ADHS und ein bisschen Asperger

hochbegabt oder ADS oder beides?

Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Twochild » So 7. Jun 2020, 21:46

Rabaukenmama hat geschrieben:
Ja, so kenne ich das auch! ASS-Abklärung mit Lehrer-Fragebogen und ADHS-Abklärung ohne.


Okay. Ich meinte in den Diagnosekriterien gelesen zu haben, dass die Auffälligkeiten in mehreren Bereichen bestätigt werden müssen. Deswegen fand ich es ungewöhnlich. Aber das scheint es dann ja gar nicht zu sein ;)
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Twochild » So 7. Jun 2020, 21:48

Maca hat geschrieben:
Hallo,

Ignoriere den Untertest “Fluides Schlussfolgern“ einfach.
Der niedrige Wert ist kein Indiz für grundlegende Probleme deines Kindes logisch zu denken, sondern er zeigt einfach seine Unfähigkeit/ Unwillen die Konzentration längerfristig aufrechtzuerhalten und welcher Untertest dann schlechter ausfällt als seinem Potential entspricht, ist vermutlich Zufall, bzw. es betrifft das, was ihn aktuell am wenigsten zu fesseln vermag oder den letzten Teil.
Die Motivationskomponente spielt bei Aufmerksamkeitsstörungen eine extrem wichtige Rolle.

LG


Das ist auch eine Erklärung. Danke
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Twochild » So 7. Jun 2020, 22:20

Rabaukenmama hat geschrieben:Hat man euch gesagt, warum ADHS diagnostiziert wurde, worauf sich also die Diagnose stützt? Außer der mangelhaften Impulskontrolle (die auch andere Ursachen haben oder einfach eine (vorübergehende) Charakterschwäche sein kann), spricht von deiner Beschreibung nichts dafür. Bei meinem Sohn waren es außerdem (zusätzlich zur Impulsivität) noch motorische Unruhe, leichte Ablenkbarkeit, geringes Durchhaltevermögen und (bei der Testung) schwankende Grundstimmung. Gut, schwankende Grundstimmung kann man bei deinem Sohn vermutlich auch annehmen, zumindest was das kippen in diese Wut-Phasen anbelangt.


Vorübergehend ist die Impulskontrolle leider nicht. Ich fand es nur mit 5/6 Jahren noch nicht sooo auffällig im Vergleich zu Gleichaltrigen. Das sieht jetzt schon anders aus.
Er zeigt insofern deutliche Unruhe, als das er STÄNDIG redet, Geräusche produziert, summt oder singt. Er kommentiert im Prinzip alles was er tut oder gerade sieht. Mit seinen Händen ist er auch ständig in Bewegung. Entweder er pult irgendwo dran rum (Radiergummi, Fingernägel, Lippe ) oder er klopft irgendwo drauf rum. In seiner Zauberwürfelphase konnte er das gut umleiten, aber beim TV gucken z.B. geben wir ihm extra etwas zum "Fummeln" in die Hand, damit er nicht vor Anspannung an sich pult. Er steht häufiger auf oder rutscht auf dem Stuhl rum, wobei ich das nicht so sehr ausgeprägt finde.

Es ist nicht so, dass er im Unterricht einfach aufsteht. Da er sich in der Testung auch „vorbildlich“ verhalten hat, fragte der Arzt ja auch nochmal ausdrücklich nach und wir konnten für zu hause sowohl Impulsivität, als auch Unruhe bestätigen. Das brachte ihm dann die Diagnose ein.

Leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen bei Anforderungen sind hier übrigens auch täglich zu beobachten. Im Homeschooling umso mehr...
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon sinus » So 7. Jun 2020, 23:47

Twochild hat geschrieben:Vorübergehend ist die Impulskontrolle leider nicht. Ich fand es nur mit 5/6 Jahren noch nicht sooo auffällig im Vergleich zu Gleichaltrigen. Das sieht jetzt schon anders aus.
Er zeigt insofern deutliche Unruhe, als das er STÄNDIG redet, Geräusche produziert, summt oder singt. Er kommentiert im Prinzip alles was er tut oder gerade sieht. Mit seinen Händen ist er auch ständig in Bewegung. Entweder er pult irgendwo dran rum (Radiergummi, Fingernägel, Lippe ) oder er klopft irgendwo drauf rum. In seiner Zauberwürfelphase konnte er das gut umleiten, aber beim TV gucken z.B. geben wir ihm extra etwas zum "Fummeln" in die Hand, damit er nicht vor Anspannung an sich pult. Er steht häufiger auf oder rutscht auf dem Stuhl rum, wobei ich das nicht so sehr ausgeprägt finde.

Es ist nicht so, dass er im Unterricht einfach aufsteht. Da er sich in der Testung auch „vorbildlich“ verhalten hat, fragte der Arzt ja auch nochmal ausdrücklich nach und wir konnten für zu hause sowohl Impulsivität, als auch Unruhe bestätigen. Das brachte ihm dann die Diagnose ein.

Leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen bei Anforderungen sind hier übrigens auch täglich zu beobachten. Im Homeschooling umso mehr...


Das zumindest erlebe ich durchaus auch bei meiner Tochter und ich kenne keinen im Bekanntenkreis, der das nicht ebenso beklagt.
Alles andere was du beschreibst, finde ich tatsächlich auffällig.

Allerdings fällt mir dabei wieder ein, dass meine Tochter zumindest in der Schule wohl auch so ihre speziellen "Bewältigungsstrategien" hatte: Sie hat ihre sämtlichen Blei- und Buntstifte angeknabbert, tw sogar halb aufgegessen. Also das Holz.
Die Stifte sahen immer völlig zerstört aus. Radiergummis dito. Auch da sind wohl ab und an Teile im Magen gelandet.
Zu Hause allerdings konnte ich das Verhalten nicht beobachten.
Sie hat aber zwischen 2 und 5 ständig ihre Fingernägel abgeknabbert. Das hörte im Vorschul-/Grundschulalter dann heimlich, still und leise komplett auf. Hab ich daran gemerkt, dass ich diese auf einmal regelmäßig schneiden musste. (vorher war da nie was, was man hätte abschneiden können)

Sorry, wenn ich immer direkt meine Tochter zum Vergleich heranziehe - aber evtl hilft es euch ja irgendwie weiter...
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 8. Jun 2020, 15:01

Twochild hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Beim älteren Sohn habe ich vor der Medikation ausführlich besprochen, dass WIR (mein Mann und ich) WOLLEN dass er das Medikament ausprobiert, weil wir schauen wollen, ob es ihm damit besser gelingt, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten.

Nachdem wir die Entscheidung zum ausprobieren getroffen hatten haben wir nachträglich nicht noch so getan, als würden wir diese unserem Sohn selbst überlassen. Da gab es keine Überzeugungsarbeit zu leisten. .


Du hast natürlich Recht, dass die Eltern die Entscheidung tragen. Ich finde es vermutlich schwierig, weil ich die Argumente meines Sohnes gut nachvollziehen kann. Er sagt, dass er erst alles andere Ausprobieren möchte bevor er Medis nimmt, die ja für schwere ADHSler sind und das sei er nicht und auserdem habe es Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Er möchte zunächst Neurofeedback testen.
Ich habe nun mit ihm besprochen, dass wir morgen in einer Praxis für NFB anrufen. Da wir vermutlich erst in 4-6 Wochen einen Termin bekommen werden, kann er in der Zwischenzeit Medikamente TESTEN. Er ist damit ja nicht verpflichtet es ewig zu nehmen und wenn die negative Nebenwirkungen überwiegen sowieso nicht. Darauf konnte er sich einlassen. Mal sehen wie das ist, wenn er die erste Pille nehmen soll...

Ich zweifle vermutlich, weil ich immer wieder denke, dass es doch auch so geht.

Und schwupp, saß er heute heulend und schreiend auf dem Trampolin – es gab irgenwie Stress mit der Schwester – schlug sich selber vehement ins Gesicht begleitet von „ich bin blöd“ „ich will nicht mehr leben“ etc... Meine Tochter war total geschockt, da er das zum ersten Mal gemacht hat und wollte ihn davon abhalten, was es nur noch schlimmer gemacht hat. Er hat sich dann auf meinem Schoß recht schnell ablenken und halbwegs beruhigen lassen.

Da denke ich dann wieder, okay es muss etwas passieren.


Du hast auf meine Frage nach Leidensdruck geantwortet, dass er bei euch durchaus groß ist und die Beschreibungen deines Sohnes zeigen, dass es auch für ihn selbst so sein dürfte. Wie kommt dein Sohn übrigens darauf, dass die Medis nur für "schwere" ADHSler sind und er das nicht ist? Auch, wenn am Anfang dieses Threads noch nicht so klar war, welche ADHS-Merkmale dein Sohn hat, sind es doch mittlerweile ziemlich viele. Und es geht ja nicht darum, nur Medis zu geben, wenn jemand dem "Vollbild" (welches es bei ADHS kaum gibt) entspricht, sondern dann, wenn man sich dadurch eine Besserung der momentanen Situation erhofft. Kann es sein, dass er Diskussionen (nicht unbedingt von euch) mitbekommen hat, wo Medikamente grundsätzlich negativ dargestellt wurden? So nach dem Motto "Da werden Kinder ruhig gestellt" oder "Das sind Drogen"?

Bezüglich Nebenwirkungen muss man ohnhin ausprobieren. Das Medikament meines jüngeren Sohnes hat eine ellenlange Liste an Nebenwirkungen. Das hier sind nur die, die unter "sehr häufig" oder "häufig" fallen:

Schlaflosigkeit, Sedierung und Schläfrigkeit (Somnolenz), Parkinsonismus, Kopfschmerzen, Sturz, Ödem, Fieber (Pyrexie), Thoraxschmerzen, Kraftlosigkeit (Asthenie), Erschöpfung (Fatigue), Schmerzen, Harninkontinenz, Gelenkschmerzen (Arthralgie), Rückenschmerzen, muskuloskelettale Schmerzen, Muskelspasmen, Hautausschlag, Erythem, Bauchschmerzen, abdominale Beschwerden, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfungen, Durchfall, Dyspepsie, Mundtrockenheit, Zahnschmerzen, Atemnot (Dyspnoe), pharyngolaryngealer Schmerz, Husten, Nasenbluten (Epistaxis), verstopfte Nase, Hypertonie, Tachykardie, verschwommenes Sehen, Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Tremor, Dyskinesie, Schwindel, Dystonie, Akathisie, Schlafstörungen, Agitiertheit, Depression, Angst, Gewichtszunahme, gesteigerter oder verminderter Appetit, Hyperprolaktinämie, Grippe (Influenza), Ohrinfektion, Harnwegsinfektion, Nasennebenhöhleninfektion (Sinusitis), Infekte der oberen Atemwege, Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie)

Wir haben das gelesen und erst mal 1 Jahr lang gar nichts davon gegeben, bis der Leidensdruck so groß war, dass wir laut einer guten Freundin "knapp vor der Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus" waren, wo wir damit rechnen mussten, dass beide Kinder in ein Heim kommen. Da habe ich zu meinem Mann gesagt, dass Kinder wie mein jüngerer Sohn in einem Heim garantiert mit jeder Menge Medis "ruhig gestellt" werden und bevor es ohne Rückfrage an uns so weit kommt könnten wir es auch selbst ausprobieren. Und siehe da - unser Sohn zeigte und zeigt KEINE EINZIGE all dieser Nebenwirkungen und nicht nur die Meltdowns sind deutlich weniger geworden, unser Sohn hat auch viel mehr positives Interesse an seiner Umwelt und ist viel kommunikativer geworden. Ob das daran liegt, dass er durch die häufigen Anfälle gar nicht so aufnahmefähig sein konnte, oder an was anderem, wissen wir nicht.

Die Liste der Nebenwirkungen der MPH-Medikamente, die wir einige Zeit später beim älteren Bruder ausprobiert haben war deutlich kürzer und - im Verhältnis - harmloser. Aber er hat auf das unretardierte Ritalin gar nicht angesprochen (in langsam erhöhter Dosierung keinerlei erkennbare Wirkung, aber auch keine Nebenwirkungen) und bei "Ritalin LA" (retadiertes MPH-Produkt) hatte er so ziemlich die ganze Latte der möglichen Nebenwirkungen: extrem verringerter Appetit (hat die 2 Tage, wo wir es ausprobiert haben, jeweils 10 Stunden gar nichts essen wollen), Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Benommenheit, Gefühl der inneren Unruhe, Depressionen in Kombi mit ständigen Gedanken ans sterben :o ...

Laut Lehrerin und Hortbetreuerin war mein Sohn mit diesem Medikament kaum ansprechbar, ist wie ein Zombie durch die Gegend gewandelt und hatte an nichts Interesse. Nicht mal seine geliebten Comics wollte er lesen! Mein Sohn hat genau 2 von den Tabletten genommen (jeweils morgens). Ich hätte ja schon nach dem ersten Versuch absetzen wollen, aber da wollte mein Sohn es noch einmal ausprobieren um sicher zu gehen, dass sein Zustand wirklich in Zusammenhang mit dem Medikament so schlecht gewesen ist. Naja, und der zweite Tag war eben dasselbe. Dann war Schluss mit dem Versuch!

Ich kenne übrigens einen Jungen, der auch eine Asperger-ADHS-Kombi hat und der auf das unretardierte Ritalin extrem postiv angesprochen hat . Das habe ich schon weiter vorne in diesem Thread beschrieben. Die Mutter dieses Jungen ist Kinderärztin und sie hat wirklich lange alle anderen Möglichkeiten durchprobiert, ihrem Sohn zu helfen (Sozialkompetenz-Gruppe, Schulbegleitung, viel Sport, Selbsthilfgruppe für die Eltern,...) aber das Ritalin wir für diesen Jungen wirklich das Hilfreichste, was er bekommen konnte.

Bei Medis gibt es kein grundsätzlichen GUT oder SCHLECHT - jedes Kind reagiert einfach anders daraus und man kann oft nicht vorhersehen, was hilfreich ist und was nicht. Wir hätten nach dem mißglückten Versuch mit dem Ritalin LA auch noch andere Medis ausprobieren können, wollten dann aber erst mal sehen, was für eine Wirkung das Neurofeedback hat. Und siehe da, es war "unser" Weg ;) . Wobei ich noch nicht weiß, was jetzt auf uns zukommt. In seiner Grundschulklasse kommt mein Sohn gut ohne Medikamente zurecht und im Moment besteht weder auf seiner noch auf unserer Seite so viel Leidensdruck, dass wir wieder was ausprobieren wollen. Aber in 3 Monaten startet das Gymnasium und keiner weiß, wie das klappen wird. Es kann sein, dass wir dann doch wieder Medis ausprobieren müssen. Aber das entscheiden wir in der Situation.

Liebe Twochild, ich bin mir ganz sicher, dass ihr eurem Sohn kein Medikament, welches ihm sichtlich mehr schadet als nützt, länger als unbedingt notwendig geben werdet! Aber ich halte es für wichtig, dass ihr (als Eltern) auch hinter der Entscheidung steht, die Medikamente auszuprobieren. Da ist nichts mit "wärst du vielleicht bereit...." oder "du könntest ja..." sondern klar "Ich glaube, dass es dir helfen KÖNNTE, daher will ICH, dass du es probehalber für ... Tage nimmst!". Wenn du merkst, dass es gar nicht geht, wirst du ohnehin sofort absetzen. Aber dein Sohn soll wissen, woran er ist, er soll wissen, dass ihr als Eltern die Verantwortung dafür tragt, und es sollt nicht jeden Tag erneut Diskussionen wegen nehmen oder nicht-nehmen geben.

Wichtig ist auch, ihm klar zu machen, dass eine mögliche positive Wirkung des Medikaments ohnehin schon vorhandene Ressourcen bei ihm verfügbar machen kann. Ich habe schon von Kindern gehört, denen es mit Medis so gut gegangen ist, dass sie diese selbst als eine Art "Doping" gesehen haben und die dann Schuldgefühle entwickelt haben, weil ihnen das Medikament subjektiv einen Vorteil gegenüber den Mitschülern verschafft hat, den sie selbst nicht "verdient" hätten. Dabei hilft das Medikament nur, einen Teil der Störfaktoren auszublenden, mit denen neurotypische Kinder ohnehin kaum Probleme haben. Das sollte sich dein Sohn bewusst sein, wenn er das Medikament ausprobiert. Auch, dass die Dosierung erst angepasst werden muss, solltet ihr alle (auch dein Sohn) wissen. Es gibt Kinder, die erzielen mit einer verhältnismäßig niedrigen Dosierung sehr gute Fortschritte, andere hingegen "brauchen" deutlich mehr, damit sich überhaupt eine Wirkung zeigen kann. Daher ist durchaus möglich, dass man an Anfang gar keinen Unterschied bemerkt, was aber nicht heißen muss, dass das Medikament gar nicht wirkt. Hier ist eine gute Begleitung durch einen Arzt oder KJP wichtig. Alles Gute :) !
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Twochild » Mi 10. Jun 2020, 12:34

Rabaukenmama hat geschrieben:
Du hast auf meine Frage nach Leidensdruck geantwortet, dass er bei euch durchaus groß ist und die Beschreibungen deines Sohnes zeigen, dass es auch für ihn selbst so sein dürfte. Wie kommt dein Sohn übrigens darauf, dass die Medis nur für "schwere" ADHSler sind und er das nicht ist? Auch, wenn am Anfang dieses Threads noch nicht so klar war, welche ADHS-Merkmale dein Sohn hat, sind es doch mittlerweile ziemlich viele. Und es geht ja nicht darum, nur Medis zu geben, wenn jemand dem "Vollbild" (welches es bei ADHS kaum gibt) entspricht, sondern dann, wenn man sich dadurch eine Besserung der momentanen Situation erhofft. Kann es sein, dass er Diskussionen (nicht unbedingt von euch) mitbekommen hat, wo Medikamente grundsätzlich negativ dargestellt wurden? So nach dem Motto "Da werden Kinder ruhig gestellt" oder "Das sind Drogen"?


Wir haben neulich auf seine Anregung hin gemeinsam bei YouTube nach Videos geschaut und einen drei Minuten Beitrag von Logo gefunden. Der war okay. Die Überschriften die man da aber liest – und er kann echt schnell lesen- sagen ja auch schon einiges aus. Vielleicht hat er es daher.

Rabaukenmama hat geschrieben:Bei Medis gibt es kein grundsätzlichen GUT oder SCHLECHT - jedes Kind reagiert einfach anders daraus und man kann oft nicht vorhersehen, was hilfreich ist und was nicht. Wir hätten nach dem mißglückten Versuch mit dem Ritalin LA auch noch andere Medis ausprobieren können, wollten dann aber erst mal sehen, was für eine Wirkung das Neurofeedback hat. Und siehe da, es war "unser" Weg ;) . Wobei ich noch nicht weiß, was jetzt auf uns zukommt. In seiner Grundschulklasse kommt mein Sohn gut ohne Medikamente zurecht und im Moment besteht weder auf seiner noch auf unserer Seite so viel Leidensdruck, dass wir wieder was ausprobieren wollen. Aber in 3 Monaten startet das Gymnasium und keiner weiß, wie das klappen wird. Es kann sein, dass wir dann doch wieder Medis ausprobieren müssen. Aber das entscheiden wir in der Situation.


Toll, dass das Neurofeedback bei eurem Sohn so gut „angeschlagen“ hat. Wir haben jetzt wieder erwarten in der nächsten Woche den ersten Termin dafür bekommen. Somit werden wir nun doch zuerst Neurofeedback probieren. Kannst du noch sagen, nach wieviel Sitzungen du eine Veränderung gespürt hast? Ich vermute, dass es eine ganze Weile dauern wird.

Rabaukenmama hat geschrieben:Aber dein Sohn soll wissen, woran er ist, er soll wissen, dass ihr als Eltern die Verantwortung dafür tragt, und es sollt nicht jeden Tag erneut Diskussionen wegen nehmen oder nicht-nehmen geben.

Wichtig ist auch, ihm klar zu machen, dass eine mögliche positive Wirkung des Medikaments ohnehin schon vorhandene Ressourcen bei ihm verfügbar machen kann.


Da gebe ich dir voll und ganz Recht, dass es unsere Verantwortung ist.
Besonders wichtig finde ich aber auch den zweiten Satz. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich irgendwann „abhängig“ fühlt. Im Sinne von „ich kann nur mit Medikament Leistung zeigen – ohne bin ich blöd“. Und das ist natürlich Quatsch. Wenn ich sehe – und vorallem HÖRE wie er zwei Stunden am Stück Schlagzeug spielt ist klar, dass er sich bei Motivation sehr wohl gut und lange konzentrieren kann. Und auch Sachen für die Schule klappen ja – je nach Interesse.
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 10. Jun 2020, 18:05

Hallo Twochild!

Bei Neurofeedback habe ich - ehrlich gesagt wider Erwarten - schon nach 3 Sitzungen eine Besserung bemerkt. Ich war aber anfangs noch skeptisch ob das wirklich im Zusammenhang mit dem Neurofeedback war - schließlich hatte mein Sohn ja auch davor immer wieder "gute Phasen". Insgesamt hatte mein Sohn 30 Sitzungen - die letzte kurz vor dem Corona-Lockdown. Damit ist der Hauptteil angeschlossen. Dann hatten wir ja 3 Monate "Zwangspause", wo aber keine Rückschritte feststellbar waren. Aber gerade für meinen Sohn war die Corona-Zeit insgesamt ja sehr entspannt und vermutlich weniger belastend als der Schulalltag ;) .

Jetzt wird empfohlen, noch 1x im Monat noch einen Termin zu machen, damit der Erfolg nachhaltig bleibt.
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Re: ADHS und ein bisschen Asperger

Beitragvon Meine3 » Do 11. Jun 2020, 21:30

Hi,

Mein Sohn wurde auch auf ADHS getestet im Vorschulalter. Der Fragebogen fiel nicht eindeutig aus. Viele Merkmale waren im auffälligen Bereich, aber einige (zu diesem Zeitpunkt war es zu Hause noch nicht so schlimm, dafür aber im Kindergarten, das war wohl der ausschlaggebende Punkt, warum ADHS damals nicht diagnostiziert wurde) eben nicht. Wenn ich den Fragebogen heute ausfüllen WÜRDE, hätten wir die ADHS-Diagnose recht sicher 8-).

Ich weiß nur nicht, ob ich das wirklich will. Ich weiß auch nicht, ob mein Sohn oder wir als Familie es wirklich brauchen oder ich nur zu empfindlich bin :roll:. ADHS ist leider eine Diagnose, die oft zu schnell gestellt wird. Das führt zum Einen dazu, dass sie ADHS als Krankheitsbild in der Gesellschaft nicht ernst genommen wird UND dass man eben auch Angst davor hat, dass das Kind vielleicht doch kein ADHS hat, sondern einfach nur "etwas lebhafter" als andere Kinder ist. Ich denke, es kommt auf den Leidensdruck an. Dieser ist das Zünglein an der Waage. Und zwar der des Kindes und auch der Familie. Es gibt Tage, da tendiere ich dazu, mir meinen zappelnden, durchdrehenden Sohn unter den Arm zu klemmen und mit ihm DIREKT zum nächstbesten Diagnostiker zu schleifen, weil ich die Schnauze einfach voll habe und nicht mehr kann oder weil er selbst so zerrissen wirkt, dass ich sehe, es geht ihm einfach nicht gut. Und dann gibt es wieder Tage, da ist er ganz "normal" :| und ich sehe Kinder, Jungs, in seinem Alter, die ganz ähnlich "ausrasten". Dann fange ich an zu zweifeln und zu hinterfragen ob meine Wahrnehmung vielleicht nicht stimmt.. Mein Sohn ist jetzt 7,5. Tendenziell werden die guten Phasen weniger und die schlechten Phasen länger. Daher denke ich, dass wir auch bald den Weg zur KJP noch einmal gehen werden.

Ich bin auch gegen Medikation. Fand das immer schlimm, wenn ich von Ritalin und Co. hörte. Aber jetzt, mit einem Kind, dass sich manchmal SO sehr selbst im Weg steht und den ganzen Familienalltag damit lahmlegt, da ertappe ich mich schon manchmal bei dem Gedanken, wie schön es wäre, einfach eine kleine Pille zu haben, die diese "Spitzen" kappt und somit die See insgesamt etwas ruhiger ist...

Gruß

Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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