Wo bekommt man Hilfe?

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon sinus » Fr 21. Feb 2020, 16:25

...meine Tochter war so ein braves Kind, was einfach mitlief, sich nicht beschwerte, gute Noten bekam und still im Unterricht saß bzw maximal malte, wenn es sich langweilte und trotzdem gut genug aufpasste, um auf Abfrage Antwort geben zu können. Ein Traum für jeden Lehrer sozusagen - ja sogar geradezu ein Paradebeispiel ihres Erfolgs als Lehrkraft!
Bei meiner Kleinen orakele ich, dass es ähnlich laufen würde. Die weiß sich auch sehr gut zu benehmen und den an sie gestellten Erwartungen anzupassen. Außerdem geht sie gern jedem Konflikt aus dem Weg, indem sie sich einfach zurückzieht.

Unauffällige hochbegabte Kinder gibt es auf jeden Fall, aber sie sind nicht zwangsweise die, die nicht leiden. Man merkt es ihnen nur nicht unbedingt an bzw dauert es lange, ehe der Punkt erreicht ist, wo dann irgendwas dann nicht mehr läuft. Bis dahin können Jahre vergehen, in denen Lehrer und Eltern ggf. glauben, es sei doch alles bestens.

Ausreden, warum man meiner Tochter nicht das passende Extrafutter geben konnte, gab es, obwohl sie bei den Lehrern als braves Kind ja durchaus beliebt war und nicht als Störenfried empfunden wurde, trotzdem genug. Bspw dass es ja schon immer Zusatzhefter gäbe, die sie aber wohl kaum nutzte. Also unterstellte man fehlende Motivation, also konnte sie auch keine Extraförderung erwarten...

Letzten Endes sind es immer die Eltern und die Kinder selbst, die das Problem (allein) lösen sollen und/oder müssen. :twisted:
Wozu natürlich im Rahmen des Unterrichts und des Schulalltages nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zu finden sind.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon sinus » Fr 21. Feb 2020, 16:51

Meine3 hat geschrieben:
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:
Ich persönlich finde das aber ohnehin unangenehm und bedauerlich, dass mir als Mutter von vorn herein unterstellt wird, ich bilde mir die Begabung meines Kindes und seine dadurch resultierenden Probleme nur ein.
.


Also ich bilde mir aus Sicht von Lehrern die Begabung vermutlich ja nicht nur ein, denn wir haben ja bei der Großen sogar die passenden Werte und ein Gutachten von einer Universität, also nicht von einer "privaten Stelle".
Aber: "die Probleme können natürlich nicht allein mit der Unterforderueg /fehlender Passung zusammenhängen, denn es gibt ja auch Hochbegabte ohne all diese Probleme.
Man sollte da wohl erstmal woanders schauen."
Und da ich allein erziehend bin, kann man da von vornherein schonmal einige Stellen finden, wo da potentiell Ursachen für irgendwelche Fehlentwicklungen zu finden sind.
Überhaupt sind wir ja eine seltsame Familie - die Grundschullehrern fand es bspw schon recht komisch, dass meine Tochter mich in Klasse 1/2 mit Vornamen anredete. Und das Kind wirke auch immer so ernsthaft und erwachsen, es sei ja "gar nicht richtig Kind". Ob da in der Mutter-Kind-Beziehung denn alles richtig liefe...?
(Begründung meiner Tochter mir gegenüber, warum sie mich oft lieber mit Vornamen ansprach: ">Mama< rufen doch ständig alle, wie willst du da wissen, dass du gemeint bist, wenn ich dich rufe. Eine Lieselotte (Namen erfunden) läuft im Normalfall nur einmal auf dem Schulhof/Spielplatz herum...")
Inzwischen bin ich übrigens längst wieder nur "Mama"...
Dafür sagt die Kleine jetzt manchmal meinen Vornamen. ;)
Und zu Hause und im passenden Umfeld kann sie durchaus "Kind" sein, auch mit 11 noch. Sie hängt da scheinbar eigentlich sogar eher zurück, wenn man ihre Interessen mit denen anderer gleichaltriger Mädchen vergleicht. Sie spielt bspw immernoch gern Rollen-/Fantasiespiele und baut Legowelten für ihre Legotiere, womit ihre Großcousine, 6 Monate jünger, gar nichts mehr anfangen kann. Sie interessiert sich eher für Popstarts, Mode, Serien etc.

Obwohl ich grundsätzlich zustimme, dass schulische Unterforderung allein vielleicht nicht Ursache aller Probleme von "auffälligen" Hochbegabten sein muss, sollte man doch ÜBERALL DA ansetzen, wo zu erwarten ist, was zum Positiven bewegen zu können. Das ist doch schlicht das das sinnvollste und logischste Vorgehen!

Was ich damit sagen will, meine3: ich schließe mich Katze da an, ich glaube nicht, dass allein die richtige Zahl weiterhilft. Es ist wohl am Ende immer eher eine Frage des Willens und des Vermögens der Lehrer. Unabhängig von Test oder nicht Test, passender Zahl oder nicht...
Du vermutest bei euch den Gesamtwert als Ursache, bei uns war es die fehlende Eigenmotivation des Kindes, beim nächsten ist es das unartige Verhalten, dann sind da noch die vielen anderen Kinder in der Klasse mit Lernschwierigkeiten, denen ja auch geholfen werden muss... es findet sich immer irgendwas als Ausrede.
Eigentlich läuft es auf den schönen Spruch "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg" hinaus.
Und der Wille fehlt oft. Ich denke, Katze hat das schon ganz richtig erfasst, als sie schrieb, dass es für die Lehrer oft eine Frage der Gerechtigkeit ist.
Ein unterfordertes hochbegabtes Kind ist einfach nicht arm genug dran, als dass man ihm so viel extra Aufmerksamkeit schenken möchte. Bzw ist es in der Prioritätenliste der Lehrer, wer ihre Unterstützung braucht, gaaaaanz weit unten. Da muss schon viel "Luft" sein, dass sie sich damit zusätzlich zum sonstigen Programm befassen oder sie müssen einen persönlichen Bezug haben, bspw selbst ein hochbegabtes Kind, dass sie da mehr Verständnis und Engagement dafür entwicklen.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Meine3 » Fr 21. Feb 2020, 19:01

Ich denke nicht, dass eine hohe IQ-Zahl Auf jeden Fall etwas bringt, sondern dass ein Gutachten mit eindeutigen
Ergebnis etwas bringen KANN und ich Pauschalaussagen aufgrund eigener Erfahrungen immer schwierig finde. Nichts anderes habe ich behauptet.

Abgesehen davon sehe ich bei uns nicht als Ursache für das Problem, dass wir ein heterogenes Testergebnis haben, sondern dass der Wille und die Einstellung dazu fehlt (seitens der Lehrkräfte) auf das Kind einzugehen. ABER hätten wir ein Gutachten mit eindeutigerem Ergebnis hätte ich ihnen dass auf die Aussage, dass nur „echte“
Hochbegabte einen Sprung schaffen, unter die Nase reiben können und sie hätten ein Argument weniger gehabt 8-) .

Natürlich ist ein Test mit der Bestätigumg einer Hochbegsbung kein „Wundermittel“. Das habe ich aber auch selbst mehrfach und ganz klar geschrieben.

Es gibt Menschen, die sind unwissend, sind aber offen. Dort kann man u.U. was bewirken. Und dann gibt es Menschen, die meinen alles zu wissen/ sind unwissend und dabei verbohrt. Hier kannst du nichts ausrichten, auch mit dem tollsten Gutachten nicht.

Ich habe 2 Gutachten. Eins von einer kassenärztlichen KJP, eins von einem Doktor der Sonderpädagogik, der auf Begabungsdiagnostik in Kombi mit ADHS und co spezialisiert ist und einen wirklich guten Ruf hat. Beide sind 8 IQ-Punkte auseinander. Aus den Gutachten geht klar hervor, dass beim niedrigeren starke Motivationsschwankungen vorherrschten und das Kind bei stupiden und eintönigen Aufgaben schnell abschaltet (+ erhöhter unruhelevel) und beim höheren wurde betont, dass das Kind sehr unruhig und nervös war und ein höheres tatsächliches Potential vermutet wird, dafür hat die Motivation gestimmt (was die 8 Punkte Unterschied erklärt). Es werden Empfehlungen ausgesprochen und die sprachliche Hochbegabung in beiden Gutachten wird betont, da sie extrem hoch ist. Bringt alles nichts, wenn es sich keiner durchlesen mag ;).

Grüße

Meine3
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 22. Feb 2020, 12:15

Viele Lehrer haben einfach keinen Zugang zum Thema. Sie können sich nicht vorstellen, was darunter steckt. Die Mathelehrerin vom meinem Sohn behauptet im Ernst, er habe Lücken in den Grundrechenarten (kann 1x1 nicht auswendig) und die Sachaufgaben nach vorgebenem Muster löst er auch nicht. Dabei schleicht sich unauffäällig aus dem Blickfeld die Tatsache, dass der Typ mit Lücken erst mal 6 Jahre alt ist (und wird es noch lange bleiben), in der 3. Klasse erst seit 2 Monaten sitzt und in der letzten Probe fast eine 1 hatte (einen Punkt hat die Lehrerin ihm für eine unleserliche Zahl abgezogen, sonst wäre es eine 1). Wenn ich den Mund auf die Art aufmache: "stellen sie sich einen ihrer 3. Klässler in der 6. Klasse vor!" sind mir bestimmt dann alle sauer.

Dieser Lehrerin würde keine Zahl was sagen (eigentlich liegt ja die Zahl irgendwo in seiner Schülerakte). Die Mathelerherin scheint den Unterschied zwischen WIssensvorsprung und der anderen Lerngeschwindikeit nicht verstehen zu wollen. Während wir hier mit der Frage kämpfen, was er überhaupt in der nächsten Jahren in der Grundschule lernen soll, schlägt sie im Moment vor, dass er mehr Mathe übt, damit er seine Lücken schließt. Sie will auch demonstrativ nicht kommunizieren und veweist mich bei dem Versuch einen Termin mit ihr auszumachen auf den Rektor und die Klassenlerherin des Sohnes.
Zuletzt geändert von Katze_keine_Ahnung am Sa 22. Feb 2020, 15:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Meine3 » Sa 22. Feb 2020, 14:19

doppelt
Zuletzt geändert von Meine3 am Sa 22. Feb 2020, 14:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Meine3 » Sa 22. Feb 2020, 14:21

Meine3 hat geschrieben:
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Viele Lehrer haben einfach keinen Zugang zum Thema. Sie können sich nicht vorstellen, was darunter steckt. Die Mathelehrerin vom meinem Sohn behauptet im Ernst, er habe Lücken in den Grundrechenarten (kann 1x1 nicht auswendig) und die Sachaufgaben nach vorgebenem Muster löst er auch nicht. Dabei schleicht sich unauffäällig aus dem Blickfeld die Tatsache, dass der Typ mit Lücken erst mal 6 Jahre alt ist (und wird es noch lange bleiben), in der 3. Klasse erst seit 2 Monaten sitzt und in der letzten Probe fast eine 1 hatte (einen Punkt hat die Lehrerin ihm für eine unleserliche Zahl abgezogen). Wenn ich den Mund auf die Art aufmache nach der Art: "stellen sie sich einen ihren 3. Klässler in der 6. Klasse vor!" sind mir bestimmt dann alle sauer.

Dieser Lehrerin würde keine Zahl was sagen (eigentlich liegt ja die Zahl irgendwo in seiner Schülerakte). Die Mathelerherin scheint den Unterschied zwischen WIssensvorsprung und der anderen Lerngeschwindikeit nicht verstehen zu wollen. Während wir hier mit der Frage kämpfen, was er überhaupt in der nächsten Jahren in der Grundschule lernen soll, schlägt sie im Moment vor, dass er mehr Mathe übt, damit er seine Lücken schließt. Sie will es auch demonstrativ nicht kommunizieren und veweist mich bei dem Versuch einen Termin mit ihr auszumachen auf den Rektor und die Klassenlerherin des Sohnes.



DA bin ich ja auch voll bei dir. Wie ich schon schrieb:

"Es gibt Menschen, die sind unwissend, sind aber offen. Dort kann man u.U. was bewirken. Und dann gibt es Menschen, die meinen alles zu wissen/ sind unwissend und dabei verbohrt. Hier kannst du nichts ausrichten, auch mit dem tollsten Gutachten nicht."

Wenn die Mathelehrerin also unwissend UND verbohrt ist, sich also nicht erklären lassen möchte, WAS der Unterschied zwischen Höchstleister und Hochbegabtem ist, dann kann man nichts machen. Leider...Und Eure Mathelehrerin scheint einfach überhaupt nicht verstehen zu wollen, dass Euer Sohn außerordentliches leistet, wenn er mit 6 Jahren den 3.Klasse-Stoff aus dem Ärmel schüttelt. Was machen da ein paar Lücken aus... Vor allem wenn er das 1x1 gut kopfrechnen kann, braucht er es nicht auswendig können. Ich MUSSTE es auswendig lernen (was kein Problem war), WEIL ich eben bis heute überhaupt nicht gut im Kopfrechnen bin :P.

Meine Mittlere kann die Verdoppelungsaufgaben im 10er Bereich fast schneller als der Sohn, WEIL sie sie irgendwann auswendig gelernt hat (heimlich ohne unser Wissen :gruebel:. Wir haben das nur durch Zufall mitbekommen). Dass sie deswegen nicht zwangsläufig eine hohe mathematische Begabung haben muss, ist mir klar. In der Schule wird sie jedoch mit ihrem Willen zu "üben" und dadurch dass sie fleißig ist, weit kommen und abliefern.

Ich habe nun auch von der jetzigen KL eine Mail bekommen, dass Sohnemann jetzt endlich "Biss" zeigt (sie meint wohl Ehrgeiz), weil er die Fleißaufgaben jetzt öfter macht. Ehrlich gesagt, habe ich ihn nicht dazu motiviert :mrgreen:. Ich glaube es kommt so langsam bei ihm an, dass die Zusatzaufgaben in Deutsch dazu führen, dass ihm das schreiben bald leichter fällt. Es frustriert ihn nämlich schon extrem, dass seine lahme Hand mit dem Kopf so garnicht mitkommt. Aber DAS ist das, was die Lehrer sehen wollen: BISS... Ein schnelles Lerntempo und eine schnelle Auffassungsgabe sind offensichtlich hingegen nicht so gefragt (in deren Augen).
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Meine3 » Sa 22. Feb 2020, 14:33

sinus hat geschrieben:...meine Tochter war so ein braves Kind, was einfach mitlief, sich nicht beschwerte, gute Noten bekam und still im Unterricht saß bzw maximal malte, wenn es sich langweilte und trotzdem gut genug aufpasste, um auf Abfrage Antwort geben zu können. Ein Traum für jeden Lehrer sozusagen - ja sogar geradezu ein Paradebeispiel ihres Erfolgs als Lehrkraft!
Bei meiner Kleinen orakele ich, dass es ähnlich laufen würde. Die weiß sich auch sehr gut zu benehmen und den an sie gestellten Erwartungen anzupassen. Außerdem geht sie gern jedem Konflikt aus dem Weg, indem sie sich einfach zurückzieht.

Unauffällige hochbegabte Kinder gibt es auf jeden Fall, aber sie sind nicht zwangsweise die, die nicht leiden. Man merkt es ihnen nur nicht unbedingt an bzw dauert es lange, ehe der Punkt erreicht ist, wo dann irgendwas dann nicht mehr läuft. Bis dahin können Jahre vergehen, in denen Lehrer und Eltern ggf. glauben, es sei doch alles bestens.

Ausreden, warum man meiner Tochter nicht das passende Extrafutter geben konnte, gab es, obwohl sie bei den Lehrern als braves Kind ja durchaus beliebt war und nicht als Störenfried empfunden wurde, trotzdem genug. Bspw dass es ja schon immer Zusatzhefter gäbe, die sie aber wohl kaum nutzte. Also unterstellte man fehlende Motivation, also konnte sie auch keine Extraförderung erwarten...

Letzten Endes sind es immer die Eltern und die Kinder selbst, die das Problem (allein) lösen sollen und/oder müssen. :twisted:
Wozu natürlich im Rahmen des Unterrichts und des Schulalltages nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zu finden sind.


Warum ist deine Tochter eigentlich nicht gesprungen in der Grundschule? Wollte sie es nicht, wolltest du es nicht? Wollten es die Lehrer nicht? Hätte ihr ja ein Jahr "Leid" erspart...
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon sinus » Sa 22. Feb 2020, 20:06

Meine3 hat geschrieben:
Warum ist deine Tochter eigentlich nicht gesprungen in der Grundschule? Wollte sie es nicht, wolltest du es nicht? Wollten es die Lehrer nicht? Hätte ihr ja ein Jahr "Leid" erspart...


Eben weil sie so brav und angepasst war. Keiner hat gemerkt, wie sehr sie unterfordert war. Sie hatte bei Einschulung ja auch nicht so einen deutlichen Vorsprung, dass ich das schon anfangs "im Auge" gehabt hätte.
Sie konnte nur einzelne Worte (in Großbuchstaben) mühsam lesen und erkannte noch nicht mal die Ziffern über 10. Auch die Uhr interessierte sie null, darum konnte sie die bspw auch noch nicht.
(Sie war dafür Spezialistin in Sachen Pflanzen & Tiere, erfand endlose Geschichten und malte sehr "frühreif" – detailliert, komplex. Das sind halt auch nicht unbedingt so die Dinge, mit denen man einem vom Thema unbeleckten Erzieher oder Lehrer gleich so sonderlich auffällt und es mit kognitivem Vorsprung direkt in Zusammenhang bringt ;) Genaugenommen ist das immernoch so - sie fällt nicht unbedingt mit besonderen Leistungen auf, ihre Hochbegabung scheint sich eher in einem reichen und intensivem Innenleben und großer Fantasie zu zeigen... vielleicht darum ist sie wohl für die Schule auch "nicht gemacht". Sie ist wohl eine "Künstlerseele")
Das Lernen fiel ihr in der Schule zwar leicht, aber ihre Klasse war generell sehr leistungsstark, würde ich sagen. (Gut ein Drittel der Kinder hatten bspw mindestens einen Elternteil, der Mediziner ist!)
Die Lehrerin berichtete immer nur, dass sie sehr verschlossen sei, ansonsten aber alles prima laufe. Sie sei gut organisiert und selbstständig und sie wünschte, sie hätte lauter solche Kinder in der Klasse, wie meine Tochter.

Meine Tochter fand die erste Klasse wohl auch noch ganz schön, die Probleme begannen in Klasse 2 bzw hatte ich in Klasse 1 noch die Vermutung, dass sie wohl auch noch an unserem Verkehrsunfall zu knabbern hätte, den wir 3 Tage vor Einschulung hatten und der für sie sicher recht dramatisch war. (Sie war damals 45 Minuten eingeklemmt gewesen und wurde von der Feuerwehr freigeschnitten, es gab eine Totalsperrung der Autobahn, überall Blaulicht, einen Helikoptertransport für sie, wir waren sogar im Tv damals...)
In Klasse 3 wurde es dann noch mal schlimmer, aber erst als sie beim Kängurutest relativ gut abschnitt - für alle überraschend, da sie Mathe damals schon hasste und bei dem anderen großen Wettbewerb "Pangea" immer in der ersten Runde schon "rausflog" - entschloss ich mich, sie doch testen zu lassen.
Ich habe alle Probleme immer rein auf ihre Persönlichkeit zurückgeführt. Dass sie so ungern in die Schule ging, war für mich nicht so besonders überraschend, sie war ja auch nie gern in den Kindergarten gegangen und auch im Hort fühlte sie sich nicht so wohl, obwohl alle anderen Kinder die wir kannten, sehr, sehr gern dort waren.

Den IQ Test machten wir also erst Ende Klasse 3 und da wars einfach zu spät zum Springen. Da hätte sie ja direkt in die weiterführende Schule gemusst.
Ich hab sie selbst übrigens in der Zeit mal gefragt, ob sie sich einen Sprung gewünscht hätte. Da meinte sie, dass es vom Stoff her sicher gut gewesen wäre, aber dann hätte sie ihre nette Klasse und die liebe Klassenlehrerin nicht gehabt. Wahrscheinlich hatte sie es also eh nicht gewollt. So ihre Aussage dazu.

Am sinnvollsten ist eine Sprung laut der Direktorin, die ich wegen der Möglichkeiten meiner Kleinen befragt habe, wohl von 2 zu 4, da wohl Klasse 3 im Wesentlichen nur die Inhalte von Klasse 2 vertieft.

Wie gesagt: wir waren einfach mit allem zu spät dran. Das ist wohl genau das Problem bei so braven, angepassten Kindern. Es dauert einfach sehr lange, ehe man "was merkt".
Die Lehrer haben es ja rein gar nicht gemerkt. Ja äußerten sogar dann gewisse Zweifel bzw hatten sie eben auch ein anderes Bild davon, wie ein hochbegabtes Kind aussieht/lernt/auftritt.
Wie hier auch immer berichtet wird - man verwechselt da oft hochbegabt mit hochleistend und hochmotiviert.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 23. Feb 2020, 00:21

Die Geschichte von Sinus Tochter hätte meiner Tochter auch passieren können. Hätte sie nicht den auffälligen Bruder gehabt, hätte keiner sich was dabei gedacht. Ein ruhiges, scheinbar zufriedenes, sehr angepasstes Mädchen. Kein Rechnen, kein Lesen mit 4, hat nicht viel gefragt, schon immer Kunst geliebt. Hätte ich nicht auf die Gleichberechtigung der Zwillinge aufgepasst, wäre ich nie auf die Idee gekommen meine Tochter früh einzuschulen. Ergebnis vom Weschler mit 12 - Sprache gedeckelt war für alle eine Überraschung, aber doch keine zu lange anhaltende. Dass sie mit ihren 3 Jahren mit Partizipialausdrücken redete, wusste ich doch schon vorher.

Ich kann der Rektorin mit dem Sprung von Ende 2 nach Anfang 4 nicht zustimmen. Zumindest in BY ist das 4. Schuljahr unglaublich stressig. Jede Woche wird eine Probe geschrieben. Man muss es können, sich über dem Notendruck zu stellen. Meine Großen haben die 4. übersrpungen. Das war selbst unter Bedingungen von Hausunerricht sehr hart. Wünsch ich keinem in der Schule, nur als äußerste Ausnahme unter dem hohen Leidensdruck. In meinen Augen ist der Sprung von mitte 2 nach mitte 3 der Beste. Alternativ von Mite 1 nach Mitte 2.
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Re: Wo bekommt man Hilfe?

Beitragvon Rabaukenmama » So 23. Feb 2020, 09:04

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich kann der Rektorin mit dem Sprung von Ende 2 nach Anfang 4 nicht zustimmen. Zumindest in BY ist das 4. Schuljahr unglaublich stressig. Jede Woche wird eine Probe geschrieben. Man muss es können, sich über dem Notendruck zu stellen. Meine Großen haben die 4. übersrpungen. Das war selbst unter Bedingungen von Hausunerricht sehr hart. Wünsch ich keinem in der Schule, nur als äußerste Ausnahme unter dem hohen Leidensdruck. In meinen Augen ist der Sprung von mitte 2 nach mitte 3 der Beste. Alternativ von Mite 1 nach Mitte 2.


In der Schule meines älteren Sohnes sind die meisten Sprünge von 1 nach 3. In der 1. Klasse haben die Lehrer gesehen, was das Kind kann und es konnte sich an den Schulalltag gewöhnen. In der 3. Klasse wird das Lerntempo flotter und der Notendruck beginnt, in der 4. kommen die Schularbeiten und diverse, benotete Tests dazu. Da die zweiten Klassen noch "Welpenschutz" genießen (langsames Lerntempo, zumindest an DIESER Schule noch keine Tests und Schularbeiten), ist das am einfachsten für alle.

Bei einem Sprung von 2 nach 4 müssten sich die Kinder gleichzeitig auf ein flottere Tempo UND auf die häufigen Tests und die Schularbeiten umstellen. Das Halbjahreszeugnis der 4.Klasse ist wesentlich für die Gymnasialempfehlung (ohne die man hier gar nicht reinkommt - IQ-Test hin oder her).Von der Warte verstehe ich gut, dass Eltern den Sprung von 2 nach 4 seltener wagen.

Wie dem auch sei, für sinus´s Tochter wäre es so oder so zu spät gewesen.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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