Schreibtalent?

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Schreibtalent?

Beitragvon Willow77 » Mo 15. Feb 2016, 16:41

Hallo,
kennt ihr das? Mein Sohn (8 Jahre, 2. Klasse) liest sehr viel. Aber er hasst schreiben - dh das was in der Schule verlangt wird. Diktate und jede Art geschlossene Aufgabe lehnt er ab. Da er aber in Rechtschreibung ein bisschen schwächelt, haben wir zu Hause nach einem Weg gesucht, mit ihm zu üben. Lernkartei-ähnlich wäre wohl am Besten, aber er lehnt ab - total!

Am Wochenende meinte ich frustriert, ach wenn du schon nicht systematisch üben willst, dann schreibe doch wenigstens mal eine Geschichte. Er: "ok." Setzt sich hin und schreibt. Eine Geschichte von über 160 Wörtern, natürlich viele Rechtschreibfehler, aber: eine zusammenhängende Geschichte! Mit guter Satzstruktur, spannend erzählt. Er scheint Erzähl-Talent zu haben.

Leider scheint das in seiner Klasse (noch) nicht gefragt zu sein. Er meinte mal, sie würden nur Geschichten nach vorgegebenen Bildern schreiben, und wehe du fügst etwas hinzu, was nicht auf den Bildern ist.

(Ich bin selber Lehrerin und habe meine 1. und 2. Klassen immer "frei" schreiben lassen! Das ist doch wichtig!)

LG,
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon janni » Mo 15. Feb 2016, 20:53

Hallo Willow 77,

meinem Sohn geht es ebenso.. Nach dem Schulwechsel in der 3ten Klasse sollte die Klasse einen Text zum Thema "Kartoffelsalat" schreiben..
Meiner bekam seine Arbeit mit der Note 5 zurück. Die Zensur war noch sehr human in an Betracht der Rechtschreibfehler.. Darunter stand "hast du deine Abschrift nicht benutzt?". Als ich ihn fragte sagte er: Das war doch eine Arbeit! Da darf man nicht abschreiben!
Im persönlichen Gespräch mit der Lehrerin erklärte sie anfangs ausführlich was diesem Test alles voraus gegangen ist. Die Kinder haben Rezepte gesammelt, das beste gewählt, dann den
Salat gemeinsam zubereitet und alle dann das Rezept aufgeschrieben. In der Arbeit sollte es nur abgeschrieben werden.
Als sie erkannte dass er den langen Text völlig ohne hilfe geschrieben hat, meinte sie dass dies nicht mal ein 5 klässler geschafft hätte von den Formulierungen her...
Wir versuchen ihm den Spaß am schreiben zu erhalten. Diktate sind furchtbar. Je mehr er übt, desto schlimmer. Als Ausgleich darf er Texte zu Themen schreiben die ihn interessieren und auf der Schreibmaschine.
Er schreibt leider so wie er es gelernt hat-nach Gehör und muss das mühsam umtrainieren.
Die Schule möchte ihn in eine LRS Förderung "stecken" sagen aber gleichzeitig dass er da gar nicht reinpasst.
Wir haben uns jetzt hilfesuchend an den Schulpsychologischen Dienst gewandt. Darauf hoffen wir jetzt..

Für euch viel Glück.
Liebe grüße
janni
 
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon LiLaLaunebär » Do 18. Feb 2016, 10:11

Bei uns ist es ähnlich. Sohn liest gar nicht, Rechtschreibung in der Schule (zu Hause schreibt er teilweise fehlerfrei!) eine Katastrophe. Allerdings wird in der Schule das freie Schreiben gefördert, so gibt es einmal pro Woche eine Autorenrunde, wo man dann sein geschriebene der Klasse vortragen kann. Es geht dort auch nicht um Fehler, sondern um die Geschichte an sich. Die anderen Kinder können dann ggf sagen, das vielleicht die Satzanfänge anders sein könnten oder ähnliches.

Mein Sohn schreibt zu Hause die tollsten Geschichten. Mal mit hunderten von Fehlern, mal komplett Fehlerfrei (3. Klasse). Aber für die Autorenrunde schreibt er gar nix. Die Lehrerin glaubt uns gar nicht, das er sowas kann. Ich habe null Ahnung, warum er das nicht in der Schule macht. Oder seine Geschichten die er zu Hause schreibt, dort mal vorzulesen. Er weigert sich (und ich zwinge ihn natürlich nicht). Meist liest er sie mir vor und schmeißt sie dann in den Müll. Dabei sind das wirklich kreative und tolle Geschichten.

Ich würde deinen Sohn weiterhin ermutigen, zu Hause weiter zu schreiben.
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon Willow77 » Do 18. Feb 2016, 17:23

Janni und LiLaLaunebär,

Vielen Dank für eure Antworten.

Janni, das ist ja seltsam. Dein Sohn kann Texte frei schreiben und MUSS abschreiben? In einem Test der benotet wird? Oje..
Ich lasse meinen Sohn auch viel am Computer tippen.

Launebör, das ist ja schade. Da gibt es eine Autoren-Runde und dein Sohn schreibt nix? Was läuft denn da schief? Wobei, ich könnte mir vorstellen, dass meiner da auch nichts schreiben würde... Holst du die Geschichten denn aus dem Müll raus und sammelst sie? Ich habe mir überlegt, wenn meiner jetzt fleißig Geschichten schreibt bis zum Ende des Schuljahres, dann basteln wir ein Buch daraus und verschenken es an die Lehrerin, die Großeltern...

Wenn meiner aus der Schule kommt ist er so platt, dass er fast nur noch lesen will, um in seine Phantasie-Welten eintauchen zu können. Schreiben macht er dann nur, wenn er Schulferien hat, oder mal am Wochenende!

Aber heute hat er mich überrascht. Er sollte 8 Diktat-Sätze als Hausaufgabe machen, und anstatt ein riesen Theater zu veranstalten wie sonst, hat er gesagt: "Mama, ich mache das als Laufdiktat und du verbesserst nachher nur." Er schrieb in der Küche und legte das Blatt mit den Sätzen auf den 2. Stock. Er rannte eine halbe Stunde die Treppen hoch und runter und ich dachte: O Gott, das gibt ne Katastrophe, die Hälfte der Wörter wird fehlen... Aber nein. Es fehlte nur 1 Wort und die einzigen Fehler hatten mit Groß- und Kleinschreibung zu tun! Also als Resultat etwas besser sogar als sonst!

Wir versuchen immer ihm zu erklären, dass er sich langweilige Aufgaben auch interessant machen kann. So wie er es ja nun selbst mit der langen Rennstrecke für das Laufdiktat gemacht hat. Oder Kolonnenrechnen, da muss er ja nicht eine Rechnung nach der anderen machen, Er kann ja zum Beispiel zuerst die letzte Kolonne machen, und dann eine aus der Mitte der Seite,... Oder er schreibt zuerst alle Einer auf, und dann erst die Zehner oder so... Jetzt hat er einmal selbst etwas gefunden! Puh!

LG,
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon LiLaLaunebär » Do 18. Feb 2016, 18:32

Hallo Willow,

von diesen Laufdiktaten habe ich auch schon gehört und ich glaube, das sollten wir auch mal ausprobieren. Das muss ich mir unbedingt mal merken. Toll, das das bei euch so gut geklappt hat.

Nein, ich lasse die Texte im Mülleimer. Er sagt das ausdrücklich. Eigentlich wollte er, das er sie im Kamin anzünden darf (damit sie keiner mehr lesen kann), aber ich habe ihm versprochen, das er sie in den Müll packen kann und ich sie nicht wieder raus hole. Und daran möchte ich mich auch halten - auch wenn es mich manchmal Disziplin kostet.
Ich habe keine Ahnung, warum er für die Autorenrunde nichts schreibt. Zumal die Lehrerin das eigentlich wirklich nett macht und es nie zu einem "das hast du aber falsch gemacht" kommt. (ich war einmal da als die Autorenrunde statt fand).
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon elboku » Fr 19. Feb 2016, 14:37

Meine Tochter geht zwar erst in die 1. Klasse, aber da sie auch wahnsinnig gerne liest und schreibt, hat ihr die Lehrerin nun ein eigenes Schreibheft gegeben.
Da darf sie dann all ihre Geschichten in der Freiarbeitszeit niederschreiben.

Vielleicht steigen die Lehrer bei euch auf soetwas ein?
Ich find es so schad, wenn kratives Potential einfach nicht gefördert wird...

LG, Lisa
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon Willow77 » Do 22. Sep 2016, 11:04

Kleines Update,

Unser Sohn ist jetzt im 3. Schuljahr. Er liest noch immer wahnsinnig gerne und stundenlang. Ein Buch pro Tag ist keine Seltenheit. Auch alte Bücher von den Großeltern, wie die fröhlichen Falkenbergs, oder Davy Crockett oder Fury...

Schreiben: Er schreibt schön. Nicht von der Schrift her, die lässt zu wünschen übrig, sondern vom Stil her. Ganze Sätze, lebendig, zum Beispiel: Es war wirklich schlechtes Wetter. Ich ging mit den Füßen ins Wasser. Es war kalt und spritzte mir bis an die Knie. Überall waren Drachen-Surfer auf dem Wasser. Der ganze Himmel war voller Drachen. Beispiel-Sätze aus einem Text den er jetzt die Tage schreiben musste, zum Thema mein schönster Ferientag. ...

Einziges Problem: Es wimmelt nur so von Fehlern. Er lehnt Rechtschreibung und unsere Hilfe dabei und jegliches Training dahingehend total ab. Was so langsam zum Problem wird. Besonders weil es jetzt bei uns mit französisch ernst wird, und da die Rechtschreibung noch viel viel VIEL komplizierter ist, als im Deutschen! Wird er das schaffen?

Und: Ich glaube es wird echt Zeit dass ich mich zurücklehne und ihn sich selbst um seine Hausaufgaben kümmern lasse. Schon zu meinem eigenen Seelenheil! Soll er doch selbst mit der Lehrerin klären, warum er sie nicht gemacht hat. Meine Energie, mich darum zu kümmern, dass sie gemacht sind ist aufgebraucht!

LG,
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon alibaba » Fr 23. Sep 2016, 09:09

Hallo Willow,

ich kann Dich beruhigen. Es ist normal!

Der Rektor hier am Gymansium hielt uns Eltern einen Vortrag, das die RS erst zum Ende Kl.7 "abgeschlossen" sei. Und in der Tat, in Kl.5 und 6 wird das sehr intensiv hier druchgenommen und ich kann bei meinem Sohn schon große Fortschritte erkennen. Ganz anders als bei der Tochter, die gerade die GS verlassen hat und frische 5.Klässlerin ist.

Am wichtigsten ist nicht die RS (die kommt schon noch) sondern das Audrucksvermögen.

Gestern hat meine Tochter ein tolles Gedicht in der Schule geschrieben. Sie hat ein tolles Lob von der Lehrerin bekommen. Die gefühlten "100" RS-Fehler hat sie in keinster Weise kommentiert. :mrgreen:

VG
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon Rabaukenmama » Sa 24. Sep 2016, 17:28

Willow77 hat geschrieben:Einziges Problem: Es wimmelt nur so von Fehlern. Er lehnt Rechtschreibung und unsere Hilfe dabei und jegliches Training dahingehend total ab. Was so langsam zum Problem wird. Besonders weil es jetzt bei uns mit französisch ernst wird, und da die Rechtschreibung noch viel viel VIEL komplizierter ist, als im Deutschen! Wird er das schaffen?


Das erinnert mich ein bißchen an einen Song meines Lieblings-Liedermachers reinhard Mey, wo es unter anderem heißt "ich war kein schlechter Erzähler, aber es war wie verhext: wo ich schrieb, das waren Fehler und wo nicht hab ich gekleckst..." und an andere Stelle "ich hab nur Glück dass ich heut singe und somit ungelesen bleib. Ihr wißt von mit 1000 Dinge, aber nicht wie ich sie schreib!" :P .

Willow77 hat geschrieben:Und: Ich glaube es wird echt Zeit dass ich mich zurücklehne und ihn sich selbst um seine Hausaufgaben kümmern lasse. Schon zu meinem eigenen Seelenheil! Soll er doch selbst mit der Lehrerin klären, warum er sie nicht gemacht hat. Meine Energie, mich darum zu kümmern, dass sie gemacht sind ist aufgebraucht!


Ich glaube je früher man die Verantwortung für Hausaufgaben dem Kind selbst überläßt desto besser. Leider hat es meine Mutter in der Hinsicht viel "zu gut" mit mir gemeint. Zuerst saß sie nur neben mir als ich die Aufgabe machen sollte, aber durch trödeln und passiven Widerstand meinerseits hatte ich sie schon in der 2. Klasse so weit, dass sie die Hausaugaben meistens für mich geschrieben hat. Das ging gut bis ich in der 3. Klasse Hauptschule ins Internat kam. Vielleicht hätte ich mich noch motiveren können wenn eine meiner zwei lieben Volksschullehrerinnen die Aufgaben von mir eingefordert hätten. Aber mit 13 war dieser Zug einfach abgefahren. Ich habe z.B. im 2. Halbjahr der 4. Klasse Hauptschule von 21 Deutsch-Aufgaben gerade mal 5 gemacht! Und das trotz täglich 3 Stunden bewachter Lernzeit im Internat. Daher hatte ich auch in fast allen Gegenständen schlechtere Zeugnis-Noten. Interessante Nebensache: kein Lehrer hat sich getraut, mir eine 4 zu geben obwohl immer damit gedroht wurde. Ich hatte ein Abschlusszeugnis mit 14 "Befriedigend" von 16 Gesamtnoten!

Bei meinem Sohn habe ich es etwas leichter mit "loslassen" denn die Hausübungen werden im Hort erledigt. Motivation dazu hat er schon jetzt, in der 3. Schulwoche, keine. Bin schon gespannt wie das noch weitergeht :schwitz: .
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Schreibtalent?

Beitragvon Willow77 » So 25. Sep 2016, 10:29

Das Problem mit den Hausaufgaben ist nach wie vor: Wenn er zum Beispiel wie jetzt am Freitag 3 Seiten Mathe rechnen soll bis Dienstag, und er tut nichts am Wochenende, dann muss alles am Montag Abend gemacht werden. Da kommt er aber erst nach 16:00 nach Hause. Und: da wird es noch zusätzliches für Dienstag geben, weil er ja auch in der Klasse mit seinen Aufgaben trödelt und dann die eine oder andere Aufgabe zu Hause beenden muss. Am Montag Abend wird die Masse dann noch Größer sein, die Motivation aber nicht. Und dann? Kurz vor dem Schlafen gehen Gebrüll und Geschrei, weil er doch noch alles machen will, es aber von der Masse und Müdigkeit her nicht alleine schafft?

Also werden wir im Augenblick in solchen Situationen folgendes probieren. Da er in allem ein Last-Minute-Mensch ist, werden wir ihn nicht mehr schon zum Beispiel samstags morgens "zwingen", und dann Stunden und Stunden mit Diskussionen verbringen. Stattdessen lassen wir ihn wählen wann er sie macht, bis zum Ultimatum, zum Beispiel Sonntag 11:30 wenn die Sendung mit der Maus kommt. Sonst fällt die Sendung mit der Maus für ihn ins Wasser. Da er sowieso immer alles auf den letzten Drücker macht, wird er dann vermutlich um 11:20 schnell einen Teil der Rechnungen machen. Und bis dahin hatten wir wenigstens keinen Streit. Mal schaun, ob es klappt. Und den Rest muss er dann wohl trotzdem am Montag Abend machen, auch mit dem Ultimatum, dann ist Fernseh/Gute-Nacht-Geschichten-Zeit, wenn die Aufgaben bis dahin nicht erledigt sind, fällt das für dich ins Wasser. Bestimmt macht er dann auch 10 Minuten vorher alles. Vielleicht muss er dann das ein oder andere Mal auch fühlen, wie dann etwas für ihn ausfällt, nicht als Strafe, sondern einfach, weil dann die Zeit dafür um ist.

Ich hab keine Ahnung ob das funktionieren wird, aber wir werden es mal versuchen. Denn es macht definitiv auch keinen zu Beginn der freien Zeit Druck zu machen, und es wird doch erst im letzten Augenblick gemacht.

LG,
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