Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Hochbegabung geht oft mit Wahrnehmungesstörungen Hand in Hand

Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Beany » Do 15. Nov 2018, 13:51

Hallo,

ich bin Mutter von zwei kognitiv fitten, ganz unterschiedlichen Söhnen. Der Große ist 7, eher zurückhaltend, sehr empfindsam, empathisch interessiert sich für fast alles und denkt über viele Dinge nach.

Der Kleine wird demnächst 5, ist sehr temperamentvoll, kontaktfreudig, in der Kita und allein bei den Großeltern ein ganz unkomplizierter Junge. Schwierig ist es Zuhause. Er provoziert, tritt, schlägt, schimpft … Vor allem der große Bruder hat darunter zu leiden. Ich wollte daher von der Kinderärztin einen Tipp, an welche Erziehungsberatung ich mich wenden könnte. Nach ein paar Fragen meinte sie, dass eine Erziehungsberatung uns nicht helfen würde und schickte mich zu einer Kinder- und Jugendpsychologin. Nachdem ich diverse Fragebögen ausgefüllt und wir miteinander gesprochen haben, empfahl diese mir einen Termin in der Autismus-Ambulanz zu machen. Sie meinte, etliche Verhaltensweisen würden auf Asperger hindeuten, aber für eine Klärung sollten Leute draufschauen, die sich damit richtig auskennen. Den ersten Termin habe ich im späten Frühjahr 2019.

Jetzt habe ich mich dazu etwas eingelesen und zumindest einige Wesenzüge weisen in diese Richtung. Unabhängig davon, ob und welche Diagnose irgendwann kommt, ist er so wie er ist und wir möchten ihm und dem Bruder helfen, damit möglichst gut klarzukommen.

Da hier ja auch einige Eltern mit Aspis und auch Eltern von sehr sensiblen Kindern unterwegs sind, wollte ich mal fragen, ob vielleicht jemand Ideen hat, wie wir die Situation Zuhause vor allem für den Großen verbessern können. Er ist ja eher etwas verschlossen, aber ich weiß, dass er mit der Situation ganz schön zu tun hat.

Wir versuchen immer, die beiden möglichst nicht unbeaufsichtigt in einem Zimmer zu lassen, es sei denn, sie spielen wirklich ganz entspannt miteinander. Aber irgendwann muss auch mal das Essen auf den Tisch, der Abwasch erledigt werden oder … und nicht immer sind wir Eltern zu zweit. Diese Situationen können gut gehen, aber oft brauche ich mich nur umzudrehen und die Schreie des Großen ertönen, weil der Kleine etwas wegnimmt, kaputt macht, schlägt, tritt, ….

Es gibt Tage, die laufen gut. Es gibt Wochenenden, da gehen wir echt auf dem Zahnfleisch … :(

Falls also jemand Tipps oder Gedankenanstöße hat, bitte gern! Und falls ich hier im Forum nicht so ganz gut aufgehoben bin (unsere Probleme liegen ja wirklich nicht im Intellekt begründet), nehme ich auch gern Empfehlungen für andere, vielleicht passendere Foren.

Ganz herzlichen Dank!
Beany
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Rabaukenmama » Do 15. Nov 2018, 16:11

Hallo Baeny,

erst mal herzlich willkommen hier! Auch ich bin Mutter von zwei kogintiv fitten Söhnen, jedoch mit einigen "Extras". Mein älterer Sohn ist 8 Jahre alt, diagnostizierter Asperger Autist, mit relativ neuer ADHS-Diagnose zusätzlich und außerdem hochsensibel. Mein jüngerer Sohn ist gehörlos geboren und auch Autist (ob "Asperger" oder "Kanner" sind sich die Fachleute noch nicht ganz klar, aber diese Unterbezeichnungen wird es bald ohnehin nicht mehr geben.

Mein jüngerer Sohn zeigt teilweise SEHR herausforderndes Verhalten, vor allem uns Eltern gegenüber. Sein älterer Bruder dagegen hatte bei ihm lange Zeit einen "Sonderstatus". Soll heißen dass der alles machen durfte, was wir als Eltern nicht "durften": den Wasserhahn abdrehen, die Schlafzimmertür schließen, die roten Gummibärli allein essen,... Wenn ich gebärdet habe "Laß die Schokolade liegen, die gehört MIR!" war das so, als hätte ich gar nichts gesagt. War die Aussage aber "Die Schokolade gehört dem M.... (Bruder)" dann war die Schokolade ab dieser Sekunde absolut tabu.

Leider hat mein jüngerer Sohn auch immer wieder (autistische) Wut-Anfälle. Diese werden auch "Meltdown" genannt - kann man im Zusammenhang mit Autismus googeln. Und das waren immer die Phasen, wo der ältere Bruder sehr gelitten hat. Er ist von Haus aus eher empfindlich, auch was Lärm oder Streß betrifft. Und ein kreischender, schreiender, um-sich-schlagender Bruder was ihm einfach viel "zu viel", auch wenn er selbst praktisch nie Auslöser dieser Anfälle war.

Vor einigen Monaten hatten wir dann plötzlich die neue Situation, dass unser jüngerer Sohn auch seinen Bruder bewusst zu provozieren begonnen hat. Durch seinen Autismus kann der das aber nicht richtig einordnen und bezieht es voll auf sich. An sich nicht verwunderlich, so geht es auch vielen neurotypischen Erwachsenen. Aber dann ist da noch eine geringe Frustrationsschwelle und da kam es dann ganz, ganz schnell zu Schlägereien zwischen den Jungs. Für uns war das ganz neu und wir waren erst mal geschockt. Mein älterer Sohn hat dann krampfhaft versucht, sich zusammenzureißen, weil "man" den jüngeren Bruder doch nicht hauen darf, worauf der jüngere Sohn immer mehr provoziert hat.

Damals fiel mir ein Absatz wieder ein, den ich mal in einem Erziehungsratgeber von Jesper Juul zum Thema Geschwisterrivalität gelesen hatte. Wörtlich weiß ich es nicht, mehr, aber es ging darum, wie man als Eltern reagieren soll, wenn ein Kind das andere schlägt: nämlich, so, als hätte man es gar nicht gemerkt! Und wenn ein Kind blutend nach Hause kommt? Da stand dann "Umarmen sie es, verarzten sie es, küssen sie es! Aber stellen Sie den Übeltäter nicht als Sündenbock hin und bestrafen sie ihn nicht. Wenn eine Ungleichheit da ist, wird diese dadurch noch schlimmer. Die Angriffe bleiben, aber werden subtiler...".usw.

Ich entschloss mich, das auszuprobieren und erlaubte meinem älteren Sohn ausdrücklich, sich zu wehren, wenn sein Bruder ihn provoziert und vor allem körperlich angreift (kratzen, schubsen, an den Haaren reißen,...). Anfangs traute der sich das gar nicht, aber nach 2 Tagen hatte er kapiert, dass ich nicht mehr eingriff. Dann machten die Jungs das unter sich aus und es flogen sprichwörtlich die Fetzen. Aber seltsamerweise begann sich das Ganze schon nach 3 Tagen extrem abzuschwächen und nach nur einer Woche kamen meine Jungs wieder friedlich miteinander aus. Jeder hatte "seine" Grenzen neu abgesteckt und irgendwie haben beide davon profitiert.

Ich erinnere mich im Zusammenhang Geschwisterrivalität auch an andere Szenen, als meine Jungs noch kleiner waren. Mein älterer Sohn, bis zum Alter von 2 1/2 Jahren das allseits beliebte, verwöhnte Einzelkind, hatte auf einmal nicht nur so einen lästigen, kleinen Bruder, der stundenlang an Mamas Brust hing und in den alle verliebt waren. Nein, dieser Bruder war auch noch gehörlos und bekam gaaaaanz viel Aufmerksamkeit. Eine Frühförderin kam jede Woche um mit dem Bruder zu spielen. Mama fuhr mehrmals die Woche mit dem Bruder zu verschiedenen Stellen (Ergo, Logo, Horchi-Einstellung) wo sich alle mit dem Bruder beschäftigten.

Mein älterer Sohn war (zu Recht!) von Anfang an sehr eifersüchtig. In den ersten Wochen versuchte er, den Bruder von meiner Brust zu ziehen. Ich erinner mich noch an die Spuren seinen Fingernägel im zarten Babykopf! Wenn wir nicht hinsahen boxte er seinen Bruder oder nahm ihm das Spielzeug, das er gerade in der Hand hatte, weg. Einmal, beim wickeln, ließ er sich mit vollem Gewicht auf den Bruder (damals 3 Monate alt) fallen und bekam vom mir im Affekt die erste Ohrfeige seines Lebens. Wir konnten die zwei keine Sekunden alleine lassen. Alles erklären, dass der Kleine ja hilflos sei und alle Apelle an die Vernunft halfen nichts. Eh klar, einerseits war mein ältere SOhn damals mit knapp 3 Jahren noch zu jung für Empathie und andererseits wußten wir da auch noch nichts von seinen eigenen Wahrnehmungsstörungen, die das sich-in-andere-reinversetzen ja noch schwerer macht!

Die Eifersucht dauerte an bis der Bruder ca. 11 Monate alt war und zu krabbeln begann. Dann plötzlich, von einem Tag auf den anderen, war es auch verbal nicht mehr "Das Baby" sondern "der A....". Keine Ahnung, was diese Wandlung bewirkt hat. Ab da gab es kaum mehr Zwischenfälle und wenn, dann waren die so harmlos, dass man sie wirklich getrost ignorieren konnte. Bis zu oben beschriebener Zeit.

Ich sage ja immer, ich habe zwei Einzelkinder, die zufällig in derselbe Familie "gelandet" sind. Meine Jungs sind vom Wesen her total verschieden und können miteinander sehr wenig anfangen. Aber sie akzeptieren und mögen sich mittlerweile. Als ich mit meinem älteren Sohn 3 Tage allein weg war hat der jüngere Bruder, als wir heimkamen, ZUERST seinen Bruder innig umarmt und dann erst mich :) . Das hat meinen älteren Sohn so gefreut, dass ihm spontan ein paar Tränen runtergeronnen sind.

Erst vor zwei Tagen hatte mein Sohn im Hort ein Gespräch mit einem anderen Buben, der ihm erzählt hat, er habe eine schon erwachsene Schwester. Ich meinte so halb im Spaß "Na, vermutlich hättest du auch lieber eine erwachsene Schwester als den lästigen A.... als Bruder!". Worauf mein Sohn sofort dementierte "Neeeein, der A.... als Bruder ist schon ok. Es wäre nur besser, wenn er weniger oft so laut brüllen würde...".

So viel mal zu meinen persönlichen Erfahrungen. Bin auch gerne bereit, auf konkrete Fragen per PN zu antworten. Und ich sende Dir per PN einen Link zu einem anderen Forum, das für dich interessant sein könnte.

Lg Raubaukenmama
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Beany » Fr 16. Nov 2018, 15:58

Rabaukenmama hat geschrieben:Mein älterer Sohn hat dann krampfhaft versucht, sich zusammenzureißen, weil "man" den jüngeren Bruder doch nicht hauen darf, worauf der jüngere Sohn immer mehr provoziert hat.

So war es hier auch bis vor kurzem. Inzwischen wehrt sich der Große, aber zum Teil völlig überzogen. Da fliegt wegen einer relativen Kleinigkeit der Ellenbogen Richtung Gesicht, er tritt dem Kleinen in den Bauch ... Das passiert selten und ich erkläre ihm dann auch, weshalb bestimmte Körperbereiche einfach tabu sind. Aber wenn es aus ihm rausbricht, dann richtig.

Rabaukenmama hat geschrieben:Damals fiel mir ein Absatz wieder ein, den ich mal in einem Erziehungsratgeber von Jesper Juul zum Thema Geschwisterrivalität gelesen hatte. Wörtlich weiß ich es nicht, mehr, aber es ging darum, wie man als Eltern reagieren soll, wenn ein Kind das andere schlägt: nämlich, so, als hätte man es gar nicht gemerkt! Und wenn ein Kind blutend nach Hause kommt? Da stand dann "Umarmen sie es, verarzten sie es, küssen sie es! Aber stellen Sie den Übeltäter nicht als Sündenbock hin und bestrafen sie ihn nicht. Wenn eine Ungleichheit da ist, wird diese dadurch noch schlimmer. Die Angriffe bleiben, aber werden subtiler...".usw.


Das hatten wir auch schon überlegt. Aber wir haben einfach Angst bei "Überreaktionen" des Großen. Letzte Woche kam ich dazu, weil sich die Tonlage des Kleinen Richtung Provokation veränderte (inzwischen höre ich am Tonfall, was er gleich machen wird ;) ), da stand der Große mit einem wirklich massiv gebauten Lego-Duplo-Werk und schlug es Richtung Kopf des Kleinen. Er stoppte sofort, als ich kam. Aber das Risiko, dass er ähnliches doch einmal ausführt und damit den Kleinen wirklich ernsthaft schädigt, ist mir derzeit zu groß. Ich rede nicht von blauen Flecken, Schrammen oder einer aufgeplatzten Lippe. Da hätte ich nicht das Problem.

Zum Thema Eifersucht - auch das ist ganz klar Sache des Kleinen. Er achtet ganz extrem darauf, dass er bei allem mindestens soviel abbekommt, wie der Große. Ich finde wirklich, dass wir die beiden gleichwertig behandeln. Dem Kleinen gestatten wir dadurch ganz selbstverständlich Dinge, die bei dem Großen im entsprechenden Alter überhaupt noch kein Thema waren. Aber das sieht der Kleine oft anders und dann ist alles ungerecht und das Kratzen, Treten ... geht los.

Rabaukenmama hat geschrieben:Ich sage ja immer, ich habe zwei Einzelkinder, die zufällig in derselbe Familie "gelandet" sind.

Ich hab inzwischen gelesen, dass es wohl sogar Studien dazu gibt, dass Geschwister einander weniger ähneln, als zufällig "eingesammelte" Kinder. Bei meinen würde ich das jederzeit bestätigen.

Der Kleine bei uns mal wieder heftig und körperlich provozierte und schließlich das Mobilar kaputt machen wollte, bot ich ihm an, dass er sich eine neue Familie suchen könne, da es ihm bei uns offenbar nicht gefiel. Wir sind auch tatsächlich zum Bus gegangen, aber er wollte dann doch lieber bei uns bleiben. Während der Kleine zumindest am Anfang noch ganz entschlossen war, zu gehen, brach der Große in Tränen aus, weil er doch den kleinen Bruder nicht hergeben wollte

Herzliche Grüße
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 17. Nov 2018, 13:00

Hallo Beany,

ich wollte vorhin mit der Zitat-Funktion antworten, war aber im Mod-Modus und habe daher leider einen Teil deines Beitrages aus Versehen gelöscht und durcheinander gebracht. Tut mir wirklich leid, wollte ich nicht!

Zum Thema zurück:
Zu der Geschichte, die du vom schlagen mit dem Duplo-Bauwerk beschreibst, ist mir einiges eingefallen. Ich vermute mal, dass deinem Sohn gar nicht bewusst, war, dass man mit so einem Bauwerk jemanden ernsthaft verletzen kann, weil es ja "nur" zusammengesteckt ist und z.B. auch auseinanderfällt, wenn es runterfällt. Vermutlich hat er gedacht, das Teil würde an seinem Bruder einfach runterrieseln und dem würde es maximal ETWAS weh tun. Das sind so Sachen, die man im Gespräch herausfinden kann. Man kann dann auch üben, z.B. indem man dem Kind ein kleineres Bauwerk z.B. nur zur Demonstration an den Fuß schlägt, wie sehr so was weh tun kann. Oder man kann (als Mama) draufkommen, dass es wirklich zerfällt, und nicht sehr schmerzhaft ist ;) .(Kommt vermutlich auch die Bauweise des Teils an)

Kinder haben noch nicht so viel Erfahrung dass sie wissen, was weh tut und was nicht. So, wie wir als Eltern zu häufig davon ausgehen, dass was schmerzhaft ist, so tun das Kinder zu wenig. Meine Mutter hatte 4 jüngere Brüder. Die haben immer wieder "Bockerl tusch" gespielt, wo man absichtlich die Köpfe zusammenkrachen läßt :shock: . Das hat schrecklich ausgeschaut und sich auch fürchterlich angehört, dürfte ihnen aber nicht so weh getan haben, dass sie es bleiben gelassen hätten...

Mein älterer Sohn hat mal seinen Bruder mit einem Küchenmesser bedroht - das war eine wirklich gefährliche Situation :shock: :twisted: :shock: ! Nach dazu, wo unser jüngerer Sohn immer wieder unkontrollierte Bewegungen macht, und daher auch leicht in so ein Messer reinfallen könnte. Wir haben natürlich sofort das Messer weggenommen und klargestellt, dass er so was AUF GAR KEINEN FALL machen darf. Eben, weil es sehr gefährlich ist und auch weil es absolut nicht in Ordnung ist, jemanden mit einer echten Waffe (die ein Messer ja ist) zu bedrohen. Es ist auch nie wieder was in der Richtung vorgefallen. Damals (vor ca. 1 1/2 Jahren) hatten wir auch Bedenken, die Buben unbeaufsichtigt in einem Raum zu lassen. Aber es war das, was ich oben beschrieben habe: mein Sohn war sich der Tragweite und der möglichen Folgen einfach nicht bewusst gewesen.
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Beany » Di 20. Nov 2018, 15:32

Hallo Rabaukenmama,
Rabaukenmama hat geschrieben:habe daher leider einen Teil deines Beitrages aus Versehen gelöscht und durcheinander gebracht. Tut mir wirklich leid, wollte ich nicht!

Kein Problem, da gibt es wirklich schlimmeres ;)

Rabaukenmama hat geschrieben:Ich vermute mal, dass deinem Sohn gar nicht bewusst, war, dass man mit so einem Bauwerk jemanden ernsthaft verletzen kann,

Richtig. Er würde seinen Bruder nie ernsthaft verletzen wollen, sondern war selbst ganz erschrocken.
Das Teil war übrigens wirklich massiv - das wurde bereits die Tage zuvor mehrmals durch den Kleinen "getestet". Eher hätte das Laminat nachgegeben ;)

Rabaukenmama hat geschrieben:Das sind so Sachen, die man im Gespräch herausfinden kann.

Wir reden immer darüber, wenn so etwas vorfällt. Deshalb weiß ich auch ganz sicher, dass er dem Kleinen auf keinen Fall ernsthaft schaden will.

Rabaukenmama hat geschrieben:Mein älterer Sohn hat mal seinen Bruder mit einem Küchenmesser bedroht

:o Da ist das bei uns alles Spielkram ...
Wir haben jetzt am Wochenende doch mal versucht, uns nicht in die Auseinandersetzungen der Kinder einzumischen. Zuvor hatte ich das mit dem Großen besprochen, damit er zum einen weiß, dass er sich durchaus zur Wehr setzen darf. Zum anderen wollte ich gern, dass er weiß, dass Kopf, Hals und Bauch tabu sind. Es hat wirklich erstaunlich gut geklappt. Für den Großen war es, glaube ich, sehr anstrengend. Aber letztlich gab es nur zwei stärke Auseinandersetzungen, die mit Geheul auf beiden Seiten endeten. Und eine Minute später hatten sie sich selbst beruhigt und spielten wieder friedlich miteinander. Nach uns hat gar keiner gerufen ;)
Ich glaube, für den Kleinen ist es wichtig zu wissen, dass sein Bruder nicht nur nett und klug ist (und fast alles wieder reparieren kann), sondern dass er auch "stark" ist. Also gar nicht unbedingt körperlich, sondern dass er eben auch klar seine Grenzen aufzeigt. Ich bin gespannt, wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt.

Vielen Dank fürs Anschupsen. Manchmal muss man sich einfach trauen.

Herzliche Grüße
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Koschka » Do 22. Nov 2018, 09:21

Hallo Beany,

dein Kleiner ist unzufrieden. Auf ihn muss du deinen Augenmerk richten und seine Situation verbessern. In deinen Beschreibungen kann man viel Sympathie für den Großen erkennen und einiges an Ärger für den Kleinen. Förder den Kleinen, beschäftige dich mehr mit ihm. Dadurch wird die Situation für die ganze Familie und auch für deinen Großen besser.
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Beany » Do 22. Nov 2018, 13:16

Koschka hat geschrieben:dein Kleiner ist unzufrieden.

Zumindest immer mal wieder, ja. Aber ich habe bisher keine Lösung dafür.

Koschka hat geschrieben:Auf ihn muss du deinen Augenmerk richten und seine Situation verbessern... Förder den Kleinen, beschäftige dich mehr mit ihm.

Ehrlich gesagt beschäftige ich mich deutlich mehr mit dem Kleinen, als mit dem Großen. Andernfalls hätten wir hier das absolute Chaos und der Große kaum eine Chance auf Ruhe. Oft ist so, dass ich mit dem Kleinen lese, Musik mache (immerhin ein Kind, das meine Leidenschaft teilt :D ), baue, spiele ... und der Große eher nebenher läuft und sein Ding macht. Aus meiner Sicht steckt der Große oft zurück und ich denke, auch deshalb hat er jetzt manchmal diese "Ausbrüche".
Abends übernimmt der Vater das Vorlesen beim Kleinen, damit der Große mich mal 15 Minuten für sich hat. Anschließend bringe ich den Kleinen ins Bett ... mit Kuschel- und Erzählrunde, diversen Ritualen ... Dass der Kleine erst nach dem Großen schlafen geht, empfand der Große schon etwas ungerecht. Ich konnte ihm das aber zumindest für die Abende von Montag bis Donnerstag vernünftig begründen (der Kleine macht in der Kita Mittagsschlaf). Für die anderen Tage lautet die Begründung, dass nur so einmal täglich Zeit für Mama und Großsohn ist. Der Große weiß, dass er nur deshalb eher ins Bett muss, weil er pflegeleichtet ist. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das eine sehr unbefriegenden Begründung ist.

Koschka hat geschrieben:In deinen Beschreibungen kann man viel Sympathie für den Großen erkennen und einiges an Ärger für den Kleinen.

Wirklich? Ich hatte mich bemüht, die Situationen möglichst emotionslos zu beschreiben. Tatsächlich liebe ich beide Kinder unheimlich. Und ich empfinde auch keinen Ärger gegenüber dem Kleinen. Im Gegenteil - meistens kann ich nachvollziehen, warum er das tut, was er eben tut. Auch wenn ich es deshalb nicht immer gut heiße, kann ich es verstehen und in Ruhe mit ihm besprechen. Ich habe oft das Gefühl, dass ich mich (im übertragenen Sinne) eher schützend vor den Kleinen werfe und seine Verhaltensweisen erklären oder rechtfertigen muss. Der Große läuft halt. Da gibt es keine Probleme und er ist sehr verständig, auch wenn ihn einige Dinge anpiepen. Eben auch, dass er zum einen wenig Ruhe vor dem Kleinen findet und zum zweiten wenig Exklusiv-Zeit mit mir hat.
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Koschka » Do 22. Nov 2018, 18:10

Hallo Beany,

ich habe auch meine Erfahrungen mit Kindern, die Aufmerksamkeit wie ein schwarzes Loch verschlucken. Wie fit ist dein Kleiner? Mittagschlaf mit 5 finde ich grausam. Was macht er noch im Kindergarten? Bist du der Meinung er sei da gut ausgelastet? Hat er zuhause Themen die ihn kognitiv fordern?

Bei uns hat sich die Situation extrem verbessert nachdem wir den Kleinen mit frischen 5 Jahren eingeschult haben. Er ist in der Schule gut beschäftigt, er hat Freunde gefunden. Er geht jetzt ohne Murren um 8 ins Bett, vorher gab es schon Kämpfe bis 23 Uhr, mit Verzweifelung an beiden Seiten.

LG
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Beany » Fr 23. Nov 2018, 09:44

Koschka hat geschrieben:ich habe auch meine Erfahrungen mit Kindern, die Aufmerksamkeit wie ein schwarzes Loch verschlucken.

Die Beschreibung trifft es ziemlich gut.

Koschka hat geschrieben: Wie fit ist dein Kleiner?

Nach Aussage derer, die Vergleichsmögilchkeiten haben (Kita, Logo, Kinderärztin) ist er kognitiv fit mit enormem Wortschatz.
Ich habe nur den Vergleich zum großen Bruder, der kognitiv sehr fit ist. Da kann der Kleine rein kognitiv sicher mithalten. Aber der Vergleich ist schwierig, weil beide ganz andere Themen haben und der Große zum Beispiel auch eine große Ausdauer in allem, was er anfängt.

Koschka hat geschrieben: Mittagschlaf mit 5 finde ich grausam.

Ich nicht - hab mich aber von dem Gedanken verabschiedet, bis die Kinder aus dem Haus sind ;) In der Kita ist der Mittagsschlaf kein Problem. Er braucht eine Weile, bis er schläft. Nach einer Stunde ist er dann aber kaum zu wecken. Abends geht er dann meist gegen 20 Uhr ins Bett, ist aber oft noch bis 20:30 - 21:00 Uhr (meist leise) wach.

Koschka hat geschrieben:Was macht er noch im Kindergarten? Bist du der Meinung er sei da gut ausgelastet?

Ich denke, dass wir einen wirklich guten Kindergarten erwischt haben. Sie "bearbeiten" viele Themen, malen und basteln, machen Ausflüge zu anderen Spielplätzen oder in den Wald und gehen jede Woche in die Kindersauna. Zwei Monate lang waren sie "in Russland". Seit dem gibt es abends bei uns "Moloko", die mit einem "Spaßiba" (man, wie schreibt man das alles ohne kyrillische Buchstaben :roll: ) empfangen wird. Derzeit sind sie mit Nola Note im Musikland - ein Thema, dass ihm sehr entgegenkommt. Und im Dezember geht es ins Theater.

Wir hatte einige Jahre, in denen er jeden Morgen meinte, nicht in den Kindergarten zu wollen. Das schien mir aber eher wie ein Ritual. Also es gab kein Geheule, keine Bauchschmerzen oä. Einfach nur jeden Morgen den Satz. Die Begründung war mal, dass es langweilig sei, mal hatte ihn irgendwann ein Kind geschubst, mal meinte er, er hätte einfach keine Lust ... In den letzten Monaten sagte er das nicht mehr. Er geht nach unserem Abschiedsritual völlig entspannt in den Raum, liebt alle Erzieher, hat einen guten Freund und kommt mit allen Kindern gut aus. Und ich hole ihn (fast) immer viiiiiiiel zu früh ab. Also ich denke, die Kita ist wirklich gut für ihn.

Koschka hat geschrieben:Hat er zuhause Themen die ihn kognitiv fordern?

Das finde ich schwierig. Er geht einmal in der Woche zur musikalischen Früherziehung. Meist mit mehr oder weniger Diskussionen auf dem Weg dorthin. Ist er im Raum, ist er laut Aussage verschiedener Lehrer derjenige, der am meisten mitmacht (wenn er sich konzentriert) und sich wohl im Vergleich zu anderen auch sehr gut auskennt.
Wir lesen ihm vor, wann immer er möchte (Geschichten und Märchen). Am Wochenende hat er das erste Mal Memory spielen wollen, gleich mit 32 Karten. Ich habe ihn zwar gewinnen lassen, aber er hat sich nicht einmal bei einer bereits verwendeten Karte geirrt. Das fand ich schon ganz gut - und überraschend, weil er kein großer Freund von Gesellschaftsspielen ist. Puzzle mochte er noch nie, Wissensbücher (die der Große regelrecht auswendig gelernt hat) interessieren ihn überhaupt nicht.
Wenn er mag, machen wir Musik und singen gemeinsam. Also sein Lieder-Repertoir ist schon ganz ordentlich und er hat kürzlich die Oma gefragt, ob sie denn nicht richtig singen könne ... Die fühlte sich gleich an ihre Tochter erinnert :D
Also ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich ihm noch anbieten könnte.

Koschka hat geschrieben:Bei uns hat sich die Situation extrem verbessert nachdem wir den Kleinen mit frischen 5 Jahren eingeschult haben.

Der Kleine will ausdrücklich nicht in die Schule und er ist für mich vom Wesen her auch kein Schulkind.

Vielen Dank, dass Du Dir Gedanken machst und herzliche Grüße
Beany mit den wilden Männern
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Re: Aspergerverdacht + sensibles Geschwisterkind

Beitragvon Koschka » Fr 23. Nov 2018, 10:09

Hallo Beany,

welche Wesenszüge meinst du weisen bei deinem Kleinen in Richtung Asperger? In dem was du bis jetzt geschrieben hast, kann ich nichts erkennen. Das Interesse für Vorlesegeschichten und nicht für Sachbücher spricht dagegen, das mitmachen bei vorgesetzten Themen (wie in der musikalischen Früherziehung), die Kontaktfreudigkeit und Bindung an einen festen Freund... Das sind alles an sich keine Ausschlusskrieterien, aber die Summe stimmt bis jetzt nicht.
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