Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Hochbegabung geht oft mit Wahrnehmungesstörungen Hand in Hand

Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon koala27 » Mo 24. Aug 2020, 18:17

Ich bin gerade etwas irritiert. Und brauche mal bitte Infos von den Fachfrauen unter Euch.
Eine Bekannte von uns hat ein Kind, was auch HB ist und jetzt in die 5 Klasse aufs Gym unserer Tochter kommt. Sie hat uns für total verrückt erklärt, dass wir den Kurzen normal einschulen wollen und nicht vorzeitig. Ihre Tochter würde so ungern zur Schule gehen, HB Kinder müssen vorzeitig hin, ihre Tochter hat 2x den Sprung verweigert, ist aus dem auto gesprungen, weil sie nicht zur Schule wollte etc.etc. Jedenfalls hatten wir hinterherh das gefühl, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre, den Kurzen eher einzuschulen um solche Probleme evtl. nicht zu haben. - Jetzt haben wir eben erfahren, dass sie jetzt eine Aspergerdiagnostik für die Tochter hat. - Ich war etwas geschockt--denn das würde- zumindest für mich- einige der Probleme der Tochter in der Schule erklären. Und ja auch die Dinge in bezug auf Einschulung etc. die uns betreffen relativieren.
Ich habe auch immer gedacht, dass man Asperger mittlerweile auch eher diagnostizieren kann, wenn schon einige Dinge auffällig sind.( Von daher bin ich davon ausgegangen, dass das was sie berichtet zu einem "normalen" HB Kind gehören)
Liege ich damit komplett falsch?
Oder kann man Asperger erst richtig diagnostizieren, wenn die Kids älter sind?
LG
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Re: Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 24. Aug 2020, 20:04

Was Asperger-Daiagnostik betrifft: ich kenne keine Eltern, die bei einem Kind ohne gröbere Probleme eine Diagnostik angeleiert haben.

Ich bin ja Mutter von 2 Asperger-Söhnen und da war es total unterschiedlich. Bei meinem jüngeren Sohn hat die Frühförderin schon mi 2,6 Jahren Asperger vermutet, mit 4 stand im Diagnostik-Befund "Verdacht auf ASS" aber bei Ärztegespräch würde mir sehr offen gesagt, dass das "Verdacht auf" nur Formsache ist, weil man mit fixen Diagnosen meistens den 5. Geburtstag abwartet. Denn zwischen 4 und 5 Jahre machen doch einige "eindeutige" Asperger-Kandidaten noch Entwicklungssprüge und fallen letztendlich dann doch nicht ins Spektrum. Mein jüngerer Sohn fiel (wie erwartet) dann auch mi 5 sehr klar rein.

Beim älteren Sohn war es schwieriger. Mit 4 Jahren wurden bei einer allgemeinen Entwicklungsdiagnostik sowohl ASS als auch ADHS klar ausgeschlossen. Mittlerweile hat er diese Diagnosen aber beide mehrfach gesichert. Es war halt ein langer, schwerer Weg dorthin. Hauptprobleme meines älteren Sohnes sind Sozialkomptenz und Emotionskontrolle. Aber das kam erst nach und nach so richtig raus, als der Unterschied (im Verhalten) zu Gleichaltrigen Kindern immer größer würde.

Wir haben trotz kognitiver Fitness regulär eingeschult. Da hatten wir zwar noch keine Diagnosen, wussten aber schon, dass unser damals 6jähriger kognitiv mindestens 2 Jahre vorraus und sozial-emotional mindesten 2 Jahre hinten nach ist. Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Gerade im vergangenen Jahr, vor dem Wechsel aufs Gymnasium (Start ist in 2 Wochen), hat unser Sohn noch einige deutliche Entwicklungsschritte gemacht. Er ist zwar immer noch noch gleichauf mit Gleichaltrigen, aber vor einem Jahr wäre der Unterschied noch viel krasser gewesen. Ich vermute auch, dass Lehrer und andere Eltern im Falle einer Früheinschulung das junge Alter als Grund für die mangelnde Reife gesehen hätten. Aber das kann ich natürlich nicht wissen...

Zur Ausgangsfrage: generell beobachte ich, dass Asperger bei klugen bzw. hochbegabten Kindern eher später diagnostiziert wird. Einerseits, weil diese Kinder manchmal besser kompensieren können, andererseits weil gerade Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen oft mit dem kognitiven Vorsprung "erklärt" werden.
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Re: Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon Karen » Mo 24. Aug 2020, 20:26

Ich kenne mich zu wenig aus. Aber meine Tochter hätte vermutlich auch aus dem Auto gesprungen damals wenn sie in Kiga war, und dort weiter bleiben musste. Zum Glück ist Kiga in gehe Distanz. Damals ist auch ADHS und Asperger im Raum gestanden. Durch überspringen und nach einer 2 Monatige eingewöhnungsphase (wo es nicht gut gelaufen ist), waren alle Auffälligkeiten weg, und jetzt kann ich mir kaum vorstellen dass wir hier bei diesem Kind Asperger vermutet haben.
Ich will damit nicht sagen dass die Probleme nur wegen HB auftreten und nur durch Misfit ausgelöst sind. Es kann gut möglich sein dass das Kind Asperger hat die sie lange kompensieren konnte. Aber ich habe hier erlebt wie das Mitfit und unseres Verhalten (kleinreden und nicht annerkennen der Fähigkeiten) das Kind kaputt machen kann (trotz tolle Kindergartnerin) und glaube einfach nicht mehr dass HB und Auffälligkeiten völlig unabhängig von einander sind.
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Re: Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 24. Aug 2020, 20:53

Manche Menschen leben mit Asperger ihr ganzes Leben ohne dass sie selbst es wissen. Einige kommen erst darauf, wenn sie anfangen über ihre Kinder sich Gedanken zu machen. Andere wenn ihr Leben nach einer unvorhergesehenen Krise aus den Fugen gerät. Vor allem bei Mädchen ist die Diagnosestellung noch schwieriger, weil sie sich besser anpassen.
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Re: Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon Rabaukenmama » Do 27. Aug 2020, 17:18

Mißfit und Asperger schließen sich gegenseitig nicht aus. Bei Wahrnehmungsstörungen (Asperger, ADHS, AVWS) ist nur die Wahrscheinlichkeit eines Mißfits größer, wenn man keine Diagnose hat und somit nicht weiß, warum dieser Kinder in mancher Hinsicht anders "ticken" als neurotypischen Kinder.

Umgekehrt können auch Asperger Kinder (wie Katze das beschreibt) ohne gröbere Schwierigkeiten Kindheit und Schulzeit überstehen. Und als Erwachsener, wo man sich vieles selbst "richten" kann, ist es nochmal leichter, vor allen, wenn man sich beruflich und privat eine passende Nische gefunden hat.

Die schwerste Zeit für ASS-Kinder ist oft die Schulzeit, weil ständig was von ihnen erwartet wird, was sie entweder gar nicht oder nur mit sehr viel (ungesunder) Anpassung schaffen. Als Beispiel werfe ich da mal Gruppenarbeit oder Teamsport in den Raum. Da können die Kinder Glück oder Pech haben. Die Lehrerinnen meines älteren Sohnes haben schon vor einer gesicherten Diagnose bemerkt, dass mein Sohn vom Ball spielen in Gruppen hoffnungslos überfordert war und ihm das daher (nach Rücksprache mit mir) erspart.

Ein anderer Lehrer erwartet vielleicht auch noch mit gesicherter Diagnose dass das Kind so zu "funktionieren" hat wie seine Mitschüler. Und je sturer und unflexibler mit einem ASS-Kind umgegangen wird, desto größer und schwerwiegender werden die Mißfits.

Wichtig ist dabei, genau hinzuschauen, wo das Kind Schwierigkeiten hat oder macht, und dann Entscheidungen zu treffen, welche schwierige Situationen entschärfen. NICHT jedes ASS-Kind hat dieselben Probleme.

Meinem jüngeren Sohn würde mit Hinweis auf sein ASS eine 1x pro Woche andere Abholzeit im Kindergarten verweigert. Angeblich würde "ein autistisches Kind" mit so was nicht zurecht kommen. Tatsächlich kannte MEIN Sohn damals schon Wochentage und Uhrzeiten und hätte mit einer 1x pro Woche geänderten Abholzeit sicher kein Problem gehabt.

So werden oft im Umgang mit besonderen Kindern unter dem Deckmantel der Rücksicht schlechte Entscheidungen getroffen. Es gibt keine "Pauschalbehandlung" für ein Asperger Kind. Aber mit gutem Willen und Wissen um die Störung kann man gute Entscheidungen treffen, die dem Kind und seiner Umwelt das Leben erleichtern.
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Re: Ab wann kann man Asperger sicher diagnostizieren?

Beitragvon koala27 » Do 27. Aug 2020, 18:38

Danke schön für Eure Infos :-)
Dann warte ich mal ab, was ich noch erfahre oder eben nicht.
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