Sprung 1. zu 2. Klasse

Fürs und Widers zum Überspringen

Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Mo 2. Dez 2019, 10:43

Hallo,

Hallo,

Unsere Tochter kam im August mit 6,4Jahren in die 1. Klasse.
Sie war fast von Anfang an enttäuscht von der Schule. Das es die ersten Wochen eher um Eingewöhnung geht, konnte ich ihr ja noch begreiflich machen, aber als der Unterricht losging litt sie zunehmend an seiner Geschwindigkeit. Besonders in Mathe.
Sie hatte im Sommer angefangen zu lesen (obwohl wir immer gesagt haben, das wird erst in der Schule gelernt).
Sie bekam Mathe extra Aufgaben, welche sie dann auch zu schnell machte. Noch mehr extra Aufgaben, Computer Lernspiele. Die Mathelehrerin begriff wohl nicht was meine Tochter schon kann und dass tolle Lernspiele auf Nivou Anfang 1.Klasse eher eine qual waren.
Meine Tochter kam regelmäßig verärgert und gereitzt aus der Schule. Fing an mit mir zu streiten, zu schreien, fast hysterisch zu werden und es endete in vielen Tränen. Das kannte ich von ihr nur, wenn sie im Kiga massiven Streit mit anderen Kindern hatte.
Aber es war die Unterforderung.
Also sprach ich nach den Herbstferien den Klassenlehrer an, wie wir sie besser Fördern können. Oder auch wie diese verkürzte Schuleingangsphase funktioniert. Ich hatte sehr große Befürchtungen. Ich wollte mein Kind nicht als "schlauer" hinstellen. Haben ja auch keinen IQ Test der irgendetwas offiziell bestätigen würde.

Der Lehrer sagte gleich, dass er schon gemerkt hat, dass sie weit ist. Aber nicht wusste das es in Mathe noch schlimmer ist.
Das sie in der Schule die reine Musterschülerin sei. Immer nett, eine Unterstützung für die anderen Kinder, Streitschlichter in den 5 Minuten Pausen. Aber sie solle ja darunter nicht leiden.
Ob sie sofort springen will? Leider war meine Tochter dabei und sagte nein.
Sie hat in der Klasse eine gute Freundin gefunden. quasi die erste in ihrem Leben, mit welcher sie sich wirklich wohl fühlt. Und so wurde ein Sprung spontan vom Lehrer vertagt. Alles in einem 10min. Gespräch.

Dann fragte ich ihn einige Tage später, ob sie in der 2.Klasse mal einen Tag mitmachen könnte. Nur um zu sehen ob sie mithalten kann und ob sie sich nicht auch da wohl fühlt. Wo sie ja eh lieber unter älteren Kindern ist.
Es folgten Wochenlanges warten, keine Reaktion des Lehrers. Nach zwei weiteren Nachfragen bezüglich eines Probetages, durfte sie die 2.Klasse besuchen.
Aus einer geplanten Stunde, wurde spontan ein ganzer Tag. Es lief sehr gut. Und dann...
Am nächsten Tag, die Nachricht: Ihr Kind geht dann ab morgen komplett in die 2. Klasse.
Auf mein Anraten gabs dann doch noch einen extra 1.Klasse Tag. Zum verabschieden, zum Sachen Packen.
Und heute ist der erste Tag als offizielle 2.Klässlerin.

Um Listen zu den benötigten Schulheften zu bekommen, musste ich am Freitag den Lehrern vorm Lehrerzimmer auflauern^^. Damit ich die Hefte bis heute auch organisieren konnte.
Den Stundenplan haben wir von einer neuen Mitschülerin, dessen kleiner Bruder in der Kiga Gruppe meines Sohnes ist.

Sooo, wir sind hoffnungsvoll, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Hoffen, dass sie dort besseren Anschluss an die Kinder kriegt. Selbst mehr lernen kann. Nicht mehr als Hilfslehrer für schwächere Schüler benutzt wird. Die gute Freundin ihr trotzdem erhalten bleibt. Und die neue Lehrerin besser mit uns ins Gespäch kommt, als wir es bisher erfahren haben.

Allerdings ging das ganze sehr "holter die polter". Richtig beraten wurden wir ja auch nicht. Aus einer vorsichtigen Anfrage entstand ohne viel Reflexion der Schule, ein schlecht organisierter Klassensprung.

Das musste mal raus...

Lg Ruth
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Mo 2. Dez 2019, 12:02

Kleiner Nachtrag:

Natürlich ist mir bewusst, dass ich auch mehr hätte nachhaken können. Mehr auf ausführlichere Gespräche bestehen.
Selbst mit der Mathelehrerin Kontakt aufnehmen, anstatt zu erwarten, dass der Klassenlehrer es weitergibt. Unter den Lehrer gab es anscheinend wenig, bis gar keinen Austausch.
Ich wollte nicht als nervende, drängelnde Mutter auftreten. Welche wahrscheinlich mehr torpediert, als hilft. Aber anscheinend ist das teilweise Notwendig. Besonders in solchen Themen.
Das nehme ich jetzt mal als Lernerfahrung mit.

Außerdem habe ich mittlerweile von einer anderen älteren Lehrerin gehört, das meine Tochter ihres Wissens die erste Springerin der Schule ist. Da weiß man auch noch nicht wie so etwas läuft. Obwohl es eine große Schule ist, teilweise 5 Zügig.
Ruth87
 
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon alibaba » Mo 2. Dez 2019, 14:23

Wenn's hilft ….. war meine erste gedankliche Reaktion, dann ist es doch egal ob der Sprung jetzt gut oder schlecht vorbereitet ist/war. Es kann auch so ganz gut sein. Dann juckt es die Lehrer nicht so. Das Kind steht nicht im Mittelpunkt, es wird eben einfach mitgenommen. Das kann auch erlösend sein. Deinem Kind scheint es ja nichts auszumachen. Schlimmer fände ich, wenn man sich ewig bitten lässt, das Ganze nur mit Beweis geht oder eben die Lehrer nicht willig sind und das Kind mit Argusaugen beobachten, betonen was es noch nicht kann etc. In dem Sinne, frei nach Heinz Erhard, "Vorwärts, ich folge euch.".
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Auguste » Di 3. Dez 2019, 21:27

Hallo,

Hört sich alles ziemlich chaotisch an. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Gewöhne Dich dran ;) Das wird nicht besser.

Leider haben viele Lehrer (vor Allem in der Grundschule) keine Ahnung wie man begabte Kinder fördert. Schnelle Kinder bekommen eben Zusatzaufgaben, damit sie beschäftigt sind und nicht stören. Meist sind das aber die gleichen langweiligen Aufgaben, die sie schon vorher im Schnelldurchlauf gemacht haben - nur halt noch mehr davon. Das frustriert. Denn die Kinder brauchen nicht mehr Aufgaben, sondern anspruchsvollere Aufgaben - und die nicht zusätzlich zu den normalen Aufgaben, sondern stattdessen.

Der Klassenlehrer Deiner Tochter hat ja erkannt, dass das Kind viel weiter ist als die anderen und etwas getan werden sollte - und das obwohl sie anscheinend im Unterricht nicht negativ aufgefallen ist. Und er hat was getan, auch wenn ihr jetzt davon ein bisschen überfahren worden seid.

Die Erfahrung, die wir aus den ersten Schuljahren mit unserem Sohn mitgenommen haben: Wenn du willst, dass sich fürs Kind was ändert, dann musst du selbst aktiv werden. Als Eltern sollte man sich nie drauf verlassen, dass die Lehrer auf einen zukommen oder etwas "bemerken". Von den Lehrern wird man nur dann angesprochen, wenn die Kinder negativ auffallen.

Manche Lehrer merken nicht mal, wenn ein Kind begabt ist. Träumen, Herumkaspern, Arbeitsverweigerung usw. wird nicht als Anzeichen von Begabung gesehen, sondern als Anzeichen für ADHS interpretiert, was man "abklären lassen sollte". (So sind wir beim KJP gelandet und haben den IQ als "Zufallsbefund" erfahren). Es steht und fällt letztlich mit dem Lehrer. Wenn der nicht will (oder einfach nur unfähig ist), dann geht das Kind unter.

Wenn Du dagegen einen guten Lehrer erwischst, dann kann die Grundschule auch für ein begabtes Kind interessant sein. Unsere Tochter z.B. hatte eine super Lehrerin und keinerlei Probleme in der (selben!) Grundschule - obwohl sie auch lesend eingeschult wurde und mindestens genauso begabt ist wie ihr Bruder. Sie ist nicht getestet, weil es nie einen Grund gab, sie testen zu lassen.

Deiner Tochter wünsche ich, dass sie sich in der neuen Klasse schnell einlebt und dass die Langeweile nicht allzu schnell zurückkehrt. Für den Fall dass die Langeweile wieder kommt, kann man nur hoffen, dass sie Lehrer hat, die sie wirklich unterstützen und fördern wollen - ggf. nach einem kleinen Hinweis durch Euch ;). Dann sollte Deine Tochter die Grundschulzeit (Klasse 1-4) einigermaßen gut überstehen.

Ab der 5. Klasse wird es meist besser - zumindest war das bei meinen Kindern so. Mehr Unterrichtsfächer, mehr "Inhalt", weniger Wiederholungen = weniger Langeweile im Unterricht ;).

Ich drücke Euch die Daumen, dass sich alles für Euch jetzt schnell entspannt und ihr beruhigt durchatmen könnt :)

Liebe Grüße
Auguste
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