Beschäftigung im Unterricht

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon sinus » Do 15. Okt 2020, 09:44

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@sinus

die Beratungsstselle hat schon zick mal angeboten, den Kontakt zu halten, zudem in der Parallelklasse auch ein frischer Springer sitzt. Aber wer braucht schon so was? Wenn der Kleiner als einziger ein Laptop mitbringt, ich hätte sogar hier so ein historisches Exemplar, der mir nicht leid tut, dann vergehen die Anderen vor Neid.



Ja schon klar. Mit derselben Begründung durfte meine Tochter ja nichtmal ein Buch in den Unterricht mitbringen zum Lesen in langweiligen Stunden.
("Dann wollen das ja alle, das wäre unfair")
Aber da müssen die dann halt durch, wenn sie zu nichts anderem bereit sind und du nicht hinkommen darfst. Er soll ja nicht spielen, sondern arbeiten damit.
Einfach absitzen lassen - "beschäftige dich mal schön selbst" - geht jedenfalls nicht. Das ist sicherlich auch nicht gemäß Schulgesetz.
Kann die Beratungsstelle evtl. was schriftlich "anweisen", dass es für seine psychische/motivationale Entwicklung unabdingbar ist, dass er diesunddas machen kann?

Das ist übrigens das "digitale mitlernende Schulbuch" was meine Tochter da grad neu hat (über die Schule, ich hab dir das für Privatpersonen verlinkt)
https://familie.bettermarks.de

Ab Klassenstufe 4 aufwärts - müsste also gut passen für deinen Sohn.
(10 Euro für einen Monat ohne Abo/irgendwelche Verpflichtungen oder fürs ganze Jahr 70 Euro. Find ich ok, vor allem, dass man nicht wie bei anderen Anbietern direkt ein Abo abschließen muss.)

Gut daran ist, dass es Rückmeldungen/Korrekturen gibt.
Auf der Seite schreiben sie:
Auf Fehler reagiert bettermarks mit gezielten und konstruktiven Rückmeldungen, erkennt richtige Ansätze und gibt hilfreiche Denkanstöße.

Bei bettermarks sind Fehler etwas Gutes. Denn unser Ziel ist es, jeden Fehler in einen Aha-Effekt zu verwandeln. Das funktioniert nur, wenn es immer direkte Rückmeldungen gibt. Und wenn Du mal gar nicht mehr weiter weißt, gibt es bei jedem Rechenschritt einen Lösungsweg mit den Werten der Aufgabe. Du kannst alle Übungen so oft rechnen, wie Du willst. Jedes Mal bekommst Du neue Aufgaben. So kannst Du so lange üben bis Du es kannst.


Ein Lehrer hätte also keinen Aufwand damit, das macht alles die Software...
Also er müsste wirklich nur ein Tablet oder Laptop (oder Handy) erlauben!
Ein Tablet wäre bspw auch viel unauffälliger, als ein Laptop.
Kann man das nicht als "digitales Schulbuch" verkaufen? Es sieht ja auch nicht aus, wie ein Spiel.
(man kann aber Punkte und Sterne sammeln, was den Ehrgeiz schon ein bisschen anregt. Hat zumindest bei meiner Tochter gestern funktioniert)
Und mal ehrlich - wenn die anderen das sehen und cool finden - was ist daran schlimm? Womöglich motiviert sie das ja sogar. :fahne:

Meine Tochter fand bettermarks wie gesagt richtig gut, erst wollte sie nur mal reinschauen, dann hat sie fast 2 Stunden freiwillig darin weitergearbeitet.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon charlotte12 » Do 15. Okt 2020, 11:10

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Laptop nicht für böses Blut sorgt. Als es bei nach dem Lockdown mit geteilten Klassen die Schule wieder anfing, hatte der Klassenlehrer die meiner Meinung nach gute Idee, die Klasse nicht nach Alphabet sondern nach Leistung zu splitten. Der Shitstorm, der dadurch in der Eltern-whats-App-Gruppe losgetreten wurde, war eindrucksvoll. Dort lernte ich dann u.a., dass wissenschaftlich erwiesen sei, dass auch die leistungsstarken Kinder in möglichst leistungsheterogenen Gruppen am besten lernen :roll:
Meine Tochter überklebte bei ihren Extraheften die Klassenstufe mit bunten Stickern, damit ja kein anderes Kind mitbekam, dass da eine höhere Klassenstufe draufsteht. Sie saß als Drittklässlerin mal zufällig eine Zeitlang in Deutsch eine Stunde pro Woche in der 4. Klasse, nicht zur Differenzierung, sondern um eine Hohlstunde von der Betreuung her zu überbrücken. Sie schrieb dort spaßeshalber ein Diktat mit, hatte als einzige das Diktat vorher nicht geübt und als einzige keinen Fehler, was die Lehrerin leichtsinnigerweise im Unterricht erwähnte. Daraufhin wurde sie prompt von ihrer Sitznachbarin gebissen und traute sich fortan kaum noch in diese Klasse. Eltern und andere Kinder können ziemlich giftig werden, wenn sie Ungleichbehandlung wittern. Ich denke mittlerweile, dass Differenzierung nur dann wirklich funktionieren kann, wenn es in einer Klasse als normal eingeführt wird, dass ALLE Kinder jeweils angepasste Aufgaben erhalten.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon sinus » Do 15. Okt 2020, 11:27

charlotte12 hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Laptop nicht für böses Blut sorgt. Als es bei nach dem Lockdown mit geteilten Klassen die Schule wieder anfing, hatte der Klassenlehrer die meiner Meinung nach gute Idee, die Klasse nicht nach Alphabet sondern nach Leistung zu splitten. Der Shitstorm, der dadurch in der Eltern-whats-App-Gruppe losgetreten wurde, war eindrucksvoll. Dort lernte ich dann u.a., dass wissenschaftlich erwiesen sei, dass auch die leistungsstarken Kinder in möglichst leistungsheterogenen Gruppen am besten lernen :roll:
Meine Tochter überklebte bei ihren Extraheften die Klassenstufe mit bunten Stickern, damit ja kein anderes Kind mitbekam, dass da eine höhere Klassenstufe draufsteht. Sie saß als Drittklässlerin mal zufällig eine Zeitlang in Deutsch eine Stunde pro Woche in der 4. Klasse, nicht zur Differenzierung, sondern um eine Hohlstunde von der Betreuung her zu überbrücken. Sie schrieb dort spaßeshalber ein Diktat mit, hatte als einzige das Diktat vorher nicht geübt und als einzige keinen Fehler, was die Lehrerin leichtsinnigerweise im Unterricht erwähnte. Daraufhin wurde sie prompt von ihrer Sitznachbarin gebissen und traute sich fortan kaum noch in diese Klasse. Eltern und andere Kinder können ziemlich giftig werden, wenn sie Ungleichbehandlung wittern. Ich denke mittlerweile, dass Differenzierung nur dann wirklich funktionieren kann, wenn es in einer Klasse als normal eingeführt wird, dass ALLE Kinder jeweils angepasste Aufgaben erhalten.


Naja... ein unauffälliges Tablet, das Kind ganz hinten hingesetzt und die Erläuterung: "X arbeitet ab jetzt mit einem digitalen Lehrbuch, weil wird das Buch in gedruckter Form nicht da haben" -
mit gutem Willen und bisschen pädagogischem Geschick ginge da sicher was.
Den Eltern gegenüber kann man sagen, dass bspw Linkshänder ja auch bestimmte Hilfsmittel gestellt kriegen oder Kinder mit Problemen einen Nachteilsausgleich.
Das Kind von Katze kriegt eben das digitale Lehrbuch als "Extra"...
Eine Sonderbehandlung bekommt er ja derzeit so oder so auch schon. Nur eben nicht in passender Form bisher.

PS: Meine Tochter hat ihr Matheheft, wo "Mathe für Hochbegabte" drauf stand, auch als erstes außen komplett überklebt.
Einer einzigen Klassenkameradin/damals Freundin hat sie sich übrigens in der 4. Klasse mal anvertraut, weil sie von mir wusste, dass deren großer Halbruder, inzwischen erwachsen, ebenfalls hb ist und auf dieselbe weiterführenden Schule ging, wie meine Tochter jetzt.
Das Mädchen hat ihr das nicht geglaubt...
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 15. Okt 2020, 11:36

@sinus

Da bin ich mir ziemlich sicher, dass es nur mit "und wenn das alle wollen?" endet. Maximal mit Tritten und Schlägen von hinten, wenn es doch durchgeht. Der Knackpunkt ist außerdem: wenn sie von ihm schon das Heft der 4. Klasse verstecken, was wäre dann deren Motivation ihm Computer zu erlauben?
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Meine3 » Do 15. Okt 2020, 12:47

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Update.

Gestern hatte die Klasse eine Doppelstunde Mathe. Mein Sohn hatte währenddessen frei! Sein Rechentrainer von der 3. Klasse ist jetzt endlich fertig. Das Heft für die 4. liegt seit dem Schulanfang in der Schule. Stattdessen sitzt er im Unterricht ohne mitzumachen und malt in seinem Spaßheft. Ich weiß nicht, was ich von dem Konzept halten soll. Ich habe das Gefühl, dass die Schule es versucht, auf jeden Fall zu verhindern, dass er in diesem Jahr mit dem 4. Heft fertig wird. Aber wie vernünftig ist denn das? Er kann schon jetzt alles was dort steht...und im Hintergrund der Diskussion flippt der Große aus, dass er auch noch nie in der Schule was gelernt hat. Ich habe echt keine Geduld mehr.


:evil:

ich hab schon beim zuhören, bzw. diese Schilderung lesen keine Geduld mehr. Was soll dieses klein halten denn bringen? Natürlich hat er dann in Klasse 4 das Problem, dass die Grundschule Klasse 5 als Stoff nicht zur Verfügung hat, aber da fände sich doch sicherlich auch eine Lösung über mitgebrachte Bücher oder ähnliches.

Ich kann da garnicht mehr sachlich bleiben, dieser Gleichschaltungs-Mist hat noch nie funktioniert. Wann kommt das mal an?

Ich werde mir das Gespräch am Freitag mit der Lehrerin noch anhören und dann entscheiden ob ich den Sohn bis zu den Ferien daheimlasse, damit er mal durchatmen und entspannen kann. Ich habe nach dieser kurzen Zeit im Schulsystem schon keinen Bock mehr. Dabei war ich immer kompromissbereit. Nur die Schule ist es nicht.
Kann dich gut verstehen. Was machst du jetzt? Lehrerin nochmal ansprechen?
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 15. Okt 2020, 13:12

@Meine3

Danke fürs Mitfühlen! Wenn bis Mitte nächster Woche kein Heft der 4. Klasse in seinem Schulranzen auftaucht, gebe ich ihm das Heft der 5 mit. Es ist schon eher etwa zu einem Drittel in den Coronaferien ausgefüllt worden. Aber eigentlich hat mir der Rektor in Anwesenheit der Lehrerin versprochen, dass er das 4. Heft bekommt, sobald der Rechentrainer der 3. kompett ausgefüllt ist.

Die Lehrein hat versucht ihm aus dem Rechentrainer extra kleine Häppchen als HA zu geben. Das Maximale was er bis jetzt als Mathe-HA hatte war eine DINA5 Seite aus dem Trainer, meistens aber weniger bis gar nichts. Nachdem ich gestern erfahren habe, dass er auch im Unterricht malt, platzt mir der Kragen. Er hatte schon im Februar letzten Jahres 2+ für die Proben der 3. Klasse. Eine kurze Wiederholung wäre vielleicht ok, aber doch nicht in so einem Kaugummitempo...
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 15. Okt 2020, 14:17

Zum hier erwähnten Thema gemeinsamen Unterrichtens... Der einziger der davon Vorteile zieht, scheint der Geldgeber zu sein. Ich habe ein Adoptivkind mit leichter Intelligenzminderung 5. Klasse Hauptschule. Dieses Kind hat für die erste Schulaufgabe in Englisch eine 2 bekommen. Die Grundschule war sich sicher, dass dieses Kind gar nichts mitkriegt. Sie haben auch Recht, als ich versucht habe, mein Kind auf die Probe vorzubereiten, habe ich festgestellt, dass das Kind keine Wissenslücken hat, sondern ein riesengroßes schwarzes Loch. Es ist einfach nichts da gewesen. Und siehe da, nachdem die ganzen Schnelldenker weg sind, kann das Kind plötzlich mithalten.

Mathe ist noch schlimmer, weil ihre Lehrerin mit ihr nur 1x1 geübt hat. "Sie solle mit den kleinen Zahlen anfangen". Die erste Probe ist zwar eine 5, aber 4 knapp verfehlt. Dabei musste das Kind für diese Probe das Dezimalsystem, den Zahlenstrahl, Runden und was weiß ich noch lernen, und das in zwei Wochen, neben dem Englisch. Tja. Zwei Jahre grundschulische Integration...
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Do 15. Okt 2020, 14:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Karen » Do 15. Okt 2020, 14:19

Meine3 und Katze - ich finde es schrecklich wie wenig Verständnis ihr von Lehrern bekommt. Mir fällen die Worte. Ich schätze noch mehr was für Glück ich hier habe (und falls ihr Auswandern möchten - kann ich unsere Schule nur empfehlen, obwohl (oder vielleicht weil) es in einer Problem viertel ist).
Meine3 - was du dich anhören musstest ist unglaublich. Kannst du ins Gespräch nächstes mal jemandem mitnehmen so dass du nicht alleine gegen die alle bist? Das noch jemand für dein Sohn sprechen kann und dir eine Pause verschafft. Vielleicht dein Mann? Ich finde solche Gespräche immer einfacher zu führen zu zweit, obwohl ich eigentlich beruflich auch viel verhandeln, durchsetzten usw. muss, bin ich sehr froh wenn in der Schulgesprächen noch mein Mann oder jemand anderes dabei ist (wir hatten schon mal die Psychologin dabei, und ich habe selber mal eine Freundin unterstützt und der Gespräch quasi moderiert).
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 15. Okt 2020, 14:36

@Karen

Der Kleine hat eine gute Lehrerin: liebevoll, empathisch, klug, spielt Klavier, singt mit den Kindern trotz Corona... aber sie ist hoffnungslos überfodert mit all dem was man einer Lehrerin aufbürdet. Hinzu kommt es, dass es vieleicht in Deutschland ein halbes Dutzend Grundschullehrer überhaupt gibt, die sich vorstellen können, wie ein Kind hinter der dritten Standardabeweichung tickt.
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Re: Beschäftigung im Unterricht

Beitragvon Karen » Do 15. Okt 2020, 14:51

Ich wundere einfach an was es liegt. Die beide Lehrerinnen meiner Tochter (letztes Jahr und jetzt) kommen ziemlich direkt von Studium (haben so 2-4 Jahre Erfahrung), die Klasse hat ein Kind mit ADHS, mehrere Kinder aus Familien die kaum Deutsch sprechen und ein Kind aus einer Flüchtlingsfamilie. Es ist eine gemischte 3/4 Klasse. Ich wundere wie sie es schaffen dieser breite an Kinder gerecht zu werden - aber mir scheint dass sie es momentan ziemlich gut tun.
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