Homeschooling?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 7. Jul 2021, 21:38

@Auguste

die Geschichte oder ihre Länge ärgert mich. Eigentlich hatte der Kleine eine ausdrückliche Emfpehlung und Unterstützung der staatlichen Schulberatung bekommen. Klar, hat keiner eine Kristallkugel und alle Zweifel berechtigt sich, aber das die Geschichte am Ende auf "To be or not to be" ausläuft ist doch nicht im Sinne des Erfinders... Am Ende dieser Gesichte ist ein Kind, und so wie man das Kind behandelt bestimmt auch im großen Ausmaß den Ausgang. Es bringt dem Kind nichts, wenn es in der Luft hängt.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 9. Jul 2021, 15:43

Die Fortsätzung des Thrillers: die gewünschte Schule, bei der der Kleine sich vorgestellt hat, weiß nicht, ob sie für ihn einen Platz haben. Eigentlich sind sie voll, und ich vermute, dass sie auf die potentiellen Wiederholer warten. Sie können frühestens in der letzten Juliwoche Bescheid geben. Da ich das Kind nicht ohne Platz lassen kann, habe ich die Dorfschule angerufen. "Vereinbaren Sie einen Beratungsgespräch mit der Beratungslehrerin". Wie ich mit dem Schulpsychologen der Schule wegen des Großen verkracht habe, wissen hier diejenigen, die hier länger lesen. Die sollen mich beraten? Mir reicht''s. Ich wünsche mir keine Beratung, sondern einen Platz, und zwar hier und jetzt. Dann habe ich die Ministerialbeauftrage angerufen. Sie bestätigte mir, dass der Kleine einen gesetztlichen Anspruch auf einen Gymnasialplatz hat. Sie kümmer sich jetzt darum, dass er einen bekommt. Wenn sie einer Schule mit freien Kapazitäten einen Schüler zuweist, darf die Schule unter keinen Umständen ablehnen. Zumindest in der Theorie. Was die Praxis zeigt, werden wir nächste Woche rausfinden. Ich fühle mich wie Herr K....

Mir ist schon klar, dass ich dafür keinen Friedensnobelpreis kriege, aber was soll ich sonst machen? Ich habe echt gedacht, dass es der schwierigster Part ist, eine Sprung/Gymnasialempfehlung zu bekommen. Das Leben hat mich besseres gelehrt.

Damit es nicht so düster klingt... Meine Großen haben eine Woche Betriebspraktikum gemacht. Ich hatte ein großes Glück, für sie innerhalb einer Woche (mehr Zeit hat die Schule nicht gegeben) zwei Plätze zu finden. Der Sohn ging in die lokale Autowerkstatt und hatte dort Heidenspaß. Er wechselte Reifen, schraubte an den Bremsen, wechselte Öl und zeigte großes Interesse für alles. Er kam jeden Abend so schwarz nach Hause wie Lukas, der Lokomotivführer. Endlich durfte er das machen, was Hand und Fuß hat und für jemanden von Nutzen ist. Nicht mehr bloß sitzen uns über Commaregeln sinnieren. Tie Tochter ging in eine kleine Tierarztpraxis. Auch wenn sie an den Tieren nicht so viel rumbasteln durfte, wie der Sohn an Autos (was auch verständlich ist), hat sie gelernt den Tieren Blut abzunehmen, Zugangstellen zu rasieren, Fieber zu messen. Auch bei einer OP durfte sie zuschauen. Sie hat dort schon viel Leid gesehen: zwei Tiere mit Tumoren, ein Kaninchen, das sich nicht mehr bewegen wollte, Kastration. Ich bin erstaunt, wie viel man in einer Woche so mitnehmen kann, ohne Druck und Zwang. Ich nehme den Hut ab vor den kleinen Betreiben, die meine Kinder nicht zum Kaffee kochen geschickt haben, sondern wirklich sehr bemüht waren, ihnen das reale Berufsleben zu zeichnen.

In den nächsten Wochen stehen zwei Vorspiele an. Die Großen spielen Klavier. Am Samstag ist die Generallprobe. Der Große hat dieses Mal sein Stück sogar rechtzeitig fertig gekriegt. Die letzten paar Mal musste er kurz vor dem Vorspiel mit der Miene: "all is lost" bis zu drei Stunden am Tag an dem Klavier sitzen. Die Tocher ist zuverlässig wie immer und liefert eher immer pünkltich ab. In zwei Wochen spielen die Jungs Geige. Ich war zum wiederholten mal wieder estaunt, was in ihm so alles steckt. Da er ein Stück mit Klaiverbegleitung spielt, musste zum Üben für eine halbe Stunde eine Pianistin kommen, die er noch nie gesehen hat. Sie setzte sich ans Klavier, spielte das Stück mit ihm ein mal durch, rümpfte kurz die Nase, und fragte in der höfflichen japanischen Art, ob man das "allegro" nicht mit 80 schlägen, sondern mit 120 probieren möchte? Dabei lächlte sie den Sohn an: "Das Stück fällt dir dann bestimmt leichter!" Der Sohn, dem vor einem halben Jahr alles außer ersten Lage zu viel war, spielte tatsächlich im vorgeschlagenen Tempo ohne Probleme übers ganze Griffbrett. Die Pianstin war sehr zufrieden, hat ihn gelobt und sagte, er ist fertig, sie braucht nicht noch mal kommen. Draufhin antwortete mein Sohn, der jede Art von Üben und Wiederholung hasst: "Er hätte gerne noch eine halbe Stunde nächste Woche!" Ich saß im Wohnzimmer und dachte, ich habe mir eine Statue mit goldenem Sockel verdient. Ich habe oft selber nicht geglaubt, dass ein Kind das die Geige nicht so gut hört, das Üben an sich und alles was damit zu tun hat abgrundtief hasst, so weit kommt, relativ anspruchsvolle Stücke beinahe pefekt vorzuspielen.

Wenn man die Frücher eigener Arbeit bei den schon fast erwachsenen Kindern sieht, erscheint einem das Schulproblem des Kleinen irgendwie nicht mehr so riesig. Das wird schon. Mit der Zeit.

PS. Bitte nicht zitieren. Ich lösche danach das persönliche Teil.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon koala27 » Sa 10. Jul 2021, 13:16

Hallo Katze,

ich drücke die Daumen, dass das bei Euch endlich mal Hand und Fuß hat wo Dein Sohn hingehen darf.
Es ist echt total verrückt, dass Kids die wiederholen müssen/wollen sofort einen Platz haben und Kids die springen wollen, um einen Platz betteln müssen.
Zumal ich das Argument, dass die Klassen voll sind immer so gar nicht nachvollziehen kann....volle Klassen bedeutent hier 31 Kids und ab 32 wird geteilt ( Gym)...also ist voll ja nur die Aussage, dass sie keinen Bock darauf haben, die Klasse zu teilen...
Und selbst Wiederholer sollten ja jetzt schon klar sein--das Schuljahr ist zu 90/ 95% rum...
Außerdem denke ich immer, dass die Schulen sicher auch Notplätze haben für Kids die im Schuljahr umziehen müssen....hat jeder Kiga auch vorzuhalten, warum soll das bei Schulen anders sein.Kiga ist ja keine Pflicht ( zumindest hier in NDS) Schule hingegen schon...
Ich hoffe, Du bekommst das auch schriftlich, dass dein Sohn einen Ansprich auf einen Gymplatz hat-man weiß nie wozu man das brauchen wird ;)

Ich hoffe, Du hast nächste Woche gute Nachrichten für deinen Sohn--wir haben am Montagnachmittag ein Gespräch mit der KL vom Kurzen bezüglich wie es weitergeht in Klasse 2 mit Mathe etc.
Wäre schön, wenn wir dann beide Positives hier im Forum berichten könnten.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 10. Jul 2021, 14:13

@Koala

Unsere Dorfschule hatte schon ohne Corona eine solide Quote an Kindern, die die Schule nach der 5. oder 6. Klasse verlassen müssen. Es gehen so viele Kinder, dass in der 7. und 8. Klassenstufe dann Klassen zusammengelegt werden müssen. Diese Kinder werden in diesem Jahr sehr wahrscheinlich bleiben. Dazu kommen noch Kinder, die tatsächlich wegen Corona Lücken haben. Ich habe keinen wirklichen Einblick wie die Lage ist, aber ich schätze, dass die Schulen selber sich nicht trauen, den richtigen Wissensstand zu prüfen. Ich vermute, dass man auch mit den Gymnasialempfehlung in diesem Jahr großzügiger umgegangen ist als sonst.

Mein Hauptschulkind in der 5. Klasse schreibt schon seit Wochen 3 Proben pro Woche zum aktuellen Stoff, dabei gehen sie im Affentempo durch. Die Gymnasiasten dagegen haben in drei Hauptfächern jeweils einen kurzen Grundwissenstest geschrieben, von dem sie wussten, dass die Noten zwar vergeben werden, aber für das Zeugnis nicht von Relevanz sind. Ich versuche zwar den Kleinen an die Dorfschule zu vermitteln, aber mir ist es vollkommen klar, welch ein Chaos da nach ein Paar Wochen Unterrichts, wenn die ersten richtigen Schulaufgaben geschrieben werden, dort ausbricht. Da wird mein Kleiner mit seiner 4 oder 5 im Deutsch nicht der einzige sein...

Mein Kleiner hat übrigens genau die gleiche Eistellung zum Schreiben und Lesen wie dein Kleiner. Ich lasse ihn trotzdem springen. Ich bin der Meinung, dass er wie ein Albatros trotz der rieseigen Flügeln zum Starten einen frischen Windhauch braucht. Wenn er noch ein Jahr in der Grundschule dümpelt, verhungert er geistig.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 16. Jul 2021, 11:11

Die Geschichte hat ein Ende. Der Kleine hat einen Platz in der Schule seiner Geschwister bekommen. Uns fehlt ein Stein vom Herzen.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Auguste » Fr 16. Jul 2021, 13:39

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Die Geschichte hat ein Ende. Der Kleine hat einen Platz in der Schule seiner Geschwister bekommen. Uns fehlt ein Stein vom Herzen.


Herzlichen Glückwunsch!

Wie lange muss der Kleine noch in der Grundschule aushalten?
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 16. Jul 2021, 13:50

@Auguste

Danke! Noch zwei Wochen. Die werden wir auch schaffen.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon koala27 » Fr 16. Jul 2021, 18:51

Hallo Katze!

Super- herzlichen Glückwunsch! Dann könnt ihr ja diese WE Party machen ;) ;) ;)
Was sagt Dein Sohn dazu?

Weiß es die GS schon? Besonders die Lehrerin, die den Sinn nicht sieht? Was sagen sie?


Bei der Großen in der Klasse 7 gibt es zwei Kids die wiederholen --- ( was für die Klasse ganz gut ist, auch wenn man das nicht laut sagen darf)

aus der einen Parallelklasse 7 verlassen 5 Kids die Schule und wechseln vom Gym an eine KGS---ich hätte nicht gedacht, dass es doch zuviel Schwund geben wird in der aktuellen Situation wo ja viele einfach mitgeschleift werden--selsbt beim Kurzen in der 1 Klasse--statt zu wiederholen...
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 16. Jul 2021, 19:12

@koala

Danke! Ja, das ist auf jeden Fall eine Party wert! Der Kleine freut sich riesig. Ein bisschen wurmt es ihn, das er in die HB-Klasse nicht geschafft hat. Aber die Schule meinte, sie wollen nicht, dass ihm zwei Fremdsprachen auf einmal zu viel werden, da er so jung und ein Springer ist. Er kann trotzdem z.B. Mathepluskurs der Schule besuchen, der eigentlich für die HB-Kinder eingerichtet worden war. Wir müssen schauen, wir er mit der Situation insgesamt klar kommt. Wie viel er braucht, und wie viel dann zu viel ist.

Zu der Grundschulehrerin habe ich kein Kontakt mehr. Mir hat schon Dorfgymnasim für 10 Minuten gereicht, mit der Idee, die ganze Beratung neu anzusetzten.
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Re: Homeschooling?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 16. Jul 2021, 20:08

@Katze:
Das sind ja mal gute Nachrichten! Ich freue mich für euch und vor allem für deinen Kleinen!

@all:Wir haben jetzt auch für meinen "Kleinen" (aktuell mit fast 9 Jahren gleich groß wie sein 2 1/2 Jahre älterer Bruder) eine Aufgabe vor uns. Nach 3 Jahren Beschulung nach Sonderschullehrplan will ich, dass er in den Lehrplan für Gehörlose wechselt. Das muss im nächsten Schuljahr passieren (bei uns sind schon Ferien), dass er danach nach Mittelschullehrplan (für Gehörlose) beschult werden kann. Sonst fährt der Zug für ihn ab. Denn einmal im Sonderschullehrplan (außer in Mathe) gibt es nach den ersten 4 Schuljahren keine "zurück" mehr.

Im Zeugnis hatte Kleinsohn außer einer 2 in Deutsch lauter 1er. Sein Klassenlehrer traut ihm kognitiv den Lehrplanwechsel zu, wir müssen aber erst schauen, wie dann die Bedingungen sind. Ideal wäre natürlich wenn mein Sohn in seiner gebärdensprachigen Sonder-Klasse mit 4 Schülern und zwei Lehrern bleiben könnte und sich nur der Lehrplan ändern würde. Da seine Klasse trotz ihrer Kleinheit extrem heterogen ist, wird ohnehin jedes Kind dort individuell unterrichtet. Seine Mitschüler sind 10,5, 12 und 15 Jahre alt und haben entweder ASO- oder Schwerstbehindertenlehrplan.

Vielleicht klingt es komisch, aber ich bin mir sicher, dass mein Sohn kognitiv locker die Voraussetzungen für Mittelschullehrplan mitbringt. Und ich denke vor allem auch an seine Zukunft. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass er mal am ersten Arbeitsmarkt unterkommen wird, möchte aber die geringe Chance darauf nicht vebummeln, weil es für die Schule bequemer ist, ihn im Sonderschullehrplan zu belassen. Was hilft einem gehörlosen, nonverbalen Kind ein Vortugszeugnis der Sonderschule, wo niemand die Bewertungskriterirn kennt? Mittelschullehrplan hingegen sagt zukünftigen Schulen oder Lehrstellenvergebenden schon deutlich mehr. Mir ist klar, dass die Lauter-Einser-Zeit damit vorbei ist. Und ich wäre sogar bereit, den Lehrplanwechsel zu versuchen, wenn er nur mit einem Klassenwechsel möglich wäre. Schulwesen kommt nicht in Frage, die Schule ist im Umkreis von 200km die Einzige, wo es gebärdensprachigen Unterricht gibt.

Alle die bisher für Katze die Daumen gedrückt haben, bitte dann für uns weiter drücken ;) .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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