Sprung 1. zu 2. Klasse

Fürs und Widers zum Überspringen

Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon charlotte12 » Fr 3. Jul 2020, 18:52

Musikalität kann sich wie einiges andere in jungen Jahren noch entwickeln. Man wird dadurch nicht zu Mozart, aber man kann durchaus Mozart spielen lernen. Wenn man das kann, dann macht es einem auch Spaß. Mein Großer hat gelernt die Musik von Chopin zu schätzen, erst nachdem er es selber gespielt hat. Das war für ihn so was wie ein Horizonterweiterung.

@ Katze-keine-Ahnung: Das ist sicher richtig. Bei meiner Tochter war ein Teil des Geigenproblems, dass sie gelernt hatte, das Instrument intensiv zu hassen. Mittlerweile spielt sie ganz ordentlich ordinäre Blockflöte und entdeckt durch dieses einfache Instrument eine Freude an der Musik, die zu Geigenzeiten nicht da war und die ich nicht mehr vermutet hätte. Daher denke ich im Nachhinein, die Entscheidung, den Kampf zu beenden war richtig. Mir ging es vorhin nicht so sehr um die Geige sondern mehr darum, dass sich ein Kind, das gerne lesen lernen möchte, nicht umpolen lässt, indem man es zu etwas zwingt, was es nicht interessiert und was ihm im Gegensatz zum Lesenlernen nicht zufliegt. Im Prinzip genau das, was du auch schon geschrieben hast.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Bliss » Fr 3. Jul 2020, 19:02

Ruth87 hat geschrieben:Ich würde es Menschlich nennen, wenn man gerne Dinge tut an denen man Interessiert ist. Interesse hat man selten an Dingen die einem so ganz und gar nicht liegen. Das hat nichts mit Hochbegabung zu tun ;-).


Also selten ist es bestimmt nicht, schau mal eine Castingshow an, da sind reihenweise weitgehend talentfreie Bewerber. Oder Kinder, die auch in der D-Jungend noch den Berufswunsch Fußballprofi haben, aber keinen Ball annehmen können.

Oder verlangst du auch von Normalbegabten ohne musikalisches Interesse, das sie unbedingt zum Zeitvertreib ein Instrument lernen müssen? Und wehe sie hören wieder auf! Dann ist das auf jeden Fall ein großer, unverzeihlicher Charakter Fehler!?



Ich verlange da ja gar nichts, aber ich finde es ist tatsächlich völlig unabhängig davon wer wo wie begabt ist eine gute Sache, etwas auszuprobieren. Und bei dem Wiederaufhören finde ich schon, dass es unterschiedlich gute Gründe gibt.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 3. Jul 2020, 19:20

@charlotte

umpolen kann man einen nicht. Zusätzlich beschäftigen schon. Bei Musik ist vor allem für junge Kinder die Person des Lehrers sehr wichtig. Wenn deine Tochter die Geige gehasst hat, ist der Lehrer nicht unschuldig.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » Fr 3. Jul 2020, 19:28

Hallo,

ich denke wir sind uns alle einig, dass wir hier ein hochbegabtes Kind von dir geschildert bekommen haben. Keine Frage. Ob sie höchstbegabt ist, das würde nur ein Test zeigen. Ich kann verstehen, dass Katze dies vermutet, da deine Tochter extrem schnell, fokussiert und pragmatisch ist. Ihr geht alles zu langsam, alles ist zu ineffizient oder unlogisch. Sie will schnell voran kommen, hat einen unruhigen und ungeduldigen Geist. DAS macht das Kind zu einem Hochleister und deswegen wirkt sie auch wie ein "Wunderkind", dass scheinbar keine Grenze nach oben hat. Für mich heißt das dennoch nicht automatisch, dass sie HÖCHSTbegabt sein muss. Ein Kind mit einem IQ um die 140 kann ebenso agieren und ist per Definition noch nicht HÖCHStbegabt, denn Höchstbegabung beginnt ab 145+. Und hier kommen wir zu dem Punkt, auf den ich gern eingehen möchte. Der Charakter. Dass ein hochbegabtes Kind auch zu einem HochLEISTER wird, dafür sind bestimmte Charaktereigenschaften notwendig, die deine Tochter ALLE mitbringt:

Ehrgeiz, intrinsiche Motivation in den Gebieten, die in der Schule von Belang sind, Schnelligkeit, eine gewisse Ungeduld, gepaart mit unbändigem Wissensdrang, Effizienz, Fokussiertheit.

Auf der Strecke bleiben bei deiner Tochter dadurch aber die sozialen Aspekte: warten können (auf andere, langsamere, umständlichere Kinder/Menschen), Rücksicht, höflicher und respektvoller Umgang mit Menschen, die ihr vielleicht nicht kognitiv gewachsen sind, aber älter (Lehrer, Trainer...) sind und mehr Lebenserfahrung mitbringen.

Zum einen ist hier sicherlich eine asynchrone Entwicklung vorhanden, was bei weitem nicht bei allen hochbegabten Kindern so extrem der Fall ist. Das heißt, sozial und emotional scheint sie tendenziell eher etwas zurück zu liegen oder eben "nur" durchschnittlich entwickelt zu sein. Es gibt nämlich durchaus hoch- oder höchstbegabte Kinder, die ebenso emotional und sozial hochbegabt also überdurchschnittlich befähigt sind, die diese sozialen Anpassungsprobleme dann überhaupt nicht haben. Mein Neffe ist so ein Mensch. Er ist höchstbegabt, und das nicht nur kognitiv. Er ist es auch im sozialen Bereich. Er hatte immer einen festen Freundeskreis, ist außerordentlich beliebt, ausgeglichen und, zumindest nach außen hin, geduldig (auch wenn ihm DAS oft schwer fällt. Ein Augenrollen konnte er sich oft nicht verkneifen, aber maßregeln anderer Personen, die in seinen Augen "dummes" Zeug machen, das wäre ihm nie in den Sinn gekomme, schon garnicht beim Trainer oder einem Lehrer). Er hat nie eine Klasse übersprungen, obwohl ihm oft todlangweilig war, ist nie in einem solchen Ausmaß wie deine Tochter als außergewöhnliches Wunderkind aufgefallen, trotz eines enorm hohen IQ's. Er hat eben einen Teil seiner "Energie" in das soziale Miteinander investiert ;) und vor allem schon immer Hobbies, denen er intensiv nachgeht. Sein Leben war nie die Schule als Ort der Lehre sondern seine Freunde, Familie, seine privaten Interessen...

Was will ich damit sagen: deine Tochter könnte natürlich nochmal springen. HIer bei uns in Bawü ginge das auf jeden Fall theoretisch. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass sie das wirklich will, wenn ihr ihr erklärt, was das bedeutet, nämlch, dass sie 2.3 Jahre jünger sein wird als ihre Schulkameraden. Natürilch kann man sagen "ist doch egal" wo sie keine Freunde hat. Dann muss man aber überzeugt sein, dass sich dieser Umstand nicht ändern wird.

Und wie geht es weiter?

Ich persönlich sage: es ist grundsätzlich (nicht unbedingt auf euer Kind bezogen) nicht egal, sobald die anderen Kinder in die Pupertät kommen und sie noch KIND ist.

Bei dem Charakter deiner Tochter wird sie auch im Gymnasium keine kognitiven Grenzen finden und auch hier nochmal oder mehrmals springen wollen und dann eventuell eines der Kinder sein, dass mit 14 studieren will. Wenn sie das glücklich macht, sie WIRKLICH keine Freunde braucht :gruebel: oder ihr nicht die Chance seht, dass sie sich in naher Zukunft mit Gleichaltrigen anfreunden will, so würde ich das auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Der ungestillte koginitive Hunger wird aber ziemlich sicher bleiben. Ich bin daher auch der Meinung, dass deine Tochter etwas finden muss, was sie ausfüllt, ABGESEHEN vom Schulstoff. Wenn es nicht Fussball oder ein Instrument ist, so ist es vielleicht tatsächlich die Mathematik, Chemie, Biologie, Astrophysik, programmieren, tanzen, zeichnen, was auch immer. Dies kann auch wechseln. Wichtig ist, zu verstehen, dass der Fokus der kognitiven Auslastung nicht alleinig über die Schule stattfinden KANN. Nicht auf einer "normalen" Regelschule, nicht mit ihrem Tempo.

Es kann auch gut sein, dass Eure Tochter so sehr kognitiv auf einem anderen Level ist (also extrem höchstbegabt :mrgreen: ), dass es quasi gar keinen Sinn ergibt, zu versuchen FReunde in ihrer Altersklasse zu finden. Aber das ist nur eine Möglichkeit.

Mein Sohn (7 Jahre, 1. Klasse) ist ein gaaaanz anderer Typ als eure Tochter und hat dennoch auch einiges gemein mit ihr. Er ist gefühlt unbegrenzt auffassungsfähig in Dingen, die ihn interessieren. Aber das ist NICHT der Schulstoff in der 1. oder 2. Klasse, sondern eher Klasse 5 oder höher. Ich greife aber hier nicht vor. Wir lesen und unternehmen viel. Unser Kind hatte IMMER die Möglichkeit sich in Wissensgebiete zu stürzen, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Schulstoff stehen und sich anderweitig "auszutoben".Derzeit sind es Schlangen, Schnecken, und Harry Potter :fahne:. Als Sport macht er Parkour und Freerunning, Tischtennis (fällt leider vereinstechnisch derzeit noch aus) und jüngst auch wieder Fussball.

Er arbeitet liest auch oft vor in Schulbüchern und behält sich das direkt oder kennt es schon, obwohl er das ausdrücklich nicht soll und wir darauf achten, dass er sich dann den "Stoff" fürs Gehirn zu Hause woanders herholt.

Aber unser Sohn hat, obwohl er kognitiv locker hätte springen können und das auch u.a. nach dem 1. halben Schuljahr im Gespräch war, im Gegensatz zu eurer Tochter, kein Interesse die Grundschule so schnell als möglich hinter sich zu bringen, weil ihm das soziale sehr wichtig ist. Er BRAUCHT und hat Freunde und will auch nicht von ihnen getrennt sein, obgleich er in der Schule oft schwer unterfordert ist. Auch unser Sohn ist oft "genervt", wenn die Kinder in der Klasse wieder ewig für etwas brauchen, was für ihn sterbenslangweilig und ein alter Hut ist. Und leider hält er damit auch nicht immer hinterm Berg, sondern korrigiert seine Klassenkameraden oder quatscht rein, wenn ihm was nicht schnell genug geht oder was nicht "korrekt" oder vollständig genug ist (was SEEEEEEHR oft der Fall ist :? ). Auch ist er motorisch sehr unruhig und oft unkonzentriert (bei zu leichten Aufgaben, wenn er zu Hause etwas erledigen soll ;) , wenn er uns zuhören soll und wir reden grade nicht von seinem neuen Interessengebiet). ER hat also schon durchaus auch seine sozialen Baustellen, so große, dass wir sogar immer wieder daran zweifeln ob das wirklich "nur" vom inhomogenen Intelligenzprofil mit einer partiellen Höchstbegabung im sprachlichen Bereich herrührt und immer wieder steht ADHS im Raum. Sicherlich ist unser Sohn asynchron entwickelt. Sprich: im Kopf so um die 14, im Herzen 6 :mrgreen: (so meine persönliche Einschätzung).

Aber er ist definitiv interessiert an sozialer Interaktion, braucht Kinder als Spielkameraden (wenn es auch am besten mit 2-3 Jahre älteren Kindern klappt, sofern die ihn mitmachen lassen). Am Anfang der Schule haben wir auch sehr viel Fokus darauf gelegt, dass unser Sohn kognitiv unterfordert ist (was er auch ist), mittlerweile legen wir, auch zu Hause, den Fokus eher auf das, was er NICHT so gut kann. Nämlich soziale Interaktion und Rücksichtnahme. Besonders als hochintelligenter Mensch MUSS man lernen Geduld zu haben mit seinen Mitmenschen und gewisse soziale Regeln beachten und lernen. Außer man möchte sich wirklich lebenslang ausschließen oder findet mit Glück andere Hochbegabte, die ähnlich ticken. Im Moment fahren wir mit dieser Strategie ganz gut. Der Schul-Rektor, der anfangs keine Ahnung von Hochbebgabung hatte und ÜBERZEUGT war, dass Sohnemanns "Probleme" nicht nur von hoher Intelligenz herrühren können (er ist im Gegensatz zu deiner Tochter auch kein Hochleister, fällt aber durchaus kognitiv auf), und er schlicht mehr Sport bräuchte, hat sich zwischenzeitlich wohl mit Kollegen vom hiesigen Gymnasium mit HB-Zug zusammen gesetzt, die ihm exakt die Verhaltensweisen schildern (in Klasse 5 und 6 wohlbemerkt immer noch), die unser Sohn an den Tag legt. Und da sein Verhalten durch viele Gespräche und viel Geduld der Lehrerin und unsererseits langsam besser wird, sind wir auf einem guten Weg. Unser Sohn leidet nach wie vor darunter, dass alles so langsam geht und oft nur an der Oberfläche gekratzt wird. Ich sage ihm dann immer, dann soll er seine überschüssige Energie darauf verwenden zu versuchen, nicht dazwischen zu rufen :lol: 8-) und dass er, wenn er nicht springen will, da eben durch muss. Wir machen all das nicht, weil wir der Meinung sind, dass ein Klassensprung grundsätzlich ein ungeeignetes Mittel für hochbegabte Kinder ist. Nein das kann sogar lebensrettend sein, je nachdem wie sehr das Kind unter der kognitiven Unterforderung leidet. Wenn das Kind DARUNTER mehr leidet als unter der Tatsache keine Freunde zu haben, ist der Klassensprung sogar genau richtig. Wenn das Kind, wie in unserem Fall sehr wohl darunter leiden würde, keine Freunde zu haben und die derzeitigen Freunde mit ihm in die Klasse 1 gehen, dann ist es nicht der richtige Schritt.

Kurz und gut: was ihr mit eurer Tochter machen sollt, das kann euch niemand wirklich raten. Höchstens jemand der euer Kind gut kennt. Aber sicher nicht wir. Hier kann man Erfahrungen und Meinungen austauschen. Aber tatsächlich Empfehlungen auszusprechen, empfinde ich hier als schwierig. Letztendlich kennt man ja das Kind nur anhand der Beschreibung der Eltern.Und diese kann nie vollständig und allumfassend sein.

Ihr müsst euch einfach im Klaren darüber sein, dass ihr mit einem 2. Sprung einen Weg für euer Kind festlegt, nämlich dass der Schulstoff und das "hinter sich bringen" der Schule Vorrang vor dem sozialen Miteinander mit Gleichaltrigen hat. Wenn ihr meint, das ist der richtige Weg für Euer Kind, dann auf geht's. Es gibt ja tatsächlich Kinder/Menschen, die sich selbst genug sind und nicht so sehr auf eine Peergroup angewiesen sind. Wenn ihr aber genau darüber zweifelt, dann wartet lieber noch ab. Es kann immer die richtige, aber auch immer die falsche Entscheidung sein :fahne:.

Gruß

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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 3. Jul 2020, 19:48

Hallo Ruth!

Zur Info für dich - die meisten, die hier schreiben, tun das schon seit Jahren, und kennen sich entsprechend gut.

Mit alibaba waren schon etliche User an der Stelle, wo du gerade steckst. Wenn du mal in den älteren threads hier stöberst wirst du sehen, was ich meine ;) .

Wer hier für sich was mitnehmen will muss damit leben, von einzelnen Usern nicht nicht verstanden zu werden. Erklärungen, Rechtfertigungen, Anschuldigungen - so gut sie auch vorgebracht und untermauert werden, bringen niemanden weiter. Diskutieren kann ich mit Menschen, die mir zuhören. Wer von Haus aus schon eine vorgefertigte Meinung über mich hat, und beflissentlich meine Erklärungsversuche wegblendet, mit dem beschäftige ich mich nicht weiter, weil es nur Zeit kostet und nichts bringt.

Aber hier gibt es genug Menschen, die zuhören, so dass ich mich hier insgesamt aufgenommen fühle. Damit, nicht von allen so gesehen zu werden, wie ich mich selbst sehe (und schon gar nicht so, wie ich tatsächlich bin), kann ich ganz gut leben. Vielleicht ist so ein Weg auch für dich hilfreich.

Zumindest ich sehe dich nicht als Eislauf-Mama (und auch Karen, charlotte, sinus, meine3 und katze nicht) und ich lese auch aus den anderen Beiträgen großteils Verständnis für dich und die aktuelle Situation mit deiner Tochter heraus. Dass die User hier trotzdem verschiedene Meinungen zu einem weitern Sprung bzw. dem weiteren Vorgehen haben liegt an den unterschiedlichen Erfahrungen, die die Leute hier gemacht haben. Aber du kannst und wirst dir davon ohnehin nur das mitnehmrn, was du für eure Situation als passend einschätzt. Ich hoffe daher, dass du hier genug hilfreiche Beiträge findest und die weniger hilreichen lässt du am besten ganz einfach so stehen ;) .
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 3. Jul 2020, 21:40

Habe neulich mit den Kindern alle Star Wars angeschaut. Vielleicht bräuchten wir hier auch eine(n), der die Macht ins Gleichgewicht bringt :-)
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » Fr 3. Jul 2020, 22:44

Möge die Sachebene mit uns sein.

:mrgreen:
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Sa 4. Jul 2020, 10:24

Danke, Rabaukenmama,
diesen Tipp habe ich schon von jemand anderem bekommen.
Ich bin auch zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht lohnt da andere Reaktionen und Selbstreflexion zu erwarten.
Und alibaba hat ja recht. Ich war nicht mehr sachlich. Sie auch nicht, aber das kann ja auch egal sein.

Leider bin ich mit dem Alter eher schlechter darin geworden, solches Verhalten hinzunehmen.
Außerdem hat man durch die Anonymität, das Fehlen der direkten Konfrontation, ganz andere Möglichkeiten. Das verleitet…



Ich bin etwas erstaunt, dass ihr immer wieder auf das Thema IQ Werte kommt.
Mir persönlich sind diese ziemlich egal. Es steht außer Frage, ob meine Tochter Hochbegabt ist. Wie genau sich das nun zusammensetzt, wie viel Einfluss all die anderen „Begabungen“ und ihr Charakter haben, wäre für mich höchstens auf intellektueller Ebene interessant.
Kann man das überhaupt genau auseinander dröseln? Da bedingt sich sicher so manches gegenseitig.
Und im Endeffekt ist doch nur wichtig, wie es sich äußert. Und ob man es schafft damit ein zufriedenes Leben zu gestalten. Alle Intelligenz der Welt bringt nichts, wenn man einsam und unglücklich ist.
Testung kann natürlich sinnvoll sein, um sich seiner Begabung bewusst zu werden. Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu bekommen und vll dem Underarchiving besser zu begegnen.

Aber der IQ Test ist in meinen Augen nur der Versuch etwas zu vergleichen. Damit man es in Worte fassen kann. Man das Gefühl hat, es kontrollieren zu können.
Es werden ja nicht einmal alle Bereiche der Intelligenz getestet: Kunst, Musik, Soziales Verhalten
Wobei es dafür ja dann noch den EQ gibt.
Aber hier schreiben ja genug über zusätzliche Komponenten: ADHS, Autismus, Gefühlsstarke Kinder, Hochsensibilität, Legasthenie, Dyskalkulie, Asynchrone Entwicklung….
Diese Komponenten (und viele mehr) können alle ein Ergebnis stark beeinträchtigen. Sie können dafür sorgen, dass die „Hochbegabung“ nicht gezeigt und ausgelebt werden kann.
Außerdem kann man für den IQ Test gezielt lernen und dadurch tatsächlich mehr Punkte erzielen.
Es kommt auch darauf an, welche Förderung/Forderung und Lernmöglichkeiten man in seinem Leben hatte.

Einfaches Beispiel:
Die U Untersuchungen beim Kinderarzt. Quasi ein Mini IQ Test. Kann das Kind dies und jenes? Getestet an Standard Spielzeug. Was ist wenn eine Familie dieses Spielzeug nicht hat? Und das Kind zum allerersten Mal damit konfrontiert wird? Manche werden es trotzdem benutzen können, aber genauso gut wie die Kinder, die viel damit geübt haben? Wo Eltern vll desöfteren gezeigt haben wie es zu benutzen ist?
Ist dieses Kind deshalb dümmer?



Was meine Tochter betrifft. Klar ist sie asynchron entwickelt. Ihr Verstand ist viel weiter als ihre Emotionen. Klar muss sie irgendwie lernen/üben besser mit gleichaltrigen klar zu kommen.
Ich versuche ihr teilweise seit Jahren klarzumachen, dass Kinder ein anderes Verhalten von ihr wollen.
-Dass sie nicht auf Regeln hinweisen soll. Wobei das schon viel besser geworden ist. Mit 3 Jahren hat sie immer geweint, sobald ein Kind die kleinste Regelübertretung machte.
-Einfach den Mund halten wenn jemand Lügt oder es zumindest nicht vor der ganzen Gruppe beanstanden.
- Nicht den Streitschlichter spielen. Auch wenn sie das gut kann und manche Kinder sich hilfesuchend an sie wenden.
Denn dann ist sie für die Kinder nicht mehr ein gleichwertiges Kind
- Sich beim Fangenspielen (ect.) auch mal fangen lassen. Die anderen haben keine Lust mit ihr zu spielen, wenn sie immer gewinnt.
- Wenn die Jungs sie beim Fußball herausfordern (5 gegen sie allein) einfach mal verlieren. Dem Stolz der 5 Jungs hat bestimmt nicht gutgetan, dass meine Tochter trotz übermacht, knapp gewonnen hat.
-Keine Vergleiche von Leistungen. Obwohl sie so gerne Vergleicht (wohl wie die meisten)
- Falls einer irgendwo besser ist, nicht als neues Ziel haben, auch diesen Stand zu erreichen. Für sie ist es wohl so etwas wie eine Herausforderung, ohh das kann ich noch nicht/nicht so gut wie…. Das will ich auch lernen/verbessern. Damit hat sie ein Ziel. Und ich glaube sie braucht Ziele.
- Verabredungen mit Kindern der Klasse. Das will sie nicht, wir haben es Probiert. Ich habe sie quasi dazu gezwungen. Sie hat sich dann meistens überwiegend mit den Erwachsenen vor Ort unterhalten.

Was kann ich ihr noch raten?
-Mit Absicht schlechte Noten schreiben und sich endlich für Puppen, Pferde oder sonstigen altersgerechten Mädchenkram interessieren?
-Im Unterricht/Sport quasseln, wie die anderen. Mit den anderen. Und nicht sagen: psst, ich möchte arbeiten/zuhören

Jaa, alles Ideen. Wie bekomme ich das in ihren Kopf?

Das Problem ist:
Sie will sich nicht verstellen. Nicht ihre Wertvorstellunge und Interessen über den Haufen schmeißen um zu gefallen.
Das feinfühligere Kommunizieren und besser akzeptieren, dass es auch andere nicht so hochgegriffene Wertvorstellungen gibt…das fällt halt noch schwer. Sie ist 7 und nicht Perfekt ;-)
Allerdings frage ich mich auch, bis zu welchem Punkt sollte sie sich überhaupt anpassen? Wenn das Gegenüber sich keinerlei Mühe gibt (hänselt, ausgrenzt, Gewalt androht, Gewalttätig wird), fällt es nun Mal schwer die Nötige Motivation zum anpassen zu finden.

Sie hätte gerne Freunde, zumindest 1-2 mit ähnlichen Interessen. Mit denen sie gemeinsam neue Dinge lernen und entdecken kann. Bei denen sie einfach sie selbst sein darf. Wo sie nicht große Teile ihrer Persönlichkeit drosseln oder verstecken muss. Diese Kinder hat sie noch nicht gefunden.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Sa 4. Jul 2020, 10:47

P.s. mit Erwachsenen gerät sie sehr selten aneinander.
Und auch nur wenn diese sich extrem danebenbenehmen. Was jeder Erwachsene kritisieren dürfte.
Das Verhalten des Fußballtrainers ist oft in verschiedenen Bereichen dermaßen daneben, dass zwei Väter ehrenamtlich mit trainieren um das schlimmste von den Kindern abzuhalten. Schon viele Eltern haben den Verein gewechselt. Wir sind nur noch da, weil der nächste 30Min mehr Weg bedeuten würde und wir möchten dass die Kinder möglichst früh selbstständig zum Training fahren können.

Ein Vertretungslehrer kitzelt ständig die Kinder. Macht viele Späße mit ihnen. Als meine Tochter ihm sagte, dass sie nicht gekitzelt werden möchte und er doch bitte etwas ernsthafter mit ihr sprechen soll, ignorierte er dies. Beim nächsten kitzeln, kitzelte meine Tochter einfach zurück. Um ihm zu zeigen, dass dies nicht ok ist. Daraufhin wurde der Stocksauer und drohte ihr bei Wiederholung Schläge an.
Natürlich hätte sie noch öfter versuchen können ihn verbal zum Unterlassen des Kitzelns aufzufordern. Aber sie sah darin keinen Sinn und versuchte es eben mit "Verhalten spiegeln".
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 4. Jul 2020, 12:03

Zum eigentlichen Thema zurück. Aus meiner persönlichen Erfahrung mit einem Kind mittlerweile in der 9. Klasse (13) hält das deutsche Schulsystem maximal 2 Jahre Akzeleration aus. Oberhalb dieser Grenze wird man zu einem Exoten, sowohl für die Kinder und deren Eltern als auch für die Lehrer. In den USA ist die Wahrnehmung anders, aber wir sind ja hier und jetzt... Für die Integration in die Klassen gemeinschaft sehe ich selbst bei -2 das größte Problem zwischen 11 und 13 jährigen. 11 und 14 geht gar nicht zusammen. Meine fast 14-jährigen würden sich mit einem 11-jährigen, egal wie begabt, nicht anfreunden können. Wenn ihr die Entscheidung für den 2. Sprung nimmt, wird es wie oben schon von jemanden erwähnt, eine endgültge Entscheidung gegen die Klassengemeinschaft.

Weder zwei noch drei Jahre der Akzeleration lösen das Problem der Geschwindigkeit. Ich habe meine Kinder langer im Homeschooling unterrichtet. Mein Großer hat für Mathe in der 5.-6.-7. Klasse für den jeweiligen Jahrgang etwa 6 Wochen gebraucht, fast vollständig in Eigenregie. Meine Zwillinge haben in einem Jahr 3 Jahre Latein nachgeholt, ohne sich dafür übermäßig anstrengen zu müssen.
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