Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon kiki_robo » Mi 26. Mai 2021, 16:58

Hallo!

Ich bin ganz neu hier und würde mich sehr über Tipps bzw. Zuspruch freuen.

Zu uns: Mein Sohn (gerade 7 geworden) hat dieses Jahr in der Schule begonnen – kein leichtes Jahr dafür und er tut und tat sich immer schon schwer, mit allem Neuen, Unbekannten und v.a. auch mit anderen, ihm fremden Menschen. Nun hat er eine richtige Schulangst entwickelt und weint jeden Tag, wenn er in die Schule muss. Nach jedem Lockdown haben wir gefühlt wieder bei 0 angefangen.
Dazu kommt, dass er in der Schule von den Inhalten unterfordert ist und mittlerweile jede Motivation verloren hat hinzugehen. Dabei ist er so ein wissbegieriger und schlauer Junge! Er konnte schon vor der Einschulung lesen und schreiben und rechnete problemlos im Hunderterraum. Zuletzt hat er sich Malrechnen und Dividieren selbst beigebracht, weil er es bei den älteren Kindern im Hort gesehen hat und lernen wollte.
Mir bricht das Herz, wenn er oft fragt: „Mama, wie gibt’s das, dass manchen Kindern das Lernen Spaß macht?“ Ich will sagen: „Naja, dir macht es keinen Spaß, weil du leider noch nichts Neues gelernt hast in der Schule.“ Beiße mir aber auf die Zunge, weil ich ihm die Schule nicht noch madiger machen will.
Leider ist er aber auch schlampig und macht mittlerweile einfach nicht mehr mit bei den Seiten und Seiten von Rechnungen im 10er-Raum. Dann sagt er, er könne es nicht. Und die Lehrerin sagt, sie sei der Meinung er beherrsche das noch nicht. Das macht mich wahnsinnig, weil ich das Gefühl habe, er wird einfach nicht gesehen. Wir werden nicht gehört bzw. wird uns nicht geglaubt.

Deshalb wurden wir nun bei einer Kinderpsychologin vorstellig und ließen dort auch eine Begabungsdiagnostik machen, bei der ein IQ von 126 rauskam mit „homogenem Profil“, aber eben auch Probleme in der sozialen und emotionalen Entwicklung festgestellt wurden.
Wir sollen nun mit diesen Ergebnissen zur Schule gehen und erwirken, „dass sich etwas ändert.“ Aber was? Was kann man da fordern bzw. erwirken? Was ist sinnvoll für unseren Sohn?

Nun ist er ja mit diesem Ergebnis strenggenommen noch nicht hochbegabt, oder? Irgendwie tu ich mir schwer damit, was genau unser Anliegen ist oder sein sollte. Die Psychologin sprach von Extraaufgaben, Klassenwechsel oder dem Überspringen einer Klasse bis hin zum Schulwechsel, wenn wir auf taube Ohren stoßen sollten. Aber ich wüsste ja gar nicht wohin und jeder Wechsel ins Unbekannte ist für unser Kind der pure Horror. Aber ja, bei unserem Kind besteht ein mittlerweile hoher Leidensdruck (bei uns Eltern auch), einerseits durch die Schulangst, die wohl in erster Linie eine Trennungsangst ist (er will nicht von den Eltern weg), andererseits durch Unterforderung und daraus resultierender Frustration beim Lernen. Er sieht einfach keinen Sinn im Schulbesuch.

Vielleicht hat ja hier irgendwer ähnliche Erfahrungen oder den einen oder anderen Ratschlag? Ich wäre dafür sehr dankbar!
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 26. Mai 2021, 17:35

Hallo und herzlich willkommen hier!

Ich habe hier auch einen etwa gleich alten Jungen, der, auch wenn aus anderen Gründen, dem Schulbesuch nicht viel Sinn beimisst. Die Psychologin geben allgemeine Emfpehlungen, was man davon vor Ort umsetzen kann ist von Situation zur Situation sehr unterschiedlich. In der Grundschule hängt sehr viel vom Lehrer ab. Die Klassenstufe ist nicht so entscheidend, wie die Persönlichkeit des Lehrers und seine Kompetenz.

Die Papiere in der Schule zu zeigen ist auch nicht ohne. Als erstes müsst ihr euch an die Lehrerin wenden. Im Durchschnitt nimmt sie die Ansage: "mein Kind ist unterfordert" als persönliche Beleidigung und interpretiert sie als: "Die Eltern denken, mein Unterricht sei schlecht". Nachdem die Lehrerin nichts tut, wendet man sich an Rektor. Das ist dann die Schlüsselstelle. Wenn der schon ähnlich gestrickte Kinder kennt und somit ihre Probleme, kann er Wechsel in die Parallklasse zu einer empatischeren Lehrerin empfehlen. Wenn der Rektor behauptet, die Eltern seien schuld, sie haben das Kind verzogen, sucht man eine andere Schule. Wenn man eher wechseln muss, dann könnte auch der Sprung Sinn ergeben. Aber auch nur dann, wenn der Lehrer gerne das Springerkind nimmt und bereit ist Abstriche zu machen.

Das Wort "Hochbegabt" würde ich nicht in den Mund nehmen. Es geht viel mehr um die Angst/Unwohlsein/Unglück des Kindes in der aktuellen Situation. Gehe einfach hin, trage vorschtig das Problem vor und höre zu, was die Pädagogen dir an Vorschlägen und Lösungen geben. Man hört dann relativ schnell, ob der Gegenüber einem zuhört und nach einer Lösung wirklich sucht, oder nur seine Sicht der Welt vermittelt.
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon sinus » Mi 26. Mai 2021, 18:28

Wie sieht denn das Profil aus? Hat er eventuell eine "Teilhochbegabung" (ist ein Bereich über der 130), mit der man ggf. argumentieren könnte?

Auf jeden Fall würde ich um ein Gespräch bitten und das Problem mit der Schulunlust ansprechen.
Das Thema Unterforderung würde ich aber auch nur ganz vorsichtig anbringen.

Besser klingt: Anstrengungsbereitschaft fördern, Erlernen von Arbeitstechniken unterstützen und passende Herausforderungen geben, an denen er dies alles lernen kann.
Außerdem sollte man nicht fordern, sondern um Unterstützung und Hilfe bitten.
So traurig das klingt, aber besser ist es, in so einem Gespräch das Problem zunächst rein auf Seiten des Kind darzustellen, statt von unpassenden Anforderungen seitens der Schule zu sprechen.
Also "Mein Kind hat Probleme, was könnten wir tun, um ihm zu helfen?"

Ich habe damals trotz wirklich sehr guter Beziehung zur sehr netten Klassenlehrerin genau den Fehler gemacht, von dem Katze schrieb:
ich sprach nach dem IQ-Test (Kind war da schulisch und sogar privat schon absolut demotiviert und es ging ihr nicht gut) im ersten Lehrergespräch davon, dass mein Kind unterfordert ist und sich in der Schule oft langweilt.
Die Lehrerin hat sich persönlich angegriffen gefühlt und es kam bei ihr an, dass ihr Unterricht langweilig sei.
Sie hat direkt gesagt, sie gäbe sich doch so viel Mühe, ihre Stunden abwechslungsreich zu gestalten... und es gäbe doch auch schon immer einen Hefter mit Extraaufgaben für Schnellere, meine Tochter würde die aber, anders als andere Kinder (die "fleißigen Mädchen"), ja gar nicht annehmen.
Sie schob also den schwarzen Peter direkt an mich zurück und ich hatte in dem Moment da nicht viel entgegenzusetzen, weil ich noch nie von dem Etxrahefter gehört hatte. (Danach fragte ich mein Kind, um was für Extraaufgaben es sich handelte und warum sie die nicht nutzt. Sie erklärte mir dann, das die halt immernoch zu einfach sind und darum für sie nur mehr zu arbeiten bedeuten und nicht irgendwie spannend für sie wären)
Zum Glück hab ich damals im Gespräch mitgekriegt, dass die Lehrerin sich persönlich angegriffen gefühlt hat und konnte das zumindenst später per Email nochmal etwas besser erklären.
Aber deswegen lief das erste Gespräch damals halt nicht so optimal und eigentlich haben wir in dem Gespräch darum dann auch keine rechte Lösung für das Problem gefunden...

Also noch ein Tipp:
So ein Lehrergespräch gut vorbereiten und sich genau überlegen, was man erreichen will und wie man das am besten kommuniziert.
(Siehe oben: Probleme des Kindes schildern, um ihren kompetenten Rat und Hilfe bitten)

PS: Meine Tochter hat übrigens ähnliches gesagt damals wie dein Sohn: "Lernen ist einfach nichts für mich, Mama. Es macht mir gar keinen Spaß!"
Darum wollte sie auch - bis uns die HB bekannt war - eigentlich gar nicht auf ein Gymnasium wechseln... Inzwischen ist sie auf einem mit vertiefendem Unterricht und Aufnahmeprüfung und es geht ihr viel besser.
Zuletzt geändert von sinus am Do 27. Mai 2021, 09:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon sinus » Mi 26. Mai 2021, 18:35

PS: Ich würde auch die Psychologin nochmal mehr ins Boot holen. Sie wird einen ganz anderen Stand gegenüber der Schule haben, weil sie nicht persönlich involviert ist und ihr fachlicher Rat viel eher ernst genommen wird.
Auch für dich wäre es gut, wenn jemand Neutrales mit im Gespräch sitzt.

Kennst du diese Broschüre?
Die lohnt zu lesen, um das Dilemma solcher Kind besser zu verstehen.

https://bildung-rp.de/fileadmin/user_up ... keiten.pdf

Und nein, es gibt keinen "Bruch" ab einem Wert von 130, ab dem das Kind sich hochbegabt verhält und plötzlich andere Bedürfnisse hat.
Das kann auch ein Kind mit einem IQ ab 120 schon betreffen...
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 26. Mai 2021, 19:01

Es kommt drauf an, was für Psychologin das war. Wenn sie nicht zum Schulsystem gehört, wird sie sich in die schulische Dinge verstricken wollen. Bevor man die Schulpsychologin bittet ins Thema einzusteigen, muss man vorsichtig rausfinden, wie sie denkt. Wenn sie das Konzept vertritt, dass schlau der ist, der fleißig und akkurat alle Aufgaben erledigt und nach mehr fragt, braucht man sie nicht einladen. Richtig gut kennen sich aus nur Psychologen, die entweder Fortbildung in die Richtung haben, oder selber privat mit dem Thema Begabung reiche Erfahrungen gesammelt haben.
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon kiki_robo » Do 27. Mai 2021, 00:16

Danke euch für die Antworten! Das ist alles schon sehr aufschlussreich.
Leider habe ich den von euch angesprochenen Kardinalfehler ("Mein Kind ist unterfordert.") wohl bereits im ersten Elterngespräch, das noch vor dem Besuch bei der Psychologin stattfand begangen. :shock: Und ich gehe auch davon aus, dass die Lehrerin es in den falschen Hals gekriegt hat, weil sie uns dann die Bitte um extra Material verwehrt hat. Sie meinte, ihrer Meinung nach beherrsche er den regulären Stoff noch nicht und sowieso würde er ja die angebotenen Extra-Aufgaben nicht annehmen - ganz im Gegensatz zur fleißigen XY, die auch immer schnell fertig wäre und dann alles Weitere dankbar annimmt. :roll: Da musste ich bei den frappierenden Parallelen zur von dir, sinus, beschriebenen Situation echt schon fast schmunzeln. Mir ist die Klassenlehrerin nämlich durchaus sympathisch und sie ist mMn auch eine sehr engagierte Pädagogin, aber leider sehr im Regelschulbetrieb verhaftet und ich hab das Gefühl, dass sie unser Kind falsch einschätzt und seit dem letzten Gespräch erst mal nicht viel geändert hat.

Dazu muss ich auch noch sagen, dass wir für unser Kind eine reformpädagogische Klasse in derselben Schule ausgewählt hatten, wo er sich frei und selbstbestimmt nach Freinet- und Montessori-Prinzipien den Stoff hätte erarbeiten können. Das wäre ihm in seiner Persönlichkeit sehr entgegen gekommen. Ich war wirklich optimistisch, dass wir es trotz begrenzter Plätze rein schaffen, zumal uns nach der Schulreifefeststellung auch signalisiert wurde, dass das schon klappen würde. Nun, dem war leider nicht so. Und jetzt sitzt er in der stinknormalen Regelschulklasse und darf nicht vorarbeiten. Die Kindergartenpädagogin meinte schon vorab: "Wenn er in eine normale Klasse kommt, wird er auffällig werden." Tja, sie hatte scheinbar recht. Immerhin kennt sie ihn auch seit er zwei Jahre alt war.

Nun steht morgen bereits das nächste Gespräch an, diesmal mit unserem Sohn dabei, weil es sich um das reguläre Elterngespräch dieses Halbjahr handelt. Und ich bin sehr unsicher, wie ich es anpacken soll, um auch nur irgendwas zu bewegen. Aber ich werde versuchen, meinen Fehler wieder ein bisschen auszubügeln und den Zettel von der Psychologin werde ich schön in der Schublade lassen (Danke!). Ich werde wohl versuchen, es über seine Persönlichkeit zu spielen, und dass er eben mehr Hilfe bräuchte, um seine Motivation zu aktivieren und ob sie nicht eine Idee hätte, wie wir ihm da helfen könnten. Dann würde ich eventuell noch sagen, dass er sich auf die Frage der Psychologin nach seinen Wünschen die Schule betreffend, schwerere Rechenaufgaben gewünscht hätte. (Das stimmt auch.) Und ob sie ihm das nicht erfüllen könnte.
Was meint ihr?

Und ja, mein nächster Gang wird wohl der zur Rektorin sein. Sie ist quasi meine letzte Hoffnung sonst. Immerhin hat sich die Schule eine besondere Begabungsförderung auf die Fahnen geschrieben. Mein größter Wunsch wäre, dass er die Klasse wechseln könnte und ihm somit schulintern ein freieres Lernen ermöglicht würde. Das würde glaube ich ganz viele Probleme lösen - wenn auch nicht alle. Die Sozialphobie und Trennungsangst ist sicher unabhängig davon auch noch anzuschauen.

Die Psychologin war in einer Praxis, die sich auf Schulprobleme aller Art spezialisiert hat: hauptsächlich Legasthenie und Lernschwächen aber eben auch Schulangst und Hochbegabungsdiagnostik. Die Psychologin wollte zwar von mir über den weiteren Verlauf die Schule betreffend informiert werden, machte aber nicht den Eindruck, dass sie sich aktiv einbringen würde. Da müsste ich ggf. noch mal nachfragen.

sinus hat geschrieben:Wie sieht denn das Profil aus? Hat er eventuell eine "Teilhochbegabung" (ist ein Bereich über der 130), mit der man ggf. argumentieren könnte?

Keine Ahnung, auf dem Zettel steht "AID 3", das ist ja glaub ich schon ein standardisiertes Testverfahren, oder? Sein stärkster Bereich war gleich der erste "Alltagswissen", was wohl quasi Allgemeinbildung meint. Da meinte sie, er wäre am Stand der 4. Klasse. Also ist das ganze "Aber, warum, Mama? Aber warum? Aber warum?" doch für was gut... :lol: Der zweitstärkste Bereich war "Analysieren und Synthetisieren", wobei ich mich nun gar nicht mehr erinnern kann, was das überhaupt genau war. Ansonsten schreibt sie von einem "homogenen Profil", das sich "zwischen durchschnittlich und weit überdurchschnittlich" bewegt. Sein schwächster Bereich war "Soziale und sachliche Folgerichtigkeit", das waren glaub ich so Bildergeschichten zum Ordnen und da hat er zunächst wohl sehr lange gebraucht und war somit über der vorgesehenen Zeit. Sie sprach auch vorab nicht von einem IQ-Test, sondern von einem "Stärken-Schwächen-Test".

Gibt es da noch andere Testverfahren, die geeigneter wären?
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon sinus » Do 27. Mai 2021, 08:49

Nun, "weit überdurchschnittlich" bedeutet nomalerweise im Bereich über 130.
(meist wird das so formuliert: 115-130 = überdurchschnittlich, 130-145 = weit überdurchschnittlich, ab 145 sehr weit überdurchschnittlich. Im Gutachten meiner Tochter, die im WISC V insgesamt über die 130 kam, steht auch nirgends der Begriff "Hochbegabung" sondern immer nur "weit überdurchschnittlich". Anfangs war ich davon verunsichert und habe dann extra nochmal nachgefragt, ob sie denn nun hochbegabt sei oder nicht, weil ich nicht ungerechtfertigt mit dem Begriff hantieren wollte...)

"Analysieren und Synthetisieren" ist vermutlich vergleichbar mit "logischem Schlussfolgern".

Homogenes Profil und hohe Werte im logischen Schlussfolgern deuten schon stark Richtung Hochbegabung. Aber ich würde jetzt bei 126 sowieso von einem potentiell hochbegabten Kind ausgehen, erstens ist er ja sogar noch im "Vertrauensbereich" (IQ Werte werden meist mit einem +/- von 5-6 Punkten angegeben) und zweitens sind auch Verhalten und Persönlichkeit wichtige Aspekte, die berücksichtigt werden sollten.
Und was du beschreibst klingt für mich (als Laie, aber mit dem Wissen aus wirklich vielen Büchern und Gesprächen) nach einer "hochbegabten Persönlichkeit."

Meine Tochter hat den WISC V gemacht, das ist ein sehr ausführlicher und verlässlicher Test und ich habe auch eine sehr ausführliche und hilfreiche Auswertung bekommen. Inklusive Tipps direkt an die Schule gerichtet.
Integriert am Testtag waren auch Fragebögen zum Schualltag, Wohlfühlen in der Klasse, Erwartungen an den Unterricht u.ä.. Und da war das Ergebnis eindeutig - Klasse und Lehrerin mochte sie, vom Stoff her erwartete sie von der Schule rein gar nichts Interressantes in der Schule zu lernen. (Sie war Ende Klasse 3 beim Test)
Allerdings hat all das letzen Endes nicht allzuviel dazu beigetragen, dass sich in ihrer Grundschule für sie was zum Besseren verändert hätte... wir haben dann nur noch versucht, das letzte Grundschuljahr möglichst gut rumzukommen.(u.a. habe ich meine Tochter auch öfter mal großzügig selbst bei nur bisschen Unwohlsein einfach tageweise zu Hause gelassen... :roll: )
Euch stehen aber noch mehr als 3 Jahre bevor... und die Grundschulzeit ist wichtig für die Entwicklung der Kinder und für die weitere Schullaufbahn ggf. weichenstellend. (Im Sinne von Einstellung zur Schule, Lernbereitschaft, Motivation...)

Wenn die Aussicht auf einen Wechsel in die "Selbstlernklasse" besteht und realistisch ist, könntest du zumindest im Gespräch mit der Schuldirektorin vielleicht doch noch die "IQ Karte" ziehen...?
Kannst du eure Psychologin nicht noch mal anrufen und dich dazu nochmal beraten lassen?
Vielleicht kann sie sogar ein Schreiben aufsetzen, dass und warum er in so einer Klasse besser aufgehoben wäre...?

Ansonsten rate ich dir, Kontakt zur DGhK aufzunehmen. Da sitzen erfahrene Leute, die sich mit euren Problemen auskennen und gut beraten können. Auch zum Umgang mit Lehrern. Außerdem braucht dein Kind unbedingt Kontakte zu gleichbegabten Kindern.
Bei der DGhK ist ein Test oder ein bestimmter Wert übrigens nicht nötig. Auch dann nicht, wenn man Mitglied werden möchte.
Ich habe wirklich sehr gute Erfahrungen mit der DGhK gemacht. (bin inzwischen selbst Mitglied)

Schau dich doch mal auf deren Seite um, suche nach der Regionalgruppe. Da findest du auch Ansprechpartner, die du anrufen kannst.
Zuletzt geändert von sinus am Do 27. Mai 2021, 09:16, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Do 27. Mai 2021, 09:00

WIe war die Situation des Kindes im Kindergarten? War er dort ein Teil der Gruppe? Hatte er dort Freunde? Hatte er eine gute Beziehung zur Erzieherin? Wenn ein Teil dieser Fragen mit "ja" beantwortet werden kann, dann würde ich den Wechsel in eine anderen Gemeinschaft mit der Meinung der Erzieherin hintermauern. Hochbegabung ganz außen lassen. Kurz gefasst etwas wie: "Dank der unglücklichen Umständen (keiner soll explizit für schuldig erklärt werden) kann sich das Kind in seiner Persönlichkeit nicht entfalten. ... Um Neustrart zu ermöglichen wäre ein Lerngruppenwechsel innerhalb der gleichen Schule vom Vorteil. Dazu noch kurze schriftliche Meinung des Kindergartens und eine Stellungsnahme der Psychologin, die viel mehr Richtung drohender sozial-emotionalen Isolation und niedergedrückter Stimmung geht als Begabung. Die gute kognitive Verfassung soll nur am Rande erwähnt werden, wie "---dank guten kognitiven Voraussetzungen besteht Aussicht auf Erfolg nach der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen".
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon sinus » Do 27. Mai 2021, 09:34

@Katze: Das klingt gut, wie du es vorschlägst...

@kiki-robo: meine jüngere Tochter, Klasse 1, habe ich im Homeschooling testweise einfach 2.Klasse Aufgaben rechnen lassen.
Sowohl von ihrem Freund, der eine Klasse über ihr ist, als auch in einem Übungsheft, wo eigentlich das für Klasse 1 genutzt werden sollte. ("Zahlenfuchs")
Das habe ich dann abfotografiert und an die Lehrerin geschickt und ihr geschrieben, dass ich Tochter das einfach mal habe versuchen lassen, und sie es ohne Anleitung und selbstständig gerechnet habe. Dass ich dem Schulstoff ohne Absprache mit ihr aber ungern vorgreifen möchte und was sie empfiehlt, wie wir weiter vorgehen sollten.
In unserem Falle durfte sie im Homeschooling die für sie zu leichten Aufgaben weglassen, wenn sie wollte, und weiter im fortgeschrittenen Heft arbeiten. Wie es jetzt in der Präsenz weitergeht - mal sehen.
(Grad heute darf sie in der seit dieser Woche wieder vollständigen Klasse mal wieder eines ihrer "Wochenprojekte" in der Klasse vorstellen, was sie zusätzlich bzw. nach unserem Gusto auch anstatt der regulären Homeschoolingaufgaben seit dem letzten Lehrergespräch immer machen durfte... in diesem Fall aber im Bereich Sachkunde, neben Kunst ihrem Lieblingsfach - sie hat auf eigenen Wunsch hin ein eigenes kleines Kräuterlexikon erstellt und ist heute früh mit dem Lexikon und echten Kräutern aus unserem Garten losgezogen. :P )

Sie macht übrigens auch immermal kleine Fehler beim Rechnen, vor allem, wenn für sie umständliche Wege wie "erst bis zur 10, dann weiter" gegangen werden sollen, über die sie schon lange hinaus ist. Sie braucht das halt an sich nicht, weil sie auch so 8+7 und 16-9 rechnen kann.)
Lässt man sie dagegen Aufgaben im Bereich 100 rechnen (96–28, die Hälfte von 54 berechnen, 5x6 u.ä.), klappt es zuverlässig...
Was ihr manchmal bei den leichten Aufgaben Spaß macht, ist, wenn ich sie das auf Zeit rechnen lasse.
Dann ist sie oft mit Feuereifer auch an leichten Aufgaben dran, gibt sich Mühe, fehlerfrei zu bleiben und versucht eine gute Zeit zu schaffen.
(ich hab dann mitunter alle Aufgaben auf einem Blatt in 2 Teile geteilt oder zwei ähnliche Arbeitsblätter mit gleicher Aufgabenanzahl genommen und jeweils die Zeit gestoppt, so dass sie quasi mit sich selbst im Wettbewerb stand, welche Spalte/welches Blatt sie schneller/fehlerfreier schafft)

Die Kleine ist übrigens laut Test nicht hb, aber nah dran bzw im Bereich Logik genau auf der Grenze. Wohl ähnlich deinem Sohn. Ich habe den Test der Kleinen gegenüber der Lehrerin verschwiegen, aber von meinen Erfahrungen mit der hochbegabten großen Schwester berichtet und dass ich den damaligen Problemen vorbeugen möchte. (übrigens an einer anderen Grundschule)
Die Lehrerin der Kleinen zeigt sich bisher sehr offen...
(wobei meine Kleine auch ein typisches "liebes Mädchen" ist, das nie stört und sich immer vorbildlich verhält und bisher auch engagiert lernt. Einerseits ist das schlecht, weil solche Kinder in ihren Bedürfnissen dann schnell übersehen werden (siehe meine Große) , anderseits gut, weil bei den Lehrern natürlich grundsätzlich beliebt...)

So oder so liegt die Verantwortung, für begabte Kinder, Kinder abseits des Durchschnittes, etwas zu ermöglichen und erreichen, leider fast zu 100% bei den Eltern. Von alleine scheint da nicht viel zu gehen...
Aber um dabei typische Fehler zu vermeiden, hier gleich noch mal mein Tipp, Kontakt zur DGhK aufzunehmen.
Zuletzt geändert von sinus am Do 27. Mai 2021, 09:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitragvon Auguste » Do 27. Mai 2021, 09:55

Hallo kiki-robo!

Ich würde mal sagen, die Lehrerin ist eine typische Vertreterin ihrer Zunft. Leider. Sie mag ja nett und engagiert erscheinen - von begabten Kindern hat sie keine Ahnung. Nicht jeder (Hoch-)Begabte ist auch ein Hochleister. Leider wird das ständig verwechselt. Die fleißige XY würde die Lehrerin eher als (Hoch-)begabt sehen, als Deinen Sohn. Weil die ist ja schnell und schafft 20 Zusatzaufgaben - während Dein Sohn nicht mal die Pflichtaufgaben macht. Und dann sagt er auch noch, dass er es nicht kann.

Dabei ist die XY ziemlich sicher nur sehr fleißig und hochmotiviert bei durchschnittlicher Intelligenz. Wäre sie intelligenter, würde sie nämlich schnell merken, dass sie genau gar keinen Vorteil von den Zusatzaufgaben hat, sondern nur mehr Arbeit ;) Die fleißige XY will eher der Lehrerein "gefallen". Dein Sohn möchte lernen. Dem ist vermutlich egal, was die Lehrerin über ihn denkt.

Das nächste Problem ist dann die Tatsache, dass viele Lehrer nicht begreifen, dass begabte Kinder nicht mehr Aufgaben brauchen, sondern andere Aufgaben. Und da liegt dann das Problem. Es kommt fast immer das Totschlagargument: "Nee Extrawürste gibts nicht. Dann wollen das ja alle. Der muss schon machen, was die anderen auch machen müssen und danach kann er Zusatzaufgaben bekommen" (=noch mehr von dem langweiligen Kram).

Die Lehrer versuchen es aus lauter Angst vor "Das wollen dann alle" nicht mal, den begabten Kindern anspruchsvollere Aufgaben zu geben - und zwar anstatt der langweiligen, nicht zusätzlich dazu. Wenn "alle" die anderen Aufgaben haben wollen, dann sollen sie die doch allen geben. Die "anderen" wollen das genau ein Mal. Danach machen sie freiwillig den normalen Stoff weiter, weil sie nämlich merken, dass sie die "Anstatt-Aufgaben" gar nicht lösen können ;) Aber das bekomme mal in die Lehrer rein. :schwitz: Hat bei uns zumindest nicht geklappt. Mein Sohn hat dann die Klasse gewechselt. Die neue Lehrerin hat von sich aus differenziert.

Bei Euch "sieht" die Lehrerin Euren Sohn tatsächlich nicht. Da wäre dann auch Arbeit mit dem Sohn angesagt. Ihm erklären, dass die Lehrerin ja nicht weiß, ob er die Aufgaben rechnen kann, wenn er sie nicht macht und ihr auch noch sagt, dass er es nicht kann. Und wenn die Lehrerin nicht weiß, dass er die Aufgaben lösen kann, bekommt er auch keine "besseren" Aufgaben. Es reicht nicht, dass er für sich weiß, dass er es kann. Er muss das der Lehrerin auch zeigen.

Das Problem hatten wir mit unserem Sohn auch. Meinem Sohn war einfach nicht klar, dass die Lehrerin nicht weiß, was er kann wenn er die Aufgaben in der Schule nicht löst. "Kann ich nicht" ist als Erklärung an die Lehrerin für eine Verweigerung natürlich "höflicher" als "will ich nicht". ;) Aber auch da muss erst Mal dem Kind klar werden, dass die Lehrerin dann annimmt, dass er es wirklich nicht kann und die Folge entweder noch einfachere Aufgaben sind oder noch mehr Wiederholungen.

So wie Du die Situation in der Schule beschreibst, würde ich eher zügig einen Klassenwechsel anstreben, als zu versuchen, die aktuelle Lehrerin "umzustimmen". Dein Sohn muss noch eine Weile auf der Schule bleiben. Ich befürchte, sowohl ihr als auch Euer Sohn seid bereits in einer Schublade der Lehrerin gelandet, aus der ihr nicht wieder rauskommt: Überambitionierte (Helikopter- oder Eislauf-)Eltern, die nicht merken, dass ihr Kind nicht so schlau ist, wie sie glauben. Um aus dieser Schublade rauszukommen, müsste die Lehrerin zugeben, dass sie Euren Sohn und Euch falsch eingeschätzt hat. Gaaanz dünnes Eis.

Die Lehrer, die mein Sohn von der Sorte hatte, haben eher jede Energie darauf verwendet, dem Kind und uns zu beweisen, dass sie Recht haben. Leider. Und da hilft auch der IQ-Test nichts. Wenn Du den bei solchen Lehrern vorzeigst, dann wird nicht etwa erstaunt zur Kenntnis genommen, welche Bereiche "nach oben" auffällig sind, dann werden die Bereiche rausgepickt, die nach unten abfallen und selbstgefällig darauf hingewiesen: "Aber da ist er nur durchschnittlich. Also kann er doch nicht alles". :evil: Ja, wir haben viel aus unseren Fehlern in solchen Elterngesprächen gelernt :roll:

Also auch von mir die Empfehlung, den IQ-Test da zu lassen, wo er ist und erst mal nicht zu erwähnen. Allenfalls vorsichtig andeuten, dass ihr bereits dabei seid, die Ursachen für das Verhalten des Sohnes herauszufinden und dass dabei u.a. herausgekommen ist, dass er ziemlich schlau ist, er das aber in der Schule nicht so zeigen kann. Würde ich aber wirklich vom Gesprächsverlauf abhängig machen, ob ich da überhaupt was erwähne.

Das Fazit bei uns nach 6 Jahren Grundschul-Odysse: Wenn es nicht "passt", so schnell wie möglich was "passendes" fürs Kind suchen und wechseln lassen. Die Lehrer änderst Du nicht. Das Kind änderst Du nicht. Du kannst nur versuchen, die passende Umgebung fürs Kind zu finden.
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