Unauffällige Hochbegabte?

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » So 17. Mai 2020, 14:03

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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » So 17. Mai 2020, 14:03

in diesem Thread sind noch Buchtipps:

https://www.forum.klugekinder.at/viewto ... sch#p39511
Zuletzt geändert von sinus am Di 19. Mai 2020, 11:45, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 17. Mai 2020, 14:08

In welche Klasse ist jetzt das Kind? An vielen Unis kann man schon einiges anfangen bevor man mit der Abitur fertig wird. Das bitet auf einer Seite die Möglichkeit des Kulissenwechsels, auf der andere einen Einblick in unterschiedliche Studienfächer.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 18. Mai 2020, 14:49

FamilyUndercover hat geschrieben:Liebe Rabaukenmama,
was für eine liebevolle und ausführliche Antwort, hab vielen Dank dafür.
Es tröstet mich wirklich, Danke.
Aber ich bin mir bewusst, dass ich da als Mutter keine Meisterleistung hingelegt habe.
Ich frage mich halt, warum sie sich so extrem angepasst hat. Es muss was mit ihrer Rolle zu tun haben, vielleicht weil die Rolle des Klugen vermeintlich schon durch den älteren Bruder besetzt war?
Der wird am 28. getestet und es wird wohl so sein, dass er zum ersten Mal erlebt, dass seine Schwester ihn übertrumpft. Eine sehr ambivalente Erfahrung für ihn. Er ist stolz auf ihn, aber kann auch schwer aus der Rolle des Konkurrenten heraus.
Hach, es ist alles so extrem gerade.
Ich muss mich unbedingt da einlesen....
Liebe Grüße


Was wäre denn in deinen Augen eine mütterliche Meisteleistung gewesen ;) ?

Warum sich deine Tochter so extrem angepasst hat, ist klar: weil sie sehr früh verstanden hatte, wie der Großteil der Erwachsenen Kinder "haben will". Und zwar nicht klugscheißerisch, nicht Überflieger in allen Bereichen, nicht nerdig! Die familiäre Nische des Bruders als "der Superschlaue" mag da auch eine Rolle spielen. Aber diese Nischen gibt es nun mal in jeder Familie mit mehr als einem Kind und die Eltern haben nicht unbedingt viel Einfluß darauf.

Ich bin Mutter von zwei Kindern, eines davon mit offensichtlicher Behinderung. Mir geht fürchterlich auf die Nerven, dass manche Menschen nur diesen behinderten Sohn wahrnehmen und es für sie seinen Bruder gar nicht gibt. Ich wurde schon mehrmals von flüchtigen Bekannten gefragt, wie es "meinem Sohn" gehen würde. Meine Nachfrage, welcher Sohn denn gemeint sei (schließlich habe ich zwei) hat dann Befremden ausgelöst und es kamen so Antworten wie "Na, der Behinderte, natürlich!". Ach so, eh klar! Wie es dem Behinderten geht ist interessant, wie es dem Normalo geht interessiert nicht! Wie soll es dem schon gehen, außer gut? Abgesehen davon, dass ich sowohl ADHS als auch Asperger Autismus mittlerweile eindeutig auch als Behinderungen wahrnehme, auch, wenn viele darin grundsätzlich Erziehungsversagen zu sehen glauben.

Das hat - in unserem Fall - dazu geführt, dass sich viele Gespräche mit Dritten, die mein älterer, kluger Sohn natürlich mitbekommen hat, ausschließlich um den jüngeren Bruder, also den "Behinderten" gedreht haben. Es war nicht immer nur Desinteresse an ihm, oft waren es auch sehr gute Gespräche mit interessanten Fragen von Menschen, die sich wirklich für Gehörlosigkeit und den Umgang damit innerhalb der Familie interessierten. Aber um meinen älteren Sohn ging es dabei natürlich nicht. Allein das hat schon einen Teil der "Nische" für ihn ausgemacht - er war "der mit dem behinderten Bruder". Ein bisschen ist das vielleicht vergleichbar mit einem berühmten Elternteil, aus dessen Schatten man nie heraustreten kann.

In der Umgebung deiner Tochter wird es auch verschiedene Klischees und Vorurteile (positiv wie negativ) gegeben haben. Da deine Tochter sozial sehr kompetent sein dürfte hat sie sich eine Nische ausgesucht, wo der Fokus eben NICHT auf ihren Fähigkeiten liegt. Man kann unterschiedlicher Ansicht darüber sein, ob das ein "sich selbst klein machen" ist oder von großer Reife zeugt. Aber im Moment ist das gar nicht so wichtig. Deine Tochter ist in den paar Tagen, seit du vom Testergebnis weißt, kein anderer Mensch geworden. Ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihre Freuden und Glücksmomente sind dieselben wie bisher. Auch, wenn du die Hochbegabung deiner Tochter nicht "automatisch" erkannt hast, kennst du besser als die meisten anderen Menschen ihre Gefühlswelt. Und DIESE ist wichtig, nicht der IQ! Der Aspekt, dass deine Tochter höchstbegabt ist, kann zukünftig in deine Entscheidungen sie betreffend einfließen, aber es ist und bleibt eben nur EIN Aspekt ihrer Persönlichkeit.

Es kann durchaus sein, dass deine Tochter die Nische des Bruders überhaupt nicht haben will, weil sie sich drin einfach nicht wohl fühlt. Aber die bisherige Nische ist auch nicht (mehr) passend, sonst hätte sie nicht diese Versagensängste, vermutlich noch in Kombi mit dem ohnehin sehr ausuferndem Gefühlsleben in der Pubertät. Deine Tochter ist sowohl alt als auch klug genug, ihren eigenen Weg zu finden. Von Dir braucht sie im Moment keine Selbstvorwürfe und auch keine Bewunderung (wegen ihrer intellektuellen Fähigkeiten) sondern einfach den Rückhalt, als MENSCH bedingungslos geliebt und angenommen zu werden. Das weißt du sicher selbst :fahne: - aber eine kleine Erinnerung kann nicht schaden ;) !
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon FamilyUndercover » Mo 18. Mai 2020, 22:11

Ach, Du Liebe.
Das tut so gut, Danke Dir.
Aber ich Frage mich schon, warum ihr Leben bisher so unauffällig verlaufen ist.
Höchstbegabt, müsste man (= Ich!) das nicht gemerkt haben?

Es ist schon sehr, sehr krass.
Ich kann das immer noch nicht ganz glauben...
Es fühlt sich so unwirklich an.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Auguste » Di 19. Mai 2020, 10:29

FamilyUndercover hat geschrieben:Ach, Du Liebe.
Das tut so gut, Danke Dir.
Aber ich Frage mich schon, warum ihr Leben bisher so unauffällig verlaufen ist.
Höchstbegabt, müsste man (= Ich!) das nicht gemerkt haben?

Es ist schon sehr, sehr krass.
Ich kann das immer noch nicht ganz glauben...
Es fühlt sich so unwirklich an.



Ich habe Deine Geschichte gerade gelesen. Ist schon krass. :shock:

Aber mach Dir bitte keine Vorwürfe. Was geschehen ist, kannst Du jetzt nicht mehr ändern. Du kannst aber jetzt reagieren und Deiner Tochter helfen. Jetzt braucht sie Dich gerade besonders.

Deine Tochter scheint eine Meisterin der Anpassung zu sein. Und sie ist kein Einzelkind. Du hast noch andere Kinder, die Deine Aufmerksamkeit beansprucht haben. Wenn Deine Tochter mittendrin scheinbar problemlos durchs Leben geht, dann merkst Du nichts - bis zu dem Punkt, wo sich das Kind nicht mehr anpassen kann oder will oder beides.

Begabte Mädchen sind oft unauffällig angepasst und werden deshalb oft nicht erkannt. Nicht von den Eltern, nicht von den Lehrern. Dir war sicher klar, dass Deine Tochter schlau ist, durchaus auch schlauer und schneller als andere Kinder. Aber man denkt halt nicht an Hochbegabung, wenn das Kind kein "Überflieger" ist. Dieses Klischee ist leider noch in viel zu vielen Köpfen drin. Selbst viele Lehrer denken noch so. "Was DER soll hochbegabt sein? Wieso schreibt der dann nicht nur 1er?" Hochbegabung und Hochleistung sind nicht das selbe. Viele Hochbegabte sind gerade keine Hochleister. Die machen das Nötigste, um im Strom mitzuschwimmen und wollen nicht auffallen, sondern dazugehören.

Mein Sohn wurde mit 9 Jahren getestet, weil er in der Schule auffällig wurde und die Lehrerin eigentlich AD(H)S vermutete. Wir hatten bis zum Test eine mögliche (Hoch-)Begabung nicht auf dem Schirm.

Seit wir das Ergebnis vom Sohn wissen, betrachte ich auch meine bis dahin (für mich) unauffällige Tochter genauer und stelle fest, dass sie wahrscheinlich ähnlich begabt ist wie er - nur angepasster ;) Sie hatte nie größere Probleme in Kindergarten und Schule, hatte immer Freunde und Freundinnen, gehört dazu - ganz anders als mein Sohn.

Mein Sohn war schon immer "anders", es konnte nur niemand einordnen, weil er eben auch kein Überflieger oder Wunderkind ist ;). Bei meiner Tochter vermutet niemand außer uns eine mögliche (Hoch-)Begabung. Sie schwimmt halt mit und ist glücklich dabei. Sollte es einmal anders kommen, werden wir natürlich auch reagieren. Aber wir sind eben auch nur durch die Probleme unseres Sohnes auf die mögliche Begabung unserer Tochter aufmerksam geworden ;)

Der IQ Deiner Tochter ist schon sehr außergewöhnlich. Nun weißt Du aber, warum Deine Tochter sich wie ein Alien fühlt - und sie weiß es auch. Ihr könnt gemeinsam lernen, mit der Erkenntnis umzugehen und Lösungen suchen, damit sich das Kind wohler fühlt. Auch wenn das Kind höchstbegabt ist, darf es trotzdem Fehler machen und muss nicht nur 1er schreiben ;) Sagt das ganz deutlich: Es ist o.k, wenn sie mal eine wirklich Arbeit verhaut (und nicht nur Fehler einbaut, um nicht aufzufallen ;)) Davon geht die Welt nicht unter. Und auch Höchstbegabte dürfen gute und schlechte Tage haben. Genauso dürfen Höchstbegabte auch zeigen was sie können - auch wenn "die anderen" das angeberisch finden oder neidisch sind ;) Es kommt immer drauf an, wie man es macht.

Wenn Deine Tochter bis jetzt keine richtigen Freunde in der Klasse gefunden hat, dann wird das wohl auch nichts mehr. Es passt halt einfach nicht. Sucht Euch Möglichkeiten außerhalb der Schule oder versucht, auf eine Begabtenschule zu wechseln. Da ist die Chance größer, dass sie andere "Aliens" trifft ;)

Ich war übrigens auch ein "Alien" in der Schulzeit. Meine (meist älteren) Freunde hatte ich außerhalb der Schule. Schule habe ich als notwendiges Übel angesehen und bin halt (meistens ;)) hingegangen, weil ich musste. So lange "die anderen" mich in Ruhe gelassen haben, war es o.k.. "Gleichgesinnte" habe ich erst in der 11. Klasse gefunden, als ich die Schule fürs Abi wechselte. An der Schule waren auch Begabtenklassen. Die meisten "Normal-Abiturienten" fanden die Begabten immer "komisch". Ich habe mich bei den Begabten wohler gefühlt als bei den "Normalen" ;) und ich war in einer "Normal-Klasse". Ob ich (hoch-)begabt bin weiß ich nicht. Einen Test habe ich (noch) nicht gemacht. Es spricht aber vieles dafür und es würde vieles erklären.

Ich wünsche Dir, dass Du Dich mit dem Testergebnis "versöhnen" kannst und besonders mit der Tatsache, dass Du nichts gemerkt hast. Und ich wünsche Deiner Tochter, dass sie sich jetzt "findet" und lernt, mit der Tatsache umzugehen, dass sie sich nicht nur anders fühlt, sondern wirklich anders ist und anders denkt.

Gruß
Auguste
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » Di 19. Mai 2020, 11:44

FamilyUndercover hat geschrieben:Das Buch ist bestellt, vielen Dank.
Entschuldigt, dass ich so knapp antworte, aber irgendwie haben es alle meine Kinder nicht so mit dem Schlafen. Die Kleinen sind erst jetzt im Bett...ich melde mich Morgen nochmals.
Danke für den Austausch, ich versuche zu verstehen...
Ich bin immer noch "geschockt".

Liebe Grüße


Ich habe jetzt ein extra Thread erstellt, in dem ich einige von mir gelesene und gut befundene Bücher über Hochbegabung vorgestellt habe.
Vielleicht ist da auch noch was für euch dabei.
.
viewtopic.php?f=30&t=5528
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Di 19. Mai 2020, 19:32

FamilyUndercover hat geschrieben:Ach, Du Liebe.
Das tut so gut, Danke Dir.
Aber ich Frage mich schon, warum ihr Leben bisher so unauffällig verlaufen ist.
Höchstbegabt, müsste man (= Ich!) das nicht gemerkt haben?

Es ist schon sehr, sehr krass.
Ich kann das immer noch nicht ganz glauben...
Es fühlt sich so unwirklich an.


Ich denke mal dass die Literatur in der Richtung (auch, was man auf Anhieb z.B. im Web über Höchstbegabung findet) ziemlich irreführend ist. Hab gerade mal ein bißchen gegoogelt und obwohl ich mich schon wirklich lange mit Intelligenz und Hochbegabung beschäftige bin ich ziemlich frustriert über die widersprüchlichen, oft sehr klischeehaften Ansichten zu Höchstbegabung. Da ist eben von "Wunderkindern" die Rede und es kommen Vergleiche mit Einstein und da Vinci, die ich schlichtweg für Unsinn halte! Denn zu da Vincis Zeiten gab es noch längst keine IQ-Tests und Einstein hat sein ganzes Leben lang keinen solchen Test gemacht. Natürlich ist naheliegend dass beide einen IQ in Bereich der Hoch- oder Höchstbegabung hatten, aber gesichert ist das noch lange nicht. Vor allem aber geht dabei ganz unter, dass die meisten "Normalos" ihren IQ gar nicht kennen und man daher oft überhaupt nicht weiß, ob vielleicht nicht der eigene Nachbar oder die Oma auch hoch- oder höchstbegabt ist.

Auf einer Webseite stand was von " Schätzungen zufolge ist ein 100.000 Personen höchstbegabt" (IQ >=145), was natürlich Quatsch ist. Mich würde da sehr interessieren, wer das geschätzt hat, aber das steht natürlich nicht dabei :P . Tatsächlich ist es ein PR (Prozentrang) von 99,9, was einem Höchstbegabten unter 1000 Personen entspricht. Folgende Seite stimmt mit dem, was ich bisher von Hoch- und Höchstbegabung weiß, weitgehend überein:

https://physik-mobile.de/HB/gifted/FAQhg.htmlx

Interessant ist im Zusammenhang mit deiner Tochter auch die Lebensgeschichte von Marilyn vos Savant, einer amerikanischen Schriftstellerin, die Ende der 1990er Jahre als "der intelligenteste Mensch der Welt" galt. Als sie ihren Schulabschluss machte, befand sie sich in einem Jahrgang von 613 Schülern auf dem 178. Platz. Wenn du den Namen bei Wikipedia eingibst findest du den ganzen Beitrag zu ihr.

Es geht bei IQ-Tests auch nicht um "Wunderleistungen", sondern nur um ganz normales, logisches denken. Und dann kommt noch hinzu, dass das Gesamtergebnis noch mal höher ist, wenn jemand in keinem Teilbereich des Tests deutlich absackt, sondern durchgehend gute Ergebnisse erzielt. Hier macht oft auch einen gewaltigen Unterschied, welcher Test gemacht wurde. Bei einigen Tests ist der Zeitdruck höher als bei anderen. Dinge wie Verarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnis fließen in unterschiedlichem Ausmaß ins Gesamtergebnis ein und können es verändern - je nachdem, ob der Test einem Menschen mehr oder weniger "liegt".

Wir hatten hier im Forum schon einige Diskussionen, wo erwachsene Userinnen, die nie einen IQ-Test gemacht haben, daran zweifeln, selbst hochbegabt sein zu können, weil sie nur vier Nachkommastellen von Pi kennen und nicht im Kopf die Wurzel aus 7569 ausrechnen können. Ich kann das übrigens auch nicht, obwohl meine Begabungsspitze im mathematischen Bereich liegt.

Und noch was persönliches: mein eigener IQ beträgt 143, liegt also knapp unter der Grenze zur Höchstbegabung. Und obwohl ich das Gefühl, mir manchmal wie ein Alien vorzukommen, sehr gut aus Erfahrung kenne, glaube ich selbst nicht so recht, rein statistisch unter 250 Menschen der klügste zu sein. Fühlt sich irgendwie übertrieben an...

Und ich MÖCHTE mich auch gar nicht so fühlen, als wäre ich ohnehin fast allen Menschen in meinem Umfeld kognitiv überlegen. Abgesehen davon habe ich durch meine ADHS immer wieder extreme Gedankensprünge, die sich zeitweise sehr negativ auf meine Konzentrationsfähigkeit auswirken, was zur Folge hat, dass ich immer wieder Fehler mache. Das ist auch einer der Gründe aus dem ich im realen Leben meinen IQ (bis auf wenige Ausnahmen) unerwähnt lasse. Die Erfahrung zeigt, dass die Schadenfreude von "Normalos" besonders groß ist, wenn jemand, der sich für sehr gescheit hält, dumme Fehler macht :P .

Wobei ich mir mein privates Umfeld selbst ausgesucht habe und das besteht mittlerweile ausschließlich aus Menschen, die mich ohne Vorurteile so nehmen, wie ich bin. Die Zeit des verbiegens um anerkannt zu werden ist ein- für allemal vorbei :) .
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Meine3 » Mi 20. Mai 2020, 18:46

Hallo du,

zu allererst einmal: fühl dich bitte nicht mieß oder gib dir die "Schuld" daran, nicht erkannt zu haben, WIE anders deine Tochter ist. Mädchen sind sehr gut im bescheiden sein :fahne:.

Das Thema "weibliche Hochbegabung" ist noch diffiziler als das Thema allgemein, da Mädchen oder Frauen sich im Allgemeinen einfach viel stärker an der Gruppe orientieren und dazu gehören wollen, sozialer denken, angepasster sind und handeln als Jungen, bzw. Männer. Zudem werden Mädchen eher depressiv oder still oder zeigen psychosomatische Probleme wenn sie leiden, Jungs hingegen werden laut, aggressiv und "störend". Das ist natürlich nicht bei JEDEM Jungen und bei JEDEM Mädchen so, aber tendenziell ergibt sich da schon ein Muster. Weibliche kluge Menschen sind demnach oft Meister des Understatements und schwer zu "enttarnen".

Hier ein Ausschnitt aus dem Aufklärungsblatt des BMBF:

"...Und wie Eltern machen auch Lehrkräfte den Fehler, eine hohe Begabung eher bei Jungen als bei Mädchen zu vermu­ten. Bittet man sie darum, die hoch begabten Kinder ih­rer Klassen zu benennen, so liegt das Verhältnis der von Lehrkräften benannten Schülerinnen und Schüler auch in aktuellen Untersuchungen bei einem Verhältnis von 2 : 1 bis 3 : 1 zugunsten der Jungen, obwohl es vergleich­bar viele hoch begabte Jungen und Mädchen gibt. 3. WIE ERKENNT MAN HOCHBEGABTE?
—44 BEGABTE KINDER FINDEN UND FÖRDERN Direkte Erfahrungen mit hoch begabten Kindern sowie Schulungen zum Thema „Hochbegabung“ können dabei helfen, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte hoch begabte Kinder besser erkennen. Lehrer und Lehrerinnen sollten auch auf besondere Leistungen des Kindes achten, die in anderen Situatio­nen als dem normalen Unterricht sichtbar werden. Manche besonders begabten Kinder möchten in der Schule nicht auffallen (siehe auch den Abschnitt „Hoch begabte Mädchen“ in Kapitel 2); sie halten sich deshalb ganz bewusst zurück. Stellt man diesen Kin­dern komplexe Aufgaben oder beobachtet man sie bei Projekten oder bei anderen Gelegenheiten, bei denen hohe Anforderungen gestellt werden, dann kann man oft Anzeichen für eine Hochbegabung entdeckt..."

"Was können Eltern für hoch begabte Mädchen tun? Wie bereits in Kapitel 3 dargestellt wurde, wird die Hochbegabung von Mädchen seltener und häufig später erkannt als die von Jungen. Da hoch begabte Mädchen sich in den meisten Fällen „unauffälliger“ verhalten, kümmern sich ihre Eltern eventuell weniger um die Entwicklung der Begabung. Oft werden Mädchen von ihren Eltern auch stärker behütet als Jungen und daher seltener herausfordern­den Situationen ausgesetzt, in denen sie zeigen können, was in ihnen steckt..."

Ich selbst war ein unentdecktes, hochbegabtes Mädchen. Familiär gab es Probleme (Scheidung, psychisch kranker Vater, etcpp), ich hatte Selbstzweifel, war schüchtern, habe mich sehr schnell verunsichern lassen. Noch dazu kam, dass meine Stärken oder sagen wir besser mein Interessenschwerpunkt schon immer mehr im Sprachlichen und Künstlerischen lag, nicht in den Naturwissenschaften. Ein Kind, dass mit 5 schon komplizierte Gleichungen löst oder nütztliche Dinge "erfindet", sowie sich Gedanken über den Aufbau einer Solarzelle macht, fällt mehr auf, als ein Kind, dass einen gehobenen Wortschatz hat, zu Hause Geschichten und Gedichte schreibt, malt wie eine 10jährige und (heimlich)liest. Ich bin niemandem als sonderlich klug aufgefallen. Erst in der Oberstufe (Realschule!) dem Englisch- und der Französischlehrerin, davor war ich als mittelmäßige Schülerin alles andere als ein Hochleister oder ein Wunderkind. Meine schulische Karriere ging erst mit Klasse 11 los und dem eigenständigen Entschluss das Abitur nachzumachen. Davor war ich der typische Underachiever und niemand, ich am allerwenigsten, dachten bei mir an eine hohe Intelligenz.

Mein im Erwachsenenalter getesteter, hochbegabter Bruder hat zwei Kinder. Der Sohn ist das ältere Kind und wurde durch Zufall bei einer psychologischen Studie, an der er teilnahm als Höchstbegabter entdeckt. Seine Schwester, 3,5 Jahre jünger, leidet seit jeher darunter, sich für "dumm" zu halten, ist bei weitem nicht so ein Überflieger in der Schule wie der Bruder, aber meiner Meinung nach recht sicher auch hochbegabt. Die Eltern wollten es bei ihr nicht testen lassen...Warum? Frag mich nicht: das Hauptargument ist: was ist, wenn heraus kommt, dass sie NICHT hochbegabt ist? Dann hat sie die Bestätigung, dass sie "dumm" ist. Die Eltern glauben also selbst nicht dran, dass ihre Tochter ebenfalls hochbegabt ist. Dabei hat man ja schon zu genüge festgestellt, dass Geschwister sich im IQ oft SEHR ähneln (meist nur 5 IQ Punkte Unterschied oder weniger) und dass Hochbegabung zu einem großen Teil erblich ist. Und woran liegt das? Weil Hochbegabung sich bei Mädchen in der Regel nunmal ganz anders zeigt, bzw. Mädchen eben nicht um jeden Preis zeigen müssen, was sie können, sondern sich lieber des lieben Frieden willen anpassen und verstecken. DAs habe ich auch getan und das tut meiner Meinung nach auch meine Nichte. Noch dazu kommt, dass sie von klein auf den Komplex hat, sie sei dümmer als ihr Bruder, also IST sie es auch, da sie nicht an sich glaubt. Das muss aber nicht ihrem tatsächlichen kognitiven Potenzial liegen, sondern ist psychisch bedingt.

Ich habe3 Kinder. Auch hier: der Sohn ist der älteste (7 Jahre, 1. Klasse) und wurde wegen Verhaltensauffälligkeiten im Vorschulalter erstmals und ein halbes Jahr nach Schulbeginn ein zweites Mal getestet. Er liegt bei weitem nicht so hoch wie deine Tochter, lediglich in einem Bereich hat er durchgehend Werte von 155+ (Sprachverständnis). Dennoch fällt er extrem auf. Schon immer. Er war in allem immer "schneller" und wir wurden fast täglich auf ihn angesprochen. Für UNS war er "normal", aber für die anderen eben nicht... Vor allem fällt er eben sprachlich sehr auf. Zudem hat er den special-move, dass er sich Dinge, die er spannend findet, nach 1-3 mal hören (lesen) fast wörtlich merken kann. So hat er mit knapp 2 Jahren (er war 22 Monate alt glaube ich) Henriette Bimmelbahn nach ein paar Mal vorlesen seinerseits wörtlich korrekt "vorgelesen" :mrgreen:.

Meine Tochter ist jetzt ungefähr so alt wie der Sohn bei seinem ersten Test (Sie wird im Juni 6). Sie kann besser mit großen Zahlen umgehen (sie lesen, verstehen), rechnet aber weniger, hat sich selbst das lesen und schreiben beigebracht (der Sohn hielt das für überflüssig vor der Schule ;) ) und ist vor allem sozial extrem kompetent. Außerdem hat sie ein unheimlich gutes Auge für Details, sie malt mit 5 Jahren Gesichter mit Falten, Augen mit Iris, Pupille, Wimpern, malt teilweise dreidimensional, usw. und merkt sich auch sehr schnell Dinge (Baumwurzelarten oder dergleichen), gibt damit aber nicht an, behält ihr Wissen für sich. Nur durch Zufall merken wir dann:" holla, die hat ja ganz schön was auf dem Kasten..."

Mein Sohn hat in der Zeit fast garnicht gemalt, hat aber ein immenses Wissen zu Thmen die absolut nicht altersgerecht sind (Humanbiologie, Wölfe, Physik, Wetter, Astronomie, etcpp.)UND er war laut,unangepasst, schwierig und hat unheimlich viel geredet, unheimlich viel gewusst und keine Situation ausgelassen, um dies kund zu tun :schwitz:. Und wenn er mal nicht durfte, wurde er ungemütlich.

Klar ist ER aufgefallen, während meine ziemlich sicher ebenso intelligente Tochter durch ihr zartes und einfühlsames, so wie rücksichtsvolles und angepasstes Wesen den Lehrern oder Erziehern nicht als besonders herausragend klug auffällt (auffallen wird).

Und wir als Eltern sind lediglich wachsam, weil wir den auffälligen Sohn vor Augen haben und um die erbliche Komponente Bescheid wissen. Man muss dazu sagen, dass bei meinem Sohn zusätzlich eine Wahrnehmungsstörung im Raum steht (ADHS) und dies natürlich seine "Verhaltensschwierigkeiten" verstärkt, sowie einige Bereiche seiner kognitiven Fähigkeiten "schwächt" (Konzentrationsvermögen), daher haben wir bei ihm auch ein extrem ungleiches, sehr heterogenes INtelligenzprofil und ein Ergebnis ganz knapp unter der HB-Grenze (trotz etlicher deutlicher Begabungsspitzen in verschiedenen Bereichen, vor allem aber deckelnd im sprachlichen Bereich).

Ich vermute daher, dass meine Tochter einen höheren IQ hat als der Sohn ;), da sie sich besser konzentrieren kann als er und IQ-Tests dies nunmal auch immer testen und dies in die Wertung mit einfließt.

Deine Tochter hat ihr Leben lang gespürt, dass sie anders ist und hat vergeblich versucht sich anzupassen. Das kann man ihr nicht vorwerfen, sondern ist verständlich wenn man ein größeres Potenzial hat als 99,9% der Menschheit und ebenso wenig hast du dir etwas vorzuwerfen. Denn Hohe Begabung kann nur gesehen werden, wenn sie gezeigt und gelebt wird.

Wichtig ist jetzt sicherlich, dass Ihr als Eltern ihr Selbstwertgefühl stärkt und sie auch "aufklärt" in Hinblick auf ihren Intellekt. Es gibt einige wirklich gute und lesenswerte Bücher zum Thema Hochbegabung und auch speziell für hochbegabte Mädchen/Frauen.


Zuletzt möchte ich sagen: ein besonders leistungsfähiges Gehirn zu haben, macht anders, manchmal einsam und ist oft anstrengend, aber es ist auch eine Gabe und ein GESCHENK. Nehmt es an.

Zu deiner kleinen Tochter würde ich sagen: das was du über sie schreibst, schreit auch ziemlch nach "high potential" sorry ;) .
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Meine3
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 20. Mai 2020, 19:11

Ich kann es nur unterschreiben. Die HB-Klasse des Sohnes hat von 24 Kindern gerade mal 5 Mädchen...
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