Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Probleme und Lösungen für den Schulalltag
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Auguste hat geschrieben:

Das Fazit bei uns nach 6 Jahren Grundschul-Odysse: Wenn es nicht "passt", so schnell wie möglich was "passendes" fürs Kind suchen und wechseln lassen. Die Lehrer änderst Du nicht. Das Kind änderst Du nicht. Du kannst nur versuchen, die passende Umgebung fürs Kind zu finden.
Das kann ich voll und ganz unterschreiben... meine älteste schließt jetzt die 10. Klasse ab.
kiki_robo
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von kiki_robo »

Vielen Dank für eure Antworten, Katze, sinus und Auguste! Das sind wirklich sehr wertvolle Ratschläge!

@Auguste: Ja, das befürchte ich auch, dass wir in der Schublade längst eingeordnet sind. Dabei haben wir gar keine Zeit so richtig zu "helikoptern". Hab deshalb auch ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn zuhause nicht so fördern kann, wie er es wahrscheinlich brauchen würde. Es gibt ja auch noch seine Zweijährige Schwester und unsere Arbeit. Gleichzeitig zeigt mir aber der Vergleich mit der Kleinen, dass unser Sohn einfach auch ganz anders ist. Die zwei sind grundverschieden in ihren Interessen und Temperamenten. Glücklicherweise kommen sie gerade deshalb gut miteinander klar und ergänzen sich. Die Kleine ist mutig wo der Große vorsichtig ist und hilft ihm z.B. beim Freunde finden am Spielplatz. Er ist dafür ein wirklich liebevoller großer Bruder, der sehr gut auf seine Schwester achtet und von Anfang an eine echte Hilfe beim Aufpassen war. In ihrem Alter hat er sich leidenschaftlich mit Buchstaben und Zahlen befasst während sie motorisch top ist und spielend neue Freunde in allen Altersgruppen findet. Deshalb kann ich für mich sagen, dass die Erziehung wirklich nur einen Teil ausmacht und selbst wenn wir - aus Perspektive der Lehrerin zumindest - bestimmt Fehler gemacht haben, weiß ich auch dass die Kinder schon mit einer gewissen Prädisposition daherkommen. Diese Erkenntnis hat mich etwas entlastet wenn es um Erziehungsfragen geht.

@sinus: Ich habe nun mit der Psychologin einen weiteren Gesprächstermin vereinbart und werde sie um eine klare schriftliche Empfehlung bitten. Das ist eine gute Idee. DGhK hört sich gut an, aber leider leben wir in Österreich. Allerdings sollte es ja zumindest in Wien was Ähnliches geben, ich muss mal recherchieren. Es gibt auch noch eine Begabungsberatungsstelle der Bildungsdirektion, da kann man einen persönlichen Termin vereinbaren. Das wäre dann auch noch eine Anlaufstelle für uns, wenn wir mit der Schule nicht weiterkommen.
Was du über deine kleine Tochter schreibst, hört sich wirklich auch sehr nach meinem Sohn an. ;) Wir haben ihm auch auf seinen Wunsch hin ein zweite Klasse Mathe-Trainingsbuch gekauft. Das wollte er der Lehrerin auch zeigen, weil er einmal seine eigentliche Hausübung in der Schule vergessen hatte und stattdessen dort eine Seite gemacht hat. Er hat sich dann aber nicht getraut, weil er Angst hatte, dass sie schimpft... :?
Es ist halt auch wirklich ein Problem, dass er erst dann was extra machen darf, wenn er alles andere erledigt hat - und das ist nicht wenig! Da hast du recht, Auguste, das haben mir mittlerweile auch schon befreundete Pädagoginnen gesagt, dass man das eigentlich nicht mehr machen sollte, sondern anstatt eines Teils der eigentlichen Aufgaben.

@Katze: Das ist auch eine gute Idee, der ehemalige Kindergarten ist sein jetziger Hort, dort kennen ihn alle von klein auf und können ihn einschätzen. Die haben allerdings auch schon von sich aus versucht, bei der Schule zu intervenieren. Leider ohne Erfolg. Früher hatten sie wohl ein gutes Standing mit der Schule, aber seit die Schulleitung gewechselt hat, klappt das nicht mehr so. Der Hort ist sein "sicherer Hafen", dort hat er seine besten Freunde und Vertrauen zu den Pädagoginnen. Das ist mit ein Grund warum ein Schulwechsel schwierig ist, weil er dann auch nicht mehr in seinen Hort könnte. Und das wäre für ihn eine Katastrophe.
sinus
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von sinus »

@Kiki-robo: Ich drücke die Daumen, dass sich was bewegen lässt. Berichte bitte weiter!

Auch wenn ihr keine DGhK habt, würde ich trotzdem dringend nach etwas ähnlichem suchen. Nicht nur für dich, sondern insbesondere auch für dein Kind. Ich las und erlebte es immer wieder, wie wichtig es für die Kinder ist, andere Kinder kennenzulernen, die ihnen ähnlich sind.
Das brauchen sie, um ihr Selbstbild zu entwicklen. Und um zu reifen. Andernfalls kann es auch sein, dass sie sehr unreif wirken, obwohl sie es gar nicht sind oder sogar im Sozialverhalten wirklich "zurückfallen", bspw weil Ihnen die adäquate Spiegelung/Reaktion fehlt.

Meine Tochter verhielt sich bspw in verschiedenem Umfeld völlig anders:
Aus einem extrem zurückhaltenden, beobachtendem, stillen Kind, was versucht, möglichst unsichtbar zu bleiben und seine Gefühle so gar nicht nach außen trug, wurde(wird) unter passenderen anderen Kindern (entweder wesentlich älter oder eben ebenfalls sehr begabt) ein selbstbewusst auftretendes, witziges, energetisches, regelrecht wildes Mädchen.

Die Grundschullehrerin beschrieb sie mal so: "Ich habe in all den Grundschuljahren es nicht geschafft, an sie heranzukommen! Man weiß gar nicht, was in ihr vorgeht. Sie wirkt immer so kontrolliert und zeigt kaum mal typisch kindliche, spontane Freude."
Eine Psychologin, die wir in Klasse 3 konsultierten, parallel zum IQ-Test, weil ich mich um sie sorgte, bescheinigte ihr, sie sei den Untersuchungen/Fragebögen nach neurotisch, hätte auffällige Werte im Bereich Ängste, Depression, Selbstwertgefühl und brauche eine Therapie.
Die Mutter ihres sehr begabten Freundes, eine Kinderärztin, war davon sehr irritiert, als ich ihr davon erzählte und meinte, sie kenne sie ganz anders. Sie beschrieb sie so: "Ein sehr lebendiges Kind. Wenn sie bei uns ist, fällt mir vor allem immer wieder auf, wie lebhaft, begeistert und bildhaft sie erzählen kann!"
Auf einer DGhK Veranstaltung meinte ein anderer Vater, der sie bei einem Sportspiel beobachtet hatte, zu mir: "Wow, die hat ja Feuer. Die weiß, was sie will, um die musst du dich nicht sorgen!"

Momentan geht sie auf eine Schule für begabtere Kinder (HB nicht notwendig, aber eine Aufnahmeprüfung gibt es und die Anforderungen sind höher als auf normalen Gymnasien) und es geht ihr sehr viel besser, als in der Grundschule. Sie hat dort jetzt sogar zwei Freundinnen in der Klasse. (Vorher hatte sie nie einen Draht zu anderen Mädchen gefunden)
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
koala27
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von koala27 »

Hallo,

bezüglich "beweisen" was dein Kind schon kann--- ich weiß ja nicht, wie eure Lehrerin tickt..

Es gibt ein Diagnoseheft von Flex und Flo ( Mathe) für jede Klasse 1-4....kostet um die 6 Euro-- da sind Mintests ( DIN A5) drin, die abfragen, ob das Kind das in Mathe kann was bis zu einer bestimmten Seite in den Büchern gemacht wurde.
Bei unserer großen Tochter hat die KL diese Tests immer genutzt, um zu schauen, ob die Kids alle halbwegs den gleichen Stand hatten.

Dein Sohn könnte diese Minitests ja machen-- im Beisein der Leherin oder alleine irgendwo wie auch immer um so zu "beweisen" das er den Stoff schon ewig beherrscht.
Vorher halt klar sagen, dass er das jetzt machen muss, damit er im Anschluß anspruchsvolle Aufgaben machen kann.

So wie Du das beschreibst, wird er sicher Klasse 2 einfach mal so aus dem Ärmel schütteln können.

Unser Sohn macht in Mathe bei zu einfachen Aufgaben auch Fehler, weil er eben keine Lust mehr dazu hat...
Talju
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

kiki_robo hat geschrieben: Mi 26. Mai 2021, 16:58 Hallo!

Ich bin ganz neu hier und würde mich sehr über Tipps bzw. Zuspruch freuen.

Zu uns: Mein Sohn (gerade 7 geworden) hat dieses Jahr in der Schule begonnen – kein leichtes Jahr dafür und er tut und tat sich immer schon schwer, mit allem Neuen, Unbekannten und v.a. auch mit anderen, ihm fremden Menschen. Nun hat er eine richtige Schulangst entwickelt und weint jeden Tag, wenn er in die Schule muss. Nach jedem Lockdown haben wir gefühlt wieder bei 0 angefangen.
Dazu kommt, dass er in der Schule von den Inhalten unterfordert ist und mittlerweile jede Motivation verloren hat hinzugehen. Dabei ist er so ein wissbegieriger und schlauer Junge! Er konnte schon vor der Einschulung lesen und schreiben und rechnete problemlos im Hunderterraum. Zuletzt hat er sich Malrechnen und Dividieren selbst beigebracht, weil er es bei den älteren Kindern im Hort gesehen hat und lernen wollte.
Mir bricht das Herz, wenn er oft fragt: „Mama, wie gibt’s das, dass manchen Kindern das Lernen Spaß macht?“ Ich will sagen: „Naja, dir macht es keinen Spaß, weil du leider noch nichts Neues gelernt hast in der Schule.“ Beiße mir aber auf die Zunge, weil ich ihm die Schule nicht noch madiger machen will.
Leider ist er aber auch schlampig und macht mittlerweile einfach nicht mehr mit bei den Seiten und Seiten von Rechnungen im 10er-Raum. Dann sagt er, er könne es nicht. Und die Lehrerin sagt, sie sei der Meinung er beherrsche das noch nicht. Das macht mich wahnsinnig, weil ich das Gefühl habe, er wird einfach nicht gesehen. Wir werden nicht gehört bzw. wird uns nicht geglaubt.

Deshalb wurden wir nun bei einer Kinderpsychologin vorstellig und ließen dort auch eine Begabungsdiagnostik machen, bei der ein IQ von 126 rauskam mit „homogenem Profil“, aber eben auch Probleme in der sozialen und emotionalen Entwicklung festgestellt wurden.
Wir sollen nun mit diesen Ergebnissen zur Schule gehen und erwirken, „dass sich etwas ändert.“ Aber was? Was kann man da fordern bzw. erwirken? Was ist sinnvoll für unseren Sohn?

Nun ist er ja mit diesem Ergebnis strenggenommen noch nicht hochbegabt, oder? Irgendwie tu ich mir schwer damit, was genau unser Anliegen ist oder sein sollte. Die Psychologin sprach von Extraaufgaben, Klassenwechsel oder dem Überspringen einer Klasse bis hin zum Schulwechsel, wenn wir auf taube Ohren stoßen sollten. Aber ich wüsste ja gar nicht wohin und jeder Wechsel ins Unbekannte ist für unser Kind der pure Horror. Aber ja, bei unserem Kind besteht ein mittlerweile hoher Leidensdruck (bei uns Eltern auch), einerseits durch die Schulangst, die wohl in erster Linie eine Trennungsangst ist (er will nicht von den Eltern weg), andererseits durch Unterforderung und daraus resultierender Frustration beim Lernen. Er sieht einfach keinen Sinn im Schulbesuch.

Vielleicht hat ja hier irgendwer ähnliche Erfahrungen oder den einen oder anderen Ratschlag? Ich wäre dafür sehr dankbar!
Meine Liebe,
Du sprichst mir aus der Seele! Unser Sohn wurde diesen Sommer mit 5 Jahren (fast 6) eingeschult. Er konnte lange vor der Einschulung lesen und auch gut rechnen. Er hasst neue Situationen und teilweise verweigert er auch Dinge, die er schon kennt. Obwohl er es eigentlich gerne macht.
Wir haben jetzt die erste Beurteilung der Schule (nicht persönlich sondern in Schriftform - Diagnoseheft) erhalten, in der steht, dass er die Lerninhalte zwar sehr gut oder gut beherrscht, aber zu langsam ist und häufig Unterstützung benötigt. Hier zu Hause ist es genau das Gegenteil. Er braucht nie länger als 5min für Hausaufgaben und macht sie selbstständig in seinem Zimmer. Er äußert vermehrt Ängste, die er in zahlreichen Schulsituationen hat, weshalb wir uns nun an seine Kinderpsychologin (hatten aufgrund von anderen Ängsten und Hochsensibilität vor 1,5 Jahren bereits eine zugezogen) kontaktiert haben. Leider warten wir noch auf Rückmeldung…
Ich möchte keinesfalls ohne Einschätzung der Psychologin mich an die KL wenden, da sie ihn ja ganz und gar nicht „unterfordert“ einschätzt.
Wir wissen gerade gar nicht, wie wir unserem Sohn helfen können. Wir versuchen nur das Nötigste an Schulinhalten (momentan wird tägliches Üben im Zahlenraum bis 10 verlangt) mit ihm zu machen.
Nachdem er anfangs glücklich war, in die Schule gehen zu dürfen, wird es momentan zunehmend schwieriger…
Er sagt, er hat nie gezeigt, dass er schon lesen kann, weil er Angst hat. Außerdem könnten schon einige andere Kinder auch lesen (die haben es sich aber getraut zu zeigen). Neulich hat er dann sogar vor der Klasse bei einer eigentlich sehr leichten Matheaufgabe einen Fehler gemacht- bei deutlich schwereren Aufgaben passiert ihm das nicht. Jetzt schämt er sich und hat noch mehr Angst sich am Unterricht zu beteiligen. Er sagt xy ist immer schneller als ich und wird ständig gelobt. Er ist viel schlauer als ich und deshalb trau ich mich nicht.
Unser Sohn ist nicht getestet. Vieles hat schon früh auf eine mögliche HB hingewiesen, aber wir hatten nie einen „Grund“ es zu testen. Im Kindergarten war er total unglücklich, weil unterfordert, missverstanden und keine gleichaltrigen Jungs zum Spielen. Außerdem bescheuerte Regelungen und Handhabung mit Coronamaßnahmen. Hier fühlt er sich im direkten Vergleich wohler in der Schule, nur baut er gerade auch hier wieder zahlreiche Ängste auf… 🙄.
Vielleicht habt ihr auch nochmal einen Tip für uns?
Liebe Grüße und danke schon mal.
Karen
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Karen »

Das Kind war unglücklich in Kindergarten und war nicht richtig gefördert - ist es nicht ein Grund ihm zu testen? Ihr müsst unbedingt ihm abklären und mir ihm danach auch darüber reden um sein Selbstwertgefühl zu steigern. Abklären nicht nur IQ - aber am besten auch ADHS,weil die Frage kommt als nächstes auf. Hat er ein Hobby dass er gut und gerne macht? Wenn nicht - versucht was zu finden - egal was, es muss ihm Spass bereiten und er muss Möglichkeit haben dort nach seinem Tempo zu entwickeln. Was sagt er selbst über Schule - sagt er dass es ihm langweilig ist oder sind es nur diffuse Ängste?
Wenn dem Kind so schlecht geht würde ich nicht abwarten bis IQ test da ist. Ihr könnt ein Gespräch vereinbaren und klar sagen wie es dem Kind geht (er hat oft Angst, geht nicht gerne, er kann schon lange lesen - getraut es aber nicht zu zeigen, gerne zeigen welche Bücher er schon gelesen hat, er empfindet sich als schlecht und macht Fehler auch wenn er schon alles kann). Und dann gar keinen Vermutungen aufstellen sondern fragen wie die Lehrerin ihm sieht und ob sie Ideen hat was man so machen kann damit ihm besser geht. Und einfach mal zuhören. Wenn sie ihm anders sieht, dann ist es so - aber wenigstens wisst ihr wie sie ihm erlebt und ihre Argumente und könnt das auch in Gespräch mit Psychologin einbringen. Und wenn ihr Glück habt - erkennt sie eventuell von selbst oder schaut genauer zu. Oder schlagt von sich aus Abklärung vor
Danach könnt ihr mit Abklärungsresultaten kommen wenn sie eure Vermutungen bestätigen - oft weigern die Lehrerinnen weniger es zu akzeptieren wenn sie von Anfang an ins Boot geholt wurden. Das war bis jetzt immer meine Erfahrung. Meine Tochter hatte ähnliche Geschichte. Sie hat dann 1 Klasse überspringen. Und seit ist viel besser geworden.
Auguste
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Auguste »

Hallo Talju,

Ich würde erst mal mit der Lehrerin reden. Und mit dem Kleinen. Was Du schilderst, erinnert mich an meinen Sohn und seinen Schulstart.

Mein Sohn kam auch mit knapp 6 in die Schule, hat auch nichts "gezeigt", sondern erst mal brav mitgemacht was alle gemacht haben, war aber ziemlich langsam usw. Beim ersten Elterngespräch (nach 2,5 Monaten Schule) war die Lehrerin vollkommen überrascht, dass er schon lesen kann. Die Mathe-Lehrerin hat auch nicht mitbekommen, dass er schon locker bis 20 rechnen kann (+/-) und eigentlich weder Rechenstäbchen braucht, noch bunte Kreise ausmalen muss, um Mengen zu erfassen.

Nach den Gespräch mit der Lehrerin musste mein Sohn die einfachen Lese-Aufgaben (Silbenlesen usw.) nicht mehr machen, sondern durfte zu Hause Bücher lesen und wir haben im Hausaufgabenheft nur noch vermerkt, dass er gelesen hat. Er durfte dann auch mal ein Buch mitbringen und in der Klasse daraus vorlesen. Dem Sohn haben wir erklärt, dass er den Lehrerinnen schon zeigen muss, dass er die Aufgaben lösen kann, weil die sonst denken, er kann es nicht. Die können ja nicht wissen, was er alles kann, wenn er es nicht zeigt. Hat so mittelmäßig geklappt.

Die Lehrerin war aber durchaus willig und hat sich bemüht. Die 1. Klasse lief dann ganz gut, bis die Lehrerin schwanger wurde und weg war. Die nächste Lehrerin war dann eine einzige Katastrophe und damit fingen die Probleme bei uns erst richtig an.

Dass Dein Sohn jetzt keine Freude mehr an Schule hat, ist für begabte Kinder normal. Leider. Er hat sich auf die Schule gefreut, weil er dort neue Sachen lernen kann. Nun sitzt er in der Schule und merkt langsam, dass er fast nichts neues lernt, sondern immer nur der selbe Quark durchgekaut wird, den er schon lange kennt. Und das wird sich auch nicht ändern, es sei denn, die Lehrerin differenziert. Das kann sie aber nur, wenn sie weiß, was das Kind alles schon kann. Und die Lehrerin muss auch wollen.

Für das Gespräch mit der Lehrerin braucht man erst Mal keinen Test. In so einem Gespräch findet man schon raus, wie die Lehrerin "tickt" und ob sie wirklich differenzieren will. Ich würde erst Mal die Lehrerin nach ihrer Einschätzung des Kindes fragen und dann erst sagen, dass das Kind eigentlich schon lesen und rechnen kann, aber sich in der Schule nicht traut. Die Lehrerin fragen, ob sie Ideen hat, wie man dem Kind helfen kann. Und dann mal schauen, wie die Lehrerin reagiert. Will sie differenzieren, wird sie entsprechende Vorschläge machen. Will sie das nicht, wird sie erklären, warum es keine "Extrawürste" für Dein Kind geben wird und dass er machen muss, was alle machen, weil...

Lehrer, die differenzieren wollen, machen das auch ohne IQ-Test. Lehrern, die nicht differenzieren wollen, ist auch ein IQ-Test egal. Das Kind testen zu lassen, ist sicher nicht verkehrt, wenn es ihm nicht gut geht. Dann würde ich aber eine komplette Diagnostik machen lassen, nicht nur einen IQ-Test. Aber nur, damit ihr wisst, wo die Stärken und Schwächen vom Kind liegen und nicht mit der Hoffnung, dass der Test irgendwas im Hinblick auf Differenzierung in der Schule bewirken würde.
Talju
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

Vielen lieben Dank für eure Antworten!
Dann werde ich die Lehrerin mal um ein Gespräch bitten und euch berichten.
Danke dass ihr mich darin bestärkt habt.
PS: ja, er hat Hobbys. Er spielt sehr gut Schach (allerdings hat er nur mich als Gegner und ich bin grottenschlecht 🙈😉). Außerdem schwimmt er, turnt und spielt Handball. Sportlich ist er ausgelastet. Er besucht 14tägig eine Schulhund-AG. Auch hier hat er immer wieder kurz vorher Angst hinzugehen. Kommt dann aber glücklich raus und sagt, dass er weiterhin hingehen möchte.
Ein schönes Wochenende euch!
Katze_keine_Ahnung
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Ich sehe aus der Beschreibung nicht nur das Problem der Unterfoderung, sondern vielmehr die soziale Überforderung. Dein Sohn fühlt sich sehr unsicher, daher macht ihm die Schule keinen Spaß. Ich würde die Lehrerin vor allem darauf ansprechen. Für die Themen haben die meisten Lehrer Versändnis. Das Thema Differenzierung sehe ich als kritisch. Dein Sohn wll nicht auffallen. Er wird die Extra-für-ihn-Aufgaben nicht annehmen.

PS. Ich habe jetzt die älteren Beiträge von dir durchgelesen... Kann dein Sohn mit den Kindern frei spielen? Ich meine nicht irgenein Brett- oder Kartenspiel, sondern so was wie Fangen, Verstecken und ähnliche Bewegungsspiele? Frei ohne Anleitungen gemeinsam mit einem anderen Kind etwas aus Lego bauen und damit gemeinsam spielen? Hat er Kontakte geknüpft zu den Kindern aus seiner Klasse? Kommt jemand aus der Klasse am Nachmittag mal zu Besuch zu euch?
Talju
Beiträge: 14
Registriert: Do 8. Mär 2018, 23:00

Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

Ja, das freie Spielen geht sehr gut. Er hat auch zwei Freunde gefunden, die ihn nachmittags besuchen und er sie. Mit ihnen spielt er auch in der Pause. Auch einige Mädchen sind in der Pause oft dabei. Allerdings spielt er am allermeisten und liebsten mit seinem besten Freund (von Geburt an - wohnt in der Nachbarstadt und wird erst nächstes Jahr eingeschult).
Da ist er extrem phantasievoll. Er liebt momentan Harry Potter (mit ch lese ihm die Bücher vor). Früher war es Peter Pan.
Er wünscht sich zwar in der Schule schwerere Aufgaben nach eigener Aussage- wir brauchen das aber glaub ich nicht zwingend in der Schule, da wir ihn auch so fordern können.
Es mangelt leider trotz aller Bestärkungen unsererseits an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.🤷‍♀️
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