Birkenbiehl über das Lernen

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon sinus » Fr 13. Nov 2020, 10:04

https://www.youtube.com/watch?v=RYd2nMXhLbA

Sicher nichts phänomenal Neues, aber spannend und schlüssig vorgetragen und zusammengefasst - wie wir lernen und was da in der Schule schief läuft bzw dabei nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 30. Nov 2020, 09:18

Die Lehrerin des Kleinen, 3. Klasse, gibt den Kinder einen so gennanten Lesewochenplan. Damit ist eine rieseige Leseaufgabe gemeint. Weil die Fragen sich alle auf einen Text beziehen, kann von "-wochenplan" gar keine Rede sein. Das muss man an einem Tag erledigen. Ich war die Einzige, die sich getraut hat laut zu sagen: "Mein Kind kann das nicht, die Fragen sind zu schwer." Die anderen Eltern ducksten herum, und druckten sich blumig aus: "je nach Tagesverfassung frugen ihre Kinder auch öfter nach". ABER: selbst die Eltern, die sehen, dass ihre Kinder überfordert sind, wünschen, dass es so bleibt, "damit es kein böses Erwachen in der 4. Klasse gibt". Die Schule ist so wie sie ist, weil die Mehrheit der Eltern es so will. In der Klasse des Kleinen gibt es schon jetzt Kinder, die 3 Stunden für die Hausaufgaben brauchen.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon nosupermum » Mo 30. Nov 2020, 15:02

Ich habe auch schon öfter real Rückmeldung geben müssen, dass es so, wie die Lehrerin sich vorstellt, nicht klappt. Manchmal haben die irgendwo was ein interessantes lernangebot gesehen, aber das anpassen Auffassung eigene Thema klappt nicht. Alle Eltern meckern aber niemanden mag sagen, dass es in der Umsetzung nicht klappt. Man muss ja auch eingestehen, dass das eigene Kind damit nicht klar kommt. Wenn es besser werden soll, muss man ehrlich zueinander sein
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon koala27 » Mo 30. Nov 2020, 17:26

Hier meckern die Eltern immer auf dem Schulhof rum, was alles zuviel ist oder sie nicht toll finden--
letzte Woche erst wieder:
Deutsch wäre ja soviel gewesen---Hausaufgabe war ( DIN A5 Seiten) Seiten 3-13 lesen und dazu was malen...aber sie konnten in der Schule damit anfangen... der Kurze- der sich mit dem Malen ja schwer tut wegen seinem Perfektionsimus- war auf Seite 8 ( in der Schule) fertig geworden...also 5 Seiten und durch sein Malen hat es auch gedauert, aber sonst war es nicht viel an Menge, wenn man fix ist im Malen.
Lesen übem am Wochenende müßte doch nicht sein, am Wochenende sollen doch alle frei haben-- aber im gleichen Atemzug wird erzählt, dass das Kind nicht die Silben lesen kann ( Ma/ Me/ Ta/ Te etc.).
usw.usw.

Ich höre nur zu und denke mir meinen Teil- zumal beide Elternvertreterinnen bei dem Gespräch dabei waren und die dann ja auch das ansprechen könnten--- Elternsprechtag war ja nun auch erst.

Wir würden Probleme direkt mit der Lehrerin klären- habe ich ja auch schon geschrieben- aber dieses kollektive motzen auf dem Schulhof aber nichts zur Lehrerin sagen scheint hier in beiden ersten Klassen scheinbar der neue Sport zu sein.
Kenne ich von der Großen so gar nicht--oder die Eltern, die das gemacht haben, waren nie auf dem Schulhof damals.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 30. Nov 2020, 18:01

@koala

bei uns ist es umgekehrt. Ich, die Mutter eines sprachlich sehr begabten Kindes, motze, dass es zu viel ist. Die anderen schlucken es brav. Ich kann nicht zu Lehrerin gehen, weil das nichts ändert, und ich außerdem gesagt bekomme, ich sei selber Schuld, mein Kind sei zu jung. In kenne die Texte, wie sie in der 3. Klasse aussehen sollen. Das was die Kinder bekommen, ist definitiv drüber. Ich sehe keinen Sinn dadrin, die Kinder stetig zu überfodern. DIese Aufgaben sind alleine von einem normalbegabten Kind nicht zu lösen.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon Meine3 » Mo 30. Nov 2020, 20:17

Ich muss sagen, dass es bei uns in der 3. Klasse schon auch stark angezogen hat (weiß ich ja noch vom Sprung) mit der Menge an Hausaufgaben. Aber Klasse 1 und 2 sind pillepalle. Nichts desto trotz wird hier auf dem Schulhof von den Eltern in Klasse 1 (also Klasse meiner Tochter) auch extrem viel gemeckert, dass die Lehrerin doch mal langsam machen soll. Ein Buchstabe die Woche wäre ja viel zu schnell :gruebel: . Ich sehe das anders, bedingt durch meine Kinder, denen es eben zu langsam geht, und bin daher immer still 8-).

Beim Sohn in Klasse 2 ist das Hausaufgabenpensum auch noch SEHR moderat. Er braucht ca 10 Minuten. Oft sogar weniger und er lenkt sich ja zwischendurch noch 10 Mal mit irgendwas ab :schwitz:. In der 3. saß er nach 3 Wochen schon auch ne Stunden an den Hausis (anfangs gings noch schneller, da war die Motivation noch höher), weil es eben so viel Schreibkram war und er Schwierigkeiten hatte mit der Schreibgeschwindigkeit. Gegen Ende zog sich das sogar teilweise über 2 Stunden, einfach weil er da sowas von demotiviert war und nur noch zurück wollte in seine Klasse und keinen Sinn darin gesehen hat sich noch Mühe zu geben. Ich bin gespannt, wie es in der 3. jetzt dann läuft, wenn er sie regulär besucht. Wobei ich nicht weiß, ob wir dann noch in der Schule sind :roll: :roll: :roll: :roll: ... Bei uns läuft es leider suboptimal weiterhin. Sozial zwar aus seiner Sicht besser, aber die Klassenlehrerin ist am routieren :schwitz:.

So oder so: ich denke, die Lehrer können es nicht allen Eltern und Schülern Recht machen mit den selben Aufgaben für alle, weil eben nunmal jedes Kind eigentlich andere Belastungsgrenzen und Fähigkeiten hat. Das eine meckert, weils zu leicht ist und das nächste, weil es zu schwer ist....Es muss einfach ein komplett anderes Schulsystem her, in dem man individueller auf die unterschiedlichen Leistungsstände der Kinder eingehen kann...

Katze: das ist klar, dass man dir "nicht glaubt", mit deinem jungen Kind. Das ist eine blöde Situation. Gibt es denn keine Eltern, mit denen du dich da zusammenschließen könntest, die es vielleicht doch ähnlich sehen? :gruebel:
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 30. Nov 2020, 20:51

@Meine3

Ich habe es versucht. Alle sind sich einig, dass die Aufgaben keinesfall der 3. Klasse entsprechen und zu schwer sind. Aber keiner traut sich laut zu sagen: "Mein Kind kann das nicht alleine", und die Mehrheit findet es gut, dass die Kinder so auf die 4. Klasse vorbereitet werden. Die Aufgabe für diese Woche ist in 8er Schrift, über Adventskranz und Advenstkalender, Am Ende kommt ein gemischtes Quiz zum Thema wann, von wem, etc pp die Dinge erfunden wurden. Dabei muss man z.b. die wörtliche Angabe "Ende vorletzten Jahrhundert" im Text mit 1880 im Quiz vergleichen. Das können Kinder in der 3. Klasse noch gar nicht. Außerdem brachte zumindest mein Kind die Dinge durcheinander. Hätte er nur einen Text gehabt, hättte er gelernt, wer, was, wann erfunden hat. Aus zwei Sachtexten entstand ein Brei. Ich habe schon lange das Gefühl, dass das Ziel der Lehrerin nicht darin besteht, den Kindern was beizubringen, sondern ihnen zu demonsrieren dass sie nichts können.

Das Problem zwischen der Lehrerin und meinem Kind ist definitiv nicht das Kind mit zu wenig Aufnahmekapazität oder Unlust zum Lernen, sondern die fehlende Pädagogik. Schon meine Tochter hatte bei ihr eine 5 für die erste Leseprobe, und sie hat den SV bei HAWIK 155 erreicht, höher geht nicht. Doch die Lehrerin stellt sich die Sprachbegabung folgendermaßen vor: man lese möglichst genau möglicht langweilige Texte und beantworte dann die Fragen mit mögichst weniger Abweichung vom Text. Manche Fragen schaue ich mir an und weiß nicht, was sie als Antwort haben möchte.

Diese Einstellung zieht sich durch alle Gebiete durch. Als erstes Rechtschreibthema über die Kinder Wörter mit Qu - klar Wörter wie Qualle und Quirl schreiben die Kinder ja so oft... Wie man das macht steht auf einem beidseitig bedruckten Din a4 Blatt, das sind 16 Übungsweisen. Unter anderem schreibe aus den Wörtern eine Wortschlange, schreibe die Wörter in einer Geheimsprache, schreibe die Wörter von hinten nach vorne... und man darf sich nicht was aussuchen, um nach eigener Art und Weise zu lernen. Für heute sind Übungen 1,3,5,16 aufgebeben.
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Di 1. Dez 2020, 09:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon charlotte12 » Di 1. Dez 2020, 03:38

Dabei muss man z.b. die wörtliche Angabe "Ende vorletzten Jahrhundert" im Text mit 1880 im Quiz vergleichen.

Über genau dieses Problem stolperten wir in Klasse 4 im Frühjahrs-Lockdown. Ging es in dem Text zufällig um die Schwabenkinder?
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Di 1. Dez 2020, 09:07

@charlotte

Es ging um Adventskranz und Adventszeit. Ich habe das nur als eines der vielen Beispielen dafür, dass die Lehrerin den Kindern unsaubere, scheinbar selbst nach eigenem Dünkeln zusammengestellte Sachen gibt. Das finde ich ätzend. Es gibt so viele Vorlagen, die von Leuten erstellt worden sind, die von Pädagogik und Didaktik was verstehen. Aber nein, das nehmen wir nicht. Es ist nicht schwer genug um die Kinder zu drangsalieren. Noch mehr ägert mich, dass die Eltern das mehrheitlich schlucken in der Meinung, das täte ihren Kindern gut.

Vor allem Deutschlehrer scheinen mit den gegebenen Matherialien ein Problem zu haben und handeln nach eigenem Gefühl. Generell bin ich ein Mensch, der Eigeninitiative gut heißt, aber doch nicht in der Form: "ich reiße hier ein Blatt raus, das wird schon gut genug sein!" Aber genau auf diese Weise bekam der Kleine in Matheunterricht magische Quadrate 4x4. Die Aufgabe wäre rauszufinden, welche Summen noch außer Zeilen, Spalten und Daigonalen der magischen Zahl entsprechen. Das wäre an sich ganz toll, wenn das Quadrat aus einfachsten Zahlen bestünde, also 1 bis 16. Aber nein, die magische Summe ist 340. Somit ist der Überblick nicht möglich, alles endet in einer mühsamen und verhassten Kopfrechnerei. Ich habe dabei was neues gelernt. Ich muss jetzt das Blatt in die Hand nehmen, und dem Kleinen ein paar Ideen geben, wie man mit dem Thema umgeht.
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Re: Birkenbiehl über das Lernen

Beitragvon charlotte12 » Di 1. Dez 2020, 10:27

Mich verblüfft gerade, wie ähnlich unsere Erfahrungen sind. In Deutsch hielt sich bei meiner Tochter auch genau einer der ständig wechselnden Lehrer an das logisch aufgebaute Buch, der Unterricht war meist ein zusammenhangsloses Wirrwarr aus verschiedenen Themen ohne wirklichen Lerneffekt. Die Lehrer stimmten sich auch nicht ab, so dass teilweise identische Geschichten mehrfach behandelt wurden, eine Münchhausen-Geschichte kam sogar dreimal dran. Zu den magischen Quadraten in Mathe bekam meine Tochter in Klasse 2 ein leeres Blatt mit 3x3-Quadraten, es waren bestimmt 15 oder noch mehr. Unten stand, dass das Blatt eigentlich als Kopiervorlage für vom Lehrer selbst konstruierte Aufgaben dienen sollte. Die Aufgabe zum Blatt war jedoch, sich selbst 15 verschiedene Quadrate zu überlegen - im Zahlenraum bis 20. Meine Tochter bekam auf Anhieb kein einziges magisches Quadrat konstruiert und gab frustriert auf. 15 unterschiedliche magische Quadrate in dem Zahlenraum sind schlicht mathematisch unmöglich. Ich fand damals im Internet eine Diplomarbeit zum Thema, sagte meinem Kind die paar möglichen Quadrate vor, den Rest vom Blatt ließen wir leer. Ich schrieb als Erklärung mit Bleistift quasi den Beweis aus der Diplomarbeit samt Quelle hin, dass es in diesem Zahlenraum nur die aufgeführten magischen Quadrate gibt und keine anderen. Meine Tochter kam von der Schule heim, ganz aufgelöst, sie solle bis morgen den Rest vom Blatt ausfüllen, sonst bekomme sie einen Strich (davor hatte sie damals panische Angst), und sie solle sich einfach anstrengen. Wir nahmen also die zwei oder drei magischen Quadrate, die möglich waren, drehten sie, spiegelten sie, schrieben z.T. einfach Zahlen auf, die gar keine magischen Quadrate ergaben usw. War offensichtlich ok so, zumindest kam keine Rückmeldung mehr :?
Wenn sich ein Lehrer nicht an ein Buch hielt sondern selbst Stoff zusammenstellte, kam nach unseren Erfahrungen ausnahmslos Murks dabei raus. Einfach, weil die verschiedenen Themen aus verschiedenen Büchern/Zetteln nicht kompatibel sind, Dinge doppelt drankommen und andere Dinge plötzlich vorausgesetzt werden ohne je eingeführt worden zu sein. Und stimmt, dieses Problem besteht v.a. in Deutsch. Und beim Instrumental-Unterricht in der Musikschule.
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