig Spezialisierung macht.
Das am Ort wäre so eines gewesen, kam aber aus diversen Gründen nicht in Tage.
(wir kennen da bspw viele, die die Schule wieder verlassen haben, weil das Miteinander und vor allem auch die Schüler-Lehrer-Beziehungen nicht gut sind. Es ist so bisschen ein Gymnasium, wie Alibaba es mal sehr krass beschrieb)

UND:
Ees kommt ja auch nicht nur auf Neigungen und Begabungen an, sondern auch auf die passenden Peergroup, das soziale Miteinander.
Und auf die Arbeitsweise. (Zielstrebig/ehrgeizig, mit Lust am Lernen & Leisten oder eher kreativ-chaotisch, freiheitsliebend bspw)


Im Großen und Ganzen finde ich die Schule, wo sie jetzt ist eigentlich immernoch ziemlich passend, die Peergroup scheint zu passen, das Miteinander Lehrer-Schüler scheint mir überdurchschnittlich gut bzw enger als üblich. (Schon wegen der kleinere Klassengröße.)
Wenn sie nicht das Matheproblem in der aktuellen Ausprägung hätte, hätte ich gar keine solchen Zweifel.


Ende des Monats haben wir ja jetzt auch erstmal einen Termin bei einer Schulpsychologin. Ich hoffe, sie hat die Erfahrung, um uns da die richtigen Impulse zu geben.
Sowohl was das Kind und seine "Spezialitäten" betrifft, als auch passende Schulen.


Hallo liebe Sinus,

ich wollte dir nicht an den Karren fahren, deine damalige Entscheidung anzweifeln. Ich denke, das hast du, obwohl ich das auch schon in dem 1. Beitrag betonte, in den falschen Hals bekommen. Dass du diese, zusammen mit deiner Tochter, die ja auf diese Schule WOLLTE, getroffen hast, ist nachvollziehbar. Auch, dass du jetzt nicht hopplahopp alle Zelte abbrichst, ist sinnig. Das habe ich auch die ganze Zeit gesagt. Darüber NACHDENKEN, die Schule zu wechseln, WENN es sich nicht bessert, finde ich hingegen schon sehr sinnig.

Ich gehe da nur von MIR aus. Bei sehr vielem was du erzählst über deine Tochter, erkenne ich mich wieder als Kind. Ich war in sozialen Bereichen nicht so "extrem" in viele Richtungen, aber was die Neigungen und Interessen angeht, sind wir uns wohl SEHR ähnlich. Auch meine große Leidenschaft war immer das malen und die Natur. Ich habe gemalt, BEVOR ich gesprochen habe! Ich habe mit 8 oder 9 einen Umweltclub gegründet und Flugblätter selbst entworfen und in der Nachbarschaft verteilt in Sachen Recycling und co. Ich hatte intensive Beziehungen zu meiner Katze und anderen Katzen in der NAchbarschaft und habe sie als meine Freunde betrachtet. Allgemein Tiere waren mir immer ein großes Anliegen. Ich war recht jungenhaft und die meisten meiner Freunde bis zur 5. Klasse waren Jungs. Auch ich habe immer schon ein großes technisches Interesse gehabt: Fischertechnik habe ich geliebt. PC gabs keinen bei uns zu Hause damals. Aber eine elektrische Schreibmaschine, die ich recht früh intensiv genutzt habe. Und als ich auszog und mir einen PC besorgte, habe ich mich da auch erst einmal richtig reingewühlt (Programme, Spiele, etc.) und ich habe ihn selbst zusammengebaut (mit 18). Auch ging ich mit Anfang 20 in die Internetbranche, arbeitet mich innerhalb von wenigen Wochen so gut ein, dass ich in eine Sonderabteilung kam, wo nur die kniffligen Fälle bearbeitet wurden. Und das, obwohl ich vorher den Unterschied zwischen Email und Internetadresse nicht wusste :mrgreen:. Dort habe ich auch ein wenig programmieren gelernt (HTML), das hat sonst aus meiner Abteilung niemand gemacht. Mir hat es aber Spaß gemacht, auch in die anderen Bereiche des Unternehmens zu schnuppern. Ich hatte Bio als Kernkompetenzfach und durchgehend sehr gute Noten von Klasse 5 bis 13 (egal ob Realschule oder Gymnasium), Chemie war in der Realschule die total Katastrophe (lehrerabhängig) und Physik mochte ich, war aber nie besonders gut drin bis zur Oberstufe. Da wendete sich das Blatt. Physik und Chemie habe ich mit jeweils einer 1 abgewählt.

Aber die Mathe-Blockade blieb. Nur weil man Bio mag, heißt das nicht, dass man Mathe auch mögen muss. Es hat an dieser Schule aber nunmal einen großen Stellenwert. Dies wird deine Tochter zusätlzich emotional belasten (das Wissen darum)...

Meine große Leidenschaft, dass was mich erfüllt, ausmacht, worüber ich mich am besten ausdrücken und total versinken kann war immer die gestalterische Kunst, neben all den anderen Dingen, die ich auch interessant fand ;) . Auch ich bin in diesem Bereich sehr "anfällig" für Kritik, was dazu geführt hat, dass ich es nicht studiert habe. Aber was hätte ich drum gegeben auf ein "kunstlastiges" Gymnasium gehen zu dürfen :fahne:... wie gesagt, ich gehe da von mir aus. Erzähle von meinen Erfahrungen und sehe einfach viele Parallelen zwischen dem Neigungsprofil deiner Tochter und dem meinen.

Ich höre immer wieder von dir, dass sie Mathe nie sonderlich mochte (seit Schulbeginn), früh Probleme in Bereichen bekam, die sie eigentlich können "müsste", sie Dinge wieder verlernt hat, sie Blockaden aufgebaut hat, etc. Ja, das stimmt alles. Es hat nachgewiesen nichts mit ihren kognitiven Fähigkeiten zu tun. Das hast du schwarz auf weiß.

Mathe (Schulmathe) scheint ihr schlicht und ergreifen einfach nicht zu liegen. Das KANN sich ändern, wenn der Teil, in dem kopfrechnen so einen großen Stellenwert hat, vorbei ist. Fakt ist aber, dass sie, wenn die Grundlagen nicht sitzen, sie auch Schwierigkeiten mit dem späteren Stoff haben wird.

Es wundert mich einfach nicht sonderlich, dass ihr das (jetzt schon) Schwierigkeiten bereitet. Hätte sie nun eine tolle Lehrerin, die sie emotional anspricht, so könnte sie ihre Matheblockade eventuell lösen, aber mit dem Lehrer, von dem sie sich nicht ernst genommen und "ausgelacht" fühlt, vor dem sie Angst hat? Sorry, das sehe ich einfach nicht. Ich hatte übrigens auch Prüfungsangst, aber NUR und ausschließlich in mündlichen Prüfungen. So passierte es auch mir sehr häufig, dass ich, wenn ich mich unter Druck gesetzt fühlte im Unterricht, "versagte", obwohl ich es konnte. Auch ich hatte "Angst" vor meinem Mathelehrer. Das geht soweit, dass ich auf die dümmste Scherzfrage falsch antworte, wenn mich mehrere Leute gespannt anschauen, was ich jetzt wohl antworten werde... :gruebel:

Ich kritisiere weder deine Vorgehensweise noch dein Denken. Ich denke lediglich, dass es letztendlich darauf ankommt, was diene Tochter glücklich macht. Und Mathe ist das nicht.


Aber es ist DEIN Kind, wir können nur auf das reagieren, was wir hier von dir erzählt bekommen und das habe ich getan.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Do 2. Jul 2020, 12:30

Ein Update.

Wir waren inzwischen noch bei der Schulpsychologin und bei der Beratungslehrerin an Kinds Schule.
Die Schulpsychologin hat ein paar Fragebögen mit dem Kind gemacht, die sowohl das Selbstwertproblem nochmal deutlich aufzeigten, als auch, dass sie unter Ängsten leidet, allgemeine Ängste und Leistungsangst.
Und auch der Fragebogen zum Thema Depression war auffällig.
Wir sind also grad wieder aktiv auf der Suche nach einer Therapiemöglichkeit, um diese Themen anzugehen. Dauert leider alles mindestens ein halbes Jahr, ehe man Termine bekommt.

Die Schulpsychologin gab uns einen Zettel mit an die Schule, der an Lehrer gerichtet ist, wie man mit leistungsängstlichen Kindern umgeht.
Mit dem Zettel und den Ergebnissen der Fragebögen bin ich zur Beratungslehrerin marschiert, die mir schon vor dem Termin mit der Schulpsy von der Beratungsstelle zur Begabtenförderung empfohlen wurde, weil sie jahrelang mit ihr schon zusammengearbeitet haben und sie in dem Bereich auch geschult wurde.

Die Beratungslehrerin machte einen sehr guten Eindruck und hatte einen Vorschlag, den wir evtl versuchsweise umsetzen werden.
Sie meinte, man könne für solche Fälle von Leistungsangst die Benotung zwar komplett aussetzen, aber das wäre recht kompliziert.
Sie empfiehlt, dass das Kind zwar benotet wird, aber selbst mit den Noten nichts zu tun hat. Auf ihren Arbeiten bekäme sie dann nur Hinweise, keine Noten. Die zugehörigen Noten bekomme nur ich mitgeteilt. (Sie bespricht das diese Woche noch mit den Lehrern/dem Mathelehrer, wenn die mitziehen, dann nächste Woche mit dem Kind)
Ob das fürs Kind einen Unterschied macht, wäre ja mal interessant. Aber ich finde es einen Versuch wert.

Auf jeden Fall bin ich erfreut, dass man sich so offensichtlich Mühe gibt, individuell passende Lösungen zu finden.
(an sich hatte ich eher die Frage erwartet, wieso man ein Kind mit Leistungsängsten an eine so leistungsfordernde Schule gibt... Meine Antwort dazu wäre gewesen, dass sie in der Grundschule ja Arbeiten immer besonders gern hatte, weil sie da endlich nach eigenem Tempo arbeiten konnte und keinen langweiligen Unterricht hatte in der Zeit. Ein Scheitern wie momentan in Mathe hatte sie da natürlich auch nie erlebt)

Für die letzte Mathearbeit, die entscheidet, ob sie noch die 3 oder eine 4 in Mathe auf dem Zeugnis bekommt, was ihr selbst sehr wichtig ist, hatte das Kind übrigens sehr engagiert mit Hilfe von "Lehrer Schmidt" auf YouTube gelernt. Eine ganzen Sonntag lang und mehrere Nachmittage hat sie sich von sich aus und eigenständig anhand der Themen, die der Lehrer ihr auf ihre Anfrage hin per Mail mitgeteilt hatte, mit Mathematik beschäftigt, ohne zu murren. ("Lehrer Schmidt" fand sie richtig gut!)
Hilfe von mir wollte sie nicht.
Am Tag vor der Arbeit hatte sie dann tatsächlich richtig Panik mit körperlichen Symptomen, ich hatte zu tun, sie zu beruhigen. (Am Ende half nur noch vorlesen abends vorm Einschlafen, um sie abzulenken) Sie meinte dann, es lief ganz gut.
Das Ergebnis haben wir bisher aber noch nicht, ich hoffe ganz arg, dass sich das Lernen irgendwie rentiert hat, damit sie da mal die positive Erfahrung von "Lernen/Üben lohnt" macht und sich nicht so hilflos fühlt. ("Egal was ich mache - es nützt ja doch nichts")
Was mir noch ein wenig Sorge bereitet ist, dass sie eigentlich nicht wollte, dass die Schulpsychologin Kontakt mit der Schule /ihren Lehrern hat.
Und nun hat die Beratungslehrerin der Schule die Ergebnisse doch bekommen und von mir sogar eine Schweigepflichtentbindung erfragt, um mit der Klassenlehrerin und dem Mathelehrer ihre Idee mit dem Bewerten ohne Noten zu besprechen. Das hab ich an dem Termin spontan und ohne nachzudenken unterschrieben, da weiß ich nun gar nicht, ob das so gut war. Das hab ich dem Kind auch noch gar nicht im Detail erzählt.
Das tut mir schon leid, weil sie verständlicherweise möchte, dass man ihr möglichst vorurteilsfrei begegnet und nicht will, das irgendjemand irgendetwas so "intimes" über sie weiß... (das mit den Ängsten etc, was ich oben schrieb)
Aber ich denke/hoffe, in dem Falle ist das nötig und sinnvoll.
Hoffentlich war das wirklich richtig... Nicht dass es ihr am Ende dadurch nicht NOCH schwerer fällt, sich in der Schule und gegenüber den Lehrern wohlzufühlen... :?
Zuletzt geändert von sinus am Do 2. Jul 2020, 16:23, insgesamt 4-mal geändert.
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Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Do 2. Jul 2020, 13:44

@Sinus

Mir fällt es schwer, jetzt etwas Passendes zu schreiben. Auf jeden Fall - das wird schon! Auch Prüfungsangst kann sich legen, je mehr das Kind positives erfährt und/oder selber reift. Sie werden ja jeden Tag ein bisschen älter. Externe Hilfe noch einmal neu suchen - das geht so an!

Bezüglich der Notenaussetzung …….. schwierig, schwierig, schwierig. Vielleicht ziehen die Lehrer ja mit. Ob das allerdings eine langfristige Lösung ist? Da klopft bei mir der Pessimist an die Tür, da diese Lösung mit Sicherheit nicht so lange durchgezogen wird (an einer eher leistungsorientierten Schule) wie es dein Kind benötigt. Und ich gebe zu bedenken, dass dein Kind erst in Klasse 5 ist.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen in all euren Vorhaben.
alibaba
 

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Do 2. Jul 2020, 14:10

alibaba hat geschrieben:@Sinus

Mir fällt es schwer, jetzt etwas Passendes zu schreiben. Auf jeden Fall - das wird schon! Auch Prüfungsangst kann sich legen, je mehr das Kind positives erfährt und/oder selber reift. Sie werden ja jeden Tag ein bisschen älter. Externe Hilfe noch einmal neu suchen - das geht so an!

Bezüglich der Notenaussetzung …….. schwierig, schwierig, schwierig. Vielleicht ziehen die Lehrer ja mit. Ob das allerdings eine langfristige Lösung ist? Da klopft bei mir der Pessimist an die Tür, da diese Lösung mit Sicherheit nicht so lange durchgezogen wird (an einer eher leistungsorientierten Schule) wie es dein Kind benötigt. Und ich gebe zu bedenken, dass dein Kind erst in Klasse 5 ist.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen in all euren Vorhaben.


Es geht erstmal um das neue Halbjahr. Die Beratungslehrerin schlug das vor, weil wir im nächsten halben Jahr wie es aussieht noch keine psychologische Unterstützung für das Thema bekommen werden, weil es Wartezeiten von 6-12 Monaten für Termine gibt. Und es mir auch darum geht, dass sie nicht gleich wieder so eine Schulaversion entwickelt, bloß wegen schlechter Mathenoten.
Ich könnte mir schon vorstellen, dass es erstmal Druck rausnimmt und ihr evtl hilft, sich nicht so auf gute Noten zu fokussieren. Einfach mal so als "Perspektivwechsel".
(An sich müsste das auch eh nur für Mathe gelten, alle andere Noten stimmen ja, ohne dass sie da viel macht.)
Es ist ein Experiment...

Im schlimmsten Falle macht es alles schlimmer, weil das Kind gefühlt dann wieder eine ungeliebte Sonderrolle einnimmt und weiß, dass die Lehrer wissen, dass und welche Probleme sie hat. Womöglich wird es dann sogar zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung... und nimmt ihr dann sogar die Chance, da eigenständig rauszuwachsen.
Ich denke, langfristig gesehen steht und fällt es mit einer kompetenten psychologischen Begleitung...

Wir haben Ende des Monats sogar schon einen Termin mit einer Frau, die uns von mehreren Seiten empfohlen wurde, bspw von Eltern der DgHK und die auch mit der BzB (Beratungsstelle zur Begabtenförderung) vom Land zusammenarbeitet und von dort sehr empfohlen wurde. Allerdings ist das in einer anderen Stadt, wo ich denke, dass wir das nicht regelmäßig weitermachen können werden, weil es über 2 Stunden Tür-zu-Tür Fahrt mit dem Zug wäre. Das ist echt schade, weil sie wahrscheinlich fachlich genau die Richtige wäre und sich nicht auf Defizite, sondern auf Stärken konzentriert. Außerdem kennt sie sich auch mit dem Thema Autismus aus.
Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit per Skype oder so... dass sie nur jedes 2. oder 3. mal persönlich hin müsste oder so. Was weiß ich.
Wir schauen mal. Alle andere vor Ort angesprochenen sagen, dass es gut 6 Monate dauern wird, ehe sie beginnen kann.
Zuletzt geändert von sinus am Do 2. Jul 2020, 16:29, insgesamt 4-mal geändert.
Die Blätter sind bunt
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Der Has`
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(Herbstgedicht der 6jährigen)
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