Beschäftigung im Unterricht

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Meine3 » So 18. Okt 2020, 13:39

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Meine3

Mein Sohn will ganz bewusst keine Knobelaufgaben. Er will Kompetenzen, die ihm helfen seine Horizont zu erweitern. Das wird wie sein Vater trotz der sehr hohen Begabung kein theoretischer Physiker, weil ihm die trockene Theorie einfach keine Reize bietet. Das ist ein Umsetzer. Die Woche las er auf der Packung Müsli: "18 gramm Zucker in 100 gramm", Honig: "59g Zucker in 100 gramm" und wollte ausrechnen wodurch er mehr Zucker bekäme: durch eine Portion Müsli oder durch ein Honigbrot. Für solche Aufgaben muss man schrifliche Multiplikation und Division beherrschen (ok, durch Taschenrechner auch ersetzbar) und den Dreisatz (Klasse 6).

Sudoku, Logikals und Co ergeben für ihn keinen Sinn. Er will sie nicht machen, weder einfache noch komplexe. Kein Interesse. Ich hatte schon genug Knobelhefte für Grundschule in der Hand. Sie behandeln alle das Gleiche.

Ich bin gespannt, wie die Entscheidung bei euch ausfällt. Ich hoffe, wenn es durchgeht, dass auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten für deinen Sohn auftauchen als Standardprogramm.


Nun, das ist natürlich dann einfach Typsache. Wenn er nicht gern knobelt, dann muss man das akzeptieren. Hast du das in dieser Form der Lehrerin schon erklärt? Aus welchen Gründen sträubt sie sich so dagegen das Heft rauszugeben? Ist sie wirklch der Meinung es ist relevant ob er sich JETZT zu tode langweilt oder wenn der Stoff der 4.Klasse auch durch ist??

Für meinen Sohn wird aus Prinzip keine Differenzierung stattfinden. Er hat ja den Sprung "sabottiert" :roll:. Da bin ich recht sicher. Es ist unfair. Es sollte ein Schutz für das Kind sein, diese Probezeit. Sie wurde proforma ausgehängt und dann aber nicht wirklich umgesetzt als es so weit war. Denn ansonsten hätte man seine einseitige "Kündigung" akzeptiert und den Wechsel zurück schon vor den Herbstferien gestattet. Ich vermute da steckt auch ein wenig Corona dahinter. Sie wollen den Break oder den Wechsel erst nach den Herbstferien vollziehen.

Dass das für mein Kind grade die reinste Qual ist jeden Tag in einer Umgebung zu sein, die von Misgunst und Abneigung geprägt ist, interessiert dabei herzlich wenig. Man hätte ja Lösungen finden können (Homeschooling bis dahin oder ähnliches), aber das wurde ja garnicht thematisiert. Bis Mittwoch schafft er es jetzt auch noch. Dann haben wir ein Ergebnis und ich fresse einen Besen, wenn das heißt:" er bleibt in der 3 .Klasse" Er hat ja nun bewusst und davor unbewusst alles daran gesetzt wieder zurück zu dürfen. Und die Mitschüler und die neue Kl haben ihr übriges getan.


Das hätte alles echt auch anders laufen können mit dem Sprung, wenn die neue KL ihn gemocht hätte. Aber so ist es halt. Es steht und fällt immer mit der Lehrkraft.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 18. Okt 2020, 14:16

@Meine3

Ich habe der Lehrerin schon erklärt wie der Kleine tickt. Nur hat sie ihre Vorstellungen, wie Kinder sich zu entwickeln haben. Ich habe ihr auch im letzten Mail gesagt, dass das 4. Heft höchstens in diesem HJ noch von Bedeutung ist, danach ist es eher zu spät. Auch mein Sohn wird unruhig, wenn er unterbeschäftigt ist. Sein Wochenziel ist: "ich kibele nicht mehr so viel". Also wenn er anfängt vom Stuhl regelmäßig runterzufallen und unter den Tischen zu kriechen, haben wir eine neue Gesprächsbasis. Der Kleine kann so stören, dass es einem speiübel wird. Es wird dann eine Kombination aus motorischen Unruhe, ununterbrochenem Redefluss, gepreffert mit Launen und Wutausbrüchen. Das kennt die Schule alles noch nicht, weil er die ersten zwei Jahren ein Musterschüler in allen Hinsichten war.

Vielleicht darf dein Sohn im Unterricht wenigstens lesen. Mein Kleiner mag das auch nicht, ist eher ein ausgesprochen auditiver Typ.

PS. Wenn ich mir das so überlege, die Schlagzeile zum Topic solle heißen: "Das Kind fordert Matheunterricht, die Schule sträubt sich dagegen".
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 21. Okt 2020, 16:30

Ich koche hier vor Wut und brauche ein Ventil. Die Lehrerin des Kleinen hat sich entscheiden zu wissen, wie man hochbegabte im Allgemein und meinen Sohn insbesonderm fördert. Hier ist das Rezept, sollte es jemand dringend brauchen:

Man nehme ein Buch, ungeachtet der Klassenstufe, das einem schwer genug erscheint, schlagt das auf (im wörtlichen Sinne zu verstehen) und kopiert fürs Kind die beim aufschlagen offen gewordene Seite. Dann sagt man dem Kind, er solle das als Hausaufgabe bis morgen erledigen. Sollte es nicht geschehen wird einem eine Ecke abgeschnitten (davon habe ich hier schon geschrieben). Sollte man einen Verdacht bekommen, dass die Seite das Kind interessiet, sollte das Aufschlagen wiederholt werden.

Der Kleine hat die 3. Klasse abgeschlossen. Das 4. Heft darf er ausdrücklich nicht anfangen. Heute brachte er ein "Forderblatt" nach Hause, voll mit Aufgaben, wie:

70x12:20:6x125x2:250. Oder 1140:_=60

Das Kind hat nie durch zweistellige Zahlen geteilt, durch Zehnerzahlen auch nicht. In seinen Versuchen mit diesem didaktischen Sakrileg fertig zu werden macht er alle Fehler aus dem Katalog: zerlegt den Divisor beim Teilen in die Summe, so dass geteilt durch 16 durch Teilen durch 10 und 6 ersetzt wird. Multipliziert 13 mal 15 als 10 mal 10 plus 3 mal 5, unsw. Das Grundlagenbuch darf er nicht benutzen, muss aber trotzdem die Aufgaben lösen können.

Krönung des Tages: für HSU musste man heute von Nadelbäume Zapfen und Zweige bringen. Zapfen habe ich mit ihm gesammelt, Zweige abzureißen habe ich untersagt. Heute wurde das Mitgebrachte benotet! Er bekam eine 3, weil er zu wenig gesammelt hatte. Sein Nachbar eine 6, weil er nur einen Zapfen hatte, und das Kind mit größter Tüte - eine 1. Das sind die ersten Noten im Leben dieser Kinder, vorher hatten sie keine.

PS. Ich habe gestern Abend zwei Hochbegabte aus der 9. und 10. Klasse gefragt, wie viel 2000 geteilt durch 16 ist, sie sagten mir beide, dass sie ein Stück Papier dazu bräuchten.

PPS VIelleicht kann mir jemand erklären, warum man dem Kleinen auf einmal jetzt so einen Schwall an Mathe gibt? Er kann dem Herr werden, aber danach ist doch die Lücke zu der Klasse noch viel größer??? Statt im eigenen Tempo entspannt die 4. Klasse durchzuarbeiten, muss er jetzt geschätzt ein Viertel der 4. Klasse in wenigen Tagen verdauen. Wem bringt das was? Wenn er in eigenem Tempo gestern das Standard 4. Klässler Heft angefangen hätte, stünde er vielleicht erst in zwe Monaten da, wohin sie ihn jetzt mit einem Ruck versetzt haben.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Auguste » Mi 21. Okt 2020, 19:00

Ich fürchte mal, die Lehrerin will gar nicht, dass Dein Sohn die Aufgaben schafft. Die will ihm (und Euch) zeigen, dass er nichts "besseres" ist und auch nicht alles kann und ihn (und Euch als Eltern) so dazu bekommen, dass er endlich das macht, was alle machen - so wie SIE das will.

Solche Reaktionen von Lehrern sind mir nicht unbekannt. Die Dame hat entweder keine Ahnung von Hochbegabung oder sie hat welche und kann Hochbegabte nicht leiden oder sie ist einfach nur eine schlechte Pädagogin. Letzteres lässt die "Sammelaufgabe" und deren Benotung vermuten. Fleiß wird belohnt, Wissen und Bemühungen nicht.

Ich kann verstehen, dass Du wütend bist. Wäre ich auch. Vor Allem mit der Aussicht, dass der Kleine diese Lehrerin noch dieses ganze Schuljahr und das nächste ertragen muss. Gibt es wirklich keine Möglichkeit, ihn da rauszuholen - z.B. in eine Parallelklasse oder andere Schule?
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 21. Okt 2020, 19:12

@Auguste

Ich fürchte du hast Recht. Aber die Parallelklasse ist noch schlimmer. Die staatliche Schulberatung für Begabung versteht mich voll und ganz, hat aber keine exekutive Macht. Das Kind hat gerade angefangen sich mit seinen neuen Klassenkameraden zurecht zu finden. Den Größten hat er gestern auf die Nase geschlagen. Zu seinem Banknachbarn wurde er heute zum Besuch eingeladen. Ich kann ihn nicht jetzt wieder von vorne anfangen lassen.

Der Rektor an sich ist glaube ich auch ganz in Ordnung. Ich vermute nur, dass er in seinem Haus auch keine exekutive Macht hat. Es wundert mich extrem, dass er von seinen Worten abrückt. Ich habe ihn schon Anfang der Woche um Rückruf gebeten, und bis jetzt hat er sich nicht gemeldet.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon koala27 » Mi 21. Okt 2020, 19:55

Hallo Katze,
Ich muss mal nachfragen, weil ich es nicht verstehe.. Warum hat die Lehrerin das Heft der Klasse 4? Müsst ihr die Hefte nicht selber kaufen? Oder hat sie es „ eingesackt“ und rückt es nicht raus- obwohl es Euch gehört?

Die Aktion der Lehrerin heute ist für mich ein Versuch, deinem Sohn und Euch zu zeigen „ ätsch, er kann ja nicht alles, also braucht er kein Extrafutter“ - wenn er die Aufgaben morgen richtig mitbringt, dann heißt es sicher „ das hast du nicht selber gemacht- da hattest du Hilfe“

Die Lehrerin will keine „ Extrawurst“ und versucht alles um es zu verhindern - und
Dein Sohn muss es ausbaden -

Wirkt auch wie Überforderung für die Lehrerin mit dem Thema—-

Das der Rektor sich nicht rührt ist sehr merkwürdig— oder ahnt er das Problem evt. Schon?
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 21. Okt 2020, 20:08

@koala

Das Heft lag lange in der Schule. Heute habe ich das abgeholt. Es geht darum, ob der Sohn das durcharbeiten darf. Mein Sohn hat in Mathe so einen Vorsprung, dass es so gut wie unmöglich ist nachzuweisen, dass er was in der 3. Klasse nicht kann. Ich glaube das ist der Lehrerin schon klar. Davon ausgehend aber die reinen Rechenaufgaben aus dem Forderheft der 4. Klasse ohne jeglichen Kontext auszureißen ist jedoch keine Lösung fürs Problem. Keine Extrawurst geht auch nicht, weil er die Hefte für die 3. Klasse schon komplett ausgefüllt hat. Die Hilfe der Beratungsstelle nehmen beide 3.Klasslehrerinen nicht an.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Auguste » Mi 21. Okt 2020, 20:13

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Auguste

Ich fürchte du hast Recht. Aber die Parallelklasse ist noch schlimmer. Die staatliche Schulberatung für Begabung versteht mich voll und ganz, hat aber keine exekutive Macht. Das Kind hat gerade angefangen sich mit seinen neuen Klassenkameraden zurecht zu finden. Den Größten hat er gestern auf die Nase geschlagen. Zu seinem Banknachbarn wurde er heute zum Besuch eingeladen. Ich kann ihn nicht jetzt wieder von vorne anfangen lassen.

Der Rektor an sich ist glaube ich auch ganz in Ordnung. Ich vermute nur, dass er in seinem Haus auch keine exekutive Macht hat. Es wundert mich extrem, dass er von seinen Worten abrückt. Ich habe ihn schon Anfang der Woche um Rückruf gebeten, und bis jetzt hat er sich nicht gemeldet.


Das ist natürlich blöd alles. Ich bekomme das gerade nicht mehr alles zusammen, wessen Kind gerade gewechselt hat, gesprungen ist usw., deswegen die Nachfrage.

Der Direktor wird wissen wie die Lehrerin tickt, aber er kann sich auch keine bessere backen. Der Lehrermangel wird auch an solchen Sachen spürbar. Es wird jeder eingestellt, der nur halbwegs unterrichten kann. Pädagogische Fähigkeiten sind da nicht wirklich relevant. Grundschulen sind für Lehrer nicht attraktiv. Es gibt weniger Gehalt und der Umgang mit den unselbständigen Knirpsen liegt auch nicht jedem. Da sammelt sich dann die pädagogische Unfähigkeit an den Grundschulen. Ausnahmen gibt dabei sicher auch (solche, die gern mit dem Kleinen arbeiten und richtig gute Lehrer/innen sind), aber ich habe den Eindruck, die werden immer seltener.

Wenn Dein Sohn jetzt zumindest sozial gerade seine Position findet und Freundschaften schließt, wäre es natürlich schlecht, ihn direkt wieder herauszureißen und erneut wechseln zu lassen. Die Frage ist nur, wie lange Dein Sohn das durchhält. Meiner war ja auch sozial integriert und wollte deswegen nicht weg aus seiner alten Klasse. Es hat ca. 1 Schuljahr gedauert, bis er uns sagte, dass ihm seine Freunde in der Klasse egal sind (die könnte er auch nach der Schule noch treffen) und dass er unbedingt in eine andere Klasse oder Schule will, um nicht mehr bei dieser Lehrerin Unterricht haben zu müssen.

Keine Ahnung, wie man das Dilemma bei Euch lösen kann. Ich wünsche Euch jedenfalls starke Nerven.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 21. Okt 2020, 21:11

Eigentlich sitzen wir alle in einem Boot, nur manche verstehen das noch nicht ganz. Der Kleine wird massiv stören, sollte er keine adäquate Beschftigung finden. Das ist ein Kind mit extremen Rechtgefühl und breitem Arsenal an Verhaltensmustern. Er wollte bis jetzt in der Schule brav sein. Er kann auch anders.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Karen » Mi 21. Okt 2020, 21:47

Koschka, ich finde auch dass es unmöglich ist solche Aufgaben ohne Erklärung mit nach Hause zu geben. Aber ich finde die Aufgaben die du geschrieben hast (ich weiss nicht wie die andere sind, kann nur über diesen reden) eigentlich ganz ok, da sie gar nicht um rechnen gehen. Sobald das Kind begreift dass bei * und / rechnen die Zahlen frei verschoben und zusammen gerechnet werden dürfen geht es plötzlich ganz einfach. Wir haben sowas ähnliches mit der Tochter in Corona Zeiten gerechnet. Die Tochter hat es schon wieder vergessen, aber ich habe ihr gerade die Rechnung gezeigt und die Regel erklärt, und sie hatte dann schnell die Antwort gehabt. Aber ich weiss ja nicht wie die andere Aufgaben waren - das ganze Blatt voll davon ohne Erklärung wird jeden verunsichern und geht gar nicht. Und es macht kein Sinn ihm der 4-Klasse Heft nicht zu geben. Also - ich habe die gleiche Meinung wie ihr dass der Verhalten der Lehrerin ein No-go ist, aber solche Aufgaben an sich mit Erklärung findet meine Tochter toll, und eigentlich viel spannender als ein 4-klasse Heft die sie jetzt hat.
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