Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Probleme und Lösungen für den Schulalltag
Talju
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

PS: Lego baut er nicht nur gerne, sondern spielt dann auch stundenlang mit den Figuren und den gebauten Sachen.
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Das klingt ganz gut. Was spricht gegen Überspringen der 1. Klasse? Mein Sohn ist mit 8 in der 5. und es ist deutlich besser zur Zeit als mit 7 in der 3.
Rabaukenmama
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Rabaukenmama »

Hallo Talju!

Es ist schon viel gesagt worden. Das Gespräch mit der Lehrerin macht auf jeden Fall Sinn, allein schon um abzuschätzen, was man von ihr erwarten kann. Auguste hat das schon gut beschrieben.

Das zweite, was ansteht, ist eine Entwicklungsdiagnostik, wo der Intelligenztest ein Teil davon ist. Ich halte nicht viel davon, bei einem Kind, welches in mehreren Bereichen des Lebens schon Probleme hatte, NUR einen IQ-Test zu machen. Hochbegabung kann einige Schwierigkeiten erklären, aber nicht immer alle. Bei meinem.älteren Sohn war noch Autismus und ADHS dabei. Und ich bin selbst auch HB in Kombi mit ADHS.

Und auch, wenn dein Sohn keine Wahrnehmungsstörung (wie eben ADHS, ADS, Autismus oder AVWS) haben sollte, zeigt so eine Entwicklungsdiagnostik eben wesentlich mehr als nur ein IQ -Test. Damit meine ich z.B. die Hintergründe für so Dinge wie das langsame Arbeiten in der Schule, während er zu Hause alles superschnell macht. Da kann z.B. bei einem empathischen Kind auch Überanpassung dahinter stecken: das Kind beobachtet, wie lange andere brauchen, und passt sein eigenes Tempo an, weil es nicht auffallen will. Oder es ist eben Langeweile, weil das Kind weiß, dass es nichts Neues, Interessanteres gibt, wenn es mit der langweiligen Aufgabe fertig ist.

Bei meinem ADHS- und ASS-Sohn war das Arbeitstempo beim Schulstart generell langsam, obwohl die Aufgaben kognitiv weit unter seinem Niveau waren, und er sich nicht in der Schule "nach unten" angepasst hat. Das lag bei ihm daran, dasser seine Konzentration nicht so lange bei den langweiligen Aufgaben halten konnte, und es war zu Hause genau so eie in der Schule.

Hingegen konnte mein jüngerer Sohn (gehörloser Autist) Aufgaben, die er kognitiv verstanden hatte, wirklich blitzschnell lösen (in der 2.Klasse ein Mathe-Blatt mit 50 Malrechnungen in nicht mal 3min).

Wenn dein Sohn vom Sozialverhalten her unauffällig ist, wäre der von Katze vorgeschlagene Klassensprung eine Option. Bei meinem älteren Sohn war das nie möglich (obwohl es ihm vermutlich gut getan hätte), weil er sich ohnehin im Grundschulaltet oft benommen hat wie ein Kindergartenkind (geringe Emotionskontrolle, Trotzreaktionen, ständig dreinreden, viel Aufmerksamkeit brauchen).

Jetzt im Gymnasium ist das deutlich besser geworden. Mein Sohn sagt selbst, dass ihm gefällt, endlich mal in der Schule Sachen zu lernen, die er nicht schon längst weiß. Sein Sozialverhalten ist zwar immer noch längst nicht altersgemäß, aber dank einer netten Schulbegleitung und einer guten Klassengemeinschaft fühlt er dich in der Schule jetzt meistens wohl.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Talju
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

Hallo ihr Lieben,

Das mit der Entwicklungsdiagnostik werde ich bei der kinderpsychotherapeutin mal ansprechen. Allerdings haben wir ja noch gar keine Rückmeldung, wann wieder generell Termine bei ihr frei sind.
ADS/ADHS liegt glaub ich nicht vor. Aber eine Abklärung schadet sicherlich nicht.
Ihm macht seine Hochsensibilität eher zu schaffen.
Wir haben mit ihm über das Arbeitstempo gesprochen. Er hat gesagt: „warum sollte ich es schnell machen in der Schule. Es passiert doch nichts, wenn ich früher fertig bin, muss ich trotzdem im Unterricht sitzen, bis die Pause kommt… hier zu Hause mach ich schnell, weil ich dann früher spielen kann.“
Aber er versprach künftig etwas schneller die Aufgaben in der Schule zu bearbeiten. Dennoch klagt er, das schwätzende Kinder ihn ablenken und er sich dann nur schwer konzentrieren könne.
Zur Unterstützung, die er von der Lehrerin einforderte erklärte er mir, dass er große Angst habe etwas falsch zu machen oder es nicht richtig verstanden zu haben und sich deshalb mehrfach absichere, um es richtig zu machen. Zumindest sagte er aber auch hierzu, dass er seit unserem Gespräch nicht mehr nachgefragt habe, sondern sich die Aufgabenstellung einfach noch mal durchgelesen habe.

Ein Klassensprung kommt für uns nicht in Frage. Er mag seine KL und Klassenkameraden sehr gerne (und das ist bei ihm nicht selbstverständlich). Außerdem ist er mit sehr großem Abstand der Jüngste, da wegen Corona alle Eltern ihre Kannkinder zurück gestellt hatten bei der Einschulung und so sind die meisten Kinder über ein Jahr älter als er.

Liebe Grüße
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Wenn er sozial in der Klasse so gut integriert ist, warum wird die Schule zunehmend schwieriger? Du hast einen ganz schlauen Buben, der durchschaut, dass sobald er zeigt, dass er mehr kann als der Rest, er das Risiko läuft, dass seine Freunde ihn verlassen und er alleine und verstoßen da steht. Ich habe auch ein Kind, dass sehr lange diese Strategie gefahren ist, und es wurde erst mit dem Wechsel in den HB-Zug kurz vor der Oberstufe besser. Die Schäden, die scholche Duckung und Durchbiegung eingerichtet haben, sind erheblich. Vor allem hat Selbstvertrauen gelitten, dabei ist mein Kind noch kein Perfektionist. Wenn ihr Klassensprung kategorisch ablehnt, braucht ihr global eine andere Lösung. Eine alternative Schulform in der Kinder nicht beurteilt werden. Die Perspektiven des Gesprächs mit der Lehrerin über die Differenzierung sehe ich schwarz. Ich habe es so oft gemacht, und die Ergebnisse waren immer sehr ernüchternd. Auch die Lehrer, die zugestimmt haben, versorgten die Kinder eher mit einem Haufen loser Blätter und versagten die Unterstützung mangels Zeit. Ich verstehe auch nicht, wie man so einen derartigen Vorsprung als Pädagoge nicht erkennen kann. Ich brauche vom Kind nicht hören, dass es lesen oder rechnen kann. Ich sehe ein selbsgemaltes Bild, ich höre ein-zwei Schlussfolgerungen, ich höre den Wortschatz im Alltag und dann weiß ich, dass das Kind nicht dem Durchschnitt enspricht. Wenn die Lehrerin das nicht erkannt hat, wird sie ihn auch nicht begleiten können.
Auguste
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Auguste »

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben: Sa 13. Nov 2021, 16:28 Ich verstehe auch nicht, wie man so einen derartigen Vorsprung als Pädagoge nicht erkennen kann. Ich brauche vom Kind nicht hören, dass es lesen oder rechnen kann. Ich sehe ein selbsgemaltes Bild, ich höre ein-zwei Schlussfolgerungen, ich höre den Wortschatz im Alltag und dann weiß ich, dass das Kind nicht dem Durchschnitt enspricht. Wenn die Lehrerin das nicht erkannt hat, wird sie ihn auch nicht begleiten können.
Wenn der Lehrer noch keine Erfahrungen mit HB-Kindern hat, dann kann er/sie das schon übersehen. Ist ganz leicht. Die Lehrerin von meinem Sohn hat z.B. nie jemanden vorlesen lassen oder gar mal gefragt, ob jemand das Wort an der Tafel lesen könne. Also hat sie auch nicht die Kinder rausfiltern können, die es schon konnten. Mein Sohn war in der Klasse aber auch der einzige.

In Mathe wurden halt nur die Aufgaben gemacht, die laut Lehrplan dran waren. Also merkt man nicht, dass ein Kind schon im 100er-Raum rechnen kann, wenn man ihm nur Aufgaben bis 20 und Kästchen zum Ausmalen vorsetzt.

Wenn das Kind dann noch langsam ist, kommt ein unerfahrener oder unwilliger Lehrer nicht auf die Idee, dass das Kind kognitiv unterfordert sein könnte. Das Kind ist ja schließlich langsam. Also hat es Probleme, die gestellten Aufgaben zu lösen. Schlussfolgerung: Die Aufgaben sind fürs Kind schwer zu lösen, deswegen braucht das Kind so lange. Die meisten Lehrer kennen doch immer noch nicht den Unterschied zwischen Hochbegabten und Hochleistern. Hast du einen begabten Hochleister, ist das "Erkennen" meist kein Problem. Das Fördern ist dann wieder eine andere Sache.

Das Kind von Talju ist (zumindest derzeit) kein Hochleister. Der versteckt sich und verbirgt seine Fähigkeiten. Ob hinter der Langsamkeit noch was anderes steckt als "ich habe ja nichts davon, wenn ich schnell bin", muss man herausfinden. "Die tuschelnden Kinder lenken mich ab" lässt mich aber aufhorchen. War bei meinem Sohn auch so und schlussendlich wurde ja auch AVWS diagnostiziert.

Es kann natürlich sein, dass der Kleine erst noch lernen muss, die anderen zu ignorieren und sich auf seine Sachen zu konzentrieren. Er ist ja noch sehr jung und erst kurz in der Schule. Aber es schadet sicher nicht abzuklären, ob er außer der möglichen HB ein "Konzentrationsproblem" hat.
Talju
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Talju »

Wir lehnen Springen nicht kategorisch ab, aber zum jetzigen Zeitpunkt definitiv. Außerdem weiß ich nicht, ob er überhaupt ausreichend intelligent wäre und nicht in vielerlei Hinsicht sehr überfordert (vor allem im sozialen Bereich), wenn er mit zwei Jahre älteren in einer Klasse wäre. Darüber hinaus muss er noch viel im Bereich der Feinmotorik lernen und auch korrekte Rechtschreibung hat er nie gelernt, da wir es nie forciert haben, dass er richtig schreiben können muss vor Schuleintritt. Und gerade weil er nicht das größte Selbstbewusstsein hat, würde ein klassensprung ja dazu führen, dass er sich „noch schlechter“ im Vergleich zu den anderen fühlen würde.
Unser eigentliches Problem besteht darin, dass er immer öfter über Ängste berichtet, die ihn belasten. Auch klagt er in diesem Zusammenhang über Bauchschmerzen oder Übelkeit oder ein „so komisches Gefühl“, wenn ihn ein bisher unbekanntes Ereignis erwartet. Wir versuchen ihn inzwischen gar nicht mehr auf gewisse Dinge vorzubereiten. Zwar trifft es ihn dann manchmal härter, wenn er unmittelbar davor davon erfährt oder es sogar völlig unerwartet ihn erwischt, aber er kommt insgesamt dann damit besser klar, als wenn er sich tagelang damit quält und eine immer größer werdende Angst aufbaut…
Ein Beispiel war die Sprachtherapeutin, die sich alle Kinder der ersten Klassen nach und nach immer zu zweit gemeinsam angesehen hat. Er war als einziger nicht dran gekommen - da sie 21 Schüler sind, war seine größte Angst, dass er nun als einziger allein zu ihr muss. Außerdem wusste er nicht, was ihn erwartet - was ihn zusätzlich ängstigte (Erklärungen und Ermutigungen unsererseits zeigen kaum bis gar keine Wirkung).
Letztendlich kam er Wochen später mit anderen Kindern gemeinsam ohne Vorankündigung dran und alles war gut.
Aber solche „kleinen“ Dinge belasten ihn wöchentlich…

Ein anderes hochsensibles Kind (aber sozial reiferes) kam beim Klassentreffen auf mich zu und sagte, dass unser Sohn in der Klasse geweint hatte, weil er traurig war, dass andere bestraft wurden. Wir wussten von dem Ereignis, weil er es erzählt hatte. Aber er beschrieb es anders: alle wurden mit still sein bestraft, weil einige sich nicht an die Regel gehalten hatten. Während dieser Stillphase überkam ihm dann dieses „komische Gefühl“ und Heimweh.
Gemeinsam besprachen wir dann die Auslöser für seine Gefühle: 1. machte es ihn zu schaffen, dass er eine Strafe von der Lehrerin, die er so gerne hat und deren Ansprüchen er genügen möchte, gestraft wurde. 2. machte es ihn traurig dass alle gestraft wurden, wenn auch teils „unschuldig“. 3. ärgerte er sich über den Regelbruch der Kinder.
Zum Glück war dies das einzige mal, dass er vor der Klasse geweint hat. Es zeigt aber auch, dass er noch sehr viel zu lernen hat insbesondere im sozialen Bereich.
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Wenn man weint, ist das kein Zeichen für soziale Unreife. Ganz im Gegentei, wenn man weint, weil man den Schmerz der anderen teil, ist das ein Zeichen für die extreme soziale Reife für das Alter. Wenn das euer erstes Kind ist, mag er euch groß erscheinen. Aber selbst in der 7.-8. Klasse weinen manchmal Jungen, weil sie eine schlechte Note bekommen haben. Nicht dass ich das normal finde, aber das kommt eben vor. Mädchen können sich leisten in jedem Alter zu weinen.
Kelpie
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Kelpie »

Hallo,

mit unserem Sohn lief es in der Grundschule ähnlich.

Eine Lehrerin, die sehr langsam unterwegs war und ein völlig gefrustetes Kind, das nur noch im Schneckentempo das Allernötigste machte, um in den Klassenarbeiten zu zeigen, dass er es doch konnte.
Er sagte damals (2. Klasse) zu mir, er werde die Schule kündigen, weil er da eh nichts lernen würde.
Die Lehrerin war auch noch pädagogisch überfordert (Quereinsteigerin) und schrie ständig und beschimpfte die Kinder. Da fing unser Sohn an, zurück zu motzen und zu schreien und schon war die Katastrophe perfekt. Er war dann immer automatisch an allem schuld, was unter den Kindern vorfiel und landete ständig vor der Tür.

Wir hatten erst versucht, die Lehrerin zu bewegen, ihn mehr zu fordern, was sie nicht einsah, weil unser Sohn ja offensichtlich schon mit den normalen Aufgaben überfordert sei, weil er so langsam arbeitete.
Als wir ihm sagen, er solle mal Gas geben, dann gäbe es etwas spannenderes, hat er das ausprobiert und nur minimal fortgeschrittene Aufgaben bekommen, für die der Aufwand, aus seiner Sicht, nicht lohnte.

Die Direktorin sah das ohne Diagnose so, wie die Lehrerin: Unser Sohn war eine verhaltenstechnische Vollkatastrophe mit niedriger Intelligenz und Helikoptereltern.
Wir waren dann bei einem Kinderpsychiater. Der stellte fest, dass unser Sohn überdurchschnittlich begabt bis teilweise hochbegabt ist und Träumer-ADS hat.
Kaum hatten wir den Zettel mit dem IQ-Wert in der Hand, sah die Direktorin das ganz anders. Das ist halt in Deutschland und vermutlich auch in Österreich so. Wozu es keinen Zettel gibt, das existiert nicht.
Da durfte er probeweise und später komplett in die 3. Klasse springen, wo er auf eine Lehrerin traft, die ganz anders mit ihm umging. Die sagte dann der alten Lehrerin und der Direktorin in unserer Anwesenheit, unser Sohn sei ein liebes, schlaues Kerlchen, und sie hätte keine Probleme mit ihm. Der alten Lehrerin sind sämtlich Gesichtszüge entgleist. :lol:
Mittlerweile ist er in der 7. Klasse, und es gab nie wieder Beschwerden von irgendeinem Lehrer über bockiges Verhalten seinerseits.

Der Sprung war bei ihm damals der einzige Ausweg, weil er partout nicht die Schule wechseln wollte. (Die Parallelklasse war wegen mehrerer Jungs außer Rand und Band unmöglich. Die wäre keine Alternative gewesen.)
Jetzt, am Gymnasium, macht sich das ADS unangenehm bemerkbar und dass er zwar schnell begreift, aber mehr Wiederholungen braucht, als andere. Aber er will am liebsten gar nicht lernen.
Jetzt fände ich es gut, wenn er die 7. Klasse wiederholen würde, um zu reifen. Aber das will er partout nicht. Naja, wenn er Pech hat, fängt er sich eh in Französisch und Englisch Fünfen. Dann ist egal, ob er wiederholen will oder nicht.

Er musste damals natürlich eine Menge neben dem neuen Schuljahr aufholen. Er durfte ja nicht vorarbeiten. Auch die Feinmotorik und die Rechtschreibung waren, sagen wir mal, ausbaufähig. Aber da er so motiviert war, diese Lehrerin loszuwerden, war das kein Thema. Ich wünschte, er würde heute mal die Hälfte dieser Motivation für Englisch und Französisch aufbringen...
Dazu muss ich aber sagen, dass ich nur 20 Stunden arbeite und die Möglichkeit hatte, mit ihm zu lernen. Wenn ich mehr arbeiten würde, wäre das nicht möglich gewesen.

Was die Klassenkameraden angeht, passte unser Sohn nie richtig ins Schema. Er hatte im Kindergarten schon Freunde, die 1 bis 2 Jahre älter oder jünger waren. Bei ihm hängt das mehr davon ab, dass andere mit ihm auf einer Wellenlänge liegen, als vom Alter, und von der Sorte gibt es nicht so viele.
In seiner Klasse hat er keine Freunde, aber es kann gut sein, dass das eine Stufe darunter genauso wäre.

Mit Deinem Sohn würde ich mal ein ernstes Gespräch führen, was genau er will. Wenn er sich in dieser Klasse zu Tode langweilt, muss er springen oder wechseln. Oder er muss sich damit abfinden. Mehr Auswahl gibt es nicht.
Lehrer ändern sich nicht oder nur sehr selten. Entweder sind sie offen für Kinder, die anders ticken und suchen Möglichkeiten oder nicht.

Ihr könntet auch mal recherchieren, ob es bei Euch Schulen mit jahrgangsübergreifenden Klassen gibt. Da haben mehrere Eltern mit sehr intelligenten Kindern, die wir kennen, gut Erfahrungen mit gemacht, weil die Kinder da selbstständig in ihrem Tempo arbeiten können.

Dass er Angst hat, die Klasse oder die Schule zu wechseln, kann ich verstehen. Ich war auch so ein Kind, und ich harre gerade lieber in einer Firma aus, die mir seit Jahren nachhaltig auf die Nerven geht, als mir was neues zu suchen, weil ich denke, da könnte es noch schlechter sein. Aber als Kind hat man ja den Vorteil, dass die Eltern so etwas in die Hand nehmen können und dass man dann eben anderswo landet, ob man wollte oder nicht und dass die Chance besteht, dass es besser wird. (Vielleicht sollte ich mal meinem Mann sagen, dass er für mich was raussuchen und Bewerbungen schreiben soll. ;-))

Unsere Tochter hat sich in der Grundschule auch gelangweilt. Ihr war aber die nette Lehrerin und die Klassengemeinschaft wichtiger. Außerdem hatte sie keinen Bock, den fehlenden Stoff nachzuholen. Da hat sie lieber die Langeweile im Unterricht in Kauf genommen.
Sie ist aber kein ängstliches Kind. Bei ihr war das wirklich eine sachliche Abwägung von Vor- und Nachteilen.
Unserem Sohn war dagegen wichtiger, von der Lehrerin weg zu kommen. Die Klassenkameraden hat er dann noch auf dem Schulhof getroffen, und in der neuen Klasse war ein Junge, der vorher schon dabei gewesen war, sich zu einem seiner besten Freunde zu entwickeln.
Auguste
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Re: Schulangst, Unterforderung und Unverständnis

Beitrag von Auguste »

Kelpie hat geschrieben: Do 18. Nov 2021, 12:10 Hallo,

mit unserem Sohn lief es in der Grundschule ähnlich.

Eine Lehrerin, die sehr langsam unterwegs war und ein völlig gefrustetes Kind, das nur noch im Schneckentempo das Allernötigste machte, um in den Klassenarbeiten zu zeigen, dass er es doch konnte.
Er sagte damals (2. Klasse) zu mir, er werde die Schule kündigen, weil er da eh nichts lernen würde.
Die Lehrerin war auch noch pädagogisch überfordert (Quereinsteigerin) und schrie ständig und beschimpfte die Kinder. Da fing unser Sohn an, zurück zu motzen und zu schreien und schon war die Katastrophe perfekt. Er war dann immer automatisch an allem schuld, was unter den Kindern vorfiel und landete ständig vor der Tür.

Wir hatten erst versucht, die Lehrerin zu bewegen, ihn mehr zu fordern, was sie nicht einsah, weil unser Sohn ja offensichtlich schon mit den normalen Aufgaben überfordert sei, weil er so langsam arbeitete.
Als wir ihm sagen, er solle mal Gas geben, dann gäbe es etwas spannenderes, hat er das ausprobiert und nur minimal fortgeschrittene Aufgaben bekommen, für die der Aufwand, aus seiner Sicht, nicht lohnte.

Die Direktorin sah das ohne Diagnose so, wie die Lehrerin: Unser Sohn war eine verhaltenstechnische Vollkatastrophe mit niedriger Intelligenz und Helikoptereltern.
Wir waren dann bei einem Kinderpsychiater. Der stellte fest, dass unser Sohn überdurchschnittlich begabt bis teilweise hochbegabt ist und Träumer-ADS hat.
Kaum hatten wir den Zettel mit dem IQ-Wert in der Hand, sah die Direktorin das ganz anders. Das ist halt in Deutschland und vermutlich auch in Österreich so. Wozu es keinen Zettel gibt, das existiert nicht.
Da durfte er probeweise und später komplett in die 3. Klasse springen, wo er auf eine Lehrerin traft, die ganz anders mit ihm umging. Die sagte dann der alten Lehrerin und der Direktorin in unserer Anwesenheit, unser Sohn sei ein liebes, schlaues Kerlchen, und sie hätte keine Probleme mit ihm. Der alten Lehrerin sind sämtlich Gesichtszüge entgleist. :lol:
Mittlerweile ist er in der 7. Klasse, und es gab nie wieder Beschwerden von irgendeinem Lehrer über bockiges Verhalten seinerseits.
Ich finde es total krass, wie ähnlich die "Geschichten" sind.

Bei meinem Sohn half nur der IQ-Test auch nix, weil die Lehrerin sich den Bereich rauspickte, in dem er nicht überdurchschnittlich oder HB war und meinte "Aber daaaa ist er nicht überdurchschnittlich. Sooo schlau ist er also nicht.". Und die Schulleitung blies ins gleiche Horn. Letztlich wurde der Klassenwechsel (bei uns Parallelklasse) nur genehmigt, damit wir endlich Ruhe geben bzw. weil die Klasse eh aufgeteilt werden sollte. Und auch bei uns hat die neue Lehrerin überhaupt nicht verstehen können, warum die andere solche Probleme mit unserem Sohn hatte.
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