Beziehung zum Kind dVerständnis der eigenen Biografie verbessern

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haben Kluge Kinder auch Kluge Eltern? Alles zu Hochbegabung bei Erwachsenen
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nosupermum
Dauergast
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Registriert: Fr 8. Nov 2013, 12:54

Beziehung zum Kind dVerständnis der eigenen Biografie verbessern

Beitrag von nosupermum »

Hallo,

ich wollte mal fragen, ob wir weit die HB eures Kindes euch zu eurer eigenen Biografie zurück geführt hat und ob das Verständnis eurer Kindheit das Verständnis für euer Kind beeinflusst hat.

Für neue Leser*innen: Kind 10 Jahre, Klasse 5 Gymnasium, ungetestet, eine Klasse übersprungen.

Wir haben aktuell Probleme, da vereinzelte Hänseleien zu systematischem Hänseln mit Gruppendynamik angewachsen ist. Von Mobbing möchte ich noch nicht sprechen. Zudem gerät das“sich anders fühlen/anders sein“ in den Vordergrund. Sie erlebt ihre Intelligenz als Stigma. Ihre Klassenkameraden und Lehrer reduzieren sie darauf.
Gleichzeitig verzweifelt sie an einfachen Aufgaben, zB die europäischen Hauptstädte auswendig zu lernen. Die Monate den Zahlen zuzuordnen geht immer noch nicht. Auf der anderen Seite kann sie alle mögen Schlössertypen (Bauwerke) und Eigenschaften erklären.
Verzweifelt sie an was leichtem, stellt sie ihre Intelligenz in Frage. Macht sie einen Kängurutest in windeseile und hat alles richtig, fühlt keine Bestätigung oder Freude, da zu leicht. Bei einer 15 in Mathe sagt sie, da könnte sie sich noch verbessern. Es könnte schneller, einfacher, eleganter gelöst werden?

So, nun komme ich ins Spiel.

Das Mobbing triggert mich wahnsinnig weil ich es in schlimmer Form erleben musste. Ich hatte niemanden der mir half. Inkompetente Lehrer, die mich vor der Klasde bloßstellten, damit ich mich nicht mehr beschwer. Eltern die auf die Lehrer hörten und sagten, ich solle einfach nicht hinhören und den Jungs keine angriffsfläche bieten. Ich bin ab Klasse 8 fast jedes Jahr sitzen geblieben, weil meine Noten so in den Keller gingen. Ich wurde selbst im Unterricht permanent laut beschimpft und erinnere mich nur noch an die Röte im Gesicht und das Rauschen meines Blutes in den Ohren. Irgendwann ging ich fast nicht mehr zur Schule und brachte mir nahezu alles autodidaktisch. Von da an war ich Klassenbeste. Es war mir eine Freude besser zu sein, dass ich es fast körperlich spürte. Als könnte ich ein Messer in meine Peiniger bohren.

Seit meine Tochter in Anfängen und mit vielen Parallelen das erlebt, was ich erlebe, kann ich nicht mehr schlafen.

Das ist aber das eine. Das anders, dass ich meine Beurteilung aus der Schule durchgelesen habe und mich in die Situation in der Klasse zurück versetzt habe. Ja, ich war nicht angepasst. Ich war in der GS immer am reden, immer früh fertig, rechthaberische im Sinne von ich habe jede Abweichung vom versprochenen Handeln des Lehrers vehement eingefordert. Z.B. „wenn ihr euch schickt, schauen wir nächste Stunde einen Film“, hatte der Lehrer ihn vergessen habe ich das vehement und sicher nicht sehr sozial kompetent eingefordert. Oder drauf gedrängt, dass meine Peiniger eine Strafe bekommen. Ich habe der Lehrerin bspw gesagt, dass ich erst wieder was im Unterricht sage, wenn sie die Beleidigungen aus der Reihe hinter mir abstellt. Dadurch war ich das Problem und nicht das Verhalten der Jungs, die mich in der Pause belästigt haben.

Ich bin in Fächern wie Ethik aufgeblüht, da ich ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden hatte. Ich war extrem geschickt in Diskussionen und ich im Freien Schreiben. Nur liegen keine Fremdsprachen, wohl Hemmungen statt Unkenntnis. Ich kann nicht logisch denken. Meine Tochter sieht im Känguru einfach sofort die Lösung, ich schaffe Aufgaben klasse 5 im Test nicht.
Dafür sehe ich Buchstaben und Wörter sofort. Ich kann aus Buchstabenhaufen sofort mit einem Blick in wenigen Sekunden alle Wörter zusammen setzen. Kann meine Tochter absolut nicht. Da sind wir sehr verschiedene. Ich habe ja auch Synästhesie. Ich schreibe daher fast nie Worte falsch, da ich besonders die schweren Stellen farbig codiere, automatisch. Also der Unterschied zwischen „Heer“ und „her“ ist das breitere Blau in der Mitte von „Heer“. Zeitabschnitt sind durch Farben gegliedert. Die Nachkriegszeit ist rot-grün, die Machtergreifung Doppel-Blau. Somit sind Jahreszahlen auch unproblematisch, rechnen schwer. Die grundziffern 1-9 entstehen in ihrer Addition durch Farbmischung. 2+3=5 ist logisch weil Gelb und Blau Grün ergibt. Multiplikation ist hartes auswendig lernen ohne passende Farben gewesen.
Musste ich Stoff auswendig lernen kann ich mir Mitschriften codieren. Wenn zum Bsp ein biologischer Sachverhalt 5 Merkmale hat, also fünf Aufzählungszeichen, der darunter 6, dann ist das die Grün-blaue Seite. So können bzw ich den gesamten stoff fürs Abi schnell auswendig.

Mein Mann ist manchmal Buchstabenblind. Er sieht sofort die Lösung mathematischer Aufgaben, hat aber eine Rechtschreibschwäche und kann sich nicht gut im Raum orientieren, wenn dazu Schrift genutzt wird. Flughafen ist der Klassiker. Er steht verwirrt da, ich nehme einmal den Raum wahr und habe alle Schilder gelesen. Er denkt dann immer, ich gehe nach Gefühl (falsch). Internetseiten - können wir nicht gemeinsam anschauen. Setzt mich aber bitte nicht in der Stadt aus, ich finde nicht zurück. Unsere Tochter konnte mit 7 in Berlin uns den ganzen Fußweg durch die Stadt zurück führen.

Ich merke, dass dadurch das Verständnis für meine Tochter manchmal fehlt. Ich werde manchmal unwirsch, weil ich immer von meinem Denken ausgehe. Und alles logisch finde. Ich verspüre auch gerade so einen innerlichen Druck, dass sie gerade jetzt gut sein muss, um den Hänseleien was entgegen zusetzen. Ich kenne ja für mich nur diese eine Strategie. Ich versuche, das nicht zu zeigen, aber ich habe in den Momenten so einen Überdruck in mir.

Ich glaube manchmal, ich war nicht falsch, damals als Kind. Ich war anders. Meine Tochter ist auch anders als ihr Umfeld. Und wir sind beide entgegengesetzt anders.

Ich habe gerade das Bedürfnis, das meiner Tochter zuliebe aufarbeiten zu müssen, weiß aber nicht, wo anzufangen..,

Warum ich das in dieses Forum schreibe? Als Kind habe ich einen Intelligenztest gemacht, dessen Ergebnis meine Mutter nie abgeholt hat…
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
Beiträge: 1428
Registriert: Do 23. Jan 2020, 09:33

Re: Beziehung zum Kind dVerständnis der eigenen Biografie verbessern

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Hallo,

die soziale Ablehnung hat mit Intelligenz wenig bis gar nichts zu tun. Wenn du deine Vergangenheit professionell aufarbeitest, kann es dir durchaus helfen besser mit deiner Lebenssituation zurecht zu kommen und dadurch auch mehr Ressourcen für deine Tochter zu mobilisieren. Stochere aber nicht selber in den tiefen des eigenen Ichs herum, es kann schlimmer werden. Das ist eine Aufgabe für Profis.

Deine Tochter ist anders als andere Kinder. Das lese ich hier schon seit Jahren. Wenn du eine Erklärung möchtest, geht zu einem erfahrenen Kinderjugendpsychiater und lass eine umfassende Diagnostik durchführen. Die üblichen Verdächtigen als Begleiter der Begabung sind gut bekannt. Unabhängig vom Psychiater kann man sich an einen Kinderjugendpsychotherapeuten wenden. Sie beschäftigen sich auch mit Mobbing und damit verbundenen Konsequenzen. Damit Mobbing aufhört, muss dein Kind ihr Verhalten ändern.
koala27
Dauergast
Beiträge: 266
Registriert: So 31. Mai 2020, 18:26

Re: Beziehung zum Kind dVerständnis der eigenen Biografie verbessern

Beitrag von koala27 »

Hallo nosupermum,

bei uns ist es so, dass ich schon einige Dinge die die Große ( 14/8 Kl.Gym) in der Schule als nervig erlebt nachvollziehen kann, da es mir auch so ging.
Sie hasst lautes Vorlesen--war bei mir genauso, wir lesen halt beide sehr sehr schnell und laut und deutlich lesen bremst aus und erzeugt Stress.
Sie muss das Üben-- musste ich auch---und jedes Mal ist sie froh, wenn es überstanden ist ( Englisch besonders). War bei mir auch so.
Unverständnis, wenn andere sich was nicht merken, Ungeduld, wenn man was x mal sagen muss. Etc.etc. kommt mir alles bekannt vor, kenne ich auch aus meiner Schulzeit.
Allerdings denke ich, dass es zu meiner Schulzeit ( gleiches Gym, teilweise gleiche LehrerInnen) noch anders war--- sowohl im Unterricht als auch in den Pausen--- die Schüler waren diziplinierter und hatten mehr Respekt vor den Lehrern. Ja, es gab Hänseleien, ja es gab sowas wie Mobbing.... aber nicht so extrem, nicht so lange und schon gar nicht während des Unterrichts---blöde Kommentare? 1x und dann war aber Ruhe....
Und trotzdem gab es eine Klassengemeinschaft, man hatte Kontakt zu allen-- zu einigen mehr zu einigen weniger, aber irgednwie konnte man mit allen gut umgehen--es wurde keiner so ausgegrenzt. Es gab eher Rivalität zu den Parallelklassen--im Sport bspw. oder in bestimmten Stunden.
Und von dem was ich alles noch weiß, denke ich auch, dass wir früher reifer waren im Verhalten als die Kids heute. Was bei der Großen in der 8 Klasse teilweise los ist---das war bei uns in Klasse 6 schon zu peinlich, als das es noch jemand gemacht hätte.


Sie erlebt das anders und erlebt halt auch, dass den LehrerInnen teilweise die Handhabe fehlt oder aber sie gleichgültiger sind-- sich nicht immer durchsetzen können, weil sonst die Eltern auf der Matte stehen.
Dadurch ist viel Unruhe in der Klasse; viele Kommentare werden nicht geahndet, durch Handy kursieren dann auch einige Videos -- unsere Tochter ist deshalb aus der Klassengruppe rausgegangen-- sie will damit nichts zu tun haben-- und das nicht auf ihrem Handy haben.
Oft bekommen die Lehrer einiges auch gar nicht mit--- und dann bleibt es im Raum stehen und wird nicht revidiert--- das erlebt sie sehr viel häufiger als ich es kenne. Sie ärgert sich dann; weiß aber ja auch das es nicht bringt, die Leute anzusprechen, weil die eben so sind und kommt dann gefrustet nach Hause. Und muss es quasi in der Schule runterschlucken, wenn sie nicht anecken will.
Wir versuchen sie dann aufzufangen, ihr zuzuhören und ihr halt auch zu sagen, dass sie alles richtig macht, so wie es handhabt-- mehr geht nicht.
Sie hat sich durch die AG's Freunde aus höheren Klassen gesucht-- das hilft ihr auch--dadurch muss sie in den Pausen nicht mit Leuten aus ihrer Klasse abhängen. Klasse 10, Klasse 11---alles kein Problem.


Das kenne ich bspw. gar nicht-- wir blieben früher immer in unserem Jahrgang-- max. 1 Jahrgang drüber mit Kontakten und das war es. Aber wir haben es auch nicht gebraucht...


Sie hatte letzte Woche ja 4 Tage an Simep22 ( ab 8 Klasse aufwärts...) teilgenommen ( So-MI)--- wir hatten ein anderes Kind zu Hause--- sie war hochmotiviert--- ist um 7 Uhr mit dem Zug los, war um 20 Uhr wieder zu Hause---- und nur gut gelaunt, nur Spaß, sie fühlte sich ernst genommen, von den älteren die dabei waren-- auch aus ihrer Schule-- und sagte noch, dass sie mehr gelernt hätte als im Unterricht.


Ich denke, einiges was sie erlebt kann ich shr gut nachvollziehen, auch ihr Verhalten, ihren Ärger etc. anderes wiederum nicht--weil es für mich damals einfach nicht wichtig genug gewesen wäre um mich darüber aufzuregen oder mich darum zu kümmern.....
Allerdings darf ich das nicht sagen.... denn das versteht sie dann nicht

Bspw. Sie regt sich total darüber auf, was Herr X zu Schülerin B gesagt hat über die Klassenarbeit...

Mich hätte das damals nur insoweit interessiert, wenn meine Note dadurch betroffen gewesen wäre--- also Herr X bei Shülerin B was anerkannt hätte, was bei mir auch steht, aber falsch ist--- sonst wäre mir das völlig egal gewesen..

Es betrifft die Große überhaupt nicht, sie regt sich aber darüber auf wie Herr X da gesagt hat und warum und wieso.... alles nicht ihre Baustelle, aber sie regt sich auf.....

und da hört dann mein Verständnis auf----
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