der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Meine3 » Do 5. Sep 2019, 13:31

Huhu,

mich beschäftigt schon länger etwas, und ich frage mich, ob das bei der ein oder anderen Mutter (oder Vater?) auch so ist.

Mein Mann und ich gehen mit dem Thema Hochbegabung sehr unterschiedlich um. Während ich, als das Thema bei unseren Kindern "akut" wurde, angefangen habe, mich intensiv damit auseinander zu setzen, will mein Mann von alledem am liebsten garnichts wissen.

Noch während der Testung unseres Sohnes sagte er immer wieder, dass er nicht wissen möchte, WIE intelligent sein Kind ist, dass er Angst habe, dass sich dadurch das Bild seines Sohnes ändert und er ihn nicht mehr "unbefangen" einfach so nehmen kann wie er ist.

Während es mir half, einige der Verhaltensweisen unseres Sohnes besser zu akzeptieren oder auszuhalten :mrgreen:, hatte er Probleme damit und hatte nun eher das Gefühl, der Sohn müsse doch mit seinem Potenzial schon "mehr" soziales Feingefühl beherrschen. Wenn ich mit ihm darüber reden will, so blockt er schnell ab. Es ist also schwierig, ihn an meinem neu erworbenen Wissen zu diesem Thema teilhaben zu lassen, was ihm aber meiner Meinung nach durchaus helfen würde, das ganze etwas "gesünder" zu betrachten.

Es fehlt mir oft, mich mit meinem Ehepartner und Vater meiner Kinder auszutauschen. Denn er sieht das Ganze nun mal anders und hält beispielsweise auch nichts von einer eventuell nötig werdenden Akzeleration der Schullaufbahn. Ich bin ja auch kein ausgesprochener Freund davon, jedoch ziehe ich es durchaus in Betracht, WENN es nötig werden SOLLTE...

Wie ist das mit Euren Männern (Frauen?) so? Mit der Familie? Findet ihr da Unterstützung oder Möglichkeiten zum Austausch? Mein Bruder und die Schwägerin, die ja auch "betroffen" sind (mit ihrem höchstbegabten Sohn und mein Bruder, der selbst einen IQ von 136 hat), sind auch davon überzeugt, dass die Hochbegabung quasi irrelevant ist, und das obwohl mein Bruder der klassische Underachiever war... Meine Mutter ist die Einzige, die sich gern darüber austauscht und auch selbstständig dazu belesen hat. Sie fand schon immer, dass mein Sohn "auffällig" klug ist (auch die anderen beiden), hat es aber lustigerweise in meiner Kindheit versäumt, sich damit zu befassen :mrgreen:...

Gruß,

Meine3
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Auguste » Do 5. Sep 2019, 16:04

Hallo,

Mein Mann hat es durchaus erfreut zur Kenntnis genommen, dass wir es nun schriftlich haben, dass unser Sohn schlau ist. Das war es dann aber im Großen und Ganzen auch schon.

Wenn der Sohnemann mal wieder irgendwas macht, was durchaus mit seiner Begabung zu tun haben könnte, und ich sage "der kann halt nicht anders, der ist so" - dann sagt Mann dazu "Nun nimm ihn doch nicht dauernd in Schutz". Dabei nehme ich den Sohn nicht in Schutz, sondern erkläre nur meinem Mann den Grund für Sohns Verhalten (ohne dass der Sohn dabei ist).

Mein Mann hat sich mit dem Thema (Hoch-)Begabung überhaupt nicht auseinandergesetzt. Der weiß nur, was ich ihm erzählt habe und was er hören will :evil: . Er war auch eher dagegen, den Sohn für die Begabtenklasse anzumelden, weil er meinte, der wäre da überfordert und "Das ist nix für ihn". Er hat nur zugestimmt, weil Sohns jetzige Schule sowas von schlecht ist, dass alles besser wäre, als auf dieser Schule zu bleiben. Mann war aber auch nicht besonders unglücklich drüber, dass der Sohn abgelehnt wurde.

Mein Mann gängelt den Sohn auch mehr bei den Hausaufgaben, fordert nahezu Perfektion bei der Bearbeitung und der Form, lässt ihn manches zwei und drei Mal machen, bis er (also mein Mann) es für gut genug befindet. Ich lasse den Sohn einfach seine Hausaufgaben machen und passe nur auf, dass er sie macht. Wenn es aussieht, als wäre ein Huhn drübergelatscht oder der Hund hätte drauf geschlafen, dann ist es so. Ist ja seine Hausaufgabe, nicht meine ;)

Ich hab meinem Mann auch schon mal verärgert gesagt, er dürfe sich durchaus mal mit dem Thema Hochbegabung (und Sohns Handicap) beschäftigen, wenn er mir nicht glaubt, dass manches Problem des Sohnes durchaus mit einem von Beidem zu tun haben könnte und der Sohn das was er gerade tut, nicht absichtlich macht.

Zum Thema austauschen kann ich mich mit meiner Schwester. Die ist als Lehrerin am Thema interessiert und kann oft weiterhelfen. Der Rest der Verwandtschaft weiß entweder nichts von der Begabung oder weiß davon und kann nichts damit anfangen. Unser Sohn ist auch der erste, der es schriftlich hat, dass er begabt ist - der Großteil der Familie (Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins...) ist intellektuell eher "einfach gestrickt", mit vereinzelten Ausnahmen (wie meiner Schwester).

Nervig finde ich das (vermeintliche?) Desinteresse meines Mannes. Aber dafür hab ich ja meine Schwester, bei der ich mich dann ausko***n kann und die mich versteht ;)

Gruß
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon sinus » Do 5. Sep 2019, 18:52

Ich habe ja keinen Mann daheim ;) , aber eine gute Beziehung zu meinem Bruder, der sehr wahrscheinlich auch hochbegabt ist. Als ich begann, mich mit dem Thema zu beschäftigen, musste ich bei allem, was ich las, immer gleich an ihn denken.
Er hatte es auch nicht immer leicht, war der klassische Stubenhocker, still & unauffällig, nachdenklich, sehr vielseitig interessiert, insbesondere mathematisch sehr begabt, hatte tw ungewöhnliche Interessen.
Mit ihm habe ich mich im Zusammenhang mit meiner Tochter mal über das Thema unterhalten, und er (inzwischen 50 Jahre at) meinte, dass der (sein) IQ für ihn irrelevant ist, das sei nur eine Messwert, der nicht viel über einen Menschen aussagt. Das sei es nur ein Aspekt vom großen Ganzen, quasi nur ein eingeschränkter Blickwinkel und überhaupt sei ja noch nichtmal wirklich klar, was Intelligenz eigentlich sei. Da gäbe es viele verschiedene Betrachtungsweisen.

Ich kann dieser Argumentation gut folgen, finde aber trotzdem, dass es sinnvoll ist, sich damit zu beschäftigen. Wenn ich extrem introvertiert bin oder irgendeine andere besondere Eigenschaft habe, die mich von anderen unterscheidet und mit der ich auffalle oder die mir selbst auffällt, würde ich mich damit doch auch auseinandersetzen. Sicher nicht ein Leben lang und ständig, aber es gibt immer weder Phasen, wo man sich mit seiner Person und Persönlichkeit auseinandersetzt und wo es ggf hilfreich und nötig ist, bestimmte Bereiche seiner selbst besser zu verstehen und sie ins Selbstbild zu integrieren.

Mal an einem anderen Beispiel als der Intelligenz erklärt:
Meine Kinder haben einen ausländischen Vater, also eine Herkunft aus einer anderen Kultur und Ethnie.
Ich fände es komisch, wenn sie das ihr Leben lang völlig ignorieren und negieren würden. Ich halte es für wichtig und richtig, sich damit auseinanderzusetzen, warum sie aussehen, wie sie aussehen und was sie von Seiten ihres Vaters "typisches" geerbt haben könnten.
Da er aus einer Hochgebirgsregion kommt, gibt es da tatsächlich wohl auch einige physisch relevanten Eigenheiten...
Wenn sie sich damit näher beschäftigen, denke ich, werden sie das in viel positiverem Sinne in ihr Selbstbild integrieren, sie können sich ihrer selbst und ihrer Besonderheiten viel besser bewusst sein, wenn sie wissen, welche Eigenheiten sie dadurch vielleicht haben.
(Am deutlichsten erkennbar und eindeutigesten ist dabei natürlich das besondere Aussehen, außerdem trinken sie bspw sehr wenig und haben eine besonders große Ausdauer. Beide sind gesundheitlich sehr stabil und ausgesprochen natur- und erdverbunden, haben einen sehr guten Gleichgewichtssinn und sind eher vorsichtig.
Die letztgenannten Dinge könnten meiner Meinung nach durchaus ein Erbe ihres Vaters sein, denn risikofreudige, abenteuerlustige und ungeschickte und kränkliche Menschen hatten in der Region, wo die Vorfahren herkommen, wohl keine Chance. Indem sie sich das alles bewusst machen, können sie sich evtl besser verstehen und fragen sich vielleicht nicht so intensiv, warum sie bswp die Natur und Naturerlebnisse unbedingt und viel mehr, als viele andere um sich herum brauchen, um ausgeglichen und zufrieden zu sein und können sich evtl besser damit abfinden, tendenziell eher ängstlich zu sein, wo andere schneller und größere Risiken eingehen.)
Zuletzt geändert von sinus am Do 5. Sep 2019, 22:42, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Meine3 » Do 5. Sep 2019, 20:52

Auguste hat geschrieben:Hallo,

Mein Mann hat es durchaus erfreut zur Kenntnis genommen, dass wir es nun schriftlich haben, dass unser Sohn schlau ist. Das war es dann aber im Großen und Ganzen auch schon.

Wenn der Sohnemann mal wieder irgendwas macht, was durchaus mit seiner Begabung zu tun haben könnte, und ich sage "der kann halt nicht anders, der ist so" - dann sagt Mann dazu "Nun nimm ihn doch nicht dauernd in Schutz". Dabei nehme ich den Sohn nicht in Schutz, sondern erkläre nur meinem Mann den Grund für Sohns Verhalten (ohne dass der Sohn dabei ist).

Mein Mann hat sich mit dem Thema (Hoch-)Begabung überhaupt nicht auseinandergesetzt. Der weiß nur, was ich ihm erzählt habe und was er hören will :evil: . Er war auch eher dagegen, den Sohn für die Begabtenklasse anzumelden, weil er meinte, der wäre da überfordert und "Das ist nix für ihn". Er hat nur zugestimmt, weil Sohns jetzige Schule sowas von schlecht ist, dass alles besser wäre, als auf dieser Schule zu bleiben. Mann war aber auch nicht besonders unglücklich drüber, dass der Sohn abgelehnt wurde.

Mein Mann gängelt den Sohn auch mehr bei den Hausaufgaben, fordert nahezu Perfektion bei der Bearbeitung und der Form, lässt ihn manches zwei und drei Mal machen, bis er (also mein Mann) es für gut genug befindet. Ich lasse den Sohn einfach seine Hausaufgaben machen und passe nur auf, dass er sie macht. Wenn es aussieht, als wäre ein Huhn drübergelatscht oder der Hund hätte drauf geschlafen, dann ist es so. Ist ja seine Hausaufgabe, nicht meine ;)

Ich hab meinem Mann auch schon mal verärgert gesagt, er dürfe sich durchaus mal mit dem Thema Hochbegabung (und Sohns Handicap) beschäftigen, wenn er mir nicht glaubt, dass manches Problem des Sohnes durchaus mit einem von Beidem zu tun haben könnte und der Sohn das was er gerade tut, nicht absichtlich macht.

Zum Thema austauschen kann ich mich mit meiner Schwester. Die ist als Lehrerin am Thema interessiert und kann oft weiterhelfen. Der Rest der Verwandtschaft weiß entweder nichts von der Begabung oder weiß davon und kann nichts damit anfangen. Unser Sohn ist auch der erste, der es schriftlich hat, dass er begabt ist - der Großteil der Familie (Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins...) ist intellektuell eher "einfach gestrickt", mit vereinzelten Ausnahmen (wie meiner Schwester).

Nervig finde ich das (vermeintliche?) Desinteresse meines Mannes. Aber dafür hab ich ja meine Schwester, bei der ich mich dann ausko***n kann und die mich versteht ;)

Gruß


Ich verstehe garnicht, was so falsch daran ist, ein Verhalten nach seinen Ursachen zu erforschen und somit dann besser verstehen zu können :gruebel: . Irgendwie scheint das aber etwas zu sein, was unsere beiden Männer so garnicht gut finden...

Mir hilft es sehr, manche Dinge, die in meiner Kindheit und Jugend passiert sind oder auch Verhaltensweisen meiner Kinder besser zu verstehen und zu akzeptieren. Auch kann ich dann besser damit umgehen, bzw. besser darauf reagieren. Schon schade.

Mein Mann betont immer:" Meine Kinder sind ganz normale Kinder!" Klar sind sie "normale" Kinder... Sie sind ja nicht "un"normal. Aber eben doch in zumindest einem Bereich nicht Durchschnitt. Dass das auch Auswirkungen auf das Sozialverhalten haben kann oder wie man mit Ängsten umgeht oder wie man bestimmte Dinge anpackt, das will er dann nicht hören. Ähnlich wie deiner verdreht er die Augen, wenn ich sage:" ja, das ist so, weil er/sie sehr schlau ist..." Gleichzeitig steht ihm aber regelmäßig der Mund offen, wenn Sohn plötzlich von einem Tag auf den anderen Zahlen im 10 000er Bereich lesen kann, wo er vor ein paar Tagen noch nichtmal 3stellige Zahlen richtig lesen konnte (was auch immer noch weiter wäre als "normal"), aber wenn ich feststelle, dass das schon immer wieder fast unheimlich ist, wie schnell unsere Kinder lernen, dann guckt er verkniffen :? .

:lol:

Mich tröstet es ja, dass ich nicht allein damit bin, so einen "desinteressierten" Mann zu Hause zu haben...

;)

Gruß,

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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Meine3 » Do 5. Sep 2019, 21:03

sinus hat geschrieben:Mit ihm habe ich mich im Zusammenhang mit meiner Tochter mal über das Thema unterhalten, und er meinte, dass der (sein) IQ für ihn irrelevant ist, das sei nur eine Messwert, der nicht viel über einen Menschen aussagt. Das sei es nur ein Aspekt vom großen Ganzen, quasi nur ein eingeschränkter Blickwinkel und überhaupt sei ja noch nichtmal wirklich klar, was Intelligenz eigentlich sei. Da gäbe es viele verschiedene Betrachtungsweisen.


Dem kann ich auch sehr gut folgen und er hat ja auch Recht. Wenn man mit sich im Reinen ist und das Leben plätschert so dahin und man ist zufrieden, dann ist es völlig irrelevant. Der IQ ist ja aber nicht das, was einem hilft zu verstehen, warum man eventuell in bestimmten Bereichen anders tickt, sondern das, was ein hoher IQ für Verhaltensweisen, Denkweisen oder "Probleme" verursachen KANN (bei weitem nicht MUSS)... Wenn man also nicht in sich ruhend ist, wie z.B. Sohn, der charakterlich sehr unausgeglichen ist oder wie bei mir, die sich ihr Leben lang gefragt hat, was zum Geier mit ihr nicht stimmt ;) , so ist es dann doch sehr befreiend zu erfahren, woher es kommt... Für mich gab es in den letzten Monaten so viele Aha-Effekte in Bezug auf meine eigene Kindheit und Jugend, dass ich gar nicht beschreiben kann, WIE froh ich bin, nun zu wissen, WAS die Ursache für meine Gefühle war, dass es keine psychische Erkrankung ist oder ähnliches, was ich wirklich lange Zeit gedacht habe :? ... Gleichzeitig bin ich froh, dass meine Kinder nicht mit diesen Gefühlen aufwachsen müssen. Denn wenn sie irgendwann mal an einen Punkt kommen, wo sie feststellen, dass sie anders sind und mit sich hadern, so habe ich eine Erklärung für sie...

Ich sehe es auch wie du: es ist irgendwie merkwürdig diese Andersartigkeit zu "negieren". Denn sie gehört zu einem, wie eben beispielsweise eine andere Hautfarbe oder Gesichtszügen, aufgrund der ethnischen Herkunft, oder die Knubbelnase, die man vom Vater geerbt hat. Mit der muss man auch klar kommen und es ist tröstlich zu wissen, das der Vater es auch geschafft hat ;)...
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon sinus » Do 5. Sep 2019, 22:59

...obwohl ich selbst nicht getestet bin und eigentlich auch von einem Wert irgendwo (vielleicht nicht allzuweit :?: ) unter 130 ausgehe, hatte ich auch viele Aha-Effekte, als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe.
Da der Wert 130 willkürlich festgelegt ist, ist das ja auch keine "Schallgrenze", ab der bestimmte Verhaltensweisen zu erwarten sind!
Mir hilft die Beschäftigung mit dem Thema, einiges besser zu verstehen, was mich ausmacht und mir mitunter auch Probleme macht/machte bzw wo ich mitunter anecke oder auf Befremden stoße/gestoßen bin.
Nicht nur rückblickend (das auch). Ich finde es sehr angenehm mir sagen zu können, dass ich nicht einfach nur kompliziert oder seltsam bin, sondern ich mit meinem Denken /vielem Nachdenken/Hinterfragen und Ergründen wollen (auch an sich eher unwichtiger Dinge)/Reflektieren/Zusammenhänge suchen zwar oft mehr oder weniger unverstanden dastehe, aber offensichtlich doch nicht so allein bin und es womöglich einen (guten) Grund dafür gibt.
Ich kann mich dann schneller mit mir versöhnen und fange nicht mehr so schnell an zu grübeln, was zum Teufel denn mit mir vielleicht nicht stimmt.
(Das habe ich mich jahrelang gefragt! Allerdings erst so ab Jugendalter, in der Kindheit war ich, soweit ich mich entsinne, noch sehr von mir überzeugt.)
Aber bspw. wenn andere mich kompliziert finden, wo ich im Grunde dabei doch nur auf der Suche nach VEREINFACHUNG und OPTIMIERUNG bin! Oder mich für verrückt erklären, wenn ich Zusammenhänge suche/sehe, die sie selbst nicht sehen und für völlig unvorstellbar halten. Oder wenn ich Ideen habe, die andere abstrus finden und wo ich mich dann immer frage, warum es anderen so schwer fällt, mal über den Tellerrand zu schauen und viele nur etablierte Wege sehen und gehen können. Oder warum ich mich manchmal in ein Thema so "verbeiße", selbst wenn es eigentlich in meinem Alltag/Leben null relevant ist.
Oder auch, warum ich eine eher unkonventionelle Familie gegründet habe und warum es mir von Anfang an so verdammt schwer fiel und fällt, einen Partner zu finden.
(eine Freundin sagte dazu zu mir, dass ich überdeutlich ausstrahle, dass ich keinen bauche und will :? Und sie hat insofern recht, dass ich schon immer Wert auf Unabhängigkeit gelegt und hohe Ansprüche habe.)

Auch wenn es nichts ändert, beruhigt es mich zu lesen, dass all das keine Störung oder seltsame Besonderheit meiner Persönlichkeit ist, sondern dass es womöglich "typische" Merkmale sind, die ich offensichtlich immerhin mit einigen (wenigen) anderen teile.
Mein Freundeskreis besteht übrigens aus so einigen "seltsamen" Menschen und ich verstehe jetzt auch besser, warum das so ist. 8-)
(Früher hab ich mich schon öfter mal gefragt, wieso ich nicht wie andere einen "normalen" Freundeskreis habe und was das wohl über mich aussagt :roll: ...)

Und ich kann auch mit dem Wissen um Hochbegabung und Hochsensibilität so einiges klarer sehen, was ich von meiner Tochter und was ich von meiner Mutter weiß und an ihnen beobachte. Auch da hilft es mir, gelassener zu sein.
(Und wenn mir mal wieder jemand innerlich den Vogel zeigt, kann ich eher mal mit den Schultern zucken und mir sagen: "Naja vielleicht bin ja gar nicht die Dumme, sondern mein Denken funktioniert grad einfach bissle anders und er/sie kann es darum nicht so gut verstehen. :P Und das meine ich nicht überheblich, sondern wirklich nur so, dass ich in dem Moment sowohl mit mir selbst, als auch mit dem eventuellen Befremden anderer versöhnt bin.)
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Meine3 » Fr 6. Sep 2019, 10:39

sinus hat geschrieben:...obwohl ich selbst nicht getestet bin und eigentlich auch von einem Wert irgendwo (vielleicht nicht allzuweit :?: ) unter 130 ausgehe, hatte ich auch viele Aha-Effekte, als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe.
Da der Wert 130 willkürlich festgelegt ist, ist das ja auch keine "Schallgrenze", ab der bestimmte Verhaltensweisen zu erwarten sind!



Die 'Regionalleiterin des DGhK erklärte mir, dass auch bei einem IQ von bspw. 120 mit einer Teilhochbegabgung (wie eben bei meinem Sohn, der im Sprachverständnis ja deutlich im Höchstbegabtenbereich lag, aber eben auch Bereiche hat, wo er "normal" abgeschnitten" hat (VG)), das Gehirn die selben Botenstoffe ausschüttet, wie bei einem Menschen mit klarer Hochbegabung und daher, je nach Charakter, eben auch bei einem Menschen mit IQ 119 oder 125 die selben "Verhaltensweisen" auftauchen können.

Mir hilft die Beschäftigung mit dem Thema, einiges besser zu verstehen, was mich ausmacht und mir mitunter auch Probleme macht/machte bzw wo ich mitunter anecke oder auf Befremden stoße/gestoßen bin.
Nicht nur rückblickend (das auch). Ich finde es sehr angenehm mir sagen zu können, dass ich nicht einfach nur kompliziert oder seltsam bin, sondern ich mit meinem Denken /vielem Nachdenken/Hinterfragen und Ergründen wollen (auch an sich eher unwichtiger Dinge)/Reflektieren/Zusammenhänge suchen zwar oft mehr oder weniger unverstanden dastehe, aber offensichtlich doch nicht so allein bin und es womöglich einen (guten) Grund dafür gibt.
Ich kann mich dann schneller mit mir versöhnen und fange nicht mehr so schnell an zu grübeln, was zum Teufel denn mit mir vielleicht nicht stimmt.
(Das habe ich mich jahrelang gefragt! Allerdings erst so ab Jugendalter, in der Kindheit war ich, soweit ich mich entsinne, noch sehr von mir überzeugt.)
Aber bspw. wenn andere mich kompliziert finden, wo ich im Grunde dabei doch nur auf der Suche nach VEREINFACHUNG und OPTIMIERUNG bin! Oder mich für verrückt erklären, wenn ich Zusammenhänge suche/sehe, die sie selbst nicht sehen und für völlig unvorstellbar halten. Oder wenn ich Ideen habe, die andere abstrus finden und wo ich mich dann immer frage, warum es anderen so schwer fällt, mal über den Tellerrand zu schauen und viele nur etablierte Wege sehen und gehen können. Oder warum ich mich manchmal in ein Thema so "verbeiße", selbst wenn es eigentlich in meinem Alltag/Leben null relevant ist.
Oder auch, warum ich eine eher unkonventionelle Familie gegründet habe und warum es mir von Anfang an so verdammt schwer fiel und fällt, einen Partner zu finden.
(eine Freundin sagte dazu zu mir, dass ich überdeutlich ausstrahle, dass ich keinen bauche und will :? Und sie hat insofern recht, dass ich schon immer Wert auf Unabhängigkeit gelegt und hohe Ansprüche habe.)



Wahnsinn. Das kommt mir doch alles SEHR bekannt vor :fahne: ... Ich habe auch lange gebraucht, einen "passenden" Partner zu finden, der mich aushält und ich ihn. Auch heute ist es manchmal schwer für mich in einer Partnerschaft und mit Kindern zu leben, obwohl ich gleichzeitig so dankbar und glücklich bin sie zu haben... Ich selbst habe ja wahrscheinlich (so ganz traue ich dem Test von damals immer noch nicht ;)) , einen IQ um die 138 (war als Prozentrang angegeben), kam mir aber immer reichlich blöd vor :lol: und dennoch habe ich mich immer wieder gefragt: warum sind die anderen bloß so langsam? Warum verstehe ich das nach einer Erklärung und andere müssen das wochenlang immer wieder erklärt bekommen? Warum sehe ich den Fehler im System sofort und 3 andere Kollegen vor mir haben das übersehen? Warum finde ich das grade total unlogisch und kompliziert und fände einen anderen Weg viel einfacher (Schule, vor allem Mathe!) und bekomme ständig gesagt, ich solle nicht um 3 Ecken denken? Wieso fällt es mir so schwer, einfaches zu verstehen, bei schwereren Dingen fällt es mir leicht (auch hier wieder: Beispiel Mathe :roll: ) Warum kann ich das Gedicht nach 2 mal hören auswendig und meine beste FReundin verbringt 2 Nachmittage damit, es immer und immer wieder (FALSCH) vor sich her zu beten... Ich dachte immer, die strengen sich einfach nicht an, sind faul oder unaufmerksam oder ICH bin irgendwie falsch. Im Nachhinein sage ich mir:" nein, sie SIND einfach eventuell nicht so schnell. Ich denke eventuell einfach anders. Punkt." Und wie du meine ich das nicht überheblich, sondern ich VERSTEHE meine Mitmenschen nun auch besser! Nicht nur mich selbst.

Auch wenn es nichts ändert, beruhigt es mich zu lesen, dass all das keine Störung oder seltsame Besonderheit meiner Persönlichkeit ist, sondern dass es womöglich "typische" Merkmale sind, die ich offensichtlich immerhin mit einigen (wenigen) anderen teile.
Mein Freundeskreis besteht übrigens aus so einigen "seltsamen" Menschen und ich verstehe jetzt auch besser, warum das so ist. 8-)
(Früher hab ich mich schon öfter mal gefragt, wieso ich nicht wie andere einen "normalen" Freundeskreis habe und was das wohl über mich aussagt :roll: ...)
am wohlsten fühlte ich mich tatsächlich in der Zeit, als ich mein Abitur nachgemacht habe. Das waren alles so "schräge", aber durchaus schlaue Vögel... Beim letzten Elterntreff des DGhK hatte ich auch wieder so ein Aha-Effekt. Da saßen 6 Eltern, bzw. Elternpaare und nur eine Person davon, hat ihr Abitur auf dem normalen Weg absolviert. Alle anderen haben keins oder haben es nachgemacht (das war der größte Teil) ;)...

Und ich kann auch mit dem Wissen um Hochbegabung und Hochsensibilität so einiges klarer sehen, was ich von meiner Tochter und was ich von meiner Mutter weiß und an ihnen beobachte. Auch da hilft es mir, gelassener zu sein.


Ja genau :)



Immer wieder schön, euch gefunden zu haben!

:D
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Bliss » So 8. Sep 2019, 00:19

Nachdem wir beide aus HB Familien kommen (in beiden Familien gibt es mehrere getestete HBs) ist es für uns jetzt eigentlich ziemlich normal und eher selten Gesprächsthema. Wobei halt jeder ein wenig von seinen eigenen Erfahrungen ausgeht. Ich habe eine abgesehen von der Früheinschulung unauffällige Schulkarriere gehabt und war immer gut intergriert in der Klassengemeinschaft, während mein Mann eher Einzelgänger war und des öfteren mit Lehrern aneinander geraten war. Demzufolge war ich da glaube ich viel entspannter als er.

Gemeinsam haben wir, dass wir unseren Kindern wenig reinreden, das mochten wir beide nicht. Als unser getestet höchstbegabter Sohn sich gegen die HB Klasse entschieden hat, haben wir ihn gelassen, obwohl wir beide diese Schule befürwortet hätten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Familien hier im Forum haben wir aber tatsächlich kaum Probleme mit Schule oder Umfeld, bzw. haben unsere Kindern einen für sie erträglichen Weg gefunden.
Bliss
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Re: der Ehemann, der nichts von Hochbegabung wissen will

Beitragvon Meine3 » So 8. Sep 2019, 16:58

Bliss hat geschrieben:Nachdem wir beide aus HB Familien kommen (in beiden Familien gibt es mehrere getestete HBs) ist es für uns jetzt eigentlich ziemlich normal und eher selten Gesprächsthema. Wobei halt jeder ein wenig von seinen eigenen Erfahrungen ausgeht. Ich habe eine abgesehen von der Früheinschulung unauffällige Schulkarriere gehabt und war immer gut intergriert in der Klassengemeinschaft, während mein Mann eher Einzelgänger war und des öfteren mit Lehrern aneinander geraten war. Demzufolge war ich da glaube ich viel entspannter als er.

Gemeinsam haben wir, dass wir unseren Kindern wenig reinreden, das mochten wir beide nicht. Als unser getestet höchstbegabter Sohn sich gegen die HB Klasse entschieden hat, haben wir ihn gelassen, obwohl wir beide diese Schule befürwortet hätten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Familien hier im Forum haben wir aber tatsächlich kaum Probleme mit Schule oder Umfeld, bzw. haben unsere Kindern einen für sie erträglichen Weg gefunden.



Huhu,

Ich komme zwar auch aus einer HB-Familie (teilweise auch per Test nachgewiesen), aber dennoch ist HB eher ein Tabuthema bei uns. Mein Neffe hat auch erst mit 11 durch Zufall (Gespräch mit dem Lehrer belauscht) erfahren, dass er hb ist. Die Schwester hadert sehr mit sich, fühlt sich dumm und möchte auch wissen, ob sie hb ist, mein Bruder und Schwägerin erlauben ihr den Test aber nicht. Was ich total daneben finde. Ich kann ihre Argumente zwar nachvollziehen, finde es aber dennoch falsch.

Mein Mann ist nicht mit dem Thema aufgewachsen, weder in der Familie noch sonst wo. Und meine HB wurde von meiner Mutter wissentlich „übersehen“... und ich setze mich erst jetzt damit auseinander.

Ich hätte auch nicht so ein Bedürfnis darüber zu sprechen, wenn das bei uns ein ganz normales Thema wäre. Ist es aber nicht, eher „vorbelastet“.

Ich finde es schön zu lesen, dass es auch anders geht und hoffe für meine Kinder, dass sich der Umgang damit noch ein wenig normalisiert...

Liebe Grüße!
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