Sprung 1. zu 2. Klasse

Fürs und Widers zum Überspringen

Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Karen » Sa 4. Jul 2020, 12:12

Ihr könnt froh sein will deine Tochter sich nicht anpassen. Meine hat das über Jahre erfolgreich gemacht - mit dem Resultat dass sie Durch Kopfweh, Bauchweh, rückwärtige Entwicklung und Einnässen, gar nicht mehr aufnahmefähig war und zu Hause nur noch geweint hat. Alles war von einem Tag auf dem anderen weg seit ihr Psychologin gesagt hat dass sie von 1000 Kinder platz eins hätte und sie direkt ins erste Klasse einsteigen dürfte. Ich würde in so Fall wie bei euch ihres Verhalten reflektieren aber sicher nicht auffordern sich gegen ihre Prinzipien zu verhalten um anderen zu gefallen. Das wollen wir doch sicher nicht für unsere Kinder - egal wie begabt..
Und was den Vorfall mit Kitzeln angeht - sorry, aber hier würden wir als Eltern auf Barrikaden gehen und sofort mit dem Lehrer sprechen! Hat er nichts von "mein Körper gehört mir!" und andere Misbrauchprävänzionkampanien gehört? Gibt es bei euch sowas nicht? Das geht doch gar nicht, Kind anzufassen wenn sie klar sagt dass sie es nicht will!! Und noch schläge anzudrohen - hier in CH wäre es genug für eine Anzeige bei Polizei.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon charlotte12 » Sa 4. Jul 2020, 12:29

Meine Tochter sucht sich bei ihren Freundschaften gezielt Kinder aus, die ihr so deutlich unterlegen sind, dass es sonnenklar und sozial akzeptiert ist, dass sie alles besser kann. Ihr Spezialgebiet sind viel jüngere Kinder und deutlich ältere Kinder mit Entwicklungsverzögerungen. Auf diese Kinder geht sie unglaublich feinfühlig ein.

Einem Kind beizubringen, dass es mit Absicht verlieren soll, um beliebt zu sein - ich weiß nicht. Das musst du gut transportieren, damit nicht als Botschaft ankommt: "Du musst dich verstellen und klein machen, um richtig und geliebt zu sein.". Eine Möglichkeit, solche Botschaften zu vermeiden und Empathie zu trainieren ist, mit dem Kind in einer ruhigen Minute einfach nur zu überlegen, wie sich sich fühlen würde, wenn sie das andere Kind wäre.

Es stimmt, meine Tochter (die bis heute Tobsuchtsanfälle bekommt, wenn sie gegen Erwachsene ein Spiel verliert) lässt ihre Freunden immer mal wieder gewinnen, mit liebevoll nachsichtigem Blick, so wie eine Mutter ihr Kleinkind mit Absicht gewinnen lässt. Ganz oft versucht sie auch, Wettkampfsituationen zu vermeiden, einfach weil sie weiß, dass das nur zu Problemen führt.
Wie kommt deine Tochter denn mit deutlich jüngeren oder deutlich älteren Kindern klar, mit denen sie sich nicht direkt vergleichen kann?

Das Verhalten des Vertretungslehrers empfinde ich als ganz klar übergriffig. Dort sehe ich das Problem nicht bei deiner Tochter :evil:
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 4. Jul 2020, 12:53

Meine Tochter passt sich aus sehr an, ich bin eher diejenige die versucht dagegen zu steuern. Daher schliße ich mich Karen und charlotte an, lasst jeden Versuch in die Richtung sein. Das kommt vor allem in der Pubertät böse zurück.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » Sa 4. Jul 2020, 13:49

Hallo Ruth,

Ich denke in eurem Fall ist der Test tatsächlich nicht so relevant, da die Sachlage „eindeutig“ ist. Sie hat extrem viele Stärken und scheint kognitiv keine Schwächen zu haben und ist unglaublich weit, nach deinen Erzählungen. Lediglich die soziale Integration funktioniert nicht, auch nach deinen Erzählungen.

Und HIER denke ich schon, hinsichtlich der Überlegung „Sprung oder nicht“, dass es einen Unterschied macht ob man sagen kann/muss: sie hat einen so hohen IQ, der Versuch sich ein wenig mehr anzupassen ist schlicht zwecklos, da sie quasi mit ihrem IQ allein ist und selbst ein hochbegabtes Kind ihr kein adäquater Spielkamerad wäre und springen mindert wenigstens das Problem mit der Unterforderung oder aber ob sie "einfach" hochbegabt ist (wie viele andere Kinder hier auch :fahne:) , gepaart mit einer großen Ungeduld und Wissensdrang und wie viele andere Kinder hier auch :fahne: einfach Wege finden muss (und wird?), sich zu integrieren,bzw. Freunde zu finden.

Es hat auch nichts mit verbiegen zu tun, sondern schlicht mit "lernen" und "üben". Klar, das musste deine Tochter sonst nie groß, zumindest nicht im kognitiven Bereich.

Aber in unserem Fall ist das auf jeden Fall das Gebiet wo Sohn was lernen kann und muss. Und sein Verhalten ist umsichtiger geworden und er ist nicht "verbogen", sondern immer noch unser Sohn :fahne:. Und all das ist im Alter zwischen 6,5 und 7,5 passiert. Nicht vorher. Wir haben ihm auch nicht gesagt: mach dies, mach jenes, lass das und das sein" Wir haben ihn einfach immer wieder gefragt, wie er es fände, wenn da immer einer reinschreit und er nicht mehr zu Wort kommt, wie er es fände, wenn er von seinem Klassenkameraden oder Freund "korrigiert" wird und er hat eingesehen, dass er das überhaupt nich toll fände. Er hat letzlich selbst bestätigt, dass es ihm viel besser geht, wenn er es schafft, sich zu gedulden, nicht immer alles allen anderen vorwegzunehmen und Rücksicht zu nehmen, weil dann eben alle Kinder viel netter mit ihm sind. Ich schrieb im letzten Beitrag er hat Freunde. Ja, aber anfangs war es nur ein einziger Freund als wir hierher gezogen waren und den Zugang zu den anderen Jungs in seiner Klasse musste er sich hart erarbeiten. DA er „anders“ ist, war das auch schwer für ihn. Es hat ein gutes halbes Jahr gedauert, bis auch andere (außer sein Freund aus der Kita) Klassenkameraden mit ihm spielten. Davor wurde ausgegrenzt, ausgelacht, beschimpft, gemobbt, verprügelt und so weiter. Das volle Programm.

Deine Tochter hat nicht GENAU diese Probleme, das will ich garnicht damit sagen, aber eben auch Probleme im Bereich soziale Interaktion, die in diese Richtung gehen.

Ich sage auch nicht, dass das alles an ihr liegt. Tut es bei meinem Sohn auch nicht. Ich habe so viele Situationen imterlebt, wo mein Sohn einfach nur viel reifer und klüger gehandelt hat, er aber damit nicht an das andere Kind herangekommen ist, weil das andere Kind das schlicht nicht verstanden hat. Und leider wird mein Sohn dann irgendwann auch wütend und verzweifelt.

Das Verhalten der anderen könnt ihr nicht "ändern". Die eigene Einstellung und das eigene Verhalten kann man aber ändern und das kann auch schon einiges bewirken. Klar, ihr könnt da auch einfach den Kopf in den Sand stecken und sagen: sie will eine Freundin, aber die gibt's halt nicht. Schade. So kommt das grade bei mir an. Aber bringt euch das weiter?

Ich habe im Übrigen auch eine Tochter, die ist jetzt 6;0 Jahre alt. Sie war immer sehr beliebt in der Kita, denn sie handelt extrem sozial, angepasst und ist kein Angeber (quasi das charakterliche Gegenstück zu meinem Sohn, da sieht man auch, wie wenig Erziehung ausmacht :fahne:). Sie hat kein großes Selbstbewusstsein und möchte gefallen. Dafür tut sie viel. In der alten Kita, die sie mit 3 noch besucht hat, war sie rundhum happy mit ihren Spielkameraden. Sie hatte einige wenige gleichaltrige Freunde, die meisten waren 1-2 Jahre älter. Sie wurde zu wirklich jedem Geburtstag eingeladen und dann kam der Kitawechsel. Auch hier kam sie gut an und fand schnell Freunde. Allerdings eben nur unter den Vorschülern, während sie grade 4 geworden war.

Warum meine Tochter also so leicht Zugang zu anderen findet, liegt an ihrem Charakter. Sie zeigt eigentlich NIE, was sie alles schon kann. Wir bekommen das immer durch Zufall mit:" huch, das Kind kann ja lesen", "huch, sie fährt ja plötzlich Fahrrad", "huch, wann hat sie denn sprechen gelernt" "schau mal, sie läuft ja!". Im Gegensatz zu meinem Sohn, lernt sie alles wie "nebenbei" und macht keinen großen Wind darum 8-). Auch ist es ihr absolut nicht wichtig, möglichst viel und schnell zu „lernen“ wie deiner Tochter. Und ich denke das kommt, weil sie bereits ein Hobby hat, das sie ausfüllt, das malen. Hier geht sie völlig drin auf und ist auch ein großes Talent. Sie malt mit 6 Gesichter mit Wimpern, elliptischen Augen, Pupillen, sie malt Augenbrauen und Nasenlöcher, sie malt perspektivisch (Landschaften aus der Vogelperspektive, aber auch dreidimensionale Fahrzeuge oder Körperhaltung der Menschen etc). Dieses ausbrechen aus der Realität und versinken in ihre eigene Welt, wo sie genau so sein kann, wie sie ist, hilft ihr ungemein, im Alltag zurückzustecken und dabei nicht so zu „leiden“. Daher fällt sie garnicht so auf, obwohl sie kognitiv sicherlich sehr fit ist. Ich traue ihr z.B. kognitiv fast mehr zu als meinem Sohn, mein Sohn fällt aber viel mehr auf.

Sie selbst war im letzten Kiga-Jahr trotzdem unglücklich, weil die Spiele der anderen für sie langweilig sind, weil sie andere Dinge spannend findet, weil die älteren Kinder, mit denen sie so schön spielen konnte, alle schon in der Schule sind mittlerweile. Weil sie ihre eigene Andersartigkeit gespürt hat. aber nicht einordnen konnte. Nun kam Corona und alles mit der Einschulung ist ungewiss, es plagen sie viele Ängste, sie ist einsam. Die ersten 2 Monate der Coronazeit hat sie sehr liebevoll und fürsorglich mit ihrer kleinen Schwester gespielt und war glücklich nicht mehr in die Kita zu müssen. Nun haben wir den Vertrag gekündigt bekommen (lange Geschichte, gehört nicht hierher) und im Moment hat sie richtig die Nase voll und wie deine Tochter keine Lust mehr sich ständig für ihre kleine Tochter zu verbiegen. Auch sie braucht Spielkameraden, die ihr gewachsen sind. Wir haben 3 Nachbarskinder, die 8, 5 und 3 sind. Sogar das 8jährige Mädchen passt eigentlich kognitiv nicht wirklich zu ihr. Meine Tochter ist auch ein recht untypisches Mädchen. Sie mag diesen ganzen Mädchenkitsch nicht besonders, sie forscht gern und wäre oft gern ein Junge, weil sie wahrnimmt, dass sie von Jungs aufgrund ihres Geschlechtes oft diskriminiert wird (wie es eben so ist in diesem Alter) und sie selbst eigentlich lieber mit Jungs spielt, weil die nicht so „albern“ sind (ihre Aussage).

Das heißt: ich fasel hier nicht einfach irgendwelches Zeug und meine alles besser zu wissen. Ich erzähle von meinen Erfahrungen! Nichts weiter. Ich kenne die Probleme der sozialen Integration, des Misfits durchaus aus eigener Erfahrung (ich als Kind) als auch von meinen Kindern. Mein neuer Ansatz ist eben derzeit, den Fokus nicht (MEHR) auf die Unterforderung und kognitive Langeweile zu legen, sondern auf die soziale Integration. Das ist das, was ich im ersten Schuljahr gelernt habe und womit wir grade ganz gut fahren.

Das sind einfach verschiedene Herangehensweisen. Keine ist PAUSCHAL betrachtet besser oder schlechter. Man muss abwägen, was für das eigene Kind WICHTIGER ist: ein Ende der kognitiven Unterforderung oder ein Ende des sozialen Isolation. Beides gleichermaßen hinzubekommen bei einem hochbegabten Kind auf einer Regelschule ist sehr schwer. Dieses Problem kann behoben werden, wenn das Kind auf eine spezielle Schule für Hochbegabte kommt, ansonsten sehe ich hier nur die Lösungswege, die dir bereits mehrmals vorgeschlagen wurden oder die ihr selbst in Erwägung zieht (nochmal springen).

All diese Erfahrungen, unter anderem auch meine, macht dir wahrscheinlich klarer, was ihr für euer Kind wollt. Ich sehe da schon sehr stark die Tendenz in Richtung zweiter Sprung bei euch. Und wenn all unsere Erfahrungswerte dir geholfen haben, dir darüber klarer zu werden, dann ist das doch gut.

Du hast da also einiges irgendwie in den falschen Hals gekriegt. Ich habe dich als Mutter in keinster Weise kritisiert oder ein Versäumnis angedeutet. Auch halte ich dein Kind nicht für "unsozial". Es geht lediglich um den Umgang, um das Sozialverhalten mit der Peergroup und der ist, nachgewiesen für HBchen oft schwierig. Natürlich wünscht sie sich einen Freund oder eine Freundin, mit der sie auf Augenhöhe spielen kann. Die fallen aber leider nicht vom Himmel. Die muss man suchen oder alternativ selbst sein eigenes Verhalten und die Einstellung dazu ändern und andere Wege finden, kognitiv ausgelastet zu sein und dies nicht über Schulstoff oder die gleichaltrigen Freunde versuchen.

Wie gesagt, gibt es hier mehrere von eigentlich allen Usern bereits aufgezählte Möglichkeiten "fündig" zu werden:

1. Freizeitgestaltung (über Hobbies findet man Gleichgesinnte, auch ältere, die vielleicht besser passen und eben auch eine kognitive Auslastung, die dem Kind helfen, den schwieirgen Alltag besser zu bewältigen, weil es insgesamt ausgeglichener ist)

2. DGhK (hier findet man andere hochbegabte Kinder)

3. sich schon ein wenig anpassen oder Nischen suchen, Wege finden sich zu integrieren, ohne sich selbst aufzugeben

Keiner sagt, dass sie sich verbiegen soll. Das Problem ist, das sie kognitiv zu älteren Kindern passt, daher ein Sprung eigentlich auch sozial betrachtet besser wäre. ABER die anderen Kinder sie nicht akzeptieren werden und sie dann aus anderen Gründen mehr auffallen wird: weil sie bedeutend jünger ist als die anderen.

Es ist also durchaus ein Weg, die Schulzeit so schnell wie möglich durchzuziehen, aber die Kindheit kann man nicht auf die selbe Art und Weise beschleunigen. Sie wird dennoch ein Kind sein und Kinder brauchen. Daher sollte man dieses Problem nicht außer Acht lassen.

Was ich damit sagen will: ich verstehe sowohl dich als Mutter als auch die Situation deines Kindes. Ich dachte, das wäre klar :fahne:. Aber dennoch kann man Dinge versuchen und tun, diesen Aspekt der fehlenden Freunde zu mindern. Ganz beheben kann man diese Kluft, die nunmal vor allem im Kindesalter zwischen normal begabten und hochbegabten oder gar höchstbegabten Kindern besteht, aber nicht. Sie wird automatisch kleiner, wenn die Pupertät vorbei ist. Denn dann spielt das Alter keine große Rolle mehr. Es ist DANN wesentlich leichter sich mit einer älteren Person anzufreunden. ABER falls sie bis dahin keine Freunde gehabt haben sollte, so wird sie rein sozial auch einiges nicht gelernt und verpasst haben, was es ihr auch dann schwerer machen wird, Freunde zu finden.

Was du inwiefern mit deiner Tochter alles schon besprochen hast oder nicht, in Bezug auf das soziale Umfeld und den Umgang mit eben solchem, das kann ich nicht wissen, wenn du es nicht erzählst. Das hast du erst mit diesem Beitrag erzählt. Bislang hatte ich nur rausgehört, wie sie sich verhält oder wie sich andere ihr gegenüber verhalten, aber nicht wie ihr als Eltern darauf reagiert und wie ihr das mit ihr zusammen verarbeitet, außer dass ihr eben den Sprung erwägt. Von daher brauchst du dich hier nicht auf die Füße getreten fühlen. Ich sage das sehr oft: wir können nur auf das reagieren, was ihr schreibt. Diese Beschreibungen können nie vollständig sein und deswegen auch oft ein „falsches“ Bild entstehen lassen oder eben einen in eine Richtung denken lassen, die verkehrt ist.
Fakt ist: sich integrieren und dazu gehören zu wollen ist den meisten Kindern ein großes Bedürfnis, auch hochbegabten Kindern, grade hochbegabten Mädchen. Ich weiß das sehr gut aus eigener Erfahrung. Ich habe mich angepasst bis zum erbrechen und das war nicht gut. ABER das allein sein war schlimmer. Zumindest für MICH, DAMALS unter diesen Umständen. Auch hier wieder: eine klare Empfehlung kann dir hier niemand geben und habe ich dir nie gegeben. Es ist euer Leben, eure Entscheidung, euer Kind. IHR wisst am besten, was für sie besser ist. Wir können hier nur unsere Erfahrungen teilen und vielleicht kannst du für dich da etwas rausziehen, vielleicht auch nicht.

Wie man sich als buntes Zebra in der Herde unter all den schwarz-weißen Zebras am besten anpasst, sich am besten integriert, ohne sich selbst aufzugeben, das gehört zu den großen Aufgaben, die wir bunten Zebras im Leben haben. Die einen hochbegabten können das sehr gut, die anderen nicht so gut und das hat meiner Meinung nach eben nicht NUR was mit der Höhe des IQ zu tun, sondern auch mit dem Charakter.

In diesem Sinne: liebe Grüße

Meine 3

PS: mit alibaba eckt man hier hin und wieder mal an. Es ist ein kleiner Kreis von Eltern hier, sehr überschaubar. Das hat den Vorteil dass man sich recht schnell "kennen lernt", aber auch den Nachteil, dass man mit einigen Macken der anderen eben immer wieder konfrontiert wird (und vice versa). Auch ich habe mich schon oft persönlich angegriffen gefühlt und daher unsachlich auf ihre Unsachlichkeit reagiert ;). Es geht hier schließlich um einen sehr persönlichen Bereich des Lebens und da bleibt es nicht aus, dass man mal emotional wird. :fahne:
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Meine3 » Sa 4. Jul 2020, 16:31

Ruth87 hat geschrieben:P.s. mit Erwachsenen gerät sie sehr selten aneinander.
Und auch nur wenn diese sich extrem danebenbenehmen. Was jeder Erwachsene kritisieren dürfte.
Das Verhalten des Fußballtrainers ist oft in verschiedenen Bereichen dermaßen daneben, dass zwei Väter ehrenamtlich mit trainieren um das schlimmste von den Kindern abzuhalten. Schon viele Eltern haben den Verein gewechselt. Wir sind nur noch da, weil der nächste 30Min mehr Weg bedeuten würde und wir möchten dass die Kinder möglichst früh selbstständig zum Training fahren können.

Ein Vertretungslehrer kitzelt ständig die Kinder. Macht viele Späße mit ihnen. Als meine Tochter ihm sagte, dass sie nicht gekitzelt werden möchte und er doch bitte etwas ernsthafter mit ihr sprechen soll, ignorierte er dies. Beim nächsten kitzeln, kitzelte meine Tochter einfach zurück. Um ihm zu zeigen, dass dies nicht ok ist. Daraufhin wurde der Stocksauer und drohte ihr bei Wiederholung Schläge an.
Natürlich hätte sie noch öfter versuchen können ihn verbal zum Unterlassen des Kitzelns aufzufordern. Aber sie sah darin keinen Sinn und versuchte es eben mit "Verhalten spiegeln".


Meine Kinder kommen in der Regel auch mit Erwachsenen besser klar als mit gleichaltrigen Kindern (bis auf mein Sohn, der durch seine diskussionsfreudige und manchmal widerspenstige Art auch bei Erwachsenen, insbesondere Autoritätspersonen oft nicht gut ankommt). Was du jetzt hier über den Trainer berichtest, klingt ganz anders als der Beitrag dazu vorher, in dem du nur davon erzähltest, dass deine Tochter von den schlechten Strategien genervt ist und hinweist, dass er nicht so einen "mist" machen soll. Ich würde dann aber hier auch nochmal drüber nachdenken, ob ein Vereinswechsel nicht auch für euch in Frage kommt, wenn die Unzufriedenheit klar auf den Trainer zurückzuführen ist und nichts mit den Kindern oder dem Spiel an sich zu tun hat.

Was den Vertretungslehrer angeht: schwer übergriffliches Verhalten eines Erwachsenen gegenüber Kindern. Geht garnicht. Gar keine Frage. Das spiegeln des Verhaltens ist jedoch auch eine ungewöhnliche Reaktion gegenüber einem Erwachsenen. Sowas kenn ich bislang auch nur von meinem Sohn, sonst von keinem Kind. Das meine ich NICHT wertend. Es ist lediglich eine Feststellung. In so einem Fall des Übergriffes durch den Lehrer müssen die Eltern agieren, da kann ein Kind sich schlecht "wehren". Wie ist diese Geschichte mit dem Vertretungslehrer weiter gegangen? Habt ihr das Gespräch gesucht?
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Sa 4. Jul 2020, 17:16

Liebe Meine3,

ich befürchte ich habe mich nicht gut ausgedrückt.
Ich fühle mich von dir keinesfalls auf die Füße getreten. Ich bin dankbar dass ihr alle eure Erfahrungen weitergebt. Es sind manche Denkanstöße dabei.

Außerdem ist es richtig und mir bewusst, dass man über diese Art von Austausch natürlich nicht alle Informationen transportieren kann. Egal wie lange Romane ich schreibe^^

Und ich hätte zum besseren Verständnis wahrscheinlich früher genauer über ihr Verhalten mit anderen Kindern berichten sollen.
Ich dachte ich hätte genug geschrieben.
Der Vollständigkeit halber, damit wir abschließen können;-)

Ja, natürlich spreche ich mit ihr über Möglichkeiten mit den Problemen mit Kindern umzugehen.

Das ging bewusst los, als sie 3 Jahre alt war und oft Streit mit ihrer damaligen Freundin hatte. Die Freundin hatte es nicht so mit der Wahrheit. Log vor allem oft ihre Mutter an, um Ärger zu vermeiden.
Und meine Tochter verstand die Welt nicht mehr. Für sie war Lügen unvorstellbar. "warum sollte man das machen Mama?" Ich erklärte ihr mehrmals warum Menschen Lügen, in welchen Situationen. Das es natürlich nicht richtig ist, aber auch irgendwie verständlich. Die Freundin wollte immerhin keine Konsequenzen. Sie wurde natürlich sauer, wenn meine Tochter vor der Mutter die Lüge aufdeckte.
Dann konnte meine Tochter nachvollziehen warum ihre Freundin immer so böse auf sie wurde.
Trotzdem blieb es für sie weiterhin ein Buch mit 7 Siegeln. :" Dann soll sie eben nicht verbotene Sachen mach, dann muss sie auch nicht Lügen. Oder noch schlimmer, die Schuld auf andere Schieben"
Irgendwann haben wir abgemacht, wenn die Freundin wieder lügt, soll sie einfach weggehen und sich davon nicht provozieren lassen. Das klappte einige Zeit ganz gut.

Ich arbeite immer mit "stell dir vor, du würdest so behandelt werden" und "wie würdest du dich fühlen?"
"Behandel andere, wie du selbst behandelt werden willst" (Beim Bruder muss ich es wohl noch ein paar Jahre Predigen)
Das tut sie aber eigentlich schon immer sehr Intuitiv. Sie wusste als Kleinkind z.B. nicht warum Kinder hauen/schubsen. Das tut doch weh und warum sollte man anderen wehtun wollen? Dann musste ich natürlich erst einmal Aufzeigen, dass sie ja z.B. mit 2,5 Jahren ausversehen den Turm von Junge x umgeschmissen hat. und noch während sie versuchte es zu erklären und sich zu entschuldigen....was er natürlich gar nicht wahrnahm....wurde sie schon umgeschubst. Dass er zu traurig und wütend war und noch zu klein um sich die Erklärung anzuhören. Das er, im Gegensatz zu ihr, nicht automatisch annimmt, das es nur ein Unfall war. Denn es gibt ja auch Kinder, die mit Absicht Türme umschmeißen. "Warum sollte ich den Turm umschmeißen? Dann ist der Junge doch traurig"

Mittlerweile frage ich sie dann auch, wer die Kinder sind, was sie über sie weiß. Und wir reden über Beweggründe für deren "falsches" Verhalten. Ich glaube durch das Verständnis für die Kinder, kann meine Tochter es besser ertragen, wenn z.B. der sitzengebliebene Junge besonders Front gegen sie macht. Oder ein vernachlässigtes Mädchen aus der Klasse, auch mit 8Jahren nicht ein bisschen die Grundlegenden sozialen Regeln beherrscht. Sich mit lügen, betrügen und Manipulation durchschlägt. Ihre Wut auf die Welt an allen schwächeren auslässt.
Ich frage meine Tochter dann, wie würdest du dich fühlen, wenn deine Eltern sich nicht für dich interessieren würden? Wer hätte dir anständiges Verhalten beibringen sollen?


Außerdem betone ich auch, dass eben nicht alle so schlau sind wie sie. Das sie auf der einen Seite etwas Besonderes ist. Aber auch nicht zu stolz darauf sein soll. Schließlich fällt ihr alles in den Schoß und die anderen Kinder müssen dafür viel arbeiten. Denen macht das keinen Spaß. (Das kann sie sich immer noch kaum erklären^^)
Wir reden darüber, dass die anderen Kinder alle gleich gut und wichtig sind. Dass Gott für jeden einen Plan hat. Auch für das arme Mädchen, das zum Ende des Schuljahres mit 11 Jahren, immer noch in der 2.Klasse ist und immer noch nicht richtig lesen und rechnen kann.
Das es blöd rüberkommt, wenn sie grinsen, oder kichern muss bei falschen Antworten. Auch wenn es nicht gemein gemeint ist, nur ihrem Unglauben, ob einer so abwegigen Antwort entspringt. Vll ein bisschen wie bei Witzen. Die sollen ja auch eher witzig sein, wenn das Ende unerwartet kommt.
Das ihr Drang zum Leistung bringen und das Vergleichen mit den anderen Kindern zwar nicht böse gemeint ist. Aber einfach anders aufgenommen wird. Niemand verliert gerne. Sie hat da auch noch manchmal Schwierigkeiten mit und sollte wissen wie es sich anfühlt.

Den Sprung möchte ich eigentlich nicht. Mein Mann ist da etwas anders eingestellt.
Ich weiß nur nicht genau, ob ich sie aufhalten kann. Die Lehrer lassen sie in ihrem Tempo arbeiten. Ich müsste ihr das Verbieten. Und das ist auch der falsche Weg.
Hobbys haben wir ja schon einiges Ausprobiert.
Und immerhin 5 Termine die Woche, vor Corona.
Wir werden auch weiter die Augen offen halten. Nach größeren Zeitfressern.
Ich denke der größte Freizeitfresser wäre eine Freundin.
Dafür habe ich ja die geplante Elterntreffgruppe im Kopf.
Wobei sie sich bis Ende März ja auch noch zu den 5 Terminen regelmäßig mit dem Nachbarmädchen traf. Hatte ich in den ersten „Romanen“ erwähnt. Auch sehr schlau. Vll sogar Hochbegabt (es gibt wohl Hochbegabte Cousins oder ähnliches). Zumindest sehr gut gefördert. Hatte bei gemeinsamer Einschulung zumindest in Deutsch sehr viel mehr Vorsprung als meine Tochter.
Meine Tochter hat sich da teilweise stark gedrosselt und sich den Wünschen der Freundin angepasste. Reichte leider nicht.

So, nun habe ich das Gefühl, wir haben dieses Thema stark genug Seziert.
Ich danke allen für die Antworten.
Meine Zeit zum Romaneschreiben ist aber leider eigentlich nicht wirklich existent. Und die letzten Tage überstrapaziert worden.
Selbst schuld. Ich sollte lernen mich kürzer zu fassen^^
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Ruth87 » Sa 4. Jul 2020, 17:21

P.s.
das mit dem Lehrer hat sie mir Wochen nach dem Vorfall erzählt. Ein Tag vor den Sommerferien.
Sollte nocheinmal was ähnliches vorkommen, hat sie Anweisung, es mir sofort zu erzählen und dann gehts zur Schulleitung.
Allerdings ist den anderen Lehrern wohl bekannt, wie der Mann unterrichtet. Also auch das Kitzeln, Quatsch machen, das er beim Vornamen von den Kindern genannt wird. Eine sehr merkwürdige Sache.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 4. Jul 2020, 18:48

Quatschmachen ist eines. 7-8 jährige Kinder anzufassen ist was grundlegend anderes. Dazu noch gegen den Willen...und in der Coronazeit? In dem Fall kommt mir der Verdacht, dass jemand seine pädophile Neigungen auslebt. Ich würde nicht auf den nächsten Fall warten, sondern noch in den Ferien dem Rektor einen entsprechend aufgesetzen rein sachliches Schreiben zukommen lassen mit der dringenden Bitte die Situation bis zum SJ-Anfang zu klären. Dann ist er verpflichtet zu handeln.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon Bliss » Sa 4. Jul 2020, 19:01

Ruth87 hat geschrieben:L
Ja, natürlich spreche ich mit ihr über Möglichkeiten mit den Problemen mit Kindern umzugehen.

Ich finde bei ein paar Beispielen, dass das, was du zu ihr sagst nicht wirklich hilfreich ist, wenn es darum geht besser mit anderen Kindern klar zu kommen
Das ging bewusst los, als sie 3 Jahre alt war und oft Streit mit ihrer damaligen Freundin hatte. Die Freundin hatte es nicht so mit der Wahrheit. Log vor allem oft ihre Mutter an, um Ärger zu vermeiden.
Und meine Tochter verstand die Welt nicht mehr. Für sie war Lügen unvorstellbar. "warum sollte man das machen Mama?" Ich erklärte ihr mehrmals warum Menschen Lügen, in welchen Situationen. Das es natürlich nicht richtig ist, aber auch irgendwie verständlich. Die Freundin wollte immerhin keine Konsequenzen. Sie wurde natürlich sauer, wenn meine Tochter vor der Mutter die Lüge aufdeckte.
Dann konnte meine Tochter nachvollziehen warum ihre Freundin immer so böse auf sie wurde.
Trotzdem blieb es für sie weiterhin ein Buch mit 7 Siegeln. :" Dann soll sie eben nicht verbotene Sachen mach, dann muss sie auch nicht Lügen. Oder noch schlimmer, die Schuld auf andere Schieben"
Irgendwann haben wir abgemacht, wenn die Freundin wieder lügt, soll sie einfach weggehen und sich davon nicht provozieren lassen. Das klappte einige Zeit ganz gut.


Hier z.B bestärkst du sie ja darin, dass das andere Kind lügt aus Angst vor Konsequenzen. Wenn ich davon ausgehe, dass das Kind nicht deutlich älter als deine Tochter gewesen ist könnte es ja auch sein, dass sie eben noch in der Phase war, wo es nicht lügt, sondern die Version erzählt, die sie gern als Wahrheit gehabt hätte.

Außerdem betone ich auch, dass eben nicht alle so schlau sind wie sie. Das sie auf der einen Seite etwas Besonderes ist.

Das im Bezug auf andere Kinder zu betonen finde ich auch nicht gerade glücklich. Das würde ich allenfalls im Bezug auf Situationen thematisieren, wie wenn es um Langeweile im Unterricht geht oder eine Klassensprung.

Aber auch nicht zu stolz darauf sein soll. Schließlich fällt ihr alles in den Schoß und die anderen Kinder müssen dafür viel arbeiten. Denen macht das keinen Spaß. (Das kann sie sich immer noch kaum erklären^^)



Es macht ihnen keinen Spaß, weil sie es sich erarbeiten müssen ist schon ziemlich Spekulation. Ich finde es macht oft sogar mehr Spaß sich etwas zu erarbeiten, als wenn es einem zufliegt.


Meine Tochter hat sich da teilweise stark gedrosselt und sich den Wünschen der Freundin angepasste. Reichte leider nicht.


Ist meiner Meinung nach auch der völlig falsche Weg wenn es um Freunde finden geht, da unauthentisch und das merken andere Kinder halt oft. Und selber macht es ja auch nicht glücklich, wenn man sich verbiegen muss.

Und das mit dem Vertretungslehrer wäre jetzt etwas, wo ich Handlungsbedarf über das, was das Kind leisten kann hinaus sehe.
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Re: Sprung 1. zu 2. Klasse

Beitragvon charlotte12 » Sa 4. Jul 2020, 20:12

Die Freundschaften meiner Tochter sind auch jetzt noch fast reine Spielfreundschaften. Mit jeder Freundin/jedem Freund klappen bestimmte Spiele besonders gut. Für tiefschürfende Gespräche sind die Erwachsenen da, nicht die Freunde.
Die Sache mit der Hochbegabung habe ich meinem Kind so erklärt (war der Rat einer Psychologin, der bei uns gut klappte): Die abc kann am besten akrobatische Übungen, der def kann am besten Radfahren/Flöte spielen oder was auch immer. Der ghi ist am mutigsten, die jkl am nettesten, die mno hat die schönsten Zöpfe usw. Wir überlegten gemeinsam, was wer worin besonders gut ist. Und du hast einen Turbo-Motor im Kopf und kannst damit am schnellsten denken und begreifen. Hat leider die Nebenwirkung, dass der Lehrer alles gefühlt viel zu langsam erklärt. Ist aber in der Summe super praktisch, spart in der Schule kiloweise Arbeit und Frust und ist ein riesiges Geschenk.
Das klappt natürlich nur dann, wenn Ruths Tochter nicht wirklich überall die Beste ist. Das kann ich natürlich nicht wissen, aber kann das überhaupt sein? - Kinder sind in unterschiedlichen Vereinen, da gibt es doch bestimmt ein Kind, das besser tanzen/Musik machen/balancieren oder was auch immer kann, schlicht weil es jahrelang Übung darin hat. Gibt es nicht auch etwas, was das 11-jährige Mädchen, das nicht lesen kann, besonders gut kann?

Das Problem, in sozial unpassenden Situationen grinsen/lachen zu müssen, hatte ich als Kind auch. Dagegen half bei mir super, wegzusehen und an etwas so richtig trauriges zu denken. Ist aber gar nicht so leicht...
Zuletzt geändert von charlotte12 am So 5. Jul 2020, 19:40, insgesamt 1-mal geändert.
charlotte12
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