nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Fr 2. Okt 2020, 09:53

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Das ist doch Nobelpreis in der Pädagogik. Wenn ein Kind auf dem Stuhl kippelt, schreibt er einfach das er das nicht mehr macht, und das Problem ist gelöst... Eine rhetorische Frage ist, warum man den angehenden Lehrer hohe Mathematik statt Pädagogik unterrichtet? Irgendwann wird die Leherin sich mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Junge auch ein Teil der Klasse ist. Spätestens wenn sie eine brennendere Baustelle in der Klasse bekommt, die sie anderweitig beschäftigt.



;o). Er ist auch nicht der "schlimmste" in der Klasse. Das habe ich aber nicht von der Lehrerin erfahren, sondern er hat erzählt, dass andere Jungs in der Klasse ganz oft auf "rot" stehen und einer jeden Tag zum Rektor muss, etcpp..

Ich habe ihn gefragt, ob er denn meint, dass ihm diese Strafarbeit was bringt, bzw. ihm hilft sich besser an die Regeln zu halten. Er antwortete ganz trocken." Das ist nur ein beschriebenes Blatt Papier. Papier ist geduldig..." :shock: :lol: . Ich fand das ja gut....

Ich finde diese Maßnahme sehr mittelalterlich und eben defizitorientiert. Schön wäre, wenn die Kinder bei gutem Betragen dann wenigstens auch gelobt würden. Nein, werden sie nicht. Ich habe ihm für eine Woche keine "Chips" bekommen eine ordentliche Kitzelpartie versprochen, mehr so aus Spaß. Denn die bekommt er eh :P.

Er hat sich in dieser einen Woche unheimlich gemacht. Sowohl kognitiv, als auch von der generellen Reife her. Ich bin neugierig, was die Lehrerin nächste Woche berichtet, wenn ich sie frage...
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Fr 2. Okt 2020, 09:59

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Hallo Meine3,

was für eine Achterbahn! Die Lehrerin macht Quatsch! Sie ist für das soziale Klima in der Klasse zuständig, nicht du, und nicht dein Sohn. Als mein Großer in die 7. Klasse reinkam, haben sich die 1. Klassenleitung und die 2. Klassenleitung nach einer kurzen Bekannschaft mit ihm hingesetzt und lange besprochen, neben wem er sitzen soll, so dass er eine Chance hätte schnell Freunde zu finden.

Bei dem Kleinen gestern gab es ein Minidrama. Auf der Schwelle der Schule hat er sich entschieden wieder nach Hause zu gehen. Ich habe seine Klassenleitung geholt. Sie hat versucht ihn festzuhalten und ins Klassenzimmer zu führen. Er ist ihr entwischt und abgehauen. Ich muss ihr hoch anrechnen, dass sie erstmal sofort eine andere Lehrerin mobilisiert hat, um ihn im Pausenhof zu suchen. Zwar ohne Ergebnis, aber immerhin habe ich nicht gesagt bekommen, dass ich das übernehmen soll. Der Kleine ließ sich überreden, noch mal eine Stunde später zur Schule zu gehen, um mit dem Rektor zu sprechen, was ihm an der Schule nicht gefällt. An den Rektor kam er an dem Tag nicht ran, aber seine Klassenlehrerin hat mit ihm gesprochen und ihn befragt was ihm gerade nicht passt. Unter anderem erzählte der Kleine, dass es ihn stört, dass andere Jungen ihn in der Pause oft ausschließen. Gleich an diesem Tag erzählte er von einem organisierten Spiel mit einem Springseil, bei dem alle mitmachen durften. Ich weiß nicht, ob er Mathe erwähnt hat, aber heute durfte er statt verhasstem Rechentrainer in seiner Knobelmappe arbeitet, und die Lehrerin hat in der Tat einen Blick drauf werfen können, und sagte ihm, dass eine Aufgabe falsch sei. Ich bin sehr positiv überrascht, dass die Lehrerin sich so um ihn kümmert. Offensichtlich hat sie bei diesem offenen Ausbruch wirklich realisiert, dass es hier nicht um eine Eislaufmutter geht, die ihr Kind nach vorne schiebt, sondern um Kummer und Sorgen eines kleinen Jungen. Worauf sie sehr empathisch und sofort reagierte. Mein Kind hat sehr viel für solche Menschen übrig, und benimmt sich um ihnen auch einen Gefallen zu tun.

Zurück zu eueren Situation. Wenn die Lehrerin glaubt, der Sitznachbar mag deinen Sohn nicht, dann soll sie ihn zu einem anderen Kind (nicht unbedingt einem Jungen) setzen. Sollte er so derart die anderen stören, braucht er einen Einzelplatz.

Die Lehrerin soll sich von der Idee verabschieden ein Grundschulkind an eine Schule für HB abzuschieben. Ich weiß nicht wie euer Kultus dazu steht, in Bayern ist das absolut unerwünscht, die Kinder schon in der GS auszusortieren. Deswegen gibt es bayernweit keine GSchulen mit HB-Förderung. Ich weiß nicht, wie du dir das zurück vorstellst. Bei uns in der Klasse sitzt schon so ein fitter Junger ohne Verdacht auf ADHS und sonstwas in der ersten Bank direkt vor der Lehrerin und stört den ganzen Tag die ganze Klasse, weil er vor Langeweile eingeht. Dein Sohn kann sich jetzt vielleicht einen kleinen Vorteil im Wohlbefinden bekommen, wenn er zurück geht, aber es wird nicht lange dauern, bis ihm die Langeweile blüht und dann wird der Störverhalten expontiell zunehmen.

Zum Schreibkram. Auch meinem Sohn ist es in den ersten zwei Wochen zu viel gewesen. Seinem Freund, der gesprungen ist, dann umso mehr. Abschreiben wird jetzt in der Schule intensiv geübt. Gestern hat er von der Tafel einen Text für HSU abgeschrieben, da sind sogar "dass" und "das" richtig. Bei meinem Großsohn war die Rechtschreibung bis zur 8. Klasse katerstrofal. Es hat sich auch gegeben.

Was ist aus der Idee der Unterstützung durch einen Sozialarbeiter geworden?

PS. Die Art der sozialen Probleme erinnert mich schon sehr an Asperger. Da wäre ein Termin bei KJP der mit AS und HB sich auskennt, vielleicht auf ein Lösungsweg.


Hallo Katze,

ja, das ist in der Tat eine Achterbahn. Der Gefühle, der Bewertungen, der Meinungen...

Was ist denn ein Klassenleiter? Ein Klassensprecher? Mir ist dieses Wort nicht geläufig. Wie geht es deinem Kleinen jetzt?


Was die HB-Schule angeht: gibts bei uns auch nicht. Nicht in der Grundschule. ES gibt Grundschulen, die sich Begabtenförderung auf die Fahne schreiben und klassenübergreifend arbeiten, wie die Schule, die wir für den Schulwechsel in Erwägung gezogen hatten, das wars aber auch schon.

Ich denke auch, dass sie (und auch er) sich mit dem Zustand, dass er in der 3. Klasse ist, anfreunden müssen. Denn ich kann mir bei seinem jetzigen Wissensstand einfach kein Zurück in die 2. Klasse vorstellen. Das würde so elend furchtbar schrecklich langweilig werden für ihn und das würde wieder die alten Probleme verursachen.


Außerdem lag sein Stören in der Klasse ja offensichtlich schon an der Unterforderung, denn in der neuen Klasse stört er ja VIEL weniger. 2 Mal reinrufen und einmal schnalzen ist ja im Gegensatz zu 45-70 MAl reinrufen, exorbitant besser.

Den Termin mit der KJP machen wir auf jeden Fall, da die soziale Interaktion tatsächlich oft "merkwürdig" ist und er am ausgegrenzt sein ja auch zu knabbern hat.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Fr 2. Okt 2020, 10:04

sinus hat geschrieben:Ich bleibe dabei was ich neulich schrieb - ich würde nicht den Schritt zurück machen, sondern die aktuellen Probleme jetzt lösen.
Daran kann er sehr wachsen.
Der Schritt zurück bringt vermutlich eh auch nur andere Probleme... vielleicht dann etwas später, aber sie waren ja dort auch da und sie werden wiederkommen.

Gibt es denn gar kein Kind in der Klasse, was zu deinem Kind passt?
Auch wenn das der Lehrerin viel abverlangt - ich sehe sie - wie Katze - da in der Pflicht.
(Allein sitzen wäre auch einen Versuch wert.
Meine Große wollte immer am Liebsten allein sitzen, meine Kleine fängt auch schon so an, dass ihr das lieber wäre.)

Ich würde echt die Lehrerin noch mal befragen, wer kognitiv / von den Interessen her evtl ganz gut zu deinem Sohn passen könnte und dann versuchen, ein bisschen zu kuppeln.

Zum Schreiben kann ich nicht viel sagen.
Ich würde so "aus dem Bauch heraus" denken, dein Sohn kann das aufholen.
Die anderen werden ja wg Corona auch nicht alle gleichermaßen viel gemacht haben im letzten Schuljahr...

Ich würde noch nicht aufgeben. Alle bemühen sich doch, die Lehrerin, du, dein Sohn.
Das soziale Ankommen dauert nunmal seine Zeit. Meine Tochter hat die ganze Grundschulzeit hindurch nach passenden Freunden gesucht...
Obwohl sie ja zusammen mit 10 Kindern aus derselben Kiga-Gruppe in ihre Klasse gekommen ist.


Hallo sinus,

du hast Recht. Wir gehen auch immer mehr in die Richtung, dass ein zurück gehen einfach keinen Sinn macht, so leid mir die neue KL auch tut (die ja offensichtlich kein so großer Fan von ihm ist) und auch er irgendwie, weil er seine alten Klassenkameraden vermisst...

Er sitzt nun nicht mehr neben diesem Jungen, sondern allein am Rand. Das passt zu seinem sozialen Stand in der Klasse :(. Vielleicht berappelt er sich noch. Manchmal dauerts einfach ein wenig und JA, ich sehe da auch die Lehrerin in der Pflicht, die offensichtlich nicht sooo viel "Lust" hat, zu kuppeln. Sie beschwert sich lieber, dass er sich nicht integriert. Ein wenig Hilfe ihrerseits wäre da schon schön.

Ich werde das beim nächsten Gespräch auch auf jeden Fall ansprechen. Vor allem das abblocken der Möglichkeit, dass wir außerhalb der Schule Kontakte knüpfen können. Ich habe nach der KLassenliste gefragt und sie meinte, das müsse sie erst mit den anderen Eltern besprechen. Komisch...Die anderen "Neuen" haben sofort eine Klassenliste erhalten! Wie kann man von meinem Sohn erwarten, dass es sich GENAU so integriert, wie die anderen Neuen, ihm aber gleichzeitig einen Sonderstatus verleihen, indem er offensichtlich (!) nicht komplett in die Klasse aufgenommen wird.

Das mit dem Schreiben hat sich innerhalb einer Woche extrem verbessert, ohne zusätzliches Üben zu Hause. Da sehe ich durchaus noch ganz viel Luft nach oben.
Zuletzt geändert von Meine3 am Fr 2. Okt 2020, 10:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Fr 2. Okt 2020, 10:21

Baobab hat geschrieben:Hi, hab hier lang nicht mehr geschrieben ...

Mein mittleres Kind hatte in der GS ein Drehtürkind in der Klasse, die Eltern haben sich nach langem Hin und Her dagegen entschieden, das Kind springen zu lassen, da er sozial überfordert war. In diesem Fall war es die richtige Entscheidung - aber das weiss man halt leider erst Jahre später ...
Meine Erfahrung mit drei Kindern In der Grundschule: die Unterforderung ist aufgrund der vielen Wiederholungen so oder so unvermeidlich. Am Gymnasium wird es besser (vor allem im HB-Zweig). Aber auch da tun sich die „normal“ hochbegabten leichter, wenn sie in der Altersstufe bleiben, die extremer Hochbegabten in den Klassen meiner Kinder konnten die soziale Überforderung Besser kompensieren, bei einem Kind ist es ganz schief gegangen.

Vollständig integrierte jüngere Kinder kenne ich eigentlich nur 2 - meine Tochter und ihre Freundin, beide früh eingeschult, ohne Klassensprung.

Meiner Ansicht nach wäre er dort am besten aufgehoben, wo er sich am wohlsten fühlt, am besten mit einer Lehrkraft, die in der Lage ist, ihn einzubinden und zu füttern (hab ich aber leider noch nicht kennen gelernt ...)



Hallo Baobab,

das Problem ist, dass er mit der alten KL VIEL besser konnte, da sie ihn viel besser eingeschätzt und gesehen hat.Da war Wertschätzung vorhanden, aber auch Strenge... Sei hat nicht nur auf seine Defizite geschielt , sondern auch gelobt hat und verstanden hat, WARUM er manche Dinge tut.

Aber sie hat bewusst kaum differenziert, hat auch erst nach einem halben Jahr tatsächlich Enrichment betrieben (nach Corona, für eben die paar Wochen, die dann noch Schule waren) und sie meinte, sie habe hier ihre Grenzen erreicht, er aber nicht. Sie hat den Sprung ja damals empfohlen, von uns aus hätten wir das nicht angeregt (wegen der sozialen Komponente und weil wir wissen, dass er länger braucht als andere Kinder, um in einer Gruppe seinen Platz zu finden).

Bezüglich des Stoffes blüht er grade total auf und hat sich grade in der letzten Woche unheimlich gemacht. Die Schreibgeschwindigkeit hat sich auch eklatant verbessert, ohne zu Hause viel zu tun. Er beklagt sich auch nicht mehr über die Menge, außer dass er eben manchmal bei den HAusaufgaben dann keine Lust mehr hat, aber sollte man ihm auch in der 3. zugestehen, dass er manchmal lieber was anderes machen würde.

Es ist also nicht klar, wo er sich tatsächlich wohler fühlt. Denn stofflich und kognitiv ist es eindeutig besser in der 3. , sozial war es (am Ende des Schuljahres) in der alten Klasse besser. Aber die Frage ist: ist das nicht bedingt "normal", dass er als Springer länger braucht, um sich zu integrieren? Er ist jünger als die anderen, hat noch viele Milchzähne, hat komplett andere Interessen (Astrophysik, Lesen, Politik, Geschichte... und nicht Lego, basteln und Star Wars...). Mir ist auch aufgefallen, dass er kaum noch "spielt" zu Hause. Ich versuche ihn regelmäßig zu animieren, was zu spielen. Aber das macht er seit nem halben Jahr nicht mehr. Kein Lego, kein Gravitrax. Er puzzelt grade (2000er Puzzle :schwitz: '), hört Hörspiele oder liest und wenn er nicht daheim ist, ist er mit seinem Freund draußen unterwegs (Fahrrad oder Roller fahren, umherstreunen, forschen). Er hat also wenig Anknüpfungspunkte und hat es auf seine Art schon sehr probiert ist da aber nicht gelandet. Er sagte gestern auch, dass er über seine Mitschüler verärgert ist, aber wollte erst mal eine Nacht drüber schlafen und es uns dann erzählen.

Drehtüre wäre auch für ihn super gewesen (in Mathe). Aber das geht wegen Corona ja momentan nicht. Außerdem ist er auch in Deutsch stark (Lesegeschwindigkeit, Verständnis, etc) und hat dort mehr Futter gebraucht, so dass der Sprung eben schon Sinn gemacht hat.

Danke für deinen Input. Wir werden sehen, wie es sich in den nächsten Wochen weiter entwickelt.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 2. Okt 2020, 10:47

@Meine3

Wie gut ist bei euch der Hort? Gibt es eine Möglichkeit für euch dort einen Platz zu bekommen? Unser Hort ist sehr gut, die Kinder gehen sehr gerne hin und mein Kleiner guckt neidisch hin, was die Kinder dort alles spielen. Alleine spielt der Kleine auch kaum, aber wenn einer seiner Freunde kommt, dann rennen sie mit Pistolen rum, bauen aus Kappla und Lego, falten Papierflieger und machen eigentlich das Gleiche was fast jeder Junge in dem Alter gerne macht. Deswegen verstehe ich nicht, warum selbst bei meinem sehr verspielten und sehr sozialen Kleinen die Freundschaft fast ausschließlich nur mit anderen begabten Kindern funktioniert.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon charlotte12 » Fr 2. Okt 2020, 11:48

Dieses Bestrafungssystem, das du beschreibst mit "gelb", "rot" und aufschreiben, was man falsch gemacht hat, das gab es ganz ähnlich auch in der ersten Klasse in der Grundschule meiner Tochter. Noch mit dem Zusatz, dass man ggf. dem geschädigten Kind etwas Schönes malen oder basteln soll, was für das so zwangs-beschenkte Kind eher peinlich als schön war. Ich werde nie vergessen, wie mein überangepasstes Kind mal am Boden zerstört heimkam, weil es "gelb" bekommen hatte für das schwere Vergehen, mit den Aufgaben angefangen zu haben, bevor die Lehrerin mit Erklären fertig war. Später kam dann im Elterngespräch zur Sprache, dass mein Kind eigenartigerweise nie ohne explizite Aufforderung anfängt, die Aufgaben zu bearbeiten... Ich empfand das System auch als sehr streng, kalt und ungerecht. Meine Tochter konnte zu Beginn teilweise abends nicht einschlafen, weil sie Angst hatte, "gelb" oder gar "rot" zu bekommen.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 2. Okt 2020, 12:27

... und denjenigen, die eigentlich bestraft werden sollen, ist das völlig egal, ob sie rot, lila oder schwarz sind. Ab einer bestimmten Schwelle macht es einem sogar Spaß, rot zu sein. Da gilt man fat offiziel als cool und unverfroren. Bei meinem Sohn wird für eine nicht gemachte Hausaufgabe eine Ecke abgeschnitten. Mein Kind hat so eine Angst vor der Maßnahme, als ob man diese Ecke von seinem Ohn oder Finger abschneiden würde. Dabei gibt es Spezialisten, die schon in den ersten zwei Wochen alle vier Ecken verloren haben. Na und? Als ob sie eine Angst vor einer Strafarbeit hätten, die sie sowieso nicht erledigen.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon mamma42 » Fr 2. Okt 2020, 12:49

Mein Sohn hat in der 1.Klasse so ein Bestrafungssystem auch mal mit Absicht ausgereizt /und er ist meistens überangepasst), weil es so "unlogisch war". Wer einmal unten war kam wieder in die Mitte, und wer mal oben war, kann nur noch tiefer rutschen...

Naja, sonst: Meine 3, kannst Du irgendwie Kontakte zu anderen Eltern in der KLasse knüpfen und damit an die Klassenliste kommen?
Ich würde bald das GEspräch mit der Lehrein suchen, und dass zur Motivationsaufrechterhaltung unbedingt positive Rückmeldungen notwendig sind.

Zum Freundeproblem: mein Sohn hat sich auch immer wieder "Freunde" vergrault, weil er sich zu sehr an jemand gehängt hat, das waren schmerzhafte Erfahrungen...
Obwohl er das umgekehrt genauso nicht mag...
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Meine3 » Fr 2. Okt 2020, 17:12

koala27 hat geschrieben:Hallo Meine3

Ich könnte mit auch gut vorstellen, dass dieser Schwebezustand, den dein Sohn gerade hat auch sein Verhalten verstärkt--- er weiß, er hat nur eine Probezeit und das macht ihn unruhig und diese Unruhe muss irgendwo raus...
und er versucht es allen recht zumachen-- alle "Baustellen" gleichzeitig zu "bedienen" -- dabei schießt er über das Ziel hinaus und sein Bemühen wird nur negativ gesehen

Ich sehe hier auch die Schule in der Pflicht-- die Große hatte in der GS ein Fach "Soziales lernen"-- das wäre auch was für die Klasse von deinem Sohn--- das "Fach" hat damals die Sozialpädagogin gemacht-- ging über 3 Schuljahre--
denn wenn die Lehrerin die Probleme im sozialen Bereich sieht, dann leigt es nicht nur an deinem Sohn-- sondern nur durch ihn werden diese Probleme innerhalb der Klasse jetzt sichtbar gemacht---
Das Thema kann man super auch in Reli verpacken :-)

Ich würde einfach vom meinem Gefühl her den Sprung zurück nicht machen---denn es kann gut sein, dass dort die sozialen Probleme auch- aber anders- auftreten-- und wenn es "nur" das Ärgern durch die anderen Kids ist, die sich ggfls. lustig darüber machen, dass sein Sprung nicht geklappt hat / evtl. wird er damit aufgezogen ( ggfls. auch von denen, die vorher seine Freunde waren) und kommt auch nicht wieder in die Klasse rein und dann hat er noch zusätzlich die Langeweile im Unterricht.
Und was dann? Darüber muss man- find eich- auch nachdenken- wenn der Sprung abgebrochen wird, was passiert, wenn sich die Situation für ihn in der alten Kalsse ändert und er da auch Probleme zeigt?

Altersmäßig sind die Kids immer unterschiedlich entwickelt-- das liegt einfach an den Kids--- selbst in der 7 Klasse der Großen sind einige Jungs, die machen nur Mist, da gibt es jede Woche Gespräch etc. und andere die sind ernsthaft dabei und wollen arbeiten und werden gestört--
da ändert sich nicht-- auch nicht im Alter--
wenn ich da an einige Eltern denke auf den Elternabenden der Kids--- da hatte man auch das Gefühl, man sitzt zwischen 5 jährigen Kindern :gruebel: und nicht auf einem Elternabend



Hallo Koala27,

das mit dem sozialen Lernen finde ich schön. Aber sowas gibt es hier nicht an der Schule, es gibt nur so allgemeine Floskeln, wie "wir helfen einander", "wir grenzen niemanden aus" "gemeinsam sind wir stark", blablabla. Gelebt wird das nur bedingt.

Mein Sohn hat auch heute wieder 3 Chips bekommen für 3 mal reinrufen. :roll: und wieder die selbe Strafarbeit bekommen. Er hat aber auch ne 1-2 im Mathe-Königstest mit nach Hause gebracht. Tja.

Ich habe heute mit dem Sohnemann gesprochen und er hat mir einiges erzählt, wie die Kinder so zu ihm sind, wie sie auf ihn reagieren und meiner Ansicht nach wird er einfach ausgegrenzt, weil er anders ist. Punkt. Ich habe ihn gefragt, mit was die Kinder sich beschäftigen. Sie spielen immer Fangen in der großen Pause und bislang war er immer der Gejagte (der einzige!!) und hat das auch mitgemacht, weil er eben mitmachen wollte. Er hat sich jetzt schon ein paar Mal dazu geäußert, dass er mal nicht der Gejagte sein will, da wurde er beleidigt und durfte garnicht mitmachen :o :( . Da frage ich mich ernsthaft: ist ER sozial inkompetent oder sind es die anderen?? Leider erzählt er sowas immer erst, wenn der Leidensdruck groß ist, da er grundsätzlich niemanden verpetzen will und da sehr strikt ist mit dieser sich selbst auferlegten Regel... Ich habe ihn ausgefragt, mit was die Kinder denn sonst so spielen. Pokemon ist grade ganz groß, das kennt er aber eben nicht und hat da mitgehört und dann versucht sich einzubringen, was dann auch abwertend aufgenommen wird. Ich kaufe ihm also jetzt Pokemon-Kram, damit er mitreden kann.

Er will immer noch zurück, REIN aus sozialen Gründen. Ich fragte ihn, wie es wäre, wenn er nun doch noch Anschluss finden würde, dann, so sagte er, würde er lieber in der 3. Klasse bleiben...

Schwierig.
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Re: nicht vor und nicht zurück...Sprung rückgängig machen?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 2. Okt 2020, 17:37

Klassenlisten ist die Sache der Elternsprecher. Lehrer dürfen überhaupt keine Daten von anderen Schülern herausgeben. Such dir den Elternsprecher, sag dein Kind ist neu in die Klasse, gibt deine Kontaktdaten auch durch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dir die Liste veweigert wird. In den Pausen braucht dein Sohn nicht versuchen in das gemeinsame Spiel reinzukommen. Das wird ohne Unterstützung nur zur Opferrolle führen. Gib ihm was interesantes mit: z.b. ein Lügendetektor oder eine Spionagebrille aus drei ??? Serie. Vielleicht interessiert sich einer oder anderer Junge zuerst fürs Spielzeug und dann für deinen Sohn. Sollte es nicht funktionieren, dann kann er in der Pause in Ruhe ein Comic lesen.

Das Problem ist, dass alle Jungen in der Klasse vermuttlich auf das hören, was die 2-3 obere Alphatiere sagen und machen und sich einfach nicht trauen deinen Sohn in die Spiele einzubinden, auch wenn sie selbst die Ausgrenzung als unfair empfinden. Ohne Anleitung eines Erwachsenen ist dieses Problem kaum lösbar.
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