Sprung 1. zu 2. Klasse

Fürs und Widers zum Überspringen

Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Mo 2. Dez 2019, 10:43

Hallo,

Hallo,

Unsere Tochter kam im August mit 6,4Jahren in die 1. Klasse.
Sie war fast von Anfang an enttäuscht von der Schule. Das es die ersten Wochen eher um Eingewöhnung geht, konnte ich ihr ja noch begreiflich machen, aber als der Unterricht losging litt sie zunehmend an seiner Geschwindigkeit. Besonders in Mathe.
Sie hatte im Sommer angefangen zu lesen (obwohl wir immer gesagt haben, das wird erst in der Schule gelernt).
Sie bekam Mathe extra Aufgaben, welche sie dann auch zu schnell machte. Noch mehr extra Aufgaben, Computer Lernspiele. Die Mathelehrerin begriff wohl nicht was meine Tochter schon kann und dass tolle Lernspiele auf Nivou Anfang 1.Klasse eher eine qual waren.
Meine Tochter kam regelmäßig verärgert und gereitzt aus der Schule. Fing an mit mir zu streiten, zu schreien, fast hysterisch zu werden und es endete in vielen Tränen. Das kannte ich von ihr nur, wenn sie im Kiga massiven Streit mit anderen Kindern hatte.
Aber es war die Unterforderung.
Also sprach ich nach den Herbstferien den Klassenlehrer an, wie wir sie besser Fördern können. Oder auch wie diese verkürzte Schuleingangsphase funktioniert. Ich hatte sehr große Befürchtungen. Ich wollte mein Kind nicht als "schlauer" hinstellen. Haben ja auch keinen IQ Test der irgendetwas offiziell bestätigen würde.

Der Lehrer sagte gleich, dass er schon gemerkt hat, dass sie weit ist. Aber nicht wusste das es in Mathe noch schlimmer ist.
Das sie in der Schule die reine Musterschülerin sei. Immer nett, eine Unterstützung für die anderen Kinder, Streitschlichter in den 5 Minuten Pausen. Aber sie solle ja darunter nicht leiden.
Ob sie sofort springen will? Leider war meine Tochter dabei und sagte nein.
Sie hat in der Klasse eine gute Freundin gefunden. quasi die erste in ihrem Leben, mit welcher sie sich wirklich wohl fühlt. Und so wurde ein Sprung spontan vom Lehrer vertagt. Alles in einem 10min. Gespräch.

Dann fragte ich ihn einige Tage später, ob sie in der 2.Klasse mal einen Tag mitmachen könnte. Nur um zu sehen ob sie mithalten kann und ob sie sich nicht auch da wohl fühlt. Wo sie ja eh lieber unter älteren Kindern ist.
Es folgten Wochenlanges warten, keine Reaktion des Lehrers. Nach zwei weiteren Nachfragen bezüglich eines Probetages, durfte sie die 2.Klasse besuchen.
Aus einer geplanten Stunde, wurde spontan ein ganzer Tag. Es lief sehr gut. Und dann...
Am nächsten Tag, die Nachricht: Ihr Kind geht dann ab morgen komplett in die 2. Klasse.
Auf mein Anraten gabs dann doch noch einen extra 1.Klasse Tag. Zum verabschieden, zum Sachen Packen.
Und heute ist der erste Tag als offizielle 2.Klässlerin.

Um Listen zu den benötigten Schulheften zu bekommen, musste ich am Freitag den Lehrern vorm Lehrerzimmer auflauern^^. Damit ich die Hefte bis heute auch organisieren konnte.
Den Stundenplan haben wir von einer neuen Mitschülerin, dessen kleiner Bruder in der Kiga Gruppe meines Sohnes ist.

Sooo, wir sind hoffnungsvoll, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Hoffen, dass sie dort besseren Anschluss an die Kinder kriegt. Selbst mehr lernen kann. Nicht mehr als Hilfslehrer für schwächere Schüler benutzt wird. Die gute Freundin ihr trotzdem erhalten bleibt. Und die neue Lehrerin besser mit uns ins Gespäch kommt, als wir es bisher erfahren haben.

Allerdings ging das ganze sehr "holter die polter". Richtig beraten wurden wir ja auch nicht. Aus einer vorsichtigen Anfrage entstand ohne viel Reflexion der Schule, ein schlecht organisierter Klassensprung.

Das musste mal raus...

Lg Ruth
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Mo 2. Dez 2019, 12:02

Kleiner Nachtrag:

Natürlich ist mir bewusst, dass ich auch mehr hätte nachhaken können. Mehr auf ausführlichere Gespräche bestehen.
Selbst mit der Mathelehrerin Kontakt aufnehmen, anstatt zu erwarten, dass der Klassenlehrer es weitergibt. Unter den Lehrer gab es anscheinend wenig, bis gar keinen Austausch.
Ich wollte nicht als nervende, drängelnde Mutter auftreten. Welche wahrscheinlich mehr torpediert, als hilft. Aber anscheinend ist das teilweise Notwendig. Besonders in solchen Themen.
Das nehme ich jetzt mal als Lernerfahrung mit.

Außerdem habe ich mittlerweile von einer anderen älteren Lehrerin gehört, das meine Tochter ihres Wissens die erste Springerin der Schule ist. Da weiß man auch noch nicht wie so etwas läuft. Obwohl es eine große Schule ist, teilweise 5 Zügig.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon alibaba » Mo 2. Dez 2019, 14:23

Wenn's hilft ….. war meine erste gedankliche Reaktion, dann ist es doch egal ob der Sprung jetzt gut oder schlecht vorbereitet ist/war. Es kann auch so ganz gut sein. Dann juckt es die Lehrer nicht so. Das Kind steht nicht im Mittelpunkt, es wird eben einfach mitgenommen. Das kann auch erlösend sein. Deinem Kind scheint es ja nichts auszumachen. Schlimmer fände ich, wenn man sich ewig bitten lässt, das Ganze nur mit Beweis geht oder eben die Lehrer nicht willig sind und das Kind mit Argusaugen beobachten, betonen was es noch nicht kann etc. In dem Sinne, frei nach Heinz Erhard, "Vorwärts, ich folge euch.".
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Auguste » Di 3. Dez 2019, 21:27

Hallo,

Hört sich alles ziemlich chaotisch an. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Gewöhne Dich dran ;) Das wird nicht besser.

Leider haben viele Lehrer (vor Allem in der Grundschule) keine Ahnung wie man begabte Kinder fördert. Schnelle Kinder bekommen eben Zusatzaufgaben, damit sie beschäftigt sind und nicht stören. Meist sind das aber die gleichen langweiligen Aufgaben, die sie schon vorher im Schnelldurchlauf gemacht haben - nur halt noch mehr davon. Das frustriert. Denn die Kinder brauchen nicht mehr Aufgaben, sondern anspruchsvollere Aufgaben - und die nicht zusätzlich zu den normalen Aufgaben, sondern stattdessen.

Der Klassenlehrer Deiner Tochter hat ja erkannt, dass das Kind viel weiter ist als die anderen und etwas getan werden sollte - und das obwohl sie anscheinend im Unterricht nicht negativ aufgefallen ist. Und er hat was getan, auch wenn ihr jetzt davon ein bisschen überfahren worden seid.

Die Erfahrung, die wir aus den ersten Schuljahren mit unserem Sohn mitgenommen haben: Wenn du willst, dass sich fürs Kind was ändert, dann musst du selbst aktiv werden. Als Eltern sollte man sich nie drauf verlassen, dass die Lehrer auf einen zukommen oder etwas "bemerken". Von den Lehrern wird man nur dann angesprochen, wenn die Kinder negativ auffallen.

Manche Lehrer merken nicht mal, wenn ein Kind begabt ist. Träumen, Herumkaspern, Arbeitsverweigerung usw. wird nicht als Anzeichen von Begabung gesehen, sondern als Anzeichen für ADHS interpretiert, was man "abklären lassen sollte". (So sind wir beim KJP gelandet und haben den IQ als "Zufallsbefund" erfahren). Es steht und fällt letztlich mit dem Lehrer. Wenn der nicht will (oder einfach nur unfähig ist), dann geht das Kind unter.

Wenn Du dagegen einen guten Lehrer erwischst, dann kann die Grundschule auch für ein begabtes Kind interessant sein. Unsere Tochter z.B. hatte eine super Lehrerin und keinerlei Probleme in der (selben!) Grundschule - obwohl sie auch lesend eingeschult wurde und mindestens genauso begabt ist wie ihr Bruder. Sie ist nicht getestet, weil es nie einen Grund gab, sie testen zu lassen.

Deiner Tochter wünsche ich, dass sie sich in der neuen Klasse schnell einlebt und dass die Langeweile nicht allzu schnell zurückkehrt. Für den Fall dass die Langeweile wieder kommt, kann man nur hoffen, dass sie Lehrer hat, die sie wirklich unterstützen und fördern wollen - ggf. nach einem kleinen Hinweis durch Euch ;). Dann sollte Deine Tochter die Grundschulzeit (Klasse 1-4) einigermaßen gut überstehen.

Ab der 5. Klasse wird es meist besser - zumindest war das bei meinen Kindern so. Mehr Unterrichtsfächer, mehr "Inhalt", weniger Wiederholungen = weniger Langeweile im Unterricht ;).

Ich drücke Euch die Daumen, dass sich alles für Euch jetzt schnell entspannt und ihr beruhigt durchatmen könnt :)

Liebe Grüße
Auguste
Auguste
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » So 28. Jun 2020, 11:32

Hallo,

ich wollte einmal Berichten wie es nach dem Klassensprung weiterging. Gerade für Eltern die selbst vor einer ähnlichen Entscheidung stehen.

Meine Tochter ist Anfang Dezember in die 2 Klasse gesprungen.
Sie war soo begeistert. Es gab Schreibschrift zu lernen^^. Die anderen hatten Vorsprung, also arbeitete sie das halbe Lernheft in einer Woche durch. Trotz mehrerer Nachmittagstermine und auch begrenzter Zeit am WE. Das war sehr anstrengend für uns alle. Nach der langen Unterforderung, hat sie sich mit dem Heft selbst überfordert. Es war, als ob sie einfach nicht einsehen kann, dass auch sie Belastbarkeitsgrenzen hat. Oder als müsste sie nach so viel Langeweile, so viel wie möglich in kürzester Zeit machen. Wir mussten ihr das Heft regelrecht entreißen. Feste Regeln einführen, wann Schulsachen gemacht werden dürfen.
Sie brauchte auch wieder 2-3 Stunden mehr Schlaf pro Nacht. Was gut ist. In der Unterforderung hatte sie teilweise weniger als ich geschlafen. Da hat man gar keine freie "Mama-Papa Zeit" mehr.

Natürlich gab es nicht nur das Schreibschriftheft....aber insgesamt hatte sie keine Probleme mit dem Schulstoff. Schon die Klassenarbeiten vor den Weihnachtsferien hat sie mit Leichtigkeit absolviert.
In Mathe war sie sogar weiter als die Klasse. Lesen und Rechtschreibung wurden in unheimlicher Geschwindigkeit immer besser.

Leider hat sie bis heute kaum Anschluss an die Klassengemeinschaft. Sie hatte wohl auch nicht viel Interesse. Sie hat schon so viel Zurückweisung von Gleichaltrigen erlebt... und die anderen Kinder. Die nettesten haben sie einfach ignoriert...es gab massive Probleme mit einigen Jungs. Hänseln und auch Gewalt. Nur selten Spielpartner in den Pausen.
Einer ihrer Lehrer, der die Schule zum Glück bald verlässt, hat das Mobbing in seinen Stunden einfach ignoriert, statt einzugreifen und zu vermitteln.

Und nun der Knall! Mitte März fing die Langeweile wieder an. Sie hat sogar einige zu leichte Aufgaben verweigert. Obwohl sie sonst alles macht, ohne dass ich mich irgendwie darum kümmern muss. Auf meine Nachfrage ob es ihr zu langweilig sei? „Ja, das ist doof. Mama, ich habe jetzt alle Arbeitshefte der 2. Klasse durch. Darf ich jetzt in die 3. Klasse?“
Naja, unter Corona hat sie einige extra Aufgabe bekommen. Ein extra Referat erarbeitet. 2 Schachlerncomputerspiele durch. Erst Rollschuh und dann Inliner fahren gelernt.
Und ihr Ziel für die nahe Zukunft? Sie möchte versuchen die 3. Und 4. Klasse auch in einem Jahr zu machen. Ich befürchte, sie wird es schaffen. Und dann mit 8 Jahren aufs Gymnasium gehen.
Mein Mann meint, es ist doch egal. Ob sie jetzt in der Klasse keine Freunde hat oder dann unter noch älteren keine Freunde hat….
Ich als Mutter… ich würde gern all ihre Schläue gegen 1-2 Freunde und ein bisschen Anerkennung in der Klassengemeinschaft tauschen.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 28. Jun 2020, 12:35

Sie kann mit 8 Jahren ins Gymnasium gehen. Meine Tochter ist mit diesem Altersunterschied schon in der 9. Aber es rettet grundsätzlich die Lage nicht. Die Langeweile wird sie zumindest so lange belasten, bis sie in der Klasse Anschluss findet und in die Schule geht um ihre Freunde zu treffen.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Rabaukenmama » So 28. Jun 2020, 14:36

Hallo Ruth!

Hast du eine Ahnung warum deine Tochter in der Klassengemeinschaft keine Anerkennung findet und keine Freunde hat? Bei meinem schlauen Sohn ist die Kombi Asperger & ADHS ziemlich sicher die Ursache für die fehlenden Freundschaften. Aber er ist immerhin in seiner Klassengemeinschaft integriert, was unter anderem auch den beiden sehr engagierten Klassenlehrerinnen zu verdanken ist. Die netteren unter den Kindern akzeptieren ihn so, wie er ist, auch wenn es für eine Freundschaft nicht reicht. Mittlerweile habe ich mich auch mit der Tatsache, dass mein älterer Sohn keine Freunde hat, arrangiert. Er fühlt sich im Großen und Ganzen auch ohne meistens wohl. Nur hie und da hat er so Gedanken wie "Außerhalb meiner Familie mag mich keiner", aber das sind nur kurze Phasen, die alle paar Wochen kommen und wieder gehen. Wie das im Gymnasium sein wird, wo wieder alles anders ist, kann ich natürlich nicht wissen. Aber ich habe beschlossen, mich auch erst in der Hinsicht dann zu kratzen, wenn es juckt ;) .

Hatte deine Tochter im Kindergarten oder in einer Spielgruppe oder an einem Urlaubsziel mal Freunde? Hat sie Freundschaften in der Nachbarschaft, eventuell zu älteren oder jüngeren Kindern? Ist sie es, die auf die anderen Kinder nicht zugehen will oder wird sie von den anderen Kindern gemieden, weil sie ihnen "anders" vorkommt? Leidet deine Tochter darunter, keine Freunde zu haben, oder fühlt sie sich in ihrer Situation (sofern sie nicht gemobbt wird, natürlich :fahne: !) eigentlich ganz wohl. Zumindest ich kenne kein Kind, auf das NICHT erst mal zumindest EINIGE andere Kinder wohlwollend zukommen. Daher wäre der Aspekt, warum deine Tochter trotzdem keinen Anschluss findet, vielleicht ein guter Ansatzpunkt für künftige Entscheidungen.

Ich halte es schon für wichtig, als Eltern über die Hintergründe zumindest Bescheid zu wissen.Und dann ich auch eine gewisse Akzeptanz notwendig, dass die Lebensgestaltung des eigenen Kindes (auch schon im Grundschulalter) nicht mit der der Eltern übereinstimmen muss. Das erfordert auch ein Hinterfragen von scheinbar vollkommen verständlichen Wünschen deinerseits. WARUM würdest du gerne alle Schläue gegen 1-2 Freunde und ein bisschen Anerkennung in der Klassengemeinschaft tauschen?

Nicht missverstehen, meine Jungs haben beide diagnostizierte Behinderungen. Und ich würde sehr gerne die Schläue gegen den Wegfall dieser Behinderungen (die sie tatsächlich BEHINDERN) tauschen. Ich kann daher deine Gedankengänge gut verstehen, weiß aber nicht, ob du im speziellen Fall deiner Tochter Freunden nicht mehr Bedeutung zumisst, als sie in IHREM Leben haben. Selbst arbeite ich daran, zu akzeptieren, dass ich NICHTS von meinen Kindern gegen was anderer, mit attraktiver erscheindendes, tauschen kann. Im Gegenteil, sie brauchen meinen Rückhalt genau so, wie sie gerade sind. Das schreibe ich so leicht dahin, aber es fällt mir im echten Leben oft schwer. Aber ich will nicht in einer Traumwelt leben, wo die Dinge, die ich mir für meine Kinder wünsche, wie viel zu hohe Früchte vor mir an einem Baum hängen.

Was die schulische Situation betrifft: so blöd das auch klingen mag, aber gerade WEIL deine Tochter ohnehin in ihrer Klassengemeinschaft nicht anerkannt ist und keine Freunde hat, spricht nichts gegen einen weiteren Klassensprung. Ihr habt nichts zu verlieren. Es ist halt möglich, dass deine Tochter auch in der neuen Klasse keinen Anschluss findet, aber dann fällt immerhin die Unterforderung wieder weg, und sei es nur für begrenzte Zeit. Und spätestens ab dem Wechsel ans Gymnasium werden die Karten ohnehin wieder komplett neu gemischt.

Worüber du dir klar sein musst, solltest du einem weiteren Klassensprung zustimmen, ist natürlich, dass andere Personen (vor allem Eltern, aber auch ev. Lehrer) die Akzeleration als Ursache für die Kontaktschwierigkeiten deiner Tochter ansehen. So nach dem Motto "Eh klar, dass das arme Mädel eine Außenseiterin ist, wo sie doch zwei Jahre jünger ist als ihre Klassenkameraden. Das ist nur dem Überehrgeiz der Eltern geschuldet!". Diese Aussagen stimmen natürlich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie trotzdem kommen, denn wenn jemand nicht genau mit dem vorgegeben Strom der Herde schwimmt, sind solche Anfeindungen vorprogrammiert. Aber das betrifft nicht deine Tochter selbst sondern euch als Eltern. Wenn ihr euch dessen bewusst seid, ist es vermutlich einfacher, da "drüber" zu stehen.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Edainwen » Di 30. Jun 2020, 08:57

Wenn mit 8 Jahren auf das Gymnasium, dann würde ich empfehlen, sie in eine Hochbegabtenklasse zu schicken. Dort wäre sie zum einen nicht alleine so jung, zum anderen sind dort die Kinder meiner Erfahrung nach toleranter. Die meisten wissen wie es ist, nicht dazu zu gehören, anders zu sein. Mein Sohn (wurde mit 5,4 Jahren eingeschult) ist in einer solchen Klasse. Das jüngste Kind ist tatsächlich nochmals ein Jahr jünger als er (also wohls o alt wie es deine Tochter dann wäre), das älteste fast 2 Jahre älter, aber sie verstehen sich alle super und keiner wird ausgeschlossen, weil er irgendwie anders ist.

Dass deine Tochter in der 2. Klasse keinen Anschluss gefunden hat, wundert mich nicht. Sie wird von den anderen vermutlich noch als "Baby" gesehen. Mein Sohn kam damals bereits im Kindergarten in die Vorschulgruppe der älteren dazu. Danach wurde er sowohl von seiner ehemaligen Gruppe als auch von der neuen Gruppe ignoriert. Erst in der Grundschule hat er sich ihren Respekt erarbeitet. Freunde hatte er damals in der nächsthöheren Klasse (wobei wir den Vorteil hatten, dass bei uns immer zwei Klassen zusammen unterrichtet wurden) und dann noch Kinder, die in der Grundschule neu dazu gekommen sind, die ihn also nicht aus dem Kindergarten kannten. Jetzt am Gymnasium ist er plötzlich bei allen beliebt, mit allen befreundet und fühlt sich dort richtig wohl.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Auguste » Di 30. Jun 2020, 10:04

Ruth87 hat geschrieben:Hallo,

ich wollte einmal Berichten wie es nach dem Klassensprung weiterging. Gerade für Eltern die selbst vor einer ähnlichen Entscheidung stehen.

Meine Tochter ist Anfang Dezember in die 2 Klasse gesprungen.
Sie war soo begeistert. Es gab Schreibschrift zu lernen^^. Die anderen hatten Vorsprung, also arbeitete sie das halbe Lernheft in einer Woche durch. Trotz mehrerer Nachmittagstermine und auch begrenzter Zeit am WE. Das war sehr anstrengend für uns alle. Nach der langen Unterforderung, hat sie sich mit dem Heft selbst überfordert. Es war, als ob sie einfach nicht einsehen kann, dass auch sie Belastbarkeitsgrenzen hat. Oder als müsste sie nach so viel Langeweile, so viel wie möglich in kürzester Zeit machen. Wir mussten ihr das Heft regelrecht entreißen. Feste Regeln einführen, wann Schulsachen gemacht werden dürfen.
Sie brauchte auch wieder 2-3 Stunden mehr Schlaf pro Nacht. Was gut ist. In der Unterforderung hatte sie teilweise weniger als ich geschlafen. Da hat man gar keine freie "Mama-Papa Zeit" mehr.

Natürlich gab es nicht nur das Schreibschriftheft....aber insgesamt hatte sie keine Probleme mit dem Schulstoff. Schon die Klassenarbeiten vor den Weihnachtsferien hat sie mit Leichtigkeit absolviert.
In Mathe war sie sogar weiter als die Klasse. Lesen und Rechtschreibung wurden in unheimlicher Geschwindigkeit immer besser.

Leider hat sie bis heute kaum Anschluss an die Klassengemeinschaft. Sie hatte wohl auch nicht viel Interesse. Sie hat schon so viel Zurückweisung von Gleichaltrigen erlebt... und die anderen Kinder. Die nettesten haben sie einfach ignoriert...es gab massive Probleme mit einigen Jungs. Hänseln und auch Gewalt. Nur selten Spielpartner in den Pausen.
Einer ihrer Lehrer, der die Schule zum Glück bald verlässt, hat das Mobbing in seinen Stunden einfach ignoriert, statt einzugreifen und zu vermitteln.

Und nun der Knall! Mitte März fing die Langeweile wieder an. Sie hat sogar einige zu leichte Aufgaben verweigert. Obwohl sie sonst alles macht, ohne dass ich mich irgendwie darum kümmern muss. Auf meine Nachfrage ob es ihr zu langweilig sei? „Ja, das ist doof. Mama, ich habe jetzt alle Arbeitshefte der 2. Klasse durch. Darf ich jetzt in die 3. Klasse?“
Naja, unter Corona hat sie einige extra Aufgabe bekommen. Ein extra Referat erarbeitet. 2 Schachlerncomputerspiele durch. Erst Rollschuh und dann Inliner fahren gelernt.
Und ihr Ziel für die nahe Zukunft? Sie möchte versuchen die 3. Und 4. Klasse auch in einem Jahr zu machen. Ich befürchte, sie wird es schaffen. Und dann mit 8 Jahren aufs Gymnasium gehen.
Mein Mann meint, es ist doch egal. Ob sie jetzt in der Klasse keine Freunde hat oder dann unter noch älteren keine Freunde hat….
Ich als Mutter… ich würde gern all ihre Schläue gegen 1-2 Freunde und ein bisschen Anerkennung in der Klassengemeinschaft tauschen.


Wow, die Kleine legt ja ein Tempo vor. Sie hat ein Ziel. So wie Du sie beschreibst, setzt sie alles daran, dieses Ziel zu erreichen. Die Frage ist nur, wie die Schule damit umgeht. Würden sie sie nochmal springen lassen? Wenn nicht, dann habt ihr ein Problem. Ich vermute mal, dass die Schule dann einen IQ-Test sehen will, wenn das Kind nochmal springen soll.

Eure Tochter weiß ganz genau was sie will und anscheinend auch was sie kann 8-). Was die fehlenden Freunde angeht, so muss man halt sehen, ob das Kind im Moment wirklich so sehr darunter leidet oder sich mit der Situation arrangiert hat. Ich kann auch Deinen Mann verstehen, der sagt, "Ist doch egal, wo sie keine Freunde hat". Er hat ja Recht, auch wenn es dir bitter erscheint. So wie Du Deine Tochter hier beschreibst, hat sie selbst keine Hoffnung mehr, auf der Grundschule noch Freunde zu finden und will da nur so schnell wie möglich durch und aufs Gymnasium. Lasst das Kind die Grundschule "durchziehen" und hoffen, dass sich auf dem Gymnasium (Begabungsklasse?) dann ähnlich gestrickte Kinder finden, die mit Deiner Tochter kein Problem haben.

Ich drücke Euch die Daumen, dass Euch die Schule(n) keine Steine in den Weg legen, den sich Eure Tochter ausgesucht hat.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon alibaba » Di 30. Jun 2020, 10:37

@Ruth87

Ihr müsst, vor allem dein Kind muss, mit deinen /euren Entscheidungen leben. Ihr/dein Kind müsst damit zurecht kommen, egal wer hier was und wie rät. Von mir bekommst du daher keinen guten Rat. ;)

Was ich auffällig finde: das fehlende soziale Konstrukt. Warum auch immer. Eigentlich fällt mir nur dazu ein: meinen, nicht retardierten, Kindern war es wichtig, Freunde zu haben. Das müssen ja nicht gleich 100 sein, da reicht einer. Was vielleicht in der Grundschule noch nicht so prägend und wichtig war, kommt immer mehr, je älter die Kinder werden. Das vergleichen, messen und beobachten, wenn sie Teenager sind und sich von Euch als Eltern abnabeln, ist mega wichtig - vor allem auf die Psyche und die persönliche Entwicklung. Keiner will ein Nerd sein. Ich brauche den sozialen Kontakt. Wenn ich jetzt ein Kind mehrmals springen lasse, hat es immer ein Merkmal der Andersartigkeit. Jünger, kleiner und klüger. Das kann man etwas ausgleichen, indem man das Kind in einer besondere Schule einschult. Da verweise ich auf den Vorschlag von @edainwen.

Man wird im Leben nie alles richtig machen können. Man kann nur versuchen, einen individuellen Weg zu finden. Welchen Weg man nimmt, ist total verschieden und davon abhängig, was man möchte, wie stabil ein Kind ist und auch welche machbaren Möglichkeiten denn vor Ort sind. Nicht zu vergessen, die finanziellen Möglichkeiten. Es gibt tolle Angebote für HB - aber man muss das finanzieren können.

Meine Kinder sind auf einem sehr anspruchsvollen Gymnasium. Begleitend dazu hat mein Sohn sich selber verwirklicht. In die Schule gehe ich, am Nachmittag mache ich das was Spaß macht. Forderung läuft bei uns am Nachmittag. Eine HB-Klasse wäre hier nichts, da ich eher "faule" Kinder habe, als ständige Hochleister, die nichts anderes wollen, als lernen und darin ihre Erschöpfung finden, Dinge bis ins letzte Detail auszudiskutieren oder zu ergründen. Gerade mein kluges Kind geht sehr minimalistisch zum Ziel. Und ich bin, geprägt durch viele gesundheitliche Erfahrungen in meinem Bekanntenkreis, da ganz relaxt was die kognitive Maximalentfaltung angeht. Das müssen meine Kinder selber entscheiden, ohne meinen Einfluss. Nur weil ich um den IQ weiß, bedeutet das ja noch lange nicht, dass mein Kind das nun auch so anwenden möchte. Höher, schneller, weiter. Meine konnten da frei entscheiden, ohne Vorgabe und ohne Drill. Selbstverantwortung war und ist mir schon immer wichtig gewesen. Auf jeden Fall sind meine Kinder durchaus sehr beständig indem was sie, in ihren Hobbys, tun. Wahrscheinlich habe ich intuitiv ihre angeborenen Talente behutsam aufgegriffen und bereits einfach schon mal in die richtige Richtung geschoben.

Mit 8 Jahren am Gymnasium - das kann dein Kind nicht entscheiden. Das weiß gar nicht was das bedeutet. Ihr werdet Euch daher festlegen müssen und klug und weise für's Kind entscheiden müssen.

Für mich persönlich sind 8-jährige Kinder. Egal wie hoch der IQ ist. Ich würde das nicht tun.

Für eure Entscheidung wünsche ich Euch ein glückliches Händchen.
alibaba
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