Mathematische Begabung

Mathematik, Musik, Kunst - alles zu spezieller Hochbegabung

Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Do 6. Dez 2018, 14:03

Koschka hat geschrieben:@alibaba

Bevor du mich zum Rektor schickts, wo warst du selber um was für deinen Sohn zu ändern? Ich war letzte Woche bei Engdurlischlehrerin meiner Tochter. Sie hat mir durchaus was versprochen.


Ja, versprochen, kenne ich. Jep! :lol:

Mein 9-Klässler wäre aktuell jede Einmischung peinlich. Der macht das selber. Er geht ja in die Schule nicht ich. Ich erwarte das auch von einem 9-Klässler das Muddern dem nicht mehr hinterher rennen muss und Probleme klärt. Unterforderung klärt mein Großkind eigenständig. Nicht jede Unterforderung will er auch gelöst haben. Er chillt auch ganz gerne im Unterricht. Das kann ich vielleicht anders sehen oder besser, mir gedanklich wünschen, aber werde den Teufel tun und hier beim Lehrer aufschlagen nur weil ich weiß, da langweilt sich das Kind. Und da mein Herr Sohn nicht nur 1er schreibt, wäre da noch Luft nach oben. Und da ein Lehrer nicht unterscheiden kann zwischen klug und Note, werde ich mich nicht mehr "blamieren". Hab ich oft genug getan. Jetzt reicht es mir.

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Do 6. Dez 2018, 14:05

Ein Drehtürmodel braucht keinen zusätzlichen Lehrer. Man braucht nur Glück, dass die Stundenpläne irgendwo übereinschneiden.

Das Gymnasialemodel in D. ist schizophren. Bei uns melden die Eltern der matheschwachen Kinder ihre Kinder für Latein an. Die Überlegung dahinter: wenn sie Laten nicht nehmen, dann müssen sie ab der Klasse 8 Chemie lernen. Das die Kinder, die mit Mathe nicht zurecht kommen, mit der analytischen Sprache erst recht enorme Probleme haben können, offenbart sich den Eltern erst später. Die Eltern sind dann immer noch fester Überzeugung, dass Französisch so nah am Latein liegt, dass es dem Kind als 3. Fremdsprache leicht fällt. Der Unterricht in der 8. wird aber in so einem Tempo durchgezogen, dass schon ohnehin überfordertes Kind in eine noch schweriegere Situation kommt. Mitte 8. Klasse stellt sich die Frage, wohin des Weges, die eigentlich keine Antwort hat. Die Realschule ist voll und nimmt kein Kind mehr.

Wenn man als Ziel hat, mehr Kinder durchs Gymnasium zu bringen, kommt man nicht drum herum Anforderungen runterzuschrauben. Z.B. Latein oder die 3. Fremdsprache an sich rauszuschmeißen. Ein Jahr hin oder her bringt den Problemkindern nicht viel, denn sie haben grundsätzlich Probleme mit Kapazität. Sie kommen in dem Tempo und Umfang nicht mit. Es gibt Studien, die beweisen, dass Umstellung von G8 auf G9 ein Flopp ist und sagen, dass das Geld, was für zusätzlicher Lehrer und Räume, die für G9 notwendig sind, viel besser direkt für die individuelle Förderung der Wackelkandidaten eingesetzt werden könnte. Aber auch da gibt es Grenzen. In der Klasse meiner Tochter gibt es Kinder, die obwohl sie gelernt haben, für eine Schulaufgabe eine 5 haben. Da ist das Kind wohl in der falschen Schulform gelandet und es gibt für dieses Kind keine Möglichkeit Abitur auf dem direkten Wege zu erwerben.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Do 6. Dez 2018, 15:40

Ich kann bisher nur Erfahrungen im Grundschulbereich anbieten. Und da war es bisher immer so (auch vor etlichen Jahren, beim älteren Sohn meines Mannes) dass nach einem Gespräch für eine GEWISSE ZEIT etwas Leben in die (jeweils besprochene) Sache gelangt ist und sich die Situation VORÜBERGEHEND merklich verbessert hat. Man muss sich halt klar sein, dass es notwendig ist, "lästig" zu sein, und immer wieder auf der Matte der Lehrer zu stehen, wenn man diese Verbesserungen dauerhaft behalten will. Egal, ob das das Kind selbst regelt oder dessen Eltern - EINMAL sagen und ab dann ist alles anders war zumindest bei uns bisher nicht!

Was ist ganz interessant finde ist die Diskussion wegen erlaubt bzw. nicht erlaubt in Sachen Kinder allein im Klassenraum, Schulgelände verlassen, Freistunden in anderen Klassen verbringen, usw.

Ich finde da schon befremdlich, dass alibaba einerseits meint, es wäre nicht zulässig, wenn zwei Kinder "allein" in einem Raum was üben (im Beispiel: kognitiv stärkeres Kind bringt schwächerem Kind gewissen Unterrichtsstoff bei), umgekehrt aber ganz Klassen stundenlang komplett sich selbst überlassen werden, wo es anscheindend völlig ausreicht, wenn ein Lehrer einer anderen Klasse hie und da mal reinschaut! Wenn da nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, wo dann?

In der Schule meines Sohnes ist es übrigens durchaus üblich, dass das eine oder andere Kind mal spontan in einer Paralellklasse "untergebracht" wird, wenn es sich aus der Situation ergibt. Mein Sohn hat z.B. keine offiziellen Nachteilsausgleiche, aber es ist bekannt, dass er mit großen Menschenansammlungen und Ausflügen nicht gut zurecht kommt. Wenn jetzt seine Anwesenheit bei einer schulischen Veranstaltung (Aufmarsch der Schulen am Rathausplatz, Ausflug zum Markt,...) von den Lehrern nicht als notwendig erachtet wird, besprechen die mit dem Lehrer der Paralellklasse, dass mein Sohn in der Zeit dort bleiben darf.

Aber es gibt auch Auslfüge, wo er einfach mit MUSS. Mein Sohn hatte aber den allgemeinen, lockeren Umgang mit "dann geht man halt in eine andere Klasse" schnell durchschaut, und als mal ein Ausflug stattfand, wo er ausdrücklich mit MUSSTE, ging er einfach auf gut Glück in die Paralellklasse, erzählte den Lehrern dort, er würde jetzt hierbleiben, bis seine Schulkameraden zurück kämen, und ließ es einfach drauf ankommen, ob die sich die Mühe machen würden, seine Klassenlehrerin zu kontaktieren und nachzufragen, ob das so ok ist. Haben sie natürlich nicht, sind voll drauf reingefallen! Aber vor dem Abmarsch zum Ausflug fiel auf, dass mein Sohn nicht dabei ist. Also Suchaktion durch die ganze Schule, bis er schließlich grinsend und Comic lesend in der Paralellklasse gefunden wurde :mrgreen: . Das sind halt die Nachteile von so einem lockeren, spontanen Umgang mit "dann halt in eine andere Klasse" - und ältere Kinder sind da bestimmt noch findiger, wenn es darum geht, da ein Schlupfloch für die eigenen Ideen zu finden.

Generell finde ich die ganze Debatte von Aufsicht, Verantwortung, usw. ziemlich übertrieben. Einerseits wird durchaus verlässlichen, verantwortungsbewussten Kindern und Jugendlichen kaum Eigenverantwortung zugestanden, andererseits ist für den Mißbrauch durch die Rabauken nach wie vor Tür und Tor (nicht nur sprichwörtlich) offen. Heute hat jeder Angst, dass "irgend etwas" passieren "könnte" und es steht ständig zur Debatte, was denn rechtlich einwandfrei ist, und was nicht. Hausverstand bleibt zu Hause! Niemand hindert ein Schwänzer-Kind daran, in der Pause oder auch während der Schulstunde einfach das Schulgebäude zu verlassen und was-weiß-ich zu unternehmen. Aber grundsätzlich müssen natürlich alle Kinder rund um die Uhr flächendeckend beaufsichtigt sein! Und wehe, da sind mal ein paar Kinder in der Freistunde ohne Aufsichts-Lehrer im Schulgebäude unterwegs oder sitzen in eine leeren Klasse zusammen!

Passieren kann immer was, da gibt es keine rechtliche Absicherung für alle Fälle. Es gibt aber auch selbst denkfähige Lehrer, denen man zutrauen sollte, den Unterschied zwischen Verantwortung und Fahrlässigkeit zu kennen, und spontane Entscheidungen zu treffen. Ich glaube auch, dass die Schulen das dem Großteil ihrer Lehrer durchaus zutrauen. Das Problem sind dann immer wieder vereinzelte Eltern, die glauben, es müsse alles perfekt, nachvollziehbar und "sicherer als sicher" sein.

In Wien haben vor zwei Jahren Eltern eines Kindergartenkindes den KIGA verklagt, weil ihr Kind dort in der (beaufsichtigten!) Turnstunde vom 40cm hohen Schwebebalken gefallen ist und sich den Arm gebrochen hat. Solche Einzelfällen verunsichern natürlich Kindergärten und Schulen und sie wollen sich in alle möglichen Richtungen "absichern" - ich habe einige Wochen nach diesem Präzidenzfall einen Zettel zum unterschreiben bekommen, dass ich einverstanden bin, dass mein Sohn an der Turnstunde teilnimmt, und der Kindergarten nicht zur Verantwortung gezogen wird, sollte er sich verletzen. In der Schule geht das so munter weiter mit den Zettelchen - bis hin zur Möglichkeit des atomaren Unfalls und der Verabreichung von Kalium-Iod-Tabletten. Und natürlich für die Fotos auf der Schul-Homepage oder im Schaukasten! Wenn ich mein Kind nach einer Krankheit erstmals in die Schule schicke braucht es eine (bei den meisten Ärzten kostenpflichtige!) Infektfrei-Bestätigung, während andere Kinder mit demselben Infekt munter die ganze Zeit in der Schule waren!

Sprich: den ganz normalen, verantwortungsbewussten Eltern und Kindern wird das Leben schwer gemacht, während diejenigen, die sich nichts um Regeln oder Verantwortung scheren weiter munter tun können, was ihnen gerade einfällt.

Aber um zum Thema zurückzukommen: ich verstehe, dass nicht alles immer machbar ist. Aber vieles mangelt auch einfach an der Bereitschaft. Manche Direktoren und Lehrer sind der Meinung, das, was "immer schon" so war, dürfe keinesfalls geändert werden, sonst würden Sodom und Gomorra ausbrechen. In Wirklichkeit ist es deren eigene Bequemlichkeit, unter der dann in erster Linie die Kinder leiden. Wenn etwas nicht ausprobiert wird, weiß man einfach nicht, wie gut oder schlecht es in der Praxis tatsächlich wäre. In der tatsächlichen Praxis-Erprobung würde sich manche Idee vermutlich als Flop herausstellen und die andere als Segen.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Fr 7. Dez 2018, 09:11

Nach der gestrigen Diskussion habe ich mir Gedanken gemacht, wie gerecht wäre es tatsächlich die Aufmerksamkeit der Lehrer, die ums "Überleben" für die Langsamen kämpfen, auf ein Schnelleres Kind zu verlangern. Nüchtern betrachtet hat ein langsames Kind die Wahl entweder um jede Note in den Problemfächern zu kämpfen oder auf eine andere Schulform zu wechseln. Wenn man früh genug anfragt, bekommt man auch bei uns einen Platz auf einer Realschule. Ein schnelles Kind hat dagegen keine Wahl. Es können nicht mal theoretisch alle Begabten in BY in den ganzen 8 Klassen für die Hochbegabten unterrichtet werden. Also das ist ganz im Gegenteil eher sozial ungerecht dem Schnelleren seiner Bedürfnisse zu ignorieren. Laut Statistik gehen in den bayerischen Städten mehr als 40% der Kinder aufs Gymnasium. Da sind wir gut in der Mitte von der Gaussglocke, so war es defintiv nicht gedacht.

In unseren Grundschule hat sich in den letzten 10 Jahren diesbezüglich sehr viel geändert. Hochbegabtenförderung gibt es zwar nach wie vor nicht, aber ein Kind, das die 1. oder die 2. Klasse überspringt wundert keinen mehr. Seitdem die flexible Eingangsstufe 1./2. eingeführt wurde, geht es relativ unproblematisch.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Fr 7. Dez 2018, 10:23

Rabaukenmama hat geschrieben: Ich kann bisher nur Erfahrungen im Grundschulbereich anbieten. Und da war es bisher immer so (auch vor etlichen Jahren, beim älteren Sohn meines Mannes) dass nach einem Gespräch für eine GEWISSE ZEIT etwas Leben in die (jeweils besprochene) Sache gelangt ist und sich die Situation VORÜBERGEHEND merklich verbessert hat. Man muss sich halt klar sein, dass es notwendig ist, "lästig" zu sein, und immer wieder auf der Matte der Lehrer zu stehen, wenn man diese Verbesserungen dauerhaft behalten will. Egal, ob das das Kind selbst regelt oder dessen Eltern - EINMAL sagen und ab dann ist alles anders war zumindest bei uns bisher nicht!


Mein Kindgroß hatte in der GS fünf Klassenlehrerinnen. Eine davon war bereit (sie verwechselte nämlich nicht Note mit IQ) dem Kind "mehr" anzubieten. Am Ende des SJ war sie bereit, das Kind springen zu lassen. Jetzt kam der KL-Wechsel in Klasse 3. Diese Lehrerin sah das ganz anders. Sie stand ein Jahr vor der Pensionierung und hatte sich wohl zu sehr fest gefahren. Mit der KL der 1.Klasse stand ich sogar beim Schulpsychologen - zusammen. Immerhin opferte sie ihre Zeit und kam dort hin. Ja, es sei schon so weit wie Klasse 3, ABER in Deutsch und das Sozialverhalten, da sei er dann doch ein 1.Klässler. Die 2.KL - kam Mitte Klasse 4 - in Klasse 4 sah das Ganze sehr differenziert und erkannte das Potential, ABER da war die Zeit bereits um. Kind hatte eh die Gymnasialempfehlung, die Zeit für Veränderungen zu kurz, sie müsse sich erst einarbeiten.

Habt Ihr echt gedacht, ich denke mir das aus, was ich schreibe und tue nichts? :o


Rabaukenmama hat geschrieben: Ich finde da schon befremdlich, dass alibaba einerseits meint, es wäre nicht zulässig, wenn zwei Kinder "allein" in einem Raum was üben (im Beispiel: kognitiv stärkeres Kind bringt schwächerem Kind gewissen Unterrichtsstoff bei), umgekehrt aber ganz Klassen stundenlang komplett sich selbst überlassen werden, wo es anscheindend völlig ausreicht, wenn ein Lehrer einer anderen Klasse hie und da mal reinschaut! Wenn da nicht mit zweierlei Maß gemessen wird, wo dann?


Ich kann Dir noch ganz andere Dinge erzählen! Grundsätzlich gilt aber, da wo kein Kläger, da kein Richter.


Rabaukenmama hat geschrieben: Generell finde ich die ganze Debatte von Aufsicht, Verantwortung, usw. ziemlich übertrieben. Einerseits wird durchaus verlässlichen, verantwortungsbewussten Kindern und Jugendlichen kaum Eigenverantwortung zugestanden, andererseits ist für den Mißbrauch durch die Rabauken nach wie vor Tür und Tor (nicht nur sprichwörtlich) offen. Heute hat jeder Angst, dass "irgend etwas" passieren "könnte" und es steht ständig zur Debatte, was denn rechtlich einwandfrei ist, und was nicht. Hausverstand bleibt zu Hause! Niemand hindert ein Schwänzer-Kind daran, in der Pause oder auch während der Schulstunde einfach das Schulgebäude zu verlassen und was-weiß-ich zu unternehmen. Aber grundsätzlich müssen natürlich alle Kinder rund um die Uhr flächendeckend beaufsichtigt sein! Und wehe, da sind mal ein paar Kinder in der Freistunde ohne Aufsichts-Lehrer im Schulgebäude unterwegs oder sitzen in eine leeren Klasse zusammen!

Passieren kann immer was, da gibt es keine rechtliche Absicherung für alle Fälle. Es gibt aber auch selbst denkfähige Lehrer, denen man zutrauen sollte, den Unterschied zwischen Verantwortung und Fahrlässigkeit zu kennen, und spontane Entscheidungen zu treffen. Ich glaube auch, dass die Schulen das dem Großteil ihrer Lehrer durchaus zutrauen. Das Problem sind dann immer wieder vereinzelte Eltern, die glauben, es müsse alles perfekt, nachvollziehbar und "sicherer als sicher" sein.


Ich glaube, das sind die Wenigsten. Denn sonst wäre das hier viel strenger. Dann säße ein nämlich ein Erwachsener im Krankenzimmer und kein Kind. Insofern scheint es hier an klagenden oder sich aufregenden Eltern zu mangeln. ;)
Eine Klasse die keinen Lehrer hat, ist ein Problem für alle. Die sind laut, stressen damit (die Tür steht ja offen) die ganzen Klassen die drum herum ihr Zimmer haben. Der verantwortliche Lehrer kann weder in seiner Klasse Unterricht machen, noch können sich die willigen Kinder der nicht betreuten Klasse auf ihre Arbeit konzentrieren. An Fahrlässigkeit im Sinne von "gefährlich" denke ich da erst einmal gar nicht, sondern eher an Fahrlässigkeit im sozialen Sinne zum Wohle der Gemeinschaft.

Rabaukenmama hat geschrieben: Aber um zum Thema zurückzukommen: ich verstehe, dass nicht alles immer machbar ist. Aber vieles mangelt auch einfach an der Bereitschaft. Manche Direktoren und Lehrer sind der Meinung, das, was "immer schon" so war, dürfe keinesfalls geändert werden, sonst würden Sodom und Gomorra ausbrechen. In Wirklichkeit ist es deren eigene Bequemlichkeit, unter der dann in erster Linie die Kinder leiden. Wenn etwas nicht ausprobiert wird, weiß man einfach nicht, wie gut oder schlecht es in der Praxis tatsächlich wäre. In der tatsächlichen Praxis-Erprobung würde sich manche Idee vermutlich als Flop herausstellen und die andere als Segen.


Ich glaube, es sind viele Gründe, warum etwas nicht gemacht wird. Es wird Bequemlichkeit ein Grund sein, aber auch die Prioritätenfrage. Ein kluges Kind, was nicht die besten Noten (in allen Fächern) schreibt, hat keine Lobby, das es ein kluges Kind ist. Hinzu kommt, es gibt ganz viele Kinder, die mal irgendwo eine 1 auf dem Zeugnis stehen haben. Warum soll ich da ein Drehtürmodell eröffnen, wenn es weitaus mehr Kinder gibt, die Förderung benötigen. Und für Beides, Forderung und Förderung benötige ich Fachkräfte. Da reicht eben nicht die hilfebereite Mutti oder der Schüler aus der Jahrgangsstufe. Hinzu kommt die knapp kalkulierte Lehrerschaft.

Und ich persönlich habe keine Lust mehr. Ich habe zu viel erlebt und erfahren. Mein Großkind wird es überleben. Er ist 14 und kann sich ganz gut arrangieren. Die Lehrer sind ja auch bemüht. Gestern hat er und die Lehrerein des ITG-Unterrichts fast alleine Unterricht gemacht. Die saß neben meinem Kinde, ließ sich sein programmiertes Spiel erklären und war so entzückt und fasziniert, dass sie zusammen spielten. Da freute sich mein Schrumpi, so viel Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen, auch wenn das Ganze für ihn ein Klacks war. Mit 14 bin ich halt einfach schon reifer.

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Fr 7. Dez 2018, 10:52

Koschka hat geschrieben:Nach der gestrigen Diskussion habe ich mir Gedanken gemacht, wie gerecht wäre es tatsächlich die Aufmerksamkeit der Lehrer, die ums "Überleben" für die Langsamen kämpfen, auf ein Schnelleres Kind zu verlangern. Nüchtern betrachtet hat ein langsames Kind die Wahl entweder um jede Note in den Problemfächern zu kämpfen oder auf eine andere Schulform zu wechseln. Ein schnelles Kind hat dagegen keine Wahl.


Natürlich ist DAS ungerecht. Aber es gibt ja viel dazwischen. Kinder die sehr gut sind, können jederzeit springen. Springen bedeutet aber eben in allen Fächern sehr gut zu sein und nicht nur in einzelnen. Es gibt auch Schulen mit HB-Zug. Dafür braucht man einen Test, der die HB bestätigt. Ausnahmen gäbe es auch. Unter einem IQ von 120 geht aber gar nichts. Problem oder auch nicht ….. dafür muss man halt eine ganze Stunde mit den ÖVM fahren, hin und zurück waren dann 2 Stunden. Nimmt man dann die Mittagsschule hinzu, die hier ja fast jeden Tag üblich ist, würde das bedeuten, keine Hobbys mehr. Dazu sind wir als Familie nicht bereit! Hobbys sind uns allen ganz wichtig. Bewusst haben wir keine Ganztagesschule für unsere Kinder gewählt.

Und ganz grundsätzlich bin ich ein sehr solidarischer Mensch. Ich würde tendenziell mehr für die Schwächeren tun, als für Kinder die in einzelnen Fächern Glanzleistungen erbringen. Da wäre meine persönliche Priorität klar.

Vom Prinzip her könnten die Schwächeren wie die Stärkeren ja wechseln. Die Starken auf den HB-Zug, die Schwächeren eben auf die Realschule. Allen steht der Weg offen. Alternativ kann man sich eine bilinguale Schule aussuchen (gäbe es hier auch). Unabhängig davon, wir haben hier am Gymnasium die 3.Fremdsprache wo man sich "austoben" kann. Ich kann schon ganz viel Gutes erkennen, auch wenn nichts perfekt ist. Aber wo gibt es das?

Das der Schnellere hier benachteiligt wird, dem Grundsatze nach, kann ich nicht erkennen. Schule ist nicht dafür gemacht, dem Muttersprachler in einem speziellen Fach, die Fremdsprache bei zu bringen. Es muss für den Schnitt machbar sein, nicht für den Ausreißer. Unbenommen davon, gibt es hier Arbeitsblätter, die eben dann das perfekt sprechende Kind "mehr" machen kann. Adäquat wird man es nie "lehren" können. In der Klasse meines Kindklein sitzt ein französischer Muttersprachler. Das hat eben nur 1er, was logisch ist. Dem wird man aber in keiner Klassenstufe gerecht werden können. Dem würde auch kein Drehtürmodell helfen. Immerhin kann er ab Klasse 8 Spanisch als weiteres Hauptfach wählen.

In der Klasse meines Sohnes saß ein portugiesischer Muttersprachler. Der wählte aber Spanisch als 3. Fremdsprache. Er hätte aber auch z.B. Technik wählen können, damit die Herausforderung groß genug wäre und die Langeweile nicht so arg. Aber mit 14 wählt man selber und nimmt eben nicht immer nur die (von Muddern gewünschte) Herausforderung sondern das "Chillprogramm". Ebenso hätte sich ja der französische Muttersprachler für Latein entscheiden können. Tat der aber nicht. Vielleicht sind wir Mütter es ja, die denken mein Kind bräuchte mal etwas mehr und intervenieren, obwohl Kind das vielleicht gar nicht immer so möchte. Ich frage mein Kind, denn Einmischung ist hier ganz uncool. Wenn mein 9-Klässler meine Hilfe wollte, dann würde er kommen. Neulich sagte er zu mir:" Ich möchte gar nicht noch weiter sein, als meine Klassenkammeraden. Das ist uncool. Ich mach das schon Mama."

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Fr 7. Dez 2018, 11:09

@alibaba

nein, ein schnelles Kind hat bei uns keine Wahl. In einer Stunde ist keine Schule mit HB-Zug zu erreichen. Realistischerweise sind es ohne Puffer 1,5 Stunden einfach mit 2 mal umsteigen. Ich weiß schon wie das in Winter funktioniert. Außerdem ist das eher eine unfaire Wahl das Kind aus der lokalen Umgebung wegzuschicken. Also hat der potentielle Realschulkandidat doch eine bessere Wahl. Die nächste Realschule ist nur 5 Minuten mit der Bahn entfernt.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon alibaba » Fr 7. Dez 2018, 12:24

Koschka hat geschrieben:@alibaba

nein, ein schnelles Kind hat bei uns keine Wahl. In einer Stunde ist keine Schule mit HB-Zug zu erreichen. Realistischerweise sind es ohne Puffer 1,5 Stunden einfach mit 2 mal umsteigen. Ich weiß schon wie das in Winter funktioniert. Außerdem ist das eher eine unfaire Wahl das Kind aus der lokalen Umgebung wegzuschicken. Also hat der potentielle Realschulkandidat doch eine bessere Wahl. Die nächste Realschule ist nur 5 Minuten mit der Bahn entfernt.


ABER - das ist euer persönliches "Problem".

Hatten wir denn hier nicht schon mal diese Diskussion. Schrieb nicht jemand, dass sie jeden Weg fahren würden.

Ich habe mal eine Reportage gesehen, da fuhr ein Kind auch 1,5 Stunden mit umsteigen. Ja, wenn man das so möchte. Alternativ kann man umziehen. Ich "kannte" mal eine Mutter, die hatten zwei Wohnungen. Zumindest war das dann die Alternative. Da ging Kind1 auf die Schule vor Ort und Kind2 auf die Spezialförderschule für ihr Talent in die 50km entfernt liegenden Großstadt. 50km mögen nicht weit weg klingen, Problem 2x umsteigen mit Zug und dann noch Bus in einer fremden Großstadt. Ich würde es nicht so gut finden, wenn diese Mutter jetzt "die vor Ort-Schule" genötigt hätte - trotz passendem Profil - doch die adäquate Förderung ihres Kindes vor Ort zu übernehmen. :schwitz:

Auch meine Kinder besuchen eine "Spezial-Profil-schule". Hätten wir die nicht zufällig vor Ort, müssten meine in die nächste größere Stadt fahren (da gibt es die nächste), mit all ihren Konsequenzen - wenn sie das wollten.

Ich kenne eine Mutter, die fährt ihre Kinder jeden Tag in eine bilinguale Schule und holt sie auch wieder ab. Sie will das Beste was machbar ist, heraus holen. Die Schule vor Ort kann das nicht leisten.

Ich glaube, wir machen es uns manchmal zu einfach. Wie viele Kinder müssen täglich lange fahren, weil es eben keine andere Alternative gibt. Ich denke da an die vielen Schulbusse für die Kinder mit Handicap. Freiwillig wählen können die erst gar nicht, ob das lang ist oder nicht, das steht hier nicht zur Debatte. Unsere Entscheidung dagegen ist freiwillig, mehr oder weniger. Denn theoretisch könnte man eine Alternative wählen.

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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Koschka » Fr 7. Dez 2018, 13:25

Ich schicke meine Kinder nicht jeden Tag 1,5 Stunden mit ÖFM, noch dazu zu den Berufsverkehrzeiten. Die anderen Eltern mögen sich anders entscheiden. Ich bewerte das mal ganz subjektiv als Kindheit stehlen, solange die Kinder das nicht auf expliziten Eigenwunsch machen oder einer Notwenidgkeit aus ganz anderen Gründen als nur Begabung besteht...

jeden Tag wegen der Schule 100 km Auto fahren? Dann wären wir bei 30 Euro am Tag, 150 euro die Woche, alleine bei den Fahrkosten. Wenn sich ein paar solcher Kinder zusammenlegen würden, würden sie sich einen Privatlehrer leisten können.

Aber grundsätzlich geht deine Rechnung nicht auf. Man kann nicht alle Begabte in die bereit vorhandene Klassen reinquetenschen.
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Re: Mathematische Begabung

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 7. Dez 2018, 14:50

alibaba hat geschrieben:
Habt Ihr echt gedacht, ich denke mir das aus, was ich schreibe und tue nichts? :o


Nein, habe zumindest ich nicht gedacht. Ich halte deine Erfahrungen genauso real wie die von koschka und den anderen hier. Und ich gehe mal davon aus, dass du auch nicht glaubst, meine Erfahrungen wären ausgedacht :fahne: !

alibaba hat geschrieben:Ich kann Dir noch ganz andere Dinge erzählen! Grundsätzlich gilt aber, da wo kein Kläger, da kein Richter.


Du sagst es: wo kein Kläger, da kein Richter! Daher ist es ja so grotesk, wenn bei grundsätzlich vertrauenswürdigen Schülern gaaaaanz genau geschaut wird, dass nur ja nichts "unerlaubtes" gemacht wird, während diejenigen, die tatsächlich Verantwortung haben, die Sache nur zu oft (und teilweise streng fahrlässig) schleifen lassen :evil: .

alibaba hat geschrieben: An Fahrlässigkeit im Sinne von "gefährlich" denke ich da erst einmal gar nicht, sondern eher an Fahrlässigkeit im sozialen Sinne zum Wohle der Gemeinschaft.


Fahrlässig im Sinne von gefährlich wäre auch nicht, das Kind mit dem Wissen der Schule (und natürlich der Info an einen Elternteil) allein heimgehen zu lassen, wenn sich das aus der Situation ergeben sollte. Trotzdem wird hier mit ganz anderem Maß gemessen.

alibaba hat geschrieben:Ich glaube, es sind viele Gründe, warum etwas nicht gemacht wird. Es wird Bequemlichkeit ein Grund sein, aber auch die Prioritätenfrage. Ein kluges Kind, was nicht die besten Noten (in allen Fächern) schreibt, hat keine Lobby, das es ein kluges Kind ist. Hinzu kommt, es gibt ganz viele Kinder, die mal irgendwo eine 1 auf dem Zeugnis stehen haben. Warum soll ich da ein Drehtürmodell eröffnen, wenn es weitaus mehr Kinder gibt, die Förderung benötigen.


Wenn, dann würde ich (im wörtlichen Sinn) ein Pendeltürmodell einem Drehtürmodell vorziehen, zumindest in den Hauptgegenständen. Die Pendeltür ist für beide Richtungen offen. So müssen Kindern nicht mehr sehr viel Energie dafür aufwenden, um in ihren schwachen Gegenständen überhaupt versetzt zu werden, sondern können sich darauf konzentrieren, ihre Stärken auszubauen.

Ein Kind, welches in Mathe eine glatte Eins hat, aber z.B. in französisch eine Fünf, wird in unserem bestehenden System (und ich meine sowohl in D als auch in A) sehr viel mehr Zeit auf französisch verwenden müssen als auf Mathe - auch dann, wenn es sehr, sehr unwahrscheinlich ist, dass es mal einen Beruf aussucht, wo gute Französischkenntnisse wichtig sidn. DARAN krankt unser System. Es gibt genug schlummernde Begabungen, die nicht ausgelebt werden können, weil auch kluge Kinder eben nicht in allen Gegenständen Überflieger sind. Und wenn ein Kind zu Hause 3 Stunden Französisch geübt hat, wird es nur noch in den seltensten Fällen Lust haben, sich DANACH in der knappen Freizeit, mit kniffeligen, mathematischen Problemstellungen zu beschäftigen.

alibaba hat geschrieben:Und ich persönlich habe keine Lust mehr. Ich habe zu viel erlebt und erfahren. Mein Großkind wird es überleben. Er ist 14 und kann sich ganz gut arrangieren. Die Lehrer sind ja auch bemüht. Gestern hat er und die Lehrerein des ITG-Unterrichts fast alleine Unterricht gemacht. Die saß neben meinem Kinde, ließ sich sein programmiertes Spiel erklären und war so entzückt und fasziniert, dass sie zusammen spielten. Da freute sich mein Schrumpi, so viel Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen, auch wenn das Ganze für ihn ein Klacks war. Mit 14 bin ich halt einfach schon reifer.


Mit der Reife ist es ähnlich wie mit der Intelligenz: sie ist einfach nicht gleichmäßig genug verteilt :mrgreen: . Wenn ich an meine Reife mit 14 zurückdenke kommen mir eher die Tränen (nicht vor Freude!). Hingegen kenne ich mittlerweile durchaus reife 14jährige Mädchen, die schon selbst genau wissen, was und wie viel sie für die Schule tun können und wollen. Diese Einsicht hat mir völlig gefehlt. Als ich mit 14 in der höheren Schule bemerkt habe, dass man hier für eine 4 teilweise stundenlang LERNEN muss, habe ich ganz schnell das Handtuch geworfen.

Schön, dass dein Sohn die Reife schon hat, jetzt selbst mit allem klar zu kommen :) . Dasselbe wünsche ich auch meinem Sohn, wenn er mal 14 ist - nur kann ich es mir noch nicht so recht vorstellen. Er ist mir (leider oder Gott sei Dank) vom Wesen her ziemlich ähnlich :roll: .
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