Autismus und Hochsensibilität

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Autismus und Hochsensibilität

Beitragvon sinus » Mi 5. Jul 2017, 18:51

Meine Tochter hatte schon als Kleinkind/Kindergartenkind einige "Besonderheiten", um die ich mir immermal Gedanken gemacht habe. Auch, ob das noch im Bereich des "Normalen" ist. Manchmal glaubte ich einige leicht ausgeprägte Symptome des Aspergersyndroms (inzwischen nennt man das wohl eher "Austismuspektrumsstörung") zu erkennen.
Aber so ganz passte das dann doch nicht.

Auch in so mancher Beschreibung in einem Buch über Hochbegabung erkannte ich sie wieder.
Aber so ganz passte das dann doch nicht.

Dann las ich das Buch über Hochsensibilität und erkannte dort mein Kind so dermaßen wieder... Das passte! Aber sowas von.
Es hat mir wirklich sehr geholfen, etwas zu haben, wo ich einleuchtende Gründe für gewisse ungewöhnliche Verhaltensweisen fand.
(Die mir jetzt nicht unbedingt Sorgen mach(t)en, mir aber auffielen und mich manchmal verwunderten.)
Z.B. ihre extreme Mäkeligkeit, ihre Knopf"phobie" und andere Kleidungs"macken", das Gern-allein-sein, das Meiden unbekannter und aufregender Situationen, ihre ausgeprägte Vorliebe für Tiere und Natur, ihre ausgeprägte Detailwahrnehmung z.B. in der Natur bzw aktuell dessen, was in der Klasse unter den Kindern so stattfindet, dass sie - ausgenommen enge Bezugspersonen - Blick- und Körperkontakt nicht so gern mag, vorrausschauendes Handeln, altersuntypische Vernunft und Vorsicht...

Aufgrund dessen, dass im Bekanntenkreis ein Junge mit einer Autismusspektrumsstörung (plus Hochbegabung) diagnostiziert wurde, habe ich mich jetzt in den letzten Wochen mal wieder ein wenig mit dem Thema Autismus beschäftigt. Als Jugendliche hat mich damals schon das Buch "Eine Anthropologin auf dem Mars" von Oliver Sacks sehr fasziniert. (Das sind Fallgeschichten autistischer Menschen)
Das Thema war mir also nicht ganz und gar fremd.

Ich habe in den letzten Wochen z.B. einige aktuelle Artikel gelesen.
Z.B. diesen:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/05/ ... en/seite-2
Der Hirnforscher Henry Markram, der einen autistischen Sohn hat, vertritt die Meinung, dass Autisten nicht "blind" für andere Menschen/ihre Umwelt sind, sondern viel zu viel und zu viele Details wahrnehmen und der Rückzug in sich selbst ein notwendiger Schutz vor "to much Input" ist. Auch das Meiden von Blickkontakt könnte evtl. darauf zurückgeführt werden, dass das schlicht überfordert.

Aktuell lese ich noch den Wälzer von Steve Silbermann "Geniale Störung".
Ein sehr interessantes Buch über u.a. auch über die Geschichte der "Entdeckung" das Autismus.
Viele Fallgeschichten kommen vor, Geschichten von "besonderen" Menschen.
Obwohl das alles eher stärkere Ausprägungen sind, finde ich da durchaus zumindest in zarten Ansätzen immer wieder Parallelen zu gewissen Eigenheiten meiner Tochter (siehe oben) bzw denen, die im Buch über Hochsensibilität als typisch beschrieben sind.
Markrams Theorie der überstarken Wahrnehmung von Autisten passt ja irgendwie auch dazu...

Ob wohl "Hochsensibilität" die allerallerschwächste Form von Autismus ist? Der noch "normalste" Bereich des Spektrums?
Autismus wird ja nach Punkten diagnostiziert. Also ab dem Erreichen einer bestimmetn Punktzahl zählt ein Mensch zum Spektrum. Kurz davor, die im Grenzbereich - sind das womöglich die "Hochsensiblen"?

Gibts hier Eltern mit diagnostizierten "Aspergerkindern", sie sich auch mal mit Hochsensibilität beschäftigt haben?
Seht ihr irgendwo einen ganz wesentlichen, eindeutigen Unterschied oder könntet ihr euch vorstellen, dass es eher die Ausprägung gewisser "Symptome" sein könnten, die den Unterschied machen?
sinus
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