Sprung 1. zu 2. Klasse

Fürs und Widers zum Überspringen

Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Sa 4. Jul 2020, 21:23

Ich denke, es ist wirklich schwierig hier anständig verstanden zu werden.
Da werden Sätze herrausgenommen und anders interpretiert als gemeint.
Obwohl extra lang und ausführlich beschrieben. Vll einfach nicht ausführlich genug.
Reichen 10.000 Seiten? Aber dann ist immer noch eine Missverständliche Formulierung drin. Irgendeine Gegebenheit Unerwähnt.
Ich möchte nicht noch mehr schreiben. Das hat in meinen Augen gerade keinen Sinn.

Danke für die wohlgemeinten Antworten. Aber ich bereue gerade sehr, dass ich hier so viel Zeit in den Versuch gesteckt habe etwas zu erklären, zu beschreiben. Etwas so wichtiges. Um dann an spitzfindigen "Formulierungsfehlern" zu scheitern.
Ich denke jeder der sich meine Texte wirklich durchliest, wird herrauslesen wie ich und mein Kind Grundsätzlich mit der Problematik umgehen ;-)

Als wirklich allerletzte Antwort, um nicht unhöflich zu sein:
Lügen ist in meinen Augen Lügen. Ob das Kind es Bewusst oder Unbewusst macht ist irrelevant. Es passiert aus den selben Beweggründen.
So oder so hatte es keinen Sinn, dass meine Tochter es damals damit konfrontierte.

Klar machen Herausforderungen die ich mir selbst setze Spaß. Besonders das erfolgreiche Abschließen.
Schule ist nicht frei gewählt. Viele Kinder haben da gar keine Lust drauf, aus verschiedensten Gründen.
Und dann ist es kein Spaß sich das zu erarbeiten. Dann ist es schwer und eben Arbeit. Wenn der Kopf das vll nicht schnell kapiert und man lange für ungeliebte Aufgaben braucht...kein Spaß.
Meine Tochter hat Spaß an dem Schulstoff, sie macht zumindest einen Teil der Aufgaben gerne. Den Rest macht sie trotzdem ohne viel murren, schnell und effizient.
Die anderen Kinder lernen größtenteils für Klausuren, sie nicht. Sie schreibt einser, von den anderen schaffen das nur wenige. Das ist in gewisser Weise ungerecht. So nehmen das auch die anderen Kinder wahr. Und Eifersucht und Neid haben schon immer zu Problemen geführt ;-)


Ich hatte keinen Psychologen, der mir beibrachte, wie ich dieses schwierige Thema mit meinem Kind kommunizieren kann.
Ich habe es einfach so ähnlich wie du gemacht, weil es mir richtig erschien.
Natürlich weiß sie, dass es Kinder gibt, die besser malen, schöner singen, leichter Freunde finden....Sie eben schneller im lernen und denken ist. Auch das sie quasi im Kopf teilweise schon älter ist als der Rest von ihr. Und es selten ist, dass sie so unglaublich besessen von neuen Lernmöglichkeiten ist. Das dieser Charakterzug auch sehr anstrengend für ihre Mitmenschen sein kann und wir alle viel tolleranz füreinander brauchen.

Hatte ich nicht Gott erwähnt? Das er alle Kinder gleich gut und wichtig erschafft? Aber jedes ein bisschen anders.

In diesem Sinne, Danke für die Lektion. Euch noch einen schönen und gesegneten Sommer.
Ruth87
 
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 4. Jul 2020, 22:14

Schade, dass du aus den Erfahrungen hier nichts mitnehmen konnte. Zumindest mir erscheint diese Verabschiedung ziemlich verbittert. Mir erscheint es von der Außen-Position rein subjektiv nicht so, als würdest du generell mißverstanden und falsch interpretiert.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » So 5. Jul 2020, 08:46

Hallo Rabaukenmama,

leider schert Ruth hier in ihrem letzten Beitrag schriftlich alle über einen Kamm. Ich vermute aber, dass sie sich in ihrer letzten Antwort hauptsächlich auf Bliss' letzten Kommentar bezieht. Sie differenziert hier also nicht, erwartet aber von allen Usern, dass sie es tun und Dinge "erahnen" können. Nicht jeder kann gleich gut mit Kritik umgehen, Ruth fühlte sich hier schnell angegriffen oder missverstanden. Mir geht es manchmal auch so. Grade, wenn ich über ein Thema schreibe, dass mir selbst viel bedeutet oder mich sehr belastet. Daher sehe ich persönlich ihr das nach.

Kinder haben wir hier alle und Zeit ist vermutlich für jeden ein kostbares Gut und wir haben uns alle für Ruth viel Zeit genommen. Ich habe dieses Wochenende z.B. nur Zeit, weil meine Kinder mit meinem Mann campen sind :fahne: und hätte die Zeit durchaus auch anders nutzen können :fahne: .

Ruth hat zumindest mir in dem letzten Beitrag an mich zurück gemeldet, dass sie hier einiges für sich herausziehen konnte und dann ist es ja gut. Ich denke daher nicht, dass sie mit diesen Aussagen dich, katze, mich oder charlotte meinte...

Lassen wir das einfach mal so stehen.

Liebe Grüße

Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Meine3
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon charlotte12 » So 5. Jul 2020, 12:05

Und falls Ruth nichts mitnehmen konnte - ich konnte es. V.a. die für mich neue Sichtweise, dass man sich tendenziell mit einem zweiten Sprung zwischen Klassengemeinschaft und schnellem Abschließen der Schulzeit mit mehrfachen Sprüngen entscheidet (ich glaube, das war sogar von dir, Meine3), und dass es bei Hochbegabung auch einfach mal ok sein kann, wenn das Kind in der Schule anhaltend kognitiv nicht ausgelastet ist, so lange es sozial/emotional passt, hat mir persönlich sehr weitergeholfen. Danke :)

Ich hatte keinen Psychologen, der mir beibrachte, wie ich dieses schwierige Thema mit meinem Kind kommunizieren kann. Ich habe es einfach so ähnlich wie du gemacht, weil es mir richtig erschien.
Natürlich weiß sie, dass es Kinder gibt, die besser malen,...

Das war eindeutig auf meinen Beitrag gemünzt, daher möchte ich das abschließend noch klären. Die von mir geschilderten Tipps stammen nicht vom privaten Familien-Psychologen, sondern ich nahm sie aus einem allgemein zugänglichen kostenlosen Vortrag für Eltern von hochbegabten Kindern mit und empfand sie damals für unsere Familie als sehr hilfreich, mehr nicht. Wenn Ruth das im Gegensatz zu uns instinktiv ohne Hilfen erspürt hat, dann ist das super fürs Kind und sie hat meine volle Bewunderung dafür. In diesem Sinne alles Gute an Ruth + Tochter.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Bliss » So 5. Jul 2020, 14:11

Ruth87 hat geschrieben:Lügen ist in meinen Augen Lügen. Ob das Kind es Bewusst oder Unbewusst macht ist irrelevant. Es passiert aus den selben Beweggründen.

Diese Beweggründe setzen aber Entwicklungen vorraus, die noch nicht jedes 3 jährige Kind durchlaufen hat.

Klar machen Herausforderungen die ich mir selbst setze Spaß. Besonders das erfolgreiche Abschließen.
Schule ist nicht frei gewählt. Viele Kinder haben da gar keine Lust drauf, aus verschiedensten Gründen.
Und dann ist es kein Spaß sich das zu erarbeiten. Dann ist es schwer und eben Arbeit. Wenn der Kopf das vll nicht schnell kapiert und man lange für ungeliebte Aufgaben braucht...kein Spaß.
Meine Tochter hat Spaß an dem Schulstoff, sie macht zumindest einen Teil der Aufgaben gerne. Den Rest macht sie trotzdem ohne viel murren, schnell und effizient.


Aber dann sag doch auch so: der Schulstoff macht ihnen keinen Spaß. Ob es daran liegt, dass sie es sich erarbeiten müssen ist doch reine Spekulation und obendrein ist es diese Verknüpfung ungünstig. Meinen Kindern macht Schulstoff oft keinen Spaß genau weil sie es sich nicht erabeiten müssen.

Die anderen Kinder lernen größtenteils für Klausuren, sie nicht. Sie schreibt einser, von den anderen schaffen das nur wenige. Das ist in gewisser Weise ungerecht. So nehmen das auch die anderen Kinder wahr. Und Eifersucht und Neid haben schon immer zu Problemen geführt ;-)


Bei meinen Kindern ist das so geregelt, dass jeder nur seine Note weiss. Und wer wie viel für was lernen muss, muss auch niemand mitteilen. Das könntest du der Lehrerin gegenüber ansprechen, dass sie da drauf achtet, dass das nicht thematisiert werden soll.

Hatte ich nicht Gott erwähnt? Das er alle Kinder gleich gut und wichtig erschafft? Aber jedes ein bisschen anders.



Ja, hattest du. Aber gerade weil du in deinen Aussagen über andere Kinder sehr hohe Maßstäbe an diese legst kommt es bei mir als mixed messaging an.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon sinus » So 5. Jul 2020, 15:10

Bliss hat geschrieben:
Ruth87 hat geschrieben:Lügen ist in meinen Augen Lügen. Ob das Kind es Bewusst oder Unbewusst macht ist irrelevant. Es passiert aus den selben Beweggründen.

Diese Beweggründe setzen aber Entwicklungen vorraus, die noch nicht jedes 3 jährige Kind durchlaufen hat.


Darüber bin ich auch gestolpert. Und das sehe ich wie du, Bliss.
Jüngere Kinder können oft noch nicht verstehen, dass sie die Wirklichkeit nicht unmittelbar nach ihren Wünschen gestalten können. Und sie glauben tatsächlich, sie könnten Dinge wahr machen allein dadurch, dass sie sie so erfinden. Sie lügen dann nicht vorsätzlich mit dem Bewusstsein, jemand anderen zu täuschen, sondern sprechen einfach das aus, was sie möchten, wie es sei. Für mich ist das keine Lüge, denn Lügen setzt für mein Verständnis Vorsatz zur Täuschung eines anderen voraus.

Und auch auf die Gefahr hin, die TE weiter zu verärgern (ihre Verärgerung kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen, weil sie hier meinem Empfinden nach keiner wirklich persönlich angegriffen hat, es wurde halt nur etwas gemutmaßt, mit dem sie sich nicht identizfizieren konnte), spricht diese radikale Sicht und Art und Weise ("die anderen lügen", "lügen bleibt lügen") auch nicht gerade für große Empathie den anderen Kindern gegenüber. Es klingt für mich so ein bisschen durch, dass das eigene Kind mit seinem Verhalten besser wäre, als andere.
Womöglich ist es das nach moralischen Maßstäben durchaus, aber man kann diese Maßstäbe eben bei anders gestrickten Kindern bzw Kindern, die gewisse Reifungs/Entwicklungsschritte einfach noch nicht erlebt haben, nicht 1:1 anlegen.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 5. Jul 2020, 16:17

Ganz egal, was man über Lügen können denken möge, meine Kinder bekamen von mir immer eindeutige Anweisungen, dass man erst dann die Freunde verpetzen darf, wenn das fragliche Verhalten entweder einen großen matheriellen Schaden verursachen kann oder eine Gefahr für Gesundheit darstellt. Der Mutter des Freundes zu erzählen, dass XY statt direkt nach Hause erstmal in der Eisdiele vorbeigeschaut hat, geht gar nicht. Mir oder der Mutter zu sagen, dass der gleiche XY statt direkt nach Hause alleine am Dorfteich baden geht, ist dagegen wichtig und richtig. Ich selbst habe große Probleme mit Lügen, und bin nah am Ruth "Lügen geht gar nicht". Aber Petzen an sich finde ich noch schlimmer.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 6. Jul 2020, 12:51

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ganz egal, was man über Lügen können denken möge, meine Kinder bekamen von mir immer eindeutige Anweisungen, dass man erst dann die Freunde verpetzen darf, wenn das fragliche Verhalten entweder einen großen matheriellen Schaden verursachen kann oder eine Gefahr für Gesundheit darstellt. Der Mutter des Freundes zu erzählen, dass XY statt direkt nach Hause erstmal in der Eisdiele vorbeigeschaut hat, geht gar nicht. Mir oder der Mutter zu sagen, dass der gleiche XY statt direkt nach Hause alleine am Dorfteich baden geht, ist dagegen wichtig und richtig. Ich selbst habe große Probleme mit Lügen, und bin nah am Ruth "Lügen geht gar nicht". Aber Petzen an sich finde ich noch schlimmer.


Viele Jahre war ich auch der Ansicht, dass Lügen gar nicht geht. Ich selbst habe als Kind bis auf ganz wenige Ausnahmen (an die ich mich allesamt erinnnere) immer die Wahrheit gesagt. Als vor vielen Jahren eine Freundin, die Mutter eines 10jährigen war, mir erzählt hat, ihr Sohn würde immer wieder mal lügen und sogar sie belügen (für mich war ein absolutes NO-GO die eigene Mutter zu belügen) dachte und sagte ich auch "Geht gar nicht!".

Blöderweise habe ich den Gedanken damals nicht zu Ende gedacht. Denn jetzt bin ich in der Situation, dass mein älterer Sohn auch immer wieder mal lügt. Einerseits aus Angst vor Folgen (z.B. bei Fragen wie WER HAT DAS KAPUTT GEMACHT?), aber um sich interessant zu machen (WIR HABEN ZWEI KAMPFKATZEN ZU HAUSE) oder um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen (DER ANDERE HAT ANGEFANGEN). Tja, und ich habe keinerlei Handhabe gegen diese Lügerei. Egal, ob ich schwer gekränkt bin, stinkwütend, ob ich ruhig erkläre oder authentisch schimpfe wie ein Rohrspatz - mein Sohn lügt trotzdem. Und er belügt auch mich :( .

Es ist schon besser geworden, nach vielen Gesprächen und Vergleichen. Aber ich kann immer noch nicht sicher sein, nicht von ihm belogen zu werden. Ich kann mich jetzt steinigen und kreuzigen und hinterfragen, was ich um Himmels Willen falsch gemacht habe bei der Erziehung - aber das ändert nichts am lügen. Tatsächlich kann ich gar nichts tun - jedenfalls nichts, was ich nicht schon wirklich ausgiebig versucht hätte.

Was ich damit sagen will: wenn das eigene Kind den persönlichen Werte-Vorstellungen entspricht, dann kann man dafür froh und dankbar sein. Man darf es sich auch selbst auf die Fahnen heften und kann bei mir z.B. der Ansicht sein, dass ich schlichtweg was gröberes falsch gemacht haben MUSS, denn sonst würde das Kind ja nicht lügen.

Aber wenn das Kind NICHT den eigenen, persönlichen Werte-Vorstellungen entspricht, was macht man dann? Es verstoßen, ins Kinderheim stecken, es tagelang mit Verachtung strafen, die Lügen aus ihm rausprügeln?

Da brauche ich auch nicht überlegen, ob Petzen oder Lügen für mich schlimmer ist. Ich habe gegen beides keine Handhabe als immer wieder Gespräche...
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon sinus » Mo 6. Jul 2020, 15:24

Lügen ist doch nachgewiesenermaßen ein wichtiger Bestandteil sozialen Agierens. Jeder Mensch lügt mehrfach am Tag. (Wer was anderes sagt lügt 8-) )
In unterschiedlichem Ausmaß natürlich.

Und soziales Handeln muss trainiert werden, darum gehört Lügen - also in dem Falle auch das bewusste - für mich zur ganz normalen Entwicklung.
Das muss ausprobiert werden, in verschiedenem Ausmaß. Und Grenzen möchten erspürt werden: Wie fühlt es sich an, für mich, für andere, kann ich den anderen tatsächlich so einfach täuschen etc pp.

Es sollte sich bloß nicht allzu erfolgreich und langfristig etablieren. :roll:

https://www.welt.de/gesundheit/article1 ... m-nur.html

@Rabaukenmama: Meine 11jährige Tochter übt sich aktuell auch gelegentlich darin. Pech nur, dass ich sie eigentlich immer durchschaue. Ich kenne sie halt zu gut.
Sie ist dann übrigens immer ganz geknickt und sagte neulich sogar: "Ich weiß auch nicht, warum ich in letzter Zeit so oft lüge..."
Vielleicht gehört das ja zur momentanen Phase/zum Alter...?
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » Mo 6. Jul 2020, 15:31

rein entwicklungspsychologisch ist es völlig normal und "gesund", dass Kinder mit 3 anfangen zu lügen. Wobei das "lügen" anfangs noch nicht als solches gewertet werdern sollte, da die Kleinen noch einen ganz anderen Blick auf die Welt haben. Wenn sich bspw. Geschwister streiten, das Kleine nimmt dem Großen etwas weg und der Große schubst dann irgendwann, wird sich das Kleine nur noch an das schubsen "erinnern", das also erzählen. Erst wenn man nachhakt wird man von einem normal entwickelten 3-jährigen eventuell erfahren, dass da vorher noch was passiert ist.

Wenn nun ein hochbegabtes Kind also entwicklungstechnisch mit 3 an einem ganz anderen Punkt ist, "lügen" also dementsprechend interpretiert, dass man mit Absicht und Vorsatz die Unwahrheit erzählt um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen, so kann dies natürlich zu Problemen führen, weil das andere Kind, das überhaupt nicht so wahrnimmt.

Schade finde ich hier, dass dies Ruth nicht berücksichtigt hat, nur weil ihr Kind mit 3 Jahren zum "lügen" schon einen ganz anderen Bezug hatte und somit nicht reflektiert hat, dass "normal" entwickelte Kinder nicht zwangsläufig schlecht oder böse oder nicht gut erzogen sind, nur weil sie lügen. Aber ehrlich gesagt: auch das kenne ich sehr gut von mir aus anderen Situationen von früher. Dass ich vom Entwicklungsstand meiner Neffen oder Nichten oder mir ausgehe und dann die Handlungsweisen der anderen verurteile oder nicht nachvollziehen kann oder mich drüber ärgere. Mit 30 ist mir das noch seeeehr oft passiert :fahne: (da wusste ich auch noch nichts über meine eigene Hochbegabung oder welch Unterschied das in der kindlichen Entwicklung machen kann)... Womit man wieder bei der Geduld/Nachsicht gegenüber Menschen wären, die hochbegabte Menschen nochmal ganz anders lernen müssen als normal begabte...

Ehrlich: ich verabscheue Lügen und ab einem gewissen Alter erwarte ich von meinen Kindern auch, dass sie dies nur im Notfall (was das ist, ist sehr diffiziel und ergibt sich aus der Erfahrung und in Gesprächen) tun. Ich selbst habe aber vor allem ein Problem mit lügenden Erwachsenen. Bei Kindern ist das Teil der Entwicklung, auch ein Teil des Erlernens des Sozialverhaltens. Wann darf ich lügen, wann ist es ein Geheimnis haben? Wann ist es petzen, wann "Hilfe holen"? Wann ist es eine Notlüge, wann eine Lüge, die andere verletzt oder nicht in Ordnung ist? Das alles lernen Kinder von uns Eltern, ihren Lehrern, ihren Freunden, eben im Umgang mit anderen Menschen und mit der Zeit.

Ich bin da bei Katze. Es gibt Dinge, die man verheimlichen "darf", wenn man damit einen Freund verraten würde, man darf auch Geheimnisse haben (finde ich), die nicht gefährlich, schädlich oder ähnliches sind. Man muss hier unterscheiden und bei meinem Sohn in der 1. Klasse erwarte ich, dass er den Unterschied versteht, weiß wann er etwas nicht verraten muss oder sogar sollte (aus Solidarität zum Freund) und wann es hingegen angebracht ist zu "petzen". Und bei uns ist es auch so, dass wir unserem Sohn auch immer wieder zeigen, dass verheimlichen oder lügen einen in den allermeisten Fällen nicht so weit bringt wie die Wahrheit, auch wenn man kurzfristig eventuell einen Vorteil haben mag durch das Lügen. Und ich persönlich bin froh, dass mein Sohn einfach überhaupt kein guter Lügner ist :lol:, sobald ich den ernst anschaue, gibt er's auf und sagt:" na gut Mama...." und er hat mich auch noch nie bei was wichtigem angelogen (glaube ich :gruebel:).

Meine Tochter hingegen hat eine Zeit lang sehr intensiv das lügen "geübt" (so mit 2,5 bis 3) und eben dann die Reaktionen beobachtet. 'Das hat mich damals zur Weißglut gebracht bis ein Bekannter sagte:" na, sie übt halt lügen. DAs gibt sich wieder." Und er hatte Recht. Mittlerweile ist sie aus dem Alter raus und ein sehr wahrheitsliebendes Kind.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Meine3
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