Fragen zum Thema überspringen

Fürs und Widers zum Überspringen

Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon peoplez » Mo 30. Nov 2015, 15:33

Hallo,

ich lese mit Interesse immer wieder, dass einige Kinder eine oder
mehrere Klassen übersprungen haben. Ich hatte bereits geschriebenen,
dass wir unserem Sohn im Sommer die Entscheidung selber überlassen
haben. Wir wollten, dass es ihm gut geht, dass er seinen Weg selber
bestimmen darf.
Aber ich stelle täglich fest, dass er sich so langweilt. Er sagt es selber
und er versteht einfach nicht, dass andere länger an ihren Hausarbeiten
sitzen. Er glaubt, dass kann nichts mit seiner Hochbegabung zu tun
haben. Wir hatten eben beim Mittagessen noch einmal das Thema.
Ich habe ihm gesagt, er ist in seiner Klasse nicht richtig. Er wurde
mit fast 7 Jahren eingeschult, weil wir der Meinung sind, dass unsere
Kinder noch ein Jahr spielen sollten.
Wäre er mit 6 Jahren eingeschult worden und hätte er im
Sommer die Klasse übersprungen, wäre er jetzt bereits in
Klasse 9.
Als er im Sommer für zwei Wochen hospitiert hat, sind wir von den
Müttern der Kinder, die in dieser Klasse sind nicht nett empfangen
worden. Unser Sohn hat dort keinen Anschluss gefunden, wobei
mein Mann und ich geschlussfolgert haben, dass die Jungs vorab
kein positives Feedback erhalten haben.
Fazit unser Sohn hat sich dort nicht wohl gefühlt
und da ich selber hochsensitiv bin, war für
mich die Entscheidung richtig, sich gegen
das Überspringen zu entscheiden. Heute sehen wir
es alle mit anderen Augen. Unser Sohn ist nicht zufrieden,
weil er vieles weiß, es aber in den Arbeiten nicht umsetzen
kann.Allerdings bringt er mündlich Lösungsvorschläge in Mathe,
dass seine Lehrerin nachfragt, ob das wirklich von ihm selber kommt.
Er begibt sich wieder in die Minderleistung. Ich möchte ihm so
gerne helfen. Ich merke, dass er eigentlich in eine höhere Klasse
möchte. Er hat aber Angst vor etwas Neuem. Spanisch lernt er momentan
in Klasse 10. Seine Klassenkameraden findet er in der Schule okay,
würde sich aber nie mit ihnen verabreden. Er sagt, es ist ok so, aber wir
merken, dass ist es nicht. Das Problem ist auch, dass er mit seiner
Freundin in einer Klasse ist.
Nach welchen Kriterien habt ihr euch entschieden, dass
eure Kinder springen? Oder nach welchem Gefühl?
Ich versuche den Spagat zu schaffen, aber ich finde es
schwierig. Hier in diesem Forum lese ich auf einmal viel
über das Überspringen, hier in meinem Umfeld sind
die meisten dem gegenüber negativ eingestellt. Da mag
ich das gar nicht mehr ansprechen.
Über eine Rückmeldung würde ich mich echt freuen.

Danke peoplet
peoplez
 
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Re: Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 30. Nov 2015, 23:42

Wenn ihr eine Entscheidung trefft dann müßt ihr zuerst die Priorität setzen, für wen die Entscheidung sein soll: für die "Umgebung" oder die "Eltern der anderen Kinder" ODER für Euren Sohn. Wenn ihr euch darüber klar werdert wird auch die Entscheidung leichter.

Dann stellt euch die Frage: "Können WIR damit umgehen dass die Eltern anderer Kinder uns in eine Schublade stecken?" - und lasst die Vorstellung beiseite, sämtliche andere Eltern würden ihre Kinder dahingehend manipulieren euren Sohn auszuschließen. Es wird vielleicht wirklich solche Eltern geben, aber das sind Einzelfälle.

Wenn du schreibst euer Sohn findet die Situation in seiner Klasse ok dann übersetze ich mal frei: "Ich halte mich für kompetent das für mich zu entscheiden und will im Moment keine Einmischung". Es ist nicht nötig, zu analysieren, ob das ok-halten jetzt aus Angst vor dem Sprung bzw. der neuen Klasse so gesehen wird. Es ist auch nicht mehr so wie bei einem 4-, 5- oder 6-jährigen wo die Entscheidung wegen ev. vorzeitiger Einschulung praktisch ausschließlich von den Eltern getroffen wird. Ihr könnt eurem Sohn die Sache schmackhaft machen aber letztendlich solltet ihr ihm zutrauen, selbst zu wissen, was er will.

Unabhängig davon "gehört" im Falle eines Sprunges die Aufgabe, einen Platz in der neuen Klassengemeinschaft zu finden, Eurem Sohn. Wenn ihr zu dieser Entscheidung findet dann traut ihn diese Kompetenz auch zu. Ihr könnt genauso wenig wie er selbst vorhersehen ob das eine (Wechsel der Klasse) oder das andere (Unterforderung) mehr Leidensdruck verursacht.

Für mich habe ich die Erfahrung gemacht: angstbesetzte Entscheidungen sind meistens nicht gut. Vor einer Klassensprung-Entscheidung stand ich bisher noch nicht (kommt vielleicht auch mal auf mich zu ;) ), aber ich spreche trotzdem aus Erfahrung.

Die Entscheidung, einem 1jährigen Kind in einer 5-stündigen OP Hörimplantate einsetzen zu lassen oder es "so zu nehmen, wie es ist" war für mich sehr schwer. Ich konnte sie erst treffen nachdem ich alle dazu gehörenden Ängste erkannt und bearbeitet hatte. Das hat zwar mehr Zeit in Anspruch genommen als mir manche "Profis" zugestanden haben, war aber unheimlich wichtig für mich und indirekt sicher auch für meinen kleinen Sohn.

Daher rate ich Euch in erster Linie, weder euch noch eurem Sohn Druck zu machen.

Ich hoffe für Euch dass auch noch wer schreibt der aus eigener Erfahrung von einem Klassensprung berichten kann. Alles Gute :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon Bliss » Di 1. Dez 2015, 00:25

peoplez hat geschrieben:
Als er im Sommer für zwei Wochen hospitiert hat, sind wir von den
Müttern der Kinder, die in dieser Klasse sind nicht nett empfangen
worden.


Von den Müttern? Was machen die denn in der Schule? Mein ältester ist jetzt in der 6 ten Klasse und mit Elternabenden und Feierlichkeiten gibt es vielleicht 5 Gelegenheiten im Jahr, wo man als Elternteil die Schule noch betritt. Und auch auf Freundschaften hat man in dem Alter doch kaum noch Einfluß.

. Hier in diesem Forum lese ich auf einmal viel
über das Überspringen, hier in meinem Umfeld sind
die meisten dem gegenüber negativ eingestellt. Da mag
ich das gar nicht mehr ansprechen.


Bei meinem Sohn war sein Erstklasslehrer der Meinung, er solle doch gleich in die zweite Klasse. Er ist aber regulär mit knapp 6 eingeschult worden und wäre dann deutlich jünger als die anderen gewesen. Außedem wollte er nicht. Er hat sich zwar überreden lassen eine Woche in der zweiten zu schnuppern, aber springen wollte er nicht. Seine Gründe: da gehöre ich in Sport nicht mehr zu den besten und außerdem kann ich das auch alles schon. Als ich dann das Argument gebracht habe, dass er dann seine Schulzeit ja um ein ganzes Jahr verkürzen könnte meinte er: dann nehm ich aber ein Jahr zum Überspringen, in dem ich mehr Wochenstunden habe, dann lohnt sich das mehr. Wir haben das so akzeptiert, er weiss, dass es die Möglichkeit eines Sprungs gibt, und vielleicht nutzt er sie irgendwann noch.

Aber das Hauptproblem, dass ich bei einem Sprung sehe, ist dass es das Problem der Unterforderung vielleicht abmildet aber nicht löst. Direkt nach dem Sprung wird vielleicht einiges aufzuholen sein, aber dann geht es weiter mit der Langeweile, denn HBs verstehen einfach schneller als der Durchschnittsschüler und brauchen weniger Wiederholungen. So würde es nach kurzer Zeit wieder um eine Sprung gehen und spätestens, wenn der Altersabstand mehr als 2 Jahre beträgt werden sich vermutlich daraus dann Probleme ergeben können.
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Re: Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon peoplez » Di 1. Dez 2015, 21:59

Hallo,

ich danke euch erst einmal für eure Rückmeldungen.
Das mit den Eltern war darauf bezogen, dass unser Sohn von der
6. in die 8. Klasse springen sollte. Während er hospitierte sind einige
der Mütter dieser Kinder in einer für uns anmaßenden Art uns entgegen
getreten. Sie wollten uns belehren, was wir unserem Kind antun und wir hätten
selber Schuld, dass es soweit kommen musste, wir hätten schließlich
die Lehrer in der Grundschule aufmerksam machen müssen.
Da ich selber hochsensitiv bin, konnte ich das am Ende nicht
mehr abfiltern.
Zudem kommen wir aus einem kleinen Ort, jeder kennt jeden und
jeder hat etwas zu sagen.
Wir waren überrascht, auf soviel Ablehnung zu stoßen und das man uns
als Eltern nicht zugetraut hat eine Entscheidung zu fällen.
An diesem Punkt bin ich heute nicht mehr, im letzten halben
Jahr sind wir als Familie gewachsen und wir müssen uns
ausschließlich vor uns rechtfertigen.
Aber seit dem letzten Gespräch mit meinem Sohn heute Mittag,
kann ich guten Gewissens sagen, wir setzen ihn nicht unter Druck.
Er will auch, dass sich die Situation ändert. Und er ist bereit zu springen,
am Freitag haben wir ein Gespräch in der Schule.
Einerseits möchte er in der Klasse bleiben, weil er die Schüler lange
kennt, andererseits möchte er ältere Jungs kennenlernen und
mehr Input.

Ich bin ehrlich, ich habe Ängste. Mein Sohn ist mein erstes von
unseren beiden Kindern, dass wir in der Form begleiten.
Und wir wollen das es ihm gut geht. Was ist aber gut, unterfordert
und in der Jahrgangsstufe bleiben, oder wechseln und mit den Noten
vielleicht zufrieden sein?
Er wird immer mehr zum Einzelgänger, in der Schule versteht er
sich mit den anderen gut. Aber verabreden möchte er sich nicht.
So kennen wir ihn nicht. Er war ständig unterwegs mit den Jungs.
Wir werden sehen, ich bewundere euch für eure Klarheit.
Wir haben einen langen und nicht so schönen Weg hinter uns,
Ich bin noch am Lernen und irgendwann werde ich es auch mit
mehr Abstand und rationaler sehen.
Ich danke euch für eure Rückmeldung.

Viele Grüße peoplez
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Re: Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon venezia » Di 26. Sep 2017, 17:20

Ich habe (in Deutschland allerdings) selbst eine Klasse üersprungen, nach der 2ten saß ich 4 Wochen zur Probe in der 4.ten, bevor es feststand dass ich dort auch bleiben durfte. Gibt es solche Testregelungen in Österreich?
venezia
 
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Re: Fragen zum Thema überspringen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 27. Sep 2017, 11:28

venezia hat geschrieben:Ich habe (in Deutschland allerdings) selbst eine Klasse üersprungen, nach der 2ten saß ich 4 Wochen zur Probe in der 4.ten, bevor es feststand dass ich dort auch bleiben durfte. Gibt es solche Testregelungen in Österreich?

In Österreich darf man nur 1x in der Grundschule springen und 1x in der weiterführenden Schule. Man kann auch nicht mehr als 6 Monate vorzeitig eingeschult werden kann - außer über spezielle Ausnahmeregelungen, Drehtürmodell, etc., die alle sehr viel Aufwand und vor allem sehr viele Zustimmungen (SchulinspektorIn, DirektorIn, LehrerIn) benötigen und entsprechend selten umgesetzt werden.
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