Mathematische Begabung

Mathematik, Musik, Kunst - alles zu spezieller Hochbegabung

Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 01:50

Koschka hat geschrieben: Der Artikel räumt auch einige Mythen auf, u.a. dass mathematische Hochbegabung mit hohem IQ Wert gleich zu setzen sind


Hier noch etwas komprimierter:

http://www.mathematik.tu-dortmund.de/ie ... tsuche.pdf

Im PriMa-Projekt geht es übrigens primär nicht um die Förderung mathematisch hochbegabter Kinder, sondern darum, den mathematischen Grundschulunterricht flächendeckend für alle zu verbessern.
Die Kinder dienen als Studienobjekte. Sie werden von Anfang an dazu angeleitet, ihre individuellen (und möglichst variantenreichen) Problemlösestrategien präzise und nachvollziehbar darzustellen, um daraus Erkentnisse für den Standarunterricht und dessen Verbesserung zu gewinnen.
Das setzt ein massives Engagement und eine Lust am Weiterknobeln voraus, auch wenn die Aufgaben schon gelöst wurden.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 02:15

abgespeckte Aufgabenstellungen aus den PriMa-Sitzungen werden auch im normalen GS-Unterricht verwendet, mit der Intention,
den Kindern durch “Ausprobieren“,
mathematische Prinzipien verständlich zu machen

Sie sollen nicht durch die Orientierung an einer Beispielaufgabe und nachfolgendem Training mit modifizierten Aufgaben, mathematische Grundlagen verstehen lernen, sondern sollen sich die Lösungen selbstständig erschließen. ( Oder eben nicht. :mrgreen: )
Kreativität und Irrtümer sind ausdrücklich erwünscht.

Na ja, ........
für demotivierte und mathematisch uninteressierte Kinder bedeutet das, dass sie nach der 6. Klasse vom Gymnasium fliegen, weil sie noch nicht mal die Grundrechenarten souverän beherrschen,
da helfen auch massive Talente in anderen Bereichen nicht weiter.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Mo 3. Dez 2018, 13:16

Für mich ist das überhaupt nichts Neues. Zu diesem Schluss komme ich, nachdem ich mir wirklich alles durchgelesen habe. Und ich stelle fest, dass

A) es diese ganzen Knobelaudgaben hier täglich im Matheunterricht gab - für alle Kinder, es hieß "Knobel des Tages" und "Knobel der Woche".
B) es jedoch mit Differenzierung im Matheunterricht nichts zu tun hat
C) Kind trotzdem dem Vorgegebenen folgen muss

Für mich liest sich das PDF wie eine schöne aber unrealistische Umsetzung innerhalb des normalen Mathematikunterrichts. Auch finde ich die Broschüre etwas weltfremd für die angedachten Lehrer-Leser. Was sollen die denn nun anders machen in ihrem normalen Unterricht? Jedem Kind seinen Rechenweg erlauben? Nun, das könnte man tun. Jedoch würde die Ernüchterung ab Klasse 5 der weiterführenden Schule folgen.

Die Merkmale zur Erkennung von mathematischen Begabungen und deren Korelation zu gezeigter Leistung oder/und der Deutung auf andere Begabungen ist ja nun nicht neu.

Mein mathematisch hochbegabten Kind war im Matheunterricht nie gefrustet. Zumindest nicht mit der Vorgabe wie man zu rechnen hat. Ob nun so oder wie der Lehrer das lehrte war ihm egal. Was mein Kind frustet, ist das zu langsame Vorangehen im Unterricht und das fächerübergreifend. Es trifft daher das zu, was im PDF auch beschrieben wurde, Zusammenhänge und Verknüpfungen werden recht schnell erkannt - übergreifend. Das führt hier eher zu „Wartefrust“ als per se das Problem, wie der Lehrer nun den Lösungsweg akzeptiert.

VG
Zuletzt geändert von alibaba am Mo 3. Dez 2018, 13:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Mo 3. Dez 2018, 13:44

Maca hat geschrieben:abgespeckte Aufgabenstellungen aus den PriMa-Sitzungen werden auch im normalen GS-Unterricht verwendet, mit der Intention,
den Kindern durch “Ausprobieren“,
mathematische Prinzipien verständlich zu machen

Sie sollen nicht durch die Orientierung an einer Beispielaufgabe und nachfolgendem Training mit modifizierten Aufgaben, mathematische Grundlagen verstehen lernen, sondern sollen sich die Lösungen selbstständig erschließen. ( Oder eben nicht. :mrgreen: )
Kreativität und Irrtümer sind ausdrücklich erwünscht.

Na ja, ........
für demotivierte und mathematisch uninteressierte Kinder bedeutet das, dass sie nach der 6. Klasse vom Gymnasium fliegen, weil sie noch nicht mal die Grundrechenarten souverän beherrschen,
da helfen auch massive Talente in anderen Bereichen nicht weiter.


Genau so ist es. Zumindest deckt sich das mit meinen Erfahrungen ab weiterführender Schule. Der Kreativität sind eben innerhalb einer homogenen Klasse Grenzen gesetzt. Wobei sich mein Sohn daran nie störte - nie - trotz seiner Hochbegabung in Mathematik.

Ich empfehle allen Eltern, wenn ein Kind eine Spezialbegabung hat oder eben hb ist, das auf nachmittäglicher Basis abzudecken. Da kann man ungestört kreativ den Gedankenfluss nachgehen, der der das will. Schule kann das nur marginal abdecken und im schlimmsten Fall gar nicht. Beruhigt hat mich aber die Erkenntnis aus dem PDF, dass nur extrem selten Kinder damit nicht klar kommen.

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 3. Dez 2018, 19:46

Ich weiß nicht, ob mein 6jähriger Sohn in Mathe hochbegabt ist. Fakt ist, dass es der einzige Gegenstand ist, wo er NICHT nach allgemeinem Sonderschullehrplan unterrichtet wird, weil sein Vorsprung gegenüber Gleichaltrigen so riesig ist. Aber er hatte auch schon mit 4 Jahren ein ECHTES Zahlenverständnis von mindestens 1000 und konnte Zahlenreihen logisch fortsetzen. Und beim räumlichen Vorstellungsvermögen war er bei der letzten Entwicklungsdiagnostik mit 5 auf dem Stand eines 10jährigen Kindes.

Und wie ist sein "echter" IQ? Laut der letzten Testung 85! Mir ist klar dass es an den Testbedingungen lag, aber selbst bei korrekter Testdurchführung würde bestenfalls ein Wert um 100 rauskommen.

Ich habe übrigens nie geglaubt, dass Mathe-Hochbegabung nur bzw. hauptsächlich bei allgemein hochbegabten Menschen vorkommt. Das ist mMn so ein klassisches Vorurteil wie "die Hochbegabten haben ja immer soziale Probleme" oder auch "hochbegabte Kinder haben immer lauter Einser in der Schule" - jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Thema beschäftigt hat, weiß, dass das Quatsch ist!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 23:04

Also ich erinnere mich daran, dass Prof. Marianne Nolte damals bei der Eröffnungsveranstaltung von Mathe-PriMa meinte, dass der wahrnehmungsgebundene Teil des HAWiKs z.b, mathematische Hochbegabung nicht zuverlässig erfassen könne, ebenso der gesamte CFT. Es geht also nicht nur um den Gesamtwert, sondern schon auf Untertestebene erkennt er Mathegenies nicht immer. Auch bei Mehrfachtestungen.

@rabaukenmama, die Werte deines Sohnes wurden ja vermutlich durch die sprachgebundenen Testanteile heruntergezogen,
was ja bedeuten würde, dass die Begabung deines Sohnes eben doch im Test erfasst wurde

Es muss daher einen Zugang zur Welt der imaginären Räume und Zahlen geben, der sich jeglicher Testlogik entzieht.

Was das ist, weiß man nach über 20 Jahren des Arbeitens mit sehr unterschiedlichen mathematischen Begabungstypen innerhalb der PriMa- Tätigkeiten, leider immer noch nicht.

Vielleicht haften wir dafür noch zu sehr an unserem linearen Denken und assoziieren divergentes Denken zu sehr mit
Schizophrenie, also mit etwas pathologischem.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 4. Dez 2018, 09:32

Maca hat geschrieben:
@rabaukenmama, die Werte deines Sohnes wurden ja vermutlich durch die sprachgebundenen Testanteile heruntergezogen,
was ja bedeuten würde, dass die Begabung deines Sohnes eben doch im Test erfasst wurde


Nein, es war ein nonverbaler Test. Und trotz mieserabler Testvoraussetzungen (Test nach 60min Fahrt und 3 Stunden anderer Testungen, Kind war hungrig und müde) entsprach der IQ Mathe-Bereich über 130 und war beim räumlichen denken noch höher. Nur die anderen Teilbereiche, wo Sohnemann sich absolut nicht mehr motivieren konnte, aber auch nicht verweigert hat (sondern IRGENDWAS geantwortet), haben das Gesamtergebnis runtergezogen. Der Unterschied zwischen bestem und schlechtestem Unterergebnis war über 70 Punkte!

Maca hat geschrieben:Es muss daher einen Zugang zur Welt der imaginären Räume und Zahlen geben, der sich jeglicher Testlogik entzieht.

Was das ist, weiß man nach über 20 Jahren des Arbeitens mit sehr unterschiedlichen mathematischen Begabungstypen innerhalb der PriMa- Tätigkeiten, leider immer noch nicht.

Vielleicht haften wir dafür noch zu sehr an unserem linearen Denken und assoziieren divergentes Denken zu sehr mit
Schizophrenie, also mit etwas pathologischem.


Ich habe einen mathemathisch hochbegabten Verwandten. Der findet für mathematische Probleme Lösungswege, die Mathe-Professoren nur durch Versuch und Irrtum testen können, weil die dahinter liegenden Gedankengänge so "quer" sind, dass es sich ihrer Logik nicht erschließt. Und im Prinzip ist es ja auch egal, wie der LösungsWEG aussieht, solange man dafür nicht zu viel Zeit benötigt und die Lösung korrekt ist. Nur DAS wollen viele Lehrer einfach nicht wahr haben. Und das beginnt leider schon in der Grundschule, beim 10er-Sprung (wie koschka das beschrieben hat).
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Di 4. Dez 2018, 10:14

Na dann fassen wir mal zusammen:

IQ ist eh nicht richtig messbar, in Schule muss man den eben mehr oder weniger vorgegebenen Rechenweg benutzen und im Allgemeinen wird falsch beschult. Klar setzt ein Lehrer rechnen mit hoher Begabung in Verbindung und gute Noten mit Wunderkind. Ich kann das aber nicht ändern! Ich kann dem Lehrer ja nicht vorschreiben, wie er sich weiterzubilden hat.

Ich kann dazu nur sagen, alle Argumente die hier geschrieben wurden, mögen ja durchaus richtig sein, aber ich muss hier im Heute und Jetzt es so nehmen, wie ich es bekomme und daraus das Beste versuchen hinzubekommen. Ich kann das alles doof finden, was da schulisch kommt, aber oftmals wäre es wohl einfach leichter, wenn man das nicht immer so oft täte. Ich habe erst gestern zu meinem Sohn gesagt: "Ich kann es nicht ändern, es ist Schulpflicht. Tu etwas dafür, wenn es langweilig ist und höre auf, auf der Bank zu lümmeln. Arbeite mit, dann vergeht die Stunde auch schneller". Und dann habe ich mit der Faust auf den Tisch gehauen, weil mich diese ständigen Diskussionen rum Nichts aufregen.

Koschka hat geschrieben:
Der häufigster Grund warum die Knobelaufgaben nicht funktionieren, ist die nicht Beachtung. Es ist nichts Wert, wenn man eine gelöst hat. Man bekommt auch keine Hilfe, wenn man sie braucht. Man bespricht sie nicht.


Natürlich werden die nicht besprochen, es ist nur ein sozusagen "Schmankerl". Aber auch das kann ich nicht ändern. Man ist ja schon froh, dass es überhaupt eine solche Möglichkeit gibt.

Grundsätzlich muss man immer selber schauen, dass es passt. So ist mein Großkind im aktuellen ITG-Unterricht heillos unterfordert. Die programmieren dort mit Scratch. Jetzt schauen wir eben das Kind auf der VHS einen JAVA-Kurs besuchen kann. Und nein, er darf nicht JAVA in der Schule programmieren und alle anderen Scratch. Er kann sich zwar im Rahmen von Scratch austoben, aber immer eben im Rahmen bleiben. Da haben eben die Hasen 8 Ohren statt nur wie vorgegeben 2 und durchlaufen eben verschiedene Stationen und nicht nur die drei, die als Minimum vorgegeben sind. Ich kann jetzt darüber wie wild diskutieren, aber ändern werde ich es dadurch nicht. Ich kann immer nur selber privat schauen, was man auffangen kann. Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich es auch nicht als Aufgabe der Schule an , dem Kinde jetzt JAVA beizubringen, nur weil er Scratch problemlos beherrscht und dem Rest der Klasse ewig weit voraus ist. Sinnbildlich steht das natürlich auch für den Rest der Schule.

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon charlotte12 » Di 4. Dez 2018, 11:14

Mein Kleiner, 1. Klasse, hat jetzt wie jedes andere Kind in der Klasse, ein Zusatzheft für Rechnen. Auf jeder Seite sind zick eintönige Aufgaben, und ein Bildchen zum Abzählen: der beste und erfolgreichste Weg sich Dyskalkulie in den jungeren Jahren einzueignet.

Könntest Du diesen Zusammenhang näher erklären? Interessiert mich sehr: Seit Ende der ersten Klasse rätsele ich darüber, wie begabt bzw. unbegabt meine Tochter speziell in Mathe ist. Vor der Einschulung konnte sie den Zehnerübergang problemlos, jetzt in Klasse 3 zählt sie ihn ab...
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon charlotte12 » Di 4. Dez 2018, 12:24

Meine Tochter liebt Sachaufgaben, die sind ihre große Stärke. Sie erfasst sofort, was man rechnen muss, weiß gleich das richtige Ergebnis. Allerdings fällt es ihr schwer, das dann auch mit allen Zwischenschritten aufzuschreiben, sie kann schlecht fassen, wie sie auf das Ergebnis gekommen ist. Ein gutes Mengenverständnis hatte sie schon sehr früh, glaube ich zumindest - ich erinnere mich an eine Szene im Bus, da war sie noch sehr klein (Zwei Jahre? Sie konnte auf jeden Fall gerade so einigermaßen sprechen) und verblüffte die Leute im Bus mit ihren (richtigen) Überlegungen zum Thema, wie viele Leute stehen müssen, wenn nur ein Vierersitz frei ist, dann aber erst ein Pärchen Platz nimmt und dann eine 3-er Gruppe kommt.
Würdest Du versuchen, ihr die Fingerzählerei abzugewöhnen oder soll ich sie einfach lassen? Sie meint, wenn sie zerlegt, ist das Ergebnis immer falsch, weil sie sich bei dem Krach in der Klasse nicht konzentrieren kann. Vor der Einschulung hat sie den Zehnerübergang so gerechnet : 7+5=10+2=12, ist also von der 7 drei hochgerutscht und von der 5 drei runtergerutscht, aber das ist jetzt alles vergessen, sie zählt 7+5 an den Fingern ab (3. Klasse!), was letztes Jahr massiv von der damaligen Lehrerin gefördert wurde :x
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