ADS gibt es doch

hochbegabt oder ADS oder beides?

ADS gibt es doch

Beitragvon Maca » Sa 14. Mai 2016, 12:38

Hallo liebes Forum,

Da man auch hier immer wieder vom Mythos AD(h)S liest ist es mir ein kurzes Anliegen von dem langen Weg unserer 12 jährigen Tochter zu berichten,der nun mit der gesicherten Diagnose einer ADS schwerer Ausprägung endete.Da hypoaktive Kinder gerade im schulischen Kontext oft als sehr pflegeleicht (still,verträumt und langsam stört ja keinen) gelten,fallen sie kaum auf.
Das Chaos in ihrem Kopf bekommt die Umwelt kaum mit,für die betroffenen Kinder sind ihre in alle Richtungen schießenden Gedanken normal,sie kennen es ja auch nicht anders.
In einer schnell getakteten Leistungsgesellschaft ist für solche Kinder kein Raum,ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl leiden häufig enorm.Je besser sie mit kognitiven Grundressourcen ausgestattet sind,desto besser und länger können sie sich den Anforderungen von außen anpassen.
Häufig zu einem hohen Preis der nicht selten in Depressionen,massiven Lernblockaden,dekompensierten Wutattacken ,Selbstverleugnung endet.
Zuckerfreie Kost,Kinästhetik,Konzentrationstraining wie das Marburger Konzept,Omega 3 und 6,Maltherapie,Lerntherapie,Ergotherapie,Spirulina und Chorellaalge,Kost frei von unnötigen Zusatzstoffen,Trampolintherapie.......--haben wir alles versucht
Fazit: Es tut gut ,bringt Freude ,an der Grundproblematik ändert es bei schwerer Ausprängung NICHTS!

Kinder mit einer extremen Reizfilterschwäche leiden sehr.
Ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind eingeschränkt.

Bedauerlicherweise gibt es viele Kinder,denen fälschlicherweise eine ADS oder ADHS angedichtet wurde. Werden diese dann mit Medikamenten eingestellt geht es ihnen damit nicht besser oder sogar viel schlechter.
Das kommt vor,daher ist eine Diagnostik sehr lanwierig und sollte nur von erfahrenen Spezialisten erfolgen.

Ich schreibe das nur,weil ich mich zur Zeit besonders über Aussagen wie "Modediagnose,ADHS gibt es nicht "etc. ärgere.

Wenn man selber betroffen ist erweitert sich zumindest der eigene Horizont.

Leider habe ich auf Kosten meines Kindes lange Jahre diese Störung als liebenswertes Charakeristikum wahrgenommen und war der Meinung,daß die Pathologisierung dessen,ein gesellschaftliches und nicht das Problem meiner Tochter sei.
Maca
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 14. Mai 2016, 14:29

Hallo liebe Maca,

bei ADS ist es leider so, dass die Diagnose ausschließlich auf Grund von Indizien und Mutmaßungen gestellt wird. Daher gibt es auch so häufig Fehldiagnosen. Ich bin mir aber sicher dass es ADS gibt (also dass es keine Erfindung oder Modeerscheinung ist) und ich vermute sogar stark dass ich selbst davon betroffen bin. Ich kann mich jetzt, mit meinen 44 Jahren, immer noch nicht auf EINE Sache konzentrieren. Meine Gedanken hüpfen ständig herum und mir kommt oft vor als würde in meinem Kopf ständig ping-pong gespielt. Das geht sogar im Schlaf weiter, denn meine Träume in der Nacht gleichen in Tempo und Sprunghaftigkeit meinen Gedanken am Tag.

Mittlerweile habe ich Strategien entwickelt damit umzugehen und komme im Leben sehr gut klar damit. Meditieren kann ich überhaupt nicht, sobald ich an NICHTS denken soll denke ich an ALLES: Aber ich helfe mit mit ein paar Slogans, an die ich mich bestmöglich halte, selbst über die Runden. Diese lauten z.B. "nur einen Tag nach dem anderen" und "im heute leben" oder auch "Das Wesentliche zuerst". Ich weiß mittlerweile, wie ich selbst "ticke" und baue mir in meinen Tagesablauf immer wieder Hilfestellungen ein, die mir ermöglichen, nicht im Chaos zu versinken.

Um auf Deine Tochter zurückzukommen: du weißt mittlerweile, dass sie in der Hinsicht anders ist als die meisten und aktzepierst das. Da unterstützt sie, läßt sie aber auch ihren Weg finden. Das ist völlig ausreichend!

Es ist nicht wichtig ob "die anderen" ADS für eine Erfindung und Eltern deren Kinder daran leidern, für unfähig halten. Die Meinung dieser Leute ist völlig belanglos. Die Menschen, die Dich und Deine Tochter kennen werden selbst entscheiden ob sie euch mögen oder nicht. Selbst wenn bei den echten Freunden jemand dabei sein sollte, der ADS für eine Zeiterscheinung hält, wird der/diejenige hoffentlich die Tolerenz haben, euch zuzugestehen, welche Handlungsweisen ihr für sinnvoll und notwendig erachtet.

Lange Zeit wurden ja auch Depressionen als "Modekrankheit" abgetan und es gab so Aussagen wie "Früher hat es das auch nicht gegeben!". Natürlich reiner Quatsch, nur hieß es früher "Schwermut" und Menschen, die davon betroffen waren bekammen keine Hilfe sondern wurden im schlechtesten Fall als "Narren" einfach weggesperrt. Und mit "Hilfe" meine ich längst nicht nur Medikamente sondern auch Strategien mit der Schwermut umzugehen, die Möglichkeit zum Gespräch sowie die Akzeptanz auch dieses Teils der Persönlichkeit. Heute bezweifelt kaum mehr wer dass es Depressionen gibt. Trotzdem werden immer noch viele Fehldiagnosen gestellt, für Menschen, die nicht arbeiten wollen ist es einfach ein "burnout" vorzutäuschen während sich andere, die es tatsächlich haben, mit Müh und Not durch jeden Tag quälen und keiner bemerkt es.

Was ich damit sagen wil: jede Erkrankung geistiger oder psychischer Art, die sich nicht klar diagnostizieren läßt, ist mit einer Art Stigma behaftet. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Ändern können wir nur UNSERE EIGENE Einstellung dazu. Wenn Du erkannt hast, dass Deine Tochter ADS hat, dann reicht es, wenn DU dir sicher bist. Andere, die eine vorgefasste Meinung dazu haben, wirst du sowieso nicht überzeugen. Da heißt es damit leben lernen dass diejenigen es anders sehen. Der eigenen Wahrnehmung zu trauen erfordert jedoch Mut und Selbstsicherheit. Beides Dinge, die ich selbst sehr mühsam lernen mußte.

Bei meinem gehörlosen Sohn würde niemand auf die Idee kommen, die Gehörlosigkeit anzuzweifeln. Aber die jetzt zusätzlich im Raum stehende Wahrnehmungsstörung ist ganz schnell im Vorurteilsmorast unter "Erziehungsfehler" eingeordnet. Aber wie sagte schon Goethe?:

Was ihr nicht tastet steht euch meilenfern, was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
was ihr nicht rechnet, meint ihr, sei nicht wahr, was ihr nicht wägt hat für euch kein Gewicht,
was ihr nicht münzt, das - meint ihr - gelte nicht!

Und dann noch das, was in meiner neuen Signatur steht (auch von Goethe ;) ). Alles Liebe!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Maca » Sa 14. Mai 2016, 22:14

Vielen Dank für deine lieben Worte Rabaukenmama!

Ja,Schritt für Schritt,anders geht es nicht ;) !

Interessant,was du von dir berichtest.

Wenn du es trotzdem schaffst deine Konzentration lange und zielgerichtet zu halten,alle Achtung!
Wahrscheinlich auch deinem hohen IQ geschuldet :) -

glg
Maca
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon lissi74 » So 15. Mai 2016, 22:16

Liebe Maca,

bei meinem Sohn wurde ADHS diagnostiziert. Es ist sehr ausgeprägt und durch die Hyperaktivität ist das schon sehr früh aufgefallen, dass er einfach aus jeglichem Raster fällt. Dennoch haben wir uns anfangs im KiGa noch nicht darauf eingelassen und haben lange nach anderen Gründen und Möglichkeiten gesucht. Ich denke ich kenne im Umkreis von 80 km fast alle guten Osteopathen, Ergopraxen und Heilpraktiker. Wir waren im Elterntraining, Basische Ernährung, keine Zusatzstoffe, kein Zucker, kein Fernsehen, keine Videospiele, Psychomotorik, Integrationshilfe im KiGa, Begabtendiagnostik, Entwicklungsdiagnostik etc. Es ist ein langer Weg, bis man findet und akzeptiert was dahinter steckt und bei uns ist es wohl noch nicht vorbei, denn es steht auch noch eine Diagnostik zu Asperger an.

Am Anfang war er sehr jung und dass er intelligent ist hat uns immer jeder gesagt, deshalb schiebt man das auf das Alter und hofft, dass sich das irgendwann gibt, dass er ruhiger wird, Sachen endlich mal zu ende macht, sich weniger aufregt, mit gutem Beispiel Frusttolleranz aufbaut usw.

Da er unser erstes Kind war, hatte ich kein Ahnung. Alles was passiert ist habe ich direkt auf uns und unser Verhalten geschoben, was nicht ganz falsch ist, denn wenn es stressig ist, dann tickt er natürlich schneller aus, aber eben einfach anders als andere Kinder und das zu erkennen, zu verstehen und zu akzeptieren ist sehr schwer. Wir haben von einigen Eltern tatsächlich schon gesagt bekommen, dass wir unser Kind nicht erziehen könnten. Das hat mich sehr stark verletzt und auch meinen Mann hat das sehr getroffen. Auch eine enge Freundin hat mich oft beurteilt und versucht mit guten Ratschlägen zu belehren. Jedes mal danach fühlt man sich sehr schlecht und zweifelt an allem, was der Gesamtsituation und dem Kind sicherlich nicht gut tut. Mittlerweile bin ich wesentlich distanzierter. Ich meide solche Leute, ich schütze mein uns und Kind vor solchen Situationen (früher dachte ich wir müssen an jeder gesellschaftlichen Veranstaltung teilnehmen, der soziale Druck am Land ist doch recht groß). Es geht uns besser und es bleibt doch noch eine handvoll Menschen, die uns unterstützen und bestärken und oft auch sagen wie gut wir das doch alles machen.

Mittlerweile sehen viele ja auch, dass es nicht an uns liegt, denn meine Tochter ist ganz anders, höflich, sehr charmant, hat viel Kontakt, selten Streit, schreit nicht sondern fügt sich super ein und ist überall sehr beliebt. Leider war die Verteilung bei uns äußerst unfair, mein Sohn muss ich alles hart erarbeiten und ist deshalb oft wütend und gefrustet. Meine Tochter macht intuitiv bestimmte Sachen richtig und kann daher Stress und Streit gut vermeiden. Das tut mir sehr leid für ihn. Allerdings muss ich auch sagen, dass er gerade von ihr unglaublich vieles lernt im sozialen Bereich. Das ist wohl mehr wert als alles und mittlerweile bin ich der Meinung er hätte viel früher ein Geschwisterchen an seiner Seite gebraucht. Auch weil er sie abgöttisch liebt und sich sehr um sie bemüht, auch wenn das oft ungeschickt und unbeholfen wirkt.

Das mit der Modediagnose ist wirklich ein grundlegendes Problem. Als verantwortungsvolle und gut informierte Eltern will man das natürlich völlig vermeiden, denn man weiß ja welchem Typ Kind diese Diagnose am häufigsten zugeschrieben wird. Tatsächlich ist es mit Sicherheit auch so, dass in sozail schwächeren die Diagnose häufiger gesstellt wird. Denn mit ADHS wirklich erfolgreich werden ist eher schwierig, da die Krankheit erblich ist, haben also meist die Eltern schon einen harten Weg hinter sich ohne eine Diagnose zu haben, aber meist eben auch ohne Abi oder Studium. Desweiteren ist der Erwartungs-/Erfolgsdruck bei höher gebildeten Eltern höher, wenn dann die Kinder nicht funktionieren wird früher nach einer Ursache gesucht. In wie weit oft eine falsche Diagnose gestellt wird weiß ich nicht. Ich kann nur von uns behaupten, dass da etwas ist, was mein Sohn nicht von selbst geordnet bekommt. Wenn jemand meinen Sohn beim Hausi machen sehen würde, würde er das Problem mit der Konzentration sofort erkennen auch die Reizfilterschwäche ist sehr ausgeprägt und dann eben der starke Bewegungsdrang. Das ist schwer auszuhalten für ihn, da kommt es oft zu Frust und Ärger, der ihn im sozialen Bereich eben auch nicht weiter hilft. Denn er ist so sehr mit sich und seinen Problemen beschäftigt, die anderen da noch mit einzubeziehen und zu berücksichtigen ist für ihn fast nicht möglich. Ich merke wenn nun Ferien sind, dass das viel besser funktioniert und er viel gelassener und entspannter ist, da wird nicht gleich geweint oder geschrieen, weil was nicht so funktioniert.

Also ja Maca ich bin voll bei dir und verstehe dich. Auch in Bezug auf das ADS... ich habe oft gesagt, dass ich sogar froh bin, dass mein Sohn so expressiv ist und immer zum Ausdruck bringt, wenn etwas nicht stimmt. Es MUSSTE ihm schon allein deshalb immer geholfen werden. Wäre er introvertiert mit gleichen Problemen, wäre das sicherlich noch weniger ernst genommen worden und auch von uns nicht so schnell in diese Richtung gelenkt worden. Denn wenn er in seiner Träumerphase ist, dann ist er sehr angenehm und ruhig, das bedeutet aber nicht, dass er grundsätzlich besser klar kommt. Er stört nur den Rest der Welt nicht, was er sonst recht gut drauf hat... :mrgreen:.

Dass andere Menschen so über ADHS denken ist nicht verwunderlich, denn es gibt einfach sehr viel in den Medien dazu und die meisten haben Angst vor dieser "Krankheit". Ich finde den Vergleich von Rabaukenmama mit den Depressionen ganz gut. Geht man noch weiter zurück wurde früher auch den Eltern die Schuld für Autismus zugewiesen. Ich vermute es dauert noch einige Zeit, evtl braucht es noch bessere Diagnostikmethoden oder effektivere Therapiemethoden, damit diese Krankheit nicht mehr einen solch schlechten Ruf hat.

Ich hoffe immer, das richtige für unseren Sohn zu tun, ob es letztendlich auch tatsächlich der richtige Weg ist, weiss ich nicht, denn wir können ja immer nur einen gehen... das Ergebnis der anderen erfahren wir nie.

Liebe Maca fühl dich gedrückt und mehr als verstanden! Ich hoffe, dass wenigstens ein paar Menschen die das hier lesen ihre Vorurteile nochmal überdenken und den Kindern und Eltern eine Chance geben!

Viele Grüße!
Lissi
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon elboku » Mo 16. Mai 2016, 10:08

Hallo,

es freut mich, dass ihr für eure Tochter eine Diagnose gefunden bzw. bestätigt bekommen habt.
Das ist sicher eine Erleichterung, wenn man jetzt auch durch Therapien unterstützen kann.

Ich hab einen ganz interessanten Artikel gefunden, der vielleicht auch dich interessieren könnte:
http://kolleg-dat.de/downloads/M%C3%A4dchen%20und%20Frauen%20mit%20ADHS.FinaleVersionJuni2015.pdf

Alle Gute weiterhin!
Lisa
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon orangenminze » Di 17. Mai 2016, 20:23

Hallo Maca,

danke für Deinen Bericht. Ich kenne mich bisher weder mit ADHS noch mit ADS aus, bzw. habe noch kein Kind kennen gelernt, von dem ich diese Diagnose weiss, habe also gar keine Vergleichsmöglichkeiten. Möchte mir auch überhaupt nicht anmaßen, darüber zu urteilen, ob es das gibt oder nicht. Wie bei allen Syndromen ist bestimmt schwierig, eine Diagnose zu treffen. Wenn ich unseren großen Sohn so beobachte, habe ich den Eindruck, dass er Schwierigkeiten hat, Reize zu filtern und es für ihn sehr anstrengend ist, z.B. Geräusche zu ignorieren, da reicht das Rollen eines Balles zwei Zimmer weiter, um ihn aufhorchen zu lassen...
Wenn das bis zum Schulalter so bleibt, dann denke ich, werden da vermehrt Schwierigkeiten auf uns zukommen, denn dass es ihn Anstrengung kostet, sich bei bestimmten Tätigkeiten nicht von äußeren Reizen ablenkgen zu lassen, dass ist deutlich spürbar und sichtbar. Ich habe es an anderer Stelle schon mal beschrieben, dass ich oft das Gefühl habe, dass er von Reizen regelrecht überflutet wird.
Eure Tochter kenne ich natürlich nicht, aber sie hat Euch als Eltern, die sie unterstützen und annehmen, wie sie ist, das wird bestimmt eine Menge ausmachen.
Wahrscheinlich habe ich kein ADS (wobei ich mich wie gesagt noch nicht ausführlich damit beschäftigt habe), aber vielleicht Anteile? Zumindest weiss ich, dass die Grundschulzeit an mir vorbeigeplätschert ist und ich fokussiertes Denken im schulischen Sinne definitiv erst im Gymnasium erlernt habe. Zum Beispiel haben wir in der Grundschule im Sachunterricht mal lang und breit druchgenommen, wie Schuhe geputzt werden. Mit Arbeitsblatt, Bildern, etc. Ich kann mich gut an daran erinnern, dass ich nach dieser UE vor der Klasse stand und eben nach diesem Ablauf meine Schuhe putzen sollte... das Gelächter meiner Klassenkameraden war furchtbar, geschweige denn die spöttischen Worte des Lehrers. Ich hatte mir nichts gemerkt, habe es nicht geschafft, meine Schuhe zu putzen. Ähnlich erging es mir bei der Fahrradprüfung. Dank einer sehr strengen, aber liebevollen Klassenlehrerin habe ich von der 5. bis zur 7. Klasse mühsam gelernt, zuerst meine Schulsachen zu ordnen (Hefte usw.). Sie hat mir z.B. beigebracht, ein Schulheft strukturiert zu führen, erklärt, wie Unterrichsinhalte notiert werden usw... Über ganz viel äußere Struktur habe ich es irgendwann geschafft auch im Kopf den Unterrichtsinhalten fokussierter folgen zu können.
Lg Orangenminze
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Maca » Di 24. Mai 2016, 16:51

Hallo ihr Lieben,

Ich danke euch sehr für eure Antworten,die,nach einem 9tägigen Kurzurlaub gelesen,richtig gut taten! :D

In der Zwischenzeit habe ich mich weiter mit dem Thema beschäftigt und wir müssen uns nun als Familie gemeinsam auf den Weg machen,unsere Tochter bestmöglich zu unterstützen.

Viel Routine,wenig Spontanität,puuuhhh :shock: !

@lissi 74,du kennst das alles ja nur zu gut! Ich fand es sehr berührend zu lesen,wie liebevoll dein Sohn sich um seine kleine Schwester bemüht und wie verständnissvoll sie mit seiner Ungeschicklichkeit umgeht.
Bestimmt ist bei deinen Kindern nicht immer alles absolut harmonisch,aber ein liebevoll höflicher Umgang unter den Geschwistern ist sehr,sehr kostbar!
Leider herrscht bei uns oft ein eher barscher Ton,unter den Geschwistern gibt es Dauerkrieg!
So sehr ich mich bemühe geduldig,liebevoll und gelassen zu bleiben,muß ich doch ganz ehrlich zugeben,dass es mir leider viel weniger gelingt,als ich mir vornehme.
Es wird wohl so sein,das muß ich eingestehen,daß sie die Disposition von mir hat.
Eine ziemlich reizfiltergeschwächte Mutter mit schlechter Impulskontrolle ,schlecht organisiert und unkonzentriert,ist leider für meine Tochter ein schlechtes Vorbild! :?
Wenn dann auch noch schnippische Bemerkungen von außen kommen,bin ich bedauerlicherweise äußerst unentspannt!
Aber daran kann man zum Glück arbeiten.
Daß du nun Menschen meidest,die jederzeit ungefragt ihre aus Halbwissen und Selbstgerechtigkeit entstandenen Weisheiten zum Besten geben,kann ich sehr gut verstehen.
Komisch,ich merke gerade ,wie falsch ich manche Menschen eingeschätzt habe.Einige begegnen uns mit so viel Empathie ,Interesse und zurückhaltender Unterstützung,womit ich niemals gerechnet hätte,andere ,die ich für Freunde hielt,sind uninteressiert,verurteilend,ablehnend!
Ich hoffe,daß ihr für eure weitere Diagnostik noch die Kraft und Motivation findet und euch ein Ergebnis weiterbringt.

@elboku,vielen Dank für deinen Link! :D War teilweise sehr zutreffend!

@orangenminze
Ja das klingt auch bei dir und deinem Sohn ein wenig nach Reizfilterschwäche! Bei meiner Tochter reicht schon ein leises Räuspern zwei Zimmer weiter ,um sich ablenken zu lassen,aber ein Ball täte es auch!!!!! ;)
Das Zauberwort ist und bleibt STRUKTUR!
Desto routinierter und gleichförmiger der Alltag für aufmerksamkeitseingeschränkte Kinder ist,desto besser werden die Probleme kompensiert. Und Intelligenz wirkt natürlich auch sehr ausgleichend,man sollte aber das Grundproblem trotzdem immer im Auge haben. Denn mit der Steigerung der Anforderungen im Alltag,die ja im Laufe der Zeit an Komplexität immer mehr zunehmen,können auch Hochbegabte,und überdurschnittlich begabte ADS Kinder irgendwann haltlos überfordert sein.
Sie haben zwar immer noch ein sehr differenziertes,nahezu intuitives Verständnis von allem,können das aber oft nicht mehr in Leistung umwandeln.Die Neurotransmitter im Gehirn werden viel zu schnell verbraucht,weil zu viele (auch unwichtige) Reize gleichzeitig verarbeitet werden.
Meine Tochter sagt nun immer ,, Bei mir ist der Strom schneller verbraucht,hab halt viele kleine Glühbirnen die auch in muffigen Ecken brennen und keine Ernergiesparlampe die nur da brennt wo man auch sehen muß!"



ganz liebe Grüße
von Maca
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Koschka » Di 24. Mai 2016, 18:54

Einer der tiefsten Probleme des Schulsystems liegt daran, dass von allen die gleiche Art Leistung gefragt wird. Gerade die Eigenschaft muffige Ecken zu beleuchten kann zu erstaunlichsten Entdeckcungen und erfolgrechem Querdenken führen. Das ist aber während der Schulzeit eher wenig gefragt. Gleichzeitig lernen die Kinder in der Schule viel zu wenig die Unmenge der Informationen, mit denen sie überschüttet werden richtig zu strukturieren. Schon in der 1. Klasse beginnt Chaos mit tausenden losen Arbeitsblättern, die man ja nicht wegschmeißen darf, mit schön bebilderten Mathebüchern, in denen man vor lauter Farbe keine Zahlen mehr sieht und Klassenzimmern, die von lautem Material so voll behängt werden, dass eine Entspannung nur durch Blicken ins Freie zu finden ist. Das wird noch von modernen "Spiel und Kuschelpädagogik" gekrönt. Ach ja, Beamer habe ich vergessen, Der darf nicht in der Schulklasse fehlen, damit man noch mehr bunte Bilder produzieren kann.
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Maca » Mi 25. Mai 2016, 09:19

@Koschka,strukturierte Wissensvermittlung findet an unserer Schule wahrscheinlich vergleichsweise nochmal unterdurchschnittlich statt :(
Da werden in Mathe z.b. zuvor vergessene Themen plötzlich völlig unpassend reingeschoben,in Geschichte wird das notwendige Grundverständnis für stetig parallel ablaufende Ereignissen für die Kinder nicht greifbar vermittelt.
Sie haben einfach große Probleme damit sich vorzustellen ,daß in den einzelnen Zeitepochen gleichzeitig unglaublich viel passiert (e) ,was sich sowohl unabhängig als auch abhängig voneinander entwickelte.Die Dynamik und Komplexität von historischen Prozessen wirklich zu verstehen,wäre für Kinder eine so wichtige Bereicherung. Reines Faktenwissen bleibt ohne emotionalen Bezug und ist somit nach meinem Empfinden nutzlos,wenn nicht sogar schädlich.Weil es das Verständnis von Komplexität einschränkt. Das zieht sich durch die meisten Fächer und wird dann gerne durch moderne Medien wie Beamer u.a. schlichtweg kaschiert.
Schulkinder hangeln sich von Nahziel (nächste Klassenarbeit) zu Nahziel (nächstes Referat), sind erleichtert ,wenn die Leistung mit den Erwartungen übereinstimmte.Wissenserwerb ist zweckgebunden ,gekoppelt an das Resultat einer guten Noten,Freude an diesem und ein kreativer Umgang mit ihm gibt es nur vereinzelt.Sehr,sehr schade!
Maca
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Re: ADS gibt es doch

Beitragvon Koschka » Mi 25. Mai 2016, 15:12

Hallo Maca,

da hast du sicherlich Recht. Obwohl meine Kinder kein schlechtes Geschichte Lehrbuch haben, ist es daraus nicht ersichtlich, dass Griechen und Römer nebeneinander und nicht hintereinander gelebt haben. Gut vernetzt fand ich die Bücher der Arena Bibliothek des Wissens (Lebende Geschichte und Lebende Biographien). Die sind zwar sehr einfach, aber ich habe sie selber mit Spaß gelesen.

Einige nicht unbekannte Padagogen reden schon seit Jahren davon, dass der Lehrplan völlig überladen ist, und so erworbenes Wissen auf Dauer nicht haltbar ist. Keiner hört zu, es wird nur mehr und mehr reingepackt. Ich habe die Woche in der Hand ein Chemie Lehrbuch für 5/6 Klasse gehabt (Gesamtschulausgabe). Es ist unglaublich, was die Kinder, die nicht mal Gymnasialzweig besuchen, dort in so einem zarten Alter lernen müssen. Sie haben keine Ahnung von chemischen Formeln und Prinzipien überhaupt, aber sie müssen Eigenschaften der Abgase, Wirkungsprinzip von Ottomotoren und Katalysatoren kennen. Ich liebe Chemie, aber nicht mal ich kenne das ganze Zeug. Ohne Grundlagen ist es nicht möglich sich das auf Dauer einzuprägen. Mit genauso wenig Erfolg hat mein Mann (studierter Physiker) versucht unseren Kindern in der 5. Klasse die Begriffe der Amplitude und Frequenz zu erklären....

LG
Koschka
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