Mathematische Begabung

Mathematik, Musik, Kunst - alles zu spezieller Hochbegabung

Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Sa 1. Dez 2018, 15:26

Ich habe einen interessanten Artikel über die Ausprägung und Erkennung mathematischer Begabung im Grundschulalter. Der Artikel räumt auch einige Mythen auf, u.a. dass mathematische Hochbegabung mit hohem IQ Wert gleich zu setzen sind, oder dass die Kleinen sich alleine durchschlagen, egal was.

http://www.sinus-an-grundschulen.de/fil ... ule/M5.pdf
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 01:50

Koschka hat geschrieben: Der Artikel räumt auch einige Mythen auf, u.a. dass mathematische Hochbegabung mit hohem IQ Wert gleich zu setzen sind


Hier noch etwas komprimierter:

http://www.mathematik.tu-dortmund.de/ie ... tsuche.pdf

Im PriMa-Projekt geht es übrigens primär nicht um die Förderung mathematisch hochbegabter Kinder, sondern darum, den mathematischen Grundschulunterricht flächendeckend für alle zu verbessern.
Die Kinder dienen als Studienobjekte. Sie werden von Anfang an dazu angeleitet, ihre individuellen (und möglichst variantenreichen) Problemlösestrategien präzise und nachvollziehbar darzustellen, um daraus Erkentnisse für den Standarunterricht und dessen Verbesserung zu gewinnen.
Das setzt ein massives Engagement und eine Lust am Weiterknobeln voraus, auch wenn die Aufgaben schon gelöst wurden.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 02:15

abgespeckte Aufgabenstellungen aus den PriMa-Sitzungen werden auch im normalen GS-Unterricht verwendet, mit der Intention,
den Kindern durch “Ausprobieren“,
mathematische Prinzipien verständlich zu machen

Sie sollen nicht durch die Orientierung an einer Beispielaufgabe und nachfolgendem Training mit modifizierten Aufgaben, mathematische Grundlagen verstehen lernen, sondern sollen sich die Lösungen selbstständig erschließen. ( Oder eben nicht. :mrgreen: )
Kreativität und Irrtümer sind ausdrücklich erwünscht.

Na ja, ........
für demotivierte und mathematisch uninteressierte Kinder bedeutet das, dass sie nach der 6. Klasse vom Gymnasium fliegen, weil sie noch nicht mal die Grundrechenarten souverän beherrschen,
da helfen auch massive Talente in anderen Bereichen nicht weiter.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Mo 3. Dez 2018, 11:16

Hallo Maca,

genau so eine Methode hätte ich für meine Kinder gewünscht. Bei meinem Sohn, der deutlich vor seiner Zeit den Zehnerübergang sich selber auf eine andere Weise als vorgesehen erschlossen hat, hätte die Methode viele Schwerigkeiten und Frust im Rechnen erspart. Als er auf die konventionelle Schiene umsteigen musste, brach ihn das für Wochen, wenn nicht Monate durcheinander, so dass er kaum rechnen konnte. Mein Großer braucht keine mathematischen Erklärugen, die länger als 5 Minuten andauern.

Mein Kleiner, 1. Klasse, hat jetzt wie jedes andere Kind in der Klasse, ein Zusatzheft für Rechnen. Auf jeder Seite sind zick eintönige Aufgaben, und ein Bildchen zum Abzählen: der beste und erfolgreichste Weg sich Dyskalkulie in den jungeren Jahren einzueignet. Auch für den Kleinen wären mir offene Aufgaben mit richtigem mathematischen Hintergrund deutlich lieber...
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Mo 3. Dez 2018, 13:16

Für mich ist das überhaupt nichts Neues. Zu diesem Schluss komme ich, nachdem ich mir wirklich alles durchgelesen habe. Und ich stelle fest, dass

A) es diese ganzen Knobelaudgaben hier täglich im Matheunterricht gab - für alle Kinder, es hieß "Knobel des Tages" und "Knobel der Woche".
B) es jedoch mit Differenzierung im Matheunterricht nichts zu tun hat
C) Kind trotzdem dem Vorgegebenen folgen muss

Für mich liest sich das PDF wie eine schöne aber unrealistische Umsetzung innerhalb des normalen Mathematikunterrichts. Auch finde ich die Broschüre etwas weltfremd für die angedachten Lehrer-Leser. Was sollen die denn nun anders machen in ihrem normalen Unterricht? Jedem Kind seinen Rechenweg erlauben? Nun, das könnte man tun. Jedoch würde die Ernüchterung ab Klasse 5 der weiterführenden Schule folgen.

Die Merkmale zur Erkennung von mathematischen Begabungen und deren Korelation zu gezeigter Leistung oder/und der Deutung auf andere Begabungen ist ja nun nicht neu.

Mein mathematisch hochbegabten Kind war im Matheunterricht nie gefrustet. Zumindest nicht mit der Vorgabe wie man zu rechnen hat. Ob nun so oder wie der Lehrer das lehrte war ihm egal. Was mein Kind frustet, ist das zu langsame Vorangehen im Unterricht und das fächerübergreifend. Es trifft daher das zu, was im PDF auch beschrieben wurde, Zusammenhänge und Verknüpfungen werden recht schnell erkannt - übergreifend. Das führt hier eher zu „Wartefrust“ als per se das Problem, wie der Lehrer nun den Lösungsweg akzeptiert.

VG
Zuletzt geändert von alibaba am Mo 3. Dez 2018, 13:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Mo 3. Dez 2018, 13:44

Maca hat geschrieben:abgespeckte Aufgabenstellungen aus den PriMa-Sitzungen werden auch im normalen GS-Unterricht verwendet, mit der Intention,
den Kindern durch “Ausprobieren“,
mathematische Prinzipien verständlich zu machen

Sie sollen nicht durch die Orientierung an einer Beispielaufgabe und nachfolgendem Training mit modifizierten Aufgaben, mathematische Grundlagen verstehen lernen, sondern sollen sich die Lösungen selbstständig erschließen. ( Oder eben nicht. :mrgreen: )
Kreativität und Irrtümer sind ausdrücklich erwünscht.

Na ja, ........
für demotivierte und mathematisch uninteressierte Kinder bedeutet das, dass sie nach der 6. Klasse vom Gymnasium fliegen, weil sie noch nicht mal die Grundrechenarten souverän beherrschen,
da helfen auch massive Talente in anderen Bereichen nicht weiter.


Genau so ist es. Zumindest deckt sich das mit meinen Erfahrungen ab weiterführender Schule. Der Kreativität sind eben innerhalb einer homogenen Klasse Grenzen gesetzt. Wobei sich mein Sohn daran nie störte - nie - trotz seiner Hochbegabung in Mathematik.

Ich empfehle allen Eltern, wenn ein Kind eine Spezialbegabung hat oder eben hb ist, das auf nachmittäglicher Basis abzudecken. Da kann man ungestört kreativ den Gedankenfluss nachgehen, der der das will. Schule kann das nur marginal abdecken und im schlimmsten Fall gar nicht. Beruhigt hat mich aber die Erkenntnis aus dem PDF, dass nur extrem selten Kinder damit nicht klar kommen.

VG
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Mo 3. Dez 2018, 15:22

@alibaba

Du bist gebildet und kennst dich aus. Aber allgemein wird angenommen, dass mathematische Begabung etwa so was wie gute Rechnenkünste darstellt. Dann gehet man noch davon aus, dass sie unbedingt von hohem IQ begleitet wird. Also wie erkenne ich ein mathematisch begabtes Kind? Ich suche mir einen Leistungsstarken und lasse seinen IQ testen. Wenn dabei tatsächlich ein hoher Wert rauskommt, dann kann ich das Kind irgendwohin schicken, wo seine Begabung gefördert wird. Falsch, falsch, und noch mal falsch... und es ärgert mich ungemein, dass man die Kinder zu dem Schulbesuch so verpflichtet, dass es für keinen Entrinnen gibt, aber sich um ihre Bedürfnisse gar nicht kümmert... und ja, ich kenne da einen, der nich mal im Hundertertraum sicher rechnen kann, aber in Mathe 7. Klasse eine sichere 1 hat. Weil es eben ab der 7. Klasse mit der Rechnerei fast aufhört. Vorher war Mathe sein Hassfach.

Der häufigster Grund warum die Knobelaufgaben nicht funktionieren, ist die nicht Beachtung. Es ist nichts Wert, wenn man eine gelöst hat. Man bekommt auch keine Hilfe, wenn man sie braucht. Man bespricht sie nicht.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 3. Dez 2018, 19:46

Ich weiß nicht, ob mein 6jähriger Sohn in Mathe hochbegabt ist. Fakt ist, dass es der einzige Gegenstand ist, wo er NICHT nach allgemeinem Sonderschullehrplan unterrichtet wird, weil sein Vorsprung gegenüber Gleichaltrigen so riesig ist. Aber er hatte auch schon mit 4 Jahren ein ECHTES Zahlenverständnis von mindestens 1000 und konnte Zahlenreihen logisch fortsetzen. Und beim räumlichen Vorstellungsvermögen war er bei der letzten Entwicklungsdiagnostik mit 5 auf dem Stand eines 10jährigen Kindes.

Und wie ist sein "echter" IQ? Laut der letzten Testung 85! Mir ist klar dass es an den Testbedingungen lag, aber selbst bei korrekter Testdurchführung würde bestenfalls ein Wert um 100 rauskommen.

Ich habe übrigens nie geglaubt, dass Mathe-Hochbegabung nur bzw. hauptsächlich bei allgemein hochbegabten Menschen vorkommt. Das ist mMn so ein klassisches Vorurteil wie "die Hochbegabten haben ja immer soziale Probleme" oder auch "hochbegabte Kinder haben immer lauter Einser in der Schule" - jeder, der sich nur ein bisschen mit dem Thema beschäftigt hat, weiß, dass das Quatsch ist!
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Maca » Mo 3. Dez 2018, 23:04

Also ich erinnere mich daran, dass Prof. Marianne Nolte damals bei der Eröffnungsveranstaltung von Mathe-PriMa meinte, dass der wahrnehmungsgebundene Teil des HAWiKs z.b, mathematische Hochbegabung nicht zuverlässig erfassen könne, ebenso der gesamte CFT. Es geht also nicht nur um den Gesamtwert, sondern schon auf Untertestebene erkennt er Mathegenies nicht immer. Auch bei Mehrfachtestungen.

@rabaukenmama, die Werte deines Sohnes wurden ja vermutlich durch die sprachgebundenen Testanteile heruntergezogen,
was ja bedeuten würde, dass die Begabung deines Sohnes eben doch im Test erfasst wurde

Es muss daher einen Zugang zur Welt der imaginären Räume und Zahlen geben, der sich jeglicher Testlogik entzieht.

Was das ist, weiß man nach über 20 Jahren des Arbeitens mit sehr unterschiedlichen mathematischen Begabungstypen innerhalb der PriMa- Tätigkeiten, leider immer noch nicht.

Vielleicht haften wir dafür noch zu sehr an unserem linearen Denken und assoziieren divergentes Denken zu sehr mit
Schizophrenie, also mit etwas pathologischem.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Di 4. Dez 2018, 09:32

Maca hat geschrieben:
@rabaukenmama, die Werte deines Sohnes wurden ja vermutlich durch die sprachgebundenen Testanteile heruntergezogen,
was ja bedeuten würde, dass die Begabung deines Sohnes eben doch im Test erfasst wurde


Nein, es war ein nonverbaler Test. Und trotz mieserabler Testvoraussetzungen (Test nach 60min Fahrt und 3 Stunden anderer Testungen, Kind war hungrig und müde) entsprach der IQ Mathe-Bereich über 130 und war beim räumlichen denken noch höher. Nur die anderen Teilbereiche, wo Sohnemann sich absolut nicht mehr motivieren konnte, aber auch nicht verweigert hat (sondern IRGENDWAS geantwortet), haben das Gesamtergebnis runtergezogen. Der Unterschied zwischen bestem und schlechtestem Unterergebnis war über 70 Punkte!

Maca hat geschrieben:Es muss daher einen Zugang zur Welt der imaginären Räume und Zahlen geben, der sich jeglicher Testlogik entzieht.

Was das ist, weiß man nach über 20 Jahren des Arbeitens mit sehr unterschiedlichen mathematischen Begabungstypen innerhalb der PriMa- Tätigkeiten, leider immer noch nicht.

Vielleicht haften wir dafür noch zu sehr an unserem linearen Denken und assoziieren divergentes Denken zu sehr mit
Schizophrenie, also mit etwas pathologischem.


Ich habe einen mathemathisch hochbegabten Verwandten. Der findet für mathematische Probleme Lösungswege, die Mathe-Professoren nur durch Versuch und Irrtum testen können, weil die dahinter liegenden Gedankengänge so "quer" sind, dass es sich ihrer Logik nicht erschließt. Und im Prinzip ist es ja auch egal, wie der LösungsWEG aussieht, solange man dafür nicht zu viel Zeit benötigt und die Lösung korrekt ist. Nur DAS wollen viele Lehrer einfach nicht wahr haben. Und das beginnt leider schon in der Grundschule, beim 10er-Sprung (wie koschka das beschrieben hat).
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