Phasenlernen

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Phasenlernen

Beitragvon Twochild » So 7. Jun 2020, 21:58

Um den anderen Chat nicht noch mehr zu "missbrauchen" frage ich euch hier.
Viele haben ja geschrieben, dass sie kreuz und quer nach Interesse lernen. Aber kennt ihr auch ein Lernen in Phasen oder auch Beschäftigen in Phasen. Gerade bei meinem Sohn (9), aber auch bei mir selber kommt das sehr häufig vor. Also eine zeitlang ist ein Thema interessant und wird exzessiv bearbeitet und dann verschwindet es wieder für eine ganze zeitlang. Bei meinem Sohn dauern diese Beschäftigungs-Phasen ca zwischen 6 Wochen und 3 Monate. Auch beim Instrument spielen ist das so. Was bei mir dazu geführt hat, dass ich mehrere Instrumente ein wenig kann (es reicht gerade so für etwas Weihnachtsmusik).
Und bei meinem Sohn war das gefühlt auch schon immer so. Mit einem Jahr Buchstaben "lernen", dann uninteressant, Weltraum, Dinos, Schlagzeug, Automarken, usw.

Irgendwann kommen die Themen wieder und es wird da weitergemacht, wo aufgehört wurde. Auch beim Schlagzeug spielen meines Sohnes kann ich das aktuell beobachten. Er setzt quasi nahtlos da an, wo er vor einem guten Jahr aufgehört hat.
Zuletzt geändert von Twochild am Mo 8. Jun 2020, 14:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 8. Jun 2020, 10:19

Ich kenne das nicht, weil meine Kinder Generalisten sind, die sich für fast alles interessieren und nie ihre speziellen Themen hatten. Selbst solche beliebten Themen wie Dinos und Weltall sind an ihnen vorbeigegangen. Bei den Instrumenten stehe ich dahinter mit einer klaren Ansage, dass nur ein, maximal zwei Instrumente gespielt werden und zwar auf dem ernsten Niveau. Die Beobachtung, dass begabte Kinder, die es nicht gewohnt sich, dass Fortschritt ihnen Arbeit und Aufwand kostet, schneller aufgeben als andere, habe ich auch schon gemacht. Auch da bin ich dabei und versuche Überzeugugsarbeit zu leisten.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon sinus » Mo 8. Jun 2020, 10:31

Doch ja. So hat meine Große bspw mit 2 Jahren ein paar Wochen lang exzessiv gepuzzelt. Danach mehrere Jahre dann gar nicht mehr und wenn man ihr ein Puzzle gab, begann sie es zwar, verlor aber schnell das Interesse.
Auch Buchstaben konnte sie mit 2-3, danach jahrelang kein Interesse mehr.
Auch beim Malen sind mir "Schübe" aufgefallen. (erste erkennbare Motive sehr früh, mit 2, dann monatelang nur noch Krikelkrakel)
Also da gab es schon so einige Erlebnisse in der Richtung mit ihr.
Ansonsten kannst du über die "exzessiven Phasen" meiner Tochter ja im anderen Thema schon viel lesen.

Ich selbst bin da ähnlich wie du es mit den Instrumenten beschreibst. Viele Interessen, in keiner davon hab ich es aber zur Meisterschaft gebracht. Ich hab mehrere Sprachen und zugehörige Schriften lesen und schrieben (u.a. Arabisch) angefangen zu lernen, aber bin auf eher niedrigem Niveau geblieben bzw habe später viel wieder vergessen.
Instrument ähnlich. (ich kann ein bisschen Klavier, Geige, Ukulele, Flöte, Mundharmonika :lol: ; am besten Geige, aber das auch nur, weil ich das als Kind gelernt habe. Alles andere nicht so lang oder später nur ein bisschen im Selbststudium)
Ich finde das immer sehr schade, vor allem bei den Sprachen, aber mir fehlt es wohl an Fließ und auch an Zeit (allein mit 2 Kindern bleibt da nicht so viel), um mich über längere Zeit so ganz und gar einer Sache zu verschreiben.
Außerdem sind da ja immer noch so viele andere Dinge, die AUCH interessant sind...

Ein Bekannter von uns, sicherlich sehr hochbegabt, hat auch ständig wechselnde Interessen. Die dauern meist so 1,2 Jahre und dann wendet er sich komplett anderen Dingen zu.
Die Interessen gehen von Musik/Instrumenten (er besitzt und kann bestimmt so 20-40 verschiedene Instrumente aus aller Welt, inklusive besondere Notenschriften/Notensysteme), über Flugzeugmodellbau, Töpferei, Schach, Taichi, Sprachen (er kann ca 10), Religionen ...
Nebenbei baut er noch ein Haus um, nach eigene Entwürfen, hat eine Professur und schreibt.
Er kommt immer recht weit in den Bereichen, mit denen er sich beschäftigt. So kann er wie gesagt viele Sprachen auf höherem Niveau, spielt die Instrumente so, dass er damit durchaus öffentlich vorspielen kann (was er gelegentlich tut), ist recht erfolgreich im Schach etc pp.
Kehrseite ist bei ihm, dass er dann oft den Kontakt zu den den Hobbys zugehörigen Gruppen zusammen mit dem Interesse dafür wieder verliert.
Aber evtl. ist ihm das auch gar nicht sonderlich wichtig.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 8. Jun 2020, 13:50

Ich kann mich in den Professor sehr gut hineinverstetzen. Ich finde Hobbys an sich für die Dauer auch langweilig. Ich habe grundsätzlich kein Interesse an Dingen die ich schon mal gesehen habe. Ich schaue äußerst selten einen Film zwei mal an, und wenn dann, dann mit dem Abstand von 10-15 Jahren. Mein Sohn ist mir ähnlich, meine Tochter dagegen kann 5 mal nach einander in kürzen Abständen das gleiche Buch lesen.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Meine3 » Mo 8. Jun 2020, 16:41

Huhu,

Mein Sohn ist auch so ein Kind, dass intensive Phasen hat. Von 1,5-3 hatte er seine 1. Leidenschaft: eine ausgeprägte Zug/Lokomotivenphase. Wir hatten einen großen Bildband mit Loks und er kannte sehr sehr viele davon auswendig. Wir besuchten jede Modell-Eisenbahnausstellzmg, jedesmuseum
, jede Freizeitaktovität rund um Züge im näheren Umkreis. Unser täglicher Spaziergang führte uns oft zum damals nach gelegenen HBF :mrgreen: . Dann kamen die Dinos und klassische Musik (gleichzeitig, so 1 Jahr), dann Wölfe und Vampire (1 Jahr) gefolgt von der Detektiv-Phase, die in die Bio-Phase überging (die dauert noch an und wechselt alle paar Wochen das Unterthrma. Der Mensch, dann Schildkröten, Schlangen, Schnecken, etcpp). Weltraum kommt und geht immer parallel und wird mit jeder Runde vertieft. Mittlerweile sind wir eben schon recht tief in der (schwarzen ;) ) Materie.Er widmete sich dann immer intensiv diesem Thema, bis er „ausgelernt“ hat, dann kommt das nächste.

Das was ich faszinierend finde ist, dass er sich den ganzen Kram auch behält. Das gilt auch für Dinge, die er sich im Kleinkindalter angeeignet hat.

Bei mir gabs das hauptsächlich im kreativen Bereich Phasen (wacgsmalstifte-Phase, Holzstifte-Phase, schwarz-weiß-Phase, Aktphase, Phantasie-Phase, die Näh-Phase etcpp.). Ansonsten mache ich oft Dinge parallel. Außer der Gestalterischen Kunst Ist mir kein Hobby länger als 3 Jahre geblieben. Dinge wie Instrumente, verschiedene Naturwissrnschaftliche Themen, Sport wechsele ich immer...

Mein Neffe (der höchstbegabte) hat auch immer ausgesprochen Phasen gehabt, auch schon als Kind. Mein Bruser ist auch so ein Autodidakt wie ich, der arbeitet gestalterisch am Rechner (Fotobearbeitung, Filme) und kocht leidenschaftlich gern... Alles andere wechselt auch bei ihm immer mal wieder durch.


Ich glaube aber nicht, dass das was mit Hochbegabung zu tun hat. Es gibt freilich auch unter den Hochbegabten viele Menschen, die sich intensiv über Jahre oder ihr ganzes Leben einem Thema intensiv widmen. Das sind dann wohl Teilweise die „Wunderkinder“. Alle Menschen haben Leidenschaften und Hobbys. Unterscheiden Wird sich der Hochbegsbte höchstwahrscheinlich durch die Intensität, mit der er sich mit den Dingen befasst und der Schnelligkeit, sich die Fähigkeiten/Fertigkeiten anzueignen.
Gruß
Zuletzt geändert von Meine3 am Mo 8. Jun 2020, 19:41, insgesamt 2-mal geändert.
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 8. Jun 2020, 17:59

Bei meinen Jungs beobachte ich auch diese Phasen, sehe das aber nicht als HB-spezifisch, sondern als normale, kindliche Entwicklungsschritte. Ich glaube sogar, bei Remo H. Largo gelesen zu haben, dass es eine übliche Art der kindlichen Weiterentwicklung ist, eher die Regel als die Ausnahme. HB-spezifisch ist mMn aber, dass kluge Kinder sich mit den Themen des momentanen Interesses "tiefer" befassen als durchschnittlich begabte Kinder. Also, um ein Beispiel zu nennen, nicht nur die Namen der Dinos zu lernen und vielleicht noch die Größe, sondern auch in welchem Erdzeitalter und auf welchem Kontinent sie gelebt haben, aus welchen Vorformen sie entstanden sind, wie viele Eier sie gelegt haben, wie groß ihr Gehirn war, usw.

Mein älterer Sohn hatte ab ca. 18 Monaten die Buchstaben- und Zahlen-Phase und konnte mit 2 Jahren alle Groß- und Kleinbuchstaben und alle ein- und zweistelligen Zahlen benennen. Dann kam die Automarken-Phase mit über 50 Automarken (bis dahin wusste ich nicht mal, dass es so viele gibt), die er teilweise sogar an der Form der Fahrzeuge erkannt hat, ohne das Markenlogo zu sehen. Vorlesen war damals, mit 2-3 Jahren auch sehr exzessiv. Mit ca. 2 1/2 Jahren begann die Lieder- und Gedichte- Phase, wo mein Sohn etliche Bilderbücher, Lieder und Gedichte auswendig gelernt hat. Ab dann habe ich ehrlich gesagt den Überblick verloren. Das war die Phase, wo wir mit der Gehörlosigkeit des kleinen Bruders konfrontiert waren und eher "ferngesteuert" agiert haben.

Jedenfalls gab es Mathe-Phasen (deren Umfang weit über den Schulunterricht hinausging), Astronomie-Phasen, mehrere intensive Anatomie-Phasen, usw. Aktuell ist mein Sohn in der Geschichte-Phase und interessiert sich vor allem für die beiden Weltkriege. Militär interessiert ihn auch sehr (was mich nicht gerade begeistert). Er hat sich auch einen Bildband über Panzer gewünscht und kann den schon ziemlich auswendig.

Seit Jahren gleichbleibend ist das Interesse meines Sohnes an Comics, allen voran Donald Duck. Entenhausen ist sein Zweitwohnsitz :mrgreen: .

Beim jüngeren Sohn begann das Interesse an Buchstaben und Zahlen mit 2 Jahren und er konnte sie mit 3 Jahren alle auswendig. Dann hatte er eine lange, intensive Mathe-Phase, die sich mit wechselnden Unterthemen bis jetzt hinzieht. Erst war es nur zählen und Zahlen ordnen, dann rechnen mit plus und minus, die Uhr lesen und mit Zeiten rechnen, Zahlenreihen logisch fortsetzen, Spiegelungen, geometrische Muster, malnehmen und dividieren und schließlich Prozentrechnen und Diagramme. Mein jüngerer Sohn interessiert sich auch sehr für Öffnungszeiten, Mondphasen, Jahreszeiten, Lebensalter,...eigentlich alles, was man in Form von Zahlen ausdrücken kann. Und er kann instinktiv sehr gut mit PC, Laptop, Tablett und Handy umgehen. Wir haben ständig irgendwelche Zahlen-Themen zu Hause. Er fotografiert z.B. sein Orangensaft-Glas in verschiedenen Füllungs-Stadien und schreibt dann als Untertitel zu wieviel % es voll ist. Er rechnet mit den Mondphasen, wobei ihm nicht nur wichtig ist, wie viel % vom Mond zu sehen sind, sondern auch um welche Uhrzeit er auf- und untergeht. Als ich in der Corona-Zeit Mund-Nasen-Schutzmasken genäht habe wollte er wissen, wie alt meine Nähmaschine ist. Nach der Info "20 Jahre" (geschätzt), hat mein Sohn sofort ausgerechnet, dass ich sie demnach im Jahr 2000 gekauft habe, als ich 29 Jahre alt war :mrgreen: . Auch für den Tod interessiert er sich. Das geht teilweise so weit, dass er sehr alten Leuten in der U-Bahn den kommenden Tod vorhersagt. Das sind die Zeiten, wo ich froh bin, dass die meisten Leute keine Gebärdensprache verstehen :P .

Seit 3 Monaten hat mein jüngerer Sohn ein neuer Hobby: er schreibt auf dem PC Bücher ab und zwar exakt Wort für Wort, mit allen Satzzeichen und Formatierungen. Wir haben mittlerweile mindestens 50 Seiten mit ganzen Kapiteln aus verschiedenen Büchern, von Thrillern über Sci-Fi-, Wissensbüchern bis hin zu einem Ratgeber für natürlich Geburt. Keine Ahnung, was er davon versteht. Er sagt selbst nicht, warum er die Bücher abschreibt, aber ich vermute, er will damit besser schriftliches deutsch lernen (seine Grammatik ist nach wie vor für Außenstehende unverständlich).

Selbst habe ich auch immer wieder Phasen mit basteln, stricken, heimwerken, Gitarre spielen, Bücher schreiben, usw. Bei mir sind nur das lesen (verschiedene Themen) und der Sport (Rad fahren und schwimmen), sowie das Briefmarken-sammeln permanente Hobbys.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 10. Jun 2020, 09:26

Ich weiß nicht ob zwischen der zugehörigkeit zum Autismusspektrum und den ausgeprägten Interessen ein direkter Zusammenhang entsteht. Aber der Gedanke ist mir schon mal gekommen. Sozial orientierte Menschen tendieren auch in Kinderjahren mehr dazu, mitzumachen. Dieses MIT spielt dann im Laufe des Erwachsenswerden eine immer größere Rolle. Meine Kinder haben sich nicht für alles begeistern können, was ihre Peergroup gemacht hat, aber es war schon immer so, dass die soziale Interaktion für sie immer wichtiger war als das Thema an sich. Informationen aus den Büchern zu den bestimmten Themen hat bis jetzt keines meiner Kinder gesammelt.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon charlotte12 » Mi 10. Jun 2020, 10:14

Bei meiner Tochter kenne ich diese Phasen auch, allerdings im Wesentlichen nur aus Zeiten vor der Einschulung. Sie interessierte sich damals entweder fürs Schreiben oder fürs Lesen oder fürs Rechnen oder fürs Radfahren oder ..., das dann aber jeweils ganz intensiv. Ich habe auch den Eindruck, dass nicht nur die Unterforderung sondern auch dieser permanente Wechsel zwischen Lesen, Schreiben, Rechnen und Sachkunde in der Schule ihrer Art zu lernen ganz massiv zuwider lief und bei ihr einiges an Motivation zerstört hat.
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mi 10. Jun 2020, 11:22

Auch in Punkten Lesen und Schreiben haben sich meine Kinder ganz anders verhalten. Als der Kleine 3 war, ist mir aufgefallen, dass er Dezimalzahlen lesen kann. Aber er hat nie vorher nach einer Zahl gefragt, oder sich damit explizit beschäftigt. Genauso ging es mit dem Großen im vegleichbaren Alter. WIr fuhren auf der Autobahn, er sah einen Ausfahrtschild, auf dem 300 stand. Nachdem er gefragt hat, was es für eine Zahl ist, ist er innerhalb von jeweils 100 Metern auf 200 Hundert gekommen. Der Großer merkte sich gefüllt jede Zahl, aber es kam immer nebenbei ohne zu fragen, wie "Mama, wir waren gestern im Haus Nummer 18", oder "Das Meteorit im Museum wog 542 g". Aber auch das kam immer nur nebenbei. Lesen vor der Schule wollte hier keiner. Mir ist zwar sehr früh aufgefallen, dass der Große mit seinem Babycomputer die Fragen wie "welcher Buchstaben ist im Wort AUSTO falsch" beantworten kann, aber gegen Lesen hat er sich explizit gewehrt. "Wenn ich selber lese, liest du mir nicht vor!".
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Re: Phasenlernen

Beitragvon Meine3 » Do 11. Jun 2020, 21:39

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich weiß nicht ob zwischen der zugehörigkeit zum Autismusspektrum und den ausgeprägten Interessen ein direkter Zusammenhang entsteht. Aber der Gedanke ist mir schon mal gekommen. Sozial orientierte Menschen tendieren auch in Kinderjahren mehr dazu, mitzumachen. Dieses MIT spielt dann im Laufe des Erwachsenswerden eine immer größere Rolle. Meine Kinder haben sich nicht für alles begeistern können, was ihre Peergroup gemacht hat, aber es war schon immer so, dass die soziale Interaktion für sie immer wichtiger war als das Thema an sich. Informationen aus den Büchern zu den bestimmten Themen hat bis jetzt keines meiner Kinder gesammelt.



Ebensowenig wie ich denke, dass Hochbegabten das "Phasenlernen" vorbehalten ist, denke ich, dass es Autisten vorbehalten ist. Es gibt diese "ausgeprägten Interessen" bei Autisten, die ja immer wieder auch als Grundlage für Filme oder Dokumentaionen dienen, aber auch ein normal begabtes Kind kann z.B. eine ausgeprägte Fussballleidenschaft entwickeln oder Fan eine Teeniband werden oder sich exsessiv mit dem Weltraum beschäftigen. Denke ich :gruebel:. Sonst wären fast alle in meine Familie entweder hochbegabt oder Autisten. Denn alle haben intensive Hobbies oder Leidenschaften, die sie verfolgen.

Meine Cousine hat einen richtigen Strickfimmel gehabt. Meine Oma war ein Knobel- und Kreuzworträtsel-Fan. Mein Opa hat leidenschaftlich gern Dinge repariert. Sein großes Hobby war Technik. DEr Opa meines Bruders (nicht meiner, wir haben unterschiedliche Väter) war Fecht- und Schachmeister. Mein Bruder hatte und hat einen sehr guten Draht zu Computern ;) und Fotoapparaten, meine Mutter liest und liest und puzzelt und puzzelt, nebenbei hat sie auch Gitarre, Querflöte und trommeln gelernt und schreibt Gedichte (alles phasenweise dann auch sehr intensiv). Ich habe gemalt und gezeichnet BEVOR ich gesprochen habe. Malen und Zeichnen ist immer noch DAS Mittel des Ausdrucks für mich, neben vielen Dingen die ich ausprobiert habe, ist mir das immer geblieben. Mein Sohn sammelt Wissen, über alles mögliche, eben in Phasen. Ebenso hat er aber auch immer wieder ausgeprägte Hobbies, die eindeutig sozial motiviert sind, wie Fussball oder Detektive (Fussball war und ist das große Hobby seines besten Freundes, daher hat er das über ein Jahr sehr intensiv ausgelebt und Spaß dran gehabt, bis er festgestellt hat, dass er talentfrei ist :lol:). Meine Tochter: ebenfalls wie ich eine leidenschaftliche Malerin :D, dabei aber, ebenso wie ich, sehr angepasst und sozial. Meine Jüngste ist grade voll in der der Tiere der Savanne-Phase: Giraffen, Elefanten und Zebras sind ihre Lieblingstiere. Jeden Abend vorm zu-Bett-gehen erzählt sie mir, dass sie jetzt von Giraffen und Elefanten träumt und ist ganz enttäuscht, wenn es nicht geklappt hat. Auch hier musste ich schon Bücher besorgen, weil die zusammen gestückelten Infos aus verschiedenen Tierbüchern nicht gereicht hat. Sie ist 3. Ebenso gern fährt sie aber auch Laufrad mit ihrer gleichaltrigen Nachbarin. Bei meiner Mittleren ist es wie bei deinem Sohn. Ich stelle immer wieder fest, dass sie Dinge kann, von denen ich nichts gewusst habe. Sie schnappt das so "nebenher" auf und behält es sich. Spezialinteressen, die sie dann in Form von Büchern vertiefen will, hat sie gar nicht. Bis auf Bücher übers zeichnen und malen.

Gruß

Meine3
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