ADS- und dann?

hochbegabt oder ADS oder beides?

ADS- und dann?

Beitragvon Keksle » So 14. Jul 2019, 07:37

Hallo zusammen,

Bei meiner Großen (8) kann ich ADS nicht ausschließen.
Jetzt frage ich mich, welche Möglichkeiten der Hilfestellung habe ich denn, sollte sie wirklich unter einer Aufmerksamkeitsstörung leiden.
Medikamenten stehe ich sehr skeptisch gegenüber.
Was würde uns eine Diagnose bringen? Ergo? Verhaltenstraining?
Kann mir jemand aus Erfahrung berichten?

Vielen Dank schon mal!
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Rabaukenmama » So 14. Jul 2019, 09:31

Hallo keksle,

bezüglich ADHS (nicht ADS) kann ich einiges aus Erfahrung berichten. Einerseits habe ich selbst (nicht erkannte) ADHS und ich hatte in meiner Kindheit und Jugend deshalb massive Probleme, vor allem im sozial-emotionalen Bereich. In der Hauptschule wurde ich extrem gemobbt, bis hin zu Morddrohungen. Ich habe dann mit knapp 13 Jahren mit Selbstmord gedroht, sollte man mich zwingen, weiter in diese Schule zu gehen, und dann während des Schuljahres in ein Mädchen-Internat gewechselt. Meine Eltern waren zwar im Vorfeld mit mir schon bei mehreren Kinderpsychologen gewesen, aber damals war ADHS noch nicht so bekannt und bei mir hat es niemand erkannt. Vermutlich auch, weil ich nicht ALLEN Klischees entsprochen habe, ich konnte z.B. stundenlang ruhig sitzen und lesen oder fischen oder Briefmarken sortieren. Das war (und ist) für mich die Möglichkeit zum runter-kommen.

Mein älterer Sohn hat auch (diagnostiziert) ADHS und Asperger Autismus und seine Probleme im sozial-emotionalen Bereich sind meinen damals sehr ähnlich. Ich habe mich lange gegen Medikamente gewehrt, weil ich diversen Klischees und Vorurteilen geglaubt habe. Einerseits dass ADHS nur eine Erfindung ist und tatsächlich stundenlager Medienkonsum und ungesunde Ernährung (fastfood) Auslöser für das Verhalten sind. Wenn die Kinder nur genug Bewegung haben und draußen sind dann haben sie auch kein ADHS. So ein Quatsch, in meine Kindheit gab es genau 30min am Tag Kinderprogramm im Fernsehen (und das hat mich oft nicht interessiert) und McDonalds kannte ich nicht mal! Ich war bei schönem Wetter ständig draußen, trotzdem (und trotz bekannter Hochbegabung) hatte ich meine Konzentrationsprobleme und meine sozial-emotionalen Schwierigkeiten, vor allem mit Gleichaltrigen.

Dann noch das Argument, die Pharmaindustrie würde sich an den Medis, die immer häufiger verschrieben werden, nur bereichern! Nicht von der Hand zu weisen, aber die Pharmaindustrie verdient nicht nur an Ritalin&Co sondern auch an Kopfschmerztabletten, Blutdruckmitteln, Antidepressiva und Antibiotika. Es werden generell zu schnell und zu viele Medis verschrieben bzw. eingenommen, das ist kein Problem, welches sich auf ADHS-Medikamente beschränkt oder nur dort auftritt.

Mein älterer Sohn ist sein Leben lang ein Außenseiter gewesen, trotz vieler Bemühungen um Integration in Kindergarten, Schule und Hort. Er hatte noch nie einen Freund oder eine Freundin. Und manchmal ist er von Selbstzweifeln geplagt und versucht, zu analysieren, warum das so ist. Da kommen dann so Aussagen wie "Die Synapsen in meinem Gehirn sind falsch verschaltet. Wahrscheinlich wird das besser, wenn ich ein Jugendlicher bin, dann baut sich ja das ganze Gehirn noch einmal um. Vielleicht bin ich dann normal!". Oder "Ich würde mir nichts mehr wünschen als einen echten Freund!". In der Schule ist mein Sohn dank der Bemühungen den beiden Klassenlehrerinnen in der Gemeinschaft durchaus anerkannt, aber es kann eben kein anderes Kind was mit ihm "anfangen", weil er alle ständig zu seinen Themen niederquatscht, nicht zuhören kann und wegen Kleinigkeiten in Rage gerät. Außerdem fühlt er sich (vermutlich autismusbedingt) sehr schnell angegriffen, auch wenn das gar nicht der Fall ist.

Ich habe Kontakt mit mehreren Eltern von AD(H)S-Kindern und bei den meisten hatten Medikamente eine durchaus positive Wirkung. Kinder, die immer Außenseiter gewesen waren, wurden plötzlich von anderen Kindern eingeladen, konnten dem Unterricht folgen, haben mehr Selbstwertgefühl aufgebaut und waren plötzlich viel mehr "sie selbst". Diese Berichte haben mich ermutigt, es auch bei meinem Sohn mit Medikamenten zu probieren. Aber bei ihm hatte das, was wir probiert haben, nicht den gewünschten Effekt. Bei Ritalin konnten wir (bei unterschiedlicher Dosierung über mehrere Wochen) keinerlei Wirkung feststellen und Ritalin LA hat er nur zwei Tage probiert, dann haben wir es wieder abgesetzt, weil die Nebenwirkungen so heftig waren. Dabei kenne ich Kinder, die mit Ritalin sehr positive Erfolge haben. Ein Schulkollege meines Sohnes (getestet HB) war in den ersten beiden Schuljahren so auffällig (vor allem aggresiv gegen andere Kinder), dass er einen Schulbegleiter hatte. Mit Ritalin hat er dann geschafft, den Schulalltag gut durchzustehen und ab Klasse 3 brauchte er den Schulbegleiter nicht mehr. Anfangs bekam er das Ritalin täglich, mittlerweile geht er ins Gymnasium (wo er sehr gut zurecht kommt) und nimmt das Ritalin nur noch punktuell für Stress-Situationen. Auch in den Ferien und an den Wochenenden kommt er gut ohne Medikamente aus. So ist eben jeder Organismus anders.

Seitdem (das war vor einem halben Jahr) haben wir keine weitere Medikation versucht, sondern erst mal Kinder-Psychotherapie. Da aber auch hier nach 20 Einheiten noch keinerlei Wirkung festezustellen war, wollen wir was anderes ausprobieren. Es gibt Neurofeedback für Kinder, das soll sich vor allem auf die Konzentrationsfähigkeit sehr positiv auswirken. Wobei Konzentrationsfähigkeit bei meinem Sohn nicht das Hauptproblem ist, ich hoffe jedoch, dass es auch sein Selbstwertgefühl verbessert. Aber man braucht auch mindestens 20 Einheiten um festzustellen, ob es einen Effekt hat, oder nicht.

Da mein Sohn sehr unruhig schläft und Einschlafprobleme hat, habe ich jetzt auch eine Gewichtsdecke bestellt, die bei Kindern mit AD(H)S und Autismus eine sehr gute, beruhigende und schlaffördernde Wirkung haben soll. Nächste Woche wird sie geliefert, wir werden sehen. Solche Decken werden übrigens auch in der sensorischen Integration im Rahmen von Ergotherapie eingesetzt.

Es ist halt alles eine Kostenfrage. Zumindest hier in Österreich übernimmt die KK die Kosten für Neruofeedback und Psychotherapie bei Kindern überhaupt nicht, und bei Ergotherapie nur einen Bruchteil (Euro 212,- von 800,-). Das bedeutet, dass man finanziell schon ziemlich gut dastehen muss, um in Ruhe mal eines nach dem anderen (oder auch mehrere Möglichkeiten paralell) auszuprobieren. Der Ansatz bei AD(H)S sollte ja immer multimodal sein, also nicht NUR Medis oder NUR Ergo, sondern mehrere Behandlungswege paralell. Bei uns war das bisher zeitlich nicht so gut möglich, weil der jüngere Bruder mit seiner Mehrfachbehinderung (Gehörlosigkeit und Autismus) sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit benötigt hat. Jetzt kommt der Bruder ab September unter der Woche ins Internat, da wäre dann etwas mehr Zeit zur Verfügung (auch nicht viel mehr, weil ich meine Arbeitszeit erhöhe), aber dafür weniger Geld (weil das Internat teuer ist).

Es gibt bei AD(H)S auch die Möglichkeit einer Ernährungsumstellung und zwar auf ketogene Ernährung. Kann man googeln, ist aber leider im Alltag ziemlich aufwändig. Die "light"-Version davon ist, zumindest auf Nahrungsmittelzusatzstoffe wie Farbstoffe und Geschmackverstärker komplett zu verzichten. Wenn das Kind (wie mein Sohn) teilweise im Hort isst, der von einer Großküche beliefert wird, ist das in der Praxis aber auch nicht möglich.

Noch können wir uns "leisten" rumzuprobieren, in der Hoffnung, doch noch was zu finden, was meinem älteren Sohn helfen könnte. Denn noch besucht mein Sohn die Grundschule und hat dort seinen "Welpenschutz" durch die Lehrerinnen. Seine Probleme sind vermutlich komplett anders gelagert als die deiner Tochter. Aber hier schreiben auch einige Eltern von ADS-Kindern mit, die können vielleicht noch mehr hilfreiche Tipps geben als ich.

Auch, wenn wir noch keinen klaren Weg gefunden haben, unserem Sohn helfen zu können, bin ich sehr froh darüber, eine Diagnostik gemacht zu haben. Ich weiß jetzt, womit ich es zu tun habe, und kann die verschiedenen Möglichkeiten ausprobieren. Ich würde bei Verdacht auf Fehlsichtigkeit auch nicht warten bis das Kind über die eigenen Beine stolpert, sondern gleich zum Augenarzt gehen. Im besten Fall ist gar nichts und wenn sich der Verdacht bestätigen sollte ist man ja noch zu keinerlei Handlung gezwungen, weiß aber, womit man es zu tun hat.

Der Wunsch deiner Tochter, "ganz normal" zu sein (aus dem anderen Beitrag herausgelesen) ist übrigens sehr verständlich. Wenn sie ein angepasstes ADS-Kind sein sollte, dann will sie vermutlich keine Sonderbehandlung und es ist ihr außerdem unangenehm, wenn alle so sehr den Fokus auf ihr Verhalten richten. Aber Kompensation ist trotzdem Schwerstarbeit. Gerade bei dem doch sehr heterogenen Testergebnis (in Bezug auf Verarbeitungsgeschwindigkeit) ist der Verdacht auf ADS doch sehr naheliegend.
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Keksle » So 14. Jul 2019, 10:56

Liebe Rabaukenmama,

Wenn ich deine Schilderungen lese, dann kann ich nur den Hut vor dir ziehen! Das liest sich sehr anstrengend und ich finde es sehr stark von dir, wie du für deine Jungs kämpfst!

Meine Große (und auch die Kleine) hat zum Glück keine sozialen Schwierigkeiten. Im Gegenteil, sie sind beide sehr beliebt, finden immer Anschluss und haben mehr Spielanfragen als wir zeitlich unterbringen können. Ihr "Problem" war dann beim Kindergeburtstag eher dass sie mehr Freunde hat, als sie einladen will. Sie mag es nämlich lieber, wenn es nicht zu viel Trubel ist. Das wird ihr schnell zu viel. Gelöst haben wir das Dilemma übrigens, indem wir zweimal gefeiert haben. Da zum ersten Zeitpunkt eh ein Teil im Urlaub war, hat es dann ganz gut gepasst.
Ihr Problemfeld ist wirklich die Konzentration bei schulischen Aufgaben und ihr sehr, sehr langsames Arbeitstempo. Und da Frage ich mich, was genau da helfen könnte. Es belastet sie nämlich leider sehr.
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Rabaukenmama » So 14. Jul 2019, 11:17

Hallo keksle,

für das, was du beschreibst, erscheint mir Neurofeedback geeignet. Ist halt leider nicht gerade billig und man benötigt 20-40 Einheiten um zu sehen, ob es was bringt. Da die KK das ohnehin nicht bezahlt (wer andere Infos hat: her damit!) ist dazu auch keine Diagnose notwendig. Und es schadet keinesfalls, im schlechtesten Fall bringt es eben nichts.

Hier im Unterforum sind übrigens einige interessante Infos zu ADS (auch ohne H) und ich bin gerade beim nachlesen über einen älteren Beitrag von mir gestolpert, wo ich noch etwas anderer Meinung war ;) .
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Keksle » So 14. Jul 2019, 11:30

Neurofeedback kenne ich noch gar nicht. Danke für den Hinweis, da werde ich mich schlau machen.
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon alibaba » Mo 15. Jul 2019, 08:52

Ich kenne mich nicht mit AD(H)S aus, @keksie.

Aber es scheint Dich ja zu beschäftigen und nicht loszulassen. Dann, so schlage ich vor, lasst das doch überprüfen. Geht in ein z.B. SPZ oder/und sprich mit dem Kinderarzt über geeignete Anlaufstellen. Wenn Du privat krankenversichert bist, dann sprich mit deiner KK was Du machen kannst. Bist du gesetzlich versichert, benötigst Du immer eine ÜW. Stelle Dich auf lange Wartezeiten ein. Geh es also zeitnah an. Es gibt auch Psychiater die sich auf AD(H)S spezialisiert haben. Da wartet man genauso lange.

Anders als bei Rabaukenmama gibt es hier keinen Nachteilsausgleich. Aber als Lehrerin weißt du das vielleicht selber. Wenn du Glück hast, bekommt das Kind vorne einen Platz im Klassenzimmer.

Wer hat denn bei Euch den IQ-Test gemacht? Was war der Auslöser? Das Problem ADS? Ging der Experte denn nicht darauf ein? Du hast dich sicherlich auch in deiner Schullaufbahn als Lehrerin viele Kinder mit vielen Diagnosen kennen gelernt. Kommt Dir da etwas bekannt bei deinem Kind vor, wenn Du es beobachtest? Nimm das doch mal als ersten Anhaltspunkt, wenn Dich das nicht in Ruhe lässt. Und dann begibst du Dich eben auf die ganze Tippeltappeltour und durchläufst das Screening. Vielleicht kommst Du ja dann insofern zur Ruhe, dass Du nochmals mit Experten gesprochen hast.
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 15. Jul 2019, 13:56

alibaba hat geschrieben:Ich kenne mich nicht mit AD(H)S aus, @keksie.

Aber es scheint Dich ja zu beschäftigen und nicht loszulassen. Dann, so schlage ich vor, lasst das doch überprüfen. Geht in ein z.B. SPZ oder/und sprich mit dem Kinderarzt über geeignete Anlaufstellen. Wenn Du privat krankenversichert bist, dann sprich mit deiner KK was Du machen kannst. Bist du gesetzlich versichert, benötigst Du immer eine ÜW. Stelle Dich auf lange Wartezeiten ein. Geh es also zeitnah an. Es gibt auch Psychiater die sich auf AD(H)S spezialisiert haben. Da wartet man genauso lange.


Ich würde einen guten KJP mit Erfahrung mit Wahrnehmungsstörungen einem SPZ auf jeden Fall vorziehen. SPZ ist breit aufgestellt und hat durchaus gute Ärzte, aber eben nicht mit dem Blick aufs Detail, der es bei der Diagnostik eines angepassten Kindes mit ADS-Verdacht notwendig ist. Hier ins SPZ zu gehen wäre etwa wie mit Verdacht auf eine seltene, schwer zu diagnostizierende Augenerkrankung Abklärung vom praktischen Arzt zu erhoffen.

Im Forum "rehakids" kann man nach Diagnosestellen und KJPs in Wohnortnähe fragen und es gibt Listen von empfohlenen KJPs.

alibaba hat geschrieben:Anders als bei Rabaukenmama gibt es hier keinen Nachteilsausgleich. Aber als Lehrerin weißt du das vielleicht selber. Wenn du Glück hast, bekommt das Kind vorne einen Platz im Klassenzimmer.


Wieso anders als bei mir? Mein jüngere Sohn wird nach Sonderschullehrplan beschult (außer in Mathe) und keines meiner Kinder bekommt Nachteilsausgleiche. Was meinst du mit "hier"? An der Schule deiner Kinder oder in BW?

Hier mal ein Link mit Infos zu Nachteilsausgleichen bei AD(H)S in Deutschland:

http://www.adhs-deutschland.de/desktopd ... read-7662/
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Maca » Mo 15. Jul 2019, 14:24

Hallo keksle,

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ein stark betroffenes Kind vor allem auch im häuslichen Umfeld sehr auffällig ist.
Deine Beschreibungen wirken noch recht zurückhaltend ;).

Ein gut kompensierendes aber stark betroffenenes ADS- Kind kann sich im Alltag ohne Anleitung meist nur phasenweise organisieren, da es dafür viel mehr Energie und Fokussierung der Aufmerksamkeit braucht als neurotypische Kinder.
Die “guten“ Phasen gehen dann in Intervalle über, in denen das Kind an sich, den Anforderungen des Alltags, Schule und Hobbies völlig verzweifelt, im Chaos versinkt und apathisch bis depressiv oder extrem unruhig wirkt.
Manche Kinder sind dauerhaft auffällig.

Wirklich klassisch für alle Familien, die Hilfe suchen ist es, dass das familiäre Miteinander als sehr belastet empfunden wird und ein großer Leidensdruck besteht.

Wenn deine Tochter zu Hause kaum auffällt, kann sie entweder sehr gut kompensieren oder das Problem liegt doch eher ausschließlich in der Schule und ist der Unterforderung geschuldet.

Bei sehr reflektieren, hochintelligenten Kindern, die einen hohen Anspruch an sich selbst haben, kann allerdings auch schon eine moderate Aufmerksamkeitsstörung als sehr quälend empfunden werden.

Im so einem Falle könnte Ergotherapie (z.b. Marburger Konzentrationstraining) durchaus helfen.

Wie geht deine Tochter zu Hause mit Anforderungen um?
Termindruck, Hausaufgaben, Zimmer aufräumen, Informationen (vor allem aus der Schule) weitergeben, Sachen zusammenhalten (geht viel verloren?), selbstständige Wahrnehmung körperlicher Bedürfnisse (Durst,Hunger,Schlaf, wetterangemessene Kleidung...), altersgerechte Einlassung auf Veränderungen......?

ADS- Kinder brauchen überall Unterstützung.

lG
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon alibaba » Mo 15. Jul 2019, 14:39

@rabaukenmama

Du hattest in einem anderen Thread einen Nachteilsausgleich erwähnt.

Und wie der Bericht schon informiert, es macht jeder/jedes BL bzw. jede einzelne Schule was sie will. Es gibt keinen Rechtsanspruch und schon mancher LRS-Ausgleich ist ein Nackigmachen. Da muss man schauen, ob man das will. Hier gibt es nur auf LRS einen Nachteilsausgleich. Die AD(H)S- Kinder die ich kenne, bekommen Medikamente, einen Einzeltisch in Lehrernähe, aber keinen Nachteilsausgleich, weder an der GS noch am Gymnasium. „Hier“ ist immer die hiesige, mir bekannte GS und eben das mir bekannte Gymnasium. Vielleicht sind die Bedingungen an anderen Schulformen anders. Das weiß ich aber nicht.

Ich war in einem SPZ und fand mich da eigentlich gut aufgehoben. Ich war auch beim nächsten verfügbaren Kinder-und Jugendpsychiater und fand mich da auch gut aufgehoben. Je nachdem wo man wohnt, bekommt man, als Kassenpatient, nur die ÜW ins nächste SPZ. Zahlt man selber kann man hingehen wo man will.

Der Psychiater war ein toller Mensch. Er gab mir einen Diagnosezettel zur Selbstüberprüfung in die Hand und sagte, „kommen Sie wieder zu mir, wenn Sie fast nur rechts angekreuzt haben.“ Ich kopierte das Teil und lies mir bekannte Menschen, die mein Kind kannten, die Dinger ausfüllen. Ganz ehrlich, ich schäme mich dafür, an mir gezweifelt zu haben. Im Übrigen teilte der Psychiater nicht die Lehrermeinung.

Lehrer und „abwesende“ Kinder ..... begleitet mich noch heute. Lehrer sind eben keine Diagnostiker, sie denken nur, alles beurteilen zu können. Sie sind aber nicht fähig, nach links oder rechts zu blicken oder sich selbst und ihren Unterricht (Differenzierung) zu hinterfragen.

@keksie

Meine Kleine ist auch langsam. Aber Sie ist eine Künstlerin und die haben Vorstellungen im Kopf. Immerhin war hier bisher die schlechteste Heftnote eine 2+. Die Langsamkeit ist noch nicht weg, aber es wird besser. Auf keinen Fall behindert Sie das. Selbst Ihre nicht fertigen Zeichnungen sind nie schlechter als eine 2. Künstler zu sein, kann auch Vorteile haben. :mrgreen:
Wenn die Noten unter Langsam leiden, dann wäre für mich ein Punkt erreicht, wo ich nachsehen lassen würde.
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Re: ADS- und dann?

Beitragvon Keksle » Mo 15. Jul 2019, 18:48

alibaba hat geschrieben:
Wer hat denn bei Euch den IQ-Test gemacht? Was war der Auslöser? Das Problem ADS? Ging der Experte denn nicht darauf ein? Du hast dich sicherlich auch in deiner Schullaufbahn als Lehrerin viele Kinder mit vielen Diagnosen kennen gelernt. Kommt Dir da etwas bekannt bei deinem Kind vor, wenn Du es beobachtest? Nimm das doch mal als ersten Anhaltspunkt, wenn Dich das nicht in Ruhe lässt. Und dann begibst du Dich eben auf die ganze Tippeltappeltour und durchläufst das Screening. Vielleicht kommst Du ja dann insofern zur Ruhe, dass Du nochmals mit Experten gesprochen hast.


Auslöser für die Testung war ihr Konzentrationsprobleme in der Schule bzw. die immer stärker werdende Schulunlust. Wir haben uns an die Schulpsychologen gewendet, die gleich den Verdacht HB und Unterforderung hatten. HB würde ja bestätigt.
Zum Konzentrationsproblem wurde gemeint, dass es wohl am der dauerhaften Unterforderung liege, dass sie abschalte. Ich habe auch noch einen Fragebogen ausgefüllt, die Lehrkraft bekam ebenfalls zwei. Eine Rückmeldung dazu haben wir bis jetzt nicht bekommen. Es sollte noch ein Gespräch Psychologe Lehrer stattfinden. Das kommt noch.

Zu meinen Schülern: als Lehrer erlebe ich sie ja im Klassenzimmer und nicht zu Hause. Umgekehrt bei meinem eigenen Kind. Ich habe manchmal das Gefühl, das sind zwei verschiedene Welten.

Ich finde meine Große im Alltag weniger auffällig. Bis zum Schuleintritt kamen wir gar nicht auf die Idee dass es in dieser Hinsicht Probleme geben könnte. Es beschränkt sich wirklich mehr oder weniger auf Schule/Hausaufgaben.
Wenn ich meinen Mädels vorlese, dann können leicht mal 2 Stunden ohne Pause vergehen und die beiden hören gebannt zu.
Nur ihr Zimmer ist das Chaos, da habe ich mittlerweile kapituliert. Ansonsten kann es schon passieren, dass sie mit den Gedanken woanders ist, beim Essen beispielsweise. Aber das hat sie auch von keinem Fremden *hüstel*.
Wenn es dann allerdings ab die (Mathe-) Hausaufgaben geht, dann wird's manchmal echt extrem. Dann braucht sie eeeewig, bis eine Aufgabe gerechnet ist, dann bis sie mal die Zahlen aufgeschrieben hat, teilweise bis dahin das Ergebnis wieder vergessen, also nochmal rechnen, dann fällt der Stift runter, dann erst mal wieder suchen wo die Aufgabe war, dann schauen ob der Stift auf der Nase balancieren kann, und dann steht irgendwann 71 statt 17 da....... Sooooo extrem kenn ich das von keinem meiner Schüler. In der Schule steht dann manchmal nur das Datum.im Heft und einmal hat sie erst nach x?? Minuten bemerkt, dass alle schon mit dem Mathe Test angefangen haben. Sie hat draußen die Spatzen und Als ein beobachtet...
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